gewehr n
Fundstelle: Lfg. 5,6 (1904,1906), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5396, Z. 24
während am grundwort (vgl.wehre, f., s. d., wehr, n., s. d.) das femininum die oberhand gewann (vgl. sich zur wehr setzen, die brustwehr, die wehre an der seite, wehrgehänge), ist dieses in der zusammensetzung mit dem präfix 'ge' ganz durch das neutrum verdrängt worden. dieses neutrum hat seinen verwendungskreis in der neueren sprache verhältnismäszig ausgedehnt, während es zugleich seinen bedeutungsumfang in höherem grade einengte. namentlich wurden die bedeutungen wieder abgestoszen, die ursprünglich dem femininum zukamen und die von hier aus auf das neutrum übertragen waren.
1)
vorgeschichte des neuhochdeutschen neutrums.
a)
die althochdeutsche periode kannte zwei formen des zusammengesetzten wortes (s. Graff 1, 930): das fem. kiweri (in den zusammensetzungen peingiweri [wibo], periscelidas; prustkiweri, rationale) und das nicht nur in glossen, sondern auch litterarisch belegte neutrum:
thoh sluog er imo in wara   thana thaʒ zeswa ora.
nist, ther widar herie   so hereron sinan werie,
ther ungisaro in noti   so baldlicho dati;
ther ana scilt inti ana sper   so fram firliafi in thaʒ giwer,
in githrengi so ginoto   sinero fianto.
Otfrid 4, 17, 9;
giwer, stimuli Monseer und Tegernseer glossen des 10. u. 11. jahrh. zu Gregor cura past. (3, 14) bei Steinmeyer-Sievers 2, 189 (vgl. stimuli, strîta Züricher codex, ebenda 2, 239). insoweit sich aus diesem spärlichen material schlüsse ziehen lassen, prägt sich im fem. giweri das defensive, im neutrum das offensive moment aus. dieses vorwiegen des defensiven momentes läszt sich auch an dem althochd. fem. weri nachweisen, das sehr zahlreich belegt ist.
b)
im mittelhochdeutschen wortschatz überwiegen die zeugnisse für das fem. gewere, gewer im gegensatz zum neutrum, vgl. mhd. wb. 3, 511ᵇ. 512ᵇ. Lexer 1, 985, nachtr. 207. die belege sind allerdings auf einen kleineren kreis von denkmälern beschränkt, sie weisen auf mitteldeutschen sprachgebrauch. auch die lautverwandtschaft mit den unter gewahr (vgl. oben sp. 4763 ff.), gewähr (vgl. oben sp. 4784 ff.) gekennzeichneten formen erschwert die entscheidung; in einigen fällen ist sie anscheinend auch auf bedeutung und verwendung von einflusz gewesen.
α)
das femininum ist in diesen zeugnissen auf die defensive bedeutung zwar nicht beschränkt, es prägt sie aber doch am sichersten und erkennbarsten aus. wichtiger aber ist ein anderer gegensatz, der in der althochdeutschen zeit schon am grundwort hervortrat, der unterschied zwischen den functionen eines nomen actionis und denen eines collectivs. diese functionen des nomen actionis, die an dem älteren fem. giweri nicht zu belegen waren, lassen naturgemäsz auch offensive momente im bedeutungsgehalte hervortreten, während die abstufungen des collectivbegriffes das defensive moment begünstigen und fest halten.
1))
das nomen actionis.
a))
und di von Limpurg traden zu in unde daden grosze gewere mit werfen unde schieszen. Limburger chronik 76, 10 (variante wehr); und zoch der küng von Engelland darnach wider gen Frankenrich, und gewan da vil grosser stette und slosz, untz nach gen Paris, und was kein gewere wider in. Basler chroniken 5, 186; (die heiden) wusten sich nit mer zuͦ eretten, liessen sich on gewehr zu todt schlagen. Pontus u. Sidonia (druck von 1539) D 2ᵃ, ebenso (1548) 15ᵇ (in der ausgabe von 1498: on wöre).
b))
wîsen daʒ her
beide zu strîte und zu gewer.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 4678;
zum ersten so sol der durchluchtigst furst ... in allen seinen stetten, slossen, dorfern und herschaft ... lute spise und ander notturff bestellen, das alles zu der gewer noch notturff versehen werd (1472). diplom. Habsburg. 418, s. fontes 2, 2; es soll auch ein jeder mit sinen wiben, kinden und gesinden, die nit zuͦr gewere guͦt sint, schaffen und bestellen, das sie doheim in iren hüsern blibent. Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 158 Brucker.
c))
... end sich der hêre Ênêas
vaste satte te were (variante der Gothaer handschr.: zu gewer).
Eneide 5003 Behaghel;
von Sicilien Pyndarus
Arpon und Adrastus
zu gewere da saʒʒen
an einer andern straʒʒen.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 3981;
da der hertzog Wytgin dat vernam,
dat des volkes also vele quam
hei satte sich zo gewere
und mit eme mench here.
Karlmeinet 297, 64 Keller;
da irmante di gemeine zu Hademar unde stalten sich vigentlichen zu gewere mit werfen, mit geschosse unde ander grosze arbeit. Limburger chronik 63, 18 (variante zur wehre); do stelletent sich dri stette zu gewer, das ritterlichen do gevohten wart zuͦ beden siten. d. städtechron. 9, 840 (Straszb.); ain löw wenn man mitt ihm streiten will, er stellet sich auch zuͦgewere. Geiler v. Keisersberg has im pfeffer (1502) a 4ᵇ.
d))
in der verbindung mit gewehr tritt das substantiv in engere bedeutungsgemeinschaft zu den formelhaften verbindungen mit gewehrter hand (s. d.), mit gewappneter hand (vgl. sp. 5330) u. a.:
harde balde hei do gebot
allen samen sime here,
dat si balde mit gewere
den Vrantzosen zo helpe quemen
er si meren schaden vernemen.
Karlmeinet 39, 55 Keller;
der buschoff Gernas do begunde
mit sinen luten an der stunde
de hameiden hauwen.
dat sagen ich uch in truwen,
e de do von en binnen
quemen us zo den zinnen,
so was der buschoff ind sin her
mit harde starcker gewer
zu den muren in gestegen.
205, 19;
und behuͦben wir mit eren das veld, und tribent den vorgenanten roub mit gewalt und mit rechter gewer herhain, und gelang uns das von gottes gnaden wol. chronik d. stadt Zürich, s. quellen z. Schweizer gesch. 18, 132 (varianten: mit wehrhafter hand; mit rechter wehr).
2))
das collectiv. aus dem gesamtbegriff dessen, was der vertheidigung, der gegenwehr dient, erwachsen mannigfache sonderbedeutungen. dem femininum eigen ist die ausprägung des begriffes schutzwehr in der übertragung auf wehrbauten, wobei im besonderen das lautverwandte gewahr (gewahrsam) seinen einflusz ausübt. dagegen führt die ausprägung der bedeutung 'schutzwaffe' mehr zu den verwendungen des neutrums über, wobei sich gleichzeitig der übergang von der defensiven zur offensiven bedeutung vorbereitet. die allgemeinere bedeutung 'waffe' spaltet sich andererseits wieder, jenachdem die vom menschen gefertigten werkzeuge oder die der thierwelt angeborenen vertheidigungsmittel in betracht kommen. endlich setzt hier auch die übertragung auf geistige kämpfe an.
a))
die übertragung des begriffes auf wehrbauten (erd-, holz- und steinwerke).
α))
... al die wîle bûde Ênêas
sîne borch Albâne
... want he hadde wale vernomen,
dat Turnus dare wolde komen
met vele grôten here.
da engegene skœp hê sine were (Gothaer handschr. gewere).
Eneide 4540 Behaghel;
do dranc er eine
wider si alle gemeine
unz er quam an die gewer
do bestunt in ein her
den er allen wider stunt.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 18360;
herren unde knechte
zu strite und zu fechte ...
dise uʒ dem gezelde
iene uʒ der gewer
beidersit vil michel her
Agomemnon quam Hectori engein
die andern folgeten disen zwein.
8737;
do triben sie uʒer gewer
turm michel unde groʒ
die mure in ir besloʒ
alumbe die stat.
1836;
des truc her Antenor
einen zelligen uf daʒ burgtor
als grune als ein gras
einer oliven der zelge was.
er stunt uf der gewere
und wiste in dem crichischen here
er bezeichnete da mite
fride nach dem site.
15277.
β))
hier knüpft auch zuerst der pluralgebrauch an: und die burger geschatzt, die muern, thorn, bolwerck und gewere zerrissen, geschleifft. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 56; und wart so ernstlich und one underlass geschossen und gegraben, das das here in 3 tagen uff dem graben der statt bis an die rinckmueren kame und notigten ine abe alle ire gewere und schossen es sturmber. s. 55; vgl. auch: welches schloss mit solchen thürnen für sich selbs on die andern daran stossend, und mit vil andern geweren also was versichert, dz man hett mögen glauben, die gantz welt solt das schloss mit macht nit haben gewunnen. S. Franck weltb. 165ᵃ.
b))
die ausprägung des begriffes der waffe.
α))
sie namen in lip und gewer.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 4242.
β))
mit geschutze er zu allen ziten streit
er hette anders deheine gewer.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 4059;
als ich uch bewisen:
wir haben noch isen
noch geschutze noch gewer.
2148;
dit is der steide geschutze ind gewer up der steide slossen, thoirnen ind rondelen wesende. acten z. gesch. d. verf. Cölns (1468) 2, 439 u. a.; aber klagen wir, daʒ die zwen und zwenzig hieschen und wolden han und auch hant die sluszel zu dem geschutze und zu aller der gewere, die die stad hatte und billich han sal. Mainzer beschwerdebrief v. 1333 in d. städtechron. 17, 23.
γ))
und lief vil drate
an gewere und ane swert
wider zu dem holtze wert.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 18020;
darumb so gebiedent unse heren allen iren burgeren ind ingesessenen, die harnesch weren mœgen, dat sich mallich darzo stelle mit gewer ind harnesch in gereitschaft zo sin. acten z. gesch. d. verf. Cölns (1460) 2, 384 u. a.; mit iren wapen ind gewer dat raithuiss in den raitzthoirn zo verwaren. 1, 417 u. a.; alle burger unde kouflute, die zu der stat gehoren unde alle berclute unde huttelute, arme unde riche, di mugen tragen unde vuren allerleie gewere, waʒ si haben. Freiberger stadtrecht 39, 6 Ermisch; darumbe daʒ sie selbe nüt gewer suln han. Schwabenspiegel § 248 Laszberg; vort haint unse heren v. r. oeverdragen in geboiden, dat gein man, hei sij, wer hei sij, dach noch nacht geine swertze noch ungewoenliche lange metzer noch anders ungewoenliche gewer draigen en sall. (1460), acten z. gesch. d. verfassung Cölns 1, 389 Stein; ouch sal man den wirden sagen, dat si bedacht sin up di ghene si in ire herberge ontfangen und warnen si, dat si vredesam sint und sich enthalden van aller gewalt und geine gewer endragen. Kölner aufzeichnung des 15. jahrh., d. städtechron. 12, 376; von der gewer und von den waffen ... und wer mit ainem spizze, mit ainer hacken, oder mit ainer semleichen wer begriffen wiert, der ist dem richter bestanden mit drin vierdungen und der stat mit ainem. stadtrecht v. Brünn (schöffensatzungen) 206 Röszler.
δ))
übertragung: wir suln uns ouch guͦrten. weliche wise wir suln daʒ vleisch twingen von suntlicher geluͦst und suln stebe haben an den handen. daʒ ist die geistliche gewere. daʒ ist der kirchgange. daʒ ist die wache und die vaste und daʒ gebet und ander guͦte werk. da mit sule. wir uns weren den unsichtlichen huͦnden. pred. d. 14. jahrh. 62 Leyser.
ε))
wie waffe (vgl. theil 13, sp. 286) wird auch gewehr auf den geschlechtstheil übertragen: und krigen tzwene mit enandir ... und loufit irre eines wib tzu und wil irem manne helfen. und vehet ienes mannes gewere und undir den beiden mag der man vorterbit werden, man sal ir di hant abesniden an den achselen. d. alte kulmische recht 5, 24 (variante in A und ebenso im Sachsenspiegel: ding; vgl. auch: und streckt jre hand aus, und ergreifft in bei seiner scham, so soltu ir die hand abhawen. 5 Mos. 25, 11). ähnlich auch später, vgl. sp. 5406.
β)
das neutrum ist in übereinstimmung mit den aus althochdeutscher zeit beigebrachten belegen auch in der mittelhochdeutschen zeit fast ausschlieszlich auf die bedeutung 'waffe' beschränkt. vereinzelte ausnahmen, die auch die function eines nomen actionis oder die bedeutung 'schutzwehr, wehrbau' zur geltung kommen lassen, sind aus dem verwendungsbereiche des femininums übergetreten.
1))
verwendungen, die vom femininum übernommen sind.
a))
wurdent die heiden so zaghaft, das si wandent, si werind alle verdorben, und woltend an alles gewer sich han ergeben. v. heiligen Karl bei Bachmann-Singer deutsche volksbücher 30.
b))
Alexander steich ûf daʒ obrist gewer
unt gebôt den sturm uber al daʒ here.
