gesindel n.
Fundstelle: Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4113, Z. 77
dimin. zum neutr. gesinde, vgl. gesindchen, gesindlein und gesindlich.
1)
in gutem sinne das berggesindel, die bergknappenschaft Schm.² 2, 305 (von 1587), s. gesinde nr. 5, b; hausgenossenschaft, dienerschaft: uberflusz, dessen ich und mein gesindel genossen. Simpl. 3, 106, 7 Kurz.
2)
in verächtlicher bedeutung wiegesinde 7, c, liederliches ehrloses volk, lumpenpack, landstreicher, colluvies vagabundorum Steinbach 2, 593: sie siehet, was sie für gespielen haben, das es nit ein gottloser haufe, ein roh wild wüst gesindle sei. Kirchhof wendunm. 5, 96; der scharffrichter, schörgen, hundschlager und dergleichen gesindl. Abele k. u. 1, 315; das diebische gesindel. 1, 6; mein herr, sie vermischen mit diesem gesindel einen mann, der gewohnt ist überall ehrenvoll behandelt zu werden. Göthe 14, 247 (groszcophta 5, 8);
wie nur so viel verflucht gesindel
im engen hause sich verkroch!
1, 212;
die marodeurs und das hergelaufene gesindel. 19, 33 (Wilh. Meist. lehrj. 4, 4);
da überfiel den hof ein trupp verlaufnen gesindels.
40, 294 (Herm. u. Dor. 6);
mit solchem gesindel musz ich mich herumschlagen. Friedrich d. gr. zum major v. Wedell in der schlacht bei Zorndorf 1758;
zwar wissen wir, um blut erkauft
der sieg sich immer nicht:
doch dasz ihr wie gesindel lauft ...
Bürger 102ᵃ;
da er noch ein knabe mit gassenjungen und elendem gesindel auf wiesen und bergen sich herumhezte. Schiller II, 17 (räub. 1, 1);
nur schlecht gesindel läszt sich sehn und schwingt
uns zum verdriesze die zerlumpten mützen.
XIV, 349 (Tell 3, 3);
das lose gesindel der lungerer und bettler. Musäus volksm. 5, 11; die ganze nation (sucht man) in gesindel zu verwandeln. denkschr. des frh. von Stein 39; das land säubern vom gesindel. Scheffel Ekkeh. 279; das skrophulose gesindel. worte des hall. prof. Leo bei Büchmann 390; von gespenstern: als dem schöpfer der feierabend über den hals gekommen sei, habe er aufhören und dieses gesindel (die incubi und andres geschmeisz) so hinlaufen lassen müssen. Brentano gr. Prags 428;
am hochgericht
tanzt' um des rades spindel
halb sichtbarlich bei mondenlicht
ein luftiges gesindel.
Bürger 15ᵃ (Lenore str. 25 fg.);
auch blosz von gemeiner geringgeachteter menge: ein kunstrichter, der das wehrlose gesindel der krüppel und lahmen abwürgt, die sich jetzt so dreuste auf die litterarische stechbahn wagen. Musäus volksm. 5, 19; schelmisch liebkosend:
ehrbar, kinder, und sacht! ...
heida! wie saust das gesindel herab von dem höckrichten abhang!
Voss Luise 1, 277;
hast gutes herz, du himmels heer,
nie liebte mich ein freund so sehr,
als du, du from gesindel.
Göttinger musenalm. 1779, 172 'an den mond und konsorten';
euch liebes schlafgesindel (weib und kind).
Claudius 1, 32.
Zitationshilfe
„gesindel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gesindel>, abgerufen am 22.07.2019.

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