gestehen n.
Fundstelle: Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4218, Z. 8
subst. inf. des vorigen, das stillstehen, der waffenstillstand: wir machin ein recht cristlich gestehin zwischen dem .. konige zu Behemen (und den bischöfen von Breslau und Olmütz). fontes rer. austr. II, 20, nr. 426 (von 1467); das gerinnen: das geston, concretio Maaler 176ᵈ; das bekennen.
gestehen verb
Fundstelle: Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4209, Z. 39
verstärktes stehen, s. d.
I.
Formen.
1)
infinitiv: goth. (durch erweiterung der wurzel) gastandan, ahd. gistân und gistantan, alts. gistân und gistandan, ags. gestandan, mnl. ghestaen, mhd. gestân, gestên, alem. gestôn rollw. 47, 4 K. Schade sat. 3, 217, 35, schwäb. gestaun Augsb. chr. 2, 352, 21, nhd. gestehn, gestehen.
2)
imperativ: ahd. gistant Tatian 69, 3, nhd. gestand Keisersberg has im pf. Aa 7ᵇ, gestehe Schiller XI, 230, gesteh.
3)
praesens.
a)
indic. 1 sing. mhd. ich gestân Nibel. 1726, 4, gestên Helbling 2, 122. 924, älter nhd. noch ich gestand Eulensp. c. 63, alem. ich gestôn Maaler 176ᵈ; 2 sing. ahd. gistêist; 3 sing. ahd. gistêit, gistêt, gestât und gistentit, mhd. gestât, gestêt, älter nhd. noch gestât Hutten 4, 672 Böcking; 1 plur. ahd. gistantames; 2 plur. goth. gastandiþ; 3 plur. ahd. gestânt, mhd. gestânt, gestênt, nhd. gestehn.
b)
conj. 1 sing. alts. gistande, mhd. gestande Flore 4565, gestê Gregor. 1875; 3 sing. ahd. gestande, kestante, alts. gistande, mhd. gestê Trist. 6777.
4)
praet.
a)
indic. 1 sing. ahd. gestuont Notker ps. 6, 7, gistuant Otfrid 4, 18, 24, mhd. gestuont, nhd. bis ins 18. jh. gestund, heute veraltet, dafür gestand; 3 sing. ahd. gistuont, goth. gastôþ, alts. gistuođ, gistôđ, mhd. gestuont, gestuond, md. gestûnt, auch gestût Lamprecht Alex. 3384 W., Sachsensp. prol. 214 Hildebrand, gestond Augsb. chr. 4, 454, 25. 460, 10 (anf. d. 16. jahrh.), nhd. bis ins vorige jahrh. gestund; 3 plur. ahd. gistuontun Tat. 49, 4, gistuantun Otfrid 1, 9, 23 u. o., dafür gistuatun cod. Vienn., mhd. gestuonden, älter nhd. gestunden.
b)
conj. 3 sing. alts. gistôđi, mhd. gestüende, md. gestûnde Ködiz 10, 5. Elisabeth 392, älter nhd. gestünde, gestünd, dafür heute gestände.
5)
part. praet. alts. gistandun, mhd. nhd. gestanden, s. sp. 4196.
II.
Bedeutung und gebrauch, vgl.bestehen theil 1, 1666 fg.
1)
stehen, im allgemeinen: mhd.
ubir dîn brust solt du gên,   oufreht nimmir mêre gestên.
Diemer genesis 16, 24;
(der kranke gralkönig) der mac gerîten noch gegên
noch geligen noch gestên.
Parz. 251, 18;
mit präpositionen:
du solt morgen gên   vor dem chunege gestên.
Diemer exodus 143, 21;
der andir (musz) hindir im gestân.
Karajan sprachdenkm. 8, 16;
die heiʒent mîne herren,   sô bin ich ir man
deheiner hovereise   ich selden hinder in gestân (stehe hinter ihnen zurück).
Nibel. 1726, 4.
2)
stehen, feststehen, im gegensatz zu liegen, darniederliegen, fallen: ahd. fuoʒ dero ubermuoten ne chome mir, wanda ih an demo gestên nemac. ubermuot ist alsô einfuoʒiu, wanda si sâ vallet. Notker ps. 35, 12; mhd.
sine mohte mit ir krefte   des schuʒes (vor Siegfrieds schusz) niht gestân ...
Brünhilt diu schœne   balde ûf spranc.
Nibel. 433, 3;
nhd. (man soll das aufgehobene zinslamm zur probe) fallen lassen auf die füesz. gestat es, man soll es nemen; gestat es nit, man soll es pessern on geverd. tirol. weisth. 2, 310, 21 (von 1525);
solt keinen da hinwegk lan gehn,
bisz er vor füll nimm mag gestehn.
Scheidt Grobianus Q 4ᵃ (v. 4191 neudr.);
geistig: mhd.
mir gestuont mîn gemüete
nie sô hôhe von ir güete.
minnes. frühl. 18, 9;
aufstehen: und wuͦrfen in ab von dem münstere. do gestunt er, daʒ ime niht war (schadete). altd. pred. 1, 333, 15 Schönbach.
3)
feststehen, begründet sein, beruhen: giholo mit thir noh thanna einan odo zwêne, thaʒ in munde zweiero urcundono odo thriio gistê iogilîh wort (ut in ore duorum testium vel trium stet omne verbum). Tatian 98, 2; disiu (gottes) minne diu gestêt in der behuotunge der gotes gebote. Diutiska 1, 284;
swie mîn lôn und ouch mîn ende an ir gestê (auf ihr beruhe).
minnes. 1, 70ᵃ Bodmer;
er bat in in der selben stunt,
daʒ er vergæʒe und lieʒ gestân (auf sich beruhen liesze).
Boner edelst. 34, 25.
