gericht f
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3635, Z. 36
1)
die gerade richtung: ahd. girihtî, grihtî, im gegensatz zur chrumbî Graff 2, 416 fg.; mhd. der êrste (wind) heiʒit Boreas, der wêget von septentrione, daʒ ist von des wegenes (des wagens am sternhimmel) gerihte her, daʒ ist von der mitter naht. Meinauer naturlehre 9 (Wackernagel les. 1, 772, 26); nhd. der gericht nach hinauf ans gebürg. östr. weisth. 6, 10, 13 (16. jh.), vgl. 49, 23; ritte wieder nach Kölln zu, welches in die gericht 5 meilen waren. Schweinichen 1, 246; adverbial ahd. in girihtî, öfter bei Otfrid, geradeswegs, gerade heraus, in richtiger weise, der ordnung gemäsz, in gerechtigkeit (vgl. goth. garaihtei, justitia), mhd. in gerihte, verstärkt in algerihte, geradeswegs, alsbald, sogleich Lexer 1, 880: in gerichte den weg uff. Vilmar 325 (von 1366). s. gericht, adv. sp. 3634.
2)
luxemb. geriecht, f., plur. geriechten, hohlweg, schlucht, chemin cavé par la chute des eaux Gangler 175.
gericht adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3634, Z. 23
neben gerecht, verstärktes richt th. 8, 862, ahd. garihti, giriht, ordinatus, correctus, directus, idoneus Graff 2, 425.
1)
gerade: mhd. diz ist ein gerichte widersatz wider rîchtûm. mystiker 1, 220, 22 Pfeiffer; nhd. es ist nichts kirchen bauen, messe stifften, oder was für werck genennet werden mügen, gegen diesem einigen werck, das die ehelichen ire kinder zihen, denn dasselb ist ire gerichste stras gen himel. Luther 1, 171ᵇ, gerichtste stras Weim. 2, 170; richteten also die fart den gerichten weg auff die insel Medera zuͦ. Frank weltb. 211ᵇ, gerechten weg ausg. von 1542; meine seele stehet gerichts angesichts allzeit zu gott auff. Luther 3, 22ᵇ; adverbium mhd. gerihte, verkürzt aus in gerihte (s. gericht, fem.), verstärkt algerihte, sowol räumlich als zeitlich, geradeswegs, geradaus, genau, immerfort, sogleich, alsbald Lexer 1, 880, s. gerichts:
want wêrn sî gerichte
gezogin dem gebîte zû,
sô wêrin kumen si zû vrû.
Jeroschin 23425 Strehlke;
die sâʒen beide wol her dan,
an einer andern taveln ort,
gerihte gein dem künige dort.
Heinrich von Freiberg Tristan 2588;
die himele hât got geschaft,
daʒ sie loufen umme
gerihte in einer krumme.
Heinrich von Krolewitz vaterunser 483;
dô antwürt er gerichte.
Keller altd. ged. 142, 17;
gar ser des folkis menige und sterke
ist zu deme strite gar ummesus, ..
wanne nicht gudir rad darzu
mit wisheid komit gerichte.
Rothe ritterspiegel 2434;
ûf sante Stephanes sarc
viel sie von geschichte,
und wânde gar gerichte (geradezu, in wahrheit)
iren man darinne sîn.
passional 48, 14 Köpke;
gerichte den weg hin. Vilmar 325 (von 1366); nhd. (die entfernung zweier orte) were winters zeiten gericht uber den see nur eine meile. Hennenberger landtafel 5; und beschanzten sich mit eim wall im walde, der gericht gegen Marienburgk über ligt. Waissel chr. (1559) 176ᵇ; das lantgericht zu Wachseneck (d. h. seine grenze geht) nach der Feistriz gericht abwerz. östr. weisth. 6, 146, 7 (16. jahrh.);
werstu dich auch gericht
mit dein geseln an ihn machen.
Ackermann und Voith dram. v. 640;
dein sack hat kein boden nicht,
was ich nein schütt, das fellt gericht
unden durchaus, nab in den stadel.
H. Sachs 5, 388ᵃ;
(das) himlische ewig vaterland,
dahin wir mit hertz, mund und hand
sollen eilen, gericht und stracks.
15, 168, 12 Keller;
nach dem, bei einer stund gericht,
sagt einer.
380, 12;
daran erkennen wir gericht
den heiligen geist der warheit.
425, 7;
(Jupiter) zucket sie beide gericht
hinauff hoch an das firmament
und verwandlet sie an dem endt
in das leuchtent siebengestirn.
17, 442, 26 u. ö.;
comparativ: kein wesen möcht gerichter der alten Teutschen gewohnheit entgegen sein. Hutten 5, 354 Münch; superlativ: mhd.
zu wandern er begunde,
sô gerichtest kunde
den wech, den er her bequam.
pass. 46, 86 Hahn.
2)
bereit.
a)
gegenwärtig, zur hand:
jâ wîbes name, der wunsch (die macht, das auszergewöhnliche zu vollbringen) ist dir gerihte.
Frauenlob 258, 19;
gericht, bereit, paratus Maaler 170ᵇ.
b)
bereitwillig: ist der man gerichte zu leistene sînen eid, den her gelobet hât. Sachsenspiegel 2, 11, 2;
(Christus) der helff uns gar gericht
ze jungst hin für sein gericht
zu seinen erwelten schafen.
Suchenwirt 44, 101.
3)
genau passend: eine halbe maasz war bisher für meinen durst wie abgemessen und gericht. Hebel 469.
4)
recht, gerecht: on prästen und steyf sind die weg des felsens (gottes), dann alle seine werk sind gericht. Züricher bibel 1530 108ᵃ, 5 Mos. 32, 4, alles was er thut das ist recht Luther. dazu das subst. gerichtekeit, s. gerechtigkeit sp. 3606.
5)
gericht werden oder sein, wie gerecht (7, d), bericht sein, ausgeglichen, versöhnt: und sollen beide gebruͤdere gentzlich gerichte sin und ein gantz luter suͦne gen einander haben und halten. mon. Zollerana 1, 556 (von 1414); marggraff von Baden ist gericht mit den gemein reichstetten umb ain gelaitzbruch und totslag. chron. der d. städte 2, 238, 5 (von 1450); so sprech jederman, der groll wer ab und wir wern zu gruͦnd gericht (gründlich versöhnt). 530, 21; sandt er am morgen mit Mutio sein botschaft gen Rom und begert mit in gericht zu werden. Livius von Schöfferlin 27; deshalb sucht er allweg darnach freundschaft gegen den Römern und wer gern auf zimliche weg mit inen gericht worden. 92ᵇ.
6)
statt gerichtet, s. richten th. 8, 868, z. b. gericht, bestrebt, erpicht auf etwas: der wirt was gricht nach dem gelt. Eulenspiegel c. 71; also das es nicht wol gleublich ist, wie gericht und geschickt sie sind, damit zu dreuen und schrecken. Luther 1, 57ᵃ.
gericht n.
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3635, Z. 52
subst. verb. zu richten, im sinne von an-, zu-, auf-, einrichten. s. richt th. 8, 861.
1)
die auf oder in einer schüssel angerichtete speise, nnl. gerecht, schwed. rätt, dän. ret pl. retter, und zwar
a)
die einzelne speise, tracht eines essens: mnrhein.
we menscher hande gerichte ..
de trusseten vure drogen.
Karlmeinet 21, 8;
ich enkunde uch neit geprysen
van alle der spysen
ind alle den gerichten.
291, 15;
mennich gereicht bracht men en zo
beide zam ind wilde.
12, 8;
mhd. so het eines gerihtes mê
ie der edele Tristan.
Heinr. v. Freiberg Trist. 3372;
wærn die burgær vederspil,
sine wæren überkrüpfet niht;
des noch ir tischgerihte giht.
Parz. 191, 14, vgl. Willeh. 173, 28;
ich bin wol zwirunt da geseʒʒen,
da man zwelf geriht hat geʒʒen
mit sogetanen ernst und rimpfen,
da ich ein lachen und ein schimpfen (scherzen)
hete für drei gerihte genomen u. s. w.
Renner 5564, vgl. 4777;
die swarzen kichern, wenn man si iʒt, sô schol man si niht des êrsten auf den tisch tragen noch ze letzt, man schol si in der mitt eʒʒen zwischen andern gerihten. Megenberg 389, 28; gerichte oder speise oder tracht, ferculum, epulum voc. 1482 l 8ᵃ; ein gericht, tracht, ferculum Dasypod. 291ᵃ, jedoch bei gröszerer anzahl gericht (einzelne speise) und tracht (gang) unterschieden: studenten-confect, auffgetragen in vier trachten, jede von 100 gerichten. gepflückte finken (1667) titel; das ein wirt oder gastgebe seinen gesten .. auf ein malzeit geben sol fünf gericht mit dem kese, und .. nicht mehr nemen denn zwen groschen. Leipz. stadtordn. von 1544 L 2ᵇ; ein herrlich gros mal mit unaussprechlichen gerichten. Luther zwo predigt von dreifaltigkeit und abendmahl (1535) E 1ᵇ; Jacob kocht ein gerichte, da kam Esau vom feld, und war müde, und sprach zu Jacob, las mich kosten das rote gericht. 1 Mos. 25, 29; ein gut gericht fur einem maul, das nicht essen kan. Sirach 30, 18; wir haben einen unfreundlichen wirth, der gibt das best gericht zuletzt. Mathesius Luther 142ᵇ; vil gericht machen vil essen. wenig gericht und ein saltzfasz zieren armer leut tisch wol. Henisch 1514; verdeckte gericht sind verdächtig. ebenda; wann ein gerichte im dopffe, nachdeme es von feuer, nachkochet, zeigets an, das keine hexen im hause. Leyermatzs lustiger correspondenzgeist (1668) 175; ein geriht von eime stockvische, von einer gense (gans). buch v. guter speise 38. 42; ein zusammen vermengetes gerichte von kraut und rüben. Simplicissimi alberner briefsteller (1725) 8; es ist besser ein gericht kraut mit liebe, denn ein gemester ochse mit hasz. spr. Sal. 15, 17; ein gerichte fische, patina piscium Steinbach 2, 280;
so sprech ich heute abend
auf ein gericht karauschen bei euch ein.
