gewerf
Fundstelle: Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5622, Z. 49
eine form, in der der neueren sprache mehrere verbalsubstantive zugeführt werden, ohne festere wurzel zu fassen. meist weisen sie auf das verbum werfen zurück, soweit die bedeutungsentwicklung anhaltspunkte gewährt. denn von der form aus ist die abgrenzung gegen ableitungen von werben nicht durchzuführen, wie schon oben (vgl. sp. 5483 zu den formen gewerf, gewerff, gewerft, gewerb, gewarf) ausgeführt wurde. ebendort waren zwei haupttypen für die zu werfen gehörenden ableitungen aufgestellt worden, die abstractere bedeutung von steuer, abgabe (geschosz) und die sinnlichere eines wurfgeschosses (geschütz). neben diesen gehen einigespäter belegte und vereinzelteverwendungen einher, die entweder die grundbedeutung des verbums mehr oder weniger bloszlegen, oder die function des nomen actionis kräftiger zur geltung bringen. sie stimmen alle mehr mit gewerf = wurfgeschosz überein, insofern das präfix ge auch zu ihnen nicht mit der ursprünglichen bedeutungsenergie (vgl. gewerf = das zusammenwerfen, conjectura), sondern mehr in der function einer bildungssilbe tritt. in einigen dieser verwendungen ist zugleich die wortsippe, von der sie abzweigen, unsicher. das genus ist in allen fällen überwiegend als neutrum anzusprechen, soweit es überhaupt erkenntlich ist; das masc. ist nur in einem falle gesichert (s. unter gewerf III), das fem. in einigen fällen, die den einflusz der wortverbindung und des bedeutungszusammenhangs verrathen.
gewerf das verbalsubstanti
Fundstelle: Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5622, Z. 75
zu werfen in der composition mit dem bedeutungskräftigen präfix ge: cawerf, kawerf, giwerf = conjectura, collatio, collecta, symbolon Graff 1, 1039; gewerf, abgabe mhd. wb. 3, 740ᵃ; Lexer 1, 987; auch gewerf und gewerft (in Freiburger urkunden des 13. bis 16. jahrh.).
1)
der älteste gebrauch ist auf glossen beschränkt und läszt das substantiv nur im bereich von lateinischen (griechischen) parallelen erscheinen. der bedeutungsumfang ist weit gezogen, doch steht auch dieses moment unter fremdsprachlichem einflusz. für die bestimmung des genus am substantiv liegen hier keinerlei anhaltspunkte vor; dagegen knüpfen an die bildungsweise schon bei Notker erklärungsversuche an.
a)
der grundbedeutung des verbums entsprechen einige vereinzeltstehende gleichungen: lithostrotos (steingemauertes) stein cawerf, Tegernseer handschr. d. 9. jahrh. Steinmeyer-Sievers 4, 244; simmatibus, graece, conlationibus giwerpf cod. S. Pauli, Steinmeyer-Sievers 1, 554, vgl. auch 1, 555.
b)
die meisten belege lehnen sich an termini der christlichen kirche an und sind ebenso gut mit erscheinungen, gegen die das ältere gemeindeleben ankämpfte, verknüpft als mit solchen, die es grosz zog. gewerf verdeutscht die begriffe collecta, collata, collatio, symbolon u. a. auf der einen seite werden heidnische bräuche getroffen, schmausereien auf umlage, andererseits tritt das wort für liebesgaben ein, die die christlichen gemeindegenossen zusammenbrachten. vgl. gelage (zu zusammenlegen); vgl.geschosz (zu beischieszen, zusammenschieszen).
α)
symbola, giwerf, Salzburger. Tegernseer, Regensburger und andere glossen des 11. u. 12. jahrh. zu sprüche 23, 21 (noli esse ... in comessationibus eorum, qui carnes ad vescendum conferunt: quia ... dantes symbola consumentur) Steinmeyer-Sievers 1, 537; ex collatis, giwerfun, giwerphun in den glossen (gleicher herkunft) zu den beschlüssen des konzils von Laodikea, das nach dieser seite ein verbot richtete. Steinmeyer-Sievers 2, 113.
β)
collecta, giwerf, giwarf, die gleichen handschriften mit glossen zu 3 Mos. 23, 36 (solt ewr opffer dem herrn thun, Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 352; collationem, kewerf vel oblei Reichenauer u. Tegernseer handschr. des 11. jahrh. zu Römer 15, 26 (haben williglich eine gemeine steuer zusamen gelegt. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 757.
c)
vereinzelt folgen die glossen auch der weitgehenden übertragung, die die worte symbolon, conjectura entwickelt haben: conjectura, cawerf, kiwerf, kawerf vel interpretatio, Hrabanisch - Keronische glossen. Steinmeyer-Sievers 1, 89. das Graeci chedent symbolum unde latini collationem, daz cheden wir gewerf, wanda iz apostoli gesamenôtôn unde zesamene gewurfen, daz iz zeichen sî christianae fidei, also auch in proelio symbolum heizet daz zeichen, daz an scilten alde an geinôtên worten ist. Notker zum symbol. apost. (denkm. 1³ 250); vgl. auch diesen salmon heizen wir giwerf, wanda in die heiligen poten gisaminoten unde cesamine giwurfen. ebenda 257. auf die bedeutung der stelle hat schon J. G. Eccard in der vorrede zu Notkers katechismus s. 24 hingewiesen.