Lamprechts Alexander s. 108 Kinzel (Vorauer Alex. v. 887; Straszburger handschr.: ûf die uberisten were).
2))
die dem neutrum eigenen verwendungen.
a))
die vom menschen verfertigte waffe:
hei woulde hein zo Sassen lant.
zo eme quamen balde
beide junge ind alde,
ein vil michel her
mit menchem gewer.
Karlmeinet 297, 55 Keller;
ie der man als er dâ was
gewâpent oder blôʒer saʒ
ûf pherît ors gar sunder wân,
swaʒ ers gewers dô mohte hân
swert sper und geschütze
swaʒ zuo der wer was nütze
des wart dâ niht vergeʒʒen.
Reinfried v. Braunschweig 5340 Bartsch;
so traden die metzler und wene si zu ene namen rustig von stont en entgein hert buszwendig die zune mit irm geschotze unde gudem gewere und wanten die vihende mit ganzer macht. Limburger chronik 103, 31; vort so gebiedent unse heren v. r., off iemans binnen irre stat ind gebiede mit dem anderen kivende wurde, so verre dat sij zo metzeren of anderem gewer quemen. acten z. gesch. d. verfassung Cölns (15. jahrh.) 2, 351; so wer ... mit metzeren off anderem gewer einich bilde off crucifix sticht off unteert. 352; item die wachter söllen ir harnasch und gewer all tag mit inn heim tragen und nit im wachthúsli lassen. ordnung d. wachthauses zu Freiburg (1495), zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 18, 51; doch so warent die flaischhacker auch in irem harnasch und gewer und wolten nit zu der gemain, sonder enthielten sich so manlich, dasz die andern sich musten ir entsetzen. S. Meisterlin d. städtechron. 3, 141 (Nürnberg); machit ouch imandes sammenunge adir ungerichte wedir den rat mit harnische adir mit gewere, der sal das vorbuszen bi sulcher busze, als doruff gesaczt ist. Magdeburger fragen 1, 1, 19 Behrend; und rüstet sich ein jeder mit seim harnasch und gewehr in die ordnung. Pontus u. Sidonia (1539) D 1ᵃ, ebenso (1548) 14ᵇ (nachher: inn jrem harnasch unnd mit iren gewehren); vort meir ab ein man des andern logert mit geczogenem gewere mit geczogenem woffen, do her en mitte meint zcu leidigen ... was er dorumb leiden sulle. Magdeb. fragen (beilage zu 3, 5, 1) 237 Behrend; wer sein gewer rwcktt für den geswornen oder irer einem enttweicht, der sol gestrafft werden ... wer begriffen wirt mit verpottner gewer, der ist der obgesprochenn puesz verfallen, und das geweer ist verlornn. Schemnitzer stadtrecht cap. 34 Wenzel (Wiener jahrb. f. litt. 104, anzeigeblatt s. 13); so aber einer sein gewöhr, es seie was esz wölle, zuckt und aber nit schlegt, die buesz 1 [[undefined:poundsign]] d. (banntaidingsartikel der herrschaft Festenburg), österr. weisth. 6, 96; wan einer käm ein auswendiger mann in ein wirts haus und hätte ein gewöhr, und trunck ein seitel wein, und so er das ander begehrt, so mag der wirt die wöhr von ihme fordern. (bantaiding zu Wartenstein), weisth. 3, 713.
b))
das den geschöpfen angeborene vertheidigungsmittel:
ein ander tier dâ vore gât
daʒ tugende vile hât:
daʒ ist ein edel pantere.
eʒ treget an sîneme gewere
die liehten siben varwe
die der priester treget an deme alter.
Crescentia 45.
vgl. auch c), β)), 2)) (sp. 5400).
c)
die letzten ausläufer des femininums in der neuhochdeutschen periode. es ist im einzelnen nicht immer möglich, die dem femininum und die dem neutrum angehörigen belege sicher zu scheiden, denn gerade auf dem so häufig belegten mangel einer kennzeichnung des genus beruht die leichtigkeit, mit der das neutrum die concurrenzform verdrängt. im folgenden ist da, wo die flexionsformen und andere kennzeichnungsmittel im stiche lieszen, der sonstige sprachgebrauch möglichst zur entscheidung herangezogen.
α)
das nomen actionis: dasz je vier und vier wider einander in der gewehr waren. Philander 1, 641; dazu vgl. eine andere verwendung, die sich aus den oben angeführten beispielen ungezwungen erklärt: von weinseufern und vollen zapfen, die ihr hertz mit wein beschweren und saufen sich aus der gewehr, und werden toll und voll. Mathesius Syrach 2, 48ᵃ; wie man an dem grossen Alexander erfahren, der soffe sich aus der gewehr. Sarepta 15, 764, vgl. Göpfert sprache d. S. 36.
β)
der collectivbegriff.
1))
die bedeutung 'wehrbau' ist nur noch in der composition erhalten, wo sich aber das präfix später abstreift: oder mit einer mauer und kleinen brustgewehr umgeben. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1743) 327. vgl. auch brustgewehr bei J. Rachel satir. gedichte 8.
2))
die bedeutung 'waffe': so hat das häszlein kain ander gewöre, dann es wüscht auff und laufft hinweg. Geiler v. Keisersberg has im pfeffer a 4ᵇ. vgl. auch oben b), β). 2)), b)) und unten 2), b; so bald die Teutschen das erfaren, haben sie ire gewehr zu handen genommen, und begert inen zu helfen. Boner Herodian deutsch 162ᵇ; als wir zu iren flekhenn unbesorgter ding annkhomen, khamen sie unns aus irenn heusserenn mitt irer gewer, pogenn und pfeilen in frieds weis entgegen. U. Schmiedel reise nach Südamerika 74 Langmantel; ire gwöhr seind drei schlingen. Herold Diodorus 249; ir gwöhr ist ein schilt manns lang. 257; mit entploszter gwöhr. 258; (die christen) lieffen die heiden an, namen jn jre gewehr, schlugen und stachen in sie. Pontus u. Sidonia (1539) D 2ᵃ, ebenso (1548) 15ᵇ (fehlt in der ausgabe v. 1498); gee und trag all die spiesz, waffen und harnasch, die unden in der harnaschkamer seind, hinauff in mein schlafgemach, unnd wenn die werber fragen, warumb du das thuͤest, so gib ihne die gedichte antwort, und sprich, seider meines vaters abwesens hat dise gewer niemands gebraucht. Schaidenreiszer Odyssee 69ᵃ.
3))
nur ganz vereinzelt übernimmt dieses fem. noch die spätere engere bedeutung der feuerwaffe, für die das neutrum fast ausschlieszlich eintritt: derjenige soldat ... ist für ein grober bachant ... zu achten, der sich für ein soldaten ... auszgibt, und die erste elementen, welches sein die handgriffe seiner gewehr (der muskete), nicht weisz. Joh. Jac. v. Wallhausen alphabetum pro tyrone pedestri ... (1615) 9; das erste buch, von abrichtung der solldaten in ihrer gewehr. kriegskunst zu fusz (1615) s. 1; dieweil sie die handgrieff von ihrer gewehr nicht wissen. s. 13; so sie aber auff ihren wachten sind, und gemelte personen sich offeriren ... sol ein ieglicher in seiner gewehr sein (der musketier) dasz auch, wie gewiesen, präsentieren. s. 149. in diesem, wie in dem folgenden beispiele wechselt fem. und neutr. in einem satze: daz sie sich in wehrender zeit mit ihrem gewehr so noch ungeübt, ... uben und wie sie sich mit ihrem gewehr am besten gegen ihrem feinde verhalten mögen, abgerichtet werden: da rahtschlagen die befelchshaber zusammen, wie man die sache am besten gegen seinem feind angreiffe, da hat sich je einer vor dem andern am besten in seiner gewehr geübet. s. 9.
2)
das neutrum gewehr läszt in der neuhochdeutschen periode als wesentlichen zug in den formen seines gebrauches die entwicklung des begriffes der waffe erkennen. daneben gehen in der unterströmung noch manche reste älterer verwendungen mit, zu denen sich andere gesellen, die vom absterbenden femininum überkommen sind. dahin gehört vor allem die function des nomen actionis, die einer reihe von verbindungen zu grunde liegt, welche ganz in den verwendungskreis des neutrums übergetreten sind. auch die bedeutung der wehrbauten hat sich in der neueren sprache auf das neutrum ausgedehnt, ist dort aber auf die einfache form übergegangen (das wehr im flusse). bei der bedeutung 'waffe' macht sich zunächst der gegensatz zwischen angeborener und verfertigter waffe geltend. die erstere gruppe erfährt keine eigentliche entwicklung mehr, sie hält sich aber auch neuerdings noch in der jägersprache und im gebrauch der heraldik. dagegen ist in der zweiten gruppe durch die fortschritte der technik eine gewaltige verschiebung hervorgerufen worden, indem sich neben der vorstellung der blanken waffe die neuere der feuerwaffe vordrängt. in verbindung mit dieser entwicklung steht die abschwächung des collectivbegriffes, die immer mehr sich steigernde einengung der bedeutung; doch darf man natürlich nicht annehmen, dasz die einzelnen abstufungen der beiderseitigen processe immer parallel gingen. immerhin darf als charakteristisch angeführt werden, dasz das wort gewehr in die militärische kommandosprache, in der es neuerdings seine hauptverwendung als engerer begriff findet, ursprünglich mit der weitesten umfassendsten bedeutung eingeführt wurde. allerdings hat es hier gleich eine eingrenzung mitgebracht durch den gegensatz der handwaffe gegen das geschütz (vereinzelt ist jedoch auch handgeschütz belegt, vgl. handgewehr). die feuerwaffe als handwaffe wurde nun noch lange zeit nach ihrer einführung durchaus nicht allen gliedern eines trupps zur wehr gegeben. vielmehr bedingte schon die umständliche zeitraubende ladeweise des älteren gewehrs eine combination mit der blanken waffe für die fälle, wo die truppe alle geladenen gewehre abgefeuert hatte. vor der einführung des bajonetts waren deshalb einzelne glieder mit gewehren, andereund zwar die vorderstenmit piken ausgerüstet. aus diesem grunde finden wir in den entsprechenden reglements getrennte kommandos: solche für die muskete und solche für die pike. sobald aber die einzelnen gruppen mit ihren verschiedenen waffen gleichartige bewegungen machen sollen, wird das allgemeinere und neutralere wort gewehr gebraucht, während die sonderbewegungen der einzelnen waffe je nachdem mit der beziehung auf die muskete oder den degen eingeleitet werden, vgl.: evolution mit musqueten und picken zusammen. präsentiert euer gewehr! Ch. Winker kurtzer begriff der kriegskunst (1689) s. 55; stecket euer degen ein. nehmet euer gewehr auf. präsentiert die musquet. hoch euer gewehr. schultert die musqueten. s. 63. die allgemeinere weitere bedeutung hält sich an gewehr auch noch lange, nachdem es durch den gegensatz der feuerwaffe gegen die blanke waffe auf den verwendungskreis der ersteren eingeengt wurde: im gegensatz zur muskete, flinte, büchse, pistole bewahrt sich gewehr die umfassendere bedeutung 'handfeuerwaffe' gegenüber dem 'geschütz' und gegenüber der 'blanken waffe'. in dieser richtung ist es eigentlich nur der militärische sprachgebrauch, der das wort gewehr auch in der bedeutung 'handfeuerwaffe' mehr und mehr einengte und nach länge und kaliber mit einer bestimmten form identificierte. denn der militärische sprachgebrauch ist es hauptsächlich, in dem gewehr als feuerwaffe fortlebt. in der sprache des jägers und des sports ist es wenig beliebt; im allgemeineren sprachgebrauch wird es fast nur angewendet, soweit das militärische leben volksthümlich geworden ist (vgl. sp. 5415 ff.). die poesienamentlich in den abstufungen der kriegspoesiebevorzugt naturgemäsz die blanke waffe (du stahl an meiner linken), und wo die schieszwaffe erwähnung findet, ist es die flinte und büchse, die genannt werden (so lang ein arm die büchse spannt in der 'wacht am Rhein'). die verengerung des begriffes gewehr in der bedeutung 'feuerwaffe' vollzieht sich im 18. jahrh., sie ist schon in dem preuszischen reglement von 1726 durchgeführt und geht dort parallel mit der abstreifung des collectivbegriffes, der nur noch in fes'en verbindungen wie ins gewehr treten, der posten vor dem gewehr u. a. festgehalten wird. der vereinzelte sprachgebrauch führt aber auch später die bedeutung 'blanke waffe' noch lange fort, so bei Göthe und Schiller. und in der composition seitengewehr hat ihn die heutige militärische sprache noch behauptet. an der äuszeren form hat sich beim neutrum die gleiche veränderung vollzogen, die das femininum in seinen letzten verwendungen schon zeigt, die dehnung des stammvocals, die durch die schreibung mit 'h' gekennzeichnet wird. noch Luther schwankt zwischen gewer und gewehr; ohne 'h' finden wir das subst. auch bei Schaidenreiszer, in Überlinger verordnungen von 1552, ja sogar noch bei Schütze Preuszen 111. im Simplicissimus ist das dehnungszeichen durchgeführt, desgleichen in den ältesten denkmälern der kriegslitteratur. andere schwankungen gelten der klangfarbe des vocals. auf gerundete aussprache weisen die oberdeutschen drucke, vgl.gewör Schaidenreiszer Odyssee 49ᵇ u. a., gewöhr durchweg bei Regal reglement über ein kaiserl. reg. zu fusz (1728). vielfach ist damit synkope des präfixes verbunden, gwör, gwöhr in den österr. weisthümern. andererseits weist die sehreibung vereinzelt auch auf offene aussprache: gewähr Simpl. 536 neudr. der auslaut zeigt nirgends eine annäherung an die collectivform, dagegen ist das substantiv bei U. Schmiedel nach analogie der formen auf ede gebildet: mit denen pin ich unnd anndere Hochteutsche und Niederlender, unngeferlich pisz in die 80 man, wol gerist mit pixenn unnd gewerten nach Rie dolle Platta gefahren. reise nach Südamerika 22 Langmantel. der pluralgebrauch ist vorwiegend eine errungenschaft der neueren sprache (vereinzelte belege des 15. jahrh. s. auf sp. 5398). er wird einerseits vom umfassenden begriff her begünstigt, indem die verschiedenen spielarten der waffe zur mehrzahl drängen, vgl.: ja besser als die hellebartirer und andere gewehr, die im felde nicht viel nutz schaffen können. Wallhausen kriegskunst zu fusz s. 97; derselbe war ... ein trefflicher fechter und damit er seine kunst nicht vergässe, übte er sich täglich mit mir vor die lange weile in allen gewehren. Grimmelshausen Simpl. s. 184 neudr. beim engeren begriff andererseits begünstigt die mehrzahl der träger der gleichen waffe den pluralgebrauch. die festen formeln der kommandosprache widerstreben hier zwar zähe, sie lassen auch heute noch, ob das kommando an einen einzelnen oder an viele gerichtet ist, den singular vorwalten (das gewehr über). aber der alarmruf ins gewehr hat doch der neueren formel an die gewehre platz machen müssen.
