geschirr n.
Fundstelle: Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3886, Z. 74
auch noch geschirre, ahd. giscirri, mhd. geschirre, md. gescherre, schwäb.-bair. geschürr, bair.-östr. geschier. der ursprung des stammes, der sonst nur in schirren, schirrmeister und ähnlichen zusammensetzungen vorliegt, ist dunkel. die ursprüngliche bedeutung ist gerät, werkzeug, zunächst collectiv, dann auch das einzelne stück: ahd. keskirre, instrumentum, îsengeschirre, ferramentum Graff 6, 539.
1)
kriegsgerät: ahd. gescirre, arma Graff a. a. o.;
noch banîr, noch helme,
noch andir strîtgeschirre.
Jeroschin 15517;
daʒ kampfgeschirre, waffe im zweikampf Freib. stadtr. 166, 31 Ermisch; 15 [[undefined:poundsign]] 5 sz. d. (schock groschen) zu dem geschirr (kriegsgerät) ze laden und abzeladen in die rais (kriegsfahrt) gen Rehlingen. städtechron. 4, 82, anm. 4 (von 1388); sie solten im anfang der nacht geschirr aufschreien (vasa conclamare). Frontinus v. Lacius 1, 8, 9 bei Fronsperger 3, 177ᵃ.
2)
ackergerät: gebûschirre Freiberger stadtr. 271, 5 Ermisch; wann er mit seinem bawgeschirr (pflug) uffem acker fahrt. weisth. 1, 218 (St. Gallen), noch waldeck. geschirre, pflug Cuptze 466ᵇ; geschirre, hawen, kerst, schippen. Michelsen Mainzer hof 18;
vil hauwen, schauffeln und ander geschirr.
keiser Maximilians lehr (1532) 48ᵇ.
3)
handwerkszeug.
a)
eigentlich:
jeder (handwerker) syn geschirr duͦt mit jm fuͤren.
S. Brant narrensch. 48, 4;
sie (brunnengräber) sollen mit yserm geschirre stan in dem mittel und yh vort graben. Petr. de Crescentiis (1493) b 1ᵇ; feuer- und löschgerät: fürehocken, füreleitern und alle andere geschirre. Straszb. verordn. 151 Brucker (15. jahrh.); das geschirr, die werkzeuge der maurer und zimmerleute Ehrenberg baulex. (1840) 262;
ist aber ein bau vorbei, ...
schnürn wir (zimmerleute) unser gschirr zusammen.
Schade handwerkslieder 104;
fischergerät: dis vorgeschriben geschirre (die fischreusen) mag man wol stellen und heben, wanne man wil. Straszb. verordn. 175 Brucker (14. jahrh.); mit geschirren fischen, welche auf dem grunde der gewässer gezogen oder geschoben werden, z. b. mit waden, ketschern oder schiebhamen. mecklenburg. landtagsverhandl. 1866; fanggerät des voglers: (wer mit garnen oder stecken vor St. Adolfstag velthun oder vasant fängt) der bessert 30 βδ, und sol man ime darzuͦ sin geschirre nemmen. Straszb. verordn. 230 Brucker (von 1459); es sol keinre drienthalben (an drei stellen) geschirre haben. 179 (14. jh.), s. unten nr. 5 schiff und geschirr.
b)
übertragen, von künstlichen maschinen.
α)
das geschirre sowol der webstuhl: weberisk gescirre kaiserchronik 429, 23 Diemer, als die senkelrecht hinter dem kamme eines weberstuhles hangenden fäden Popowitsch 341 'in Baiern', sämtliche schäfte und alles was zur bewegung derselben an schnüren und stäben erforderlich ist Jacobsson 2, 66ᵃ, pecten, licia et insilia, conjunctim Henisch 1537: ein dryscheftig geschirre soll haben an der breite eilf fiertel einer eln ... ob einer ein geschirre hette, das breiter were, dann not ist zu den tuͤchen, die gemacht werden in diser ordnung begriffen, der soll nit verbunden sin, dasselb geschirre uszzufüllen, aber in demselben geschirre soll er nit minder machen, dann sich nach diser ordnung gebüret. Mone zeitschr. 9, 148 (wollenweberordn. d. markgrafsch. Baden von 1486); von diesem (weberbaum) laufen fäden durch das blatt in der lade sowohl als durch die flügel des geschirrs. Göthe 23, 63. 67; schon zwei monate schreit ich im gebirg herum, allen leuten (webern) ihr geschirr zurecht zu machen und ihre stühle so einzurichten, dasz sie wieder eine zeit lang ungestört fortarbeiten können. 60.
β)
von der buchdruckerpresse: gedruckt unter der presz in demjenigen land, darinnen dasselbe lobwürdig geschirr erstmahls erfunden worden. Simpl. 4, 347 Kurz; Gutenberg schlosz mit seinen gesellschaftern einen vertrag dahin ab, wer es dasz ir einer under den vieren in den fünff jaren von tode abeginge, so solte alle kunst, geschirre (die presse mit den typen) und gemacht werck by den andern bliben. zeitschr. für d. gesch. des Oberrheins 7 (1892), 615 (Straszburg, von 1439).