H. v. Kleist zerbroch. krug 11. sc.;
unter den schau-gerichten, den optischen prunk-gerichten der groszen. J. Paul uns. loge 3, 16; die unhöflichkeit jenes gastes, der über eine sparsam erleuchtete tafel hinrief: gebt mir ein licht mehr und ein gericht weniger! werke 6, ix;
honig, musz ich euch sagen, geht über alle gerichte.
Göthe 40, 23;
in engerer bedeutung pflegt man suppe, braten und nachtisch nicht unter die gerichte zu rechnen Adelung; dem masze nach nennt man soviel fleisch, gemüse u. s. w., als zur sättigung der gewöhnlichen personen nöthig ist, ein gericht Campe.
b)
ein gang von mehreren speisen: das scheinbar köstlich morgenmal mit sein apparaten, schönen essen, der man hundert gab, alweg fünf mit einander für ein gericht. S. Frank chron. (1551) 232ᵇ.
c)
bildlich: ein selzam gerichte ist es, wann brüder und eheleute einig sein; noch selzamer, wann unter den bundesgenossen einigkeit erhalten wird. Butschky kanzl. 424; die erste satire ist die schlechteste in diesem buche. dieses sag ich deswegen, damit du nicht messer und gabel bei dem gerichte weglegst, das dem bessern nachtische nur den weg bahnen soll. J. Paul 6, ix.
d)
mehrzahl selten gerichter: man brachte gerichter, deszwegen vor-essen genant, weil sie gewürtzt und vor dem trunck zu genieszen verordnet waren, damit derselbe desto bässer ein- und fortgienge. Simpl. 1, 1, 30, 100; jener baurenbub, der die güte des schnepffen-drecks über alle andere delicate gerichter erhöhete. 4, 14, 18 Kurz; der die gerichter auff und absetzt, discophorus Henisch 1514.
2)
hauseinrichtung, hausrat:
well sie vremden kleider geben, daʒ neme von ir gerihten.
Lohengrin 1207;
das gericht, der bericht, das gutsrecht, die einrichtung, ausstattung eines hofes an gerätschaften, vieh, speisevorräten u. s. w. Schm.² 2, 38: si sullent die selb ir swaig allenthalben paulich und stiftleich vinden mit sambt dem gericht, daʒ man uns darauf gegeben und auch geantwurt hat, daʒ sint sechs melichw rinder, für ziechenʒ vich, vierzigk mezen habern, ainen wagen, ainen pflug, haw u. s. w. monum. boica 18, 244 (von 1391); ebenso husgericht, suppellectilia, nebenform der hausgerecht, das hovegerihte neben hofgerecht, ferner das hubgericht, abgaben beim abzug von einem hofe (vom jahre 1400) Schmeller a. a. o.: wir sullen auch das vorgenant gut wesenlich lassen ligen ze veld und ze dorf nach der freisaʒen rat, und daʒ gericht darauf geben, nach des urbar puechs sag. mon. boic. 10, 506 (von 1354); auch der hof selbst, das angericht, das anwesen: alleweil frieden und gar alle glori (herrlichkeit) hat man nicht, wenn man schon heirathet, aber um so ein ahg'richt wie die mühle, kann sich einer schon etwas gefallen lassen. Felder Nümmamüllers 59.
3)
die innere einrichtung auch in anderen beziehungen: mulgerihte oder der mülbericht, mühleinrichtung, das schefgriht, das was jedem schiffer auf eine fahrt als ausrüstung und speiseration mitgegeben worden Schmeller a. a. o.; das ingericht im schlos, interanea serae Schönsleder Aa 3ᵇ, s. eingerichte th. 3, 189; schles. das eingerichte, die innere einrichtung der schreibtische Weinhold 77ᵇ.
4)
die einmalige bettausstattung, das gebett: ein gericht rother betten, welches 30 thlr. gekostet, nie gebraucht, soll für 11 thlr. verkauft werden. Berliner zeitungsanzeige von 1870; ein gericht bett, so sie ihm zu seiner hausfrauen als aussteuer versprochen. anz. des germ. museums 16, 231 (Nürnberg, von 1531), falls hier nicht das particip gemeint ist.
5)
ein gebisz zähne: das wenigstens ist wahr, dasz ich ein vortrefliches gericht zähne gewar ward (vorher indem sie sich bückte, um den faden mit den zähnen zu fassen). Sophiens reise (1778) 1, 683.
6)
weidmännisch.
a)
strick- und schlingwerk zum fangen des wildes: wilden thiern bei der straszen nicht zu richten (fangwerkzeuge aufrichten). die selbgeschlosz, zucken, predtfallen, sengsen und andern dergleichen gericht soll man kains wegs bei den straszen und wegen richten, damit nimant schadthaft noch gelaidigt werde. östr. weisth. 6, 236, 26 (16. jahrh.); ob ainer die gericht zerbräch, zerrüttet oder vernichtet. 56, 11. 67, 21; es sol auch ain wildhüeter darob sein, das an den enden, do dann das valwild (fahlfarbiges wild, der steinbock) sein wonung hat, mit dhainem gejaid oder gericht, snuer und parm gelaidigt, vertriben oder gejagt werde. 1, 289, 39 (von 1494); dem hasen werden garn- und federgericht gestellet. Zinck öcon. lex. 1068.
b)
beim vogelfang 'gericht, geschneide ist wo man mit bögeln (bügeln), dohnen oder laufeln den vögeln richtet, sonderbar (besonders) erfordern die boden- dann aufschlaggerichte einen fleiszigen aufseher.' Heppe wohlr. jäger 180.
7)
thürgerüst: thürgerichte, antae, thyroma Steinbach 2, 280. Schm.² 2, 38, noch schweiz. thüregericht Stalder 2, 272: Ulysses sasz auff die erden gerad näben der thür nider, also das er mit dem rucken an das cypressen künstlich geschnitzte thürgericht anlainet. Schaidenreiszer (1537) 73ᵇ; architectura, .. von fenstern, caminen, thürgerichten, portalen, von Wendel. Dietterlein, Nürnberg 1598. s.thür-, ↗thorgericht.
8)
gericht oder schiffes ruderloch oder rimenloch, fenestra. voc. 1482 l 8ᵇ.
9)
gericht, der bedeckte gang, worunter der sturmbock an die mauer stiesz, machina arietis Frisch 2, 117ᵃ aus Hagens chron. austr., vgl. Schultz höf. leben² 2, 409 fg.
10)
gericht am wagen, lateralia Schmeller a. a. o.; ingricht, vorrichtung am wagen. ebd. aus dem bairischen wald.
11)
für gerist, rist, der rücken der hand ohne die finger: (der jude beim schwören) sol sein gerechtw hant in das puch legn untz an das gericht. Heumann opusc. 162, vgl. Schwabenspiegel c. 259.
gericht
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3650, Z. 25
s.gerücht.
gericht n.
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3637, Z. 48
subst. verb. zu richten, recht machen was unrecht ist, ein rechtsurtheil fällen oder vollstrecken, s. richt th. 8, 862, ahd. mhd. gerihte, judicium (daneben ahd. giriht vindicta und fem. girihtî ultio Tat. 122, 3. 145, 12. s. unten nr. 18, d), rhein. geriecht weisth. 1, 771 fg. (Edenkoben, 14. jh.), gereicht Laurent Aachn. stadtrechn. 357, 2 (von 1385), ostfries. gerigt, mnl. gerechte, gherecht, nnl. gerecht, gericht, schwed. rätt, dän. ret pl. retter; ags. geriht, directum, directio, rectum, jus, s. nr. 1. — mehrzahl neben gerichte und gericht auch gerichter und gerichten: dasz die vorgeschrieben dorfer und gerichter frei eigen seind. weisth. 5, 309 (Wetterau, von 1361); vom stain bis zum stattgraben, da geen drei gerichter zusamen, Lebenauer, Haunsperger und das stattgericht. östr. weisth. 1, 80, 40 (17. jh.); die gerichter werden ernstlich gehalten. Aler 902ᵃ; die gerichter wuszten sich in ihren entscheidungen gar nicht zu helfen, besonders die untergerichter. Möser phant. 2, 207; einer ware zu einem imbs auff ein rathhausz geladen in einem landstättlin, nach gehaltenem gerichtstag, als er nun die uberflüssige tractation sahe, taxirt er sie höfflich mit diesen worten: jetzo verstehe er recht, warumb man jhre zusammenkunfft die gerichten nente, weil man nemlich so viel gerichte aufftrüge. Zinkgref apophth. 1, 360, zwei weitere beispiele sieh unter nr. 6 und 7.
1)
recht, gerechtigkeit, gesetz, gottes gebot, der gegensatz dazu ungericht, unrecht, vergehen, verbrechen, frevel, ahd. ungrihti, s. Lexer 2, 1860: ahd. er minnôt armherzi unde gerihte, daʒ ist knâda unde urteilde, misericordiam et judicium. Notker ps. 32, 5 (er liebet gerechtigkeit und gericht Luther ps. 33, 5); wanda truhten urteilda minnôt, daʒ chît kerihte, er ne lâʒʒet nieht ungerihtes. 36, 28; ih teta gerihte unde reht, feci judicium et justitiam, judicium est operatio virtutis. 118, 121; reht unde gerihte sint carewi (praeparatio) dînes stuoles. 88, 15 (gerechtigkeit und gericht sind deines stuels festung Luther ps. 89, 15); got pevile demo chuninge ... dîn gerihte ze tuonne. 71, 1 (gott, gib dein gericht dem könige, und deine gerechtigkeit des königes sone. Luther ps. 72, 1); ube aber sîniu chint ... mîna êa ferlâʒent unde in mînen gerihten ne gânt. 88, 31; sô ne geoffenôta er in (den heiden) sîniu gerihte, sô er Israheli teta. 147, 9; ich sal widdir ire lande und lute nummer thun mit gerichten ader mit ungerichten. Dief.-Wülcker 613 (Frankfurt, von 1401); ettwa heiszt es (das wort gericht) gottes gepott, als psalm cxviii (119, 26) lere mich deine gerichte. item eine gewonheit odder recht, als exod. xxii (21, 9) er soll mit ihr thun nach dem gericht der tochter, das ist tochter recht, odder wie man einer tochter pflegt zu thun. Luther vorrede auf den psalter bei Bindseil 7, 329;
der ich stehts dein gericht (gesetz) geliebet und gesuchet.
Weckherlin 261 (ps. 119, 22).