2)
von allen diesen prägungen der althochdeutschen periode führt nur eine auch in die spätere zeit über, die gleichung von gewerf mit umlage, beisteuer, geschosz, abgabe. sie ist in der urkundensprache reichlich vertreten und an die verschiedensten formen geknüpft (gewerf, gewerpf, gewerff, gewarff, gewerft, gewerb). ebendort wird sie geradezu als eine gangbare deutsche benennung gekennzeichnet, während die eben angeführten glossenbelege vielmehr auf eine anlehnung an fremde vorbilder weisen. es sind zunächst zwei möglichkeiten: entweder stellt das gewerf der mittelalterlichen urkundensprache eine weiterentwicklung der in den althochdeutschen glossen aufgeführten anlehnung an conjectura, collatio dar, oder es ruht mit seinen wurzeln in einer eigenbildung der deutschen rechtssprache und wurde in den glossen erst umgedeutet. für die zweite annahme sprechen beweismomente, die auszerhalb des hochdeutschen sprachgebietes gesammelt sind. Brunner (rechtsgeschichte I², 176 anm. 6) macht darauf aufmerksam, dasz an stelle des wortes thing in friesischen und sächsischen denkmälern auch warf oder werf gebraucht wurde, vgl. hwarf im Heliand (wurđun êo-sagon alle kumane an hwarf werôs 4469 u. a.), vgl.warf im sachsenspiegel und in niederd. weisth. (nach erkenntniss des gemeinen werfs weisth. 3, 104) und dazu das abgeleitete langobardische gawarfida (omnes iudices et fidelis nostri hic dixerunt, quod cawerfeda antiqua usque nunc sic fuisset. leges Liutprandi cap. 77; vgl. d. glosse d. cod. Cavensis: guarfida id est consuetudo antiqua u. a. Brunner I² 152 anm. 8) er stellt die gleichung auf: gewerf zu warf wie geding zu ding, und damit wäre das substantiv zu werben, gewerbe zu stellen, wo die bedeutung von kaufvertrag (vgl. oben sp. 5496) an einigen belegen für die formen gewerf, gewerft schwierigkeiten dargeboten hatte. mit diesen läszt sich jedoch nur eine einzelnelandschaftlich begrenztegruppe der unten folgenden zeugnisse zusammenstellen, in denen die bedeutung einer abgabe auf eine verhandlung, einen vertrag zurückgeführt werden kann (vgl.α, β). die hauptmasse der belege knüpft ungezwungener doch an die auch den glossen gesicherte bedeutung von umlage an. da die graphische wiedergabe des lautbildes keine anhaltspunkte giebt, ist eine sichere entscheidung nicht möglich, man darf aber vielleicht annehmen, dasz die bedeutungen abgabe und umlage verschiedenen wurzeln entsprangen und erst in dem allgemeinen begriffe von steuer sich zusammenfinden. mit der mittelalterlichen urkunden- und verwaltungssprache ist der geltungsbereich von gewerf im allgemeinen sinne von umlage, steuer nicht abgeschlossen, es lebt in der geistlichen und weltlichen litteratur des 16. und 17. jahrh. weiter, bei Geiler, Pauli, Wimpheling, im Straszburger bibeldruck, ebenso in Nürnberger vocabularien und bei Mathesius.
a)
belege aus der rechts- und verwaltungssprache der urkunden (1166—1520) vgl. Haltaus 712; J. Grimm deutsche rechtsalterthümer 298 (1⁴, 414); Zöpfl alterthümer d. d. reichs 1, 275; Wackernagel bischofs- und dienstmannenrecht von Basel 17; Kehrein samml. ahd. mhd. wörter s. 11. das genus ist an den einschlägigen stellen mehrfach gekennzeichnet, durchweg als neutrum, so in der Musbacher urk. v. 1286 bei Schöpflin, in Freiburger urkunden von 1291 (ztschr. gesch. Oberrh.), von 1293. 1310 (Schreiber), in einer Kolmarer urk, von 1293 Schöpflin und im Züricher richtebrief. vielfach ist das genus gerade gegen das mit gewerf gern verbundene fem. stiure abgegrenzt: dekein gewerf noch dekeine stiure. Kolmar 1293; zuo deme gewerfte oder zuo der stiure. Freiburg 1293; in einem späteren beleg aber färbte in solch enger verbindung das genus von stiure auf gewerf ab: mit der gewerff und stür. Mühlhäuser urkunde Carls IV (1351) Schöpflin.
α)
eng an die erstgenannten termini schlieszt sich die älteste urkunde an: domum vero nostram ibidem in Meirle sitam cum curia et ortulo adiacente cum omni utilitate eorum hac determinatione ei assignavimus, quatinus collectas advocatorum, quos ibidem vulgari nomine quͦwerf vocant, exinde persolvat .., erbpachtbrief des stiftes zu Münster Meinefeld von 1166 bei Beyer urk. gesch. Mittelrheins 1, 705 (zur form vgl. guwere für gewere s. 523). hier handelt es sich anscheinend um eine form des schutzgeldes, das der bevogtete dem vogt entrichtet, eine bedeutung, die sich als verallgemeinerung in den bedeutungszusammenhang von gewerf = συμβολον einfügt, wofür überdiesz die lat. parallele collecta zeugt.