γ)
vom trieb- und mahlwerk der mühle: daʒ ein müller sol haben gut gezüg und geschirre. weisth. 4, 385, 35 (Schweiz, von 1346); geschirr, equipage, darunter begreifet man bei einer wassermaschine das rad, wagbalken, kurbel, stiefel, oder kolbenröhren, und den kolben, mit allem übrigen zubehöre Vochs baulex. 122ᵃ; das geschirr in der papiermühle, die stampfe mit ihren zugehörigen theilen (wasserrad, welle etc.), worin die eingeweichten lumpen gestampft werden Jacobsson 2, 66ᵃ, auch deutsches geschirr 5, 653ᵇ, im gegensatz zum holländischen oder dem Holländer (th. 4², 1744, nr. 3) Röhrig techn. wb. 283ᵃ.
δ)
das seilergeschirr, ein eisernes gestell oder kasten, worin ein stirnrad mit vier getrieben befindlich ist, dient dazu, die fäden fester zu zwirnen. technol. wb. (Lpz. 1818) 241, ebenso bei den reepschlägern das geschirr, das kammrad Röding wb. der marine 1, 651.
c)
ferner in der handwerkersprache
α)
die backsteine der bauhandwerker: (den beschauern an den ziegel- und kalköfen ist auferlegt) zu jedem brandt vor dem einsatz ihr auffmerckens und fleiszigs nachsehens zu haben, was für stein und erden zu solchem geschirr und kalch gebraucht: ob der ziegel- und bachenstein vorm einsatz recht und wol bereit seie. würtemb. bauordn. von 1655 99.
β)
das obertheil eines schuhes: die zuckel, holzschuh, dessen übergeschirr aus schienen von legföhren geflochten ist. Schm.² 2, 1084, vgl. unten 4, b.
γ)
bei den tischlern lädelgeschirr, schublade mit ausziehbarer tischplatte, s. th. 6, 39: als meisterstück ein schranck samt einem verschobenen lädel-geschirr. Frisius handw.-cerem. (1712) 115.
4)
der hausrat: huszgeschirre, geschirr, supellex Dief. 568ᵃ. 631ᵇ, s. hausgeschirr th. 4², 667; ovengeschirre, fornicale. voc. opt. 10, 115; messergeschirr, besteck Schm.² 2, 457, s. th. 6, 2129; inbesondere
a)
gefäsz aus metall, thon, stein u. s. w.: ahd. kiscirre, gefäsz zum schöpfen Diutiska 2, 381 (9. jahrh.); mhd. silbergeschir erlösung 314, 99; alleʒ sin geschur (lies geschür) daʒ er hett, eʒ wärn schüʒʒel, dellier, beckin, löffel, daʒ was alleʒ silbrin. städtechron. 4, 39, 10 (14. jahrh.); da verlor der herzog (Karl von Burgund) ein unsägliches guͦt an gold, silber, püchsen, klainater, geschürr (tafelgeschirr). S. Frank Germ. chron. 214ᵇ; silberen platten, schüsseln und andere gschürr. 215ᵃ; geschirr von erhebter arbeit, oder auszgestochne gschirr von bildwerck. Frisius dict. pueror. 2, 92ᵇ; gülden, blechern geschirr Rädlein 364ᵇ; zinnin geschirr Th. Platter 188 Fechter; ertzin geschirr Dasypod. E 6ᵇ; irde (so) heffen und andere irdine geschier. Zimm. chron. 4, 235, 29fg.; Samia vasa, irdine weisze geschirr. Pinicianus prompt. (1516) D 2ᵇ;
ein hafner usz eim erdklotz macht
ein erlich gschirr.
S. Brant narrensch. 57, 36;
in jren heusern fanden wir nichts von geschirr dann steinin gefäsz. S. Frank weltb. 221ᵃ; gläsern geschirr Ludwig 752; geschirr, das drei läffzen oder mäuler hat, da man auszgieszen mag, trichilum Dasypod. E 6ᵇ;
ein ietlich gschirr kent man am klang.
trag. Joh. H 7;
ein ledig geschirr. Luther ausl. d. ep. u. evang. von ostern (1544) c 5ᵃ; so es regnet auff die wurzl oder in ire pleter, so pleibt das wasser darinnen und kann nit heraus, verzeret sich auch nit, eben als wann es in einem geschir wehr. Ulr. Schmiedel reise 90, 19 Langmantel;
der arme wolte sich zwar mit dem deckel fassen,
zu stopfen disz geschirr.
Opitz 1, 54;
Annibal lehrnet könig Antiochum an, er solte geschirr voller natern in der feinden armada schütten lassen. Fronsperger 3, 202ᵇ; die geschirre (töpfe) der bäume (oleander). Frisch insekten 7, 6;
an der efeurankigen bergwand,
die aus verdecktem geschirr vielfarbige blumen durchschlängeln.
Voss 2, 105;
alle milchgeschirr und milchnepff waren sauber gewäschen, dann er (Polyphem) hielt disen brauch, das er täglich zuͦ abendzeit alles gefäsz oder geschirr selbst auszribe. Schaidenreiszer 37ᵃ; dasz sie (tochter) das geschirr in der kuchen auffwäschen solte Simpl. 2, 2, 1, 253; dasz sie (die guten speisen) in gemeinem geschirr aufgetragen wurden. Göthe 18, 57; man hatte uns kindern dergleichen geschirr (schüsseln und töpfe) im kleinen zu spielender beschäftigung eingekauft. 24, 13; alles was ich von geschirr erschleppen konnte. 14; meine schönen geschirre werden mir zerschlagen und verbeult. 11, 275; der theekessel sei das einzige unentbehrliche geschirr. Forster ansichten (1800) 1, 411;
das zuckergeschirr von violigem glase.