2)
rechtliche begleichung, s. das verb. gerichten: wando du (gott) allen den fergibest iro sculda so welihe rehto riwont unde die dir antlaʒont iro scolaren, unde ube si ouh gerihte unde suona bietant, so si ferrest mugin wider die ouh si sculdic sint. ahd. beichte bei Eckhart Francia orient. 2, 938; die thail (parteien soll man) güetlich mit ainander vergleichen, ob es aber auf disen tag nit vertragen wurde, weider einen tag machen, damit die sachen zu ainem vertrag und gericht kombt. östr. weisth. 1, 42, 22 (von 1625).
3)
mhd. die reichsverwaltung, regierung, das regiment, 'die ganze oberherrliche gewalt, von welcher die sprechung des rechtes eine der vornehmsten befugnisse ist' ( Adelung), zu mhd. rihten, herrschen, regieren, rihtære der regierende fürst:
die rîche wurden undir in (zwillingsbrüdern)
zuo michilme strîte:
swedir der gebruodere ê gehîte,
dem irteilde man daʒ gerihte.
kaiserchron. 11391;
dû (kaiser) hâst einen bruoder hêrlîch ..
deme sint die rîche sô gelegen,
der sol des gerihtes under diu (während deiner abwesenheit)
hie phlegen.
11490;
si (die vögel) dûhten sich ze nihte,
si enschüefen starc gerihte.
si kiesent künege unde reht.
Walther 9, 5 Lachm.
4)
die handlung des richtens, die richterliche entscheidung, fällung des urtheils, dann (mit einbeziehung der gerichtlichen untersuchung und verhandlung) das gerichtsverfahren überhaupt, die handhabung des rechts, rechtspflege, s. gedinge sp. 2026, d: gerichte, welches heiszt nicht anders, denn da man handelt und urteilet zwischen zweierlei streitigen parten, welches recht und unrecht habe, und fasset zugleich die beide stück, .. eines das der unschüldiger ledig gesprochen und jm zu recht geholffen wird, das ander, das der schüldige verdampt und gestraffet wird. doch wird es fast am meisten gebraucht fur das ander teil des gerichts oder rechtspruchs, nemlich fur verdamnen und von dem folge oder execution desselben. Luther auslegung der ep. u. evang. von ostern (1544) Q 5ᵇ; ahd. Paulus fideles zêh, daʒ sie iro gerihte forderôtin apud infideles. Notker Boethius 58; mhd.
daʒ si al gemeine
den künec gerihtes bæten.
Parz. 527, 13;
darnach choͤm die judin (als klägerin) für mich und pat gerichtes. fontes rer. austr. 2, 10, nr. 375 (von 1355), vergl. 427; eine wittewe ... bittet den keiser, das er ir gerihte tuͦ von ires eingebornen sünes wegen, der sî ir unversihtekliche mit eime pferde erdrettet worden. Königshofen in städtechron. 8, 348, 23;
ich hœre des die wîsen jehen,
daʒ ein gerihte sül geschehen,
daʒ nie deheineʒ mê wart alsô strenge.
Walther 89, 2 Pf.;
die vesten rihter, die mit irem starken geriht die schedleichen läut vertreibent und verderbent. Megenberg 202, 9; wir globen in guden truwen vur uns unde alle unse erben disen kauff ewelichen stede unde veste zu halden .. unde nit dar widder zuͦ duͦne noch laszen ymen von unser wegen mit gerichte oder ane gerichte oder anders mit keinen sachen in keine wis. Limburger urk. von 1374 in Limb. chron. 128, 14 Wyss; wolters nüt gelten (die schuld bezahlen), so getorste in der arme man nüt derumbe bekumbern in gerihtes wise (mit gericht bedrängen). Closener in chron. d. d. städte 8, 123, 27; die vischere söllent ouch niergent kein gerihte anderswo suͦchen noch nemen denne in eins meisters hof. Straszb. verordn. 200 Brucker (von 1390); ouch so mag der meiger das hoffgericht beslissen, daʒ nimand in daʒ gericht reden sol dan durch sinen fursprech, ouch nymand dem andern in sin urteil reden sol. weisth. 4, 44 (von 1420); es ist auch gesetzet, swer der ist, der die pütel ubel handelt, darumbe, daʒ si gerihtes beholfen sein, so man uber ainen mentschen rihtet, der muͦʒ geben funff pfunt haller. Nürnberger pol.-ordn. 12 Baader; ihr habt gehört, dasz zu den alten gesagt ist, du solt nicht tödten, wer aber tödtet, der sol des gerichts schüldig sein. ich aber sage euch, wer mit seinem bruder zörnet, der ist des gerichts schüldig. Matth. 5, 21; wer einen todschlag gethan hat, der ist erstlich schuldig des gerichts, das ist, das man jn furstelle, zu jm klage und ein urteil uber in felle. Luther das 5. cap. Matth. (1532) R 1ᵇ; es wird gar ein scharff gericht gehen uber die oberherrn. weish. Sal. 6, 6; es wird ein unbarmhertzig gericht uber den gehen, der nicht barmhertzigkeit gethan hat. Jac. 2, 13; das gericht geht scharpff uber das hausz gottes. S. Frank chron. (1551) 2, 255ᵃ; strenges, mildes gericht, ein unbeständig, ringfertig gericht Aler 902ᵃ; ihr wöllt euch doch auch mein gericht befohlen lassen sein (das gericht, das über mich gehalten werden soll). Hutten 5, 34 Münch; es kan nicht sein ein recht gericht, da der pfenning das urtheil spricht. Henisch 1516; an- oder instand des gerichts, justitium Schönsleder v 3ᵃ; was heiszt kriminalprozess? gericht um leben und tod. Schiller III, 441 (kabale 3, 6);
(die gestürzten gäste der götter) harren vergebens,
im finstern gebunden,
gerechtes gerichtes.
Göthe 9, 78 (Iphigenie auf Tauris 4, 5).
gericht halten oder haben, so der richter ein sach ze urteilen für sich nimpt. Maaler 170ᵇ, s. th. 4², 52 und 295:
swie guot gerihte der künec hât.
minnes. 1, 60ᵃ v. d. Hagen;
die gerihte an mime sunnendage hant, sint verbannen iemer ewecliche. Closener in städtechron. 8, 114, 13; wann man ain gericht hat wöllen haben, so sind allweg mit zwain gloggen drew zaichen geleit vorhin. Baumann quellen 1, 377;
sie (die störche) fliegent alle mit im heim und haltent ganz gerihte.
diu gewalt gêt dann über die (untreue) storkinne.
Kolmar. meisterl. 58, 21;
der (richter) hielt so strenge gerihte, das er etwie manigen frigen und grofen .. det enthoubeten umb ir missetet. Königshofen in städtechron. 9, 586, 18; eine halle, darin man gericht hielt. 1 kön. 7, 7; wenn wiltu gericht halten uber meine verfolger? ps. 119, 84; das gericht, das unter dem vorsitz Apolls und Minervens zu Athen von den furien über ihn gehalten worden. Schiller VI, 252; (die schaubühne) wo die wahrheit unbestechlich wie Rhadamanthus gericht hält. III, 514; das straszenrecht oder fräisgericht halten, einen ermordeten körper beschreien, u. s. w. Ludwig 281;
man tete in kunt mit mæren
wie si nâch Rômæren
lois und lantreht solten wegen,
wie s'ir gerihtes solten phlegen.
Tristan 6000;
so aber sach were, das der schiffman seine unschuld don wolt (die schuld abschwören), soll m. h. meier machen ein stehend gericht (stehenden fuszes gericht halten). weisth. 2, 316; David handhabet gericht und gerechtigkeit. 1 chron. 19, 14; die gerichte hindern, aufschieben, aufheben, in die gerichte greifen, die gerichte wieder in schwank bringen. Stieler 1557; tag, an welchen die gericht aufgeschlagen warend, nefasti dies Frisius 545ᵇ, s. rechtsalterth.² 852; die gericht anstellen, beschlieszen, justitium indicere Dasypodius X 3ᵃ;
das ist nur eine leere förmlichkeit,
die des gerichtes lauf nicht hemmen kann.
Schiller XII, 430 (M. Stuart 1, 7);
wie man phant gehalten sol, diu mit gerihte geantwurt (gerichtlich ausgeantwortet) wärdent. Augsb. stadtb. 8, 13 (von 1276); wer ungerecht traid fail hat .. und würdet des mit dem gericht uberfahren (überführt), so ist er dem richter zu wandel 6 β 12 pfening. östr. weisth. 7, 599, 14 (18. jahrh.); mit gericht besetzen, verarrestieren Frisch 2, 117ᶜ; mit gericht sperren, velut nexus tradi creditori, hypothecis cedere cogi Serz 52ᵃ; sich des gerichts entschütten, actionem mittere Henisch 1515; vom gericht losz und ledig werden, eximi de reis Schönsleder v 3ᵇ.
5)
das gefällte urtheil, der gerichtsspruch.
a)
eigentlich:
die vrouwe (die den Julian vor dem papste verklagt hatte) muose dannen gân
âne gerihte unde âne scaz.
kaiserchronik 10691;
swer die schar dâ bræche,
mit der wide daʒ ræche
Terramêrs gerihte.
Willehalm 402, 9;
die hantfestin, die ein vogt uber sin gerihte git (giebt). Augsb. stadtb. 7, 31 (v. 1276); (das haus) daʒ wir vurmales hatten gekaufft umb den vurgenanten juden, want iʒ zubefor sin was unde (er) mit rechtlichem gerichte dar inne sasz. Limb. urk. von 1371 in Limb. chron. 122, 49 Wyss; das wörtlin gericht .. wenns bei dem wort gerechtickeit steht, so ist es des gerichts werck die helfft, nemlich das urteil, da mit das gottlos und unrecht verurteilt, gehasset und gestrafft wird. Luther vorrede auf den psalter bei Bindseil 7, 329; die engel nicht ertragen das lesterliche gericht wider sich vom herrn. 2 Petr. 2, 11 (si trugen nit wider sich deʒ vorpanten urtail cod. Tepl.); mit welcherlei gerichte jr richtet, werdet jr gerichtet werden. Matth. 7, 2 (mit dem urtail und ir urtailt, wert ir geurtailt cod. Tepl.); du hast das gericht lassen hören vom himel. ps. 76, 9 var.; richtet ein recht gerichte. Joh. 7, 24;
wiwol ich befüget wer
mit voller macht von Jupiter,
das ich euch gleich spräch den sentenz,
doch das ich dis gricht recht ergenz, ..
so will ich uberweisen euch,
eh ich euch schreck mit urtheil gleich.
