glänz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1938), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7624, Z. 25
s.glenz.
glanz adj.
Fundstelle: Lfg. 7 (1938), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7598, Z. 19
nitidus, splendidus. nur im deutschen heimische bildung zu glinzen; im 15. jh. ins mnl. entlehnt, vgl. Franck-van Wijk et. 202ᵃ. zur etymologie vgl.glinzen, ↗glänzen. im hd. seit dem späten 10. jh. belegt (Notker [neben glanzî, glanzen], glanzara nitidius [bair. 10./11. jh.] ahd. gl. 1, 530, 1 St.-S.), erst seit mhd. zeit hat das adj. das subst. glanz neben sich. as. ist das adj. nicht bezeugt und mnd. nur in verschobener form als lehnwort aus dem hd. belegt, s. glantz (1484) Schiller-Lübben 2, 116ᵃ; ob durch schlesw.-holst. glant (gland) 'glänzend', 'geputzt', 'hübsch', s. Mensing 2, 384, die existenz des wortes für das nd. erwiesen wird, bleibt sehr zweifelhaft, da glant eher aus galant entwickelt und umgedeutet sein wird; ostfries. glënd, glënnd 'glühend, hellbrennend, intensiv heisz, glänzend', s. Doornkaat - Koolman 1, 634ᵃ, ist offenbar part. präs. zum vb. glënnen ebda. in den md. maa. fehlt das wort, die obd. maa. belegen es nur noch vereinzelt, vgl. glanz Lexer kärnt. 115, Staub-Tobler 2, 637. in der mhd. schriftsprache in mehreren bedeutungen geläufig und im frühnhd. allmählich ungebräuchlich werdend, stirbt das adj., das im älteren nhd. besonders noch bei alem. autoren häufig auftritt, im 17. jh. schriftsprachlich aus.
1)
'hell leuchtend, strahlend'. vom licht, besonders der gestirne, vom blitz, von feuerschein: ih meino wio ioh selbes Jovis stella, tiu fore filo glanz ist, tanne urouge (unsichtbar) wirt, so diu sunna stat skinen Notker 1, 748 P.; sin bruoder ward ouh pecheret in sinen glanzen sternen ebda 1, 723; unde diu sunne bediutet alles unser frouwen Mariam, gotes muoter. unde ir seht daz wol wie gar lûter unde glanz diu sunne ist âne alle trüebeheit Berthold v. Regensburg 1, 539 Pf.; ze nacht gieng uf ein glanzer mon und ward so grimmenklich kalt Joh. Kessler Sabbata nach Staub-Tobler 2, 637; das es (das feuer) sehr glantz und helle scheinet L. Thurneysser magna alchymia (1583) 20;
du, der du über uns mit hellen augen wachst
und durch die schwartze lufft mit glantzen schlägen krachst
A. Gryphius trauersp. 457 P.;
redensartlich (s. auch unten):
die morgensonn ist mermal glanz
und hebt sich dann der muggentanz
J. v. Watt dtsche hist. schr. 2, 125.
das schweizerische bezeichnet einen sonnigen tag, ebenso eine sternklare nacht als glanz, vgl. die bis ins 19. jh. reichenden belege bei Staub-Tobler 2, 637 f., sowie:
mir ist groz ungewiter
nach also glanzem morgen kommen
bei Laszberg liedersaal 1, 239;
nox pura ein heytere oder hüpsche, glantze nacht, ein hälle nacht Frisius dict. (1556) 1094ᵇ; sprichwörtlich: muggentanz — more (morgen) glanz, übermore heiter Staub-Tobler 2, 637. im religiösen bereich vom himmel und von den verklärten engeln, öfter in verbindung mit schein und scheinen:
da wirt iz glenzzer danne glanz (im himmel)
Heinrich Hesler apok. 22966 H.;
aller glanzen engel schin
Konrad v. Würzburg goldene schm. 1164 Schr.;
dyne engel in eim so hëllen, glanzen schyn (v. j. 1559) J. Murer belägerung der statt Babylon nach Staub-Tobler 2, 637. ähnlich im bilde von der heiligen schrift: das er (der teufel) das evangely, welchs in dann zuͦ glantz in die neydigen augen scheynt, zuͦ dempfet durch sein geitzwurm Conrad Distelmair gesprechbuͦchlin v. e. strohschneyder u. holtzhauer (1523) a 3ᵇ.
2)
von starkem widerschein des lichts auf körpern im sinne 'gleiszend, schimmernd, blank', vgl. den weithin gleichen gebrauch von glatt A 2 und 3. von edelsteinen, geschmeide:
so gelantz geschmide trug er an
Göttweiger Trojanerkr. 12072 K.;
sin sigel er (Karl der kühne) verloren hat,
vil berlin, güldin, sidin wat,
kron, edelstein so glanze
(bald nach 1476) anon. lied auf die schlacht bei Granson in: bibl. ält. schriftwerke d. Schweiz I 5, 59;
mancherley farben steinlein ... wie ein saphyr so hert und so glantz ... das man meint, sie seind poliert L. Thurneisser von wassern (1612) 176;
... her den gläntzesten rubin!
sein feuer soll hinfort im golde glühn
Hoffmannswaldau ged. (1697) 1, 105 Neukirch;
von metallenen gegenständen und metall:
dehein brünne was so glanz,
sine wære schiere verschroten
obd. Servatius 2062 in: zs. f. dt. alt. 5;
das swert is gewetczit und gevegit, is ist gewetzt, das is slachte, is ist gevegit, daz is glancz si (Ezech. 21, 10) Claus Cranc prophetenübers. 208 Z.;
ey mein schwerd ist glantz und scharff nun
J. Baumgart jud. Sal. (1561) j 8ᵇ;
streich von dem silber dasz du hast, einen feinen starcken glantzen (probier-)strich
L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 27ᵃ;
alle bleyertz, sie seind glantz, graw, braun oder weisz
ebda 4ᵃ;
die mössine becken geriben und glantz gemacht
Raimund Minderer medic. milit. (1620) 51;
viel besser, wenn ich mich in glantzen stahl beschlossen
A. Gryphius trauersp. 271 Palm.
vom blinken des glases, spiegels (vgl. auch spiegelglanz, adj., bei Staub-Tobler 2, 638):
lieht unde glanz, herte ist das glas
Rudolf v. Ems weltchron. 22780 E.;
den ersten spiegel (eines apparats) seuberlich reiben so wird er schön und glantz Paracelsus opera (1616) 2, 567 Huser. wie bei glatt A 2 und 3 auch von anderen glänzenden dingen: allein dasz sy (die blätter des wilden peterleins) nicht gar so grüen und glantz seindt L. Thurneisser hist. u. beschreib. ... aller fremden erdgewechssen (1578) 102; auszwendig war er (der tempel) von eitel weiszen marmelsteinen gebauet, sehr glantz und blanck auspoliret A. Taurer feigenbaum (1593) c 4ᵃ;
sein (des storchs) schneeweisz kleid war schwarz gezieret,
sein pantufl horn glantz auszpolieret
und gehertet mit schlangenblut
als Signoten harnisch und hut
Rollenhagen froschmeus. 2, 79 Göd.;
wie glatt vom holz, vgl. glànz 'fein, besonders vom feinen, zarten holze' Lexer kärnt. 115. die stiefel ausgerieben, bis sie wieder völlig glanz sind über d. zweckmäszigen gebr. d. feuerspritze (1790) nach Staub-Tobler 2, 637. 'schimmernd' von seide und haar:
vor an dem lîme (der haube) stuont ein tanz
genât mit sîden, diu was glanz
Wernher meier Helmbrecht 95 P.;
auff seinem haupt hat es (ein knäblein) ein ... krauses härlin, gantz weisz und glantz G. Wickram w. 2, 107 B. von schlangenhaut:
ir (der schlange) haut ist waich, glatt, lind und glantz
welsch gattung 1331 Waga;
ähnlich: e glonzer gallerech (gallerte) Balz neumod. talhochzeit (1781) ebda.
3)
'hell, leuchtend' infolge heller, kräftiger farbtöne, namentlich neben weisz, das in älterer sprache die beiden bedeutungen nitidus und albus vereint:
mit dem stecken ich sî traf
daz ir daz bluotige saf
ûz wischte durch ir glanzez vel
d. böse frau 607 Schr.;
ire gewietin (geweihten) worin wysir den eyn sne, glenczir den eyne milch Claus Cranc prophetenübers. 168 Z.; das gebeyntze (die gebeine Ludwigs des heiligen), die schone wisz unde glantz woren Wigand Gerstenberg chronik 186 Diemar; mit reinem oder glanzem leinwat bekleidet (1587) nach Staub-Tobler 2, 637. mhd. und frühnhd. als epitheton bei farbe, oft mit 4 verrinnend:
Orgelûsen varwe glanz
Wolfram Parz. 600, 19;
der weibe zirliche schone und ir glantze varbe Joh. v. Neumarkt Hieronymus 203 Bened.;
an deim leib wirstu (Phöbus) gantz erbleichen,
dein glanze farb wirt dir entweichen
G. Wickram w. 7, 173 B.;
hierher von gesunder frischer lebensfarbe: wo dann in der handt erfunden würt ein schöner triangel, mit gleichen ecken und winkeln, der hübsche, glantze, schlechte und wolgeferbte linien hat (triangulus ... habens lineas pulcras et bono colore nitentes ac rectas bonum naturae ac corporis qualitatem refert cum integra valitudine) J. ab Indagine kunst der chiromantzey (1523) 14ᵇ. ähnlich von den blumen ihrer leuchtenden farbe wegen:
ich heide breit wil vahen
si, swenne si wil nach glanzen bluomen
uf mich, ich wil si halten dir
hrz. Heinr. v. Breszlau in: minnes. 1, 10ᵇ v. d. Hagen;
du (Maria) gest in (den meiden) vor die tenze
dort in dem paradise,
und brichest ab dem rise
die glanzen himelrosen
Konrad v. Würzburg goldene schmiede 239 Schr.;
verblaszt als formel:
mir wurd ein krantz
von blümlein gelantz,
des erfrewet mich gar sehr
flieg. bl. des 16. jhs., gedr. bei Val. Neuber (Nürnberg).
die eigenartige glossierung glantzer oder rotter oder rotfar fulvus vel rufus vel rubicundus voc. v. j. 1482 l 1ᵃ erklärt sich daraus, dasz man farbe und glanz des goldes als etwas zusammengehöriges und einheitliches empfand (vgl. etwa noch: rutilus gäl wie gold, glentzend Frisius dict. [1556] 1171ᵃ) und später solche ungenauen glossierungen ohne das ursprüngliche beziehungswort übernahm.
4)
aus 3 verallgemeinert und übertragen als 'prächtig, schön':
min lieb han ich uzerkorn,
als die lilge zwischen dorn
stet unde doch ist vil glantz
Daniel 2083 H.;
von menschlicher schönheit, besonders der frauen:
und vil der schœnen frouwen glancz
und werder ritter hochgemuot
Herm. v. Sachsenheim mörin 5480;
wein reizet zu unkeuscheit und mer reitzen die schonen antlutz glantzer frawen Joh. v. Neumarkt Hieronymus 52 Bened.;
dô er in den sorgen was,
sîn wîp, diu künegin genas
eines sunes, der was glanz,
an allen sînen gliden ganz
Otto II. v. Freising Barlaam 12310 Perd.;
dann denn (im ewigen leben) werdind die lib untödtlich, glantz, fertig ... sin antwort d. dienerin d. kirchen zu Zürich (1571) 79ᵇ; ähnlich 'hübsch, sauber, schmuck':
da was ain weis kaz dort im haus
und muzt sich mit den pfoten glanz
wie ein jungfraͤulin zu aim danz
Fischart flöhhaz 2073 H.
allgemeiner, sprichwörtlich: es is nichts so glantz, dasz nicht etwa zu nicht werde Seb. Franck chron. Germ. (1538) 3ᵇ; der werlt lon ist ein glantzer schein (15. jh.) nach Schmeller-Fr. 1, 975. übertragen auf prächtig klingende worte: o wie verfüret dich diser rapp und zücht dich mit seinen glanntzen worten A. v. Pforr buch d. beispiele 113 lit. ver., vgl. schon Daniel 6441 H.
glanz m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1938), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7601, Z. 15
nitor, splendor.
herkunft und form. nur im deutschen heimisches, substantiviertes adj. (s. darüber Wilmanns gramm.² 2, 398); seit mhd. zeit (zum erstenmal in der Milstätter genesis, s. u. D 3 a) belegbar. im späten mittelalter entlehnten das holl. und skandin. das wort als glans, vgl. dazu Franck-van Wijk etym. 202ᵃ, Falk-Torp 1, 325, Hellquist 189ᵇ, Torp 161ᵇ. das seit 1503 belegte (s. Murray 4, 198ᶜ) englische subst. glance wird als aus dem deutschen über das holl. ins engl. entlehnt angesehen, so Franck-van Wijk a. a. o., Skeat etym. 235, Falk-Torp a. a. o. in der sonderbedeutung F 1 ist glanz spät ins englische entlehnt worden, vgl. Murray 4, 199ᵃ. das poln.-tschech. haben glanz als glans, glanc übernommen. zur weiteren verwandtschaft s.glinzen, teil 4, 1, 6, 124 und glänzen. das nd. kennt das wort nicht, doch vereinzelt entlehnt aus dem hd., vgl. glans (nd. quelle a. d. j. 1425) bei Diefenbach gloss. 95ᵃ, Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 631ᵇ (s. unten E 1 f); die hd. mundartenwörterbücher verzeichnen glanz häufiger, s. Fischer Saml. 53; Crecelius oberhess. 423; Lenz Handschuhsheim 28ᵇ; rhein. wb. 2, 1251; Follmann lothr. 207ᵃ; luxemb. 147ᵃ; Meisinger Rappenau 72ᵇ; Martin-Lienhart elsäss. 1, 260; Staub-Tobler 2, 637; Fischer schwäb. 3, 667; Schmeller-Fr. 1, 975; Schmeller cimbr. 125ᵃ; doch dürften sie das wort in erheblichem umfange aus der schriftsprache übernommen haben, vgl. dazu die äuszerungen im rhein. wb., bei Staub-Tobler, bei Fischer a. a. o. in den bedeutungen A 1, 5 und F 1 hat glanz stark flektierte mehrzahlformen entwickelt (belege s. u.). vereinzeltes ausweichen in die schwache flexion findet sich z. b. bei Luther, vgl.glentzen Hab. 4, 4; der glentzen einen 19, 431 W.; die glentzen 18, 529. der sing. zeigt in früher zeit gelegentlich epithetisches e, vgl.glantze (nom. sg.) bruder Hans 1274 M.; glantze (acc. sg.) Niclas v. Wyle transl. 109 K.
bedeutung und gebrauch.
