grundsatz m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 890, Z. 35
vor dem 17. jh. nicht zu belegen, doch vgl. grundsäzlich Fischart 3, 306 H.
1)
zufrühest lexikalisch bei Schottel: gr. lex vel regula fundamentalis teutsche sprachkunst (1641) 378; gr. praesuppositum, principia artis Stieler 2041; gr. thesis Dentzler 142ᵃ; gr., woraus man andere wahrheiten herleitet thesis, principium Frisch teutsch-lat. 1, 380ᵃ; erst in der 2. hälfte des 17. jhs. erstarkend und vor Chr. Wolf nicht von schulmäsziger philosophie terminologisch aufgenommen (s. u.b); noch bei Leibnitz selten, vgl. grundsaz: die welt wird von einem allwiszenden und allmächtigen herrn regiret, den wir gott nennen. folgsäze: gottes zweck (ist) ... liebe sein selbsten phil. schr. 7, 76 Gerhardt (im lat. paralleltext 'hypothesis alibi demonstrata' ebda 74), aber hauptsätze 6, 468 vgl. 467, lehrsäze 7, 34, grundbeweisz 6, 467 (s. auch sp. 761), ursäzen s. schr. u. br. II 1, 217 akad.; doch erscheint gr. so wenig wie älteres grundspruch (s. sp. 902) als unmittelbare nachbildung eines bestimmten lat. begriffes philosophischer sprache wie 'hypothesis' oder 'positio fundamentalis' (vgl. Singer zs. f. dtsche wortf. 4, 128ᵇ), sondern als selbständige bildung im sinne von comp.-typ. 5 o, p, r.
a)
die grundlegenden sätze, die einer erörterung, einer beweisführung u. s. w. zu grunde liegen, vgl. der gr., grundlehre, die materie davon man handelt hypothesis Wächtler handbuch (1703) 155; nur weisz ich mich zu erinnern, dasz der gr. oder thema der rede war ... Lindenborn Diogenes 2, 46; auch diese (die natürliche wissenschaft) gehet aus gewiszen grundsätzen, da man eher nicht vergnügt ist, bisz man siehet, wie eines vernunftmäszig aus dem andern folget Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 37; wie denn oberzelte rechenarten samt und sonders dahin gehen, aus vorhandenen dingen als grundsätzen durch gewisse hauptanmerkungen eine nicht vorhandene, doch verlangte sach ... zu weg zu bringen E. Weigel würkung des gemüths (1684) 7; einige (dinge) ... werden aus den vorfälligkeiten und grundsätzen (hypothesibus) durch eine klar beweisende lehrart so ausgeführet J. Chr. Sturm physik (1713) 3; nach unserm angenommenen grundsatze herrscht die melancholie in dem temperamente ... in desto stärkeren grade, je mehr die vernunft den geist bemeistert Gottschedin br. 1, 201 R.; so musz ich es aus oben angeführten gründen als gr. annehmen, dasz die schauspielkunst mit der dramatischen poesie zugleich blüht und verfällt A. W. Schlegel in: Europa 2, 31; ähnlich 'allgemeiner erfahrungssatz': mich bedunckt der natürliche gr.: ex quibus constamus, ab iisdem nutrimus solle hier nicht unbillich platz finden Hohberg georg. cur. 2, 17.
