gezeit f. und n.
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6932, Z. 32
in den ältesten zeugnissen verstärkte form zum fem. zeit (s. d.), in etwas späteren verwendungen auch einer collectivbedeutung ausdruck gebend, die nicht zu verkennen ist. diese verwendungen haben in berufskreisen, wie z. b. des geistlichen standes und andererseits der seeleute, mit der engeren beziehung auf bestimmte zeiträume aus den darin eingeschlossenen geschehnissen einen bedeutungsinhalt auch über den bloszen zeitbegriff hinaus gewonnen. in dieser form der bedeutungsverengerung und des bedeutungswandels reichen sie zum theil bis in die neueste zeit hinein: vgl.gezeit, ↗zeiten, tempora; sibengezeit, wohlriechender klee Henisch 1611; gezeiten, ein bei der katholischen kirche gebräuchlich wort, office teutsch-engl. wb. (1716) 777; die gezeit ... die zeit der ebbe und fluth und die abwechslung der meereshöhe in ebbe und fluth selbst, nieders. getide oder auch nur tide Adelung 2, 673. da das moment der formelhaften verbindung in der abgrenzung des zusammengesetzten substantivs gegen das grundwort von durchschlagender bedeutung ist, folgt die gliederung hier den einzelnen gebrauchsformen und verbindungen durch den wechsel der zeiten.
1)
ausgeschlossen davon wird nur die althochdeutsche periode, für die das präfix an fem. nur aus Otfrid belegt ist. während der Heliand für seinen freieren rhythmus dessen ganz entbehrt, stellt sich die form im gebundeneren versmaasz Otfrids da gern ein, wo unserem substantiv attribute vorhergehn, deren unbetonter flexionsvocal durch das tonschwache präfix gehoben wird.
a)
fast ausschlieszlich ist das präfix hier an der pluralform beobachtet, die für die ältere zeit ein entschiedenes zeugnisz gegen die deutung der bildung als eines collectivums ablegt:
so er tho ward altero   zuiro sehs jaro:
sie fliʒʒun, thaʒ sie giiltin   zen hohen gizitin.
thie zite sint so heilag,   thaʒ man irzellen ni mag;
wir forahtlicho iʒ weiʒen   joh ostoron heiʒen.
zen wihen ziten fuarun,   so siu giwon warun.
1, 22, 2 ff.,
vgl. (in then giziten) 4, 20, 5; (sulchen giziten) 4, 26 u. a.; vgl. dagegen thio ziti sih ervultun 1, 11, 25 u. a.; thea tîdi sindun ginâhid Heliand 4622; hêlage tîdi 5143 u. a.;
quadun, iʒ ni datin   in then hohen gizitin,
thaʒ ther selbo liutstam   thar wig nirhuabi zi fram.
'wir sculun' quadun, 'huggen,   thaʒ sie nan uns nirzuken;
bi thiu scel iʒ wesan noti   in andero giziti'.
Otfrid 4, 8, 15;
das gleiche 1, 22, 2; 4, 8, 1; vgl. hochgezît sp. 6937.
b)
für den singular ist das präfix nur einmal bezeugt:
thaʒ thanne si, so man quit   reht arnogizit.
Otfrid 2, 14, 104.
2)
auch in der reichen entwicklung, die in der mittelhochdeutschen periode einsetzt, ist es der pluralgebrauch des subst. fast auszschlieszlich, der das präfix anzieht.
a)
das trifft in erster linie die präpositionalverbindungen, die den haupttheil der belege für das präfix stellen. singularformen bilden hier eine verschwindende ausnahme; vor der gezîde Athis u. Prophilias C 124 s. Lexer a. a. o.:
si danckeden an dem gezide
inneclichen erem heren.
Karlmeinet 224, 45 Keller s. 340;
desgl. 236, 11 (s. 358);
wen biʒ an Cristes gezit
und lange noch im sit
an der cristenheite stuont.
Hesler apokalypse 3683;
nach der jungesten gezit.
4133;
daʒ nie kuninc da were
zwischen Sedechien gezit
bisz uns an disen hernach sit
buch der Maccabäer 10240 Helm.
beim pluralgebrauch geht meist eine nähere bestimmung vor, die den zeitbegriff eingrenzt. ausnahmen sind auch hier nur spärlich und spät beobachtet:
du liebe mithelfferin
mir felt me ein traum ein
der mir vor gezeiten ist gescheen.
Joh. Rothe Elisabeth 2, 2506 Mencken;
es waren die tugentsamen die frommen
die zu gezeiten zu hoff quamen.
2055;
der engil des herren steic nider undir gezcîten in den tîch und daʒ waʒʒir wart bewegit Beheim Joh. 5, 4; (secundum tempus; noch dem zeit cod. Tepl.; zu seiner zeit Luther). in der eingrenzenden bestimmung könnte ein gewisses band gesehen werden, das die einzelnen zeitmomente zu einer einheit zusammenschlieszt, also den collectivcharakter der bildung rechtfertigte. daneben musz aber auch darauf geachtet werden, ob es nicht die äuszere form dieser bestimmung mit den von ihr bedingten tonverhältnissen ist, die das präfix begünstigt und in formelhafter wiederholung verbreiten hilft.
α)
in der früh belegten verbindung mit einschränkendem genetiv
1))
widerstrebt die beziehung auf einen persönlichen träger der zeiteinheit am meisten der formelhaften erstarrung, soweit der erstere individuell bestimmt ist.
a))
bemerkenswerth ist die bevorzugung von bei (bî) für solche verbindungen.
α))
beide nît unde spot,
virbûtit der waldindigir got,
alsiʒ was wîtin
bî Rôtheres gezîtin.
könig Rother 4918 v. Bahder;
dar nach als e
bleib Daniel ane we
bi Darii geziten.
nach disses kunges gliten
was er gewaldic alhi
untz an das ende Cyri.
poet. bearb. d. buchs Daniel 5489 Hübner;
desgl. buch der Maccabäer 10240 Helm; 2646; buch Hiob 444 Karsten; desgl. 4677; dis nochgeschreben gelt hat der vogth von Grebyn usgegeben of di erbeit des huses zu Grebyn bi des nuͤwen treszelers geziten Marienburger treszlerbuch (1399 ff.) 446 Joachim.
β))
bei der zusammenfassung von personengruppen, namentlich in der beziehung auf appellativa verallgemeinert sich die verbindung zur formel, die schlieszlich in composition übergeht:
die saʒten daʒ
bi Juden geziten vurbaʒ.
buch der Maccabäer 2646 Helm;
wie dann noch bei unserer alten gezeiten zuͦ Meyntz sich ausz sollicher ursach ein vast schädlicher krieg erhoben hatt Hutten (Trias Romana) 4, 175 (patrum nostrorum memoria); Danczk ... ist erstlich nur ein dorff oder viel fischer buden gewesen ... bei den fischer gezeiten hat man do gebawet ein capellen in honorem S. Nicolai Henneberger preusz. landtafel (1595) 64; man hat gesagt bei menschen gezeiten her und niemand weisz von wem es auszkommen ist, es soll der Schwanberg noch mitten in der Schweitz liegen Agricola dtsch. sprichw. (389 ein gemein gerucht) s. 69 (1529 und in den späteren ausgaben d. 16. jahrh.); es ist noch bei menschen gezeiten in einer winternacht, da man bei der gunkel im gärtnerhaus zu Lichtenberg schauerliche begebenheiten ... erzählte, war eine dirne, ein keckes ding, so fürwitzig des gehörten zu verspotten C. v. Leoprechting aus dem Lechrain 116 (1855); vgl.: bei menschengedenken (th. 6 sp. 2048), später: seit menschengedenken.
b))
die für andere verbindungen des substantivs so beliebte präp. in ist hier seltener:
in des pais Silvesters geziden
dede der keiser Constantin riden.