4)
bestehen, bestehen bleiben, im gegensatz zu untergehen: goth. jabai Satana usstôþ ana sik silban jah gadailiþs varþ, ni mag gastandan. Marc. 3, 26; ahd. hûs ziteilit widar imo selbemo ni gistentit. Tatian 62, 2; wênicheit giskihit in, fore dera ni gestênt si (in miseriis non subsistent). Notker ps. 139, 11 Wiener handschr.; mhd. wê mir! wie mac ich gestân vor gotes gerichte! väterbuch 37, 17. 40, 19 Palm; nhd.
wann narren undergondt,
gar wol die gerechten dann gestondt.
S. Brant narrensch. 46, 32;
die (groszen herren) laszen mich unbegabt nit, uberkum ich nit dan ir wopen (nachher wapen und kleid), so gestand ich wol. Eulensp. c. 63; noch oberd. dabei (bei dem theuren pacht) kann ich nicht gestehen. Adelung.
5)
in der ältern rechtssprache, durch führung des vollgiltigen zeugenbeweises obsiegen, im gegensatz zu irvallen, einen die rechtshandlung ungiltig machenden formfehler begehen: di iuncvrowe sweret also lange, biʒ daʒ si gestet. Freib. stadtr. c. 5, 2 u. o.
6)
bestand haben, nicht geändert werden, von der münze, vgl.geständig 1: woby die grossen (groschen) uf der gemeinde nutz allerglichest gestan möhten. städtechr. 9, 1004, 1 (Straszburger protokoll von 1397).
7)
festhalten, haften an etwas, beharren bei etwas: jabai jus gastandiþ in vaurda meinamma. Joh. 8, 31; ahd. (monachus) in arbitrio prioris consistat, in selbsuanu des hêrôstin kestante. Kero Benedictinerregel c. 40; mhd. gestên an dem gelouben, an den sunden, an got. Diemer genesis 111, 31. 45, 16. 113, 28. Berthold v. Regensb. 1, 172, 16; nhd. an dem geston ich, bei dem bleib ich, ego in hoc resisto Maaler 176ᵈ; gestand an gott blosz, bisz (sei) sicher es würt selbs kommen, du wirst stille, ruw, frid und lust in tugenden gewinnen. Keisersberg irrig schaf G 1ᵃ; bischof. wir muͤszen geston bi geistlichem recht. Schade sat. 3, 165, 27. 167, 23. 275, 46; der will der barmhertzikeit und mitleidens sündet nit, wenn (denn) er ist nit fürgriffs on zuͦsatz und gestat nit stiff auff im selbs. Keisersberg trostspiegel EE 3ᵃ; wer alle ding und sin seligkeit inordnet und inrichtet in den willen gottes, der gestot an keinem mittel, an keiner geschöpfd under got, sunder allein blosz in got. bilg. 77ᵈ; mit genitiv: weil denn nu die bawren keins rechten gestehen noch warten, sondern imer fort toben. Luther 3, 124ᵇ.
8)
stand halten, sich behaupten, ausdauern.
a)
dem feinde gegenüber: ahd. ih zebricho sie (die feinde), noh gestên ne magen si, si vallent under mîne fuoʒe. Notker ps. 17, 39 Wiener handschr.; nhd. einem nit wöllen gston, noch fuͦsz halten, sunder hinder sich lauffen, tergiversari contra aliquem Maaler 196ᵈ; do gestuͦndent die von Basel und strittent mit dem groven. Closener in städtechron. 8, 48, 14; dieser macht wolten die Burgundischen nicht gestehn, kereten deszhalb jmmer zuͦ ruck. Wurstisen 244;
was wird der böse thun? unmöglich ists zu weichen,
unleidlich zu gestehn.
Opitz 3, 393 Triller;
er will mir nicht auf den degen gestehen, stricto gladio mecum congredi non audet Steinbach 2, 678.
b)
allgemeiner: mhd.
er sluoc zehenstunt dar (an den felsen).
des gestuont daʒ swert alleʒ gar
âne mâl und âne scharten.
Stricker Karl 8166;
si achten mit grimme.
die vesten stâlringe
machten nicht dâ vor gestân.
Rolandslied 306, 25;
eʒn wart nie sloʒ sô manicvalt,
daʒ vor dir (minne) gestüende, diebe meisterinne.
Walther 55, 32;
nhd. fleühe und gestand kainer ursach der sünde, noch auch der rede des mans, wann die red des mans dringt ein in das hertz der frawen. Keisersberg has im pf. Aa 7ᵇ; geston, standhafft sein, substare Maaler 176ᵈ.
9)
still halten, ertragen, leiden, ausstehen:
ich musz gestehn, wie hönisch man mir spricht,
wie harten schimpff man wider mich darff regen.
Opitz psalm. p. 129;
ich, was werd ich streiche leiden! von der faust gestünd ichs nicht,
aber von der zung am rücken, schwerlich gleichwol ins gesicht.
Logau 3, 7, 94.
10)
anstehen, dauern, währen, unpersönlich: mhd.
darnâch gestuont eʒ unlanc,
daʒ der kunic wart sô kranc.
Ottokar reimchr. 4329. 4782 Seemüller;
gestêt aber eʒ über jâr. Münch. stadtr. von 1347 art. 16; nhd. das gestuend bisz an mitwuchen, da ward er gefunden in ains pfaffen haus. Burk. Zink in städtechr. 5, 275, 6; es gestund ein zeit lang. Pauli schimpf 347.
11)
dastehen, in weiterer bedeutung.
a)
sein, sich befinden: mhd.
schaffe, daʒ ich frô gestê.
Walther 63, 18;
daʒ er sigelôs gestât.
Barlaam 194, 14;
ern müese leides ân gestên.
Wigalois 10605;
vînt und friunt gemeine,
der gestêts aleine (sie von feind und freund verlassen).
Walther 53, 15,
eʒ möht noch manec man snel
von sô süeʒem plicke
gestên in minne stricke.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 1636;
(ihr beide) leitet liebe unde leben
als iu ze muote gestê (wie es euch beliebt).