Voss Luise 1, 561;
es sol niemandt für usz aim husz in das ander tragen, dann in aim laiminen oder isen geschierr. weisth. 1, 213 (St. Gallen, von 1495);
Odüszeus stand, der leuchtenden feuergeschirre
flamme nährend.
Voss Odyss. 18, 343;
trinkgefäsz: drinckgeschirre Megenberg 190, 9 var.;
do haben sie funden ...
alle sin (des herzogs) trinckegescherre unde grosze silberne kannen,
guldene kannen und guldene kopfe.
Konrad Stolle Erfurt. chron. 113;
das silbrin geschier, vorher ain silbrin trinkvasz. Ulrich von Richental chron. 28 Buck; ein wilkomm, grosz trinckgeschirr. Greg. Wickgram kunst zu trinken (1537) 34 neudruck;
das sie (boten) des fläschlins nit vergessen,
dann jn jr leber und geschirr
von louffen, liegen (lügen) würt gantz dürr.
S. Brant narrensch. 80, 27;
als eben ungeschicht selbigs tags der apoteker in zwaien geschieren ein claret zugerust. Zimm. chron. 2, 361, 7; so offt er ein glasz, becher oder krausen ausztranck, fienge er an mit lauter stimmen zuͦ schreien: 'o lieber wirt, schenck dapffer ein!' warff damit das geschirr in die höhe und empfiengs wider. Wickram rollw. 13, 15 Kurz;
so schenck das gschirr gestrichen vol,
dasz überlauff.
Scheidt Grobianus v. 1734 neudr.;
machten immerhin ein geschirre nach dem andern leer (beim biertrinken). Plesse 1, 117; thee- und coffeegeschirr Ludwig 752;
einschenkend (den thee) in Meisznergeschirr.
Voss 1, 82;
kaffe, welchen die wirthsleute im geschirr aufsetzten. Freytag werke 13, 142.
b)
hölzernes oder geflochtenes gefäsz: die kübel, zuͦber, bütten, stendel der böttcher heiszen geschirre, sowol collectiv: das des groszen geschirres gnuͦg do ist .. das des kleinen geschirres zuͦ wenig were Straszburger verordn. 162 Brucker (von 1495), als das einzelne stück: leihgebühr bei feuersbrünsten von eim geschirre ein pfennig. ebd.; auff ein höltzin geschirr gehört ein höltzin deckel. S. Frank sprichw. 2, 107ᵇ; geschirr oder fasz, die anderthalb culeos halten. Henisch 1538; die geflochtene geschirr, als die seigbärn und körb. Tatius Polyd. Vergil. von erfindung (1603) 320.
c)
als hohlmasz: wie man das gschyr soll fächten (abeichen). landbuch v. Schwyz 149 Kothing (von 1502); beschreibung seiner neuerfundenen blutwage und blutmeszgeschirrs beim aderlassen, von J. F. Glaser, Hildburghausen 1758;
alle mesz gschir sein verhanten.
H. Sachs 4, 157 Göz;
vom masz aufs gewicht übertragen: schweiz. geschirr, gewicht von einem centner Stalder 2, 319; appenzell. 1 gschier schmalz, ungefähr 96 pfund, 1 gschier chäs gleich 7 käsen ungefähr Tobler 241ᵇ.
d)
bildlich wie gefäsz 4, b:
vil bitterer, danne der mirre,
ist sin sele von sines libes geschirre
in wyerauche sinir hochfart hin gefarn.
Stolle Erfurt. chron. 123;
unzüchtige frauenzimmer sein ein geschirr des teufels. Butschky Pathm. 268; Simeon und Levi gebrüder, geschirr des raubes. Zürich. bibel (1530) 27ᵇ, 1 Mos. 49, 5, vasa iniquitatis vulg.; von einem schmuck, an dem die thränen unglücklicher unterthanen haften: soll ich den fluch seines landes in meinen haaren tragen? oder wilst du, dasz ich unter dem schrecklichen geschirr solcher tränen zu boden sinke? Schiller III, 395 (kabale 2, 2).
e)
altes geschirr, altes gerät, gerümpel, altgeschirr Ludwig 752, bildlich unter das alte geschirr gerechnet werden, ins alte geschirr schlagen, alt und unnütz werden, besonders von alten jungfern: und solte ich so lange (mit der heirat) warten müssen, bisz ich unter das alt geschirr gerechnet würde. Simpl. 3, 365; tag und nacht nichts gedächten als wie sie doch nur möchten einen mann kriegen, ehe sie ins alte geschirr schlügen. Jucundissimus 207; ebenso ins alte geschirr geworfen werden. Wander spr. 1, 1596.