b)
specifischer als übersetzung von axiom; so terminologisch bei Chr. Wolf (vgl. axioma ... spruch G. Wasserleiter Rami logica [1590] 111ᵃ; axioma allgemeine reguln Reyher thes. 639; axioma ein lehrspruch Weismann lex. [1698] 41ᵇ): gr. axioma menschl. verstand (1719) m 4ᵇ; vgl.haupt- ò grundsatz assioma, aforismo, massima Kramer teutsch-ital. 2, 775ᵇ; logisch-mathematisch: 'sätze, die nicht bewiesen zu werden brauchen': die erwegungssätze, welche aus einer erklärung (= definitio) hergeleitet werden, nenne ich grundsätze (= axiomata), die ubungssätze, welche man aus einer erklärung schlieszet, heischesätze (= postulata) Chr. Wolf menschl. verst. 62; der obersatz (beim logischen schlusz) gehöret unter diejenigen, die man ohne allen beweis angiebet ..., das ist, er ist ein gr. ged. v. gott (1720) 4; weiter gefaszt bei Kant: grundsätze sind entweder intuitive oder discursive. die ersteren können in der anschauung dargestellet werden und heiszen axiome ..., die letzteren lassen sich nur durch begriffe ausdrücken und können akroame ... genannt werden s. w. 8, 108 H.; diese regeln ... sind regeln a priori, und sofern keine über sie sind, von denen sie abgeleitet werden, grundsätze 4, 54; alle grundsätze des reinen verstandes sind demnach: 1. axiomen der anschauung, 2. anticipationen der wahrnehmung, 3. analogien der erfahrung, 4. postulate des empirischen denkens überhaupt 3, 154; ein solcher vor der verbindung (mit andern sätzen) vorher und unabhängig von ihr gewisser satz heiszt ein gr. Fichte s. w. 1, 41; die drey grundsätze in der ontologie, der gr. des widerspruches, der gr. des zureichenden grundes und der gr. des nicht zu unterscheidenden Gottsched beobacht. 123; umkehrung der drei logischen grundsätze — daraus entstehen die drei logischen antinomien Novalis schr. 3, 337 M.; ein anfänger (der mathematik) musz sich zuerst die ... grundsätze und die vornehmsten lehrsätze bekandt machen v. Fleming soldat 31; ebenso machen die mathematischen grundsätze keinen theil dieses systems aus Kant s. schr. 3, 147 H.; dasz zwischen zwey punkten nur eine gerade linie möglich sey, ist ein gr.; ihn zu erweisen ist unmöglich Lichtenberg verm. schr. 9, 132; entsprechend in allgemeinerer verwendung: es dienet nicht allein die einfachheit dieses grundsatzes, sondern die übereinstimmung desselben mit dem zustande unserer ersten eltern im paradiese mit dazu, seine unumstöszliche wahrheit zu bewähren Brockes 8, 626; (Sokrates) ... setzte ... zum fundament seiner refutation voraus einen allgemeinen gr., der von niemand in zweifel gezogen ward discourse der mahlern 2, 95; aus dem philosophischen gr., dasz eine anklage ... gegen sich selbst wider die menschliche natur sey Archenholz England u. Ital. 1, 17.
c)
gr. als deutsche entsprechung von principium nicht vor der wende des 17./18. jhs. lexikalisch, im gebrauch vereinzelt früher (s. u.), vgl. noch: principium ... grundbehaubtung Stieler zeitungslust (1695) 625; gr., grundspruch ... principio Kramer teutsch-ital. 1, 574ᵃ; philosophische principia oder grundsätze sendschr. an herrn v. B. (1700) 11; disz ist ... von den urständen oder grundsätzen (principiis) geredet G. Arnold verthädigung d. myst. theol. (1703) 5; principium auf deutsch grundsätze Abbt in: literaturbriefe 22, 98; durch adjective wie oberste, erste, höchste gern gesteigert: von dem obersten grundsatze aller synthetischen urtheile (überschr.). das oberste principium aller synthetischen urtheile ist also: ein jeder gegenstand ... Kant s. schr. 3, 152 H.; die ersten grundsätze läugnen to deny the very principles Ludwig teutsch-engl. (1716) 819; als den ersten und höchsten gr. ein urteil über alle sprachen W. v. Humboldt Latium u. Hellas 150 lit.-dkm.
α)
der fundamentale satz, das oberste princip aus dem sich ein ding ableiten läszt, erklärt; vorstufe dazu schon: es ist ein ungereimtes plumpes ding nur auf seinen gr. des rechtens ... ein urtheil fällen Neumark fortgepfl. lustw. (1657) zuschr. 11; diese so lange verholene boszheit ... mit allen ihren boszhaftigen ... grundsätzen Zesen gekr. majestät (1661) 75; häufiger erst mit dem 18. jh.: so ist doch der folgende gr. (principium) der gesunden vernunft ganz klar J. Chr. Sturm physik (1713) 15; wie wird er die jurisprudenz ... fassen, wenn ihm die gemeinen und absonderlichen grundsätze der klugheit unbekannt bleiben Thomasius ernsth. ged. (1720 f.) 2, 172; was der mythologist aber dem bloszen zufall zuschrieb, glaubte ich aus einem gr. der kunst herleiten zu dürfen Lessing 10, 248 L.-M.; für die dichtkunst an und für sich hatte man keinen gr. finden können Göthe 27, 78 W.; versuch über den gr. des naturrechts G. Hufeland (1785) titel; diese ungewiszheit erschüttert die seele und ist der grosze gr. aller malerey für das herz Sturz schr. 1, 36; dieses führet darauf hinaus, dasz man in der natur einen gewissen allgemeinen gr. erkennen musz, darnach sich alle ihre wirkungen richten Gottsched neueste 1, 320.