Fischart flöhh. 2528 Kurz;
wie zweiflest dan, o süszes leben,
auszsprechend das gericht
mir mit trostworten gnad zu geben?
Weckherlin 399 (od. 1, 19, 6).
b)
übertragen, urtheil, beurtheilung, kritik:
auch deine weiblichkeit hat ihre rechte,
der zarte punkt gehört vor dein gericht.
Schiller XII, 485 (M. Stuart 2, 9);
gut gerüchte, scharff gerichte werden sich an diesem (buch) üben.
Logau zugabe 2, 221;
er (der schriftsteller) stellt sich den urtheilen aller welt blosz, er geht durch gute und böse gerichte, und die letzten sind gewisz häufiger, so lange es mehr leute giebt, die lesen, als die schreiben können. Rabener sat. 1, 107; wenn die gelehrte welt das recht nicht haben soll, sie wegen ihres (schriftstellerischen) diebstahls vor das kritische gerichte zu ziehen. 4, 232, vgl. kunstgericht; urtheilskraft:
scharpfsinniges gericht und niemahl müde hand.
Weckherlin 611;
zu schlecht ist mein gericht, und mein verstand zu schwach.
729.
6)
die befugnis des rechtsprechens, gerichtsbarkeit, gerichtsgewalt, nebst den aus den strafgeldern u. s. w. erwachsenden einkünften: gericht und herrligkeit, ditio Maaler 170ᶜ; gericht und recht, mit gericht und recht belehnet, omnimoda jurisdictio Henisch 1515; gute richter (wie kaiser Heinrich und könig Karl), sie richtent nicht, als nu die richter (gerichtsherren) tunt, die das gericht darumb chauffent, das si den leuten ir gut abbrechen. Berthold v. Regensburg bei Schm.² 2, 35; diu hêrschaft hât in den vorgenanden dörfern und an den vorgeschribenen leuten den dritten teil der gerihten, diu heiszent diube unde vrevel, unde der buoszen, die dâ von koment. habsb. urbarbuch 292, 3; dis sint di recht, die junker Conrad .. hat zu Mülbach: zwing, bann, gricht, frevel, gebot und alle herrlichkeit und ist lehen. weisth. 1, 697; jnen ward gegeben das gericht. offenb. Joh. 20, 4; dises schlöszlein hat auch etwas gericht und rechtung am dorff Eschentz. Stumpf (1606) 409ᵇ; das gericht zu Weimar (d. h. seine einkünfte) ist geacht uff 22 tal. (pfund pfennige). das rote buch von Weimar 27, anm. 5 (von 1378); das gericht verkaufen, bei einem gute die gerichte mit in anschlag bringen, die gerichte verpachten. Adelung. insbesondere
a)
weltliches und geistliches gericht, s. geistlich 3, g sp. 2785: das sich kein bischof under dem riche solte üt tuͦn also ein bischof, er hette denne e von dem keiser enpfangen sine regalia, daʒ ist weltlich gerihte und lehen. Königshofen in städtechron. 8, 436, 30; auch sal man keinen husgenoszen .. beclagen wider mit geistlichem gericht noch mit werntlichem gerichte. chron. d. d. städte 17, 351 (Mainz, von 1365); die baidt theten ainandern sovil widerdriesz, das zu letzst der pfaff den Conradten Schulthaisen mit gaistlichem gericht vorm consistorio zu Basel furnam. Zimm. chron. 1, 265, 14; darnach greifft es gar viel weiter, wenn mans sol ziehen ins geistlich gericht oder regiment, da gehets also, das ein jglicher wider seinen nehesten felschlich zeuget. Luther 4, 446ᵃ; vor dem kirchlichen gericht bewahr uns, lieber herre gott. Wander sprichw.-lex. 1, 1569. s. unten nr. 7.
b)
das hohe, höchste, grosze, oberste gericht, auch birst-, blut-, hals-, malefizgericht weisth. 7, 272, die gerichtsbarkeit über leben und tod, im gegensatz dazu die untersten, niedersten, niederen gerichte, kleines, schlechtes gericht, die gerichtsbarkeit über geringere vergehen, s. Haltaus 665 fg.: das obriste gerichte, das man halszgerichte heiszet, das da halsz und hand anbetrifft, von 1384; das gericht über das blut, halsz und häupte, von 1381; mit allen gerichden, minren und meren, von 1329; halsgeriht und chlains geriht. monum. Zollerana 3, nr. 200 (von 1348); alle die, so in iren hochen und kleinen gerichten gesessen sind. weisth. 1, 22 (Kyburg, vor 1506); und sind namlich das die stuck, die ain abbt und gottshausz dinnen gehabt hat: hohen und nider gericht mitsampt ainem stattamen (stadtamtmann) zue besetzend. Baumann quellen 1, 491; das schlosz und amt zu Windischmatrey, sammt dem landgericht, allen obrigkeiten, hoch und niederen gerichten. östr. weisth. 1, 302 anm. (von 1524); malefitzisch gericht. Frisius dict. pueror. 2, 91ᵇ; auch dreigetheilt: die gemeine hern, so hoch, mittel und nidergericht haben. weisth. 2, 70 (Saar, von 1620), das mittele bezeichnet als das gerichte uber schulde, gulde unde bruche Haltaus von 1427, und umschrieben: danach sol der vogt richten umb fronen und um die groszen gericht âne umb den tod. weisth. 5, 89 (von 1343).
7)
die obrigkeit, welche das recht zu richten ausübt, gerichtsbehörde, richtercolleg: die moralische person, welche der gerechtigkeit vorsteht, .. im zustande ihrer amtsführung ist das gericht. Kant 5, 106; der centgräff soll das gericht gebieten und ruffen vor der kirchen zu Altenhasselau, als gewöhnlich und recht ist. weisth. 3, 410 (von 1354); item das man soll alle jor in das gericht kiesen süben mann, die der schifflüt antwerck haben. Straszb. verordn. 436 Brucker (15. jahrh.); so wurden dritzehen man jors (jährlich) in das gericht genommen. 437; nach der gerwer und schuͦmacher geriht erkentnusse. 455; vor weltlichem gerihte. 200 (von 1390); mit disem pfarrer hat herr Johanns Wernher lang hin und wider am gaistlichen gericht gerechtet. Zimm. chron. 2, 322, 4; ein geistlich gericht, ein consistorium, so sonderlich über ehesachen etc. richtet, und ein inquisitionsamt, so die ketzer verfolget. Ludwig 743; also verre der stab zuͦ Saspach zuͦ gebieten hat, das ist ein habende gerihte (das arretieren kann). wer es do, daʒ zwen fremde man kemen oder ein heimscher man und ruͦft einen amptman an zuͦ Saspach, das er im den man solt haben zuͦ dem rehten, so sol ein amptman im den selben man haben zuͦ dem rehten. Mone zeitschr. 8, 147 (von 1432); so soll der bott den jhenen, die inn dem hausz seind, ... seinen bevelh, von raths oder gerichts wegen, zu erkennen geben. Wormser reformation 1ᵇ; gericht und gerecht, s. sp. 3605;
ir bede teil tret zuͦher
und hœrt die urtail, so das gericht
auf euer fürbringen zuͦ recht spricht.
Theuerdank 109, 145;
wenn daʒ gericht zergät, so sol ein twingherr geben den genossen ein viertel wins. weisth. 1, 171 (Schweiz, von 1423); bis das gerichte uffstehet. 3, 569 (vom j. 1410); daher wirstu der sachen bisz das gericht auffstehet, ruhe geben. Ayrer proc. 2, 2 (447); als kläger vor auffstehendem gericht häfftig umb bescheid angehalten, ist nachfolgender gestalt ein bescheid eröffnet. ebenda; nach dem ist diese petition vor offenem sitzendem gericht gelesen. ebenda (445); ist der genante Erasmus Rogke vorkomen vor mynen hern von Merseburg sitzczendis gerichtis. abhh. d. k. sächs. gesellsch. d. wissensch. 28, 97 (von 1448); das gericht ist beisammen, judices consederunt. Stieler 1557; dem prozess über des esels schatten widerfuhr die unerhörte ehre, dasz das ganze gericht beisammen blieb, und (drei bis vier beisitzer ausgenommen) jedermann mit aller aufmerksamkeit zuhörte. Wieland 20, 33; das gericht ging ziemlich tumultuarisch aus einander. 36; zu dem hofstaat eines deutschen kaisers gehörte ein solches gericht (der weisesten und gerechtesten), das ihn, bei seinen zügen durch das reich, immer begleitete. Göthe 26, 124;
o wenn aus guten, edlen menschen nur
ein allgemein gericht bestellt entschiede,
was sich denn ziemt!
9, 143 (Tasso 2, 1);
lord Burleigh leiht dienstfertig dem gerichte,
dem er den geist geliehn, nun auch den mund.
Schiller XII, 428 (M. Stuart 1, 7);
kein anderes gericht
erkenn ich über mir, als deine neigung.
527 (4, 6);
er stellt sich dem gerichte,
er zeigt sich selber an.
Wilh. Müller ged. 398 'glockengusz zu Breslau';
Gonzaga hat
mir ein gericht versammelt (zur beurtheilung des gedichtes), dem ich erst
mich stellen musz.
Göthe 9, 212 (Tasso 4, 4);
allegorisch, vgl.gerechtigkeit 6:
wie das ernste gericht furchtbar die wage nimt
und die könige wägt, wenn sie gestorben sind.
Klopstock oden 1, 89;
vor deinem tron erheb ich meine klage,
verhüllte richterin ...
du tronest hier mit des gerichtes waage
und nennest dich vergelterin.
Schiller IV, 27, 19.
bei, vor (für) gericht: bei gericht erscheinen, vadimonium obire Stieler 1557; es soll der löser das geld an guter landswehrung bei gericht erlegen. tirol. weisth. 2, 189, 19;
gewalt gêt ûf, reht vor gerihte swindet.