a)
die verwendungen, die vom femininum übernommen sind.
α)
das nomen actionis bildet den untergrund einer reihe von verbindungen, deren geschlossener zusammenhang das substantiv der collectivbedeutung entgegenführte. dadurch wurde andererseits auch der übergang vom fem. ins neutrum begünstigt.
1))
hierher gehören formeln wie ins gewehr rufen, ins gewehr bieten, ins gewehr stehen, in denen allen das substantiv sachbedeutung angenommen hat (s. sp. 5405). es ist hier nicht möglich im einselnen zu entscheiden, wo der bedeutungsübergang vollzogen ist und wo nicht. dagegen dürfte hierher gehören: jhr (der Treglodyten) gewehr ist mit schlingen werffen. buch d. liebe 218, 1;
vil stett sich brocht hant jnn gewer
und achten ietz keins keisers mer.
Brant narrenschiff 99, 119 Zarncke;
wir laerten die gassen bald, weil nider gemacht ward, was sich im gewehr befand, und sich die bürger nicht hatten wehren wollen. Grimmelshausen Simpl. 224 neudr. vielleicht gehört hierher auch: thätliche widersetzung gegen den vorgesetzten oder auch drohen mit gewehr gegen denselben, wird mit erschieszen des verbrechers bestraft. preusz. kriegsartikel von 1808, art. 9.
2))
einen anderen übergang hat das subst. in der jägersprache vollzogen. wie das fem. wehre von der function eines nomen actionis aus die fähigkeit gewann, eine gruppe von nomina agentis zusammenzufassen (die jugendwehr, die feuerwehr), so ist auch unserem neutrum diese verwendung erschlossen worden: in noch weiterer bedeutung werden im jagdwesen auch die treiber, welche das zurück eilende wild abwehren, das gewehr oder die wehre genannt. Adelung 2, 653, ebenso Hilpert 1, 463ᵇ. Thiel 4, 422 u. a.
β)
die bedeutung 'wehrbau': ein wasserstrom, den ich mit keinem tam noch gewere kan schutzen, wenn ich in gehen lasse, so helt er sich selber auf. Luther 7, 359 Weimar.
b)
die angeborenen vertheidigungsmittel der thierwelt.
α)
dir trägt ein beer die klaw, ein hundt den scharffen zahn,
ein löwe seinen schwantz, unnd jedes was es kan.
nicht eines liebt den todt; sie lernen alle kriegen,
empfinden ihr gewehr, ersehn das ziehl zue siegen.
Opitz (lob d. kriegsgottes 410) 2, 256;
ein junger held vom muntern heere,
das nur der sonnenschein belebt,
und das mit saugendem gewehre
nach ruhm gestochner beulen strebt,
doch die man noch zum groszen glücke,
durch zwei paar strümpfe hindern kann,
der junge held war eine mücke.
Lessing fabeln u. erzählungen (der löwe u. die mücke) 1³, 164;
schnöbe doch lieber ein keiler mit krummen beschäumten gewehren,
oder ein tapfrer leu aus nächtlicher kluft ihm entgegen.
Bürger werke 246ᵇ (Dido 177).
β)
eine verengerung erleidet diese bedeutung in der jägersprache, wo das wort ausschlieszlich auf die hauzähne des wilden schweins bezogen wird. in einzelnen wörterbüchern dieser sondersprache tritt ein gegensatz in der localisierung der hauer zu tage (vgl. Heppe, Thiel gegen Kehrein). aus dieser verwendung ergiebt sich eine bedeutungsgemeinschaft mit gewäff (vgl. sp. 4742) und gewerf (s. d.), doch läszt sich erkennen, dasz gewäff der weitere, gewehr hier der engere begriff ist: der keiler führt in seinen eckzähnen waffen, gewerft, hauer. Döbel jägerpractica 1, cap. 7; gewäff, gewerft, gewehr, waffen, dann schneid, nennt man die untern langen zähne einer sau, mit welchen sie um sich schläget; gewäff und schneid sagt man aber auch von den zähnen der raubthiere. Heppe wohlredender jäger 148; ähnl. Adelung 2, 642 (hier jedoch der unterschied zwischen gewehr und gewäff verwischt); gewehr heissen die hervorstehenden oberen eckzähne der wildschweine. Kehrein volkssprache in Nassau 1, 162; gewehr ... die krummen hauzähne in der unteren kinnlade des keilers; die in der oberen heissen haderer; statt gewehr sagt man auch gewerf. Thiel 4, 422; gewehr, the tusks or fangs of the wild boar. Hilpert 1, 463ᵇ.
γ)
allgemeiner ist diese bedeutung von der sprache der heraldik übernommen worden: gewehr ist ein veralteter und überhaupt unpassender ausdruck für 'bewehrung'. Querfurth wb. der heraldischen terminologie 54; bewehrung besteht bei dem löwen aus zunge und prankenspitzen oder krallen, bei dem adler aus schnabel und fängern, bei hirschen, stieren und anderen gehörnten thieren aus den geweihen und hörnern. 19.
c)
der begriff der verfertigten waffe in seinem weitesten umfang.
α)
die intensive ausprägung der collectivbedeutung.
1))
der collectivbegriff deckt werkzeuge, die sonst andern zwecken dienen und im einzelnen fall ausnahmsweise als waffe gebraucht werden:
ihr schäfer, sagt, wo kommt ihr her,
und leget straks ab eur gewehr (die 'schäferhaken').
Schottelius friedenssieg 35 neudr.;
und was er erstlich greift das nimmt er zum gewehr.
Joachim Rachel sat. ged. 75;
des streites zorn, des zanckens wuhl
vermehret sich durch Bachus güter.
die zwietracht langt gefässe her:
oft werden flaschen zum gewehr,
offt wechselt man, statt kugeln, krüge.
Hagedorn versuch einiger gedichte (der wein) 29 neudr.;
doch Hüon, eh' sie ihn erreichen, reisst in eile
der männer einem rasch die stange aus der hand,
schlägt um sich her damit als wie mit einer keule,
und zieht, stets fechtend, sich allmählich an die wand
ein grosser goldner napf, vom schenktisch weggenommen,
dient ihm zugleich als schild und als gewehr;
schon zappeln viel am boden um ihn her,
die seinem grimm zu nah gekommen.
Wieland (Oberon 5, 65) 22, 225.
2))
der begriff umfaszt die gesamtheit der waffen einer gruppe oder eines einzelnen menschen.
a))
dis aber ist die ursach, das sie khunen unnd mögen ihr gewer, die pogenn prauchenn. U. Schmiedel reise nach Südamerika 69 Langmantel; alle die in iren hüsern oder höfen das geschrei oder das geloafe hörent, die söllen sich mit irem redelichem gewere ilends herusz uf die gasse machen. Straszburger zunft- und polizeiverordn. 24 Brucker; weil jene (die Türken) ihr meistes gewehr entweder von der unsrigen unglücklichen feldzügen oder von der gefangenen ihrer kunst erlanget haben. christliche kriegs-trompete (1664) G 2ᵇ; das gewöhr solle widerumben zusambengebracht, geseubert, beschriben und herrn ristmaister eingehendiget werden. (freiung d. gemeinde St. Andrä 1667), österr. weisth. 6, 528; als hat auch ein jedweder geschlecht (fuszvolk, reiter) seine absonderliche art von gewehr und maniere im exerciren. Backhausen 2; nam die festen ort sampt jhrem gewehr ein. buch der liebe 214, 3; der thurm Davids kann kein zeughaus sein, wo inwendig gewehr ist. Herder (lieder der liebe 1778) 8, 649.
b))
und was dasz ärgste war, so hatte ich auch kein gewähr: ja auffs eusserste auch meinen kräfftigen pilgerstab nit bei mir, mit welchem ich mich auf den nohtfall trefflich wolte gewehret haben. Grimmelshausen Simpl. 536 neudr.; so hat doch ein kind das hertz, mit seiner muszqueten allein, einem solchen praler zu pferd, wie du einer bist, gegen all seinem gewehr im freien feld, nur zu fuss zuerscheinen. 228; zuletzt fing ich an, mich desz kochens zu unterwinden, und meinem herrn das gewehr, darauff er viel hielt, sauber zu halten. 137; dasz ein jeder seine corporalschafft ... wohl in acht nehme, fleissig das gewehr und montierung visitiere. Ch. Wincker kurtzer begriff der kriegskunst (1689) s. 80.
3))
vor allem ist es die verbindung mit synonymen oder mit bedeutungsverwandten resp. ergänzenden collectivbildungen, die den umfassenden begriff festhält.
a))
waffen oder gewer. Geiler v. Keisersberg brösaml. 1, 99ᵇ; esz soll kein partei, esz sei burger oder ander, welche der handl angehet, für den richter, verwalter und andere ihre beisizer mit kein gewöhr oder waffen erscheinen, und kein verhör halten, allein sie legen ihr gewöhr von ihnen. und da jehemand sein gewöhr nicht von sich legen wolte in verhörsachen, der ist von dem richter umb 3 β. zu straffen. artikel d. marktes zu Hermagor (1562), österr. weisth. 6, 424, diser rahtschlag brach ausz, und ward (als man sagt) im land Appenzell zu Urnäsch an der kirchwihe beschlossen, auff den 28 tag julii, desz 1489 jars zusamen zukommen in der gruͤb ob Rorschach, unnd der sach mit geweer und waaffen ausztrag zugeben. Stumpf chronik 379ᵃ; waffen oder gewehr Boxel anweisung der kriegsübung (1675) 71 u. a.; ich liesz alle wehrhaffte personen auf der insul zusammen ruffen, ihr gewehr und waffen ergreiffen. insel Felsenburg 1, 323 neudr.; sie waren auch in warheit so köstlich ausgerüstet, dasz die feinde ... vermeinten, sie führten mehr eine reiche beute ihre säkkel damit zu füllen, als gewehr und waffen wider sie zu streiten. Zesen gekrönte majestät 70; sie steiffen sich allein auff gewehr und waffen, und starcke kriegsmacht, wir aber wollen wider sie streitten in dem nahmen gottes. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen 53 neudr.; all unser gewehr und waffen seind lauter 0000 nulla nulla, da man ihnen aber ein einiges 1. wordurch ich Jesum verstehe, zuesetzet, so kombt die gröste macht herausz. 55; geistliches zeug-hausz voll gewehr und waffen zu bestürmung der haupt-festung in engel-land des himmlischen Jerusalems das ist geistreichs ... bettbuch. Augspurg 1747. vgl. auch unter 4)), 5)) und 6)).
b))
du soltest vergessen des widerwillens, so sich zwischen uns zuͦgetragen hat, allain darum das die Kriechen Achillis harnasch und gewör mir und nit dir zuͦgetailt haben. Schaidenreiszer Odyssee 49ᵇ; darnach gieng si weiter in ainen gemach darinn auff ainer seiten vil gewandkästen stuͦnden, auff der andern harnasch und gewör hiengen. 88ᵃ; so man ainem alhie, wer der sei, auf die wachten oder under die thoren gebieten und von meinen herrn den wachtmaistern verschiben wurden, der oder die jhenigen sollen bi irn aidtspflichten mit gwer und harnasch in aigner personen und nit ire dienst oder knecht ... gehorsamlichen erschinen. verordnung über die sammelplätze der bürgerschaft zu Überlingen (1552), zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 17, 292; das ihr gewer und harnisch zu rathhaus in der stadt beheltniss solten eingelegt und verwaret werden. Schütze Preuszen 111.