β)
die fundamentalen sätze, regeln, lehren, principien einer wissenschaft, eines systems, einer kunst, einer lehrmeinung; vgl. lehrsätze, von Chr. Wolf aber unterschieden: zuweilen werden lehrsätze vor grundsätze ausgegeben, welches man aber gar bald erkennen kan menschl. verstand 144; vgl. gr. principia artis Stieler 2041; dasz man ... nur anfangs die unwidersprechlichsten fehler und die hingegen unhintertreibliche grundsätze (der rechtschreibung) zu berühren gewillet ist Harsdörfer t. secretarius 1, 560; wir wollen aber nun auch die absonderlichen und eigentlichen grundsätze dieser so hoch gehaltenen kunst (der sterndeuterei) beschreiben Knorr v. Rosenroth pseudodoxia 164; auch glaube ich, dasz die sterndeutkünstler viel andre grundsätze, die himmel recht kennen zu lernen, in jenem leben benöthigt seyn Chr. v. Ryssel v. d. seelenfrieden (1685) 258; so laszt sichs doch aus disem gr. (des Cartesius) sagen, wie die sonnenstralen können erwärmen J. J. Scheuchzer physica (1711) 1, 99; ich (halte) nach des Aristoteles und Horatius grundsätzen dafür, dasz auch nicht einmahl in erfindungen etwas schön seyn könne als was der wahrheit ähnlich Heräus ged. u. lat. inschr. 25; die grundsätze des groszen Machiavellus Lindenborn Diogenes 1, 56; die grundsätze der weltweisheit des herrn abts Genest Brockes 3, vorr. 1 (= principes de philosphie); die grundsätze und bemerkungen der allgemeinen physik Herder 13, 22 S.; wenn im vorhergehenden die grundsätze der farbenharmonie vorgetragen worden Göthe II 1, 331 W.; untersuchung über die deutlichkeit der grundsätze der natürlichen theologie und der moral Kant titel; die grundsätze der poesie Neukirch anfangsgründe (1724) 18; eine ode nach den schönsten grundsätzen der lyrik Gerstenberg recens. 281 lit.-dkm.; unterricht in den grundsätzen der redekunst Fr. Schlegel 4, 132; die neuen grundsätze der poetischen technik Scherer literaturgesch. 145; die grundsätze, auf welche das ganze harmonische gebäude (der musik) gebauet wird Scheibe crit. musicus 33; die von Ph. Em. Bach nach den grundsätzen seines vaters ausgebildete applicatur (begründete) die entwickelung der eigentlichen klaviertechnik O. Jahn Mozart 4, 5; den grundsätzen ihrer schule hing sie lange und mit strenge an R. Schumann ges. schr. 3, 176.
γ)
dann objective und subjective 'glaubenssätze, dogmen, grundsätze einer überzeugung' u. ä.: weil sie doch mit nichts zum vorschein kommen dürften als ... mit diesen oder jenen selbst erdachten grundsätzen G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) vorr. 36; dasz einer sünde thun und doch ein guter christ sein könne und was dergleichen grundsätze mehr sind gr. Zinzendorf Socrates (1726) 47; nach anleitung der grundsätze seiner religion v. Fleming t. soldat (1726) 176; in der katholischen kirche, die eine unfehlbarkeit des pabstes zum ersten gr. ihres glaubens annimmt Lenz vertheidigung (1776) 3; dasz die grundsätze einer erleuchteten religion ... immer weiter ausgebreitet (werden) Cramer nord. aufseher 1, 45; wo Carl sich ketzerischer grundsätze verdächtig machte Schiller 8, 8 G.; geht zu unsern freunden und macht sie mit unsern grundsätzen bekannt Göthe 17, 270 W.; wenn die schlacht von Jena ... meine politischen grundsätze verändert hat H. v. Kleist w. 4, 83 Schm.; die furcht vor den grundsätzen der französischen revolution jahrb. d. Grillparzergesellsch. 2, XI; er ... wurde ... wegen verbreitung communistischer grundsätze zur rechenschaft gezogen Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 52; die erhabenen grundsätze von gleichheit aller stände Kotzebue s. dram. w. 2, 57; er (hatte) den gr., dasz die blosze veränderung der geschäfte eine hinlängliche erholung von der arbeit wäre Cramer nord. aufseher 1, 50; das ist ... so sein pädagogischer gr., man müsse die kinder ihre selbständigkeit fühlen lassen Castelli s. w. 10, 241; 'nach gott kommt gleich der papa', das ... war der gr. des ganzen hauses O. Jahn Mozart 2, 3.