A.
glanz bezeichnet eine gleichmäszige, starke, oft als blendend empfundene helligkeit, die von einer lichtquelle ausgeht, vgl.glanz, adj., 1; von licht unterscheidet sich glanz in dieser bedeutung meist durch die vorstellung einer besonderen fülle der ausgestrahlten helligkeit und wird in neuerer sprache namentlich bei einer gröszeren anzahl leuchtender körper gebraucht, tritt aber im ganzen an geläufigkeit hinter B zurück und beschränkt sich mehr auf die gewähltere, literarische sprache.
1)
das licht der gestirne (sieh auch den beleg aus Wolfram unten D 1 a):
zwelf sternen mit ir glanze
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1836 Schr.;
allez daz klein gestuplach (die stäubchen), daz in der sunnen glanz schinet Seuse dtsche schr. 28 Bihlm.;
o goitt vatter und sonne und heilger geist
du host uns geschaffen das gestirn allermeinst
mit dem groiszen glantz der sonnen
und des monds zu allen stunden
Alsfelder passionsspiel 6335 Gr.;
planeten art die zwingt mich sehr
mit adeleichem glanze
(v. 1519) Steiff geschichtl. lieder u. sprüche Württemb. 126;
der glanz des mondes Jes. 60, 19; ire wunden ... verhütend sy (die hirsche) vor dem glantz der sonnen Forer Gesners thierbuch (1563) 81; im vergleich: die gelahrtheit der welt ist gleich dem mondlicht, welches zwar einen glantz, aber keine hitze hat Scriver seelenschatz (1737) 1, 7ᵃ; als verstärkende ausdrücke finden sich in älterer zeit häufungen wie glanz und schein, glanz und glast, licht und glanz (s. u.E 1), glanz und strahlen (s. teil 10, 3, 763); seltener glanz und blick:
die sonn lest sich auch sehen dick
mit irem schönen glantz und blick
Fischart 2, 25 Hauffen.
seit dem 18. jh. in dieser bedeutung vorwiegend auf die poetische sphäre beschränkt: sein ausdruck gliech dem sonnenschein, dessen lebender und fast geistiger glanz sich den gegenständen mittheilet Wieland Agathon (1766) 2, 178;
... der sonne glanz und stärke
Haller ged. (1768) 2;
schön ist des mondes
mildere klarheit
unter der sterne blitzendem glanz
Schiller 14, 25 G.;
der sanftere glanz des mondes wird oft durch adjectiva wie mild u. ähnl. näher gekennzeichnet (s. auch mondenglanz, mondesglanz, mondglanz): der mond stand in mildem glanze über den hügeln Novalis schr. 4, 128 Minor; der mond hob sich ... mit beruhigendem glanze herauf 4, 109;
... des mondes
lieblichen, ladenden glanz
Göthe 1, 59 W.;
sein (des mondes) halbverhüllter glanz R. M. Rilke briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 298; auch vom indirekten leuchten der sonne im frühlicht und abendschein, namentlich poetisch; vgl. schon:
es kan ja keinmal nich die sonne gen zu glantze (zur neige),
so liegt befehl schon da
W. Scherffer ged. (1652) 273,
vgl. auch sonne II 6 l;
wenn sich
in der frühe glanz färbte noch bleibender reif
Klopstock oden 2, 137 M.-P.;
eben sah ich von dem heute beständig mit regenstürmen abwechselnden sonnenschein den glanz des untergangs Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 159;
da freut ich mich, wenn um dein blondes haar
der glanz der abendröthe wunderbar
wie eine leise glorie spielte
Geibel w. (1888) 1, 132;
bildlich: in Belgien oder Frankreich, in Anhalt-Dessau oder da, wo der morgenröthliche glanz der mecklenburgischen freiheit strahlt Bismarck reden 1, 86 Kohl.
2)
die helligkeit des himmels, der atmosphäre; das licht des tages: der selbe tag müsze finster sein ... kein glantz müsze über in scheinen Hiob 3, 4; das sy dem glantz (tageslicht) kein uneer zuͦfuͦgeten, und warffen die gruͦb (mit unflat) zuͦhand zuͦ Seb. Franck weltbuch (1534) 143ᵃ; es seyen seine (des Athanasius) gedancken ... des liechts und offenbaren glantzes unwürdig Dannhauer catechismusmilch (1657) 1, )( 3ᵃ; nacht ... verlöschte allen glanz der dämmerung über mir maler Müller w. (1811) 1, 35;
ein weiszer glanz ruht über land und meer,
und duftend schwebt der äther ohne wolken
Göthe 10, 423 W., vgl. auch die anm.;
und jenseits, am ufer gestreckt, so städte wie dörfer,
fern, doch deutlich dem aug, im glanz durchsichtiger lüfte
Mörike ges. schr. (1905) 1, 248;
da wunderbar des jahres trübste zeit
zum glanz des sommers wieder sich verkläret
M. Greif ged.⁵ 414;
in fester verbindung glanz des tages; im bilde:
so dringet her des tages glantz,
bedeut das evangelium
Hans Sachs 6, 377 K.;
der geöffnete wald giebt
überraschend des tags blendendem glanz mich zurück
Schiller w. 11, 84 G.;
was ist jetzt für eine fülle von früchten und farben bei mir! und der glanz des tages macht mein fenster noch gröszer und liegt auf blättern und beeren Rilke briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 73; ähnlich: das (die geringwertigen sentenzen) gleichwie die schattierung in der mahlerey der übrigen tag und glantz ... desto besser erheben und herfür bringen helffen J. W. Zinkgref apophthegmata (1628) b 5ᵃ. entsprechend glanz, adj., 1 schweizerisch auch von einer sternklaren nacht, schon zu anfang des 17. jhs.: wyl kein wind und aller (überall) glanz und still, schön wetter (v. j. 1601) geschichtsfreund 3, 112; weiteres sieh bei Staub-Tobler 2, 637.
3)
von anderen lichterscheinungen; vom blitz:
indem do tet umziehen
ein schwarz gewölk den himel ganz;
bald kam daraus ein feurer glanz
mit einem starken donnerschlag
Teuerdank 126 G.;
Nicander glaub es fest,
dasz keiner blitzen glantz, kein ungeheure pest
uns ie den muth benahm
A. Gryphius trauersp. 84 P.;
und im schlagenden glanz fliehet der herr maler Müller w. (1811) 1, 111. von feuerschein; schon vergleichbar:
ein bosch der bran,
dâ nie niht an
besenget noch verbrennet wart:
breit unde ganz
beleip sîn glanz
vor fiures fiamme unverschart
Walther v. d. Vogelweide 4, 18;
welches die nachbauwren, wegen desz krachens und glantzes so das feuwr von sich gab, gewar worden Joh. Fuglinus de praestigiis daemonorum (1586) 364ᵇ; wie ein kind sich den schönen glantz des feuers betriegen läst, dasz es hinein greifft und sich die finger verbrennt Chr. Weise erznarren 223 ndr.;
bei kleinen hütten, dicht mit reis bedecket,
seh ich sie froh ans feuer hingestrecket.
es dringt der glanz hoch durch den fichtensaal
Göthe 2, 142 W.;
die weit offenen augen (eines kobolds), in denen sich der rote glanz des herdfeuers spiegelte, funkelten wie glühende kohlen L. Ganghofer doppelte wahrheit (1893) 216; von lichtschein: wie sie ankommen, geht eben die hausthür auf, ein glanz von lichtern schlägt blendend heraus Eichendorff s. w. (1864) 3, 385;
wol stand ich oft im nächtlich stummen grauen
dem glanze deines fensters gegenüber
Strachwitz ged. (1850) 106;
die kerze hat der armen fliege gut räson predigen, so von ihrem glanz verwirret wird Jens Peter Jacobsen s. w. 113; bildlich:
schein ins hertze, edle kertze (Maria),
deines glantz genieszen wir
(a. d. j. 1625) bei Kehrein kath. kirchenlied 2, 47;
berühmter leute gedächtnis ist eine helgläntzende lampe; ... sie streuet aus und giebet von sich nicht nur einen lieblichen glantz der tugend, sondern auch einen anmuthigen geruch der gottesfurcht Brandt bericht v. d. leben Friedr. Taubmanns (1675) 1; lampen ..., deren glanz und dampf mich hinderte, die gegenstände vor mir genau zu unterscheiden Göthe 22, 96 W.; vom funkensprühen:
man sach dô ûfe fliegen hô
von herten steinen fiures glanz
Konrad v. Würzburg Engelhard 2595;
drauf wetzt die ganze schaar (die degen); die glut fährt aus den steinen,
dasz sie in strahl und glanz, wie meteore, scheinen
Zachariä ges. schr. 1, 8;
er nahm mit diesen worten einen harten stein und schlug ihn heftig gegen einen andern, so dasz die rothen funken heraussprangen. habt ihr den glanz gesehen? rief er aus Tieck schr. (1828) 4, 243; vom phosphoreszieren:
daz si der glanz betriuget
an einem fûlen spâne
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 158;
ein ... in einige fäulung gerathener, gesottner krebs ... welcher im finstern leuchtete, als wie ein blaulichtes liecht, welchen glantz derselbige auch eine zeitlang also behalten J. B. Porta nat. magia (1713) 789ᵇ;
lieblich kreist zwar auf den wiesen,
in des fensters rebenkranz,
des johanniswürmchens glanz
Fr. Kind ged. (1817) 1, 45;
bildlich in redensartlichen verbalen verbindungen, so etwas in den glanz stellen 'beachtung verschaffen' (geläufiger ist ins licht stellen, vgl. teil 6, 866. 867): manch unbekannten oder unterdrückten verdienst hoffen wir in seinen glanz zu stellen Herder 23, 5 S.; glanz gewinnen 'das licht sehen', d. h. 'wieder zu sich kommen':
vor scham war sein (des Turnus) gemüth verruckt ...
nachdem er aber seiner sinnen,
thät widerumb ein glantz gewinnen,
also dasz er ein liecht empfieng,
und ihm die tolle weisz vergieng
Spreng Äneis (1610) 259ᵇ.