c))
da stund ich mitten in einer wildnus wie Matz von Dreszden, beides ohn speisz und gewehr, dessen ich gegen die bevorstehende nacht wol bedörffig gewesen wäre. Grimmelshausen Simpl. 434 neudr.; weil mancher sein gewehr und pferd, ja sogar sein weniges commisz-brot verspielete. 153; also mondirten wir uns ausz meinem geld wie 2 cavalliers, beides mit kleidungen, pferden, dienern und gewehr. 381; wir kamen noch vor nacht zu unsern gesellen, da ich meine kleider und gewehr wieder nam. 192.
d))
in einigen dieser verbindungen mag auch schon auf die feuerwaffe neben der blanken waffe bezug genommen sein: volgente unterthonen sein schuldig verbröchliche oder mallefizpershonen so woll bei tag alsz nacht mit gewöhr, auch rosz und wagen zu erscheinen und selbe einzuhollen und sodan nach ordnung die wacht zu halten. landgerichtsordnung von Groszlobming (17. jahrh.), österr. weisth. 6, 293; ihr sollt abziehen, mit gewehr, pferden und rüstung. proviant sollt ihr dahinten lassen. Göthe (Götz) 8, 113; ihr wisset wie nahe mir der todt zu sehr vielmahlen gewesen, wie gott den feinden offt ihr gesicht, gehör, geschosz und gewehr gebunden und gehalten; dasz, indem sie auff mich geziehlet, unnd an das hertz gesetzet, die streiche losz unnd in die lufft gegangen. Moscherosch insomnis cura parentum 11 neudr.;
kurtz: der das land geprest,
ward todt darauf gestreut; und dessen uberrest
must über hals und kopf, nach seiner heimat weichen:
und hinterliesz der marck geschütz, gewehr und leichen.
Besser (auf den groszen kurfürsten) schriften 47;
es hat ihm aber gott, durch die vorbitt der himmels königin und Joannis desz tauffers zu ruck gestossen, und zwar der gestalten, dasz er darbei 3 ding verlohren, ehr verlohren, heer verlohren, und gewehr verlohren. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen 69 neudr.;
du weisst, was jetzt den rath mit bangen warten quält.
vielleicht, dasz dieser streich geschwind und glücklich fällt.
vielleicht, dasz das geschick, das noch den wütrich stützet,
zum wohl des vaterlands verschworne helden schützet.
denn noch ist nichts entdeckt, als was ein dunkles blat
von mannschaft und gewehr kaum halb verrathen hat.
Lessing (Henzi 1) 5³, 102.
4))
wie schon oben erwähnt, liegt einer reihe feste verbindungen mit verbis ursprünglich ein nomen actionis zu grunde, das aber im zusammenhang der wortverbindung zurücktritt und durch den collectivbegriff verdrängt wird. dieser bildet andererseits bei einer andern reihe ähnlicher verbindungen von vorneherein den ausgangspunkt. auch hier wird im verlaufe der kriegstechnischen entwicklung allmählich die feuerwaffe gegen die blanke waffe vorgedrängt. an manche verbindungen knüpft, wie auch sonst gern bei gewehr, übertragener gebrauch an. vgl. 6)).
a))
weil das gedräng beides von lauffenden und reitenden zimlich dick worden, hätte ich schon damals den verstand gehabt, der wache ins gewehr zuruffen, weil in solchem geläuff eine stat am besten einzunehmen sei. Grimmelshausen Simpl. 232 neudr.;
es steht vortreflich schön,
ihr herren, rufft die bürger ins gewehre,
dasz sie entgegen gehn,
und in der reihe stehn,
ja dasz der held die spiele klingen höre.
Christian Weise der politische näscher 362;
wurde ein soldat beim unterricht gefragt: 'warum rufst du die wache ins gewehr, wenn ein groszer geschlossener zug von vielen menschen vorüber zieht?' Auerbach schatzkästlein 2, 115; ins gewehr rufen, to call to armes. Hilpert 1, 463ᵇ; ob nun wohl hierdurch die studiosi sehr verbittert wurden, musten sie doch, weiln die guarnison ins gewehr gebothen wurde, sich begütigen lassen. Ettner mediz. maulaffe 374; holla! ins gewehr! ins gewehr! die nacht ist niemands freund. Gryphius Horribilicribrifax 10 neudr.; ungeacht dises, sagt der könig Asa, bursch ins gewehr, es musz gefochten sein. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen 58 neudr.; ihr leute, kombt mir zu hülffe, es ist ein dieb da ... rausz ins gewehr, es ist eine alte hexe da. J. Hübner Christkomödie (1, 2) 6 neudr.
b))
in aller ehr   ins gewehr
gegen den feind   ein jeder soldat erscheint.
lied des 17. jahrh. bei Hoffmann v. Fallersleben gesellschaftslieder 2, 51;
bei jeder wacht ordnet der corporal von der wacht ein schnarchwachte, welche so die wacht ins gewehr musz, auffmuntert. Wallhausen kriegskunst zu fusz s. 139; am allerersten sprang Floris herfür, liesz den stück-lieutenant zu sich fordern, und befehlen, man solte sich allerseits ins gewehr stellen. Erasmus Francisci indisch-chinesischer lustgarten 1, 103; ich ... flüsterte ihm zu ... und flugs stellte er sein ingenium ins gewehr und die lustige nachtcomödie wurde eröffnet. Friedrich Arndt bei E. M. Arndt schriften f. m. l. D. 1, 45; die schildwachten vor dem gewehr müssen vor allem denjenigen, vor welchen die wache ins gewehr gehet oder austritt, zu rechter zeit herausruffen ... und keinen näher als einige schritt vom gewehr avanciren lassen, bevor sie geruffen. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1743) s. 432; und wann die wacht ins gewehr gehet, und ein kerl nicht augenblicklich bei seinem gewehr ist. s. 437; rechts umkehren und die bursche aus dem gewehr gehen lassen. s. 439; vor einem ins gewehr treten, présenter les armes a quelcun. Rädlein 1, 382ᵇ; ihr elenden, ihr werdet bald vor mir in's gewehr treten. Göthe (grosz-cophta 5, 8) 14, 248; worüber sogar das feldgeschrei verändert worden und einige bataillons in's gewehr getreten. (belagerung v. Maynz) 30, 279.
c))
endlich kahm seine majestät auf den 25. mestag in den Haag, da sie die bürgerei ebenmässig, mit neuen fahnen vor der leibwacht, im gewehre gefunden. Zesen gekrönte majestät 365; wie sie an des generals logiment kamen, stund die haupt-wache im gewehr. Ettner mediz. maulaffe 319; wenn die soldaten im gewehr oder sonder gewehr stehen. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 37; im gewehre stehen, in armis esse. Steinbach 974; im gewehre stehen, to stand in arms. teutsch-engl. lex. (1716) 771; im gewehre or unter dem gewehre stehen, to be under arms. Hilpert 1, 463ᵇ; die schildwache ... präsentiert und ruft: unterofficier heraus, burschen ins gewehr! so lange bis die wache im gewehr ist, gestattet sie nicht, dass sich die ronde der wache nähern darf. dienstunterricht für die unteroffiziere (1816 Berlin) s. 21; soll jede compagnie 5 mann ubercomplets haben, welche niemahls im gewehr marchiren, ausser, wann ein kerl kranck wird. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 5.
5))
verbindungen, in die das substantiv von vorneherein mit der sachbedeutung eintritt.
a))
als ... auch die kerls den damen zulieffen, wie die soldaten ihrem gewehr und posten, wan sie die trommel hören lermen rühren. Grimmelshausen Simpl. 90 neudr.; ich und der fourierschütze rufften alsbald lermen und mordio, also das alles dem gewehr zulieff. 166; zum gewehr, zum gewehr ihr ritterliche helden. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen 53 neudr.; so aber, da ich als ein religions-spötter, atheist und ignorant ausgeputzt bin, läuft alles zum gewehr, was unter dem gelehrten trosz nur beine hat. Edelmann selbstbiographie (1750) 188; ihre leute bei das gewehr treten ... lassen. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1743) s. 438; die schildwache vorm gewehr. dienstunterricht für die unteroffiziere (1816 Berlin) s. 71.
b))
ich versprich auch das ich dem gast ... von fuͦsz auff klaiden, mit waffen und gewör notdurfftigklich versehen, und wohin er begert mit zörung reichlich abfertigen will. Schaidenreiszer Odyssee 90ᵃ; ich versah mich alsdann auf allen fall in meinem quartiere mit gewehr. Heinse (Ardinghello) sämmtliche schriften 1, 43; einige mit gewehr versehen, quosdam armis instruere. Steinbach 974; mit geweer wol gerüst, instructi ferro. Maaler 179ᵃ; während dasz Renault das arsenal bestürmt, wird der kapitän das gefängnis von Sankt Markus erbrechen, und die gefangnen mit gewehr ausrüsten. Schiller (verschwörung des marquis v. Bedemer) 4, 155; im plural: einen mit geweeren wol rüsten, armis aliquem instruere. Maaler 179ᵃ;
heraus, aus deiner wolfesgruft,
furchtbares heldenheer,
heraus zum streit in frische luft,
mit muth und schlachtgewehr.
Gleim (herausforderungslied vor der schlacht bei Roszbach) kriegslieder s. 18 neudr.
vgl. auch das beispiel aus Freiligrath sp. 5416.
c))
erwäge, wie vergnügt ich nachmals zugesehen,
als durch der zwietracht wuth die trennungen geschehen,
wenn der parteien schwert sich wechselsweise schlug,
ein Römer wider Rom gewehr und harnisch trug.
J. Chr. Gottsched Cato 1, 7;
gewehr tragen, arma gerere. Bayer 291ᵃ; ein gewehr tragen, esse cum telo. Steinbach 974, vgl. auch unter d).
d))
die geweer von im geben oder von im legen. Maaler 179ᵃ; also hiesz der keiser, da der tag angieng, alle die, so auf dem berge warteten, von der höhe auff die ebene kommen, und ir gewehr auff das erdtrich legen. Ringmann Caesar 129ᵃ;
du armer kriegesmann, du machst wol nieder legen
nun alles dein gewehr, bis gar auff deinen degen.
Dietr. v. d. Werder Ariost 11, 25ᵇ;
das gewehr niederlegen, hastas abjicere, dare. Aler 395ᵇ; gewehr niederlegen, sich überwunden geben, arma abjicere, palmam dare, herbam porrigere. Bayer 291ᵃ; gewehr strecken, s. poser. Eggers kriegslex. 1, 1055; als der letzte rest der armee in Lübeck das gewehr strecken musste. aufzeichnung von C. W. H. Sette aus dem jahr 1806 bei G. Freytag (bilder aus der d. vergangenheit) 21, 383; zur weiteren entwicklung dieser festen verbindungen vgl. sp. 5408 ff. 5413 ff.
6))
übertragener gebrauch (vgl. oben 3)), 4)), 5))); als Jacobus sagt in epist.: wir haben kein anderen harnisch und gewerh dan den glauben. Luther 9, 587 Weimar; das sind kurtzlichen die dreierlei gewher, welcher ich mich hie gegen Lutern gebrauchen, und in ob gott wil damit uberwinden wil. Emser gegen Luther, s. Luthers und Emsers streitschriften 14 neudr.; das (schreibzeug, federzeug u. s. w.) ist eines studenten rüstung und gewehr. Amos Comen. Janua (1644) 232; eben so wenig dörffte dieser höllen-bock jenen baurn mit dem gewehr desz gebets gnugsam bewaffnet angetroffen haben. Erasmus Francisci der höllische Proteus (1695) 193. zur übertragung auf das sexuelle gebiet (s. sp. 5399 oben), vgl.:
halt an, mein liebster kommt! verstekket das gewehr.
Rachel sat. ged. 104 neudr.
β)
die abschwächung des collectivbegriffes, die verengerung der bedeutung in der richtung der einzelwaffe ist die eigentliche grundlage, auf der sich der heutige begriff des neutrums aufbaut (vgl. unter d, sp. 5409 ff. an und für sich ist jedoch diese verengerung nicht an die ausbildung des begriffes der feuerwaffe gebunden, sie findet sich auch zahlreich belegt für die blanke waffe, ja ebenso auch für waffen anderer art.
1))
der allgemeinere begriff waffe.
a))
sobald die sturmbglock geschlagen wird, ein ieder, der sich wehren kann, ... mit habendem gewehr, in dessen ermanglung aber mit hauen, schauflen, gablen oder dergleichen instrumenten an das assignirte ort oder sammelplatz laufen sollen. (1702), s. zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 18, 140; hatt ein jeder in seinem hausz das nechst gewehr ergriffen, eintweder ein langen spiesz, ein axt, ein schweinspiesz, ein kolben, oder was einer sonst in solcher eil scharffs zu beschirmung seines leibs ergreiffen mocht. Boner Herodian deutsch (1565) 146ᵃ;
so antwortet des Bachus ländlicher spröszling,
weil sein krummes gewehr drohend erhebet der gott.