δ)
häufig in blasserer verwendung die 'regel, form, die art und weise des vorgehens nach einem für richtig erkannten gesichtspunct, princip': die taille gilt für unveränderlich ..., die grundsätze ihrer vertheilung über die provinzen ... sind für die einzelnen ein völliges geheimnisz Dahlmann franz. revol. 44; es giebt grundsätze der anordnung Gerstenberg recens. 37 lit.-dkm.; nach diesen grundsätzen ... ist vorliegendes handbuch bearbeitet J. H. Vosz antisymb. 1, 24; ein portrait im wesentlichen ganz nach denselben grundsätzen gearbeitet Fr. Schlegel s. w. 6, 39; die grundsätze, nach denen man Homer und Shakespeare verdeutscht, sind ... auf einen arabischen dichter kaum anwendbar Rückert w. 11, 215; kriege nach den grundsätzen der zweykämpfe geführt dtsches museum 1, 32 Fr. Schlegel; bei der wahl desselben (parlaments) wollte man die grundsätze einer gleichmäszigen repräsentation festhalten Ranke w. 17, 108; (die) freizügigkeit soll durch eine auf dem grundsatze der gewerbefreiheit beruhende gewerbeordnung weiter entwickelt ... werden Bismarck polit. reden 4, 3; vielfach mit typischen adjectiven verbunden: die wirthschaftlichen grundsätze 2, 57; die allgemeinen grundsäze dieser schreibart Bodmer crit. poet. schr. 1, 110; ästhetische kritik nach allgemeinen grundsätzen O. Jahn Mozart 1, 243 anm. 4; durch richtige wissenschaftliche grundsätze geleitet Liebig chem. br. 3; die technik des baues auf wissenschaftliche grundsätze und regeln ... basieren hwb. d. staatswiss.³ 1, 3.
d)
im sinne 'satz, princip, regel, die die normative grundlage des handelns darstellt'.
α)
objectiv als 'regel, princip des handelns, das als sittliche verpflichtung aller zu gelten beansprucht'; dieser verwendung sich nähernd:
was schwermst du, königin, und öffnest thür und thor
den greueln der natur, machst ihre grundsätz eitel
Chr. Warnecke poet. versuch (1704) 110;
wir sagen also, dasz die moralischen grundsätze, daraus hier geurtheilet und geschrieben wird, richtig Gottsched neueste 9, 304; die fürnehmsten grundsätze der unter uns üblichen höflichkeit sind in der warhaften klugheit zu leben sehr wohl gegründet vernünft. tadlerinnen 1, 113; von Kant als praktische grundsätze bezeichnet, zu denen auch die maximen (s. u.) rechnen: praktische grundsätze sind sätze, welche eine allgemeine bestimmung des willens enthalten, die mehrere praktische regeln unter sich hat. sie sind subjectiv oder maximen, wenn die bedingung nur als für den willen des subjects gültig von ihm angesehen wird; objectiv aber oder praktische gesetze, wenn jene als objectiv d. i. für den willen jedes vernünftigen wesens gültig erkannt wird s. schr. 5, 19 H. (vgl.alle praktischen principien ebda); dieser vortreffliche mann, welcher die edelsten grundsäze meinem verstande ... eingeprägt hat Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 65; grundsätze sind fürs leben, was im kabinet geschriebene instrukzionen für den feldherrn Fr. Schlegel im: Athenäum 1, 2, 22; einen reichtum von lebensregeln und grundsätzen O. Ludwig ges. schr. 1, 160; sie (müssen) ihre mütter gegen alle grundsätze der sittlichkeit verachten Ratzel völkerkde 2, 186.