4)
glanz ist wie licht, aber vielfach als dessen steigerung empfunden, im religiösen bereich das attribut alles himmlischen, göttlichen, des christlichen himmels überhaupt; das den himmel erfüllende licht: allez, daz si (die menschen) sehent und allez, daz si erkennent (im himmelreich), das zeiget in allez der hymelsche glantz, und sehent ez in siner luterkait St. Georgener prediger 220 R.;
darnach so ist ein glantz alldar (im himmel)
so oberschwenglich hell und klar
B. Ringwaldt christl. warnung (1588) b 7ᵇ;
wer über euch (teufel) gebietet, kann leicht den einförmigen glanz des himmels vergessen
Klinger w. (1809) 3, 21;
... ein glanz
vom himmel schien die hohe (Johanna) zu umleuchten
Schiller 13, 212 G.;
oft im vergleich:
eine zähre trat aus ihren blicken,
wie ein glanz der bessern welt, hervor
Tiedge w. (1823) 2, 19;
vergleichbar in mischung mit C 2: in seinen augen war noch immer jener glanz, der aus einer bessern welt zu stammen scheint W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 7; der adel in seiner höchsten idee stellt gleichsam den himmlischen glanz des staates dar E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 122; sprichwörtlichen charakter erhielt das bibelwort: die lerer aber werden leuchten wie des himels glanz Dan. 12, 3; daran angelehnt: es wird ein bürgemeister in den kleinsten städgen ebenso wohl leuchten wie des himmels glantz Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 176. gott selbst wird nur gelegentlich glanz genannt (häufiger sonne, licht, sieh sonne II 8 a; licht 11):
eil ausz den finstern hölen
mit meiner armen seelen
und bring mich an das licht,
da du selbst, glantz und sonne,
mit strahlen deiner wonne
verklährst mein angesicht
S. Dach in: Königsb. dichterkr. 74 ndr.;
er (gott) ist dein (des herzens) schatz, dein erb und theil, dein glanz und freudenliecht
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 353ᵇ;
häufiger findet sich glanz (s. dazu Hes. 10, 4; 2. Sam. 22, 13 und eine reihe anderer bibelstellen) für das von gott ausgehende leuchten:
die wolcken trennt seins glantzes glitzen
mit eim groszen hagel und blitzen
Hans Sachs 18, 84 K.-G.;
und wie dein (gottes) glantz so herrlich ist
J. Chr. Günther ged. (1735) 6;
wie die thüre aufging, sah (das Marienkind) in feuer und glanz die dreieinigkeit sitzen kinder- u. hausmärchen 1 (1812) 10. vor allem wird der aus gott stammende Christus als gottes glanz bezeichnet:
Jesum Christ
der an der schrift geheizen ist
ein eweclicher sunnen glanz
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1086 Schr.;
(Maria Magdalena:)
an en (Jesus) hon ich geglaubet gancz.
dasz hie sy der sonnen glancz,
von dem Johannes spricht vor ware:
got ist ein licht clare
und ist uns zu troiste gesant
Alsfelder passionsspiel 2855 Gr.;
der wunnsam weinschenck ..., ain glantz des ewigen liechts Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) g 7ᵈ; gottes sohn ist der glantz der herrligkeit gottes Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, d 1ᵇ; der glanz oder der sohn gottes (werde) geboren Jac. Böhme s. w. 2, 60 Schiebler; seine erscheinung selbst ist glanz:
mich dünkt es brech ein glantz herein,
darinn kom der erlöser dein
Hans Sachs 6, 48 K.;
die hölle kann den glanz (Jesu) nicht tragen
Göthe 37, 6 W.
in religiöser sprache werden auch die von gott ausgehenden eigenschaften wie liebe, gnade, trost, wahrheit glanz genannt: je mehr wolthaten sie (die welt) von ihm (gott) empfängt, je lieber hat sie ihn: verbirget er sich aber und zeucht den glantz seiner güte ein, ... so geht alle liebe ... ausz H. Müller erquickstunden (1667) 366; auf die tugenden selbst angewendet:
er (Pantaleon) ist ein lieht der cristenheit,
daz in des herzen sinne
den glanz der wâren minne
kan bieten ...
Konrad v. Würzburg Pantaleon 50 G.;
o müszte noch der teil der welt,
den Mahomet gefangen hält,
den hellen glantz der wahrheit einst erblicken
Gottsched ged. (1751) 1, 300,
s. auch oben A 1 c; (aus des engels antlitz leuchtet) der himmlische glanz der wahrheit Fr. Schleiermacher s. w. (1834) II 4, 18; ist er (der papst) ... dasz liecht ... und als ein sonne und glantz der warheit Fischart binenkorb (1588) 134ᵇ; sprichwörtlich, nach sap. 7, 10: der glantz, so von der weiszheit gehet, verleschet nicht Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, n 8ᵇ; auch die engel werden mit glanz ausgerüstet gedacht: was mir rehte, wie daz user iren (der engelerscheinungen im münster) antliccen luhtende were ain also gar schoner durchluhtender glentzender glantz, also das ich den schin gar kume erliden möhte Nicolaus v. Basel 302 Schm.; so oft er fiel, sagt er, er würde also verzuckt, und könde den glantz des engel Gabriel nit dulden Seb. Franck chron. Germ. (1538) 60;
ihr schöne geister Seraphim,
in glantz, und feur bekleydet
Fr. v. Spee trutznacht. 167 Arlt;
männer, die ... ohne englischen glanz ... dinge thun, deren anblick jedermann schönen und groszen muth einspräche Herder 17, 27 S.; als attribut der heiligen: (st. Andreas) lebet am creutz 2 tag und nach volbrachter marter erschin um yn ein glantz wie ein son Seb. Franck chron., zeytb. (1531) 266ᵇ;
Hubertus schritt davon im glanz
Rückert w. (1867) 1, 112;
von hier aus verstehen sich:
wiewol nun mancher gaistlichs stands,
daraus sölt leuchten diser glantzs (gottes)
J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 154;
dunkt mich, das ain glantz von mir (einer verzückten) gieng, der alle die welt erluchte Elsbeth Stagel 57 V. auszerhalb christlicher vorstellungen begegnet glanz als attribut göttlicher personen erst später:
ein himmlischer glanz flosz um die schultern der göttin (Aurora)
Klopstock oden 1, 37 M.-P.;
plötzlich erfüllet wonniger glanz die wände der höhle:
Lolegrin stand vor ihm, der liebliche götterjüngling
Mörike ges. schr. (1905) 1, 78;
... bald geht mit leichten sohlen
durch teure flur greifbar im glanz der gott
Stefan George das neue reich 17.
daran anschlieszend die verbindung göttlicher glanz: die zarte empfindlichkeit dieser gegenden (des morgenlandes), mit der raschen, fliegenden einbildung, die so gern alles in göttlichen glanz kleidet Herder 5, 483 S.; in was für einem göttlichen glanz sie (die söhne der könige und kaiser) erscheinen Göthe 44, 11 W.; glanz und gloria s. unten E 1 f.
5)
eine in älterer zeit geläufige bedeutung 'lichtstrahl' (ähnliches bei schein, s. d. 1 d), zumeist im plural begegnend, bleibt nur bis gegen ende des 16. jhs. gängig und wird durch strahl (s. teil 10, 3, 759) abgelöst, vgl. radius, raggio glantz F. Serantius dict. (1595) b 4ᵇ: wie das ich (im traum) eine alse gar schöne frowe sehe, das ich die schönen glentze, die von ir gingent, in minen ougen kume erliden möhte Rulman Merswin nach Ch. Schmidt hist. wb. 148ᵇ;
enpfangen
sind die liechten glänze (der sonne)
Oswald v. Wolkenstein 35, 42 Sch.;
eins morgens frü stach mich der lentz,
wann die sunn durch ir heisze glentz
kam nach der morgenrödt geschossen
Hans Sachs 3, 986 K.;
in älterer zeit öfter in der verbindung glenze und (oder) streimen: seyn (Moses) angesicht war alszo klar, das Aaron und das volck von Israel nit mochten leyden die glentz und stremen seynis angesichts Luther 10, 1, 1, 457 W.; soltu in (den harn) nit beschauen an einem ort, da streimen oder glenz der sunnen gegen dir gangen Dryander arznei (1542) 46ᵇ. in übertragenem gebrauch: denn wo nicht Christus klarheit neben solcher klarheit Mose keme, kündte niemand solche glentze des gesetzes, der sünd und des tods schrecken ertragen Luther vorrede auf d. alte test. bei Bindseil 7, 312; (der aufgehenden) warheit, welche ire starcke glentz also in ir (der geistlichen) gesichte stöszt, das inen grün und gelb für den augen schimmert Luther 6, 621 W.; ein stral oder glantz des lebens aller dinge Joh. Barth weiberspiegel (1565) 13ᵇ;
er (gott) ist der morgensterne,
seine glentz streckt er so ferne
für andern sternen klar
Cyr. Spangenberg cythara Lutheri (1569) 1, 93ᵃ.
die im 18. und 19. jh. gelegentlich begegnenden mehrzahlformen sind wohl neue bildungen aus 1 bzw. 3: strahlenpinsel oder sogenannte glanze (coruscations) welche aus der röhre (in elektrischen stromkreis eingeschaltete glasröhre), ohne beihilfe eines nahe daran gehaltenen leiters, herausfuhren. er lieferte von diesen glanzen eine zeichnung Krünitz übers. v. Priestleys gesch. d. electric. (1772) 50; poetisch:
der (Alexander) allein, so weit Zeus glanze vom himmel
hat die ganze erd unter Pella gestellt herabschaun,
E. M. Arndt w. 6, 126 R.-M.;
nehmt, und schlingt ihm die bind ums auge,
eh die glänz (des himmels) es mit blindheit schlagen
Rückert ges. ged. (1834) 2, 471;
(Jean Paul hat) zuerst — ein vater der heutigen eindruckskunst — die erde mit unerwarteten glänzen uud lichtern belebt, mit heimlichen tönen, mit versteckten pulsschlägen, seufzern und verwunderungen Stefan George tage und taten (1925) 60.
B.
dem adj. glanz 2 entsprechend, wird glanz ebenfalls seit dem mhd. für den widerschein des in blanken, glatten oder kristallinischen körpern zurückgeworfenen lichtes gebraucht, vgl. glancz refulgentia Diefenbach gl. 490ᵃ und widerglanz; diese bedeutung ist die in neuerer umgangssprache zur vorherrschaft drängende und gilt namentlich im bereich der technik mit mancherlei abstufungen, vgl. etwa spiegelglanz, glasglanz, hochglanz, fettglanz, stumpfer glanz, mattglanz u. dgl.
1)
von dingen mit blanker oder polierter oberfläche, die das licht blinkend oder spiegelnd zurückwirft.
a)
von metallen; gold, silber und anderem polierten metall:
golt von Arabii
des gelans so schinber blicket
bruder Hans 3909 M.;
(gold ist) ein solch metall, dasz seinen glantz ... nimmermehr verleust Ercker mineral. ertzt (1580) vorr. 3ᵇ; wir wissen, dasz das quecksilber auch das allerbeste gold dermaszen befleckt, dasz es zu seinem vorigen glantz und schöner farb nicht mehr gelangt als durchs feur Grimmelshausen 2, 480 Keller; mit dem nebensinn des lockenden, verführenden: da sie (die gesandten) ... von dem reichen geldkasten Fausts sprachen, so fuhr der glanz des goldes wie ein wetterstrahl durch alle seelen Klinger w. (1809) 3, 73;
mich soll nicht länger
der glanz des golds in hundert formen blenden
Ulr. Hegner ges. schr. 182;
von silber war die deichsel gantz,
gab in die ferr ein hellen glantz (am wagen der Juno)
Joh. Spreng Ilias (1610) 66ᵇ;
flüchtiger glanz in silber und kristall Rilke briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 397; von metallflächen, besonders an waffen:
(es ward) geslagen ûf der schilte glanz
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 4076 K.;
seider meines vaters abwesens hat dise gewer niemands gebraucht, darumb sy dann iren glantz verloren Schaidenreiszer Odyssee 158 W.;
bald lischt der glanz (der waffen) im blut
Grillparzer s. w. 5, 213 S.;
zu 2 neigend: mich führte (in der dunkelheit auf dem marsch) der schwache glanz eines zinnbechers an einem gürtel (eines vordermannes) H. Carossa rumän. tagebuch 98; in fester verbindung metallischer glanz: wenn das silber sich dem reinen weiszen am meisten nähert, ja das reine weisz, erhöht durch metallischen glanz, wirklich darstellt, so ziehen stahl, zinn ... ins bleiche blaugraue hinüber Göthe II 1, 208 W., sieh auch Macquers chym. wb. 2 (1781) 684, Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 680ᵃ.
b)
vom blinken des glases und spiegelglases (vgl. spiegelglanz, subst., U. v. Eschenbach Alexander 4026 T.): dú sunne schinnet in daz glas und wirt ez von ir schine schoͤne und vol des glantzes St. Georgener prediger 301 R.;
geschliffnem glas giebt erst der glanz den wert
Grillparzer w. 8, 182 S.;
das haus, ... das im innern dunkel ist mit stillen lichtern auf allem silber und einem glanz im bilderglas, so dasz man sich kaum besinnen kann, was jeder einzelne rahmen umfaszt Rilke briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 295; die ... fenster zucken von glanz 225;
min frunt spiegel, habe dank!
want min (Maria Magdalenas) hercz nimmet manchen
wan ich die schone klarheit minn wangk,
beschawe in dines glanczes schinn
Alsfelder passionsspiel 1845 Gr.;
welche ausz hellem und wol polierten spiegel weissagen, in welchem vom teuffel im glantz gezeiget werden, gemachte bildtnisz, daran dingen darüber gefragt werden G. Nigrinus v. zäuberern (1592) 49; der spiegel glanz Rilke späte ged. (1935) 131; spiegelnder glanz für besonders hohen glanz: auf meilenweite im teppich spiegelnden glanzes (die übergossene alp) H. v. Barth Kalkalpen (1874) 65, vgl. auch spiegelglanz und glasglanz.
c)
von edelsteinen; ähnlich bereits:
(das edelsteingeschmückte goldene Jupiterstandbild)
daz gap sô lichtebæren schîn,
daz mich sîn iemer wundert.
sîn glanz was ûzgesundert
vor aller göte bilden
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 17648;
an stat der diamanten oder rubinen falsche steine, welche dennoch einen groszen glantz von sich gaben Er. Francisci lustige schaubühne (1697) 3, 912; hiebey fällt mir ein, was berichtet wird von einem cardinal in Franckreich, dasz er einen edelstein gehabt, der seines unvergleichlichen glantzes halber auf 100 000 gülden geschätzet Christ. Scriver seelenschatz (1737) 1, 10ᵇ; am tage ihrer (Maria Medicis) krönung hätte ihr majestätisches wesen ... die aufmerksamkeit der menge mehr auf sich gezogen als selbst der glanz der brillanten Ranke s. w. 9, 114. im vergleich: lehr und wissenschaft seynd in dem menschen wie ... in dem edlgstein der glanz Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 76. vergleichbar: der granit von Corsica zerfällt zu pulver in einer zeit, wo der polirte granit der Bergstrasze seinen glanz noch nicht verliert J. Liebig chem. briefe (1844) 298.
d)
ähnlich, doch auch in 2 übergreifend, von dingen, die in folge von nässe, fett, lack, politur u. dgl. glanz tragen; so auch vom wasser:
in monderhellten weihers glanz
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1844) 357;
(ein) bepackter kahn ... (durchschneidet) die lichtreflexe des wassers, und die gestalt des rudernden darauf grenzt sich grosz gegen den glanz ab Rilke briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 346; über die pfützen und den nassen glanz der strasze O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 15; als ich mich wendete, war der platz klar, und der nebel lag als flüchtiger glanz feucht auf den steinen Rilke a. a. o. 211;
sie schlugen das gut oben auff,
das dunckt den meister recht und gantz,
betrog in auch zwar nur der glantz,
den er da sah wol an dem dalck (= talg)
Fischart 2, 225 Hauffen.
bildlich: dieser (der gesellschaftliche) firnisz, der weit feiner ist als der japanische, verleiht allen handlungen glätte und glanz A. v. Kotzebue s. dram. w. (1828) 35, 74; von dem (lackierten) roth der uniform (des nuszknackers) war der brennende glanz gewichen, die farbe der unterkleider liesz sich kaum noch erkennen; erloschen waren die schönen grellblauen augen Immermann 2, 19 Boxb.; in dieser bedeutung technisch im sinne 'politur' verwendet; auch verdinglicht für das mittel (lack, wichse, polierflüssigkeit, appretur), mit dem der glanz erzeugt wird, vgl.es hed der glanz 'hat den letzten anstrich (firnisz) erhalten', übertragen 'die sache ist damit abgetan' Staub-Tobler 2, 637.