Walther 84, 14 Pf.;
sei nicht zenckisch fur gericht. Sir. 4, 7; wer gelt und gunst hat, der erlangt vor gericht, in judicio est invictus. Henisch 1514; der übelthetter, so gegenwirtig vor gericht steht. Carol. art. 89; fürs gericht gehen, ire in jus Henisch 1515; also gingen die apostel mit freuden ins gefängnüs und für gerichte. Butschky Pathm. 244; vor gericht erscheinen Aler 902ᵇ; er ist nicht mein gleiche, dem ich antworten möchte, das wir fur gerichte mit einander kemen. Hiob 9, 32; nur nicht so verächtlich gesprochen. sonst kommen wir vor gerichte. Gellert lustsp. 242; meinstu, er wird sich fur dir fürchten dich zu straffen und mit dir fur gericht tretten? Hiob 22, 4; es ist noch nicht lange, dasz er vor gerichte mit ihm gelegen ist (wegen einer geldschuld). Wieland Lucian 3, 347; wenn ein hadder ist zwischen mennern, so sol man sie fur gericht bringen und sie richten. 5 Mos. 25, 1; für gericht bringen, rem deducere in judicium Schönsleder v 3ᵃ; wann weltliche händel für gericht gebracht werden. (Fischart) prognost. theol. 2, 120ᵃ; die reichen ziehen euch fur gerichte. Jac. 2, 6; einen bei den haaren (beinen) vor gericht schleppen. Hederich 1083; eim für das gericht bieten, judicium alicui denunciare Maaler 170ᵇ; citare, für gericht beruͤffen, laden. Dasyp. Mm 3ᵇ; fürs gericht fodern Henisch 1515;
giebts ein gesetz in diesem königreich,
das vor gericht monarchentöchter fordert?
Schiller V, 2, 185 (don Carlos 1, 6);
man hat mich
vor ein gericht von männern vorgefordert,
die ich als meines gleichen nicht erkennen kann.
XII, 406 (M. Stuart 1, 2);
da stellt man sie beid vor gericht,
ob sie bekenten die geschicht.
Hellbach Grobianus 206ᵃ;
ihr solltet bei hofe
vor gericht euch stellen, ich soll euch holen, damit ihr
recht zu nehmen und recht zu geben keinem verweigert.
Göthe 40, 21;
vor ein noch nie erhört gericht gestellt.
Schiller XII, 409 (M. Stuart 1, 2), vgl. 497;
jetzt wird ein inquisitionsgericht
eröffnet. wort und blicke werden abgewogen,
gedanken selber vor gericht gestellt.
517 (4, 3);
der könig, den die verfassung für unverletzlich erklärt und nicht persönlich vor gericht zu stellen erlaubt. H. Heine (1862) 9, 260;
sonst bin ich auch bereit, vor dem gerichte
der kortes mich zu stellen.
Schiller V, 2, 406 (don Carlos 5, 2);
drum ist
herkömmlich seit der väter grauen zeit,
dasz vor gericht kein Britte gegen den Schotten,
kein Schotte gegen jenen zeugen darf.
XII, 433 (M. Stuart 1, 7), vgl. 429;
herr Reding, wir sind feinde vor gericht,
hier (in der landsgemeinde) sind wir einig.
XIV, 321 (Tell 2, 2).
plur. die gerichte, gerichtspersonen éines gerichtes in amtlicher thätigkeit, in früheren zeiten das schöffencolleg als finder des urtheils: so hette doch der gefangene, in beisein der gerichte und des pfarherrs zu Schellenberge, in der gutte (freiwillig) bekandt, das ... zeitschr. f. d. ges. strafrechtswiss. 10, 432 (Wittenberg, von 1571); desselbigen tags seindt die gericht undt die leuth, so zu solchem jahrgeding gehörig, in die obg. zehen schewr getretten, undt seindt die scheffen zu gericht gesessen, hatt also der scholthys gefragt: ihr scheffen undt gericht, erkent ihr heuth uff diesen tagh, nemblich alle jahrlichs des montags nach Sebastiani, meinem ehrw. hern zu St. Mattheis allhie zu Königsmachern ein frei jahrgeding, — hatt der altste scheffen geandtwordt, jha, — hat der scholtheis fortgefragt, ihr scheffen undt gericht, bescheidt mich fortahn, ist es dan die zeidt und stundt von jahr undt tagh, dasz man St. Mattheis frihe jahrgedingh solte anfahen undt halten, haben die gericht geantwordt, zum ersten soll der pott alle diejenige herein beruffen, die zu diesem jahrgeding gehörig seindt, ehe man die durre zuschliesze. Luxemburger weisthümer 406 (von 1591), vergl. 607; darauf berührte er (gerichtsamtmann) feierlich mit seinem stabe das hochgerichtszeichen, was alle anwesenden gerichte nachthaten. Grimm weisthümer 2, 320 anmerkung (von 1736); die gerichte mit gelte bestechen, judices pecunia tentare. Stieler 1557; indesz die umstehenden auf verschiedene weise ihre theilnahme zu erkennen gaben, hatten die gerichte ihre ceremonien absolvirt. Göthe 18, 70; das halbe dorf, die gerichte (die gerichtsschöppen) an der spitze. Willkomm sagen aus der Oberlausitz 1, 38; im volksmunde hört man: die gerichten waren da und haben alles versiegelt (bei todesfällen, pfändung).
8)
gerichtsversammlung, gerichtssitzung: wan man zu den gerichten lüt (mit der glocke läutet). weisth. 4, 411 (von 1474);
ich habe selber meine stimme
zu ihrem tod gegeben im gericht.
im staatsrath sprech ich anders.
Schiller XII, 459 (M. Stuart 2, 3);
in engerer bedeutung hiesz bei dem reichskammergericht zu Wetzlar ein gericht eine aus dem richter und den anwälten beider parteien bestehende versammlung Adelung.
9)
gerichtstag, termin: gericht ansagen, zu erscheinen, diem dicere alicui Henisch 1516; is daʒ ein pfaffe einen burger von Straʒburg wundet, so wellent wir, daʒ ... men den drü gerihte fuͤre vür unsern official, und sol ouch der di gezüge und die warheit hoͤren in den drin gerihten. chron. d. d. städte 9, 969, 24 (Straszburg, von 1314); ein gericht kaufen, auszerhalb der gewöhnlichen gerichtstage eine gerichtsverhandlung erlangen, die besonders zu bezahlen ist, s.kaufgericht: do hat junckher Hans ein koufft gericht uff das gut koufft. Mone zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 17, 229 (von 1533).
10)
mhd. der ort, wo der könig in reichs- und rechtssachen das urtheil spricht, königsstuhl:
er (papst) wîsete in (könig) an daʒ gerihte.
kaiserchronik 8007;
an daʒ gerihte er (könig) gesaʒ.
dô gebôt er daʒ,
swer an den wâren got geloupte,
daʒ sich der in deme waʒʒir toufte.
8025, vgl. 8119;
die kunegîn an ir gerihte gesaʒ.
8537;
vom päpstlichen stuhl und regiment: do verschreip dirre Nicolaus dem bobest gein Avion, das er in eime jore solte kumen gein Rome und das gerihte do besitzen. Königshofen in städtechron. 9, 586, 21.
11)
der ort, wo die richter verhandeln, sei es wie in älterer zeit die unter freiem himmel an alten bäumen (vgl. hagedorngericht weisth. 3, 273), besonders unter linden, an brücken, auf hügeln u. s. w. gelegene gerichtsstätte, sei es ein gebäude (s. gerichtshaus): ich Ulrich Bessrer, stattamman .. bekenn, das für mich in gericht kommen sind die ersamen .. Mone ztschr. 11, 113 (von 1462); Calphurnia und Tanaquill haben vor den gewaltigen zu Rome in und auszwendig der gericht geredet und gehandelt. Albr. v. Eyb ehebüchl. 70, 1 neudr.; auszer gericht auff der gassen. Phil. Lugd. 4, 85; Licinius Macer, der ist vor dem Cicero in gericht verklagt. H. Boner Plutarch (1555) 450ᵃ; item soll niemants mit hacken krämpl oder andern waffen zu gericht erscheinen. wer solches zu gericht triege, der ist zwenundsibenzig pfenning straff zu bezahlen verpflicht. östr. weisth. 7, 769, 2 (um 1562); man ist nimmer so weis, wann man vom gericht kompt, als wann man hinzu gehet. Henisch 1516; nach gesprochener urthail sollen der landrichter und landschreiber von dem gericht auffstehen. Schottel 1237; dahero papst Pius der zweite gesagt: diejenige, so rechtshändel haben, seind wie vögel, das gericht die vögelhütten (vergl. gericht 6, b sp. 3637), das garn der richter, die vögelfanger die advocaten. Abele gerichtshändel 1, 39; dasz er sogar die gerichte ... mit seinem geschrei und toben über mich erfüllte. Wieland Lucian 6, 270;
beschwören will ichs vor gerichtes schranken.
Schiller XII, 551 (M. Stuart 5, 2);
die jetzt .. vor des gerichtes schranken
gefodert wird und schimpflich angeklagt
auf leib und leben.
403 (1, 1).
insbesondere
a)
das gericht hegen th. 4², 777, ursprünglich mit einem hag umgeben und dadurch für heilig erklären (vergl. sp. 3646), sodann die gerichtsstätte durch ein seil oder einen seidenfaden und durch den kreis der gerichtsangehörigen abgrenzen und einfriedigen (s. th. 5, 2146 und gerichtsring), später verblaszt und formelhaft 'das gericht nach recht und gewohnheit einrichten, gericht halten': gerichte hegen und spannen. Grimm rechtsalterthümer² 812; in der zukünfftigen welt, da er wird sein gericht hegen und halten am jüngsten tage. Luther das 53. cap. Jes. (1539) J 4ᵇ; do nun gedachter Jacob Kleberger vor gehegten gericht uf solchem seinem bekendtnus nochmals freiwillig vorharren wurde. ztschr. f. d. ges. strafrechtswiss. 10, 432 (Wittenberg, von 1571); als das gericht wie von alters her der trierische vogt in beider churfürsten namen beheget, hat er den bürgermeister .. ermanet, ob er die klock geleuth, die rohgen besessen? weisth. 3, 811 (von 1578); wenn ein bann- oder achtsprocess wider einen schriftsassen, welcher sich auf flüchtigen fusz gesetzet, zu vollführen und disfalls ein gericht zu hegen. Magdeb. proc.-ordn. von 1696 c. 51, 7; bildlich:
verzeiht! ich hab aus lieb gericht und recht geheget (die fliege erschlagen, die das gesicht der geliebten belästigte).