β)
als vertreter von maxime, princip für die im charakter verankerte 'subjective regel als richtschnur des wollens und handelns' vgl.gr. ... massima Kramer teutsch-ital. 2, 775ᵇ; maxime noch bei Ramler als lehrspruch, lehrsatz, sittenspruch u. s. w. verdeutscht, vgl. zs. f. dtsche wortforschung 8, 80; s. oben beleg aus Kant s. schr. 5, 19 H.; erstrecken sich diese werturteile nicht nur über das einzelwollen, sondern über ganze gruppen, so nehmen sie damit das gepräge eines allgemeinen satzes an, der seine gültigkeit nicht blosz das eine oder andere mal behauptet, sondern in allen derselben gruppe von gefühls- und vorstellungsweisen angehörenden fällen sich geltend macht. wir nennen solche bestimmende, allgemeine urteile praktische grundsätze oder maximen W. Rein hdb. d. pädag.² 1 (1903), 838ᵃ; er besasz eine tugend, welche nicht die tugend der moralisten zu sein pflegt; er lebte nach seinen grundsäzen Wieland Agathon 2, 44; mein gr. ist: handle recht, scheue niemand Schiller 14, 205 G.; die ehre eines weibes (laufe) ... nur bei schwäche des herzens und der grundsätze gefahr Göthe 24, 75 W.; der alte herr ging von allen seinen grundsätzen ihretwegen ab, die sonst unerschütterlich sind Tieck schr. 24, 149; könnt ihr eure grundsätze weit genug verläugnen? G. Büchner s. w. 53 Franzos; die kraft, mit der ein fester charakter die grundsätze aufrecht hält Jhering geist d. röm. rechts 1, 310; (Hippel habe) mit sich selbst und seinen grundsätzen im ewigen streite gehandelt Gervinus gesch. d. dtsch. dicht.⁴ 5, 176; was hilft mir alle gelehrsamkeit, wenn sie solche frivole grundsätze zu tage fördert Raabe hungerpastor 2, 37; eine würdige dekanstochter ..., deren schöne tugenden und grundsätze dem immer noch zu etwas lustigen ... herrn landvogt zugut kommen würden G. Keller ges. w. 6, 242; und sie trinken kein bier, keinen schnaps, keinen wein? ... eiserne grundsätze! G. Hauptmann Rose Bernd 46; was die ... menschen ihre grundsäze nennen, sind ... versteinerte vorurtheile Brinckmann philos. ansichten 18. typische verbindungen: ein mann von grundsätzen: man sieht ein, dasz dieses ein mann von grundsätzen war F. Bernhardi bambocciaden (1797) 1, 7; herr von G. ... ist ein mann von grundsätzen Fontane ges. w. I 4, 379; von adjectiven sind fest, gut die häufigsten: jünglinge ..., wenn sie ... von vesten grundsätzen sind Herder w. 22, 9 S.; sein neffe (wäre) ein mann von festen grundsätzen Klinger w. 8, 188; wo sind die guten grundsätze geblieben? Eschenburg beispielsamml. 7, 355; ihrem kleinen gemüth waren gewisse gute grundsätze eingeprägt Göthe 23, 94 W.; verbale verbindungen nach grundsätzen handeln: wir müssen, wenn wir menschen seyn wollen, nach grundsätzen handeln Herder w. 16, 23 S.; der streng nach grundsätzen handelnde oheim Meinecke Boyen 1, 38; sich etwas zum gr. machen: sie machen es sich zum gr., keinen gr. und so auch keinen charakter zu haben Kant s. schr. 5, 249 H.; präpositional nach, aus grundsätzen, jünger namentlich aus gr.: grausam von natur und nach grundsäzen Schiller 4, 89 G.; das wahre bild der taubheit aus grundsätzen Lichtenberg hogarth. kupferstiche 2, 284; aus grundsätzen und neigung gr. Stolberg ges. w. 3, 95; sie verachteten gelehrsamkeit ... aus gr. Gervinus gesch. d. dtsch. dicht.⁴ 5, 28; gut aus gr., nicht aus schwäche Brunner erz. u. schr. 1, 181.
2)
concret im sinne von 'basis, fundament, untersatz' im 17./18. jh. vereinzelt gebraucht; gern bei Zesen: der fuhs oder grundsaz (der Marcuskirche) ist gleichsam als ein kreuz adr. Rosemund 159 ndr.; die gantze seule, vom untersten grundsatz an bis an den obersten grundsatz der aufgesetzten ... spitze ist dreiszig ellen hoch Assenat (1672) 210; mit dem gr. oder basi desz kegels A. Cario hall- und thonkunst (1684) 67; (die insel) lieget gleich als eine grabspitze, welche sich mit ihrem grundsatze durch die mittelländische see bis an den mund der strasze Gibraltar erstrecket Männling exoticus cur. (1717) 11; maszen an Antonii heiligkeit zween die allervornehmsten helden (Augustin und Franciscus) ... den vesten gr. gelegt Caccia hl. Antonius (1692) 18. —
Zitationshilfe
„grundsatz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/grundsatz>, abgerufen am 20.09.2019.

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