Gottfrid Hagen chronik v. Köln 427;
desgl. 44; vgl. auch: in der apostolen geziten Tauler predigten 408 Vetter. sonstige formen der verbindung weisen zumeist in eine jüngere schicht: gegen:
under Pilati gezîten.
glaube 795
vgl.: kaiser Tiberio ... under des gecziten Cristus den tod leid Johannes Rothe passion s. 102 A. Heinrich; desgl. vers 753; wie sie vormals und bisz hern Kurtzbachs gezceiten gehabt schlesische urkunde von 1516 s. cod. dipl. Sil. 4, 271; von den concilia, die nach der apostel gezeiten gewest Schwarzenberg beschwerung 39ᵃ;
darnach von Moises geziten.
Helwigs maere v. heil. kreuz 359 Heymann s. 123;
alle die übungen ... die von Adams geziten geopfert sint und noch sullent bitz an den jungesten dag Tauler predigten 68 Vetter; darumb von den gezitten doch, Augusti Octaviani, sint uff disem unserm staden des Rhins ... Tütschen gewesen Jacob Wimpheling Teutschland A 4ᵇ (1648).
2))
aus späterem gebrauch sind possessivpronomina viel an stelle solchen genetivs beobachtet, mit formelhafter bevorzugung der 1. person plur.
a))
di nüwen (rathmanne) ... geloben den alden nicht abe tzu nemen allis das si bi iren getziten von der stat wegin getan han Kulmer recht I, 2 s. Leman s. 15;
wen bi sinen geziten
uber al die werlt witen,
swa schatzes ie wart icht begraben,
wirt offen im und sal in haben.
Hesler apokalypse 18719 Helm;
auff den andern artigkel bekant er also das bei seinen gezeiten in den Walderdorffern seines wissens kein urbar fürgefallen, der in die obergericht gehorig protocoll v. 1548 s. cod. dipl. Siles. 4, 273.
b))
dergleichen in unsern landen bei unsern gezeiten nie ist erhört worden Zimmerische chron. 3, 557 s. H. Fischer schwäb. wb. 3, 641; die gelubde, die iczt bei unszern geczeitten zu zcotthe gehen (vgl. oben sp. 2460) Luther 14, 388; desgl. Melanchthon hauptartickel d. h. schr. 112; H. Emser wider d. unchristl. buch Mart. Luters 53 Enders; die teglichen zufäll, so sich bei unsern gezeiten bisher erewgt haben rath v. Nürnberg an Rotenburg (1525) s. Baumann quellen 97; geschichten, die sich bei unsern gezeitten wunderbarlich seltzam zuͦtragen Schaidenraisser vorrede zur Odysseeübers. (1537) 4ᵇ; es macht gar boͤs gebluͤet, wenn die bawern inn ihrer erbeit gedencken an der pfaffen faul leben, sonderlich zu unsern gezeiten Eberlin v. Günzburg schriften 3, 196 neudr.; genau so 3, 191; wie dann vor vil iaren geweissaget ist, das tzu disen unsern getzeiten ein monch teutsche nacion in gros irthumb fuhren wird Hier. Emser 6 neudr.
3))
verbindungen mit abstractem genetiv, die dem substantiv an sich schon ferner liegen, sind mit dem präfix erst spät beobachtet: do wir den heiligen dinetten hatten wir genug, ieʒunder zu des evangelii geczeitten leiden wir Luthers predigten (1529) s. werke 29, 470 anm.; ewre vorältern haben ... in frids gezeitten die gerechtigkeit damit erhalten trostbücher Petrarcas (1559) 101ᵃ; got hat uns berüfft ... nach seinem fürsatz und gnad, die uns in Christu Jesu vor den gezeiten der welt gegeben ist 59ᵃ.
β)
am meisten scheinen dem präfix gewisse verbindungen des subst. mit dem demonstrativpronomen entgegenzukommen.
1))
in der verbindung mit einsilbigen pronominalformen leistet das präfix, das in den oben besprochenenmehr oder weniger formelhaftenverbindungen schon vielfach rhythmischen neigungen diente, den gleichen dienst in höherem grade. es wahrt die tonkraft des demonstrativs die vor der hochbetonten stammsilbe des substantivs bedroht wäre, durch sein dazwischentreten:
a))
bî den gezîten was ein man
der greif den rechten wec an
der zu dem himelriche treit.
pass. 204, 5 Köpke;
bi den geziten vunden
nieman wart der sinen sin
kerte zu irstehen in.
buch Daniel 4402 Hübner;
desgl. 6007. 3695; desgl. buch der Maccabäer 9328; Helwigs maere v. heil. kreuz 359; bi den geziten alse lantgreve Lodwig in welsche lant ... geriten was Kodiz v. Salfeld leben d. heil. Ludwig 11.
b))
für Johannes Rothe ist hier die formel zu den gez. kennzeichnend:
alszo quamin si zcu den geczitin
an die Ismahelitin.
Joh. Rothe passion v. 372 A. Heinrich;
desgl. 1720; umb irer ketzerei willen, die zu den gezeiten gar ssere ussbrach Düringische chron. 655 Liliencron; desgl. 46; u. a.; zu den gezeiten also man noch Cristus gebort schrieb tussent 95 jor s. 215; vgl. auch: der czu den geczeiten steiger ist gewest Iglauer bergrecht nr. 39, 4 Jelinek 319; Böhm. chron. 34 ebenda; in üwer jogent ... zu den geziiden hettet ir nit giwellet, das man also über uch geurteilt hette als ir ietz disem jongelinck wollent dun Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 3ᵇ Urtel.
c))
hier ist die neben subst. und possessiv. bestimmungen so wenig entwickelte verbindung mit in reicher und früher bezeugt:
daʒ geschah in den gezîtin, dô frou Helche erstarp.
Nibelungenlied 175, 1 Zarncke
(in einen ziten A.);
nu wart zu Rome in daʒ lant
in den gezîten gesant.
pass. 418, 20 Köpke;
desgl. 271, 42; 100, 3; in den gezeiten was ein irbar man gesessen Joh. Rothe Düring. chron. 155; in den gezeiten, do es nit als ubel umb die creaturen stund als nu Tauler (1508) 190ᵇ.
2))
nach erweiterten formen des demonstrativs ist das präfix meist da belegt, wo es die tonschwache flexionssilbe in der hebung steigert (s. b)) ); ausnahmen sind hier sehr selten:
a))
vor drîʒic jâren stuont eʒ baʒ
den nû ze disen gezîten.
