geringschätzig adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3706, Z. 34
wie ringschätzig.
1)
gering geschätzt, gering zu schätzen, wenig oder keinen wert habend, unbedeutend, schlecht, vilis, perexigue Henisch 1517, neglectus, contemtus Stieler 1742: nicht cleine noch geringeschetzig. cod. dipl. Sax. II, 12, 251, 7 (von 1468); sintemal dem geringschätzigen minder nachgestellet wird als dem theuren. Fischart ehez. 534 Sch.; in der welt ist eisen das unwerdest und geringschetzigst metall. Mathesius Sar. 78ᵃ; etliche sorten von silbergroschen werden insgemein für geringschätzig geachtet. verhandl. d. schles. fürsten und stände von 1618 s. 21; dasjenige, so sie geringschätzig achten, sei gleichfalls von andern vor unschätzbar geachtet worden. Kunowitz (des vollziehenden) Cornelius Nepos (1665) 211; ein geringschetzige gab. Spangenberg Saul vorrede; wegen der geringschätzigen verehrung. Schweinichen 1, 49; wir bringen aus unserm armen vermögen etliche geringschätzige geschenke. Zesen Assenat (1679) 14; die wichtigisten rechtführungen (gerichtsfälle) handlet ain amtsverwalter ab, die geringschäzigen werden ainem richter zugelassen abzuhandeln. östr. weisth. 6, 6, 33 (von 1594); die historien im alten testament sind sehr fürtrefflich und schön, uns aber wenn wir sie lesen gar tod und als geringschätzig. Luther tischr. 67ᵃ; derohalben hab ich auch dis mein gedicht und geringschetzige comödiam auszgehen lassen. Fr. Dedekind papista conv. vorrede; euer hochfürstl. gnade übersende ich hierbei was seithero von meinen geringschätzigen schrifften ist heraus kommen. Joh. Rist bei Krause erzschrein 409 (von 1648); meine geringschätzige arbeit. Opitz poeterei 70; ob mir wol bewust, dasz ihr (jungfrau) an meinen geringschätzigen diensten wenig oder gar nichts gelegen. A. Gryphius (1698) 1, 777; wo dem also, wers der christenheit nicht ein geringschetziger nachteil. Luther 2, 284ᵃ; prediger, welche nach gott nichts fragen, eure sünden verschweigen, dieselbe geringschätzig achten. Schuppius schriften 88; fehler vielmehr verbessern, als sie geringschätzig halten. Kant 6, 81; es muszte in der beschaffenheit der statuen selbst gegründet sein, warum er die letztere so geringschätzig hielt, dasz er sie zur zugabe bestimmte. Lessing 6, 427; der unterschied der entfernungen ist nicht geringschätzig (musz mit in anschlag gebracht werden). Kant 8, 272; eine geringschätzige bestimmung. Wieland 1, 231; würden die sachen also geringschätzig sein. reichstagsabschied von 1524 § 3; so die sach geringschätzig. Frankf. ref. 1, 22 § 3; wie oft ist nicht das menschliche geschlecht ein spiel bloszer geringschätziger dinge gewesen! Krünitz 40, 334; wie denn solches gegen e. churf. gn. ich für meine geringschetzige person ... zu vordienen schuldig und erbötig bin. Albinus meiszn. land- und bergchron. (1589) vorr. 2ᵇ; woferren meine wenigkeit und geringschätziges wesen solches ruhmes würdig zu sein nicht befunden wird. Opitz 2, 310; vor gedachte einer, er wehre gar schlecht und geringschätzig, weil er noch diesen oder jenen etwas erhabener für sich sahe. Butschky Pathm. 978; sich in der innern selbstprüfung geringschätzig und verwerflich finden. Kant 4, 287; geringschätziger kerl, caput vilissimum Stieler 1742; Katharine Cockburn, diese nicht geringschätzige vertheidigerin des Locke. Lessing 4, 335; ein so geringschätziges thier. 1, 133.
2)
gering schätzend, geringen wert beilegend, verächtlich: etwas geringschätzig ansehen. Ludwig 746; ohne umlaut: der knecht sagt: den hern (der herr), den ich eurs parts hoff zu bringen, mocht mich allein zu geringschatzig ansehen. Wilw. v. Schaumb. 138; ein geringschätziges urtheil von jemand fällen, geringschätzig von jemand sprechen. Adelung; seine stimme soll nie geringschätzig verhöret werden! Lessing 7, 2; reichere und vornehmere gegenden mögen eine solche (ärmere) geringschätzig behandeln. Göthe 30, 85; er hat gar nichts von dem geringschätzigen stolz (der nobili). Schiller IV, 280; sie erwähnten eben der wunder, und gleichsam geringschätzig. Tieck 26, 290.
Zitationshilfe
„geringschätzig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/geringsch%C3%A4tzig>, abgerufen am 24.07.2019.

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