2)
für einen matter schimmernden, vielfältig gebrochenen widerschein des lichts.
a)
von kristallinischen mineralen (vgl. unten F 1) und perlen: gleicher gestalt der schwebel so schön gelb ist, hat im bruch einen glantz wie ein margkesit Fronsperger kriegsbuch (1573) 1, z 5ᵃ; ihr (der zirkonkristalle) äuszerer glanz ist zufällig A. G. Werner oryktognosie (1792) 4; glimmerschiefer, dessen glanz ... in der fabel des Dorado eine denkwürdige, für die betrogene menschheit oft verderbliche, rolle gespielt hat A. v. Humboldt ansichten d. natur 1 (1808) 295; die unvollkommenen und ungestalten perlen ... zu glantz, rundung und schweren gelanget Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, f 2ᵃ;
und um zu schonen meinen (der perle) glanz, den feuchten,
mit keinem unvorsichtgen blick mich rühren
Rückert w. (1867) 3, 128.
b)
von schnee und eis und vom regenbogen; mit A 1 gekreuzt:
wenn fern die see von strenger kälte rauchte,
der blendend weisze schnee dicht auf den bergen lag,
und itzt die abendsonn ihn wie in purpur tauchte,
dann lockte sie der wunderschöne glanz
im reinen strom der kalten luft zu baden
Wieland w. (1796) 23, 100;
eine wilde welt (die Schweiz), die nur durch das blau der sommerluft und den glanz von schnee und see einigermaszen zusammengehalten war G. Keller ges. w. (1889) 6, 29; rings um ihn der reine glanz (der berge im schnee) erfüllte sein auge und sein herz Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 262; mit B 1 vermengt: der glanz des eisspiegels mochte ihn weiter auf den see hinausgelockt haben Storm s. w. (1899) 2, 103;
diu forme, die der spiegel nimt, diu ist niht ganz,
sam glanz ouch ûz dem regenbogen:
diu beidiu hânt matêrjen niht
unt schînent doch mit valscher varwe, swer die spürt
Frauenlob 429, 2 E.;
des regenbogens glanz
Denis lieder Sineds (1772) 96.
c)
von haar, gefieder, haut u. ähnl.; teilweise auf den farbton zielend und mit C 1 verrinnend:
sie endarf mit deme (gelben) hare
kein uppecliche ampare
mit dirre susen glanze
zu spile joch zu danze
nummer me gedriben
Elisabeth 7817 R.;
an B 1 a angelehnt:
das haar wie gold hett einen glantz
Spreng Äneis (1610) 11ᵇ;
meist allgemeiner nur auf den lichtreflex bezogen: darnach die schwäntze und mehne (der rosse) mit nuszöhle abgekämmet, so bekommen sie einen schönen glantz M. Böhme roszartzney (1618) 139; das haar ... in seinem eignen braunen glanze Lessing 2, 404 M.; ihr haar sticht mir ... derart in die augen; dieser matte glanz, diese weichheit G. Hauptmann die weber (1892) 53. ähnlich von flachs: der flachs ... ist von so vortrefflichem glanz, elasticität und stärke G. Forster s. schr. (1843) 1, 411;
swer die krân tweht,
dâ von mêret sich ir swarzer glanz
Heinrich v. d. Türlin crône 2057 Scholl;
die elster hat einn langen schwantz,
von bundter farb und schönen glantz
J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 307;
wenn der fasanhahn in die luft stieg ... im glanze seines prächtigen gefieders W. v. Polenz Büttnerbauer 3, 343; sein (das antlitz eines aussätzigen) farb ist dunckel oder vinsterrot oder schwartzrot und zerbloszen mit einem starcken widerschin oder glantz glich als ein dürr dunckelrot leder Gersdorff wundarzney (1617) 71ᵇ; ihre (der eingeborenen) leibesfarbe war olivenbraun mit einem kupferähnlichen glanze Forster s. schr. 2, 383.
d)
von tucharten, besonders von seide und seidenartigen stoffen:
dâ bôt durchliuhteclichen schîn
diu gimme und daz gesmîde:
der purper und diu sîde
ir glanz darunder wâben
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 1164;
... den (larikantstoff) bevienc
ein silberwizzer kasmiot;
der glantz do wider glantzt
Joh. v. Würzburg Wilhelm 2310 R.;
weil pluis und sammet also zusammen gepreszt, schielend werden, und den guten gleichmäszig-spielenden glantz ... verliehren v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 195; (der) glanz des stoffes ... erblindet Stifter s. w. (1901) 4, 2, 2, 684; beide in hellen sommerkleidern, welchen durch die gewitterregen des letzten tages aller glanz abgespült war G. Freytag handschrift (1864) 1, 56; daher entwickeln sich feste wendungen wie atlasartiger glanz, vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 467; seidiger glanz, vgl.: die berge haben einen weichen, seidigen glanz Thiesz zentaur (1931) 378; anders, als zeichen der abnutzung, z. b. die hose zeigte schon einen bedenklichen glanz.
C.
bei der anwendung auf farbe und das auge vermengt sich die vorstellung von glanz als dem widerschein des lichtes (B) mit der von der leuchtkraft, die von einer lichtquelle ausgeht (A).
1)
wie glanz, adj., 3 in älterer sprache und poetisch von hellen und leuchtenden farben, besonders auch weisz, vgl. auchB 2 b; mit dem beisinn der schönheit (s. unten D 1 b):
der sumer wil zergân
... ich sihe die bluomen rôt
vor dem walde wunniclîchen stân;
die heten alsô liehten schîn: nû valwents aber gar.
... ir glanz
hât mir mîner swære vil vertriben
Neidhart 45, 1 W.
allgemeiner:
recht wi ausz schwartz leucht weyszer glantz
(so leuchtet die tugend aus beschwerden hervor)
J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 156ᵇ;
der veilchenstock ... verlangte nicht mehr die menge seiner guten eigenschaften mit einem unnützen glantze der farben zu verwechseln Gottsched d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 306; bei den blumen ... an glanz und pracht der farben E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 367; abends, wenn ..., die mannichfaltigen farben (der blumen) erst recht in ihrem glanz und werth hervorleuchten Göthe IV 42, 281 W.;
verwünscht sei heut mir dieses schimmels glanz,
mit schwerem gold in London jüngst erkauft
H. v. Kleist s. w. 3, 62 E. Schm.;
was ist weiszes dort am grünen walde?
... ist kein schnee nicht, es sind keine schwäne,
s ist der glanz der zelten Asan Aga
Göthe 2, 49 W.;
in der gegend, wo das haus meines vaters lag, breitete sich noch immer viel weiter das dunkel und dämmer des waldes aus als der schimmer und der glanz des getreides Stifter s. w. (1901) 2, 201; da ... ein klarer und leuchtender november die landschaft in einem verwirrenden glanz südlichen farbenspiels einspann Thiesz zentaur (1931) 61; ähnlich von hellen wolken: glanz der wolken über dem ende des sees, sonnenblick auf Richtersschwyl zu (1792) Göthe III 2, 158 W.; der blendende glantz einer sommerwolke Lichtenberg aphor. 5, 119 L.; vereinzelt als gegensatz zu trübe im sinne 'klare durchsichtigkeit' vom wein: ein guter wein soll ... an sich haben ... colorem, eine liebliche farbe, nitorem, eine schöne klarheit und glantz Marperger vollst. küch- u. kellerdict. (1716) 1287ᵃ. hierher auch glanz als bezeichnung des mattleuchtenden weiszen oder rosigen schimmers der menschlichen haut, wobei auch D 3 oft hereinkreuzt:
(Ginover,) ... diu ir liehten glanz
mit weinen hete begozzen
Wolfram Parzival 725, 4;
dâ sich diu briustel und diu kel
z einander welbent under in,
dâ was ein glanz gegozzen hin,
der schein durhliuhteclichen wîz,
daz sîner blanken varwe flîz
kein ouge mohte erlîden
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 20228, vgl. 19830;
der augen blizz, der stirne glanz
Stieler geharnschte Venus 31 ndr.;
(als Belsazar die hand schreiben sah,) da veränderte sich der glanz des königs (tunc facies regis commutata est; var. 1530: verlor der könig sein farb) und seine gedanken erschreckten ihn Zür. bibel (1707) Dan. 5, 6; streicht (man) die haut damit (schminke) an: so wird sie glatt, und das gesicht bekommt einen glantz, und die sonnenflecken vergehen davon J. B. Porta nat. magia (1713) 651ᵇ;
so war im augenblick auf ihren (der jungfrau) wangen
der rothe glanz erbleichet und vergangen,
sie lag faszt ganz erblaszt in ohnmacht ausgestreckt
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 7;
des schönen nackens glanz
Bürger w. 1, 155 Bohtz;
vgl.glanz strahlende, gerötete gesichtsfarbe des gesunden menschen Staub-Tobler 2, 637.
2)
von den augen, die oft als leuchtende körper gedacht werden, vgl. leuchtende, strahlende, funkelnde, feurige augen, blicke u. s. w.; daher gilt hier glanz im anschlusz an A meist als begriff für die leuchtkraft des auges und für einen von körperlichen oder seelischen ursachen bewirkten besonderen ausdruck; als zeichen von jugend und schönheit:
ein helles liecht, ein freude gantz
ist mir der tag, dran ich den glantz
seh deiner eugelein
O. S. Harnisch neue kurtzweilige teutsche liedtlein (1588) b 4ᵇ;
so offt ich euren glanz, ihr hellen äuglein, schaue
Opitz teutsche poem. 35 ndr.;
ihr himmlisch auge streute glanz
wie perl aus morgenland
Herder w. 25, 135 S.;
das auge büszt (im alter) seinen glanz ein, dunkelt J. Grimm kl. schr. 1, 197; (Maries) augen waren wie der rollende tautropfen an glanz und tief wie ein saphirstein, der im schatten ruht Jens Peter Jacobsen s. w. 106; ähnlich poetisch glanz der blicke:
entwöhnen sollt ich mich vom glanz der blicke
Göthe 2, 8 W.;
von ungewöhnlich gesteigertem augenausdruck: langsam entzündete sich ein glanz in seinen augen Paul Alverdes die pfeiferstube (1929) 85; vielfach mit näherer bestimmung der ursache: sah ich ... in seinen (Clerdons) augen sogar einen gewissen glanz von freude funkeln Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 121; seine augen glühten wie von einem anhaltenden glanze innerer wärme und begeisterung G. Keller ges. w. (1889) 1, 19; bald ... brach ein lustiger glanz aus ihren augen Storm s. w. (1899) 1, 319;
die augen (der hunde) drehn in klugem glanz
A. v. Droste-Hülshoff w. (1878); 2, 62;
Rose ..., von verfallenen gesichtszügen, im auge einen krankhaften glanz G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 118; und sasz mit dunkeln augensäcken, die hände auf den tisch gelegt, den glanz der trunkenheit im blick W. Schäfer erzählende schr. (1918) 1, 163; die augen verloren den fast tückischen glanz, wurden weit und voll Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 306; dagegen von B 1 d ausgehend feuchter glanz: ich sah in mehr als einem auge tränen, und als er jetzt schwieg, schimmerte auch seines in feuchtem glanze F. v. Saar s. w. (1908) 7, 26; seine augen bekamen einen feuchten glanz ... und er fühlte sich durchdrungen von dem ... weichen mitleid eines betrunkenen mannes Jens Peter Jacobsen s. w. 211.