5)
im stabreime schiff (auch geschiff, s. d.) und geschirr, das gesamte gerät, z. b. des schiffers oder fährmanns: zu Rinhain (Rheinheim im Kletgau) sol ain fer sitzen und des fars do warten, .. und mit schiff und gschirr gerüst sin. Mone zeitschr. 5, 380 (von 1497); des fischers: wer für ein gewende (vorrichtung zum fang der fische) fert, der sol es bevohen mit schiff und geschirre, also des antwercks gewonheit ist. Straszburger verordn. 173 Brucker (14. jahrh.); des voglers: wil der in die zinsweide varen, so sol er mit schiff und geschirre varen. 178 (14. jahrh.); das gesamte wirtschafts- und hausgerät: das alles volk mit allem trosz und plunder, schiff und gschirr dadurch (durchs rote meer) ziehen mocht. Aventin. 4, 137, 26 Lexer; alle zum betreiben der landwirtschaft gehörigen utensilien, wagen, pflug, egge, mit dem dazu gehörigen anspanngeschirr Vilmar 351. Schmid 460: den hof sammt schiff und geschirr und aller besatzung. Gotthelf Uli d. pächter 340;
wenn ich mit mäszigem gewinn
die mühle kaufen kann,
mit schiff, geschirr und vieh und feld.
Joh. Friedr. Kind gedichte;
bei den fuhrleuten der wagen und das dazu gehörige gerät Krünitz 17, 476, vgl. unten nr. 7.
6)
leder- und riemenwerk der zug- und reitthiere: ahd. satilgiscirri, falere, jumentorum cingula Graff 6, 539;
ain altz sattel geschürre.
teufels netz 10304;
das ros den wagen prach zu hant,
ein diep stal das geschirr als sant
(nachher aftersil, satel, kumat, zaum und hacken).
fastn. sp. 565, 34;
vorder- und hintergeschirr, woran die vorder- und die hintern pferde gespannt werden Frisch 2, 185ᵃ; denen pferden das geschirr an- oder auflegen Ludwig 752; jugum, ein ioch oder gescherre Trochus prompt. Q 4ᵇ de rusticis instrumentis; geschirr vom ochsen 2 Sam. 24, 22, vulg. juga; (sie haben) demselben (jungen stier) nach möglichkeit sattel und geschier auffgelegt. Simplicissimi albern. briefsteller (1725) 17;
purpurrothes geschirr bedeckte die glänzenden rücken (der kutschpferde).
Zachariä poet. schr. 1, 270;
(des zelters) geschirr
und zügel reich besetzt mit edeln steinen.
Schiller XIV, 47 (braut v. Mess. 1, 7);
(beim einzug in den Kreml) soll der ärmste unter euch ...
mit perlen sein geschirr bedecken.
XV, 2, 452 (Demetr. 1, 1).
von den zugthieren sind folgende bildliche redewendungen hergenommen
a)
aus dem geschirr schlagen, treten, schreiten wie aus den strängen schlagen, über den strang, über die schnur hauen, aus der art schlagen, ausarten Schm.² 2, 457. Vilmar 351: unglück, wann die kinder ausz dem geschirr schlagen, wie Absolon. Creidius 1, 273; kinder werden durch der eltern zu vil übersehen verterbet, das si dann aus dem geschirr slagen. Butschky kanzl. 352; was (ist) böser und schädlicher, als wann sie (die regung der liebe) aus dem geschirr schläget? Pathmos 693; aber die Celtiberier wiesen ihnen: dasz sie nicht wie die weichen Gallier von der streitbaren art ihrer deutschen voreltern gewichen, noch aus dem geschirre geschlagen wären. Lohenstein Arm. 1, 907;
wird euer geist auch einst aus dem geschirre schlagen,
sollt ihr in Africa noch kron und scepter tragen.
Cleopatra 123, 663;
untreu werden: als aber die nachkömling in solchem bund nicht bestunden, aus dem geschirr schlugen und sich zu den götzen und frembden göttern wandten. Mathesius Syr. 1, 104ᵇ; sie (die armut) schreitet oft aus dem geschirr der tugend. 129ᵃ; betreffs der ehelichen treue, von männern: weil sie selbst ausz dem geschirr treten, so thun sie (ihren liderlichen weibern gegenüber) ein aug zu. Albertinus narrenhatz 315; besonders aber von weibern: ein fraw, die ausz dem gschirr schlegt. S. Frank sprichw. 1, 81ᵇ; die war auch noch nit guͦt in der ehe und schluͦg ausz dem geschirr. Katziporus M 4; dasz sie in der beicht von den einfeltigen weibsbildern erforschet, ob sie nicht aus dem geschirr geschlagen oder den holzweg gegangen. Rauscher hundert papistische lügen c 1; dasz sie solche meine treu mit untreu belohnen und mir ausz dem geschirr schlagen wolte. Simpl. 2, 2, 6, 376; ohnangesehen sie mir gleichsamb öffentlich aus dem geschirr schlug. 2, 1, 9, 44;
(die junge frau) tritt mir offt ausz dem geschirr.
H. Sachs 1, 526ᶜ.
b)
ins geschirr gehen, schieszen, liegen, sich legen wie sich ins zeug legen, eigentlich von pferden, eifrig an- und fortziehen: das seien nie die besten rosse, die so ins geschirr schössen, als ob sie ein stück ab der welt sich reiszen wollten. J. Gotthelf schuldenb. 82; wenn der wagen an den berg kömmt, dann .. liegen (die vier rosse) ins geschirr. geld und geist 331. übertragen auf menschen, eifrig ans werk gehen und thatkräftig fortarbeiten, eine sache eifrig betreiben: sich ins geschirr legen, ins geschirr gehen Frischbier 1, 229ᵇ; du gehst wieder zu sehr ins geschirr. Freytag soll u. haben 2, 105; während wir mit allen kräften ins geschirr liegen, um unsre wehrkraft feldtüchtig zu machen. Basel-landschaftl. zeitung vom 21. juli 1875; sich ereifern: nd. in't geschirr gaan, heftig werden Berghaus 1, 559ᵇ, hess. ins geschirr schlagen, zornig werden, auffahren, nachdrücklich und heftig zufahren Vilmar 351.
c)
sich anderst ins geschirr lassen, alios induere mores Denzler 130ᵃ. Aler 914ᵃ.
d)
im geschirre sein, angestrengt thätig sein: er musz den ganzen tag im geschirre sein, im Vogtland; er kommt selten aus dem geschirr, ist selten frei von arbeit. Mayer bair. sprichw. (1812) 1, 35. Delling 1, 212.