Voss Tibull (des Priapus lehre 1, 5, 8) 53 (armatus curva falce);
es sollen auch die unterthonen samentlich ain jeder mit seinen bösten gewehr den mallafitzischen helfen heraus belaiten an alle widerröht. gewohnheit des freithales Kleinfölk (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 9 anm.; der gemeine mann, wann er auf dem rechten fusz niederkniet, lasset die rechte an dem gewöhr ... dasz ... das gewöhr dem linken fusz paralel komme und dieses darum, weilen ein gewöhr, das da losz gehet, in den reihen und gliedern keinen schaden auf solche weis thun kan ... die ober-officier hingegen fällen das ihrige (sc. gewehr) und die unter-officier halten es wie die musquetirer. Regal reglement über ein kais. regiment zu fusz s. 19; die gefreiten ... mit ihren flinten auf dem arm marschieren ... die fendrichs aber, die allezeit ihre fahnen und zwar auf der lincken seiten (damit sie ... den degen mit der rechten ziehen und sich wehren können) ... tragen ... zwischen ihnen ... stehen die führers ihre springstecken ... tragend wie die feldwaibels das kurtz gewöhr ... ist der unterschied des gewöhrs zu keinem andern ende introducirt, als die chargen dadurch zu unterscheiden. s. 5; es solle auch keiner ... mit ainem ungebührlichen, noch verborgenen gewehre für oder zu der gemainde nit erscheinen. (gemeindebuch v. Planneil 1583), österr. weisth. 4, 143; am lächerlisten war ... dasz mich eine weibs-person, mit einer ziemlich starck angefüllten katze voll geld, über den kopf schlug, ... da aber diese amazonin durch einen gewaltigen hieb über den kopff in ohnmacht gebracht, hatte ich zeit genung, mich ihres kostbaren gewehrs zu bemächtigen. insel Felsenburg 1, 269 neudr.; lernt einmal, sterbliche, dasz die natur alle wissenschaft für uns versteckt hat; so wie eine sorgfältige mutter aus den händen ihres kindes ein gefährliches gewehr windet. Lessing (d. neueste aus d. reich des witzes) 4³, 392.
b))
mit der abschwächung des collectivbegriffes geht die entwicklung des pluralgebrauches hand in hand: arma, die waffen, gewöhre. Meder 183; mit geweeren darein schlahen. Maaler 87 (decertare armis); mit helmbartten, spiessen und andern gewehrn. Aimon b; hatten sich noch 3 mannes und 4 weibspersonen vom lager erhoben, welche uns mit höltzernen gewehren darnieder zu schlagen vermeineten. insel Felsenburg 1, 269 neudr.; er hätte auff der Teichmacher-gasse bei Buffoni seinem hause ein paar liederliche und zerlumpete kerle mit prügeln gesehen, die ihm ziemlich verdächtig wären vorgekommen, und weil er ein gutes lüstgen bei sich gemercket hätte, von diesen kerlen wegen ihrer nachdencklichen gewehre und kleidung rechenschafft zu fordern ...; so hätte er einen seiner guten freunde ... suchen ... wollen. Kuhnau musicalischer quack - salber 68 neudruck; haben sie was von gewehren, so sinds bogen. Prätorius catastroph. muhammet. 179; todtschläger, die geschehen mit waserlei gewehren. Wincker s. 95; wann ich dan satt war zu musiciren, liesz ich den kürschner kommen, der mich im paradeisz in allen gewehren unterwiesen, mit demselben exercirte ich mich, um noch perfecter zu werden. Grimmelshausen Simpl. 260 neudr., ebenso s. 184. vgl. auch sp. 5402.
2))
die engere bedeutung der blanken waffe ist sicher gestellt.
a))
durch die zeit, in die die handlung verlegt ist: zu den damaligen zeiten führete nemlich in ganz Griechenland ein jeder gewehr bei sich, weil ihre wohnungen durch keine mauren gesichert waren, und keiner sicher zum andern gehen durfte, daher waffen, so wie bei den barbaren, ihre ordentliche tracht waren. Heilmann Thucydides (1760) 7;
wenn so der Troer, als Achäer schaar
ihr glänzendes gewehr zu grase streckt,
so will er itzt allein, um Helena
und all ihr gut, dem Menelaus stehn,
Bürger Ilias 3, 118 (in der übers. in hexametern: die schönen waffen; bei Voss: das schöne geräth);
man koppelte die rosse fest in reihn,
und stieg herab, und streckte das gewehr
je eins am andern auf den boden hin.
ebenda (114; Voss: zogen die rüstungen aus).
b))
durch den zusammenhang: die trabanten sollen ... mit jhren gewehren (hellebarden) auf den dienst warten. Fronsperger kriegsordnung 51ᵇ; was die pique für ein gewehr ist. Backhausen 33; das gewehr oder pique von der erde uff und abzunehmen. 34 u. a.;
ei lieber, er hat sich erstochen,
fürwar ich hab es wol gerochen ...
ich werde mich wol auch erstechen ...
schaut, hier liegt Piramus gewehr.
Gryphius Peter Squenz 38 neudr.;
das ist ein säbel, der mir im polnischen kriege dienste gethan hat ... ich wuste, dasz ich mich auf mein gewehr verlassen konte. Weise die drei ärgsten erznarren s. 100 neudr.;
nun macht sich das gefolg der mode zu ihm her.
ein kleiner geist besieht sein schreckliches gewehr;
den degen, den so oft das Jen'sche pflaster fühlte,
und der sich oft mit blut im wilden zweikampf kühlte.
Zachariä d. rennommist, 4. ges.;
betrachte diesen stahl. — du trittst bestürzt zurücke,
voll weibscher schüchternheit! du wendest deine blicke,
gerührt und still, hinweg! in einem augenblick
giebt dies gewehr mir ruhm, und stolz und ruh zurück.
J. Fr. v. Cronegk Olint und Sophronia 4, 3 schriften (1760) 1, 344;
seht! ich hab ein gewehr; ein schöneres hieng niemals an eines soldaten hüfte. ich habe den tag gesehen, da ich mit diesem kleinen arm, und diesem guten degen mir durch mehr hindernisse einen weg machte, als zwanzig solche wächter wie ihr seid. Wieland Shakespeare 7, 396 f. (Othello 5, 9); mit dem schwert wollt ihr mit eurem hauptmann rechten, banditen? ... streckt die gewehre! euer herr spricht mit euch! Schiller (räuber 5, 7) 2, 332; wenn Phädra dem Hippolyt den degen von der seite reiszt, so müssen der schauspieler und die schauspielerin sich wohl vorgesehen haben, damit sie sich in dem augenblicke nicht allzuweit von einander befinden, und damit die schauspielerin nicht nöthig hat, das gewehr, dessen sie sich bemächtigen will, erst lange zu suchen. Lessing (theatral. bibliothek 1, 4, auszug aus dem 'schauspieler') 6³, 149; zu der zeit kamen mir einige kleine türkische dolche in die hände, wovon sowohl griff und scheide als auch die klinge von eisen war; zugleich fand sich auf diesem gewehr das schönste blätterwerk nach türkischer art eingegraben und auf das zierlichste mit gold ausgelegt. Göthe (Benvenuto Cellini 1, 6) 34, 84; und als ich sah, dasz sie mir aufs beste gelang, fuhr ich fort mehrere dergleichen gewehre zu machen, welche schöner und dauerhafter als die türkischen selbst ausfielen. ebenda; was soll es heiszen, dasz ihr den säbel ziehen laszt; auf der stelle gewehr ein. Sybel gesch. d. revolutionszeit 4², 397.
c))
bei einzelnen festen verbindungen wird die beziehung auf die blanke waffe, die beim litterarischen gebrauch nicht immer aus dem zusammenhang ersichtlich ist, durch die angaben der wörterbücher sicher gestellt.
α))
sihestu nicht, wie mancher feldwaibel bei seinem kurtzen gewehr grau wird. Grimmelshausen Simpl. 246 neudr.; von solchen hatten etliche lange spiese, andere musqueten, kurtze gewehr, partisanen, fähnlein, auch trommeln und pfeiffen. s. 42; es sollen auch alle knechte, so spiesz und kurtze gewehr tragen, mit guten starcken seitengewehren versehen ... und keiner seiner rüstung, seiten- oder andere gewehr verändern. Wincker kurzer begriff der kriegskunst (1680) 90; hernach die officiers und unterofficiers das sponton und kurtzgewehr in die hand nehmen. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 11; die officiers und unterofficiers müssen die leute immer encouragiren (im gefecht) ... und wenn jemand zu weichen anfangen wolte, selbigem den degen, das esponton oder das kurtzgewehr in die rippen stossen. (1743) s. 347; denn obgleich er noch das kurzgewehr eines unterofficiers trug, hatte ihm doch die königliche gnade bereits den sponton des officiers in aussicht gestellt. G. Freytag (ahnen 5, 2) 12, 212; kurtz gewehr, une espée, une courte espée, ensis, brevior gladius. Duez deutsch-franz.-lat. dict. (1664) 198ᵇ; kurtz gewehr, courte espée, spada curta. Hulsius (1616) 138ᵃ; kurtz gewehr, partisan, partizgiane, partuisane. Rädlein 1, 382ᵇ; kurtzes gewehr, kurtze waffen, arme corte, des armes courtes, comme épée, poignard, bayonnette, pistoles etc. ebenda; kurtz gewehr des corporals, bipennis. Aler 395ᵇ; kurtz gewehr der corporal, helleparte, bipennis. Bayer 291ᵃ; die unteroffiziers müssen das kurz-gewehr auf die schulter so tief herunter tragen, wie die pursche die kolben vom gewehr, das eisen musz allezeit flach liegen. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1750) 172; lang gewehr, longue espée, spada longa. Hulsius (1616) 138. Henisch 1596; langes gewehr, longue épée. Rädlein 1, 382ᵃ; breites gewöhr, latus, largus, gladius. Henisch 1596; breit gewehr, une espée large, latus ensis. Duez (1664) 198ᵇ. Rädlein 1, 382ᵃ; spitzig gewehr, spada acuta. Hulsius (1616) 138ᵃ. Henisch 1596; spitzig gewehr, pfriem oder klinge, verutum lance. Emmel nomencl. trilinguis 402; spitz gewehr, framea. Aler 395ᵇ.
β))
an das gewehr wider seinen officier greiffen. J. Boxel anweisung der kriegskunst (1675) (register) zu art. 77; ein soldat, der an sein gewehr greift wider seinen obersten. (F 2ᵇ); der eine schelm fiel meinem pferde in den zaum, und ehe ich noch nach dem gewehr greiffen kunte, ward ich umbringet. Ettner medic. maulaffe 243; diese (6 reiter) nicht faul, legten die hand an das gewehr. 65; das gewehr ergreiffen, arma capere, sumere, ad arma venire. Aler 395ᵇ. ähnl. Kirsch 180ᵃ; nach dem gewehr (degen) greiffen, den degen zucken ... mettre la main à l'épée. Rädlein 1, 382ᵃ;
er setzt
mich stolz zur rede, und in blinder wuth
vergisst er sich soweit, nach mir zu schlagen,
so schwer gereizet greif ich zum gewehr,
er sinnlos wütend stürzt in meinen degen,
und fällt durch meine willenlose hand.