Trist. 16 623;
daʒ lant gestuont nie baʒ.
Nibel. 1377, 3;
gestênt mit vride diu erbe.
Gudrun 1313, 1;
nhd. (dasz) die tieffe (des wassers) oben gestehet. Hiob 38, 30; weidlich lachen, das jnen das wasser in den augen gestund. Garg. 156ᵇ (289 Sch.); darumb auch alsbald der armen kindbetterin darvon (von den kräutern) gleich alle däuchel ... verstopffet und vermalschlosset gestunden. 104ᵃ (184 Sch.).
b)
sich verhalten, sich gestalten: mhd.
gewin und flust, wie daʒ gestê.
Parz. 102, 24;
welt ir nu hœrn, wieʒ im gestê (ergehe)?
225, 1;
wie im sîn dinc dâ nâch gestuont.
446, 2;
wol sie wart, denʒ sô gestêt (um die es so steht)!
Lampr. v. Regensb. tochter Syon 495;
wie es aber gesten sülle gegen dem grubmaister umb das neuntail. östr. weisth. 1, 200, 44 (von 1342).
12)
zu stehen kommen, kosten, lat. constare: waʒ der bawe und die beʒʒerunge gestet. mon. Zollerana 2, nr. 561 (von 1323); das ross gestat mit aller zugehörung bis haim 30 rein. guld. Ott Ruland handlungsbuch 14; Meintzer bisthum hat bei menschen gedencken fast acht bischoffmentel aus Rom kaufft, der ein jglicher bei dreiszig tausent gülden gestehet. Luther 1, 264ᵃ. 7, 442ᵇ; köstliche kleinot, die viel gestehen möchten. 5, 462ᵇ; ein müszigs hertz und flache hand, und neschigs meulein und leise trittlein gestehen vil im hausz zu halten. Mathesius hochzeitpr. 74ᵇ; das offt das anschauen der waar (der pfaffen) theurer dann die beste waren der kauffleut zu Franckfurt und Leipzig gesteht. Fischart bienenk. 136ᵃ; da sehen wir, wie viel wort es gestehet, das man den glauben in den leuten erhalte. Luther 3, 254ᵇ; (schles.) do würde zeet darzu gehürt hon, unde es hette och en bogen pappier gestanden. Gryphius dornr. 101, 23 Palm;
ich wil rumoren,
ich acht nicht was es gesteh.
Ambras. liederb. 129, 82;
es gestuͦndt gleich was es wolt.
Schmelzl verl. sohn vorr. 3ᵃ;
was gesteet das, quanti constat illud? modus latinitatis (Straszb. 1498) 2ᵃ; wie viel gestehts? Hulsius dict. (1605) 62ᵃ; noch östr. was gestehts? wie theuer ist es? Höfer wb. 1, 292.
a)
mit accus. der person: mhd.
hei wie hôhe eʒ in (acc. sing.) gestât.
Karajan sprachdenkm. 20, 10;
wie tiwer si danne gestêt
dirre werltlîche reichtuͦm.
von des todes gehugde 134;
gestêt mich mangen groschen.
Osw. v. Wolkenstein 13, 16, 10;
nhd. die sach gestat jn bei hundert pfunden. Maaler 176ᵇ; das mein (kleid), das mich ain schilling gestet. Aventin. 5, 154, 19 Lexer; diese reise gestund mich 7 rthl. 21 wg. (weiszgroschen). Schweinichen 1, 112; maszen ihn offt ein eintziger imbis über 25 pistolen gestund. Simpl. 1, 6, 6, 575;
umbsunst ich doch den gwalt nicht fund
zu Rom, vil pfenning mich gestund.
H. Sachs 5, 395ᵈ;
und solt es mich all mein vermügen gesteen. Aimon h 4; so dichs doch gar nichts kostet noch gestehet. Luther 5, 197ᵃ;
dieselben ich erlösen will,
es gstehe mich wenig oder vil.
J. Ayrer schöne Melus. 1, p. 330ᵃ;
o Calchas, dessen worte
mich viel bisher gestehn.
Opitz 1, 221;
die wir ein ding ersinnen,
das uns nicht viel gesteht.
P. Fleming 125, 46 Lappenberg;
der sig hat die Carthaginenser vil bluͦts gestanden, multorum sanguine ac vulneribus ea Poenis victoria stetit Maaler 176ᵇ; solcher lediger name (des römischen kaiserthums) hat die Deudschen viel gestanden. Luther 8, 247ᵃ; weil du gotte solchen dienst thun kanst und dich weder kost noch mühe gestehet. 5, 191ᵇ; es (die verdolmetschung der bibel) hat mich arbeit gnug gestanden. tischr. 443ᵇ; östr. sich etwas gestehen lassen, kosten lassen, es auf seine kosten nehmen: ich lasse mich schon etwas dabei gestehen. Höfer wb. 1, 292.
b)
mit dativ der person: man saget, das im (Karl von Burgund) jager, valkner, windhetzer mit iren knechten, hunden und federspill ob 10 000 gülden woll gestunden. Wilw. v. Schaumb. 18; er (der heil. rock zu Trier) gestat mir selbs ein guldin oder sechs. Hutten 5, 495 Münch (gestat mich 4, 672 Böcking); ein kloster gestund einem jeglichen vom adel järlich 30 gülden, eim reichen bawern 4 gülden (an opfergeld, seelmessen u. s. w.). Luther tischr. 263ᵇ; es gestehen ihm eur hauptleute mehr denn der ganze krieg. briefe 5, 611; jr kindt, welches jnen (den eltern) so vil mühe, sorge, arbeit und unkost gestanden. Spangenberg ehespiegel 134ᵃ; das wurt mir mein leben gestehen. Zimm. chron. 4, 412, 1.