7)
das zum fahren und reiten nötige wagen- und pferdezeug Weinhold 82ᵃ: einem guten pauman, der alle geschirr, so zu wägen und pflügen gepraucht werden, selbs kan zurichten .., dem sol ain jar nit über fünf pfund pfenning, ain pfund schmer, ain par stifel oder dafür ain halb pfund pfenning zu sold geben werden. landpot in Ober- und Niederbaiern (1516) 66ᵃ; einen knecht sol man mieten auf ein jahr, und der sein geschirr wol machen kan, dem sol man geben viertehalb mark. Waissel 105.
8)
die angeschirrten pferde, das gespann: alle, die mennen sönt (zuführen sollen) dem gotzhus sinen win ..., das sü ir wagen und geschirre also bereiten. weisth. 1, 339 (Schwarzwald, von 1397); die karren und geschirr, die von des selben klosters wegen .. in irem dienst gand. monum. zoll. 1, nr. 476 (von 1403); das dienstgeschirr, das gespann pferde, womit ein unterthan fröhnen musz. Adelung; inzwischen hörte er von ferne ein geschirre pferde mit einer kutschen sich herbei nahen. polit. stockf. 322.
9)
pferde und wagen zusammen: wenne ain geschierre sinen wegelon also ainost git, so sol es die selben vart usze und în mit dem selben wegelon, den man dem wegemacher git, ledig sin. Mone zeitschr. 19, 137 (Villingen, von 1396); desselben jars (1428) nam der von Weinsperg den obern stetten wol 40 geschirr (lastwagen mit bespannung). städtechr. 22, 481, 14; solchem geschir und furwerck wird vergleichet der christenheit regiment, da wagen und pferd musz durch eitel tieffe pfützen ziehen. Luther 7, 201ᵇ; man musz mit dem geschirr fahren, das man hat. Lehmann flor. 1, 808, 27;
lieber lenk du selber dein geschirr.
Bürger 161ᵃ (Ilias 5, 290);
bis er das blinkende geschirr (des kaisers) nur noch in der ferne erschaute. Auerbach schatzk. 1, 77; da gings wieder fort wie Bachmanns geschirr und zogen sie mit einander dahin (einer auf dem esel, der andere ihn führend). eselkönig 317; wie der fuhrmann ist, so folgt das geschirr hinnach. Henisch 1539, auch verallgemeinert md. wie der herr (herre), so 's gescherr (gescherre). Frommann 2, 413, wie der herr, so die gesamte wirtschaft.
10)
wagen: wenn ein groszer zug was, so pot man allen geschirren auf, daʒ man zu zeiten bei 200 oder 300 wegen oft het. städtechron. 2, 254, 10 (von 1449); ein groszer schnee, das man geschirr auf der strasz must steen lassen und die pfert an den wegen absetzen. 10, 287, 5 (Nürnberg, von 1463); wan sie ire uln oder dopffen geaidt (gebrannt) han, und konnen sie dan nit verkauffen in der margk, so mogen sie die uffladen uff ire geschir, wagen oder karn. weisth. 3, 455 (Wetterau, von 1485); saltzwagen oder geschir. mon. boica 9, 138 (von 1508);
wie er uffrüst schiff und geschir ...
do mit das schiff nit wendig werd ...
das er den wagen recht möcht schmieren.
S. Brant narrensch. 91, 21;
das ler geschier, der abgeladene heuwagen. Nürnb. pol.-ordn. 274 (von 1491); die erst fahrt von haus mit lährem geschier, dann mit geladnem geschier. östr. weisth. 1, 35, 5;
geschirr und spann zog Diomedes fort.
Bürger 159ᵃ (Ilias 5, 29);
da spannte die fruchtbare göttin (Ceres)
vor das geschirr zwei schlangen.
Voss Ovid verwandl. 1, 307, v. 303;
geschirr für wagen, wie es hr. Voss häufig gebraucht, sollte nie stehen, wo es zweideutig sein kann. A. W. Schlegel in der rec. des Voss. Homer, Jen. lit. zeitung 1796.
11)
wagengestell: nymant sall uber den andern holtz koͤffen, nemlich das da gehort zu unserm (der rademecher und stellemecher) hantwerck: es sint naben, velgen, spechen ader gescherre. Leipziger innungsordnungen des 15. u. 16. jh. 19 Berlit.
12)
wagen und gepäck das heeres: als die schlacht geschahe, waren wir beim geschirr zu bleiben commandiret. Ludwig 752.
13)
das gerät des schiffers, das schiff:
er (der mensch) weisz auf offnem meer
mit leinbeflügeltem geschirr zu walten.