Schiller (Demetrius) 15², 444.
d))
in anderen verbindungen deuten schon die zugezogenen verba oder attribute auf die blanke waffe hin: das gewehr ausziehen Boxel art. 32 (3. buch E, vgl.: wer ... sein degen auszzieht. artikelbrief der miliz von 1590, ebenda E 4); hṙermit zog er (mein vetter) vom leder, jener (der räuber) wolte lange nicht, muste aber doch endlich sein gewehr blössen. Ettner medic. maulaffe 243; solte aber jemand das gewehr auf ihn zucken, oder gar hand an ihn legen, derselbe soll das leben verwürcket haben. kriegsarticulbrif bei Wincker s. 122; Leonhard Kifer, ein burger, unterstund sich, als er ... auf die wache commandirt wurde, das gewehr wider seinen hauptmann Ivo Striegel zu ziehen und ihn am kopf zu verwunden. vgl. Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 359.
e))
andere formen der verbindungnamentlich der compositionstehen schon unter dem einflusz der beziehung auf die feuerwaffe. sie entspringen zwar zum theil noch einer periode, in der gewehr fast ausschlieszlich auf die blanke waffe ging (vgl. die belege für obergewehr bei Stieler), aber sie werden umgebildet und weiter entwickelt durch das bedürfnis, die beiden hauptarten des gewehrs zu kennzeichnen, die blanke waffe gegen das schieszgewehr abzuheben: diese feinde mich nicht allein mit schiesz- sondern auch mit dem seiten-gewehr zu delogiren suchten. Schnabel insel Felsenburg 4, 61, vgl. unter schieszgewehr theil 9, sp. 49; das gewehr der soldaten wird in ober- und untergewehr, eingetheilet, welches letztere auch seiten-gewehr heisst, worunter degen, säbel, bajonets etc. verstanden werden. Eggers kriegslex. 1, 1648; nicht weniger soll ein jeder sein obergewehr und sonderlich die muszquetirer ihre muszqueten und zubehör in guter gewahrsam ... halten ... da aber in zügen und wachen sich befinden solte, dasz einer sein gewehr gegen den feind nicht gebrauchen könne, soll derselbe darum an leib gestrafft werden. Wincker kurtzer begriff der kriegskunst 91; mit sack und pack, auch ober- und niedergewehr. Micrälius 5, 280; obergewehr, hasta, sicelix, bipennis. Stieler 2510; obergewehr, telum humerale. Steinbach 974; undergewehr, ensis, gladius. Stieler 2510. Steinbach 974; in ganzer uniform mit ober- und untergewehr. Auerbach ges. schriften 1, 27; schoderer ... mit klasse und kehrum — amtsdiener ... mit ober- und untergewöhr. wb. des Konstanzer Hans (1791) bei Kluge rothwälsch 257; halte für alle fälle die wache bereit mit ober- und untergewehr. G. Freytag (ahnen 5, 2) 12, 325, vgl. auch theil 7, sp. 1087; stehet ihm (dem fähndrich) nicht zu, die soldaten, wie dem leutenampt ... gebühret, mit worten, viel weniger mit brügeln oder blossen seiten gewehr zustraffen. Wallhausen kriegskunst zu fusz (1615) s. 17; angehend sein seitengewehr, achte ichs furs nützlichste, daz es kurtz seie, als hawer, sebel, ... auch im eindringen und einfallen, besser gewehr umb sich zuhawen. s. 33; schefte klasse, kehrum, schaberbartle, kimmel und walze und gute waider bekanum? — sind wir auch versehen mit pistölen, seitengewehre, stimmeisen, pulver und bley und guten säken? wb. des Konstanzer Hans bei Kluge 256; vgl auch seitengewehr theil 10, sp. 394.
d)
die verengerung des begriffes in der bedeutung 'feuerwaffe'.
α)
auch dieser engere begriff entwickelt wieder abstufungen. die allgemeinere und weitere bedeutung der feuerwaffe überhaupt wird in der militärischen fachsprache verdrängt durch die vorstellung einer nach länge und kaliber genau bestimmten unterart.
1))
die allgemeinere bedeutung: doch ein jeder hauptman sol dahin trachten, dasz er am meisten muszquetirer, und nicht jungen, die er mit rohren oder anderem leichtem gewehr beladen musz, habe. Wallhausen kriegskunst zu fusz s. 42; suchten das verlorne feuerrohr ... wie sie aber nichts fanden ... sagten sie, schämet euch ins hertz hinein, dasz ihr euch von einem einigen kerl erschröcken, verjagen und das gewehr nehmen lasset. Grimmelshausen Simpl. 139; explication derer handgrieff .. (mit der flinten) last das gewöhr sincken; (mit musqueten und schweinsfeder) schwenckt die musquet vorwerts; (dem kurtzen gewöhr) lasset das kurtze gewöhr vorwärts sincken. Regal reglement über ein kaiserl. reg. zu fusz 185; dasz deine muszquetirer zu allen orten können ihr gewehr gebrauchen und gegen dem feind präsentiren. Wallhausen kriegskunst zu fusz 83; mercke jetzunder, dasz du sie wol unterweisest, dasz ein jeglich glied sein gewehr gleich abnemme, gleich hoch halte, gleich fertig mache, gleich anlege ... gleich einer dem andern schiesse, und so sie geschossen, gleich die muszqueten auffheben und widerumb laden. ebenda; wie mir einfällt ... wir könnten die terzerolen nöthig haben ... ich gab sie dem bedienten, sie zu putzen und zu laden; und der dahlt mit den mädchen, will sie erschrecken, und gott weisz wie, das gewehr geht los, da der ladstock noch drin steckt ... seit der zeit lass' ich alles gewehr ungeladen. Göthe (leiden des jungen Werthers) 16, 65; er überreichte Alberten das zettelchen, der sich gelassen nach seiner frau wendete und sagte: gib ihm die pistolen ... langsam ging sie nach der wand, zitternd nahm sie das gewehr herunter, putzte den staub ... und hätte noch lange gezögert, wenn nicht Albert durch einen fragenden blick sie gedrängt hätte. s. 185; 'ladet alle gewehre! es fehlt doch an pulver nicht?' ... 'jeder hat fünf paar pistolen geladen, jeder noch 3 kügelbüchsen dazu'. Schiller (räuber 2, 15) 2, 263; wo die musketen hernehmen? die gewehre, welche heimlich in der landschaft gesammelt wurden, hatten jede art von kaliber, und es waren meist leichte jagdflinten, im krieg auf die länge gar nicht zu gebrauchen. G. Freytag (ahnen 6, 6) 13, 103; 'jetzt ersuche ich euch, meine jagdflinte anzunehmen, da ich höre, dasz ihr gern auf die jagd geht'. er überreichte ihm das gewehr; es war ein neuer gestickter tragriemen daran, und der jüngling wusste wohl, woher dieser kam. (5, 2) 12, 228; neben der durch das jagdvergehen verwirkten strafe ist auf einziehung des gewehrs ... zu erkennen. strafgesetzbuch für das deutsche reich § 295. der weiteste bedeutungsumfang erhält sich in der verbindung klein gewehr, die besonders gerne in gegensatz zum geschütz (grobes geschütz) gestellt wird: dunket mich, dasz, weilen das kleine gewöhr, schaden zu verhüten, blind geladen wird, auch die stuck ohne kugel zu lösen seind. Regal reglement über ein kaiserl. reg. zu fusz s. 11; ich stieg auf den obersten boden, wo ich zwar die gegend zu sehen gehindert war, aber den donner der kanonen und das massenfeuer des kleinen gewehrs recht gut vernehmen konnte. Göthe (dicht. u. wahrh. 3) 24, 154;
wenn endlich die kanone brummt
und knattert's klein gewehr,
trompet' und trab und trommel summt,
da geht's wohl lustig her.
(kriegsglück) 1, 149;
inzwischen stunden wir noch immer im feindlichen kanonenfeuer bis gegen 11 uhr, ohne dasz unser linker flügel mit dem kleinen gewehr zusammentraf, obschon es auf dem rechten sehr hitzig zuging. G. Freytag (bilder 4) 21, 214.
2))
die engere bedeutung der militärischen fachsprache: der kaliber des preussischen infanteriegewehrs. schützendienst für jäger ... offiziere (1807) s. 76; bürgergarden ... können ihre uniformen behalten ... und sollen, so wie es die umstände gestatten, mit gewehren versehen werden. modificationen des preusz. landsturmedicts (17. juli 1813; vgl. dazu aus der verordnung vom april des gleichen jahres: die landwehr ... wird im ersten gliede mit piken, in den beiden hintern gliedern mit flinten bewaffnet); beim herantreten hat der jäger oder schütze die büchse beim fusz, wie der soldat das gewehr. preusz. exerzierreglement von 1847, 1. absch., 3. cap., § 10, s. 29; sämtliche zur bewaffnung der bürgerwehr-compagnien verwendeten gewehre, büchsen, sensen und pistolen sind in der hospitalcaserne ... abzugeben. erlasz des Mainzer festungsgouvernements am 21. mai 1848; die waffen im ersten glied piken, im zweiten und dritten gewehre, der reiter führte eine pistole, säbel und pike. G. Freytag (bilder aus der d. vergangenheit 4, 10) 21, 420 (vgl.: das erste glied des fussvolks waren lanzenträger, das zweite und dritte trug womöglich gewehre. s. 425); in unserer compagnie sind etwa hundert stutzen und eben so viele gewehre nach dem modell. (ahnen 6, 8) 13, 145.
β)
von diesem gegensatz zwischen engeren und weiteren begriff abgesehen sind namentlich die verwendungen und verbindungen zu beachten, die durch die besondere beziehung auf die feuerwaffe bedingt werden.
1))
der gegensatz gegen die blanke waffe wird hervorgehoben, vgl. c), β), 2)), e)): es ward ihnen angeboten, sie ohn pferd und gewehr, jedoch mit dem was der gürtel beschliesse, passiren zulassen; aber sie wolten sich nicht darzu verstehen, sondern mit ihren carbinern wie muszquetierer wehren. Grimmelshausen Simpl. 224 neudr.; was quält ihr mich lange? verlangt ihr mein blut? setzt alle eure schwert, gewehre auf meine brust her, mordet satt. Maler Müller Golo u. Genoveva (5, 11); wie sie in Frankreich drüben den könig fortgejagt und republik gemacht haben und auch bei uns alles freiheit gerufen und wer da gewollt hat, mit säbel und gewehr herumgelaufen ist. Auerbach neues leben 2, 271; die mit feuergewehr bewaffneten leichten reiter kommen schon im jahre 1515 unter dem namen arquebusiers zum vorschein. der schützendienst für jäger ... offiziere (1807) s. 49 (einl.) u. a.; das exerciren des landsturms soll ... darin bestehen: die mannschaft zu gewöhnen, in massen und gliedern zusammen zu stehen und sich zu bewegen ... mit piken und heugabeln umzugehen, damit die feindliche cavallerie zurückzuweisen, diejenigen, die feuergewehre haben, im schieszen zu üben. königl. verordnung über den landsturm vom 21. april 1813 (gesetzsamml. f. d. preusz. staaten); wer ohne polizeiliche erlaubnisz an bewohnten oder von menschen besuchten orten ... mit feuergewehr oder anderem schieszwerkzeuge schieszt. strafgesetzb. § 367, 8, ebenso § 368, 7; gewehr, schieszgewehr oder feuerröhre lat. arma. Cchomel 4, 1042; mousquete, ein schieszgewehr. Eggers kriegslex. 2, 244; schieszgewehr vgl. theil 9, sp. 49; ein mörderischer kampf erhebt sich, der nahe feind giebt dem schieszgewehr keinen raum, die wuth des angriffs keine frist mehr zur ladung, mann ficht gegen mann, das unnütze feuerrohr macht dem schwert und der pike platz. Schiller (gesch. d. 30 jähr. krieges 3) 8, 288; nach seiner rückkunft macht ihn herzog Alexander zum münzmeister, und schenkt ihm ein vortreffliches schieszgewehr. Göthe (inhaltsübersicht zu Benv. Cellini) 34, 9; es ist unwahrscheinlich, dass sie ... einen angriff mit säbeln gegen die mit schieszgewehr bewaffnete bürgerwehr beabsichtigten. bericht über die Mainzer ereignisse (1848) in den verhandlungen d. d. nationalversammlung (1) 95.
2))
in der militärischen fachsprache wird der einzelne je nach der waffe, die er trägt, benannt; so tritt gewehr früh in beziehung zur waffengattung des musketiers: dan sie müssen nicht al zu dicht geschlossen sein, (die glieder), sonderen jhre arme frei haben (die musquetierer), und das gewehr bequämlich gebrauchen können. Joh. Boxel anweisung der kriegsübung 1675 E; aus Pommern wird berichtet, ... dasz ein mächtiges kriegesheer von norden oder mitternacht kommen, der gestalt, dasz man anfänglich die muszquetirer und doppelsöldner, mit ihrem gewehr, darauff die artollerei ... ziehen sehn. Prätorius Turcicida (1664) Aᵃ; dasz sie (die muszquetirer) wissen mit ihrem gewehr ümbzugehen. J. G. Pasch exerzieren in der musquet 8; hier unglücklicher weise begegnete ihr, da sie eben durch die hinterthür entschlüpfen wollte, ein trupp feindlicher scharfschützen, der bei ihrem anblick plötzlich still ward, die gewehre über die schultern hing, und sie unter abscheulichen geberden mit sich fortführte. H. v. Kleist (marquise v. O.) 4, 18 Zolling.