A. Gryphius 1, 699.
b)
das gericht besitzen, s. th. 1, 1626, als richter oder schöffe auf dem gerichtsstuhl oder der gerichtsbank sitzen: wer der ist, der sin reht und sinen einunge empfohet, der sol den ahte luͦten, die das gerihte in deme hoff besitzent, zwene schillinge pfenninge umbe vin (wein) geben und vier pfennige zuͦ stuͦle gelt. Straszburger verordn. 200 Brucker (von 1390); darnach uber vierde naht sol man aber gerihte han und besitzen. weisth. 1, 699 (von 1336); so der herre das gerihte besitzet, so sullent die schöffele ufstan und des hofes reht sprechen. 700; da quamen sie alle gemeinlich .. an die vorgemelte gerichtsstat, da dann der egenannte schultheis das gericht besasz. 769 (von 1452); ein schultheisz, ein statthalter, seckelmeister, schreiber, .. so nach der suppen (frühmahl) das gericht besitzen. Pantaleon Baden 77;
mein herr, da (in rath und gericht der bürger) hab ich nit gstulirt,
wir (bauern) bsitzen das gricht under linden.
H. Sachs (1558) 1, 471ᵇ.
ein gericht (mit richtern) besetzen ausz begär des klägers wider den verklagten, dare judicium in aliquem Maaler 170ᵇ, das gericht besetzen, bekleiden, kleiden rechtsalterth.² 812: das gericht zu Freiensteina, das uf dasmal mit Claus junker dem schultheiszen und den nachgen. (zwölf) schöpfen genuglich besetzt ist. weisth. 3, 394 (von 1457); scherzhaft:
nu müssen wir ein schultheiszen hon,
ein schreiber, zwen kuchenmeister schon,
zwen käller, hencker und sein knecht,
so ist das gricht besetzet recht.
S. Brant 51ᵃ Zarncke.
c)
zu gericht sitzen, sich zu gericht setzen: zuͦ gericht sitzen, ein gemeinen rächtstag halten. Maaler 170ᵇ; zum gericht sitzen Henisch 1515; eines moles do Julius wolte uf das capitolium gon zuͦ gerihte sitzen, also hievor gewonheit was das künige und keiser selber zuͦ gerihte soszent. Königshofen in städtechron. 8, 334, 4; wenn ein keller an des von Halwil stat ze gericht sitzet. weisth. 5, 89 (von 1343); die centschöpfen .. giengen aus von der statt, da sie dan zu gericht saszen, und beredten sich und komen dan wieder, und setzten sich nieder uff ihr gehölz, und weiseten und sprachen zum rechten. 1, 471 (von 1430); im jare 1507 des 24. tags im mertz zu zwolff uren sint erschenen, umb dat gericht des dails Monreall zo besitzen, die ersamen scheffen des gerichtz und vort alle gemeine burger des dails M. weisth. 3, 813 (untere Mosel, von 1507); als die scheffen zu gericht gesessen, hait Peter Brucken stathelder des scholthessen das gericht gehecht. ebenda; so ist dann der stattaman von Kempten mit den stattknechten zu gericht gesessen. Baumann quellen 1, 377; darauff wird sich des menschen son mit seinen scheffen und beisitzern zu gericht setzen. Mathesius leichpred. (1572) 105ᵃ; zu der zeit wird der herr Zebaoth sein .. ein geist des rechts dem, der zu gericht sitzt. Jes. 28, 6;
ich will
die groszen meines königreichs versammeln
und selber zu gerichte sitzen.
Schiller V, 2, 290 (don Carlos 3, 5);
bildlich: die republikanische freiheit des lesenden publikums, dem es zukömmt, selbst zu gericht zu sizen. IV, 63; einst, als die herren gerade zornig über der bibliothekverwaltung des Vatikans zu gericht saszen, machte Ilse den vorschlag .. Freytag handschr. 2, 126.
d)
gericht sitzen, vereinzelt auch ein oder das gericht sitzen:
sô beger ich ritterlich
an dich, vil lieber rihter, sider,
daʒ du gerihte sitzest nider,
zu rihten beiden ân gewer.
Hagens Germ. 9, 195, 443;
die burger zu Friberg sin zu rate worden mit hern Thomasino dem munczmeister und mit der gemeine und mit den hantwerkern daʒ man sal eins in der wochen gerichte sitczen. Schott samml. 3, 302; scheffen, in eime ungeboden dinge in eime behegiten beemgarten sitzende gerichte. weisth. 4, 640 (Rheinpfalz, von 1357); sie sullen iren richter alle zit, wenne wir gerichte siczen wollen, mit uns siczen laszen. cod. dipl. Sax. II, 2, 154 (von 1374); do tromete om, das got sesze gerichte in dem uffgange sonnen .. unde das ein nackter mensche snelliglichen zu gote liffe ... deme volgete ein trache, der schreiete: nu richte, du gerechter richter! Rothe düring. chron. 394; do reit lantgrave Frederich ... in das dorff zu Mittelhusen und wolde do gerichte ober sie sitzen .. unde wolde sie vororteiln. 652; zu dem ersten haben die Switzer dem herzogen von Burgundien (vor Nanse) an gewonnen .. sinen gulden sutl (kleid) mit sinem gezirde und zeptor, wann er gerichte sasz. Stolle thüring. chron. 106; die amptlute, die das gerichte saszen, taten den Gnyppsteyn und sine helffere alle in die achte. 155; er saʒ ein gerichte hy und lieʒ im ein dinc hegen. Zitt. jahrb. 12, 19 im mhd. wb.; er saʒ ein gerichte ober in. 31, 12; einem jeden wird gericht gesessen und urtheil erkennt. Hutten 5, 36 Münch; wenn sie solten gericht sitzen und etwa ein blut urteil sprechen. Luther zwo hochzeitpred. (1536) A 4ᵇ; der amtman lies gericht sitzen und den bapst mit den cardinelen verklagen. wider das babstum (1545) D 3ᵇ.
e)
an das, an dem gericht sitzen u. s. w.: der centgräff soll sitzen auf dem stuhl an das gerichte, als von alters gewohnlich und recht ist, und fragen einen schöffen, wie er das gerichte hegen solle? weisth. 3, 412 (von 1354); dem schulthessen geburt an dem gericht zu sitzen. so er aber etlicher gebrechen oder notturft nicht selber am gerichte sitzen kunth, so mag der vhoigt den stap in die handt nemen und gerichte sitzen, so ist es doch ein volkomen gericht. Michelsen thür. rechtsdenkm. 345; am gericht sitzen, sedere judicem Maaler 107ᵇ; an das gericht kommen und richter werden. ebenda, in gleicher bedeutung ans gericht gehen, das amt eines richters oder andern beamten im gericht annehmen; anders ans gericht gehen, ad praetorem, in jus adire Aler 902ᵃ.
f)
im gericht sitzen: wann der könig zur tafel oder im gerichte sitzet. Olearius pers. reisebeschreib. (1656) 674; und ist ein gemeine plage in der welt, das im gericht selten fromme leut sitzen. Luther 4, 446ᵃ; so hab ich gesehen und erfahren, dasz ein naher freund im gericht oder recht gesessen, der, wann seines freundes sach fürgelauffen, von sich selbst auffgestanden und davon gegangen, welches der billichkeit gemäsz. Ayrer proc. 1, 1 (5);
in rath und gericht sitzen wir (bürger),
da unser nam noch gröszer wirdt.
H. Sachs (1558) 1, 471ᵇ.
g)
ort und verfahren sind gemeint bei der wendung mit einem ins gericht gehen oder treten, eigentlich und bildlich: gehe nicht ins gericht mit deinem knecht, denn fur dir ist kein lebendiger gerecht. psalm. 143, 2; wenn unser herr gott mit uns nach seinem gerechten gericht und unser verschuldigung ins gerichte gehen wolte. Mathesius de profundis (1581) G 4ᵃ; von scharfer kritik: mit leichtfertigen arbeiten und theorien wird scharf in das gericht gegangen. lit. centralbl. 1889, sp. 945;
düsse minsche sick up syn werck vorleth,
mit gode in dat gerichte thret
und klaget godt syn schepper an,
dat he ohm hebbe tho kort gedaen.
B. Waldis verl. sohn 1725.
h)
gericht auch scherzhaft verhüllend für abtritt, wie kanzlei: aufs gericht gehen Weinhold schles. wb. 77ᵇ; ich fand mich hinter einer tapezerei mit einem hierzu bestimmten ort, welchen etliche eine cantzlei zu nennen pflegen, viel bässer versehen, als ich in solcher noth hätte hoffen därffen, daselbst hin satzte ich mich eilend zu gericht. Simpl. 1, 6, 11, 592; leipzigerisch oberhofgericht Albrecht 178ᵃ.
12)
behörde, ort (gebiet) und verfahren flieszen häufig in einen begriff zusammen: das (gut) stirbet und vellit noch irme tode an das gerichte, dor is inne gelegin ist. kulm. recht 4, 96; es ist gewiest vor recht, das man einen ider billich forder under dem gericht und stab, do er gesessen und wonhaftig sei. weisth. 3, 589 (von 1506); der kläger soll allemahl nach den gerichten gehen, denen der beklagte unterworffen. Hayme jur. lex. 237;
ir guͦten, ir sult wîsen mich der slichte;
swâ man gên rechter stæte
unstæte pfliget, wâ findet man gerichte?
Hadamar von Laber 519;
das gericht als einrichtung der menschlichen gesellschaft und des staates, im tiefsten sinne aufgefaszt als gotteswerk und heilig: gericht ist gottes werk. der richter sitzt an gottes statt. Graf-Dietherr rechtssprichw. 403; in gerichten soll in der richter gegenwart kein herbes, geschweig ein unhöflich oder scheltwort gehöret werden, weil es ein heiliger ort ist. Sibrand bei Mevius lübeck. recht (1664) anhang 89; als oberster weltlicher richter gilt der kaiser oder könig, an seiner statt und in seinem namen sprechen die gerichte recht: dy erste hand des gerichtes das ist der künig. Schwabensp. 108, 14 Senckenb., ein iglich richter sitzet an des keisers stat. kaiserrecht von 1372 3, 13 Endemann: zu dem ersten wisen wir, dasz das gericht zu Altenhasselau des heil. reichs frei gerichte sei, und von keinem herrn kein pand sei. weisth. 3, 410; mit rechtlicher ordnung procediern an irn höfen und andern obern gerichten. Tengler laiensp. 6ᵇ; es sein in den ampten an dem gericht vier person: der vizthumb, der schultheis, vhoyt und freibothe. darnoch vier schepffen und ein gerichtschreiber. dartzu gehoren funff gerichtsknecht. summa virzehen personen. Michelsen thür. rechtsdenkm. 345 (erzbischöfl. weltl. gericht zu Erfurt, von 1483); wiewohl doch in teutschen landen gericht und recht ist, die übelthat zu strafen. Hutten 5, 33 Münch; die selben zwölff (rätt, richter) sollent dann zu dem gericht schweren, dem zu warten und zu richten nieman zu lieb noch laid. Mone ztschr. 5, 381 (von 1497); wer der ist, der ain mit ainer verpoten wer (wehr) ân ursach schlecht, so ist die wer dem gericht verfallen. salzburg. landtäding von 1534 bei Walch beitr. 2, 162;
es mögen in diesem gerichte
viele herren auch sein, die Reineken übels gedenken.