D.
in bildlichem gebrauch veranschaulicht glanz solche erscheinungen und zustände, die auf die sinne oder das gefühl wie ein glanz wirken, den eindruck von glanz hervorrufen.
1)
schönheit der äuszeren form bei einer person, einer sache, einem kunstwerk u. s. w.
a)
von der erscheinung des menschen, auch einzelner teile seines körpers; in älterer zeit lehnt sich die schilderung weiblicher schönheit, z. t. wohl unter dem einflusz von hohel. 6, 10, an das bild von der strahlenden sonne an, vgl.:
ein maget, diu nam der sunne ir glanz,
sô man si bêde des morgens sach
und diu sunne durh die wolken brach
Wolfram Willehalm 292, 12;
herr Caynis aber getrauwet nicht, dasz ein solcher glantz von der frauwen (Isalde) leuchtet (vorher: wie zwo sonnen wären), bisz er sie selbst sahe buch d. liebe (1587) 98ᶜ; in freierer verwendung:
daz wunder,
daz an ir (Helena) lac besunder
von lûterlicher schœnheit.
ir glanz, der mahte si (die Griechen) gemeit
(als sie sie auf der mauer Trojas erblickten)
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 34122;
alle schönheit (Jesu) ist entgangen,
aller glantz und augenschein
Fr. v. Spee trutznacht. 253 Arlt;
den ring der welt an allen orten
durchausz mit ihren glantz sie zierd (die geliebte)
G. Voigtländer oden und lied. (1642) 41;
ein unversehner glantz verblendt mir aug und sinnen,
bezaubert wird mein hertz, die seele wil zurinnen.
wer ist die schäfferin?
A. Gryphius lustsp. 395 P.;
an religiöse sprache (vgl.A 4 und D 5 b) anknüpfend: wiewol anfänglich der glantz meines angesichts in etwas (durch mein schielen) verdunckelt wurde Joh. Beer Jan Perus (1672) 12; insbesondere glanz der jugend:
der rothen jugend glantz
wird wie ein kleid verzehret,
so hier die motten nähret
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 317;
Felix tritt herein in jugendlichstem glanze wie ein kleiner abgott Göthe 25, 292 W.; des glanzes der jugend bedürfen Mommsen kl. schr. 1, 729; den gliedern entgeht glanz, gelenkigkeit, stärke (im alter) J. Grimm kl. schr. 1, 198.
b)
von der natur und ihren erscheinungen, vgl. schon im mhd. an C 1 anschlieszend:
der heide glanz, in meien zît
Wolfram Willehalm 364, 22, vgl. 270, 24;
sodann: den glantz der wälder und der wiesen K. W. Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 321;
in des lenzes heitrem glanze
lese jede zarte brust,
in des herbstes welkem kranze
meinen schmerz und meine lust
Schiller 11, 203 G.;
der himmel heiterte sich völlig auf, so dasz wir die Bergstrasze in ihrem ganzen glanze genossen Göthe IV 25, 43 W.; wie die steppe duftete, und ein glanz der einsamkeit überall ... hinauswebte Stifter s. w. (1901) 3, 191; sprichwörtlich: keine rose so schön, dasz sie nicht endlich ihren glanz verlöre Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 484ᵃ; sieh auch lenz 3, teil 7, 654 unten.
c)
auf das leben und zeitbegriffe angewandt: auf diese weise war über Pindars ganzes leben ein glanz verbreitet, in welchem grösze und anmuth sich gatteten W. v. Humboldt Pindar 38, 15 Leitzm.;
wie herrlich ists, im glanze dieses lebens
ihn (Tasso) an der seite haben! so mit ihm
der zukunft sich mit leichtem schritte nahn
Göthe 10, 184 W.;
ich habe sie (die tochter des freiherrn) bewundert in dem ruhigen glanz ihres vergangenen lebens G. Freytag ges. w. (1887) 4, 574; jene traumwelt ... erhöht und entrückt sein leben, dasz es einen glanz bekommt, der dem glanz der märchen gleicht, die wir als kinder hören O. Gmelin der ruf zum reich (1936) 75; der glanz ihrer sterbestunde erhelle die gegenwärtige Thümmel reise in die mittägl. prov. (1791) 8, 209; den aufmunternden glanz einer heitern stunde Göthe 21, 125 W.
d)
von der schönen, wirkungsvollen form künstlerischer schöpfungen. zuerst in der festen fügung glanz der sprache, die dem rhetorisch-stilistischen begriff der elegantia linguae (über ihn s. Volkmann rhetor. u. metrik [1901] 38) entspricht, in bezug auf die deutsche sprache z. b. von Luther briefw. 4, 273 E. gebraucht; formal ist sie wohl lateinischem nitor orationis, splendor verborum u. ähnl. (Cicero, Quintilian) nachgebildet: so hat auch die lateinische ... spraach ... stäts ihren glanz erzeiget und ist nie gar erloschen Stumpf Schweizerchron. (1606) 245ᵃ; ihre muttersprache ... nicht allein bei ihrem angebohrnen glantze zu erhalten Ph. Zesen helikon. rosenthal (1669) 6; in staatsschriften jeziger Teutschen zu Regenspurg und anderswo etwas besonders und nachdenkliches herfürblicket, welches, da es vom überflüszigen fremden, als von angesprützeten flecken, nach nothdurft und thunlichkeit gesaubert würde, unser sprache einen herrlichen glanz geben sollte Leibniz dtsche schr. 1, 459 Guhr.;
nach der sprache glanz, die Frankreichs ruhm erhöht
A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 107;
bildhafter: ich musz ... in den hohen glantz unsrer heldensprache gukken S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) )( 3ᵃ. ähnlichem glanz der rede hat wohl lat. nitor orationis zum vorbild gedient:
dasz keine böse sachen
den ungeschminkten glanz der reden beszer machen
P. Fleming ged. 3 Lapp.;
kein glantz einer beredsamkeit darinnen Joh. Beer teutsche winternächte (1682) 506; was man von ihm (dem römischen anwalt) verlangte, war ... flusz und glanz der rede Jhering geist des röm. rechts (1852) 2, 2, 438. leicht abgewandelt:
der worte göldner glantz hat gifft zu seinem grunde
Logau s. sinnged. 282 E.;
herr Tscherning, als ich nun in etwas durchgelesen
das wolgesetzte werck von nicht gemeinem wesen
... ward bald mein geist entzünd und fühlte neue flammen
die dieser schrifften glantz gebracht in mir beysammen
Rachel satir. ged. 8 Drescher.
seit dem 18. jh. weniger formelhaft gebraucht: der erste übersetzer ..., unter dessen bearbeitung so verschiedene schönheiten in einer sprache, für die sie gar nicht bestimmt zu sein schienen, einen glanz, ein leben erhalten Lessing 8, 280 M.; das Rochusfest, abermals durchgearbeitet und nochmals abgeschrieben, hat an bestimmtheit und glanz gewonnen Göthe IV 27, 223 W.; der strahlende glanz, der über alle seine (Pindars) schilderungen ausgegossen ist, und die fülle der bilder und des ausdrucks, die mit erhabner leichtigkeit dahinrollt W. v. Humboldt Pindar 46 Leitzm.; abschätzig: durch den glanz und firnisz einer ausgearteten witzigen literatur Niebuhr röm. gesch. 1, 5, vgl. auch D 4. in der musik von der ausdruckskraft eines tonsatzes, einer stimme u. s. w.: der basz ist nur der oberstimme halber gesetzet, damit sie desto gröszeren glantz, vorzug und aussehen bekomme J. Mattheson kleine generalbaszschule (1735) 50; Lockmann sang (die arie) nur mit halber stimme; aber Hildegard ward davon entzückt, und sagte: sie habe im heroischen an neuheit, glanz und ausdruck, melodie und harmonie nichts von so hoher schönheit gehört Heinse w. 5, 248 Sch.; der brausende glanz des ersten siegerliedes E. Wiechert hirtennovelle (1935) 35; etwas anders auf den kraftvollen klang in den höchsten lagen bezogen, z. b. der strahlende glanz eines tenors, der glanz der trompeten u. ähnl.; bei gemälden die leuchtkraft der farbgebung (s. auch C 1), vgl. dazu schon gemeldsglantz, der glantz eines gemelds picturae vigor, medius inter lumen et umbram, tonus Henisch t. sprach (1616) 1625: die zeit hat allerdings vieles von dem scheinbaren glanze des gemäldes geraubet Winckelmann s. w. (1825) 1, 37; da liegt der alte glanz wieder auf dem bilde H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 2; allgemeiner, schönheit und groszartigkeit der form von baudenkmälern: der glanz des baues verdunckelt diamanten Gerstenberg recens. 12 lit.-dkm.; bildlich: erst die zweyte überlesung, sagt er, hat den betrug aufgehoben, der glantz des gebäudes hat sich bei der untersuchung des gleichmaszes vermindert J. Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 46; vergleichbar im sinne 'schönes aussehen, ansehnlichkeit':
... so besiegt ihn der glanz der geschenke
Bürger w. 263 Bohtz;
die stellung der lichter erhöhte den glanz der gabe Göthe 21, 4 W.
e)
die versinnlichende wirkung von glanz wird öfter durch seine verbindung mit anderen wörtern sinnlicher wahrnehmung verstärkt; glanz und farbe:
(zu Amor:) wo sind die schönen gestalten,
wo die farben, der glanz deiner erfindungen hin?
Göthe 1, 249 W.;
in ihrer nähe gewinnt das leben glanz und farbe Bauernfeld ges. schr. 1, 77; und so gebricht es auch unseren menschen ein wenig an farbe und glanz; da ist alles arbeit und strenge, die mundart rauh, und sogar unsere sonderlinge wirken eher beklemmend als erheiternd H. Carossa geheimn. d. reifen lebens (1936) 10; (Lena:) morgen ist aller duft und glanz von mir gestreift G. Büchner nachgel. schr. (1850) 174.
2)
glanz umschreibt kollektiv 'aufwand, pracht, prunk', auch 'schmuck, staat':
a)
muscâtnegele, pfâwenspiegel: dêst der dörper glanz
Neidhart 278 W.,
vgl.gewandes glanz Elisabeth 867 R.;
he zog ehn an ein schönes kled,
von edelstehn un goll bereth,
he gab ehn schuh, gertel un schwerd
un en uffs nawe tapffr bewerth,
un satzt en uff ein schönen krantz;
da gieng he her in sinen glantz
alszbald weder zum keyser nuff
M. Rinckhart christl. ritter (1613) 1182 ndr.;
in dem glanze geborgter kleider Lessing w. 7, 27 M.; ihrem schönen gang und dem glanze ihres kleides S. Geszner schr. (1777) 1, 112;
wie kommt mir solcher glanz in meine hütte?
Schiller 13, 176 G.;
zu Shakespears zeit kannte man nicht den glanz der dekorationen E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 66 Gr.; meine kinder sind nach Berlin, um sich in dem glanze der königsstadt zu sonnen Göthe IV 31, 148 W.; das gelasz, dessen luxus und glanz mit den mitteln des candidaten übereinstimmte W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 8; wo man sich zeigte, hing nicht ab von dem äuszeren glanz gebotener räumlichkeiten, sondern von dem vorbild eines kleinen kreises von menschen K. Al. Schenzinger anilin (1937) 85; von etwelchen in höfischem glanze schwelgenden familien Mollat reden u. redner (1895) 54; der sieg des königlichen menschen wird ohnegleichen sein, wenn kein glanz ihn ansagt E. König legende v. verz. könig 27; neigung zu einem leben in lust und glanz Lange gesch. d. materialismus (1866) 16; nun kam er nach hause, gewöhnt an glanz und getümmel (des spanischen hofes) J. P. Jacobsen s. w. 149. als stehende wendung begegnet glanz des festes:
wenn die hellen kirchenglocken
laden zu des festes glanz
Schiller 11, 308 G.;
trug auch dieser frost ... zum glanze des festes das seine bei A. v. Arnim s. w. 9, 4;
so reich, dasz, was an pracht die väter kannten,
nur farblos schien in dieser feste glanz
Grillparzer s. w. (1892) 8, 223 S.
b)
oft in verstärkenden verbindungen: schmuck und glanz, sieh dazu H. Mühlpfort ged. (1686) 72, Brockes ird. vergn. (1721) 4, 36, J. F. Fries wissen u. ahndung (1805) 4 ndr.; ähnlich: glantz und zierheit Jac. Böhme erste apologie wider Balth. Tilken (1682) 219; glantz und zierde J. G. Neukirch anfangsgr. (1724) 18; glanz und pracht (sieh auch unten): der herrlich bracht und glantz der klaidung (der cardinäle) Seb. Frank mor. encom. 91ᵇ;
in den hellen zimmern,
die lust und pracht und glanz erfüllt
Gottsched ged. (1751) 1, 70;
glantz und pomp K. W. Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 4, 79, K. Justi Winckelmann (1866) 1, 464; prunk und glanz Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 1, 97.
c)
entgegengesetzten begriffen wie elend, dürftigkeit gegenübergestellt, gewinnt glanz die bedeutung 'reichtum, überflusz':
hier müssen oft die schönsten seelen
sich unbemerkt im elend quälen
und thorheit ist mit glanz geschmückt
Lenz ged. 82 Weinhold;
der heute noch in seinem glanze,
kann morgen armer schlucker sein
Böhme volksth. lieder 498;
(ein) hof, ... der ... einen wunderlich gemischten anblick von glanz und dürftigkeit gewährte Fontane ges. w. I 2, 12.
d)
in redensarten und verbalen wendungen; im 16. jh. heiszt (sich) keines glanzes achten zunächst 'vor vornehmheit keinen respekt haben', vgl.:
das ich (der tod) üch find zu rechter stund,
die gott mög lieb und gfellig sin;
dann ich acht weder glantz noch schin
... dann ich gantz niemand übersich,
er sy grosz, klein, arm oder rich
Sanct Meinradspiel 118 G.;
dann 'nichts auf gute lebensart geben' und allgemeiner 'unbedenklich, nicht wählerisch sein, sich um nichts scheren', auch 'sich unerzogen benehmen':
wir Grobianer habens macht,
wir achten nicht auff glantz noch pracht:
wölt ir vil brangen und hoffleren,
diweil will ich mein gurgel schmieren
Casp. Scheit Grobianus 33 ndr.;
ich aber acht mich keines glantz
und wag mit jedem auch die schantz (als komischer poet)
Fischart 2, 10 Hauffen;
er acht keins glantzs, badt wol in hosen (illotis manibus pedibusque) Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 81ᵇ; er acht keins glantzs (ist ein plumper mensch) sprichwörter (1548) 368; er achtet keines glantzes, er trincket wol aus einem topffe Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) l 2ᵃ, ähnlich Eiselein 269. — sprichwörtlich: auswendig der glantz, inwendig sanct Veitstantz foris Helena, intus Hecuba Aler dict. (1727) 1, 248ᵇ, ähnlich Petri weiszh. (1605) 2, 30, Fischer schwäb. 3, 666; oben glanz und unten franse ebda; äuszern glanz haben die mädchen beim tanz und die äcker am gewand ebda;
rein und ganz
des armen glanz
Binder sprichw. 161.