Reinmar v. Zweter 241, 2 Roethe 529.
vgl. binnen disen geziten pass. 417, 67 Köpke. anders: Herman Rode schultheisz zu diesen geziten Miltenberger stadtbuch s. oberrhein. stadtr. abth. 1 s. 347; horet an, wes wunders zu dissen gezeiten ist gesehen Joh. Rothe Düring. chronik 215.
b))
Hüge wolte zu Paris zu riden, aber zu den selben geziiden
was so ein grosz und gruwelicher strit.
Elisabeth v. Nassau, Huge Scheppel 3ᵇ;
vgl. auch:
und in denselbigen tagen und gezeiten
als in der kranckheit oder in den streiten
durch seine liebe er sterben woll.
Joh. Rothe Elisabeth 2, 2073 Mencken;
dazu aus der prosa: in denselben geziden was ein herre von Wirtemberg (var.: zeiten) Limburger chronik 48 Wysz; in denselben geziten begunste meister Clingesor zu Warperg uff dem mushuse zu studiren ... met Wolframe v. Eschinbach umbe di meisterschaft Fr. Kodiz v. Salfeld leben d. heil. Ludwig 11, 29 Rückert (var.: zit); in den selben gezeiten rengnierte ebenda; in den selben gezeiten regieret in Britania ein kuͤnig genannt Argill Pontus u. Sidonia (1498) b 1ᵃ; und wie in denselben gezeiten die huldigung zu leisten gewöhnlich war Schütze Preuszen 146.
γ)
verbindungen des subst. mit indefiniten und mit verallgemeinernden pronominibus treten auch in den zeugnissen für das präfix zurück: swenne hôchgezîte sint, daʒ man unserm herren hoeher lop und êre erbieten sol danne ze andern gezîten Berthold v. Regensburg 1, 395 Pfeiffer (gleich nachher danne ze den andern ziten s. u.);
zu einen gezeiten thet si das (das rosenwunder),
als ir herre zu Eisenach was.
Rothe Elisabeth 2, 2067; desgl. pass. 1149;
daʒ dunkit mich zu allen gezitin gut.
Thüring. Katharinenspiel v. 138 Beckers;
vgl.to allen getiden niederdtsch. 2 Mos. 28, 29 Schiller-Lübben 2, 89; daʒ die genanten greniczen furbasz czu allen geczeiten bleibin sollin schles. urk. v. 1353 s. cod. dipl. Siles. 4, 142.
δ)
wie in den letzten belegen, so widerspricht das präfix auch in einzelnen verbindungen mit attributiven adjectiven den voraussetzungen, die vom versmaasz oder rhythmus aus zu gewinnen wären. bemerkenswerth ist aus diesem grunde die spärliche zahl solcher belege und die thatsache, dasz sie sich um wenige typen in formelhafter erstarrung gruppieren. auch auf die zeit des auftretens und die betheiligung der landschaften ist zu achten:
1))
zu Rom bi alden geziten.
mitteld. poet. paraphr. d. buchs Hiob 6133;
desgl. Hesler apokalyps. 8081; (in den alten g.) 1910; 18663; (nach den) 1910; es sullen furter zu ewigen geziten vir von der gemeinde wegen in den rat gene Miltenberger stadtbuch s. oberrhein. stadtrechte 1. abth. 344; desgl. s. 332; desgl. schlesische urkunde von 1367 s. codex dipl. Siles. 4, 147; zu ewigen getzyden Waldecksche urk. v. 1422 s. Bauer-Collitz 145; und werde ihnen nimmer mehr zu ewigen gezeitten zu hilffe komme Agricola dtsch. sprichw. (490 dasz dich gottes marter) s. 114ᵇ (1529); vgl. aber zu ewigen zeiten J. Landolt christl. cath. bericht (1545) s. 226 u. a.; das sie das gancz stete und ... czu czukunftigen gezeiten sullin halden urk. v. 1430 cod. dipl. Sil. 1, 116 u. a.; das in einer oder mehr stedten ... vorhin einige satzung und ordenung gemachet oder in künfftigen gezeiten gemacht würden sächs. landesordnung (ordenungen hertzog Ernst u. a. 1609) s. 19.
2))
dem keczer wusten wir nicht zw wheren in unszern schwinden gezeitten Luther 27, 522;
za guitn gezeit'n hun's noch ausser gabracht.
gedicht im Tiroler dialect bei Frommann 3, 325.
b)
auszerhalb solcher präpositionalverbindungen läszt sich das präfix wenig in wendungen belegen, die nicht zugleich einen bedeutungswandel in collectiver richtung verriethen.
α)
den obigen präpositionalverbindungen reihen sich adverbiale genetive an, bei denen der numerus nicht ganz sicher ist: so haint uns zwene meistere ... der gezide dise vorworde bescrieven Kölner tuchscherer urk. v. 1293; s. zunfturk. 1, 189.
β)
jeder deutung als collectiv widerspricht:
von in ward lenger nit geschwigen:
'ja her, es ist nun wol gezeit'.
pfarrer v. Kalenberge 381 (nach B., zeit in allen andern handschriften) Dollmayr.
in andern einschlägigen zeugnissen läge das collectiv näher, wenn das genus damit übereinstimmte:
1))
als neutrales collectiv könnte in betracht kommen:
nach vil gezides quam her wider
der knechte herre dar nach sider
mitteld. evangelienwerk aus St. Paul 41ᶜ (Matth. 25, 19) Schönbach (multum vero temporis);
nach vil zeits cod. Tepl., Eggesteyn u. a.; vile zîten Beheim; zeit Koberger; uber eine lange zeit Luther.
2))
dagegen vgl. das fem.:
gotes vurigen vuʒe
beduten die unsuʒe
diser jungesten gezit.
Hesler apokalypse 2067;
als David der psalmiste
spricht von Jhesu Criste ...
'sie saʒen in dem gerichte'
daʒ waʒ ein kumftic gezit,
wan daʒ gerichte wirdet noch,
und sprach iʒ kegenwertic doch.
8058;
der tichter wissentlich und mit vleis den jrthum der gezeit und namen drein gesetzt hat Luther vorrede auf das buch Judith (Bindseil 7, 413); vgl.: bleibt also der jrthum und zweivel beide der gezeiten und namen 412
c)
collectivbedeutung ist auch in einigen zusammensetzungen anzuerkennen, in die das präfix sich einschiebt, in hôchgezît und jârgezît, bildungen, die eine reihe von zeitbegriffen in eine höhere einheit zusammenfassen. bemerkenswerth aber ist, dasz von allen ähnlichen geläufigen zusammensetzungen, die das subst. im mittelhochd. eingeht (s. mhd. wb. 3, 913ᵃ ff.), nur die beiden vom präfix betroffen werden, in denen es zwischen zwei hochbetonten silben vermittelt; vgl. dagegen herbest-, essen-, imbisz-, messe-, ôster-, sumer-, tagezît; vgl. z. b.:
hât ein hêrre ein hôchgezît
dâ man siben trahte gît,
dâ mac niht volliu wirtschaft sîn
âne brôt und âne wîn.
als sint diu siben tagezît,
diu man gote zêren gît:
diu sint âne der messe kraft
vor gote ein kleine wirtschaft.
Freidank (von der messe) 2, 19 W. Grimm² s. 10.
α)
für hôchgezît ist im gegensatz zum gebrauch bei Otfrid in der richtung auf formelhafte erstarrung kennzeichnend, dasz es
1))
in obliquen casus des sing. und im plural den ersten compositionstheil nicht flectiert:
von fröuden hôchgezîten   von weinen und von klagen,
von küener recken strîten,   muget ir nu wunder hoeren sagen.