β)
aus diesem zusammenhange fallen andere belege, die zeitlich am nächsten hier sich anreihen, heraus. gewerf kennzeichnet hier mehr den rechtsgrund für eine abgabe als diese selbst (das gleiche bei consuetudo), und die leistung erscheint nicht periodisch wiederkehrend, sondern an bestimmte anlässe gebunden: mansum ... recipi debent de manu nostra, seu ab heredum nostrorum; ita quod receptor persolvet nobis ... quatuor solidos denar. Colon. ratione iuris, quod vulgariter gewerve appellatur. urk. v. 1249 bei Guden codex dipl. 2, 949; quomodo G. d. S. mansum ... in feudum contulerit ecclesiae ... post obitum vero uniuscuiusque possessoris vel heredis domus ... heres aut successor instituendus dabit nobis in receptione dictorum bonorum duodecim denarios, pro jure quod gewerf vulgariter appellatur. urkunde des Kölner domkapitels von 1257 bei Lacomblet 2, nr. 446; post mortem vero meam ... melior equus ..- cum duodecim coloniensibus, qui solidus hereditarius appellantur, ecclesia supradicta cedat in curmedam. nihilominus tamen succedens sex solidos predicte monete pro porrectione bonorum, quod theuthonica dicitur gewerf, persolvat ecclesie supradicte. revers von 1269 ibid- nr. 592. ähnlich sind auch folgende belege zu erklären: et tantundem pro jure quod dicitur gewerf, cum persona que dicta bona receperat, decesserit, solvere de bonis prenotatis teneantur. urkunde des erzbischofs v. Köln 1290 Lacomblet nr. 897; annuam pensionem septem solidorum ... et jura que vulgariter vocant cerinc et dinc, curmedam, gewerf. Kölner urkunde von 1266 ebenda nr. 569; item predicti homines tenentur dare curmedam et gewerf de bonis et feodis suis secundum consuetudinem terre. Kölner urk. des 13. jahrh. bei Ennen und Eckertz 2, 602 ebenso curmedam et gewerf 601; jus quod dicitur kormeda et gewerf 2, 603, dazu vgl. auch: ut abbatissa et conventus ad ipsam vineam tanquam emptionis titulo comparatam recursum habeant, siqua ipsis in posterum questio super premisso jure quod gewerf dicitur, moveretur. urkunde des erzbischofs von Trier 1213 bei Günther codex dipl. Rhenomos. in allen diesen fällen ist eine geldleistung mit dem act der besitzübertragung in beziehung gesetzt, sie wiederholt sich jedesmal, wenn ein neuer besitzwechsel eintritt. eine bedeutungsverwandtschaft dieser belege mit den oben (sp. 5496) beigebrachten zeugnissen für gewerf, gewerft im sinne von kaufvertrag liesze sich wol begründen; die thatsache jedenfalls, dasz eine gruppe auf den Niederrhein, die andere auf bayr.-österr. gebrauch beschränkt erscheint, findet in dem niederdeutschen warf, werf und dem langobardischen gawarfida ihre beleuchtung. auf späterer deutung beruht es wol, wenn dieses gewerf mit werben im sinne von erwerben, gewinnen in verbindung gesetzt wird, vgl. item wanne ein man offt ein vrawe gehorende in den hœff, doitʒ halven sein affgegaen, ... ind dat die ersten erven, offt ein ander, die dat mit rechte mag doin, begert vom herrn off seinem scholtisʒ dat guidt zo hand gewinnen iud werven, dasz sall ime der herr oft scholtisʒ gunnen, und vur dat handgewin sall der man ind vrawe, die op den hœven wonen, geven gelick; -.. so dicke alsʒ desʒ dan gefiele, dat is vier alden guldenschild mit gnaden; die genne, die aver op den kotten wonnen, sollen geven für handgewinn ind gewerff, hie sie man off vrauwe, zwein alde guldenschild mit gnaden, off dat werdt darvoir als vurg. steit und neit mer. hofrechte zu Ekel 19 (1500), s. Grimm weisth. 3, 63. die zusammenstellung von gewerf mit der werpitio, die eine neue anlehnung an werfen ermöglichte, hätte von hier aus allerdings etwas bestechendes; ihr steht aber unter anderen im wege, dasz es sich bei der werpitio immer um eine besitzentäuszerung handelt (vgl. Brunner z. rechtsgesch. d. germ. u. rom. urk. s. 274) und hier von anfang an um den nächstfolgenden act der übertragung.
γ)
wie sich auch die eben angeführten verwendungen erklären lassen, die übrigen belege weisen auf ganz andere bedeutungen, sie prägen überhaupt viel weniger einen privatrechtlichen als einen öffentlich-rechtlichen begriff der steuer aus. mag auch in denjenigen belegen, die die steuer einem schirm- und schutzverhältnisz entspringen lassen, die grundlage ebenfalls eine privatrechtliche sein, so macht sich dieses moment jedenfalls in der bedeutungsabstufung nicht geltend. dagegen läszt die überwiegende masse der verwendungen gerade den begriff einer periodischen, vielfach gemeinsam festgesetzten, umlage hervortreten und so mündet auf alle fälle der hauptgebrauch in die gleichung gewerf = conjectus (symbolon) wieder ein. unter den verbindungen, die gewerf eingeht, steht ebenfalls die mit steuer voran.
