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Fundstelle: Lfg. 8 (1954), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 1251, Z. 26
1) als zusammenrückung von gottes gnade (unter gott sp. 1039) die (unverdiente) barmherzigkeit gottes gegenüber dem sündigen menschen (vgl.gnade II A u. B, teil 4, 1, 5, sp. 512 ff.): das euangelium preysset die lautter, blosse gottisgnade, wie dieselbige alle sunde ablasse und vortilge (1522) Luther 10, 1, 1, 671 W.; Herder 7, 129 S. die liebe und güte gottes (vgl.gnade II C); so vor allem konkretisiert von gnadenerweisungen und -gaben gottes:
und dien seim nechsten mit der gab,
die er von gott empfangen hab,
als ein guter hausshaltr ohn schaden,
der mancherley gottes-genaden
Hans Sachs 15, 414 lit. ver.;
welch eine gottesgnade, gelänge mirs ..., bis zu euch (stimmen der vorwelt) zu kommen! euch aufzuhellen! Herder 7, 179 S.; ihm war das geistersehen gottesgnade Gutzkow ges. w. (1872) 1, 130. hierher auch und von der folgenden formel zu unterscheiden:
edelman spricht:
was habt ir am leib für beschwerden?
habt ir etwann ein offnen schaden?
abt spricht:
nein ich zwar, von den gottes-gnaden!
Hans Sachs 21, 7 lit. ver.
die zusammengerückte formel von gottesgnaden (vgl.gnade II C 4) steht selten in der ursprünglichen beziehung auf herrscher: mit den von gottes-gnaden eingesetzten kaisern Gutzkow ges. w. (1872) 1, 41. häufiger auf ganz andere verhältnisse übertragen zur umschreibung eines legitimiertseins: mein hauspatron, welcher von gottesgnaden ein schneider ist, hat mir den einen rock gänzlich renoviert für etwa sieben kreuzer (1840) G. Keller br. u. tageb. 2, 21 Ermat.; wir juden sind doch die wahren kosmopoliten, die weltbürger von gottesgnaden W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 210. in ungewöhnlicher fügung: sie haben immer recht, gnädige frau, wie von gottesgnaden ders., Abu Telfan (1870) 2, 54. 2) pflanzenname für verschiedene arten der gattung geranium 'storchschnabel', besonders für geranium Robertianum L.: herba Ruperti j. gotzgnad Braunschweig chirurgia (1539) 116ᵇ; das andere geschlecht des storchenschnabels heiszt lateinisch geranium st. Roberti, wird sonsten auch in teutscher sprach st. Ruprechtskraut, gicht-kraut, gottes-gnad und schwalbenkraut genennet Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 433ᵇ; vgl. Golius onomast. (1585) 392; Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 163. hierher auch: pes columbi gotgnade (Nürnberg 1482) Diefenbach gl. 431ᵃ; goczgnade (obd. 15. jh.) nov. gl. 290ᵃ; sideritis ein wundkraut bey den alten Griechen, dreyerley arten: ... die dritt haltend etlich für gottesgnad, mit roten bluͤmlinen Frisius dict. (1556) 1210ᵇ; herba rubea gottesgenad (obd. 1694) Diefenbach gl. 275ᵃ. für andere pflanzen; 'gnadenkraut': gratiola officinalis L. gottsgnade Schkuhr bot. hdb. (1791) 1, 13; Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 170. seltener für chelidonium minus L. 'schöllkraut': die klein schoͤlwurtz nent man gotsgenad Bock kreutterbuch (1539) 1, 26ᵃ; Golius onomast. (1585) 143; gottes-gnad Aler dict. (1727) 1, 973ᵇ; vgl.gottesgabe 3. —
Zitationshilfe
„gottesgnade“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gottesgnade>, abgerufen am 22.04.2019.

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