— im glanz sein bedeutet 'prächtig dastehen': die königin (von Frankreich) ... solle gar gewisz nicht mittkommen, also wirdt Franckfort nicht so sehr im glantz sein Elisabeth Charlotte briefe 6, 71 Holland; negativ gewendet nit in glanz sīn 'sich in verlegenheit, im elend befinden' Staub-Tobler 2, 637; sich in glanz werfen meint 'sich putzen' (vgl. auch unten 6): die Kathi had si heund ganz in glanz gwurfn Hügel Wiener dialekt (1873) 67ᵇ; sich in glanz werfen sich fein kleiden, putzen Müller-Fraureuth obers.-erzgeb. 1, 422ᵇ.
3)
als inbegriff des vorzüglichen zustands eines dinges, einer einrichtung u. dgl., der höchsten form einer leistung oder eigenschaft, des hohen ansehens einer person, einer familie u. s. w.
a)
von dingen, eigenschaften und handlungen; 'tadelloses aussehen, vollkommenheit, vortrefflichkeit':
ez ist umbe etliche riwe
sam umb gezartiu tuͦchir niwe:
swer dei wil zesamene
revelen mit vademe,
so stund in ir glanz
baz, do si waren ganz.
swie wol ez gebuzzet wirdet,
den zar man doch da vindet
genesis 17, 15 Diemer;
die hose des neuen anzugs hatte einen risz, ihr glanz war dahin westfäl. zeitung jahrg. 128, nr. 12, 1. beilage; da er (der doktor) den ziemlich arg zugerichteten schneider bald auf den glanz herstellte, so kam nun die ärztliche praxis Rosegger weltgift (1903) 327; etwas anders: ihre reize ... erhielten für mich durch die vermeintliche verschönerung ihrer seele einen neuen glanz Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 16; eine ... schönheit, deren glanz ... verbleicht war (von einem rügenschen dorf gesagt) E. M. Arndt s. w. 1, 60 R.-M.; oft von geistigen und künstlerischen fähigkeiten, poetisch:
von liehter sinne glanze
wirde ich niht gemüejet
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 86 Schr.;
dasz sie den glanz ihrer geistesgaben durch jene hohe einfalt, jene himmlische güte, jene stille energie des characters verherrlicht Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 36; sobald das talent in einem gewissen bezuge arbeitet, verliert es seinen glanz mit den umständen, die es in bewegung setzten Göthe 40, 218 W.; der das genie Lollis (des geigers) ... zu jener höhe trieb, wo es sich bisher durch eignen drang und trieb in schwung und glanz erhielt Schubart leben u. gesinnungen 1, 128; ähnlich: mit den studenten ... kokettierte sie zwar, aber nur obenhin, ohne glanz und schwung R. Huch Michael Unger (1913) 73.
b)
als 'höchste zierde, vollkommenste erscheinung', namentlich von personen panegyrisch im anschlusz an A 4 (vgl. auch Matth. 5, 14); im 16./17. jh. poetisch beliebt, noch streng im bilde:
(Sophonisbe an ihren liebhaber:)
verfinster deinen glantz nicht in so düstrer höle
Lohenstein dram. u. lyr. dicht. (1680) 367;
du mächtigster monarch, vom himmel selbst erhoben,
du glantz der christenheit
J. Rist neuer t. Parnass (1652) 1;
(die sonne,) die in euch sich umb und an,
glantz der welt, bespiegeln kann
S. Dach in: Königsberger dichterkr. 47 ndr.;
eigenwillig:
heut bin ich ein oberherrschender glantz,
morgen aber trägt man mich zu desz todes tantz
M. Abele künstl. unordn. (1670) 3, 190;
Carl Adolf von Plessen, der seegen, das beyspiel und der glanz seiner familie J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 88;
sterbend lag der einzge bruder,
des geschlechtes glanz
Erlach volksl. d. Deutschen 5, 275.
ähnlich: der kern und der glanz des volkes (von Seldwyla) besteht aus den jungen leuten von etwa zwanzig bis fünf-, sechsunddreiszig jahren G. Keller ges. w. (1907) 4, 8; verdinglicht im sinne 'beste, wertvollste sache', vgl.glanzstück: der glanz des dorfes aber, der könig gleichsam über ein vielsprachiges reich, war der stier ..., den der schulze ... 'Bismarck' nannte E. Wiechert hirtennovelle (1935) 20. als höchster inbegriff einer sich in der person verkörpernden eigenschaft, vgl. an A 4 anknüpfend:
da ist got, der eren kranz,
ein zierde und der sælden glanz
v. d. jungesten tage 704 Will.;
diszmals entführet der tod ausz dieser welt den glantz der lieblichkeit buch d. liebe (1587) 117ᶜ;
du kecke kriegesschar, und du, o edler held,
der du ihr warest gleich als herzog fürgestellt,
glanz aller tapferkeit und sonne des verstands,
ruht, ruhet in der asch hier eures vaterlands
ged. auf Magdeburgs fall bei Opel-Cohn 221;
ähnlich: gleichwohl lieszen sie den glantz treuer untertahnen noch hierin blikken, indem sie dem feinde alle vorteile abschnitten Zesen gekrönte majestät (1661) 69.
c)
häufig enger gefaszt als 'ruhm, ansehen', von menschen, ihren eigenschaften und handlungen:
disz buͦch (narrenbeschwörung) gybt euch (Murner) ein solchen
das irs euch billich söllen fröwen glantz,
P. Gengenbach 284 Göd.;
hier steht der wundermann Apollo unserr zeiten
... sein lob ist ungemein durch ost, süd, west und norden,
und seiner curen glantz erfüllt die gantze welt
Ettner v. Eiteritz medizin. maulaffe (1719) 2ᵃ;
(dasz) keusche sittsamkeit und nicht befleckte list
des frauenzimmers glanz und rechter adel ist
B. Neukirch ged. (1744) 119;
es ist kein zweifel, dasz Karl (der kühne) ... einen genie gehabt habe, der in glücklichern zeiten ... einen gröszern glanz würde von sich geworfen haben Wieland in: bibl. ält. schriftw. d. Schweiz 2, 3, 28. in festerer verbindung glanz der taten, des sieges; noch oft im bilde: er gestünde gern, dasz Alexanders thaten mehr glantz hätten, aber des Julius nicht weniger kern Lohenstein Arminius (1689) 1, 137ᵇ; den vollen glanz seiner vorigen siege verdunkeln Gerstenberg schlesw. litbr. 4, 34 lit.-dkm.; freier:
... der glantz seiner gleichlosen thaten
Zinkgref auserles. ged. 37 ndr.;
so fiel doch der glanz und der grosze gewinn des sieges dem papstthum anheim Ranke s. w. (1867) 1, 25; Platen w. 1, 12 H. lateinischem lumen virtutis nachgebildet ist wohl deutsches glanz der tugend: sölich, die den glantze fremder tugend nit lyden mugen N. v. Wyle translat. 109 K.; vom jungen Scipione ... lesen wir, dasz er durch seine laster den glantz der tugenden und das gute lob seines vaters verdunckelte Äg. Albertinus Lucifers königreich (1616) 356; ähnlich: ich will den glanz eurer ehre vor dem gericht in Basel und vor dem urteil der ganzen welt wiederherstellen H. v. Kleist 3, 404 E. Schm.; absolut, 'makelloser ruf':
werd ein gepfalzter graf, der ohne kopfbeschwerden
durch die auf pergamen ihm zugeflossne kraft
beflecktem blute glantz und tugend wieder schafft
B. Neukirch auserles. ged. (1744) 123;
sprichwörtlich: frombkeit hat bey der welt kein glantz (kein ansehen) Petri der Teutschen weiszheit (1605) 2, G g g 6ᵇ.
d)
von institutionen wie reich, familie, öffentlichen einrichtungen u. s. w. für den zustand höchster blüte und gröszten ansehens:
alsz dann das schlosz noch stünde gantz
darzu das reich in seinem glantz
Spreng Äneis (1610) 23ᵇ;
die klöster wurden zwar nach der zeit wieder aufgebauet, erlangten doch ihren schönen klantz nicht mehr, den sie zuvor gehabt hatten Rheinstrom (1685) 1, 503; Heyne, für neuen glanz der Georgia Augusta sorgend J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 112; schon damals zog der glanz des Mannheimer theaters meine ganze aufmerksamkeit an Schiller briefe 1, 37 J.; Sparta ... in den tagen seines höchsten glanzes H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 202; auch persönlich gewendet:
wir haben in den tagen unsers glanzes
dem schmeichler ein zu willig ohr geliehn
Schiller 12, 411 G.;
formelhaft ist glanz des hauses, der familie, des namens, wohl in anlehnung an lat. wendungen wie nitor generis u. ähnl.: dasz das glorwürdigste hausz der Guelphen seinen edlen glantz zu keiner zeit verlieren ... möge S. Fr. Hahn vollst. einl. (1721) 2, vorr. 14; wenn ich auch diesem namen keinen neuen glanz geben ... sollte J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 4;
(die helden,) die eures stammbaums glantz erhöhn
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 101;
du aber ... kannst den glanz unsers hauses wieder erneuern Tieck schr. (1828) 19, 18. feste verbindungen sind alter glanz 'altererbtes ansehen': wie ist der alte glantz der heiligkeit der kirchen so gar verdunckelt und verkehrt worden? Äg. Albertinus Luc. königr. (1616) 357;
doch hat mich eine stadt gebohren,
... die zwar den alten glanz verlohren
Gottsched ged. (1751) 1, 161;
jene trümmer alten glanzes (bauten in Stralsund) E. M. Arndt s. w. 1, 55 R.-M.; mit D 2 c vermischt: dieses zeichen alten glanzes (ein diamantkreuz) Th. Storm w. (1899) 1, 74; vgl. dazu:
es gibt ein glantz dem lorbeerkrantz,
wann in ein spinnweb fein umschantzt
Fischart 3, 9 Hauffen;
ähnlich: Preuszen hat seinen vorigen glanz wieder erlanget Besser schr. (1732) 1, 100; unbefleckter, wahrer glanz: die schauspiele der ältesten völker erhielten ihren unbefleckten glanz mit weit gröszerer dauer J. A. Scheibe crit. musicus (1745) 187;
des ächten adels wahren glanz
Stoppe Parnass (1735) 15.
e)
in verstärkenden verbindungen. bei glanz und ehre zielt glanz mehr auf die äuszere erscheinungsform des ansehens; vergleichbar schon:
nahm er dir nicht deinen krantz,
aller jungfern ehr und glantz?
Venusgärtlein 181 ndr.,
als edelmann ist er der träger des glanzes und der ehren des volks E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 107; was waren glanz und ehre für ihn gegen seine liebe? Jens Peter Jacobsen s. w. 92; mundartlich: em (einem) an ihr (ehre) o glanz readen 'ihn gehörig zurechtweisen, tadeln' rhein. wb. 2, 1251. — parallel stehen dagegen glanz und ruhm: die liebe macht gleichgültig gegen ruhm und glanz Hippel lebensl. (1778) 1, 235; nachdem er (Theodorich) lange jahre in ruhm und glanz geherrscht hatte Grimm dtsche sagen (1891) 2, 18; ähnlich verbunden: hätten selbige (Cäsar und Alexander) auch nicht die weiszheit zur gefährtin gehabt, so würde ihr ruhm einen schlechten glantz zum beysatze haben Lohenstein Arminius (1689) 1, c 1ᵇ;
beyder ahnherrn ruhm giebt sich in dir zu lesen
du wirst auch ihren glanz und lorbeer nicht entweihn
U. v. König ged. (1745) 83.
— glanz und macht:
jetzt von macht und glanz umgüldet
Grillparzer s. w. (1892) 7, 120 S.;
dein ist des schahtums glanz und macht
Rückert Firdosi (1890) 3, 242.