Göthe 40, 45;
ordendlich gericht, judicium ordinarium, auserordendlich gericht, extraordinarium Stieler 1557; echtes, ordentliches gericht, legitima jurisdictio weisth. 7, 261; gemein, öffentlich gericht Rädlein 359ᵃ; offenes, offenbares gericht weisth. 7, 261; er lys mich dar nach laden in Westfalin vor das heimeliche uszlendische gerichte, allis wedder got und recht. abh. d. k. sächs. gesellsch. d. wiss. 28, 101 (Leipzig, von 1448), vgl. Lindner die veme, Münster 1888, und Zimm. chron. 1, 466 fg.; an ir stat (an stelle der ausgewanderten Sachsen) setzt er (Karl d. gr.) êrbar tapfer leut aus andern landen, die gewalt hetten, on alle urtl, wo sich ainer nur merken lies, das er nit glauben hielt, haimlich an den nächsten baum zu henken. daher kombt das westfalisch gericht. Avent. 5, 119, 18 Lexer; peinliches gericht s. th. 7, 1528; verbanntes gericht, banngericht s. th. 12, 92 und weisth. 7, 261; geboten gericht s. gebieten 7, e sp. 1761; ungeboten, unverboten gericht, judicium non indictum weisth. 7, 260; ein richtendes und ein gerichtetes gericht (das durch die visitatoren geprüfte kammergericht). Göthe 26, 135. in zahlreichen zusammensetzungen, wie reichs-, land-, stadt-, kreis-, amts-, berg-, forst-, pfeifer-, handels-, kriegs-, schwurgericht u. a.; in den hofgerichten haben wir nichts andres zu erblicken, wie die fürstlichen lehn- oder mannengerichte; da diese gerichte im fürstlichen schlosse, der kammer oder dem saale des lehnsherrn, bei geistlichen lehnsherrn vielfach unter dem kirchenportal (paradies) gehalten zu werden pflegten, so tragen sie auch den namen saal-, kammer-, paradiesgericht, und da an seiner statt mannichfach der lehnsherr seinem marschalk den vorsitz überläszt, kommt auch der name marschalksgericht vor. Stölzel gelehrtes richterth. 1, 247.
13)
gebiet, soweit die gerichtsgewalt reicht.
a)
das land eines fürsten: mhd.
dem (herzog) hæten ...
sîne umbesæʒen starke
sîn gerihte und sîne marke
verurliuget unde genomen.
Tristan 18698;
Marios und Tybotes,
ze râte wurden si dô des,
daʒ si santen algerihte (sofort)
ubir al ir gerihte (ihr ganzes land).
Lamprecht Alexander 1678 Kinzel;
die jungen fursten (hätten) den steten unde den gerichten wol groszen schaden gethan. Rothe dür. chron. 574; der (feindlichen grafen) gerichte vorterbeten sie zu grunde. ebenda; der lantgrave (und die Erfurter) zogen obir den graven (von Weimar) mit heere unde vorbranten om sein gerichte umbe Wymar. 592; wilches under in zwein abegêt von todes wegen, so sal daʒ ander blibin siczin off alle deme gude, daʒ sie in des riches gerichte (grund und boden) hant, ungeschurget und ungeschalden. Mone zeitschr. 5, 399 (von 1382).
b)
gerichtsbezirk, gerichtssprengel: ab her (der friedebrecher) sân in ein ander gerihte vlîhet Sachsensp. 2, 71, 4; alle die binnen deme gerichte geseʒʒen sîn. 3, 68, 2; alle varende habe und alle schulde (der frau) bussen deme gerichte adir binnen dem gerichte sal dem manne volgen. kulm. recht 4, 28; sines vatir erbe, das in der stat gerichte leit. 4, 74. 13; irs gotzhauss swaig (viehhof) zu Lewtprechting, in Aerdinger gericht. mon. boica 18, 244 (von 1391); were es sache, dasz ein herr von Hanau durch das gericht ritte, so soll derselbe pastor ihme den tisch decken und darauf legen käs und brod. weisth. 3, 48, 24 (von 1461); wäre es sache, dasz ein ritter säsze in dem gerichte selber bauelich uf seinem gut. 413; wenn die märker in und auswendig des gerichts ihre güter und höfe zu verkauffen noth angienge. 414; were es auch, das ein biderman buwen wolte in der heren gericht zu Girbaden, der sol gon an die porten zu Girbaden und sol das holz da fordern und heischen. 1, 696 (von 1548); (leute, die schlachtvieh) zu diser stat und in das gericht (stadtgebiet) bringen ... dasselb vihe wider von hinnen und aus disem gericht treiben. Nürnberger poliz.-ordn. 238 Baader; ob er icht erbs oder eigens hie in dem gerichte ligend hette. 326; nachdem an vil orten in den peinlichen gerichten gewonheit ist, so man einen newen galgen machen oder einen alten bessern will, dasz alle zimmerleut, die in dem selben gericht wonen, darzu helffen müssen. Carolina art. 215; auch sol kein burger in einem andern gerichte weingerten zu sich keufen. Michelsen thüring. rechtsdenkm. 62; dioecesis gericht apud Ciceronem piet, grichtzwang. Aventin. 1, 390, 27 Lexer; in sein gericht und gebiet ziehen, in jus ditionemque alicujus concedere Maaler 170ᶜ; wenn ein nachbar siehet, dasz die von adel .. auf der universität gerichten hetzen, jagen oder ander weidwerk treiben, soll er ... solches dem probst anzuzeigen schuldig sein. Klingner dorf- u. baurenrechte 1, 258 (von 1712);
und wurfend die puren in unserem gricht
so vil gelts ins becki.
Nikl. Manuel 75, 1172.
c)
aber nicht nur der bezirk, sondern auch die insassen desselben: wenn ein römischer kaiser oder könig reisen will über berg (über die alpen auf der Romfahrt), so soll man ihme lehnen das beste ackerspferd, das da in dem gerichte ist, das einen einspänner kann ertragen; kommet das pferde wieder, so soll man es wieder geben deme es gewest ist; bleibt es aber aus, so soll das gerichte ihme das pferd gelden und bezahlen. weisth. 3, 410, 4.
14)
das amt des richters: ahd. sâlîge die gerihtes huotent unde reht tuont in allen zîten, daʒ sint die anderen rihtent unde selbe rehto lebent. Notker ps. 105, 3; das wörtlin gericht, wens alleine stehet, heiszt es ettwa ein richterampt, als psalm 7 (v. 7) erwecke das gericht, das du gepotten hast. Luther vorrede auf den psalter bei Bindseil 7, 329; ein jeder richter alhir, wan er sein gericht aufkindet, soll das 14 tag vor st. Peters tag seiner stulfeierung thuen ... und den gerichtsstab einer löbl. burgerschaft neben aufküntung des gerichts mit gezimenter reverenz auf den rathtisch legen. östr. weisth. 6, 200, 5 (17. jahrh.); wo der wolff des gerichts will pflegen, da müssen andere thier gehn aus dem weg. Henisch 1516.
15)
gerätschaften zum gericht, stab u. s. w., als sichtbare abzeichen der gerichtsgewalt: am tag Peter-stuelfeier soll die gesambte burgerschaft bei des alten marktrichter hausz erscheinen und das gericht mit ordentlichen ceremonien, dem alten gebrauch nach, dem neuen marktrichter zu seiner aignen wohnung haimbtragen und uberantworten. östr. weisth. 6, 188, 26 (17. jahrh.); so solle der alte herr richter und ein ehrsamber rath mit gesambter burgerschaft das gericht mit aller gerichtlichen zuegehörung, wie dasselbe in einem ord. inventari begriffen ist, auf das zür- und stattlichste man aufkumen kan mit aller ehr und reverenz in des neuen richters behausung tragen, und da man hinkumbt, soll ein jeder burgersman den grichtlichen zeug ehenter nicht ausz der hant nicht laszen, bisz der alte richter seine redt vorgebracht und den grichtsstab ausz seinen hänten gelaszen hat ... alszbalt der neue richter das gricht empfangen hat, solle er die burger in die glibd nemen. 6, 201, 26 (17. jahrh.).
16)
die vollziehung des rechtsspruchs, sowie der ort derselben.
a)
die hinrichtung: 2 guldin und 12 groʒʒ dem nachrichter von dem gericht über den (metzger) Griesherren. chron. d. d. städte 5, 71 anm. (Augsburg, von 1429); die hinrichtungsweise: item weiset man in diesem (Cröver) reich an dem hohe-gericht acht gericht, das ein ist der stranck, das ander das ratt, das dritt die kule, das vierte der style, das funft die hoerte, das sechste der kessel, das siebendt der pale, das acht zu reiszen ein mensch zu (fünf) stücken. weisth. 2, 378 (Cröve an der untern Mosel, bis ins 13. jh. unmittelbar dem reich zuständig).
b)
die richtstätte, der galgen, mnl. gherecht, galghenvelt, carnificina Kilian: an galgen, da lag ein reff von einem dieb, der was herab gefallen, den nam er uff den halsz und truͦg in heim ... der becker sprach von zorn: 'du hast meiner herren gericht gestolen, und in iren galgen beraubt'. Eulenspiegel c. 20; zu Erfurt in Döringen ist einer einsmals mit einer eisener ketten vom gericht herab gefallen. Agricola sprichw. 240ᵃ; bekennet er (der missethäter) dann, so führet man ihn aus zu dem gericht auf den berg genannt Exenbuwel, alda soll ein steyl stehen mit einem arm, dann soll die gemeinde dem missethätigen den schlopff in den hals thun unter einem mantel und das seil gengt und gemeinlich zusammen überziehen und das seil um den pal winden, der unterm seile stehen soll, und also den miszthätigen würgen lassen. weisth. 2, 338 (von 1588); so lassen sie den gerichten (hingerichteten) in ein kauhl (grube) fallen unter dem gericht und begraben. ebenda;
die wahl, am galgen (als wächter bei einem gehenkten) und bei uns (zu sein), hält auch wohl schwer!
