gotteskind n.
Fundstelle: Lfg. 8 (1954), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 1265, Z. 41
gelegentlich gottkind: gott kinder Eyering proverb. (1601) 2, 572; jünger so nur in der bedeutung 1; vgl. Voss (unter 1 b) und Gaudy s. w. (1844) 10, 49.
1)
von wesen göttlicher abstammung.
a)
im anschlusz an gott I A 5 von Christus: Christus ... das menschlich-gotteskind, das göttlich-menschenkind Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 283;
der selbst ohn' obdach drauszen in der wüste
ein festlich dach erbaut dem gotteskind,
das aller büszer schuld am kreuze büszte
Brentano ges. schr. (1852) 1, 201;
als ein behutsam licht
stiegst du von vaters thron.
wachse, erlisch uns nicht,
gotteskind, menschensohn!
Weinheber o mensch, gib acht (1937) 128.
b)
in heidnischer anwendung: drang die neue lehre (nach der 'die hellenische göttermutter den donnerer Zeus ... geboren' habe) zur argeiischen halbinsel, welche nun auch antheil an des gottkindes geburt verlangte J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 437.
2)
häufiger im anschlusz an gott I E 1 b ι von den in der nachfolge Christi stehenden gläubigen; meist im plural:
disiu sælicliche geshiht
nennet mich ein gotes kint,
als alle guͦte cristen sint
Ulrich v. Türheim Rennewart 21 599 Hübner;
sehet, welch eine liebe hat vns der vater erzeiget, das wir gotteskinder sollen heissen 1. Joh. 3, 1;
dan welches ubelteter sind,
die wandlen nit als gottes-kind
Hans Sachs 22, 380 lit. ver.;
weil gotteskinder nicht das eigne lauffen lieben,
so werden sie von jhm (gott) und seinem geist getrieben
A. Silesius cherub. wandersmann 40 ndr.;
denn wer irrdisch ist gesinnt,
ist kein wahres gottes-kind
Neukirch anfangsgründe (1724) 30;
gotteskinder, göttliche keime sind wir. einst werden wir sein, was unser vater ist Novalis schr. 3, 31 Minor; sie (die Christi wort glauben) kehren um und werden wie die kinder, aber eben dadurch sind sie erlöst und werden gotteskinder, gotteshelden Harnack wesen d. christentums (1902) 39. gelegentlich enger von personen, die durch besondere frömmigkeit ausgezeichnet sind:
des konigis hofegesinde
begreif die gotiskinde (nonnen)
und trebin schemeliche werk
(auf historische vorgänge d. jahres 1294)
in: histor. volkslieder 1, 10 Liliencron;
recht wie die frumen gottes kind
fur seyn wort synd (zwei märtyrer) gestorben
Luther bei Wackernagel dt. kirchenlied 3, 3;
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 245. unter abwertendem aspekt:
und andre sind so herzlich dumm
als unsre schaf und rinder,
und diese nennt die pfaffenschaft
die wahren gotteskinder
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 5, 103.
mit schwächerem religiösen bezug, allgemein vom menschen: ganz unsagbar drohend jedoch wölken sich die konflikte über des veranstalters (einer beerdigung) haupt, wenn ihm zu alledem auch noch einige der unerläszlichen papiere fehlen, die das gotteskind auf erden bekanntlich erst zum menschen machen oder aber von diesem ehrentitel befreien: geburts- und totenschein Kluge Kortüm (1949) 719.
3)
in verschiedenen anwendungen.
a)
okkasionell von in gott gründenden, von ihm stammenden gegebenheiten:
halleluja, seht ihr die strahlende, göttliche (die sonne) kommen?
wie sie da an dem himmel emporsteigt!
halleluja, wie sie da, auch ein gotteskind,
aufersteht!
Klopstock oden 2, 51 M.-P.;
die menschenliebe, dieses schöne gotteskind Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 376; gotteskinder nannte er (ein frommer jüngling) seine blumen E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 55 Gr.; Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 3, 120.
b)
mundartlich ein 'sehr artiges kind' rhein. wb. 2, 1327. anders: gotteskand 'das irrsinnige kind' luxemb. ma. 151ᵃ.
c)
im nd. und rhein. vereinzelt als bezeichnung für den marienkäfer, vgl. Mensing schlesw.-holst. 2, 446; rhein. wb. 2, 1327; für 'die schwalbe, die mit ihrem nest unter dem schutze gottes steht' Kück Lüneburg 1, 596. —
Zitationshilfe
„gotteskind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gotteskind>, abgerufen am 19.04.2019.

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