3))
die technik der feuerwaffe bringt ihren besonderen, immer complizierter sich entwickelnden mechanismus im sprachgebrauch zur geltung; namentlich ist es hier die ladeweise und die abfeuerung, die die verwendungen beherrscht.
a))
hierher gehört schon die verdrängung der verbindung 'im gewehr' durch 'unter dem gewehr', die sich aus der art, in der die muskete fast ausschlieszlich getragen wurde, erklärt (zur ableitung von im gewehr aus dem nomen actionis, vgl. sp. 5405): es musz ein jeder soldat, wann er auff schildtwacht gestellt ist, wissen, dasz er keinen menschen bei nacht er sei freund oder nicht ... unter sein gewehr soll lassen kommen ... dann wann er jm zulässet unter das gewehr kommen, so ist er nicht allein geschlagen, sonder auch gefangen, also dasz er kein zeichen mit dem gewehr desz lärmens ... geben kann. Wallhausen kriegskunst zu fusz s. 139; wisse auch die ursache, warumb ich dich weise die muszqueten hinden hoch zutragen: erstlich ist es deinem mitsoldaten fürnemlich bequem, so hinder dir stehet, dasz du jhm mit deinem gewehr nicht hinderlich seiest, er sich villeicht dran stosse. s. 35; und kann ... dein hinter-mitgesell unter dem gewehr leichtlich hindurch marchieren. J. G. Pasch 4; die bataillons und compagnien sollen allezeit ... complets unterm gewehr sein. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 229 (allezeit complete im gewehr sein. ebenda); es musz kein kerl unter dem gewehre und unter währenden exerciren den kopf rühren. (1743) 45; der posten unter dem gewehr wird ihnen den rücken kehren. G. Freytag (ahnen 5, 2) 12, 255; ein armer soldat war, von einem unmenschlichen vorgesetzten über alles ertragen hinaus gereizt, unter dem gewehr gegen diesen thätlich ausgefallen. K. Immermann (memorabilien) 18, 42. schlieszlich wird die verbindung als feste formel auch da angewendet, wo es sich um die blanke waffe handelt: bei eröffnung des akts ... die acht doctoren an ihrem platz; die wache unter dem gewehre (sie ist mit schwertern bewaffnet). Schiller (Turandot 5, 1) 13, 477.
b))
einzelheiten der technik: im freien felde kommen die gezogenen röhre ... nicht so bald in brauch; früher kommen sie beim scheibenschieszen in aufnahme. es ist demnach sehr wahrscheinlich, dasz selbst die ersten in den armeen aufgenommenen jägerkorps mit glatten gewehren bewaffnet waren. der schützendienst für jäger ... offiziere (1807), einleitung (s. 28); daher behalf man sich nicht blos mit glatten gewehren ... zu Leipzig brauchte man schon 1498 gezogene röhre beim scheibenschiessen. s. 55; gezogene gewehre führten die tirailleurs (des franz. revolutionsheeres) nicht, aber ihre ordinairen musketen waren besser gearbeitet, als die der Deutschen. s. 42; aber schon hängt in jedem hause, wie ich vernehme, das gezogene gewehr und harrt der ernsten prüfung. G. Keller (Martin Salander) 8, 6; und die, welche einst bei der freicompagnie gewesen waren, griffen nach dem gewehr, das lange verstäubt im winkel gestanden, und prüften die schlagfeder. G. Freytag (ahnen 6, 9) 13, 180; müssen ihre bursche sich niedersetzen lassen, aber darauf sehen, dasz sie das gewehr auf der kolbe in die höhe stehend allezeit in den händen behalten. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1743) s. 355; zudem ist wirklich die schiefe richtung des aufgepflanzten und mit der kolbe des gewehrs gegen die erde gesteiften bajonets dem ansprengenden pferde gefährlicher. Lessing (antiquar. briefe 39) 10³, 352; da schlug er den kolben des gewehres, welches er in der hand hielt, gegen die pflastersteine. G. Freytag (ahnen, schlusz 3) 13, 300; er sah die mündung des gewehres gegen seine brust gerichtet und dass der gehobene fusz des fürsten um den drücker fuhr. (verlorene handschr. 4, 11) 7, 393; in der compagnie ... standen zwei brüder Warnawa, soldatensöhne; sie setzten sich wechselseitig die gewehre auf die brust, drückten zugleich ab ... die schmach ihrer waffen nicht zu überleben. (bilder aus der d. vergangenheit 4, 8) 21, 373.
c))
ladeweise und abfeuerung.
α))
schütten ... pulver auf die pfanne, schwencken das gewehr zur ladung, laden wie ordinaire, schultern darauf das gewehr zugleich. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 113; die kerls müssen sehr geschwinde, indem das gewehr an die rechte seite flach gebracht wird, den hahn in die ruh bringen; hernach sehr geschwinde die patron ergreiffen ... müssen die bursche selbige sehr geschwinde kurz abbeissen, dass sie pulver ins maul bekommen, darauff geschwinde pulver auff die pfanne schütten, die pfanne geschwinde schliessen, das gewehr hurtig zur ladung herum werffen ... nach diesem musz die patron geschwinde in den lauff gebracht und rein ausgeschüttet, der ladestock ... geschwinde in den lauff gestecket und starck heruntergeschmissen werden, dasz die ladung fest angesetzet wird ... und das gewehr sogleich, ohne dasz. einer auf den andern wartet, in die höhe gebracht werden. (1743) s. 73; gehet das gewehr dennoch nicht losz und brennet nicht von der pfanne, so ist das gewehr ohnfehlbar nicht im stande oder der stein tauget nicht, wovor der capitaine von der compagnie repondiren soll; im gegentheil, wann das pulver von der pfanne brennt, und der schusz dennoch nicht loszgehet, so ist das gewehr inwendig nicht reine oder die patrone ist nicht ausgeschüttet, wovor der soldat angesehen werden musz. s. 78; ladung und lösung des gewehrs. Backhausen 52; hörst du? alles soll auf sein — in waffen — alle gewehre geladen. Schiller (räuber 5, 1) 2, 314, vgl. auch 2, 263 (s. o. sp. 5410);
wer will unter die soldaten,
der musz haben ein gewehr,
das muss er mit pulver laden
und mit einer kugel schwer.
volksweise;
es zeigte sich auch bei der späteren ablieferung der gewehre, dass noch ein grosser theil derselben geladen war. bericht über die Mainzer unruhen (1848), verhandlungen der deutschen nationalvers. (1) s. 95; wo dem reiche grosse attributionen in der theorie verliehen sind, aber es fehlt die praktische handhabe. es ist gewissermassen ein geladenes gewehr, aber es fehlt der abzug, an dem es abgedrückt werden kann. Bismarck reden 6, 47.
β))
und solte es einem oder dem andern miszlingen, dasz sein gewehr nicht losz gienge. Backhausen 13; indem erinnert er sich an sein feuerrohr, das in dieser zeit erfunden war ... hierüber bricht plötzlich sein vater aus dem gemach, und will es ihm aus den händen reissen. das gewehr geht los, und trift den vater. Lessing (theatr. nachlasz, horoscop) 3, 376; zeiget wann der muszquetirer sein gewehr gelosset ... wie er geschwind widerumb zur ladung schreiten ... kan. J. J. Wallhausen kriegskunst zu fusz, index (cap. 5); das 6. capitel weiset die handgrieff in der muszquet wie der muszquetirer auff schildtwacht oder stehend sein gewehr zierlichen und geschwind lossen sol. ebenda; wann dan die vörderste vier glieder jr gewehr gelosset und niderligen ... den hintern stehenden gliedern auch ihre gewehr zu lossen raum geben, kannst also mit fünffmal schiessen abwechseln. s. 109; nach dem schusz (der pistole) entstund ... ein solches grausames knallen, als wann hundert und mehr dergleichen gewehre wären gelöset worden. Ettner medic. maulaffe 692; als dann lasse dieselbigs auch niderknien, und die hinter jnen stehenden ire gewehr auch loszbrennen. Wallhausen s. 105; so können alle deine muszquetirer ... rund umb jr gewehr losz schiessen. s. 83; bringen sie gewehre und machen sie sich bereit, einigemal darunter zu schiessen. G. Freytag (verlorene handschr. 4, 11) 7, 389; ich habe mein lebelang nur einmal ein gewehr abgefeuert und ich fürchte, ich habe einer ente den kopf zerschossen, weil sie gar zu nahe vor mir sasz. (ahnen 6, 3) 13, 48.
γ)
weitaus die häufigste verwendung erfährt das wort gewehr nach dieser seite in den befehlsformen der heutigen militärischen sprache, in denen es freilich zugleich am engsten gebunden erscheint. die betreffenden formeln, die uns heute so geläufig sind, wurden jedochsoweit sie von anfang an auf die feuerwaffe zielten (andere vgl. oben unter c, α), 4)) und 5))) — nicht speziell am worte gewehr ausgebildet, sie haften ursprünglich an anderen bildungen, wie muskete, vgl.: die muszquet neben den fusz, präsentirt euer muszquet, hoch die muszquet, schultert die muszquet ... die rechte hand an die muszquet; bringt die muszquet in die lincke hand, sincken laszt die muszquet. schwenkt die muszquet zur ladung. nehmbt auff die muszquet, neben den fusz die muszquet, legt nieder die muszquet. Ch. Wincker kurzer begriff der kriegskunst (1689) s. 1 ff. im weiteren zeigt sich, dasz einzelne kommandos durch die änderung der technik in wegfall kommen, andere durch das streben, das system der griffe möglichst zu vereinfachen. manche derartige bewegung lebt dann in der allgemeinen sprache als feste formel weiter, wie z. b. das gewehr strecken. und auch an solchen formeln, die noch heute bestehen, haben sich charakteristische änderungen vollzogen. in der wiederholung macht sich das streben nach kürze auch hier geltend, ihm sind vor allem verba zum opfer gefallen. dem wirkt andererseits wieder das bedürfnis entgegen, möglichst gleich durch das erste wort der befehlsformel auf den auszuführenden griff vorzubereiten. dadurch wurde namentlich der artikel begünstigt, vgl.das gewehr über gegen gewehr ab.
1))
nemet das gewehr auff. Backhausen beschreibung deren bei der infanterie ... gebräuchlichen ... exerzitien 1; nehmet euer gewehr auf. Ch. Wincker kurzer begriff der kriegskunst (1689) s. 3; gewehr auf. exerziertaschenbuch (Geldern 1834) s. 33, ebenso preusz. exerzierreglement (1847) s. 11; gewehr hochnehmen Backhausen 32; hoch euer gewehr. schultert die musquet. Wincker s. 56 (präsentiert die musquet. hoch euer gewehr. schultert die musqueten. s. 63); mit der rechten hand an das gewehr! gewehr hoch! preusz. reglement (1726) s. 44; das gewehr hoch Eggers kriegslex. 1, 1049; das gewehr hoch im rechten arm. 1050; das gewehr auf die schulter. ebenda; gewehr hoch! (beim revidieren). exerziertaschenbuch (Geldern 1834) a. a. o.; nemet das gewehr ab. Backhausen 6; stellt das gewehr bei den rechten fusz. 45; das gewehr neben den fusz. Wincker s. 62; das gewehr für den fusz. neue instruction der infanterie (1687) s. 3 (handgriff der musquetten); das gewehr beim fusz. preusz. reglement (1726) 51. Eggers 1, 1048;
am ende ... jungens, wiszt ihr was?
auch die gewehre wandern mit! — gewehr bei fusz! — das wird ein spasz!
Freiligrath ges. dicht. 3, 129 (wie man's macht);
gewehr ... ab. exerziertaschenbuch (Geldern) a. a. o., preusz. exerzierregl. (1847) s. 11; gebet acht, das gewehr nieder zu legen. Wincker s. 62; leget euer gewehr nieder. s. 130; hie musz gewiszlich die vernunfft das gewehr niderlegen. Erasmus Francisci der höllische Proteus 605; ganz ähnlich: lustige schaubühne 2, 277; durch welche viele gefangene Sachsen zu vieren hoch spazieren, vorher aber das gewehr ablegen mussten. Bräker s. 145; (die soldaten) schlugen auf mich an, ungeachtet ich immer das gewehr streckte. 152; strecket das gewehr. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 52. das gewehr niederlegen, das unter- und obergewehr strecken und niederlegen. Rädlein 382ᵇ; als wir auf dem glacis angelangt waren ... und für uns der befehl kam, das gewehr zu strecken. lebenserinnerungen v. W. v. Wenzel. preusz. jahrbücher 118, s. 484; dat gewehr strecken in übertragener bedeutung vgl. C. F. Müller, der Mecklenburger volksmund in F. Reuters schriften s. 37.
2))
das gewehr ... auff die lincke schulter legen. Backhausen 5; schultert das gewehr. 6; schuldert das gewehr. neue instruction der infanterie (1687) s. 3; presentiret euer gewehr, das gewehr auf die schulter. Pasch 12; wann die compagnie verlesen ... lässet der capitaine das gewehr schultern. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 11; wann die compagnien ... das gewehr beim fusz haben, commandiret der major: das gewehr auf die schulter! s. 19; sobald das commando von dem paradeplatz gantz abmarchiret ist, sollen die officiers das gewehr verkehrt schuldern lassen, um die leute nicht unnöthiger weise zu fatiguiren. (1743) s. 318; achtung! gewehr auf schulter. preusz. exerzierregl. (1847) s. 11; das gewehr über! ebenda; gewehr über. exerziertaschenbuch (Geldern) a. a. o.; das gewehr von der schulter. Pasch 26.
3))
die rechte hand an die musquette und das gewehr auff die hand. neue instruction der infanterie (1687) s. 3; nemet das gewehr vom backen. Backhausen s. 13; schwenckt das gewehr. s. 14; mit der lincken hand an das gewehr! reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 44; lincks schwenget das gewehr zur ladung. s. 47; das bataillon soll chargiren! präsentiret das gewehr! das gewehr flach! pfann-deckel ab und geladen! 145.
4))
ist die wache en parade vor jemanden vorbei marschirt, so lässt der unterofficier ... das gewehr übernehmen und im geschwinden schritt antreten. begegnet er während seines marsches einem officier ... so kommandirt er: fasst das gewehr an. dienstunterricht für die ... unteroffiziere (Berlin 1816) s. 9; gewehr an! exerziertaschenbuch (Geldern) a. a. o.; fasst das gewehr an! preusz. exerzierregl. (1847).