1))
gewerf allein gebraucht, ohne synonyma: dur daz si deste baz luste ze buwenne un da ze belibenne, daz si uns jergelich niht wand vierzec phunt phenninge geben sulen ze gewerfe. Basler urkunde v. 1274 urkundenbuch d. st. Basel 2, 79: wir Bertholt ... der apt und das capitel zu Murbach ... tun allen kunt ... das wir ... der stat von Gewilr ... und den luten die inwendig der muren sitzent, durch das dieselb stat gerichert würde an lüte und an gute, han ginamet von in vierzig marck gebrantes silbers ze gewerffe, das man geben sol enzwuschent sancte Martini mess und winacht ... och han wir ... uns behalten ze habende one dis gewerff allü die recht, die unsere vordere oder wir hand gehabet unze an disen tag. urk. v. 1286 bei Schöpflin, Alsatia 2, 34; swenne ouch daʒ were, daʒ man ze Basil gewerf gebe, so weren von altem rehte die gewanheit unde daʒ über ein komen, daʒ bischof Heinrich mit keiser Frideriche det umbe daʒ, daʒ ietwedre daz halbe neme ... tuomherren, ambtliute unde tuomherren unde gotshus dienestmannen eigenen liute unde gesinde sint des gewerfes vri unde alles getwinges vri ... bischofs und dienstmannenrecht von Basel § 2 Wackernagel 17. jahrh. (vgl. omnis exactionis quam episcopus fecerit in Basilea duae partes spectant ad jus episcopi, tertia ad jus advocati. urk. bei Ochs 1, 290); und swa ime an den sehs und zwenzig pfunden abe giengi von unseren vorgenanten silberbergen, so han wir unser juden ze Friburg geheissen, das sü ime dü vorgenanten sehs und zwenzig pfunt von unserem gewerfte, das sü uns jergelich gent, ervollent ... Freiburger urk. v. 1310 bei Schreiber 1, 187; darnach so en gat dikein gebot innerthalp des abbetes etheren (etter), darnach so engit dikein siner lute die innerthalp sines etheren gesessen sint gewerff. dinghof zu Ebersheimmünster (Unterelsasz 1320) bei Grimm weisth. 1, 679; swer der burger gewerf nicht git der sol nicht ze rate gan da man das gewerf uf leit ald da man die uf liset die das gewerf uf legen suln. da sol enkein vogt bi sin. swenne das gewerf uf geleit wirt, so sol man die tavillen vor all dien burgern lesen da das gewerf an stat, und sol es danne ein vogt helfen in gewinnen. richtebrief der bürger v. Zürich (Helvetische bibl. 2, 31). vgl. Joh. v. Müller gesch. d. Schweiz 2, 113.
2))
gewerft und steuer.
a))
wir grafe Egene von Friburg kunden allen ... daʒ wir den erberen geistlichen herren, abbet Meinwarten von Thennibach, ... ze burger nemen ze Friburg vnd enpfhahen also, daʒ sú uns, noch unsern erben enkein gewerft noch stuͤre geben sulen. urk. v. 1291 ztschr. gesch. Oberrh. 10, 241; wir wellen ouch, swenne man ze Friburg dehein gewerft, oder stüre uf leit, das man dar zuo neme viere von den vierundzweinzigen, viere von den koufluten, und viere von den antwerklüten. were aber das man zuo deme gewerfte oder zuo der stüre me oder minne wölte nemen, so sol doch dirre drier vorgenanten lüte zal allewege gelich sin, und sülen ouch bi den allewege sin ein schultheisse und ein burgermeister. Freiburger urk. v. 1293 Schreiber 1, 142; swas edeler lüte ze Colmer burger sint, die uns dienent, als edele lüte ze rehte sulnt, die söllent mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stüre geben. Kolmarer stadtrecht v. 1293 bei Schöpflin 2, 58; und ensüln oͮch wir in den selben nachgenden nehesten sehs jaren, noch nieman von unsern wegen, von den selben Juden enkeine stüre noch gewerfte, noch enkeinen nuz ... niemer gemuͦten noch geuordern dekeine wis. Freiburger urk. von 1333 (ztschr. gesch. d. Oberrh. 13, 107); darumb bitten wir üich ... daʒ ir uns ze diser zit darzu beholfen sint, mit der gewerff und stür, di ir uns und dem riche ditz jahrs schuldig sint ze geben und ze richten, ane diselben gewerfe und stür wir es nie wol zu mügen bringen. botschaft Karls IV. an Mühlhausen bei Schöpflin, Alsatia 2, 201; ouch hand wir inen gelobt ze rattende und ze helfen, wider allermenglichen der sie beschwaͤren wolte; und tun sie alles gewerfes und aller steuren frei, also daʒ wir stuͤre noch gewerfe, diewile so wir geleben, nimmer von inen gevorden sollend wider ihren willen. Basler handfeste von 1399 bei Ochs, gesch. der stadt und landschaft Basel 1, 380; behept och jemand ... einen frömden der einem herrn von eigenschafft, von lehenschafft oder von vogttie wegen zugehört oder in sinen zwingen und bennen gesessen ist unnd im dienet mit sturen und gewerffen, hohen unnd nidern mit andern diensten als gewonlich ist. gerichtsordnung von Basel von 1457, Schnell s. 16ᵃ.