13)
still stehen, stehen bleiben, halt machen, im gegensatz zu 'gehen, sich bewegen': goth. jah gastandans (stehen bleibend) Jesus. Marc. 10, 49; gastôþ (blieb) þan Mariam miþ izai svê mênôþs þrins. Luc. 1, 56; mhd.
dô im dâ niemen nâch zôch,
do gestuont er unde sleich dô wider (zurück).
Trist. 9149;
nhd. kamen wir in ain groszes dorfe, darinne ich mit der göttin gestuͦnd und belaib. Nicl. v. Wyle 272, 14 Keller; im lauff gston, den lauf gstellen, cursum reprimere Maaler 196ᵈ; geston, still ston, consistere, geston, nit fürbasz kommen, desistere 176ᵈ; von gliedmaszen: mhd. ir frouwen, ir lât iuwern munt niemer gestên. Berth. v. Regensb. 1, 448, 32; nhd. der nit reden kan, dem gesteht das maul nimmer. S. Frank spr. 1, 50ᵇ;
da jn (den schwatzenden weibern) nit gstehet hand noch mund.
Fischart flöhh. 334 Braune, 809 Sch.;
von dingen
a)
ruhig stehen: sô der erdisch dunst lang gestêt in der erden besloʒʒen. Megenberg 109, 1; regenwaʒʒer, gesament in den zistern, sô eʒ gestêt, sô vellet diu erd ze podem. 82, 32. 104, 10; ist daʒ plut, als es ein weil gestet, rot .. daʒ bedeutet ein gute natur und einen gesunden menschen. Ortolf v. B. 16ᵃ; es (quecksilber) gesteht nicht, sondern zerfleuszt gleich wie das wasser. S. Münster cosm. 1, 8.
b)
still stehen, aufhören sich zu bewegen: ahd. sliumo gistuont thie fluʒ ira bluotes. Tatian 60, 4; mhd. dô si nümê lêrer vaʒ hatte, dô gestuont daʒ öl (wunderbarer weise) und gieng nümê. mystiker 1, 276, 38 Pf.;
dô gestuont (hörte auf) ir klage
des lîbes (zeit ihres lebens) nimmer mêre.
Nibel. 1081, 3;
zehant gestuont daʒ selbe rat.
Wigalois 8512;
nhd. do gestund das meer von seinem wüten. Züricher bibel 1530 432ᵃ, Jonas 1, 15; der pulso wider gestund. Bocc. 132, 12 Keller, der pulsz verschwant 19;
der adern saft gesteht!
Brockes bei Weichm. 1, 199 (leichengedicht).
14)
gerinnen.
a)
dick werden: schut dy galradt uber und lasz gesten. kuchenmeist. a 3; im sumer so sy (gesulczt visch) doch nie gern gestend. a 4 u. o.; in dem sumer nimpt man hausenplater darein, dasz die sulzvisch lieber (leichter) gestên. Tegerns. kochb. d. 16. jahrh., Germ. 9, 206; im scherzenden wortspiel die (langstehende schwätzerin) wer guͦt zuͦ einer galrey, sie gestuͤnd bald. Keisersberg bilg. 168ᵃ; die brühe gestehet. Ludwig 764; nimb speck, thue ein wenig gestoszen schwefel darzu, und rührs bisz es gestehet. Seuter rossarzn. (1599) 261; geston als unschlitt. Maaler 176ᵈ; gestehen, als fett, wann es erkaltet, spissitudinem contrahere Frisch 2, 327ᵇ; das fett ist gestanden. Stieler 2129; mein (gesottenes) schmaltz, weil es zuvor gestehen und erkalten muͤste. Simpl. ew. calender 103; der gottlosen hertze gerinnet wie milch, oder gestehet wie faisztes, gallert (psal. 119, 70). Henisch 1574; gestehen, concrescere, ut sanguis concrescit Duez 195ᵃ; die milch gesteht, lac coagulat Steinbach 2, 678; noch bair.-östr. die milch gsteht, wenn sie anfängt dick zu werden, sie gerinnet, wenn sie sich scheidet und zusammenläuft Delling 1, 216. Höfer wb. 1, 292, kärnt. gschtoidnan, stocken, gerinnen Überfelder 124. vgl.gestanden 3 sp. 4197.
b)
hart, fest werden, von flüssigen metallen und andern mineralien Jacobsson 5, 659ᵇ: mhd. diu fäuht gestêt und wirt hert. Megenberg 477, 28; sô gestêt der dunst zesamen und wirt dicke. 81, 17; nhd. das thue, ehe dasz der schwebel und hartz an dem stein gestehe. Fronsperger kriegsb. 2, 193ᵇ; darinn die geflosznen und getröpfleten metall erstarren und gestehen. Mathesius Sar. 32ᵇ;
(metallischer dampf, der) zu dichtem erze mancher art gestehet.
Nicolay verm. ged. 4, 80;
von gefrornem: und vermenget erd und wasser in einander, darausz allerlei bergart ... von der kelte gestet. Mathesius Sar. 27ᵇ; der Rhein gestehet mit eisz, consistit frigore Aler 928ᵃ; von scharfem froste gestehen die flüsse. Weigand wb. d. syn. 1, 561.
15)
erstehen, erwerben: parere, erwerben, gesteen Dief. 413ᵃ (aus einem oberd. vocab. rerum); erzeugen: etwann die spermatischen adern also versessen werden und also impotentia und emissio gestanden und gebohren wirdt. Paracelsus op. (1616) 1, 479 C.
16)
sich stellen, treten, hinstehen: mhd.
er gestuont an eine stegen.
Barlaam 37, 27;
(der löwe) gestuont hin nâher baʒ.
Iwein 5228;
(der vogel) ûf daʒ gelîmde zwî gestât.
Tristan 844;
als er gestuont (abgestiegen war) von rosse.
Nibel. 899, 1;
davon abstehen, ablassen:
unz daʒ der kunic erbeten wart,
daʒ er gestüende ab der vart.