Nibelungen 1, 3 Lachmann;
desgleichen bei der kirchlichen verwendung: das wir die altare baʒ zieren zu den hôchgezîten danne zu den andern zîten Berthold v. Regensburg 1, 396 Pfeiffer; desgl. 395; myst. 57, 16.
2))
beim singulargebrauch lassen sich anhaltspunkte für das genus, aber damit noch nicht sicher für die abgrenzung der verstärkten form vom eigentlichen collectiv gewinnen. abgesehen von streitigen fällen wie Nibel. 1302, 4; Parzival 53, 23; Walther 46, 23 u. a. sind
a))
für das femininum anzusprechen:
ich waen der künic selbe   ist zuo der hôchgezîte komen.
Nibel. 2173, 4 (nach A);
desgl. 2059, 4, 28, 2 (oder plural?); die bredige ... vor dem palmstage seit wie wir súllent ufgon zuͦ der hochgezit Tauler predigten 56 Vetter; desgl. 23; also wir do seitent von diser hochgezit die der kúnig bereit hatte 398 (var.: brutlouft) u. a.
b))
für das neutrum (vgl. auch des küneges hôchgezîten Nib. 208, 4 Zarncke): item he begaefde dat hogezit der hilleger dri koninge ind gaif dairzo 10 mark; up dat it heirlich begangen wurde Koelhoffsche chronik s. dtsch. städtechron. 13, 516; desgl. 387. 489; an dem lesten tage eins grossen hochgezites rief unser herre ... wen do dúrste, der kumme zuͦ mir Tauler predigten 50 Vetter (vgl.tag des micheln messtag cod. Tepl., Joh. 7, 37; des grossen festes Augsb. bibel u. Luther); also wir nu fúrhant das minnenkliche hochgezit des heiligen geistes 97; desgl. 91. 114 u. a.; vgl. hochgezitlich s. 60; hochgezitlichen 59; vgl. aber auch daʒ hochzit Geiler v. Kaisersberg post 1, 79ᵇ u. a. s. unten th. 4, 2, sp. 1642.
3))
die bedeutungsverengerung, der die präfixlose form in neuhochdeutscher entwicklung unterliegt (hochzeit = nuptiae), ist an hochgezit nicht wahrzunehmen, das ja schon vor dem eindringen neuhochdeutscher diphthongierung abstirbt.
β)
zäher hält sich das präfix in der zusammensetzung jârgezît (vgl. jahrzeit th. 4, 2, sp. 2249), die einzelne mit jedem jahre wiederkehrende gedenktage unter dem gesichtspunkte der kirchlichen erinnerungsfeier zu einem collectivbegriff zusammenfaszt, während das jüngere compositum jahreszeit (s. d.) der inneren gliederung des zeitbegriffes jahr gilt. für diesen ist das präfix selten am compositum (s. vielmehr jahreszeit) beobachtet: die weil die jahrgezeit deren ding veränderung bringen ... dasz die thier federn, darnach die baum laub von newem bekommen verdeutschung der problemata des Aristotiles (1589) 179; vgl. anderseits lose verbindungen wie: und Samolon (!) opferte czu drien geczeiten durch icliche jar ganczenczunte opfer Wenzelbibel 3 könige 9, 25 Jelinek (zuͦ drei malen Eggesteyn u. a., des jars drei mal Luther); von den vier gezeiten desz jars: der frühling ... im sommer ... im herbst ... der winter Fischart aller pracktik groszm. s. 4 neudr. (des quatre saisons de l'année). in der beziehung auf kirchliche gedenktage begegnet das compositum sehr früh und steht im zusammenhang mit dem, ebenfalls dem katholischen cultus entstammenden, tagezît s. u.:
nû starb er ouch und ande
daʒ lebin in dem houmânde,
sô man daʒ nûnde idus pflît
lesin; sô ist sîn jârgezît.
Nicl. v. Jeroschin 15576;
das ich ... han gegeben ... dem cloͤster zu Steten ... also das si alliu jar min jargezit da mit suͤlen began urkunde von 1300 s. monum. Zollerana 1, 109. vgl. johrgezeit, jahrgedächtniss Follmann wb. d. deutsch-lothring. mundart 145. bei der bildung sind die genusunterschiede meist erkennbar:
1))
für das fem. vgl.:
swelch frouwen er ze âmîen nimt, ...
si treit mit im die crône
ein jâr und niht mêre ...
alsô muoʒ si kiesen
den tôt zuo ir jârgezît ...
diu dâ ze frouwen wirt erkorn
si müeʒe sîn verlorn
hin umbe zuo der jârgezît.
Konrad Fleck Flore u. Blanchefl. 4379, desgl. 4493;
diu hate sich verzogen sît
wan ar ir trûtes jârgezît ...
die kirchwie ouch dâr gelac
an der jârgezîte tac.
Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunegunde 3352 ff.;
wand ebin ûf den selbin tac
als dî jargezît gelac
... da den sic gewan
dî abtrunnige bôse dît.
Nic. v. Jeroschin 11526;
uf den tag, als die jargezit ist urk. v. 1365 s. monumenta Zollerana 4, 57; uf dieselben jargezit ebenda; doch sullen wir ... der vorgenanten frawen ... seligen zu unser closter, da sie begraben liget, jargezit, uf den tag als sie starb und ir jargezit gevellet, ewiclich alle jar mit gottesdienst, mit vigilien ... jerlich und andachtlichen besingen, begeen und gedenken ebenda s. 56, u. a.
2))
zum neutrum vgl.: und do ... es alles zuͦsammene wol uffe ein iar wart ... do beschach es uffe den selben tag des jargezites das ich aber verzucket wart Rulman Merswin v. d. zwei mannen 13 Lauchert; genau so Nicolaus v. Basel 214 C. Schmidt; do was das tusenste jor erfüllet von der zit das Rome gestiftet ... wart. das selbe jorgezit begingent die Römer mit grossen fröuden ... drige tage und drige naht Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 354. vgl. auch: item wann man ein gezide oder jargezide thut, sail man dem clockenner geben ... die kost send und kirchenweisthum von Sansweiler (16. jahrh.) A. M. König s. 153.
3)
der bedeutungswandel, der zwar an die formen mit präfix nicht gebunden ist, in diesen aber doch vorzugsweise zum ausdruck kommt, geht bei unserem substantiv dahin, dasz die vorstellung der zeitgrenzen mehr und mehr vor den begebenheiten zurücktritt, die von diesen umspannt werden.
a)
weniger ergiebig in dieser richtung
α)
für die vorzugsstellung des präfixes sind wendungen wie: o Friederich, wir begeren, das du lebest durch vil iar, dan dweil du ein furst bist, so sint unser gezeide gulden offenbare M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. quellen z. bair. u. dtsch. gesch. 2, 23; alle gezeitte sein gut, dann der die zeit geschaffen ist auch guͦt, jhr aber böse, brauchet das guͦt ist sehr übel, unnd ... schiebt jr ewer schuld auff die zeit trostbücher Petrarcas (1559) 101ᵃ; dann auch die neher gezeiten unnd geschicht, sein mit den fablen der historischreiber dermassen vertunckelt und verderbt, das man mit jren buchern nit me besteen mag buchlin, das d. heil. ap. Paulus zu Rom nicht kommen B 2ᶜ.