A. W. Schlegel im musen-almanach 1798, 62;
in Coblenz geschirr, schiff Wegeler 29; geschirr, gröszte art fahrzeug auf dem Main, das von pferden gezogen wird. Schm.² 2, 457; geschirre, auf der Donau die aus Oberösterreich und Baiern heruntergehenden langen schiffe oder kähne aus fichtenholz, 'überhaupt heiszt in Oberdeutschland geschirr oft so viel als ein kleines fluszschiff, dagegen man in Niederdeutschland gefäsz sagt' Jacobsson 2, 66ᵃ.
14)
geschirr, bei der schiffahrt alles zum fahren benötigte geräte Jacobsson a. a. o., vgl. oben nr. 5; segel:
zehen schiff,
uf jedem bom ein keffin (seidenes, s. ↗kaffa) geschier.
Liliencron volksl. 3, 41ᵃ (von 1510).
15)
werkzeug, organ, von den gliedern des leibes: der munt ist ain sidel und ain geschirr der versuochenden kraft der sêl, dâ mit daʒ tier sein narung nimpt. Megenberg 12, 29; ain mäuslein (musculus) ist ain geschirr der willicleichen wegung an den glidern. 20, 12; die natur hat jm beiderlei geschirr geben zu schwimmen und zu kriechen. Forer fischbuch 107ᵃ;
du machst uns wol alle irr
mit deiner zwyfachen zungen gschirr.
H. Sachs 2, 4, 43ᶜ;
orgeschier, ohrgeschirr, ohrmuschel Schmeller; schweiz. geschirr, grober beschimpfender ausdruck für den hintertheil des körpers Rütte 35. insbesondere
16)
die geschlechtswerkzeuge, wie gerät 10:
ein guot geschirre tragen.
minnes. 1, 59ᵃ Hagen (Gottfr. v. Neifen 44, 34)
doppelsinnig vom büttenære;
das die jungfraw keinen man
mit geschirr wolt han.
Keller erzähl. aus altd. hds. 414, 12;
das ein man wenig nütze ist
one sin geschirre.
Büheler Dioclet. 6873;
zu Meinz im stift was ein glöckner, der machet dem pfarrherrn ein kind, wann er hett beide geschirr. Steinhöwel chron. (1531) 45ᵇ;
narren und frawen geschirre
machen die gantze welt irre.
Ambras. liederb. 77, 52;
kein ding uff erden macht mich irr
denn allein des gouch geschirr.
Murner geuchmat (vom Joh. ein babst) o 3ᵃ;
und im sin geschirr wer müd gangen.
fastn. sp. 753, 11 u. ö.;
daselbs zogen sie im das geschier und den weiber-werkzeug herfur. Zimm. chron. 1, 70, 20; (hosen) auf schweitzerisch, das geschirr warm bei einander zu halten. Fischart Garg. 157ᵃ. 234ᵇ; unter welcher arbeit mir mein gegentheil mit der hand in den schlitz wischte, mich bei denjenigen geschirr zu ertappen, das ich doch nicht hatte. Simpl. 2, 125; von thieren: nun war jm (dem affen) sein geschirr in die spalte des baums kommen. Agricola sprichw. nr. 253; indessen hatte die schneiderin dem (ziegen-)bock sein geschirr begriffen. Simpl. 4, 253, 24 Kurz. daher wol als schelte: schweiz. geschirr, pöbelhafter schimpfname einer weibsperson Stalder 2, 319; baslerisch gschir, plur. gschirer, nachlässig gekleidetes weibsbild Seiler 150ᵃ.
17)
bildlich, werkzeug, mittel, instrumentum: darumb soltu nit ansehen das mittel und das geschirr, durch welches dich got slecht. Keisersberg bilg. 74ᵈ; die menschen, die ôn bescheidenheit (und masz) bruchen vasten, beten und andre übung, die sint schedlich ir eignen sele, sie nement dem lyb die geschirr und geschicklichkeit der guͦten werck. 155ᶜ.
18)
einrichtung, ordnung, vgl.geschirren 3:
und gehillet doch ir (der kometen) irre
dem himelschen geschierre.
Walther v. Rheinau Marienleben 11, 30;
schweiz. das geschirr, ordnung, angeschirren, anordnen, angeschirrig, geschickt etwas anzuordnen, das gegentheil ungeschirrig, das ungeschirr, unordnung Stalder 2, 319; von einem menschen, der über das gewohnte masz hinausragt und dadurch aus aller ordnung schlägt:
ain lang man haist ungeschirre.
liedersaal 3, 423, 82. Hätzlerin 2, 13, 81;
aus dem geschirr wachsen, durch rasches wachsthum sich bis zur unkenntlichkeit verändern Regel Ruhlaer mundart 192; appenz. d' sach im gschier hah, die sache gut eingerichtet haben, er heds nüd guet im gschier, das geschick ist ihm ungünstig Tobler 241ᵇ; aus dem geschirr gehen oder kommen, aus der ordnung kommen, verwildern Regel a. a. o.; die kinder sind während der festtage ganz aus dem geschirr gekommen. Heynatz antib. 2, 40; etwas wieder ins geschirr bringen, in ordnung; weiberlein ausz allerlei art und geschirr. Harnisch aus Fleckenland 346.
19)
verallgemeinert, ding, sache, zeug, rhein. gescherr Kehrein 161. Wegeler 29:
des babsts fluͦch
und der juristen buͦch
und der juden besuch
und das under der mägd fürtuͦch,
die vier geschirr
machen die gantz welt irr.
eins Freyharts predig (Frankf. 1563) B 4ᵃ,
dieser spruch in kürzerer gestalt:
der juristen buch,
jüdischer fundt, der mägt fürtuch,
dise drei schädlicher geschirr
machen stätt und länder irr.