b))
decimas, redditus, census, fructus, proventus, sturas seu exactiones vulgo dictas gewerff. urk. v. 1335 bei Schöpflin, Alsatia dipl. 2, 250; ich Johans, herre von Üsenberg ... gibe ze koͮffende ... Johanse dem Malterer ... Eystat das dorf, mit aller siner zuͦgehoͤrde, lüte und guͦt, twing und ban, vogtien, gerichte, gros und kleine, dúbe und frevelina, stúren, gewerf und bette ... urk. von 1357 (ztschr. f. gesch. des Oberrh. 13, 449); daʒ nieman der hie zuo Friburg sesshaft ist, er habe zünft oder nüt, an nieman andern sich sol machen mit keinre gelübde oder swerende noch nieman kein sondern dienst sol tuon, mit stüre und gewerfte. Freiburger polizeiordnungen 1338 Schreiber 1, 337; so soll das closter haben vier man, ein meiger, ein keller, ein ohsener, oder wer in dem hofe sitzet, er hab das gut und gülte oder erbeite es nit, und sont die viere lidig sin vor bette, vor gewerf, vor schetzunge, vor ussziehende, vor enger, vor stüre. weisth. von Ingemersheim (Unterelsasz) bei Grimm weisth. 1, 749; so laszt man ... sin eigen gut unbeschwert bliben, leit imm daruff weder steur, bett, gewerff, zinsz noch gult. freiheiten der stadt Straszburg, abschr. v. 1512 Wencker die Uspurg, s. 136.
3))
in den eben belegten verbindungen treten neben steuer auch andere begriffe, so die bede, als synonyma zu gewerf. als weitere zeugnisse vgl.: miner frawen meiger ist auch frei aller bet und gewerf und soll er auch den dritten vörster haben in den gemeinen welden. weisth. v. Wische u. Storbach bei Grimm 5, 414; mann sol auch jerlichen von dem dorffe dem landgraven sechzig viertel habern (geben) ... keme aber iemand frönder dar von frönden landen ... der sol dem landgraven dienen und öch dem banherren eine zit in dem jor von wunne und ven weide ein gewonlich gewerff, und vasenacht hunre geben. urk. v. 1314 bei Schöpflin 2, 109; item welher hie ze Friburg metzgen wil, der sol sunder hus haben, dem hantwerck und der statt tuͦn mit gewerff und aller gehorsam, als ander in iren hantwerck tuͦn ungeverlich. urk. der metzgerzunft zu Freiburg i. Br. von 1462 (ztschr. f. gesch. d. Oberrh. 17, 51); von gewerfe und von dienste. swelch burger in dirre stat ist des vatter ritter war, der sol ze ritter werden e er 30 jar alt werde. tuot er des nicht, so sol er gewerf geben mit dien burgern alle die wile unz er nit ritter worden ist. Züricher richtebrief (vgl. oben sp. 5626); also ob der abgestorben ... schuldner gewerfft, buwgelt, schatzung, freuel, oder oder anders schuldig pliben wer, das sol unser statt ... zugehören. nüwe stattrechten und statuten der statt Friburg im Priszgow (1520) 31; iarzitbücher, selbücher, unser statt zinsbücher, gewerfft, und rechenbücher, so in unserm kouffhusz ligen. s. 36.
4))
zur vervollständigung des gewonnenen bildes seien noch einige formen der composition beigefügt: und geben im (Hesmann Stamler für seine getreuen dienste) von unsern sunderlichen gnaden und keiserlicher macht hundert mark silbers Kolmarisches gewichtes. dofur wir im einseczen zu rechtem pfande, vier fuder weingelts, uff sand Marteins tag, und acht pfunt Basler pfenninge czinzes, die man nennet, hornung gewarff, alle iar in deme dorffe Ammerswiler. urk. Karls IV. v. 1360 bei Glafey, collect. anecdot. 338; und darum so sollen eins iglichen jahrs ... ihme und den vorgenanten seinen erben, so lang sie unsser ... vogt und ambtmann daselbst sein, werden und gefallen sollch nütz, recht und gefell ... ussgenommen die stattsteuer zu Keisersberg und Monstern, und die zwelff fuder gewerffe wine zu Durckheim. urk. v. 1504 bei Schöpflin 2, 443. fraglich ist banngewerf weisth. 1, 682, wo die handschr. an entscheidender stelle lückenhaft ist.