β)
dagegen vgl. die formelhafte verbindung neue gezeiten: alhie schick ich ûch eine zedel der newen gezeiten: die sich begeben haben urk. beitr. z. gesch. Böhmens nr. 460 (Oberlausitz) fontes Austr. 2, 20; was neuer gezeiten vorhanden, werden e. cfl. gn. aus beigeschickten Anthonen Tuchers briff vornemen Planitz an kurf. Friedrich v. Sachsen (29. 10. 1521) Virck. s. 21; e. cfl. gn. uberschigk ich auch hiemit in underthenigkeit neue gezeiten s. 8. zum nomen actionis, das sich in solchem zusammenhang entwickelt und das dann wieder sachbedeutung annimmt, vgl. unter den stichworten gezeitigung, gezeitung, zeitung.
b)
nicht bis in die neueste sprache reicht ein im übergang zur neuzeit weit verbreiteter und reich entwickelter gebrauch des collectivs, der wie jargezît dem katholischen cultus angehört, im gegensatz zu diesem compositum aber nicht eine gröszere zeitspanne umfaszt, sondern sich auf einen bescheidenen theilbegriff, den einer stunde, eingrenzt, wie er übrigens für die bedeutungsentwicklung des subst. selbst als ausgangspunkt angenommen wird.
α)
das bibelwort: wachet und betet (Matth. 26, 41 u. a.), verstärkt durch des apostels Paulus: betet on unterlas (1 Thessal. 5, 17), regte in der älteren kirche die frage nach der möglichkeit eines ununterbrochenen gebetes an, und die lösung des streites wurde in einer periodisch wiederkehrenden und in dieser wiederkehr andauernden gebetsform gefunden. vgl.: der wegen so haben die selige lehrer Augustinus und Anszhelmus ... die wort Christi ... auff dise weisz ... verstanden, nemlich, das an keinem tag solten underlassen werden, die gewisse bestimpte zeit und stunden desz gebetts, welche so jemands alle tag wurde fleissig volbringen, der solte gehalten werden, als wann er ohn underlasz gebettet hette ... zu gewissen gesetzten stunden ... geordnet gebett zu verbringen, seind insonderheit schuldig ... alle priester und religiosen Joachim Landolt christl. cathol. bericht v. d. göttl. ämpteren (1545) vorrede. vgl. auch F. X. Pleithner älteste geschichte des breviergebetes oder die entwicklung des kirchlichen stundengebetes 1887. die einheit der in dieser gebetsübung zusammentretenden zeiten und handlungen verlangte einen zusammenfassenden ausdruck, dem die lateinische verbindung horae canonicae nicht ganz genügte und dem eine bildung wie das sibenzeitig gebett (J. Landolt ebenda) mit am meisten entsprochen hätte. die deutschen ersatzworte gingen andere wege, um so mehr als die an unserm subst beobachtete schmiegsamkeit mitwirkte, die bald den zeitbegriff, bald die in der zeitspanne zusammengefaszten geschehnisse hervortreten läszt:
1))
entsprechend der bedeutung der siebenzahl für die semitische welt und für den christlichen cultus (vgl. theil 10, 1, sp. 788ff.) ist die zahl der an einem tage wiederholten gebetszeiten auf 7 festgesetzt:
sibun stunton in desame take
chuedem lop truhtne. septies in hac die dicamus laudes domini
Murbacher hymnen 9, 4 J. Grimm.
ganz zurück treten andere zählungen, obwohl der thatsächliche gebrauch (die zusammendrängung der nachtzeiten auf eine) solche begünstigen würden: sondern allein von solchen satzungen schreiben sie, als von den vierzig tagen zu fasten, von messe hören, von vier gezeiten beten etc. Jonas bei Luther 6, 440ᵃ;
die drîe tagecîte, so wir hoeren sagen,
di dâ kunden singen, daʒ si muosen sagen.
Nibelungen 999, 5 Lachm. (var.: siben).
nicht ohne einflusz auf die gebrauchsformen und syntaktischen verbindungen der entsprechenden deutschen ersatzworte für die horae canonicae bleibt form und inhalt der gebetsübungen:
waʒ woldet ir zu strite
ir soltet uwer gezite
daheinic singen alle tage.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 2264;
in messen und getiden wert gades wort vervalschet reformartikel des Heinrich v. Zütphen (1424) s. Hamburger chronik 42 Lappenberg; dannoch sihet man mercklich, dasz die h. kirch jhre messen, jre gezeiten, gebett und gesang alle inn latin vollpringt Fischart binnenkorb (1586) 19ᵃ; die werck des ersten gepottis ... heisset man zu diszer zeit . singen . leszen . orgeln . mesz hallten . metten vesper und ander gezceitten Luther (sermon v. d. guten wercken) 9, 236 (nach Luthers eigener handschrift; gleichlautend auch 6, 210); siebenmahl seine obgemelte gnadenbrieff, das ist, die heilige psalmen ... (man nents die geistliche gezeiten) gantz deutlich, verständiglich und bedachtsam singen oder lesen sollen F. Spee güldenes tugend-buch (Cöllen 1649) 194; das solches geistlich werck unnd gottsdienst ein gewisse form, regel und ordnung ist der psalmen, hymnorum unnd gebetten: deren alle die nachfolgen sollen, die obligiert und verbunden seind, die horas canonicas zuverrichten Joachim Landolt christlicher ... bericht v. d. heil. göttl. ämpteren (1545) 8; vgl. seine gezeiten beten oder singen, to say or sing your office teutsch-engl. wb. (1716) 777.
2))
unter den deutschen bildungen zeigt die längste lebensdauer das meist im plural gebrauchte tagezeit (s. theil 11 sp. 91), das dem präfix gegenüber ganz spröde blieb (vgl. oben sp. 6937).
a))
hier ist am frühesten belegt:
septies in die
alle tage siben stunt
lobet dich vil manich munt
ze vespere iohc ze mettne
scul wir spate unte vruo sin
ze gotes dieneste.
daʒ gepuet uns der psalmiste David
do er machote die tage zit
ze prime iohc ze tercie
lobe wir gewisse.
ze sexte unt ze none
so lobe wir diche scone
an der complete
lobe wir dine gute.
loblied auf d. heiligen geist Diemer s. 354;
vgl. pfaffe Konrad 8, 28;
die phaffen muosen lâʒen abe
durch klage vil ir tagezît: wan dâ weinten wider strît
die leien mit den phaffen.
klage 1679, 3;
u. a. vgl. mhd. wb. 3, 915ᵃ; Lexer 3, 1396; vgl. auch die siben zeit, siben tag zeit, septem horae canonicae (aus Münchener handschr.) Schmeller 2², 1161; vgl. die siben zeitten Schöpf 672; aus der neuesten sprache vgl. sp. 6941: die tagzeiten zur verehrung der allersel. jungfr. Maria.
b))
vorübergehend tauchen andere bildungen auf: so ist er nit excusiert und entschuldiget, sondern verbunden die siben bettzeiten und stunden zu verbringen J. Landolt; ... zu latein horas canonicas, zu teutsch aber die siben tägliche bettzeiten und stunden s. 229 und oft; 'mein brevierbüchlin', antwort der mönch ... 'wafür', fragt Gargantua, 'sprecht ir diese gezeitbettlin' ... 'für den bloen husten, also hat es der heiligen mutter gefallen: aber mit drei psälmlin unnd drei lectionen auff unnd darvon ... man heisst es bettstundenbüchlin oder stundengebettlin: aber ich hab mich nie den stunden underwürfflich gemacht Fischart Gargantua 397 neudr.; dasz diese so offt wiederholte verheissungen ... von so viel tausent ... geistlichen gesungen oder gelesen werden sollen: in massen denen bekant ist, die zu den geistlichen gezeiten verbunden seind F. Spee güldenes tugend-buch s. 202; vgl. auch s. 194.