Murner narrenbeschw. 28, in Scheibles kloster 4, 709.
20)
gut geschirr machen ist das franz. faire bonne chère (mit umdeutung auf geschirr 'gefäsz'), vielleicht durch das niederländische vermittelt, wo es am frühesten auftritt: goede sier, goed chiere maken horae belgicae 11, 104, ciere, facies, vultus, goede ciere maecken, curare cutem, genio carpere dulcia, indulgere genio Kilian 97ᵃ; danach im deutschen zunächst guet schier machen Wilw. v. Schaumburg 154; und det ime die best schier. Pontus u. Sidonia 10ᵈ; der konig und sin dochter daten grosz tschier dem herrn. 40ᵈ u. ö. auch engl. bei Chaucer to make fest and chere, und noch heute cheer, belustigung. nach Diez wb.² 1, 112 drang das griech. κάρα, äol. κάρη, haupt, aber auch antlitz, in das spätlat. (cara, facies bei Corippus, 6. jahrh.) und von da in die romanischen sprachen: span. port. prov. cara, ital. ciera, cera, churw. cera, altfranz. chiere, antlitz, daraus entwickelte sich weiter die bedeutung miene, freundliche oder unfreundliche aufnahme (noch jetzt il ne sait quelle chère lui faire, welche aufnahme), dann bewirtung, gastmahl. im deutschen tritt die ursprüngliche bedeutung noch deutlich hervor bei Maaler 172ᶜ bösz geschirr machen, frontem contrahere. vgl. auch belletschier theil 1, 1453.
a)
lustig, fröhlich, vergnügt sein, genio indulgere Stieler 1769: der haubtman was bei herzog Heinrichen in der herbwrig (herberge) trunken und machtend nach landes art und gewonheit guet schier. Wilw. v. Schaumburg 154; darnach settigten sie sich und machten selbigen abend gut geschirr. Amadis 1, 153 Keller;
o wan ich hett vergangne jor
und hett mein jugend noch bevor,
der alter nit wer vor der thür,
so wolt ich machen gut geschirr.
Greg. Wickgram kunst zu trinken 3, J 3ᵇ;
ho! komm, gut geschirr zu machen,
weil wir die gelegenheit,
lasz uns singen, springen, lachen.
Weckherlin 412 (od. 1, 29, 1);
auch in ausgelassenster weise: sie machten des besten dings gut geschirr: rammelten, rolleten, luderten, trancken genug, spileten, sungen u. s. w. Fischart Garg. 193ᵃ; namentlich bei gelagen, lustig schmausen oder zechen:
flux heim, dasz wir prassind und schlemmind ...
wie wend wir noch so guot gschirr machen!
fastn. sp. 892, 26;
wie man nun also schlampamte und wieder wie gestern gut geschirr machen wolte. Simpl. 1, 119 (1, 124, 14 Kurz);
ir beschornen gsellen machend gut geschirr.
N. Manuel faszn. 358;
so lang das müntzli wert, wil ich
gut gschirr machen.
Daniel 1545 O 2ᵇ;
so ist auch billich, dasz ire seckel wol gastafiert seien, könig, fürsten und herren zu gast zu laden und gut geschirr mit inen zu machen. Fischart bienenk. 138ᵇ; also reiseten sie allzeit lustig und frölich, machten allenthalb gut krabatisch geschirr, gut pfeffer gut reiszmusz. Garg. 147ᵃ; darvon (von den walfischen) werden die juden ein gut pancket zurichten und rabinisch gut geschir machen. bienenk. (1581) 54ᵃ;
ins tüfels nammen faren wir,
bym wyn da machen mir guͦt gschirr,
mir sufen gantze becher usz.
Val. Boltz weltspiegel v. 2314 neudr.;
derwegen hielt er bei seim bürstlein (zechgesellschaft) an, das man es auf ein newes anfieng, lustig gut geschirr zu machen. Fischart Garg. 102ᵇ; elliptisch: auch zecht und collacioniert man gern hernach .. nun gut geschirr, wir wöllens auch genieszen. 287ᵇ.
b)
mit dativ.
α)
ein fröhliches gesicht machen beim zusammentreffen, einen herzlichen empfang bereiten: und dieweil er jhn sahe gegen jhm kommen, ritt er jhm entgegen, da er jhn gleich baldt erkannt, derwegen lasz ich euch gedencken, ob sie einander gut geschirr gemacht haben. Amadis 1, 90 Keller; eine gute aufnahme bereiten: der kunig und sin tochter flissend sich inen guot gschir zemachen. Morgant d. riese 59, 18 Bachmann.
β)
einen gut bewirten mit speise und trank:
daran thuost du mirs höchstes gfallen,
so du den gesten machst guot gschirr.
trag. Joh. N 5;
der ouch das sin mit mir verduͦt
und macht mir tag und nacht guͦt gschier.
Gengenbach die X alter 209 Gödeke;
der wolt gern allhie by dir zeren.
drumb thuͦ jm 's best, mach jm guͦt gschir.