b)
noch deutlicher weisen die zeugnisse für den litterarischen gebrauch auf eine allgemeine, umfassende bedeutung von gewerf hin. der vocab. theut. von 1482 führt das subst. unter vier verschiedenen stichworten auf: gewerff, geschosz, stewr, loszung exactio H 5ᵃ; gewerff, stewr oder loszung setzen guadiare H 5ᵇ; gewerff, stewr, loszung, pet zol, tallia H 6ᵃ; gewerff, stewr, landtzinsze, maut, rennte, tributum ebenda. ähnlich führt der Straszburger bibeldruck, der gewerff Luc. 20, 22 u. a. für tributum einsetzt, in den bedeutungszusammenhang mit den substantiven schosz, zins, steur, rent, schatzgelt über, die in den anderen bibeldrucken hier auftreten. vgl. Dauner, die obd. bibelglossen 96. dazu vgl.: aber die newen ratsherren hetten dem volk versprochen freiheit vor zoll, ungelt und losung und anderm gewerb (var. gewerf). S. Meisterlin chron. v. Nürnberg; deutsche städtechron. 3, 147; stür und gewerffe sol man geben und thun inn einer stat so es not ist, und jedermann nach dem und er geschickt ist und guͦt hat. nun der rat, oder ein herr, der gibt eim geschlecht die friheit, das es nit bedurffe geben, stür und gewerff, so lang und di weil er, oder es sein huld hat, und nit brüchlich an im wurt. Geiler v. Keisersberg predigt der himmelf. Mariae (1512) 11ᵈ; item die sich widrēt zuͦ bezalen recht auffgesatzte stür, bett, gewerff, oder schatzungen. dreieckecht spiegel C c 4ᵃ; roub, unbillich stür, gewerff, fründtliche hilff, ungelt, frontag, herren werck, schirmgelt, schatzung. kastenvogti, pfleger, gewalt, undertruckung, urteil ausz gunst. irrig schaf A 3ᵃ; das was der iuden gifft, dz sie müstent zoll geben, schatzung, und gewerff wie andere lüt. postill. (1522) 4, 25ᵃ; also die herren nemen das grosz von den underthonen, gewerb, steür, und freuel, so kumen dan die amptlüt. Pauli schimpf und ernst (89) Österley s. 68; nach der sündflut aber, da .. Nimroth der erste gewaltige jeger unnd könig, sein newes reich in Chaldea mit landtszordnung, rüstung, rendten und gewerben anrichtet und befestiget, da het man nach silber unnd goldt getrachtet. Mathesius Sarepta 230ᵃ;
dann niemands mer zuͦ altar godt,
muͤend ietz auch geben gwerff und steür.
Wickram (der getreue Eckart 4 v. 410) 5, 83 Bolte.
dann fuͤrwor was zu burgerlicher sellikeit gehoͤrt, in den dingen wurt unser statt gesehn groͤszlich ubertreffend, und für alle andere stett uberfliessen, mit kirchen ... zoͤllen, ungelten, gewerffen. Jacob Wimpfeling Tütschland hrsg. v. Moscherosch E 3ᵃ; wehe mir und ewig wehe, weil ich zugegeben, dasz meine amtleute, schösser, rentmeister, der armen leüt güterlein zu sich und in meinen kasten gerissen: den schafft, gewerff (fehlt in der ausg. v. 1644, s. 491) gülte und renten erhöhet: die priester schnödiglichen gehalten. gesichte des Phil. v. Sittewald (1, 7), (1677) 622; von den gewerfen, zu steuren an das reich waren die ritter und ihre söhne, die dienstmannen und amtleute der gotteshäuser, frei; die übrigen bürger gaben dazu was von dem rath nach der schätzung des vermögens jedem angeschrieben wurde. Joh. Müller gesch. d. schweiz. eidgenossensch.² (1786) 113.
gewerf das verbalsubstanti
Fundstelle: Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5628, Z. 33
zu werfen, dem das präfix ge nur noch als bildungssilbe dient, ohne eigentliche bedeutung zum ausdruck zu bringen, vgl. angels. geweorp. Bosworth-Toller 466ᵃ.
1)
die collectivbildung gewerf in der bedeutung von wurfzeug, geschütz. die belege fallen spät, erst von der mitte des 15. jahrh. ab; sie reichen für den lebendigen gebrauch nicht über das 16. jahrh. hinaus. die mittelhochdeutsche epik hatte sich, wo sie schleudermaschinen erwähnt, auf die spezialbezeichnungen beschränkt (trîbok, blîde, pfeteraere, mange u. a.), von collectivbildungen wurde zwar wohl schon das heutige geschütz (s. d.) verwendet, aber anfänglich mit beziehung auf pfeil und bogen und ähnl. handwaffen. unsere bildung dagegen taucht zuerst in der verbindung mit dem groben geschütz der feuerwaffe auf (neben büchse vgl. tormentum Diefenbach 588ᵇ), wird aber gerade in den spätesten belegen, den übersetzungen aus antiken schriftstellern, auf die primitivsten formen des wurfzeuges angewendet. das genus, soweit es gekennzeichnet ist, erweist sich als neutrum. vgl. Basler chron. 4, 193; Serranus dict. lat. germ. (1540); Dasypodius a. a. o.; Ochs gesch. d. stadt Basel 3, 450.
a)
isolierte verwendung (das substantiv neben dem verbum): und hatent min herren vor wol 14 tag enteil buchsen und das gewerf do oben ... wan si hatent die brug denen geschosen, und das gehus ... und fast das slos verwuest mit dem gewerf. Hans Brüglinger (1445), s. Basler chron. 4, 193; am 15. tag des obbestimpten monats, in der nacht umb das ein, fuͦrtent die von Basel ir gewerff uff 13 wegen gon Rynfelden in die statt, das si das schlosʒ domit bewurffen. Heinrich von Beinheim (1445), s. Basler chron. 5, 375; diese alle fuͦhren in 8 schiffen mit einem gewerff gehn Straszburg, welche tausent zuͦ fuͦsʒ unnd hundert pferdt darzuͦ gabe, die schluͦgen sich zuͦ den uberigen puntsgenossen ... legerten sich endtlich für Mülberg und Graben, schoszen und wurffen in die vestungen. Christian Wurstisen Baszler chron. (4, 24) 243; und weil ihnen aus dem stein mit schieszen feindlich zugesetzt wurde, liehen ihnen die Basler ihr sogenanntes gewerff, um das schlosʒ mit groszen steinen zu bewerfen. solches wurde den 15. juli ... (1445) hinaufgeführt. Ochs gesch. d. stadt Basel 3 (1819), 450;
das werffen hielten sie auff bald
krefftigklich mit der lincken handt ...
gewerff ein jeder zuͦher bracht
das wir als von den thuͤrnen brachen,
von heusern und von hohen dachen,
in solchen unsern letsten nötten,
muͦsten wir uns also retten
mit solchem gewerff, mit solchen pfeilen.