β)
die unmittelbare verbindung des durch präfix verstärkten subst. mit dem zahlwort ist erst zu ausgang der mhd. zeit belegt und fehlt auch dann in den verbindungen des subst. mit verbis wie beten, singen u. a. (s. sp. 6939. vgl. auch: preces horariae, geziten Murmellius pappa [1517] 112); dagegen vgl.: nû vâr in ein klôster ... zer mettîn mit den brüedern ... zuo den siben gezîten unde von dem kôre in den reventer und ûʒ dem reventer in daʒ slâfhûs Berthold 1, 138 Pfeiffer; und sallen biten alle tage daʒ di êwigen regelen und di êwigen gesetze vollebrâcht werden, wan pfaffen und geistlîchen lûten sint gesatzit ire siben gezîte zuhaldene hir umme, wan si daʒ baʒ sullen irkennen dan ander lûte dtsch. mystiker 30, 40.
1))
im späteren verlauf finden die im plural unseres substantivs sonst vordringenden schwachen flexionsformen im festen gefüge der verbindung ein hindernisz; es lassen sich also wohl die späteren zeugnisse für starke flexion als kennzeichen der formelhaften erstarrung ansehen:
a))
von den seven ghetziden unses heren der seele trost (Kürschner 12, 1) 476; weil sie des unnutzen schweren geschwetzes der sieben gezeiten nu los sind Luther 4, 385ᵇ Jena; am freitag nicht fleisch essen, die sieben gezeiten beten und der gleichen 26, 228 Weimar;
alln tag säufft einer sieben masz,
und musz ihr einer allen tag
viel mehr fressen, dann er wol mag.
bei diesen sibengezeiden
die armen moͤnch sich müssen leiden
des heilgen bauchs grosse andacht
hat sie zu soͤlchem leben bracht.
Erasmus Alberus (müller u. esel 25) fabeln Esops 133;
b))
dafur stifften sie etwa eine messe oder sieben gezeite Luther 23, 596 Weimar; vnd meine sieben gezeit nit gehalten, des müs der leydig teuffel walten Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken M 5ᵇ; dann wann wir unser horas oder siben gezeit nit beteten, so kemen wir umb unser pfründ. darumb konden wir der bibel nit obligen klag und antwort von Lutherschen und bebst-pfaffen s. Schade sat. 3, 139; die gleiche zusammenstellung Matthesius Syrach 2, 90ᵃ; (siebengezeit oder gewöhnliche gesäng) Philander (Leiden 1647) 7, 252, s. theil 10, 1 sp. 810; die siben gezeit oder horas canonicas Fischart bienenkorb 29ᵃ.
2))
das deutlichste kennzeichen der composition bildet der singulargebrauch (vgl. dein sibenzeit Luther 7, 812 Weim.): der vicarius soll ... halten ... zwischen jeglicher weich - fasten, besonders vor die stifftere eine siebengezeit s. Reyher Thuring. sacra 555; vgl. Frisch 2, 274ᵇ.
3))
in solchem gebrauch dient die verbindung der benennung von pflanzen.
a))
lotus sativa, sibengezeit Hadrianus Junius nomenclat. (1595) 73; τρίφυλλον, Graecis ... Germanis, sibengezeit, propterea quod singulis diebus septies odorem suam habeat, et toties amittat Leonh. Fuchs de hist. stirp. (1543) 330ᵃ; vgl. die zahlreichen bis auf Pritzel-Jessen führenden belege th. 10, 1 sp. 810; vgl. das seltenere siebenzeit (als n.) 831; vgl. den mundartlichen plural sibengezeiten Schmeller 2², 209.
b))
weniger geläufig: fenugraecum, sibengezeite, hortus sanitatis (1485) c. 177; u. a. s. th. 10, 1 sp. 810 u. 831.
γ)
neben und in concurrenz mit diesem hauptbegriff treten innerhalb des christlichen cultus noch andere spielarten dieser gezeite auf: noch seind zwei andere geistliche aempter, die man auch täglichen pfliget inn der kirchen gottes zu halten. das ein gehört zum lob und ehren der allerheiligisten und würdigisten mutter gottes und jungfrau Mariae ... das ander aber ist angeordnet ... zu sonderbaren hülff ... für die lieben seelen der seligen abgestorbnen menschen J. Landolt christlicher bericht ... von den horis canonicis (1545) s. 242.
1))
in desem boec sal man vinden die ghetiden van onser lieven vrouwen en die ghetiden van den heiligen cruce ... die ghetiden van den heilighen geest en veel schoon der ghebeden büchlein von den ghetiden (Leyden 1428) am schlusz; das seint die siben tagzit von unsern herren leiden büchlein die siben zeit o. o. u. j. s. 72.
2))
die reinen wandels vrîen
gruʒte er dicke hie unt dâ
mit sînem âvê Marjâ.
unser vrouwen gezît,
die noch genuger sprechen pflît,
die sprach der schuler alle tage.
marienlegenden 7, 9 Pfeiffer;
ein grôʒ herre, und der hate unserre vrouwen gelobet zu dinen des âbends und des tages ... und dô her herwider aber fur an dem tage unserre vrowen, dô gedâhte her ûffe dem mere, ob her wolde sîne gezît halden unserre vrowen ... und hup an sîne gezît von unserre vrowen dtsch. mystiker 20, 9 Pfeiffer; do sprach her unsser frawen gezeiten, also her alle tage phlagk, wen her etzwas gelart was Joh. Rothe Düringische chron. 571 Liliencron; ganz frühe haben etliche zu den priestern, die die gezeiten unserer lieben frauen in gemeldeter pfarrenkirchen singen, mit steinen geworfen schreiben des raths zu Wittenberg an Melanchton s. dessen opera 1, 488 Bretschneider; Ign. Franz tagzeiten, gebete und gesänge zur verehrung der allersel. jungfrau Maria Breszlau 1782; F. Speil officium parvum b. Mariae; die kleinen tagzeiten der heil. jungfrau ebenda 1868.
δ)
beim gröszten theil der einschlägigen zeugnisse fehlen jedoch andeutungen, wem zu ehren die gebetsübung anzustellen ist.
1))
das schwergewicht des gebrauches fällt vielmehr auf die kennzeichnung der personen, denen die übung obliegt.
a))
bemerkenswerth und wohl auch in der beurtheilung des ganzen gebrauches zu würdigen ist die beobachtung, dasz als träger der übung selten ein einzelner erscheint. in solchem falle läszt der singulargebrauch des subst., soweit er damit verbunden ist, gelegentlich das genus erkennen.