Ottokar reimchr. 7543 Seemüller;
sus wunder nieman ob ich sanges abe gestê.
minnes. 2, 88ᵃ Bodmer;
bevorstehen, herannahen:
ahd. gistuant thera zîti guatî (venit dies azymorum Luc. 22, 7).
Otfrid 4, 9, 1.
17)
sich erheben, anfangen, beginnen: ahd. (mundus ut ad Scythiam Rhipaeasque arduus arces) consurgit, gistêt Steinmeyer-Sievers gl. 2, 628, 25 Virg. georg. 1, 241; mit infinitiv: ahd. diu luft tanne warmên gestât, sô diu sunna in taurum gât. Mart. Capella 1, 26 (289ᵇ Hattemer); dô ih riwôn gestuont die sunda. Notker ps. 6, 7 Wiener handschr.;
(Herodes' schergen) thiu kind gistuantun stechan.
Otfrid 1, 20, 5;
gistuant er gote thankôn.
4, 34, 16 u. o.
18)
sich unterstehen, unterfangen, getrauen: er gesteht sich nicht herein zu kommen, non audet ingredi Steinbach 2, 678. Adelung; noch bair.-östr. du gestehest dich noch, das zu läugnen. Delling 1, 217. Höfer wb. 1, 293.
19)
eine richtung auf etwas nehmen.
a)
auf etwas gerichtet sein:
daʒ nie mannes mût
baʒ dâr zû ie gestût.
Sachsensp. prol. 214 Hildebrand.
b)
nach etwas verlangen, trachten:
daʒ im diu wîsheit ingêt,
diu gegen gote gestêt.
Lampr. v. Regensb. tochter Syon 1657;
der lobebêre
lutzel ie gestûnde
nâch kirchen joch nâch prûnde.
h. Elisabeth 3979.
c)
auf einen kommen: ir blut sal uff uns gestan. Josua 2, 19 aus einer vorluther. handschr. bibelübersetzung bei Haltaus 691; einem zukommen, auf ihn fallen: swaʒ an ainem under uns abge, daʒ geste datz (= da ze) dem andern, also habe wir globt. fontes rer. austr. II, 21, nr. 95 (von 1303); zustehen, zuständig, zugehörig sein: unser h. grafschaft, gericht, herlichkeit, wasser und weide und fischerie und wildfang geit mit (bis) an Else und umb Else mit an die foldersulen, so wie die von aldirs gestanden haint. weisth. 1, 578 (grafsch. Dietz, von 1424), vgl. geständig 3.
d)
einem widerfahren, begegnen: alts.
that iru thâr sorga gistôđ.
Heliand 510;
sô oft sô is gigengi gistôđ (so oft die reihe an ihm war).
88.
e)
wozu gereichen: alts.
hwat iru te sorgun gistôđ.
Heliand 4069;
mhd. helfe, die ir mir habet getân,
die lâʒe iu got ze staten gestân
in dem êwigen rîche!
Tristan 8170. 7760. 9866.
20)
sich dem richter stellen, vor gericht erscheinen, stare juri: ab ein man beclaget wirt umme totslag adir umme wunden und der man borget sich by syme erbe tzu gestene tzu rechte und wirt abetrunnig, das her nicht gestee, so sal man in vor heischen, alse recht ist. Kulm. recht 3, 23; wer czu dinge geladin ist und nicht gesteit. Magdeb. blume 2, 3, 28; laden wir dich mit diesem unserm konigl. ladebrieffe .. und gebieten diner andacht ernstlich .. das du uff denselben dag zu rechter tagezit vor uns in unserm konigl. hoffe .. syst und gestest, als recht ist. k. Ruprechts citation an den bischof von Basel vom jahre 1403 bei Haltaus 691, rechtens oder zu rechte gestehen. ebenda (von 1455 und 1515); wer es sache, dasz einer mit gerichte angesprochen würde in der graveschaft und der deme nit gestehen wolte und flüchtig würde. weisth. 1, 578 (grafsch. Dietz, von 1424); derselbige (verbotete bürger) soll also gestehen, wie ihm durch die geschworenen diener angesaget wird. Danziger willkür von 1597; wäre es auch sache, dasz der kläger nicht gestünde, so soll auch nach gelegenheit der sachen der beklagte theil absolvirt und der kläger in die unkosten vortheilet werden. ebenda; den 3. november hat Bastian Zettritz bei dem herrn hischof wegen seines schwähervaters sachen einen vorbescheid ausgebracht, habe aber denselbigen abgeschrieben und dahin nicht gestehen wollen. Schweinichen 3, 19. daher
21)
rede und antwort stehen, vgl.geständig 6: mhd.
(vor gott als richter) ze rede wir gestên müeʒen
aller unser sünde.
Servatius 3534 bei Haupt 5, 181;
nhd. er hat seine heilige und gerechte ursachen, davon allemahl uns rede und antwort zu gestehen er keineswegs schuldig ist. Scriver seelensch. 2, 298.
22)
zur hilfe, als beistand an jemandes seite treten, s.geständig 2.
a)
gerichtlich, als schiedsrichter einem beitreten: ist daʒ die vier zweigen (zwiespältig sind) an deme rechte, so sullen sie uf irn eid ein mittilman kiesen, der ouch daʒ selbe swere, und swelhen zu ein der mittilman gestet, der recht sul vur sich gehen. Haltaus 691 (Würzburg-Fuldaer vergleich von 1282); wurden die fir zweinde am rechten, so ist Ludewig von Rumrod ein uberman, wem der gestat, der hat (recht) behalten. ebenda (Hessen, von 1319); welchir partye unsir capitel gestunde, das sulle besteen und vorgang haben. ebenda (Gotha, von 1391).
b)
als zeuge einem beitreten: dô quam ein fûr von dem himele und vorbrante di (lügnerische) vrowen zu aschen mit allen den, di ir gestunden. mystiker 1, 258, 18 Pf.; uff das man on nicht hilde vor einen logener, so gestunt om des einer von Talwigk. Rothe dür. chr. c. 659; giltiges zeugnis über etwas ablegen: daʒ sullen ouch di boten vil rechte horen unde vernemen, daʒ si wiʒʒen, wes si gesten sullen. Freib. stadtr. c. 12, 4; also daʒ is der richter iu gesten muʒ unde daʒ vor gerichte geschen ist. 29, 3 u. o.; daher bezeugen überhaupt:
wie nu was in der welt zu sehen,
musz alles gottes herrlichkeit,
allmacht und majestet gestehen.