Th. Murner, verdeutschung v. Vergils Aeneis (2, 245 ff.: contra turris ac tota domorum culmina convellunt; his se, quando ultima cernunt ... parant defendere telis) 41ᵇ.
b)
verbindung mit synonymen.
α)
darumb so sich einer mit geschütz oder gewerff iebet, und den furgonden eigen man durch schüsset, sol man dar von underscheidlichen reden. Murner instituten (1519) 113ᵇ (jaculis ludit et exercitatur); demnach so namend si den krieg dest ee widerumb für dhand, von wegen des rauhen ungelegnen orts, da si verhofftend den vorteil zehaben, unn von den hohen bergen herab mit irem gewaͤrff und geschütz an die Roͤmer zuͦ fallen. Stumpf schweiz. chron. (11, 20) (1548) 361ᵇ, ebenso (1606) 673ᵃ.
β)
am 17. tag des augsten zugent die von Basel fur Rynfelden das schlosz, mit grossen buchsen, gewerff und anderem kriegzug. Heinrich von Beinheim (1445), s. Basler chron. 5, 377; do belaͤgert der Kaͤmpter abt und der gottʒhusʒ-vogt von Ramschwag und die berg-lụͤt desselben gottz-huszes die burg ze Appenzell, wurffend und schussend darin mit bliden, boleren und anderm gewerff. Tschudi schweiz. chron. 1, 200ᵇ Iselin.
c)
in wörterbüchern wird diese bedeutung des wortes vom 16. bis zu anfang des 17. jahrh. mehrfach verzeichnet: gewerff, tormentum, balista Dasypodius T t 4ᵇ; vgl. auch ebenda: tormentum, ein jetlich gewerff, kriegsruͤstung, damit man schiesset M m 2ᵈ; balista, ein gewerff oder boͤler, ein kriegsruͤstung, damit man stein, kaat, schelmen, unnd anders geworffen hat D 3ᵇ; tormentum ... item ain jeglich gewerff, kriegzsrüstung, damit man scheust. J. Serranus D 8ᵇ (vgl. ballista, ein werffzeug c 3ᵇ); ganz ähnl. Faber 875ᵃ (balista ... ein geschuͤtz, oder maurbrecher 102ᵇ); gewerff, instrumento da tirar piedre Hulsius (1605) 63ᵃ; gewerff, kriegsrüstung, damit man etwas würfft, balista, tormentum quo tela aut lapides jaciuntur, quam nunc bombardam appellamus Henisch 1598; die späteren wörterbücher verzeichnen unter den lat. stichworten nur andere bildungen, steinwerffer, werfzeug u. a.
2)
mit dem vorherigen berührt sich die ganz vereinzelte verwendung für das aufgeworfene, der erdaufwurf; der labial ist hier als verschluszlaut überliefert: dann sie die mauer sicheln mit stricken abkereten und wenn sie die gefast hetten, zogen sie solche mit reiszarmbrosten hinein, entzogen uns auch die gewerb und schantzen durch heimliche geng deste bas. Ringmann Caesar (de bello Gallico 7, 22) (1565) 242 (aggerum cuniculis subtrahebant).
3)
die collectivbildung mit der engeren, auch an werfen, wurf ausgebildeten, bedeutung des gebärens bei thieren, gewerf = partus: im fruͦling ziehen sie (die thynni) mit hauffen usz dem hohen moͤr, in das moͤr der insel Ponti, und leichen niergent anderszwo. das jung gewerff heisszt cordilla (cordyla appellatur partus), und folget den alten nach, die uff den herbst wider ins moͤr streichen. H. Eppendorff übers. von Plinius naturgesch. (9, 11), s. 109.
4)
auch die function des nomen actionis, wie sie unser neueres verbalsubstantiv ausprägt (s. unter gewerfe), kommt schon in der älteren kurzen form rein zum ausdruck: das hab ich nechst an einem ort, da man ein ubelthetige person gerichtet hat, ein geschrei, geduͤmmel, gelauff, gerauff, gewerff mit schneebaln, schnollen, und anderm, gesehen und gehoͤrt. Jacob Ayrer histor. processus juris (2, 5) (1597), s. 524.
gewerf
Fundstelle: Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5629, Z. 67
bildungen, bei denen fraglich bleibt, ob sie zu werfen oder werben zu stellen sind, vgl. sp. 5624.