α))
der münch bruoder Wîte
der sprach sîn gezîte
Isôte ze aller stunde.
Tristan als mönch 2661 Paul;
dat disse Peilgerinus in biwesen des vurisz keisers sin gezide sprach Koelhoffs chron. s. dtsch. städtechron. 13, 484; denn ich hab selbs solcher horas canonicas mein tage viel gebet leider, das der psalm oder gezeit aus war, ehe ich gewar ward, ob ich angefangen oder im mittel were Luther 6, 310ᵃ Jena.
β))
ich gib mich sehuldig das ich gesundet han mit italen und mit unnützen gedanken ... in minem gezite und gebette Tauler predigten 275 Vetter.
b))
überwiegend ist das substantiv auf eine mehrheit von personen, auf den berufsstand bezogen, zumal in der polemik der reformationszeit. für den singulargebrauch liegen hier wenig anhaltspunkte vor, doch zeugt hier Tauler für das neutrum und die collectivbildung: usgenomen das gezit alleine, die das schuldig sint von ordnunge der heiligen kilchen predigten 155; hindert dich danne ein einige wise oder gebet ... das loss künlich ... varen, ussgenomenlich die die zuͦ irme gezite verbunden sint 68.
α))
och vil liben swestern sullent ir uwer gezit mit grosser erwirdikeit singen oder lesen Tauler 271; vgl. schon (s. o.) Herbort v. Fritzlar troj. krieg 2264; die munniche sungen unten in der kirche im chor ire gezeite, darnach, wan sie ausgesungen hetten, so sungen die nunnen oben in der porkirche ire gezeite Kantzow chronik v. Pommern 254; dannoch sihet man merklich, das die h. kirche ihre messen, ihre gezeiten, gebet und gesäng alle in latein vollbringt Fischart bienenkorb 13ᵇ.
β))
item die pfaffen und monchen, die ihre gezeite betthen sollen und slappen uberhin on alles auffmerken predigten Luthers s. 9, 127 Weim.; vgl.: priester und geistlichen, di ire getzeite an alles innwendige begirde schlappern uber hin Luther (ausleg. d. vaterunsers 1519) 2, 84 (preces horariä); die priester soll nit mehr lesen ader mürmeln jre gezidt Joh. Dietenberger ein christl. vermahnung (1523) F 1ᵇ.
2))
verbindungen des substantivs mit unbestimmten oder verallgemeinernden bestimmungen: dat he ghene ghetide en wolde lesen niederdtsch. leben des heil. Franz 64ᵇ s. Schiller-Lübben 2, 88ᵇ; vier barfusse bruder ... sulden do tegelichen messe unde alle gezeiten halden J. Rothe Düringische chron. 562; hertzog Wartislaff hat ... grosse lust gehapt zu gots dienste, das er, soer vor andern sachen hat khoͤnen darzu khomen, gemeinlich in alle gezeite ist gegangen, und fruͤ und spete mit den münnichen gesungen hat Kantzow chronik von Pommern 1, 229 Kosegarten; halff inen gleich den andern münnichen singen und verseumpte on grosse not nicht gern weder mesz oder vesper oder jenige andere gezeite 197 Gaebel; ganz ähnlich (s. o.) predigten Luther s. 9, 236 Weim.; sünd der tragheit. ob du mesz gezeit, andre goͤtliche ampt oder dienst underwegen gelassen hast, die du schuldig gesein bist zuͦ sprechen Geiler v. Kaisersberg dreieckecht spiegel E e 4ᵇ.
c)
ein anderer gebrauch des collectivs führt in die seemannssprache: gezeit s.ebbe und fluth Bobrik; vgl.: unter denjenigen bewegungsformen des meeres, welche mit wahrnehmbarer geschwindigkeit vor sich gehen, ist das regelmäszig in etwa halbtägigen perioden erfolgende steigen und fallen des meeresspiegels die groszartigste ... und deshalb schon seit ältester zeit beobachtete. man nennt diese periodischen spiegelschwankungen die gezeiten (franz. les marées, engl. the tides); die halbperioden ... heiszen flut und ebbe K. Zöppritz s. O. Krümmel bewegungsformen des meeres (1887) s. 154. die thatsache, dasz die erscheinung im niederdeutschen eine benennung annahm, von der auch der hochdeutsche name beeinfluszt ist, hat in Kluge's seemännischem wb. eine formulierung gefunden, die auch das präfix niederdeutschem einflusz unterstellt: tide, mit der dem mnd. getide entsprechenden verdeutschung gezeit 782.
α)
in den ältesten einschlägigen zeugnissen zeigt das niederdeutsche seebuch (niederdtsch. denkm. 1) in der einen handschr. (A) formen ohne, in der andern (B) solche mit präfix: in de golffe von Galis ... (maket) vul see oesten máne ende dit sulve tide gaet bet to de holme van Brustouwe s. 6 nach handschr. A gegen: unde dat getyde ghaet an den holm van Brustouwe nach handschr. B; unde de buten setten wil umme to vorbeiden sine tide (A) s. 12 gegen: to beiden sin getide (B); u. a. im späteren niederdeutschen tritt das präfix wohl in wendungen hervor, die das ganze des verlaufs von ebbe und fluth ausdrücklich zusammenfassen: wenn man die getide wol hefft geobserveert Tangermann (1665) wechwiser 24. ohne präfix findet sich die form im praktischen gebrauch, der naturgemäsz mehr die einzelheiten ins auge faszt und der zumeist aus der neueren sprache belegt ist: mit dem tie aver segeln Bremer wb. 5, 60; mit der morgentide flottgebracht werden Hamburger correspondent (vgl. Kluge a. a. o.). abendtide ebenda; mit der tide Frenssen Claus Baas s. 398.
β)
die hochdeutschen formen zeigen in allen fällen das präfixeine thatsache, die bei der annahme einer mechanischen übersetzung aus dem niederdeutschen mit den dort beobachteten doppelformen nicht ganz vereinbar wäre. überdiesz haben die bildungen jargezît, siben gezeiten und newe gezeiten erkennen lassen, dasz im hochdeutschen eine collectivbildung erwuchs, die der niederdeutschen benennung von ebbe und fluth weit entgegenkam. das präfix in gezeit ist also im hochdeutschen als eigenwüchsiges ausdrucksmittel eines am fem. zeit secundär entwickelten collectivbegriffes anzuerkennen.