Weckherlin 129 (2, 107 Fischer).
c)
als bürge wofür einstehen:
regier recht bei deinem leben,
dann du muͦst darumb rechnung geben
und wirt nit allein gestehn füsz und hendt,
sonder dein seel wirt darumb verpfendt.
keiser Maximilians lehr (1532) 45ᵇ.
d)
vor gericht einem beklagten als fürsprech zur seite stehen, helfen: und sol im mit dem rehten vorm gerihte helfen nach der burger urtail mit fürsprechen .. und suln dem selbem, der im gestat oder behaltet, sagen, daʒ er im iht gestande wan mit dem rehtem. Augsb. stadtb. 73, 33 Meyer; swer im des gestet oder hilfet ane gerihte. 236, 16.
e)
zu jemand halten, eines partei ergreifen:
die newederhalp gestuonden (keine von beiden parteien ergriffen hatten).
Parz. 471, 15;
die mit dem almahtigen gote gestuonden. speculum eccles. 120;
mit im nemach nieman gestân.
Karajan denkm. 3, 6;
mit dativ, einem zur seite stehen, beistehen, helfen: mhd. daʒ ist sîn heiliger geist, den er gît den, die im gestênt strîtes wider den tievel. myst. 1, 319, 27 Pf.; als lehensmann zu diensten stehen, als vasall bei einem stehen: markgraf Friederich (von Meiszen) hiesch und vorbotte syne manschafft, dy eme gestunden und eme gestehen wolden, in dy stadt czu Erfurt. script. Sax. 2, 1769 bei Frisch 2, 327ᵇ; seine mannschaft ist ihm nicht gestanden, hat sich zu seinem dienste nicht eingestellet Adelung; als bundesgenosse: mhd.
daʒ ich mit helfe wil gestân
von Stîre den herren (dat. plur.).
Ottokar reimchr. 6445 Seemüller;
unz er (Gunther) ervant an friunden   wer im dâ wolde gestân.
Nibel. 151, 4;
nu saget mir, vriunt Volkêr,   ob ir mir (Hagen) welt gestân,
ob (wenn) mit mir wellent strîten   Kriemhilde man.
1715, 1;
daʒ ist diu helfe und der rât,
dâ einʒ dem andern mit gestât.
Lampr. v. Regensburg Franc. 4179;
allgemeiner:
des spiles im niemen gestêt (mit pfandleihen),
sô eʒ im an die vlust gêt.
Haupts zeitschr. 1, 474;
swer daʒ reht gerne stæte hât, dem hilfet got und ist ofte schîn worden an mangem man, die mangen widerstrît heten, dar umb daʒ si dem rehten gestuonden (zum rechte hielten). Schwabensp. 223ᵇ Laszberg; nhd. einem lug wider die warheit geston und jn vertädingen, stare a mendacio contra verum Maaler 176ᵈ.
23)
von der das gericht umstehenden gemeinde, zustimmen, bejahen: wir bekennen, dasz wir zu Haidenfeldt von den schöpffen daselbst an einem vollen gehegten gerichte diese hernach geschriebene recht hörten öffen, und zu dem rechte sprechen, desz ihn auch die gantze gemeind gestunde. weisth. 3, 562 (Franken, von 1420); als ich ferrers die alten ame hoff darnoch fragt, gestunden sie disz brauchs. 4, 524 (Schwarzwald, um 1500); ich aber und die gantze gemein gestehen dir solches deines vorgebens in keine weisz noch weg. Ayrer proc. 1, 5.
24)
überhaupt beitreten, bei-, zustimmen, beipflichten:
dô sprach von Burgunde   der recke Gêrnôt
'die welt mac immer riuwen   der schœnen Helchen tôt,
durch ir vil manic tugende,   der si kunde pflegen.'
der rede gestuont im Hagene.
Nibel. 1137, 4;
bidden uch recht fruntlichen, ob soliche redde vor uch kumen were, der nit zu gesteen adder zu gleuben. Dief.-Wülcker 617 (Frankfurt, von 1447); was man in disem buche vindet beschrieben, dem sal man gestehen und wahrhafftiglich glauben. Haltaus 692 (von 1473);
swer leuget, biʒ niemant im gestêt.
Renner 17591;
die schmeichler geston den herren alles das sie sagen. Pauli schimpf 365; der beichtvater gestund ihm was er sagt, und machts ihm leicht. 287; es gebür im, spricht er (der papst), die schrifft auszulegen, man sol seiner deutung gestehen. Luther 2, 61ᵃ; eine in canifas conjungirte fischbeinerne brustrüstung mit à la mode verlorenen ermeln. 'ich gestehe (pflichte bei, verstehe) ein wamst mit zwei ermeln.' du gestehest, was du wollest, hier ist der buchstabe. kunst üb. a. k. 169, 21 Köhler.