— glanz und grösze: wieder sieht Göthe nichts vom glanz und von der grösze, die doch auch am staufischen kaisertum hing A. Hübner in: Göthe, viertelj.-schr. (1936) 96; (Tschangkaischek) kannte in seiner jugend den glanz und die grösze des reiches der mitte nur aus den büchern der geschichte dtsche allg. ztg. v. 17. 12. 1936; vgl. auch R. M. Rilke br. u. tageb. 1899 -1902 (1931) 49.
4)
negativ bewertet gilt glanz als sinnbild des trügerischen, nur dem äuszeren scheine nach wertvollen; vgl. etwa schon die gegenüberstellung des glanzes der welt und des himmlischen glanzes (s. oben A 4):
waz di werelt glanzes hat
Elisabeth 3685 R.;
des schönen glanz, der süessen zeit
und untreu diser welt
... begert sie nicht, wann gots von himelreich
Osw. v. Wolkenstein 89, 13 Sch.
der halben ist sie (die giftige natur des menschen) durch den feynen glantz der jungfrauschafft so fasst verblendet, weyl kein werck gröszer, schöner ist auff erden Luther 12, 134 W.; ähnlich:
der glantz der herrlichkeit
ist nur ein bloszer glantz und ein betrug der zeit
Opitz opera (1690) 3, 287;
man sieht ja tag vor tag, wie bey des pöpels liebe
glanz, fürnisz, schmink und gold oft wunderwerke thut
Stoppe Parnass (1735) 142;
sie wuszten ... in welchem stücke es auf die güte der sache oder ... nur auf den glantz ankam J. Moser s. w. 1, 96 Abeken; sprichwörtlich: dem glantz sol man nicht trauen Petri der Teutschen weiszheit (1604) 2, m 8ᵇ; auch als symbol des vergänglichen:
herrlichkeit ist ein glantz,
ruhm wie ein rauch verflieget
Weckherlin ged. 1, 456 F.;
sieh auch Opitz opera (1690) 3, 287; glanz hält nicht lang den tanz Wander 1, 1691. in fester verbindung begegnet äuszerer, äuszerlicher, eitler, leerer, falscher glanz u. ähnl., vgl. schon:
man siht nû ûzen manigen glanz,
der innen valsch ist unde niht ganz
Freidank bescheidenheit 44, 13;
so mögen sie ... ihre nahmen und thaten mit einem schönen euszern glantz bementeln Reinicke fuchs (1650) 389; sie sagen, der äuszerliche glanz könte keinen andern ursprung haben als die liebe der eitelkeit v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 18;
nur titel sind der prinzen herrlichkeiten,
ein äuszrer glanz für eine innre last
Shakespeare (1797) 9, 52;
wie er (Hector) antreibet mit unruh
die seinen nicht zu einem tantz,
zu hoffart und zu eitlem glantz
Spreng Ilias (1610) 211ᵃ;
verblendeter, vom eiteln glanz verführt!
verachte dein geburtsland!
Schiller 14, 310 G.;
das volk lernte mit dem leeren glanz, der von dem heiligen ausströmte, zu spielen und das heilige selbst darüber zu vergessen K. Brandi reformation (1927) 29; die stadt war gutmütig genug, den falschen glanz dieses träumerischen hofes für etwas zu halten E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 38 Gr.; an A 3 angelehnt: um in seinem nächsten roman den fauligen glanz dieser gesellschaftsklasse aufzufangen Thiesz zentaur (1931) 589. hierher stellt sich die zwillingsformel glanz und schein in der bedeutung 'äuszerer, trügerischer prunk' (im übrigen vgl.E 1 a): diese ihm neueröffnete welt des glanzes und scheins Th. Mundt Paris und Louis Napoleon (1858) 1, 5; der hohle, nur auf glanz und schein gestellte fürst D. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, 256. in älterer sprache zur bedeutung 'unwahres scheinwesen, heuchelei' verengert:
ir gewizzen, di was guͦt,
unde ir vernunfteclicher muͦt
was alle wege sunder var
einfaltec, luterliche clar,
ir gloube stede sunder glanz,
ir hoffen unferwunden ganz
Elisabeth 8679 R.;
es muͤt vil leut   di peut
so mir durch gunst   und kunst
zugstanden ist.
leit nit daran.   wer kan
sich hieten gantz   vor glantz
und hinderlist?
Forster fr. teutsche liedl. 49 ndr.
5)
in unmittelbarem anschlusz an glanz A oder B auch ohne inhaltliche bestimmung oder beisinn bildlich gebraucht.
a)
glanz der krone u. ähnl., vgl.B 1:
... als von sich noch gab einen hellen glantz
die gülden ehrenkron und jungfräulicher krantz (Magdeburgs)
D. v. d. Werder buszpsalmen (1632) c 3ᵃ;
sein (Abradats) frühes grab umschlieszt ein glanz von siegeskronen
Gottsched dtsche schaub. 5, 60.
ich hoffe im kurzen ... den vorigen glanz deiner krone zu erneuern samml. von schausp. (1764) 1, 61;
wir sahens nur mit höflingsaugen an,
die von dem glanz des throns geblendet waren
Schiller 12, 78 G.; vgl. Tieck Genoveva 142 Minor;
der schatte einer alten tradition (der religion) sollte mit dem glanz des goldenen scepters kämpfen Herder 13, 390 S.; er weisz das ansehen der majestät zu behaupten, so oft der glanz des diadems, das er trägt, es fordert Ranke s. w. (1867) 30, 10.
b)
vom gesichtsausdruck oder dem wesen eines menschen als zeichen inneren erhobenseins; einerseits von der biblischen vorstellung von der verklärung des antlitzes (vgl. z. b. 2. Mos. 34, 30 u. 2. Kor. 3, 7) ausgehend, vgl. dazu A 4, anderseits aus C 2 entwickelt:
die schimmer im antlitz
Davids wurden, so freut er sich, glanz
Klopstock Messias (1780) 386;
(die tante) war auszerordentlich aufgeräumt. durch alle ihre cosmetiques hindurch schimmerte der glanz stiller heiterkeit M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 100; über Lehnerts züge flog es wie ein glanz von glück Fontane I 6, 281; manchmal ein leichtes schütteln des kopfes, manchmal ein glanz der freude auf seinem gesicht verrieten, dasz er noch innerliche zwiesprache hielt W. v. Scholz erz. (1924) 332; ein demütiger stolz, der den leisen glanz auf ihr gesicht legt E. Wiechert heil. jahr. (1936) 19; etwas abgewandelt auf die wirkende ursache bezogen: noch immer war sie (seine frau) die gute, fromme seele, allein der hohe glanz der herrlichkeit (vgl. Ebr. 1, 3) ... fiel (nach der hochzeit) ganz weg Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 77; dasz das göttlichste, was der mensch haben kann, das einfache thun desselben durch den stillen glanz der anmuth erheben kann Europa (1803) 2, 119; der glanz groszer anschauungen und starker gefühle, der in seine seele gezogen, liegt wie eine verklärung auf seinem wesen G. Freytag ges. w. 14 (1887) 79; vom glanz der naturkraft strahlende ... menschen Mommsen röm. gesch. (1874) 1, 27.
6)
die bedeutung 'leichter rausch, angeheiterter zustand' scheint bereits älterer sprache anzugehören (vgl. mhd. glanz, adj., 'trunken' d. heidin iv 1646 Pfannm.) und lebt nur noch im obd.; ihr ursprung bleibt im dunkel, vielleicht liegt eine übertragung vom glasig glänzenden auge (vgl.C 2) des betrunkenen vor: abends hatte ich von zu viel genossenem steinwein einen glanz Vincke tagebuch 52; vgl. mundartlich er is niə bsoffə ̃, hàt abər àllé tàg sei ̃n glanz Schmeller-Fr. 1, 975; glanz im gᵉsicht anfangsstadium d. rausches Fischer schwäb. 3, 667; glanz kleiner rausch, angeheiterter zustand Staub-Tobler 2, 637; glanz rausch H. Bächtold aus leben u. sprache d. Schweizer soldaten 63; hierher ebenfalls: (die studenten) warfen sich in den glanz, wie man in Jena zu sagen pflegte, oder deutsch zu reden, sie benebelten sich vollkommen in bier Laukhard Mosellanerorden (1799) 54, in anlehnung an die gleiche formel unter D 2 d.
E.
eine anzahl fester verbindungen, die sich zu mehreren bedeutungen von glanz stellen und als formeln eine eigenständige entwicklung hinter sich haben, sowie einige adverbiale und verbale fügungen sind gesondert aufzuführen; andere formelhafte wendungen suche man unter den zugehörigen bedeutungen.
1)
substantivische zwillingsformeln.
a)
glanz und schein; konkret (vgl.A 1):
wie Josua der held
die sonne täte stellen,
der streich mir nit gefällt,
hab sie auch gstellt, dasz mir allein
zu meinem dienst gibt glanz und schein
(a. d. j. 1388) histor. volksl. 1, 153 Liliencron;
(ihr gestirne,) verleschet allen schein und glantz,
kein eintzgen stral last schieszen!
Fr. v. Spee trutznacht. 87 Arlt;
bildlich: in dism flissigen suchende (nach gott), so get ir (der seele) uf ein sterne, daz ist ein schin und ein glantz götlicher gnoden, ein götlich liecht Tauler pred. 20 V.; als 'schönheit' (s.D 1 b):
der güldnen hare glanz und schein
die namen mich verwundend ein
Weichmann poesie d. Niedersachsen 2, 111;
ihr (der linde) müssen lilien und tuberosen weichen,
die schönste tulipan verliehret glantz und schein
J. G. Neukirch anfangsgr. (1724) 765;
zu D 3 c 'ansehen, ruhm':
wie süsz ists, das geliebte zu beglücken
mit ungehoffter grösze glanz und schein
Schiller 14, 39 G.;
als 'trügerische pracht', sieh die belege unter D 4.
b)
glantz und glast, eigentlich (s.A 1):
wann früh dan auch erschienen
der täglich glantz und glast
Fr. v. Spee trutznacht. 80 Arlt;
zu C 1:
ein baum mitten im garten stund,
desz öpffel er kaum schauen kund,
das schafft ir glantz und heller glast
Casp. Scheit fröhl. heimfahrt 2659 Str.;
verdinglicht, zu D 2 a gehörig, 'glänzende waren, schmuck':
auch liegt in den buden viel glanz und viel glast
G. Schwab ged. (1838) 393.
c)
glanz und schimmer, sieh die belege unter schimmer 2, 3 und 4; dazu uneigentlich gebraucht (vgl.D 3 d):
wachse, du berühmtes haus,
breite deinen glantz und schimmer,
wie ein ölbaum herrlich aus
Henrici ged. (1727) 4, 361;
zu D 2 a:
selbst die galanterie ...
besuchte diesen ball, und kam mit glanz und schimmer
und königlichem pomp, in das erhellte zimmer
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 33.
d)
licht und glanz, sieh auch die belege unter licht II 2 und 9; zu glanz A 2: ein meer von licht und glanz Mörike ges. schr. (1905) 3, 81; wie ein sonnenstrahl auch das engste, armseligste stübchen mit licht und glanz und wärme füllt Ganghofer dopp. wahrheit (1893) 222; bildlich:
drumb nie wil ich verzagen,
auff ihn (gott) wil harren fäst,
wann mich bey trüben tagen
schon liecht und glantz verläst
Fr. v. Spee güld. tugendb. (1649) 146;
(gelehrter Cramer!) durch den die rechts- und weisheitslehre
mit neuem licht und glanz erscheint
Gottsched ged. (1751) 1, 152;
selten umgestellt:
ich bin sein glantz und liecht, und er (gott) ist meine zihr
Angelus Silesius cherubin. wandersm. 23 ndr.
e)
auf das alemannische beschränkt erscheint glitz und glanz, sieh teil 4, 1, 5, 133; dazu noch:
und weg ist aller glitz und glanz (am alten turmhahn)
Mörike ges. schr. (1905) 1, 157;
zu D 2 gehört sprichwörtliches: glitz und glanz ist nit aller ort Fischer schwäb. 3, 666.
f)
aus der religiösen sphäre (vgl. oben A 4) stammen die verbindungen glanz und herrlichkeit und glanz und gloria; glanz und herrlichkeit, vgl.glanz der herrlichkeit Ebr. 1, 3, zunächst wie A 4 im bilde:
des himmels glantz und herrligkeit
Mich. Albinus bei: Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 52;
in D 1 übergehend: über ihrem (der welt) glantz und irer herrligkeit Joh. Saubert currus Simeonis (1627) 69; in glanz und herrlichkeit Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 4, 56; in einem gelben und güldenen strom flosz das licht der ... septembersonne in die kammer hinein und hob die dürftigen farben drinnen zu glanz und herrlichkeit Jens Peter Jacobsen s. w. 209; zu D 2: sê läfen alle dagen in glans un herrlikheid Doornkaat-Koolman 1, 631ᵇ. glanz und gloria bezieht sich ursprünglich wohl auf die mit der erscheinung gottes, Christi, Mariae und der heiligen verbundene lichtfülle und wird als adverbialer ausdruck in, mit glanz und gloria zur bedeutung 'prächtig, ruhmvoll' entsinnlicht: erscheint sie (eine fürstin) der heiligen jungfrau Luidgarde in groszer glori und glanz Abr. a s. Clara lösch Wien (1680) 73; bildlich: ist nicht zu zweifeln, dasz nicht Georgius aller heiligen soldaten droben (im himmel) sonderbare glori und glanz sei 1, 184; wer ist in glanz und gloria auf dem wege nach Krodebeck? W. Raabe schüdderump (1870) 2, 153; mit glanz und gloria, dachte sie, würde der vater kommen, und alle würde er reich und glücklich machen, und nun ist er tot Waggerl mütter (1935) 252; mundartlich met glanz on gloria rhein. wb. 2, 1251.