1))
die ältesten hochdeutschen zeugnisse fallen (neben Kluge a. a. o. vgl. auch Breusing sprache des niederdtsch. seemanns s. jahrb. f. niederdtsch. sprachforschung 5, 19) in das 16. jahrh., in Daniel Federmanns verdeutschung von Guicciardinis beschreibung Niederlands (drucke von 1580 aus Basel und ohne nennung des übersetzers aus Frankfurt). durchaus ist hier der singular bevorzugt.
a))
auf das ganze des verlaufs weisen: diese ... wunderbarliche würckungen des wachsenden u. abnemmenden flusses oder gezeit (Basel) s. 30 (Frankfurt 18); das wir ... in fünff und zwentzig stunden ... zweimal des meers anlauff und ablauff oder gezeit haben 31 (18); vgl. dazu: nicht weniger musz er auch in unterschiedlichen meeren bekandt sein, dasz er derselbigen portus, felsen oder klippen, sandplatten, gezeit und andere dergleichen zufälle wissen Garzoni schawplatz d. künste (1659) 1014; so steigt z. b. die gezeit bei Newnham am Severn innerhalb 11⁄2 stunden vom tiefsten bis zum höchsten stand und sinkt 11 stunden lang, bis sie wieder ihr minimum erreicht hat K. Zöppritz bei Krümmel s. 160 u. a.
b))
viel häufiger geht der singular auf eine halbperiode, meist die fluth (bei Adelung s. u. mehr auf die ebbe), die in ihrem verlauf ja ebenfalls eine längere zeitspanne zusammenfaszt: dann wann sein betth etwann ... durch die wind und gezeit, das ist der wachsende flusz ... etliche sandberge auffwirft D. Federmann verdtsch. des Guicciardini 30 (Frankf. 18); es sei dann sach datz die ungestümmigkeit uber die massen falle und auf einmal der wind nordwest den fluxum oder gezeit dahin treibe ebenda; (17); wasser oder gezeit 32; von den meeren zu melden, welche zu gleicher weise durch würckung des mons, flut und gezeit haben 32; in den wendungen, die das genus erkennen lassen, sind beide genera vertreten:
α))
auff der einen seiten (zu Abberdon in Schottlandt ... ist flut und hochwasser im neuwen und vollen mon ... und dargegen auff der andern seiten zu Cales ... wirt hochwasser ... zu derselbigen zeit und stunden und wirket zu gleicher weisz, welches denn, wie in der mappe zu sehen, mit einer gezeit allein nicht sein koͤndte verdtsch. d. Guicciardini (Frankfurt) s. 19; eine gezeit hat sechs stunden, ebbe und fluth aber zusammen genommen zwölf stunden, welche in und um Hamburg ein ettmal genannt wird. der gezeit wahrnehmen, entweder der ebbe oder auch der fluth Adelung 2, 673; vgl. springgezeit, (springtide), toube gezeit (dove tid) Stenzel seemänn. wb. 147.
β))
und hierumb hat man das gezeit nimmermehr den einen tag umb die stundt, umb welche man das vorigen tag gehabt ... niemand kan so weit sehen oder in so schneller eil laufen, bisz das gezeit ein ende hat, als welches nur 6 stunden währet Ens (1618) west- u. ost.-indlustgart. II, 26; wir werffen darinnen auff ly und verharreten nach den gezeit des flusses bisz gegen 3 uhr nach mittag, zogen und trieben unser jagtschiff in die Heelffter schluisz Aldenburgk (1627) west- und reisze sitten 1ᵃ.
2))
für den gesammtbegriff von ebbe und fluth setzt die neuere sprache den plural, auch da, wo die theoretische erörterung die erscheinung als solche streift: under den gezeiten oder der ebbe und flut versteht man das abwechselnde fallen und steigen des meers J. Georg Kohl die reisen in den Niederlanden (1850); gezeiten, franz. les marées, engl. the tides, heiszt der wechsel von ebbe und fluth in den grösseren meeren Thiel 4, 435ᵃ. meist aber kommt beim pluralgebrauch das moment der wiederholung zur geltung, deren regelmäszigkeit ja das wesentliche an der erscheinung ist: Newtons principia mathematica philosophiae naturalis, worin der grosse denker zum erstenmal den ursächlichen zusammenhang zwischen den gezeiten und der bewegung von sonne und mond aufdeckte K. Zöppritz bei Krümmel s. 159; schon den alten Griechen war, obwohl die gezeiten im mittelmeer für unmittelbare beobachtung zu klein sind, die existenz derselben in anderen meeren wohl bekannt 157; zwar meint man, da für die bezeichnung der gezeiten kein ausdruck im indogerm. nachweisbar wäre und ebbe und flut auch nicht in der zeitrechnung zur geltung kämen, so hätten die indogermanen sie nicht gekannt Hirt indogermanen s. 187; namentlich zeigt sich, dass alle 14 tage die amplitude der gezeiten, d. h. die absolute höhendifferenz zwischen höchstem und tiefstem stand ein maximum und 8 tage vor und nach jedem solchen ein minimum besitzt. erstere zeit nennt man springzeit, letztere taube gezeit K. Zöppritz bei Krümmel 156; hier fiel mir augenblicklich ein, ich solte ... hinauffgehen und wo möglich die stellung der gezeiten beobachten ... so warf ich meine augen auff einen kleinen hügel, von dem ich das meer auff beiden seiten, imgleichen die ströhme oder gezeiten der ebbe und fluth ... ersehen konte Vischer (1720) Rob. Crusoe 1, 262; vierundzwanzig stunden und fünfzig minuten dauert der verlauf zweier gezeiten Zimmermann erdball¹⁹ 2, 75; das wasser steigt und fällt im ganzen schiff mit den gezeiten Hamburger corresp. (1907 abendbl. 16/2).
4)
zu den formen des mit dem präfix zusammengesetzten substantivs
a)
ist an der stammsilbe
α)
das vordringen der neuhochdeutschen diphthongierung zu beachten:
1))
der monophthong ist bei Joh. Rothe, der die bildung so auffallend bevorzugt, noch in der passion überliefert, während die Thüringische chronik und die Elisabeth diphthong zeigen; vgl. auch geziten im Miltenberger stadtbuch, dem Marienburger treszlerbuch und im Huge Scheppel der Elisabeth v. Nassau (15. jahrh.); in verbindung mit doppelconsonanz ist (verkürztes?) i länger bezeugt: gezitt (Frankfurter handschr.) s. Diefenbach-Wülcker 620; Joh. Murmellius pappa (1517) 112; gezitten Jacob Wimpheling (1648) s. u.
2))
diphthonge sind, wenn die herausgeber richtig verzeichnen, auszer in Rothes schriften (s. o.) beim pfaffen v. Kalenberge, der Zimmerischen chronik, der Wenzelbibel und den schlesischen urkunden (von 1367 ab) zu belegen, auch bei Matthias v. Kemnat. bei Tauler erst im druck von 1508; die ober- und mitteldeutschen quellen des 16. jahrh. bieten sie durchweg (zu den ausnahmen s. o.).
β)
der dental ist gelegentlich hinter einfachem (kurzem?) i (s. o.), doch auch hinter dem diphthong verdoppelt: gezeitten Luther 14, 388; 27, 522; 29, 470 (aber siben gezeite); Petrarcas trostbücher; dort vereinzelt auch gezeide; desgl. bei Erasmus Alberus.
b)
zur flexion
α)
vgl. den genitiv gezîdes im evangelienwerk von St. Paul; vgl. zeits im codex Tepl.
β)
im plural hält sich die starke form des femininums (alle gezeitte sein gut Petrarcas trostbücher) namentlich innerhalb der zur festen formel erstarrten verbindungen; vielfach verwischt dann die einsetzende apokope die merkmale des numerus (s. o.); vgl. gezeite, (sibengezeite) bei Geiler, Luther, Kantzow, gegen gezeiten bei Rothe, Luther, Erasmus Alberus, Fischart u. a.; vgl. auch gezeitbuch neben gezeitenbuch s. d.
Zitationshilfe
„gezeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gezeit>, abgerufen am 17.10.2019.

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