25)
gerichtlich, von den parteien, zugestehen, ein zugeständnis machen, einräumen, mit genitiv des objects: dawieder obgen. fiscal aber furbracht, er gestehe ihm auf die ladung dhains genugsamen gewalts nicht, er trau auch des gewalts sei zu recht nit genug, und ob es genug, so gestehe er ihm dhainer freiheit (privileg), nachdem und er die nur anzieht und nit furbring noch zeig. urk. k. Friedrichs III von 1465 bei Haltaus 692; item so der thetter der that on laugnen wer, aber deszhalben redlich entschuldigung anzeigt, und im aber der anklager solcher seiner fürgewendten ursachen und entschuldigung nit gestund (für gestüende, Gobler 'refutando inficiatur'), so soll der ankläger u. s. w. Carolina art. 13; item so einer jemandt entleibt, das niemandt gesehen hat, und will sich einer notweer gebrauchen (vor gericht als entschuldigung), der jm die kläger nit gestehn (Gobler 'quam .. diffitentur', Remus 'cui contra accusator fortiter reclamet'), in solchen fellen ist anzusehen der gut und bösz standt jeder person. art. 143; Hanau (als beklagter vor gericht) antwortete, dasz dem egedachten m. gn. h. von Isenburg in Bischofsheim keiner oberkeit gestanden werde. weisth. 5, 281; auch sonst in rechts- und eigenthumssachen, mit accusativ des objects: wir im an den enden als unser frye eigen gut nicht gesteen. Dief.-Wülcker 617 (Frankf., von 1493); die weilen die künigischen (nicht) einem ambtmann zu fischen eine gerechtigkeit gestehen wollen. östr. weisth. 6, 4, 9 (von 1531); wenn keinem gläubiger, der nicht ingrossirt ist, ein recht an dem gute gestanden würde. Möser sämtl. werke 4, 254;
trit sein gewissen auff, wil klag und urthel führen,
o das gesteht er nicht, es wil sich nicht gebühren,
dasz einer kläger, zeug und gar auch richter sei.
Logau 3, 216.
26)
danach zugestehen, einräumen überhaupt.
a)
mit genitiv der sache: mhd.
die noch lebentic sint
und die sîn gedenken,
die mugen mir niht entwenken,
si gestên mir der wârheit ..
daʒ in der Beier lande
der wint zefuorte und zetrande
manic grôʒeʒ hûs.
Ottokar östr. reimchr. 33860 Seemüller;
deu tavelrunde ist anders niht
danne ein sineweler tisch,
des gestuont mir der Senisch.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 19028;
'des gestên ich', sprach diu wârheit.
Helbling 2, 1042. 1420;
nhd. wo ich sie (die jüden) zum text dringen wolt, sprachen sie, sie müszten jren rabinen gleuben, wolten mir keines texts gestehen (wollten sich nicht durch den text überwunden bekennen). Luther 8, 111ᵇ;
ich wil dir schlechts (schlechterdings) der red nit gstehn:
kom, lasz uns vor den richter stehn.
B. Waldis 4, 99, 127 Kurz;
deiner tochter ich keins kinds gsteh (räume nicht ein, vater ihres kindes zu sein).
Ayrer Sidea p. 435ᶜ (2188, 31 Keller).
b)
mit accusativ der sache: wenn ich aber also sage, dort gehet gott auff der gassen, holet wasser und brot, das er mit seiner mutter esse und trincke, diese rede gestehet mir Nestorius nicht. Luther 7, 249ᵇ; der (1 Mos. 17) gestehet den jüden der beschneitung halber keine sonderung wider Ismael. 8, 54ᵃ; die schirmschlege gestehet er dir nicht (läszt der teufel nicht gelten), wenn du jhn gleich einmal hinweg geweiset hast, so kompt er doch bald wider. tischr. 207ᵇ; die höchsten und fürnembsten heupter in deudschem lande .. wolten dem bapst sein stoltz anbringen an den keiser keineswegs gestehn. Flac. Illyr. von ankunft des röm. keiserthums 5; wir mögen uns der weltlichen dinge anmaszen, wie wir wollen, so gesteht uns doch der tod kein beständiges eigenthum. Scriver seelensch. 1, 241;
in dem glauben für den höchsten wil man ketzern nichts gestehen.
Logau 3, 3, 9;
(der andre wollte) zur kirchen nutz gar nichts gestehen.
froschmeus. 2, 6, 1 Ll 6ᵃ;
sie wird dem mächtgen zugestehn sofort,
was sie gestanden dem verwaisten jungen.
Platen 192ᵇ.
c)
mit abhängigem satze: wir gestehen jnen nicht, das sie die kirche seien. Luther 6, 521ᵃ; darumb kan ewr keis. may. ich nicht gestehen, dasz sie darüber (über die seele und ihre seligkeit) zu gebieten habe. Zinkgref apophth. (1639) 1, 119;
(schriften) die, dasz ein gott sei, nicht gestehen wollen.
H. v. Kleist zerbr. krug 11. auftr.;
o! dasz er der (ein abendländer) nicht sei, gestand er wohl.
Lessing 2, 361 (Nathan 5, 7).
27)
einem etwas zulassen, erlauben, gestatten.
a)
mit genitiv des objects: mhd.
er (Hildebrand) vrâgte, swar si wolden ..
dô er daʒ gehôrte,   dô gestuont ins der degen.
Nibel. 2188, 4;
nhd. der richter sy zuͦ seinem willen nöten wolte, des sy im nicht gestat. Bocc. 281, 12 Keller; ich gestee ir (der bösen lust) ires willens nicht, sonder zeme sy, dasz sy nit thu was sy will. Luther 12, 405, 14 Weim.;
weil grober stücke knall und holen ertztes schallen
viel klagens nicht gestehn.
Logau 1, 3, 5, 22.
b)
mit accusativ der sache: wenn einem gerathen wirt, dasz er ein ehelich weib nemmen sol, und der vater ist dawider, wils nicht gestehen. Luther tischr. 318ᵇ;
(gott) gesteh es doch nicht mehr.
sondern mach sie zu nichte.
Ringwaldt l. warh. 449;
dazu macht der narr aus dem wort 'bis das (donec)' ein newe wort 'darumb das' aus lauter mutwil, das jm die sprache doch nicht gestehet. Luther 8, 67ᵃ;
kund ich als wol auch singen, herr!
mein käle das gstünd mir nimmermer.
