glücksumstand m
Fundstelle: Lfg. 3 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 411, Z. 18
seit dem 2. viertel des 18. jh., noch nicht bei Adelung, zuerst bei Schwan nouv. dict. (1783) 1, 771ᵇ und bei Campe (1807) 2, 409ᵇ verzeichnet.
1)
nur vereinzelt im sing. 'glücklicher umstand, günstige gelegenheit': dasz oft nur ein bloszer glücksumstand fehlet, den verstand eines volkes in sein völliges licht zu setzen Joh. E. Schlegel w. (1761) 5, 36.
2)
fast ausschlieszlich im plural 'glückliche verhältnisse'.
a)
allgemein: diese beyden truppen agirten theils gemeinschaftlich, theils getrennet, unter verschiedenen glücksumständen J. Fr. Löwen schr. (1765) 4, 19; ich bin fest überzeuget, dasz alle scheinbare glücksumstände gewisse seelen nicht würcklich glücklich machen L. A. Gottschedin briefe (1771) 1, 16; zog ich mir jedenfalls daraus die lehre, dasz es auf äuszere glücksumstände nicht so sehr ankomme Carossa verwandl. e. jugend (1928) 197.
b)
in der regel auf günstige soziale lage, stand und besitz, vermögen, einkommen, lebensstandard bezogen; dabei liegt das schwergewicht durchaus auf den pekuniären mitteln, nirgends wird ausschlieszlich der soziale stand damit bezeichnet, während gelegentlich stand und glücksumstände kontrastiert werden, z. b.: meine glücksumstände sind so, dasz ich nie daran denken kann, nach meinem stande zu heirathen G. Stephanie s. singspiele (1792) 107; es ist blosz eine höhere tugend, die ich bey dem adel suche: denn die glücksumstände hätte ich bei meines gleichen finden können Gottsched dt. schaubühne (1740) 4, 131; sonst ist sichere scheidung nicht immer möglich: ihre geburt war eben nicht allzuerhaben, und die übrigen glücksumstände zu ihrer guten auferziehung nicht eben allzusehr beförderlich Gottsched d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 418; 7, 462; da die ungleichen glücksumstände die ehe hindern allg. dt. bibl. 84, 219; mein haus und die glücksumstände meiner Sophie sind bestellt Sophie v. Laroche frl. v. Sternheim 43 lit.-denkm.; wenn mich gott in bessere glücksumstände versezen ... würde J. M. Miller pred. f. landvolk (1776) 2, 347; ihre glücksumstände und ihre hohe oder niedere geburt sind nebendinge Nicolai reise d. Deutschland (1781) 11, 45; sein erstes streben ging ... dahin, ihr wieder hofnung zur verbesserung ihrer glücksumstände zu machen A. G. Meiszner skizzen (1778) 1, 100; unabhängigkeit von neigungen und glücksumständen Kant 5, 161 akad.; das motiv eines kaufmanns, der ... nacht und tag arbeitet, nur seine und seiner familie glücksumstände zu vermehren Herder 23, 169 S.; (er hatte) mit harten, seine glücksumstände ganz zerrüttenden widerwärtigkeiten zu kämpfen J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 230; in sehr miszlichen glücksumständen Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 592; die jugend Ottiliens, ihre glücksumstände, das verhältnisz zur familie berechtigten sie nicht als königin eines tages (ihres geburtstages) zu erscheinen Göthe I 20, 152 W.; 2, 4, 8 W.; dasz dieser sich ... in ganz erträglichen glücksumständen befinde Matthisson erinnerungen (1810) 2, 268; diese plötzliche veränderung meiner glücksumstände! ich war ein bettler, jetzt bin ich ein Krösus Raimund w. (1881) 1, 137; personen ..., welche vermöge ihrer glücksumstände sich eine höhere bildung geben können Wilhelm I. milit. schr. (1897) 1, 496; dasz die sogenannten 'verwöhnten leute', wenn sie nicht absolute gecken sind, sich in den wechsel der glücksumstände am leichtesten finden Fontane kriegsgefangen (³1895) 60.
Zitationshilfe
„glücksumstand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gl%C3%BCcksumstand>, abgerufen am 20.09.2019.

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