'allein, wer hält indesz bei dem gerichte wache?'
C. F. Weisze lustsp. 1, 391;
auch das hohe gericht, vgl. hochgericht: es fragt auf eine zeit ein soldat, als er das hohe gericht leer sahe, ein bettelweib: warum lassen deine herren niemand hencken? o herr, sagt sie, die diebe seind alle in krieg gezogen. Conlin 5, 469.
17)
das innere gericht im menschen, das gewissen: gott hat in dem menschlichen herzen ein innerlich geheimes gericht geheget, das ist das gewissen. Otho 992.
18)
gottes gericht.
a)
gericht, das der gerechte gott hält: das ist nichts anders, denn gotte in sein gericht und ampt fallen. Luther 4, 446ᵇ; wenn gott nach seiner gestrengen und unwandelbaren justicia uns für sein gericht fordert. Mathesius de profundis G 4ᵃ; disz stehet (ist stichhaltig) alles nicht für gottes gericht. hist. Luthers 172ᵇ; in euren sachen soll niemand richter sein als gott, und das gezänck, so zwischen euch entstanden, wil ich gottes gericht und examen übergeben. Lehmann speir. chron. 133ᵇ;
er führe mich nicht ins gericht hin,
nicht ins ernste gericht, vor dem kein endlicher stehn kann.
Klopstock Mess. 5, 122;
gericht gottes! dir hab ich mich übergeben!
Göthe 12, 246;
wenn nu im psalter oder sonst dir furkompt, das er nicht schlecht (schlechthin) von gericht und gerechtickeit, sondern von gottes gericht und gerechtickeit redet, odder zu gott spricht, deine gericht und gerechtickeit, so mustu durch die gerechtickeit den glauben verstehen, und durchs gericht die tödtung des alten Adams. denn gott durch sein wort beides thut. er verurteilet, verdampt, strafft und tödtet was fleisch und blut ist, rechtfertiget aber und macht unschuldig den geist durch den glauben. das heiszen denn gottes gericht und gerechtickeit. das gericht ubet er durchs wort seins gesetzs. Luther vorrede auf d. psalter bei Bindseil 7, 329.
b)
verhängnis, fügung der götter:
aber aus der schwerbedeckten enge
treibet mich ein eigenes (seltsames) gericht.
Göthe 1, 248 (braut von Corinth).
c)
das gottesurtheil, als solches betrachtete man sowol den zweikampf wie die schlacht: gericht oder kampfgericht, gericht, in welchem durch zweikampf das recht entschieden wurde Schottel 1234 fg.; (beim beginn der schlacht) in der stunde, da man gottes gericht und todesfahr für augen hat. Luther 3, 329ᵃ; daher die rechtfertigung des angeklagten durch gottesurtheil oder durch eid, s. rechtsalterth.² 908 fg. und gerichten:
der künec sprach: vrou künegîn (Isolde), ..
mac ich gerihte von iu hân,
sô tuot es uns gewisheit, ..
vertriuwet daʒ gerihte
ze dem glüenden îsen.
Tristan 15 524;
wil des diu guote mînen eit
oder mîn gerihte.
minnes. 1, 107ᵃ v. d. Hagen;
de vrowe (die heil. Kunigunde) de bôt dâr vore ere gerichte. Eike v. Repg. ztb. 325; ist aber daʒ man den wirt daran (der ermordung des gastes) schuldigut unde ist der wirt ein unversprochen man, des gerihte sol man nemen mit sinen zwein vingern. Augsb. stadtb. 85 (von 1276), sin gerihte nemen 86;
daʒ gerihte daʒ du biutest,   unt mac daʒ hie geschehn,
aller valscen dinge   wil ich dich ledec lân (sagt Gunther zu Siegfried).
Nib. 802, 2 C, den eit AB;
sprich, dû wollis daʒ gerihte (des Julian) ûf mir (standbild des Mercur) intfâhen.
kaiserchron. 10753;
sogar das mittel, wodurch das gottesurtheil erfolgt, heiszt gericht:
bischove unt prelâten,
die daʒ ambet tâten
und segenten daʒ gerihte ..
daʒ îsen daʒ was în geleit.
Tristan 15643.
d)
strafgericht, strafe, supplicium, crux Henisch 1514: ahd. dar wirt cot irchennet solchiu gerihte tuonder, daʒ der sundigo gehaftet an sîn selbes hant werche. Notker ps. 9, 17; das ansehen des gestrengen gerichts und zorns gottes vertreibt alle lust des fleisches. Luther 1, 37ᵃ, 11;
freilich regt sich dann auch das gewissen, und zeigt mir von ferne
gottes zorn und gericht und läszt mich das ende bedenken.
Göthe 40, 133;
in dussen sulven jare (1180) in den pingsten verbrande disse stad (Magdeburg) almeistich van godes gerichte, also dat sunte Sebastians kerke, unser vruwen kerke und wol 12 capellen mede vorbranden. chron. d. d. städte 7, 120;
also (durch untergang der armada) wirt gotts gericht recht kund,
dasz der hochmut doch musz zu grund.
Bap. Guisart (Fischart) in Scheibles kloster 10, 1112;
ich hörte, was euch gotts gerichte nahmen.
Tieck 2, 267;
im ausruf: o verborgenes und unausbleibliches gerichte gottes! Prätorius glückstopf (1669) 504; gerichte gottes! Schiller XIV, 371;
das sind des himmels furchtbare gerichte.
408 (Tell 5, 1);
und dem geschlecht der menschen drohn
nicht ferne mehr die göttlichen gerichte.
VI, 207;
ich bin der herr, .. und wil euch erlösen (aus Egypten) durch grosze gerichte. 2 Mos. 6, 6; der herr hatte auch an jren göttern gerichte geübt. 4 Mos. 33, 4; gott übet gericht, gerechtigkeit und barmhertzigkeit. gericht, wann er seiner abgesagter feind sünden, wie sie verdienen, rauch straffet. Fischart Bodinus (1586) 753; kaiser Alexander, in dessen landen gott gericht gehalten hatte über den kaiser Napoleon. Eylert Friedr. Wilh. III. 1, 126;
hier weiche das gericht eins der barmhertzigkeit.
Dietr. v. d. Werder Ariost 3, 64, 4;
von der erschrecklichen straf und gericht, welches sie (die unkeuschen) werden müssen ausstehen. Albertinus hauspol. 6, 87ᵃ; ein verstorbener, dem es verstattet sei, drei und zwanzig stunden vom tage unter den lebenden zu wandeln, in der letzten aber müsse seine seele zur unterwelt heimkehren, um dort ihr gericht auszuhalten. Schiller IV, 233; oh das ist allzuwahr! das ist ein gericht über mich. der herr hats ihm geheiszen! II, 21 (räuber 1, 1);
willst du dich, gott, aufmachen, und über eine der erden
weltgericht halten? denn diesz ist das angesicht eines verderbers!
dieser der blick des gerichts!
Klopstock Mess. 5, 17;
du forschest nach der stätte, wo einst die stolze (burg) stand,
du fragest nach den namen, wie jene sonst benannt?
vergebliches bemühen, es waltet das gericht;
vergessen und verschollen.
Chamisso 3, 306;
von menschen und geistern: (der könig bittet seine lantvürsten)
daʒ se ime hier über vunden
etslîchen den list oder den rât,
dâ mite er dirre missetât
râche unde gerihte næme.
Tristan 15339;
auch thetten sie an Joas gerichte. 2 chron. 24, 24 var.;
erzürnter geist, ...
gerecht ist dein gericht!
Wieland 23, 19 (Ober. 7, 24).
e)
das jüngste, letzte, zukünftige, ewige gericht, unseres herren gericht, auch gericht schlechthin, das end-, weltgericht, s. th. 4², 2374: die red von dem jungsten gericht. Suchenwirt 42 überschr.; in dem jungsten gericht. bibel 1483 Luc. 10, 14; vorzeiten da die maler das jüngste gericht maleten. Luther wider Hans Worst E 4ᵇ; ich sage euch, das die menschen müssen rechenschaft geben am jüngsten gericht von einem jglichen unnützen wort, das sie geredt haben. Matth. 12, 36. 41; greuliche frevel, die bis zum himmel hinaufstinken, das jüngste gericht waffnen, dasz es reiszend daher bricht! Schiller II, 101 (räub. 2, 3); solichs bitt ich umb gottes und umb des letzten gerichtz willen. Baumann quellen 2, 568; der jünger Johannes, von dem es heiszt, dasz er bleiben würde bis zum letzten gericht. Schiller IV, 233; da Paulus redet von dem zukünfftigen gerichte. ap. gesch. 24, 25; daʒ VII. (stück des christl. glaubens) ist daʒ ewige gerichte. cod. Tepl. 3, 101; daʒ gemaine gerichte uber alle sone Adams. 102; sie wart aber entzugt und kom für unsers herren geriht. nonne von Engelthal 10, 34; daʒ venster, da unsers herren geriht an stet. 39, 34; es soll ein jeder richter in dem rathhaus lassen malen das strenge gericht unsers herrn Jesu Christi. Tengler laienspiegel (1530) 17ᵃ; es wird Tyro und Sidon treglicher ergehen am gerichte, denn euch. Luc. 10, 14; des menschen son (wird) in einem groszen wetter mit fewerflammen zum gerichte kommen. Mathesius leichpr. (1572) 105ᵇ;
wenn er sich zum gericht erhebt.
Gellert 2, 148.
f)
das ewige gericht, die ewige verdammnis: wer den heiligen geist lestert, der hat keine vergebung ewiglich, sondern ist schüldig des ewigen gerichts. Marc. 3, 29; wer mein wort höret und gleubet dem, der mich gesand hat, der hat das ewige leben und kompt nicht in das gerichte, sondern er ist vom tode zum leben hindurch gedrungen. Joh. 5, 24. 29.
Zitationshilfe
„gericht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gericht>, abgerufen am 20.06.2019.

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