5))
also dass das gantze regiment sich mit dem gewehr in seiner postur gegen denen, so sie ehren, mit dem gesicht wendet und kehret ... wie sie sich wenden oder kehren, das gantze regiment jhnen das angesicht präsentire. Wallhausen s. 83; präsentiret das gewehr. neue instruction der infanterie (1687) s. 3 (handgriff der musquetten); das gewehr presentiren. Backhausen 5; als dann der unterofficier oder gefreiter commandiret: präsentiret das gewehr! reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 11; commandiret der obriste ... gebet achtung! präsentiret das gewehr. s. 31; präsentiert das gewehr vor dem ehrenmann. Kotzebue dramat. spiele 3, 315; achtung! präsentiert das gewehr. preusz. exerzierregl. (1847) s. 11; bis der unteroffizier stolz über solche hilfe in linie aufmarschieren und das gewehr präsentiren liesz. G. Freytag (ahnen 6, 8) 13, 147; man musz sich daran gewöhnen, angesichts des publikums schamlos zu verfahren wie es eben geht und die schildwachen zu bewegen, dasz sie wenigstens nicht mit präsentirtem gewehr dabei stehen. Bismarck an seine gattin (Clermont 28. VIII 70).
6))
ergreiffet das gewehr. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 31 u. a.; gewehr in die hand. exerziertaschenbuch (Geldern 1834) a. a. o.; gewehr in hand. preusz. reglement (1847); vgl. dazu: wer zum feinde übergeht, und demnächst mit dem gewehre in der hand gegen se. königl. majestät truppen betroffen wird, soll mit todtschiessen bestraft werden. preusz. kriegsartikel (1808), art. 18; für die sicherheit des reiches einzustehen mit dem gewehr in der hand ... dazu sind sie alle bereit. Bismarck reden 12, 244; das gewehr gerade vor euch. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 59; vorwerts fället das gewehr. ebenda u. a.; gewehr zur attake rechts. exerziertaschenb. (Geldern); fällt das gewehr! zur attake gewehr rechts. preusz. exerzierregl. (1847); setzt die gewehre zusammen. ebenda; an die gewehre. ebenda.
δ)
verbindungen und verwendungen, die auszerhalb des rahmens der kommandosprache dem militärischen leben entspringen.
1))
beziehung auf den äuszeren dienst: dasz sie (die soldaten) perfect mit jhrem gewehr können umgehen. Boxel 3. buch G 2; (der lieutenant musz) die soldaten im gewehr unterweisen. G 3; und wan neuwe (soldaten) ankommen, musz er (corporal) sie unterweisen mit dem gewehr umzugehn. F 4; tragt wol euer gewehr. neue instruction der infanterie (1687) s. 1; die grenadiers ... müssen in geraden rotten bleiben, das gewehr woll tragen, nicht plaudern, lermen, sondern gantz stille sein. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 21; das schönste im gantzen exerciren und marchiren ist, wann ein kerl sein gewehr gut träget. und das gewehr musz mit ausgestrecktem arm veste und gerade auf der sehulter ... getragen, auch fest an den leib gezogen werden und man musz das gewehr mit 2 fingern unterwerts, und mit 2 fingern oberwärts der kolbe anfassen. s. 38; im lande Baachter waren zwei brüder eines vaters, die er vor unverzagte männer hielte, als die sich auff pferde, heerlager und völcker zu gebiethen verstünden, dasz sie starck als ein elephant, tapffer im leben, und künstlich ihr gewehr zu führen, waren. Olearius der persianische baumgarten (Hamburg 1696) s. 13ᵇ; dasz die leute nicht bewaffnet sind, ist allein der französischen regierung, nicht dem guten willen der legion und ihrer oberen zu danken; wenn es ihnen nicht verboten wäre, gewehre zu führen, so würden sie sie ganz gewisz haben. Bismarck reden 4, 105; endlich raunte der major dem assessor, welcher gerade bei ihm vorbeimarschirte, halblaut zu: gewehr anziehen! G. Freytag (ahnen 6, 8) 13, 147.
2))
auch der innere dienst wird zum groszen theil durch die fürsorge für das gewehr und dessen sauberkeit bedingt: er musz auffsicht auff der compagnie gewehr haben ... dasz die soldaten jhr gewehr sauber ... halten. Boxel 3. buch (G); wann die compagnie das gewehr in die hand nimt ... müssen die officiers ihre glieder revidiren, die ladestöcker in den leuf stecken, das gewehr visitiren, ob es inwendig rein, lappen oder ein alter schusz darinnen stecke. reglement vor die königl. preusz. infanterie (1726) s. 11; wie ich das gewehr rein halten, die montur anpressen, mich auf soldatenmanirer frisieren sollte. Bräker der arme mann im Tockenburg 121; der eine beschäftigte sich mit gewehrputzen. 143; den lohn für die wäsche, für das gewehrputzen. s. 120. vgl. dazu auch die scherzhafte umdeutung von gewehröl (s. d.): ich vermeinte, sie wären capitain de armis, so das gewehr zu besichtigen pflegen. Abele künstl. unordn. 2, 15. auch hieran knüpfte eine übertragene und sprichwörtliche weiterentwicklung an: einem das gewehr vistieren.
3))
um so schlimmer wird dem gewehr mitgespielt, wenn zucht und ordnung gebrochen, das dienstverhältnis aufgelöst wird. das gewehr ist ein object, an dem die empfindungen des soldaten sich unmittelbar entladen: mit was ... fluchen und schweren wirt den commissarien offt das gewehr von manchem ... halluncken für die füsse geworffen, wann ihm nicht eben doppelter sold zugelegt wird. Wallhausen kriegskunst zu fusz s. 14; sie schossen ihre patronen dem feigen commandanten in die fenster ... sie zerschellten ihre gewehre an den steinen. G. Freytag (bilder aus der d. vergangenheit 4, 8) 21, 373; meine treuen soldaten ... jammerten laut und zerschmetterten wütend ihre gewehre, die auf einen haufen geworfen wurden. lebenserinnerungen v. W. v. Wenzel. preusz. jahrbücher 118, s. 484; wer aus einer schlacht ... wegschleicht ... oder beim zurückzuge sein gewehr wegwirft, wird mit versetzung in die zweite classe des soldatenstandes bestraft. preusz. kriegsartikel (1808) art. 16.
4))
der aberglaube, der ja auch an die feuerwaffe sich heftete, wird mit dem gewehr des soldaten wenig in beziehung gebracht: doch haben einige unter denen soldaten in diesen fall gute wissenschaft, am meisten aber die förster ..., die sowohl mit dem gewehrversprechen und anderen wett-künsten absonderlich wissen umbzugehen. Ettner medic. maulaffe 665.
ε)
schon an einzelnen der bisher belegten verwendungen und verbindungen hat sich gezeigt, dasz sie aus dem engeren gebiete der militärischen sprache in den allgemeinen wortschatz überdrangen. es ist dies eine erscheinung, die jede berufssprache zeitigt, wenn der betreffende berufsstand innigere fühlung mit der allgemeinheit des volkes behält, wenn er regeren einflusz auf diese ausübt. in dieser richtung zeigt das 16. auf 17. jahrh. einen höhepunkt, dem erst die neuere zeit wieder nahe kommt, wofür auch das oben erwähnte zeugnis Bismarcks spricht.
1))
in der volksanschauung wird das gewehr zum charakteristischen attribute des soldaten; in diesem zusammenhang dringt das wort auch in der sprache der poesie vor:
der bawer so fortan sein feldt wird sollen pflügen,
lass' jetzt die pferdte stehn, den pflug und egge liegen:
der kriegsmann sein gewehr.   die lehrer halten inn
mit jhrem newen streit von gottes tieffem sinn.
Martin Opitz teutsche poemata 187 neudr.,
ein himmel ohne sonn,
ein garten ohne bronn,
ein baum ohne frucht,
ein mägdlein ohne zucht,
ein süpplein ohne brocken,
ein thurm ohne glocken,
ein soldat ohne gewehr
sind alle nicht weit her.
lied aus des knaben wunderhorn 2, 508;
auch liebte er wie jener, der sich immer als ein braver officier gezeigt hatte, nichts so sehr als das gewehr, womit er sich immer, so oft er mich besuchte, beschäftigte. Göthe (W. Meisters lehrjahre 6) 19, 351.
hab' unter mir ein flottes pferd
und führ' ein gut gewehr.
was sonst der himmel mir beschert,
das wiegt bei mir nicht schwer.
lied der schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.
2))
auch das sprichwort hat hier manchen volksthümlichen zug aufgenommen, vgl. auszer das gewehr visitieren auch: gewehren und frauen ist nicht zu trauen (Wander 1, 1651; weit vom gewehr ist gut für'n schuss, bei Wander 1, 1651 in steirischer fassung belegt) u. a.
3))
einzelne übertragungen in der sprache der poesie. vgl. die oben angeführten beispiele in sp. 5404 f. 5406: will man dem dichter dieses gefühl allgemeinen heiligen behagens rauben, will man ... einen beengenden grundsatz aufstellen, dann bewegt sich sein geist in leidenschaft, dann steht der friedliche mann auf, greift zum gewehr, und schreitet gewaltig gegen die ... irrsale. Göthe (rezension der gedichte von Voss) 33, 157; dasz er diesz für einen kugelzieher nahm, der sein herz aus dem gewehre der brust vorzog und vorwies. J. Paul (Hesperus, 21. händspostag) 6, 115;
mit nerv'ger faust, mit weh'nden haaren,
mit hacke, spaten und gewehr,
so ist sie kühn hinausgefahren,
die deutsche arbeit, über's meer.
Freiligrath ges. dicht. 4, 63 (trinkspruch).
e)
in der composition steht gewehr, wie wir gesehen haben, vorwiegend unter dem einflusz des gegensatzes der blanken waffe gegen die feuerwaffe, vgl. oben (sp. 5408. 5409) untergewehr, kurzgewehr, seitengewehr gegenüber von obergewehr, feuergewehr, schieszgewehr. den gegensatz zum geschütz weisen die bildungen handgewehr, kleingewehr, von denen nur die letztere dauernden erfolg hatte, vgl. auch unter gewehrfeuer. andere bildungen sind ohne wesentliche bedeutung für den entwicklungsgang geblieben.
1))
gliederung nach der technischen seite.
a))
haugewehr vgl. theil 4, 2, sp. 596; wurfgewehr, missile Stieler 2510; stichgewehr, stossgewehr s. Sanders 2², 1520; bayonettgewehr ebenda.
b))
zündergewehr, zündnadelgewehr, percussionsgewehr, kammerladungsgewehr, kugelgewehr. Sanders 2², 1520.
2))
nach zweck und gebrauch.
a))
birschgewehr Sanders 2², 1520; jagdgewehr vgl. theil 4, 2, sp. 2208; militärgewehr, kindergewehr s. Sanders 2², 1520.
b))
kein besser hausz gewehr als eine offengabel. J. Hübner Christ-comoedia (1, 2) 5 neudr. (auf ein ganz anderes subst., auf gewere = gewähr geht hofgewehr, s. d.); man weisz, wie oft scholastiker und polemiker nicht einmal mit worten ihrer sprache streiten konnten, und also streitgewehr (hypostasis und substanz, ομοουσιος und ομοιουσιος) aus denen sprachen herüber holen musten, in denen die begriffe abstrahirt, in denen das streitgewehr geschärft war. Herder (über den ursprung der sprache) 5, 79;
dem tausend engelische heere
das heilig ist der herrscher schrein;
und alle kräflt' jhr kriegs-gewehre
zu ewiglichen diensten weihn:
gott vater sei in ewigkeit
gelobet und gebenedeit.
Angelus Silesius heilige seelenlust 280 neudr.;
es deckt ein teppich weich von Arras
den boden.   dort im eck der sarras,
der ist das einz'ge kriegsgewehr,
er steht da wie von ungefähr.
K. Immermann Tristan u. Isolde 1 (werke 13, s. 155).
c))
schutzgewehr, defensive armes. teutsch-engl. wb. (1716) 771, vgl. auch schutzwehr theil 9, sp. 2139; nothgewehr s. theil 7, sp. 938; ein mordgewehr, ein dolch, a poniard. teutsch-engl. wb. (1716) 771, vgl. theil 6, sp. 2546;
in meiner stub' ist alles leer,
da ist nichts mehr zu finden,
als nur ein altes mordgewehr,
das will ich um mich binden
und gegen die Franzosen zieh'n.
'was fang' ich armer teufel an' (Tübinger commersb.).
3))
übertragungen: man wolle disz gespenst, mit göttlicher hülffe, durch beschwerungen, und andre kirchen-gewehr, vertreiben. Erasmus Francisci lustige schaubühne (1697) 3, 609; ich griff fleiszig zu meinem einzigen trostgewehr, das ich hatte, las mir fromme lieder aus dem gesangbuche und das laufende sonntagsevangelium mit lauter stimme vor. E. M. Arndt schriften für m. l. Deutschen 3, 492.
Zitationshilfe
„gewehr“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gewehr>, abgerufen am 15.09.2019.

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