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 219 Bächtold,
der weinsticher luͦdt ein gute bursch zuͦ jhm in sein herberg, machten dem pfaffen guͦt geschirr. als er nun ein trunck (rausch) überkam .. Wickram rollw. 92, 17 Kurz; gab der könig unserthalb befehl uns in ein losament zu fuhren und gut geschirr zu machen, wie denn geschahe aufs allerreichlichste. Kirchhof wendunm. 2, 91.
γ)
einem gut aufwarten, im allgemeinen: und danck ich ihnen darumb, dasz sie mir so gut geschirr, ja besser dann du, gemacht haben. Frey gartenges. 44; wie wärs, wenn ihr den herrn schulmeister (als defensor) ansprächt? er kan so hübsche gevatter-briefe schreiben: er kan auch so steif zur hochzeit bitten: er würde den weibern gut geschirr machen. Chr. Weise freim. redner 880; gern ironisch angewendet:
(die andringenden feinde) von muͦtwill thatends springen,
wir machtend jnen guͦt gschirr.
Körner volksl. 156 (von 1544);
(der britschenmeister) legt mich auf den narrenbanck,
hauwt mich gar sehr mit seiner brütschen ...
so gut gschirr hat er mir gemacht.
Haupts zeitschr. 3, 247 (Zürich, von 1602);
dieser zeug hat Jesu recht gut geschirr gemacht. Ayrer proc. 1, 14; wir wollen ihm gut geschirr machen und uberzeugen, was er lang geläugnet hat. 1, 13.
c)
von musikern, gut aufspielen, vgl. unten f, α und δ: wann nicht einer mit der viol de gampa oder kniegeige so trefflich gut geschirr gemacht. Simpl. 2, 280 (3, 354, 29 Kurz); da fieng ich an mit meiner sackpfeiffe so gut geschirr zu machen, dasz man den krotten im krautgarten damit hätte vergeben (vergiften) mögen. 1, 11 (1, 16, 20 K.); ich wolte ihm zu ehren ein teutsch liedlein in meine laute hören lassen. .. beflisz mich derhalben, das beste geschirr zu machen. 1, 362 (1, 363, 14 K.).
d)
von dichtern, zum besten geben, viel erzählen: das er in der hellischen flamm musz hunger und durst leiden in alle ewigkeit, wie der rechte Tantalus der grosze fundgrubner, darvon die poeten gut geschirr machen. Mathesius Sar. 10ᵇ; von einem buche:
vil gut geschirr thut er (der zweite theil) uns machen
von geistlich und weltlichen sachen.
Albertinus guld. sendschr. 2, titel.
von lügenpredigern, grosz auftischen, auftragen: cardinalmäszige lugen mit schwänzen, die den pfaffen und mönchen in iren predigten, desto besser elementsguts geschirr zu machen, zu pasz kommen. Fischart bienenk. 195ᵇ.
e)
von geschlechtlicher gemeinschaft, vgl. unten f, ε: die Dina .. wolte traun auch keine nonne sein, denn das nonnenfleisch war ihr nicht gewachsen, sondern ... machte mit juncker Sichem gut geschirr und gute kundschaft. Olorinus ethogr. mundi 1, 73; wann Lendel und Gretel mit einander gehen (auf der wallfahrt) und guͦt geschirr machen. Katziporus 64 Lindener.
f)
ähnliche verbindungen.
α)
lustiges geschirr machen, lustig aufspielen und dadurch freude bereiten, vgl. oben c: ein possierlicher leiermann, der könnte vortreffliches lustiges geschirre machen. Chr. Weise kl. leute 376.
β)
bösz geschirr machen, frontem contrahere Maaler 172ᶜ; feindlich gesinnt sein: diese eisenbeiszer und lotterbuben ... machen andern ehrlichen landsknechten bösz geschirr. Fronsperger kriegsb. (1596) 1, 89ᵇ; schlesisch, wenn jemand mitgetheiltes nicht weiter erzählen soll: das macht ein böses geschirr, wie böses blut. Wander sprichw. 1, 1596.
γ)
wunderliches geschirr machen, seltsame, unverständliche reden führen oder handlungen vornehmen Vilmar 351:
ein student wolte predigen,
solchs thet ihm schlecht von staten gehn
und macht gar wunderlich geschirr.
Sandrub kurzweil 32, 3;
δ)
jämmerlich geschirr machen: (die sänger) machen solch jämmerlich geschirr, dasz man den kröten im krautgarten damit vergeben möchte. Garzoni schauplatz 512ᵈ, s. oben c.
ε)
gemein geschirre machen, gemeinschaft, vgl. oben e:
so wird es übel stehn, wenn in den saufgelagen
die edeln mit dem volk gemein geschirre machen.
Lichtwer 202,
mit deutlicher beziehung auf geschirr 'gefäsz', wie in den wendungen: sauber geschirr machen, rein aufessen. französ. Simpl. 1, 242, rein geschirr machen, omnia vasa evacuare Frisch 2, 185ᵃ.
g)
geschirr machen schlechthin bedeutet
α)
aufwarten, ironisch wie oben b, γ: wenn ich vernim, wie du mich verlogen hast, so will ich dir gschir machen und anzeigen wie du ein mammaluk bist. Th. Platter 84 Boos.
β)
umstände machen: (dem sich entschuldigenden priester) hat er befohlen, nicht viel geschirr zu machen. kunst über alle künste 118 Köhler.
Zitationshilfe
„geschirr“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/geschirr>, abgerufen am 16.09.2019.

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