1)
das lateinische vorago in der sage von Marcus Curtius wird einmal durch gewerf übersetzt: eʒ geschach zuͦ Rom, enmitten in der stat, daʒ sich ein fraisleich gruft auf tet ... do antwurtten sie (die götter) also der fraislich gewerf wirt nicht zuͦ getan, den eʒ laʒʒ sich ettwer willichleich hinein. gesta Romanorum, Keller, s. 34 (non claudetur haec vorago, nisi aliquis voluntarie se immergat); man könnte hier an wirbel, strudel (vorago) denken und so auf werben zurückgehen. ein anderer versuch (vgl. mhd. wb. 3, 727) will die erklärung aus der bedeutung schlund gewinnen und lehnt unsere verwendung an den jägerausdruck gewerf (vgl. unter 2) an; damit kämen wir auf gewerf = gelenk (s. o. sp. 5489 ff.) als ausgangspunkt. näher liegt es, hier die glosse uzwerf, jactus (terrae) heranzuziehen, die Graff 1, 1040 aus den Hraban-Keronglossen anführt, ohne dasz sie bei Steinmeyer-Sievers 1, 194 in dieser form zu belegen ist; auszerdem vgl. zerwurft = zwiespalt Schmeller 2², 998; vgl. auch zerwürfnisz und s.gewerf II, 2.
2)
gewerf als jägerausdruck, vgl.: gewäff, gewerf, gewerft, gewehr, waffen, dann schneid, nennt man die untern langen zähne einer sau Heppe 148 u. a., s. oben sp. 4742. das wort ist zuerst aus Wickram belegt, bald nach ihm taucht es auch in den buchungen der jägersprache auf, von denen aus es dann in die allgemeinen wörterbücher überdringt. litterarisch ist es auszer bei Wickram nur ganz selten belegt. die erklärung bereitet grosze schwierigkeiten, weil sich mehrere möglichkeiten darbieten, ohne sich durch entscheidende gründe stützen zu lassen. die zusammenstellung mit gewerf = vorago (in den gest. Romanorum) könnte auf gewerbe = gelenk zurückführen. Adelung knüpft an werfen an: die hau oder fangzähne der wilden schweine, weil sie damit gleichsam um sich werfen. 2, 660. wer die erklärung auf dem wege der bedeutungsentwicklung zu gewinnen sucht, wird die synonyma, mit denen dieses gewerf sich verbindet, beachten müssen, und da führen die collectivbildungen gewehr, gewäff, waffen, die alle kampfwerkzeuge kennzeichnen, auf das oben unter gewerf II, 1 angeführte collectiv. vielleicht musz sich die erklärung jedoch auf das lautliche gebiet beschränken und der formellen berührung mit gewehr und gewäff das hauptaugenmerk schenken.
a)
litterarische belege:
die frucht, so uff den baumen stundt,
weder œlber noch die lorber,
vor disem schwein mocht bleiben mehr.
inn summa, welcher baum frucht trug,
es mit seim gewerff darnider schlug.
Wickram (Albrechts Ovid 8 cap. 6 v. 574) 7, 365 Bolte (von Bartsch in seiner ausgabe Albrechts übernommen: mit sînem gewerfe);
dem lewen mocht sein sterck und grimm
inn keinen weg gehelffen nimm,
das wildschwein sein gewerff nichts bat,
den hirschen auch sein schnelli hat
nichts gholffen inn der grossen fluͦt.
(1. cap. 12 v. 579) 7, 26;
sein gwerff und zeen er (der eber) fürher warff
gewetzet wie ein messer scharff,
die warn schier einer elen lanck.
(8. cap. 6 v. 547) 7, 364, ebenso 7, 372: mit scharpffem gewerff. (8 cap. 8 v.) 807;
da kam ein schwein, sein gwerff was scharff.
(irr. bilger 18ᵇ) 4, 158 Bolte;
das schwein hat starcke waaffen unn gewerff. Sebiz vom feldbau 569; das gleiche Meurer jagd u. forstrecht 64ᵇ; jägerkunst Bᵃ;
allein das gröszte schwein, voll bosheit und voll list,
thät brauchen sein gewerf und schlug um sich gar freche.
Breitenfeldische schweinhatz (1631) bei Opel u. Cohn 279, 91.
b)
belege der wörterbücher: gewerf, ist ein weidw., heisset die scharffe waffen des hauenden schweines. Schottel 634ᵇ; gewehr. in der jägersprache die zähne der wilden schweine, welche man waffen und gewerff nennet. (jagdw.) Jablonski allg. lex. d. künste u. wissensch. (1721) 247ᵃ (vgl. auch ausgabe von 1767, s. 534ᵇ); gewehr, gewerff, oder waffen ... die vier grösten zähne der wilden hauenden schweine ... mit welchen sie leute und hunde darnieder zu schlagen vermögend sind. allg. ökonom. lex. (1731) 827; genau so Chomel 4, 1045; Eggers kriegslex. 1, 1055; ähnl. Zinck ökonom. lex. 947; Stahl forst-, fisch- u. jagdlex. 1, 1040 (vgl. unten theil 13, 285); Adelung 2, 660; Schwan (1783) 1, 745ᵃ; Nemnich deutsches wb. d. naturg, 192 (gewähr, gewärft); Hilpert 1, 464ᵃ; gewerf, waffen der raubthiere. Fulda versuch einer allg. teutschen idiot. samml. 583; gewerf (auch gewerff, gewehr, fänge, hauer, haderer und waffen genannt) heiszen die eckzähne der wilden schweine. Behlen 3, 418; vgl. auch Heinsius 2, 435ᵃ; H. Laube jagdbrevier 258; Thiel 4, 428ᵇ; Trains. 351.
Zitationshilfe
„gewerf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gewerf>, abgerufen am 16.10.2019.

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