2)
glanz und glück werden seit dem 17. jh. formelhaft verknüpft, vgl.:
kein glück taug glantz ohn sie (die freundschaft) zu haben,
ohn sie hat hoheit keinen pracht
S. Dach 750 Österley;
rein bildhaft, s. etwa D 5 a: der plötzliche glanz eines unerwarteten glücks, ... hatte sich verfinstert Klinger w. (1809) 3, 75; in den glanz seines glückes drang kein zweifel R. Huch M. Unger (1913) 89; im sinne D 1 c, jedoch das sinnenhafte moment noch betonend: tage voll glanz, glück und gemeinsamkeit Rilke br. u. tageb. 1899 -1902 (1931) 327; zu D 3 a stellt sich im glanze des glücks 'auf dem gipfel des glücks': bete für sein leben, dasz er dir nicht mitten in dem glanze deines glücks entrissen werde Schiller 1, 24 G.; im reichsten glanze des glücks M. Meyr erzählungen a. d. Ries (1868) 2, 38;
blüh im glanze dieses glückes,
blühe deutsches vaterland!
deutsche nationalhymne;
nach der bedeutung 'reichtum' (s.D 2 c) hin spielt die paarung glanz und glück: die ernste, blasse dame, die in glück und glanz zu leben schien Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 47; glück und glanz dieser welt G. Keller ges. w. (1889) 5, 50.
3)
präpositionale verbindungen mit adverbiellem charakter.
a)
mit steigernden adjektiven in vollem, höchstem, grösztem glanze u. ähnl.; meist zu D 1 gehörig:
die pracht kam nach und nach von einzeln häusern nahe
bis er zuletzt die stadt in vollem glanze sahe
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 8;
sie traten vor das wunderbare raugräfliche schlosz in seinem vollen glanze Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 35; könnte das stück irgendwo in seinem vollen glanz erscheinen, so würde es gewisz eine schöne wirkung hervorbringen Göthe 40, 84 W.; zu D 3 neigend: das göttliche wort, ... das nach langer verborgenheit wieder in seinem vollen glanze hervorgehe Ranke s. w. (1867) 2, 65; (in der jugend) erscheint die eigenthümliche schönheit des mannes in ihrem herrlichsten glanze W. v. Humboldt ges. schr. (1903) 1, 346; das ritterthum in seinem höchsten glanze G. Freytag ges. w. (1886) 18, 25; in ihrem gröszten glanze erscheint die treue in einer ungestalteten ... welt Hegel w. (1832) 10, 2, 188; auch ohne adjektiv:
den weiten platz, auf dem in ihrem glanze
gewandte tapferkeit sich zeigen sollte
Göthe 10, 138 W.
b)
mit glanz ist zunächst aus D 2 entwickelt im sinne 'prunkvoll, prächtig':
di hochzeyt was mit glantze
wol vier wochen gantze
Heinrich v. Neustadt Apoll. 6003 S.;
was eitle menschen darüber reden können, dasz du nicht mehr mit glanz unter ihnen herumfährst Knigge roman m. leb. (1781) 1, 104; dasz ich überall mit glanz auftreten konnte A. v. Arnim s. w. 15, 326; vielfach nach D 3 c hin verlagert:
... geh vom schauplatz,
du kannsts mit glanze, thus mit unschuld auch
Schiller 12, 244 G.;
oft ironisch gebraucht: die vorlesungen habe ich mit glanz vor — 4 zuhörern eröffnet (1865) Scherer-Müllenhoff briefwechsel 120 Leitzm.; so mundartlich ech floəg möt glanz de düər erut rhein. wb. 2, 1251; umgangssprachlich ist heute geläufig: eine prüfung mit glanz bestehen 'sie mit vorzüglichem ergebnis beenden': Karl hat ... sein ... examen mit glanz bestanden Scherer-Müllenhoff a. a. o. 511; entsprechend scherzhaft mit glanz durchfallen. die formel mit glanz und gloria s. oben unter 1 f.
4)
typische verbale verbindungen.
a)
alt und häufig ist glanz geben, vgl.scheynen, gleyszen, glantzen, einen scheyn oder glantz geben fulgere Frisius dict. (1556) 591ᵇ; glanz geben, wie die sonn hinein scheinen oder glantzen irradiare Decimator thes. (1608) 696ᵃ; einen glanz geben radiare, fulgere, glantz von sich geben fulgore reddere Frisch nouv. dict. (1730) 263ᶜ, s. auch oben unter D 3 c den beleg aus P. Gengenbach; zu A 3:
hier hab ich zwei kerzelein,
die geben keinen glanz
Mittler dtsche volksl. (1865) 206;
bildlich, vgl.D 3: die tugent ohne alle euszerliche und zugethanen liechte auch mitten in der finsternusz ihren eigenen glantz gibt J. Barth weiberspiegel (1565) e 2ᵇ; ähnlich: vor der welt gilt freylich Davids und Salomons herrligkeit mehr als des Nathans, ... hingegen giebt die schwartze hartzkappe (priestergewand) schlechten glantz der wohlgeplagte priester (1689) 13;
gleichwohl wird der held gestehn,
dein (Fortunas) vorschub hab ihm glantz gegeben
Chr. Günther ged. (1735) 200;
seine geschichtsschreiber bemühen sich, seinen (des Äsop) leib aufs häszlichste abzumahlen, vielleicht um der schönheit seines geistes einen desto gröszern glantz zu geben Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 262; die erneuerung des exarchats muszte ihrem ansehen neuen glanz geben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 352; an D 2 a angeknüpft: die königin selbst mit ihrem gefolge gab dieser sonst so nüchternen halle einen festlichen glanz K. Al. Schenzinger anilin (1937) 229; an die sinnliche bedeutung B 1 d angeschlossen, mundartlich: mer muesz in einere sach aüch e biszle glanz geben eine bitte, klage so vortragen, dasz sie ihren zweck erreicht Martin-Lienhart elsäss. 1, 260ᵇ.
b)
mit glanz umgeben; intransitiv, in eigentlicher bedeutung (s.A 3 bzw. 4): hat ein solcher glantz den tempel und altar umgeben C. Hedio chron. Germ. (1530) c 5ᵃ; meist zu D 2 oder 3 zu stellen:
(an Zachariä:)
von ihm dann unzertrennlich wärmt den jungen busen
der glanz, der glorreich ihn umgiebt
Göthe 2, 2, 150 W.;
(seine jetzige stellung) mit dem glanz vergleichen, der um wenige monate zuvor denselben mann umgab Mommsen röm. gesch. (1874) 2, 207; transitiv, zu B 1 d: bei seinem meister muszte er (schustergeselle) eine unzahl stiefel mit glanz umgeben S. Brunner erzähl. u. schr. (1864) 1, 108; zu D 3 c: eine dichtung, der kornett, die einen vorfahren mit glanz umgibt R. M. Rilke br. u. tageb. 1899 -1902 (1931) 81.
c)
die unhäufigeren glanz zuwenden, erteilen, beilegen u. ähnl. wendungen begegnen im 17. und 18. jh. und beschränken sich auf die bedeutungen von D: sie möchten durch dero gegenwart der angestellten solennität einen besonderen glantz zuwenden Chr. Weise polit. redner (1677) 247; dasz die sitten bei den verschiedenen personen abgeändert werden, damit sie sich wechselweise erheben und einander glantz mitteilen Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 105; (die liebe) kann zwar jenen heftigern gemütsbewegungen, welche der tragödie hoheit, glanz und bewunderung ertheilen, gelegentlich beygefügt werden Lessing 6, 37 M.; er betheuerte, dasz die blattern seiner liebe ... einen neuen glanz beigelegt hätten Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 69; in neuerer sprache ist glanz verleihen sowohl in eigentlicher wie in bildlicher anwendung geläufig, z. b. die politur verleiht blind gewordenen möbeln neuen glanz u. ähnl.; bildlich zu D 3 d: (Ochsenheimer,) der seit einigen wochen der Wiener schaubühne einen neuen unbekannten glanz verleiht fürst Pückler briefw. u. tageb. 2, 54.
F.
glanz als sachbezeichnung und terminus technicus.
1)
bergtechnisch-mineralogisch als benennung für mineralförmige unedle metallverbindungen (s. oben B 2 a), meist schwefelblei (s.glanzerz, ↗glaserz, bleiglanz), vgl.glantz lapis plumbarius B. Faber thes. (1587) 628ᵇ; seit dem 16. jh. belegt. nicht deutlich von dem compos. glanzerz zu unterscheiden: füren die gäng ... etliche glanntz, etliche wiszmadärtz (anf. d. 16. jhs.) bei A. v. Decken das älteste dtsche bergwercksbuch in: zs. f. bergrecht 26, 238; galena glantz und pleiertz vocabula rei num. (1558) o 1ᵇ; der erste sichere beleg ist: als man dises stück glantz probiert Seb. Münster cosmogr. (1550) 1011;
du kanst bald glantz, kysz und quertz
durch dein güt wandeln in gut ertz
N. Hermann sontagsw. 176 W.,
ähnlich Matth. Wieser bei Fischer-Tümpel kirchenlied 4, 116; die glantze seynd zwai an der farbe, von einander nicht grosz unterschieden, aber etlicher ist kleinspeiszig, etlicher aber grobspeiszigt Röszler-Goldberger bergb. (1700) 12; glanz heiszt bey den bergleuten auch der bleyglanz Zappe miner. handlex. (1817) 1, 373; glanze ... nennt man ... mineralien von ... mehr (oder) weniger ausgesprochenem metallischen habitus Karmarsch-Heeren techn. wb. (1880) 4, 3. öfter in der verbindung glanz und kies: wiszmuth, seiner farbe nach ist er ... eine vermischung mit glantz und kiesz Röszler-Goldberger a. a. o. 13, ebda 9; s. auch glantzender kisz unter glänzen I B 2 a. für die metallführende glitzrige gesteinsader: mit zweyen bergleuthen (soll man) an dem orth, wo sich der glanz brechen thut, die tagschicht fleiszig belegen (v. j. 1587) Lori baier. bergrecht 336; wann ein bergmann schürfft oder röscht ... und trifft ein mechtigen gang oder glantz, der wiszmut führet Löhneisz bericht (1690) 15; als streusand gebraucht: und kan man sich zur schreiberey mancherlei gläntzenden auch bunten streusandes von gebrantem weiszen marmorstein, ... und andern glimmer und schimmer, kiesz und glantz bedienen Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 444. stark silberhaltiger glanz heiszt auch weiszer glanz, s. Röszler-Goldberger bergb. (1700) 18ᵃ, stark bleihaltiger grauer glanz, s. Aler dict. (1727) 1, 947ᵇ. redensartlich in der alten weisheit 'was man besitzt, begehrt man nicht': er achtet keines glantzes, wann er glaszertz hat Friedrich Wilhelms sprichwörterregister (1577) c 2ᵃ.
2)
malereitechnisch von glitzerndem sand, den die maler im 18. jh. benutzten, um oberflächen von gemälden ein körniges glitzern zu verleihen; eine ähnliche verwendung fand das material bei schmuckgegenständen; vgl. glantz, ↗so die mahler zum aufstreuen gebrauchen Marperger kaufmannmagazin (1708) 537; glantz, zerribenes färbiges glasz pulvis vitreus variis coloribus infectus Aler dict. (1727) 1, 947ᵇ; glantz ein gewisses gläntzendes wesen, womit man andere sachen bestreut Steinbach wb. (1734) 1, 596; glantz ist auch eine glasichte zu kleinen stücken gestoszene materie, so allerhand farben hat, und von den mahlern zum aufstreuen, ingleichen, weil sie starck blincket, zu lackirten sachen und streutapeten gebraucht wird Noel Chomels öcon. lex. (1750) 4, 1117; anders: 'glanz canariensamen, ... in so fern er von den zeugbereitern gebraucht wird den zeugen glanz zu geben' Rüdiger zuwachs d. sprachkde (1782) 2, 79.
3)
als pflanzenname, meist dafür glanzgras (s. d.) und wohl daraus verkürzt, vgl.glanzgras, ↗glanz phalaris Nemnich wb. d. naturg. 196.
4)
als technische bezeichnung beim kartenspiel: 'der glanz ... in einem gewissen kartenspiele: kein stich' Schmeller-Fr. 1, 975, vgl. etwa blank sein 'kein geld haben'.
Zitationshilfe
„glänz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gl%C3%A4nz>, abgerufen am 23.04.2019.

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