Uhland volksl. 146;
darnach sich in seinen (des esels) schatten gelegt, das doch der herr des esels nicht gestehen wollen. Rollenhagen froschmeus. B 2ᵃ;
sein diener wolten die flucht nehmen.
das wolt das herrlein nicht gestehen.
1, 1, 2 C 8ᵇ;
wenn unser einer solt falliern,
in seim promiss tergiversiern,
das wolten wir (officierer) ihm nicht gestehn.
Opel und Cohn 30j. krieg 336, v. 219;
schlesisch: ich will es dem jungen nicht gestehen. Steinbach 2, 678; das wird der rath nicht gestehen. ebenda; dei voter soll e warden? dosz gestih ich nu und nimmer mih. Gryphius dornr. 56, 14 Palm; nockber Jokels knaicht, dam me alle schelmerei gestiht unde dar zim verterbe des gantze durffes geboren isz. 103, 15; oberd. es wird ihm aller muthwillen gestanden. Adelung.
c)
mit abhängigem satze:
die götter nehmen auch das opffer nicht mehr an,
gestehn nicht, dasz die glut das fleisch verzehren kan.
Opitz 1, 193;
dasz nun der herren herr ..
gestanden haben soll, dasz durch den bösen geist
so mancher frommer sinn sei worden irr geweist.
4, 312;
man musz jnen (den knechten) auch nit gestehen, dasz sie viel mit mägden schertzen. Colerus (1651) 1, 7ᵃ;
hinwieder wolln wir nicht gestehen,
das der beiszkopf und seine rott
ihres gefallens beiszen todt.
froschm. 2, 6, 2 Mm 1ᵃ.
28)
vor gericht die wahrheit, die schuld bekennen, nicht läugnen: wiltu das gestehen und öffentlich für gericht (wenn ich sie verklage) bekennen und bezeugen? Luther 5, 250ᵇ; wenn du das gestehest, so must du es gethon haben. Henisch 1574; gestandene schuld, debitum vel delictum confessione indicatum, vulgo confessatum Stieler 2129; er gestand seine betrügereien nicht. Rabener sat. 4, 58;
die folter konnt' ihn ängstigen, dasz er
aussagte und gestand, was er nicht wuszte.
Schiller XII, 437 (M. Stuart 1, 7).
29)
überhaupt bekennen, eingestehen, frei und offen sagen, dafür östr. bestehen Höfer wb. 1, 292, niederd. bestân brem. wb. 4, 996, s. oben theil 1, 1668, nr. 7: das du mir von deinen eltern vertrawet worden bist, das gestehe ich, und das ich mit dir zur kirchen gegangen bin, das bekenne ich. Alberus wider Jörg Witzeln J 3ᵃ; unterdessen gestuͦnde er noch was er gestern zu ihnen in geheim geredet. polit. stockf. 250; gestund man ihm nun hierauf, dasz man solches nicht wüste. Heilmann Thucyd. 1093;
gestanden hab ich euern anschlag.
Göthe 9, 91 (Iphig. 5, 4);
es ist mein eigner vater, ich wills nur gestehn. Schiller II, 170 (räuber 4, 5);
der unglückselige, ich darf ihm nicht
gestehen, was mir böses schwant.
XIV, 296 (Tell 1, 4);
einem mädchen neigung und liebe gestehen:
die letzte kirms gestund ich ihr,
ich wollte sie mir frein.
C. F. Weisze kom. opern 3, 196;
als Daphne ihm gestund, dasz sie ihn liebe.
S. Geszner 2, 54;
gerade als ob man sichs ungern gestünde, dasz man für stärkere eindrücke zu schwach ist. Engel 4, 276; o des frevelhaften eigensinns! ehe er sich eine übereilung gestände, greift er lieber den himmel an. Schiller III, 500 (kabale 5, 7); recensenten gestehen sich bekehrt. Göthe 58, 171; im imperativ:
gestehe, dasz ich glücklich bin.
Schiller XI, 230 (ring d. Polykr. str. 1);
ihr herrn gesteht, ich weisz zu leben.
Göthe 12, 105 (Faust 2120 Weim.);
gesteht nur, euer schädel, eure glatze
ist nicht mehr werth als jene hohlen dort?
41, 101 (Faust 6768 Weim.);
ich musz gestehen, fateor Aler 928ᵃ; man musz gestehen, dasz der hirtenstand der einfältigste und glückseligste beruf auf erden ist. Ludwig 764; sondern jedweder haar und bart gestehen muste, wir wären gebrächter hanff. Simpl. 1, 6, 11, 595;
ich musz gestehn, den sauren (wein) mag ich nicht.
Göthe 12, 114 (Faust 2274 Weim.);
als bekräftigung, in gestalt eines zwischensatzes: fein und bewundernswerth, ich gesteh's, war die finte. Schiller III, 504 (kabale 5, 8); die verse sind, offen gestanden, schlecht; als ausruf der verwunderung: das gestehe ich! war seine verwunderungsvolle gegenrede. Felsenburg 3, 139; das gesteh ich. Lenz 1, 333; das musz ich gestehen, herr! Wieland.
30)
bildlich, anzeigen, verraten: die (zu brandzwecken glühend gemachte kanonen-)kugel gestehet viel weniger dann die feuwrkugel, dann man sicht diese kugel nicht anders fahren, dann wie ein ander kugel. Fronsperger kriegsb. (1596) 2, 142ᵃ;
ein enges kleid gesteht den schönen wuchs der arme.
Nicolay verm. ged. 5, 143;
ein wölkchen, das sich erst dem auge kaum gestehet,
dehnt sich oft plötzlich aus und wüthet als orkan.
6, 211.
Zitationshilfe
„gestehen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gestehen>, abgerufen am 24.07.2019.

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