gemahl m. f. n
Fundstelle: Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3150, Z. 34
conjux.
1)
form und gebrauch in alter zeit.
a)
ahd. erscheinen ein schwaches masc. und fem., gimahalo sponsus, vir und gimahala (gimâla) sponsa, conjux Graff 2, 652, also nicht nur gatte und gattin, auch schon die verlobten (s. u. b); alts. nichts davon, wie mnd. gleichfalls und nrh. (der Teuth. und die Cölner gemma haben es nicht), doch nl. gemaal m., gemalin f., bei Kilian ghemael, conjunx, mari ou femme, wol nach dem hd., wie schwed. gemaͦl, nur von fürstlichen personen, gemahl und gemahlin, dän. gemal und gemalinde (schwed. gemaͦl doch auch vom volk übernommen, für gattin, s. Rietz 189ᵇ). auch mhd. noch gemahele m. und f., dann aber auch starkformig gemahel m. und f., was jenes verdrängt; z. b.:
dô wart der engel gesant (zur Maria)
ze Galylê in daʒ lant ..
der gemahele hieʒ Joseph.
Diemer ged. 230, 5;
in der arche obene
was mit sînem gesinde Noe,
er und sîne gemahele.
genesis 28, 18 D. (chone fundgr. 27, 25);
wie was mir sô wol bî mînem gemahel! Suso leseb. 873, 28 (1035, 32); ich hieʒ doch hie vor sîn liebiu gemahel 873, 4 (1035, 7), mystisch, von Christus und der seele (s. 2, g). zur starken form auch ein plur. mit umlaut, êliche gemehel Lexer 1, 833, noch nhd. in oberd. mundarten, z. b.: herzog N. het drei gemähel, Anna, Adelheit, Beatrix. Schm. 2, 560 aus Hund; vergl. 2, f den nhd. plur.
b)
für den alten gebrauch ist das wesentliche, dasz ursprünglich nicht nur die gatten, sondern auch die verlobten so heiszen, und diesz ist sogar die eigentliche bedeutung (s. 3). so ahd. sponsus und sponsa (s. a), mhd. z. b. vom bräutigam gut. Gerh. 3175, von der braut bei der hochzeitfeier:
dô der helt Lemberslint
und sîn gemahel Gotelint
den briutestuol besâʒen.
Helmbr. 1468.
daher auch als ausdruck der liebe überhaupt, wie jetzt liebchen, schatz, im armen Heinrich 908 ff. redet dieser das mädchenkind, das sich ihm opfern will, liebkosend gemahel an, sie heiszt sîn gemahel 987. 1446, sîn trûtgemahel 906 auch beim dichter, etwa wie jetzt schätzchen, lieb schätzchen. einzeln noch in vocc. des 15. jh.: sponsus, gemahel, brutiamer, liebhaber, liplicher gemahel, sponsa ein gemahelin Melber y 5ᵃ (Dief. 548ᶜ), während andere es nur von den gatten geben: gemahel, coniunx, i. e. uxor vel maritus voc. inc. t. h 7ᵃ, voc. 1482 l 3ᵇ. übrigens wird diese zweite bedeutung auch gesichert und gestützt durch ehlich als zusatz, mhd. êlicher, êliche gemahel Lex. 1, 833, auch noch nhd.: coniux, elich gemahel Dief. 143ᵃ, und oft unter 2.
c)
zur form ist zu bemerken
α)
schon ahd. auch mit verschlucken des h und ersatzdehnung gemâla conjux Notker, im einklang mit mâlôn, bemâlôn für mahalôn, bimahalôn, mit denen es ja zusammengehörte (s. 3). auch mhd. einzeln gemâle f. Lexer 1, 834, armer Heinrich 906 u. ö. in B, für gemahele, also im grunde wie gegenwärtig.
β)
aber das volle gemahel blieb überwiegend, mhd. und noch im 15. jahrh., s. unter b aus Melber, dem voc. inc. teut. und dem Nürnberger von 1482, die nur diese form kennen. auch im 16. jahrh. ist gemahel noch häufig (s. unter 2), besonders oberd., wie denn Dasypodius 338ᶜ nur gemahel gibt, Maaler 96ᵈ nur ee-gemahel. auch Luther braucht es anfangs (s. 2, c, γ, Dietz 2, 69ᵇ), später gemalh.
γ)
daneben gieng gemachel, d. h. das -h gesichert gegen verschlucken durch steigerung zu ch, schon später mhd. gemacheln pl., gemechel pl. Lexer 1, 833. 834 (s.gemehel u. a. a. e), im 15. jh. gemachel conjux Dief. n. gl. 108ᵇ, wie gemechlen für gemehelen (s. 3); auch md. noch im 15. jh. gemachel Apoll. v. Tyrus 92, 26. 110, 7 (s. 2, c, β und e). dasselbe der aussprache nach meint wol gemagel, sponsa Geszler form. 39ᵃ, wie gemag für gemach sp. 3132 bei Hugo v. Montfort. alem. auch gemanchel Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner 226, 8 var., wie senhen für sehen u. ä., d. h. mit nasal gesprochnem vocal.
δ)
eine vermischung mit gemächte für gatte, gattin (s. dort I) ist gemechelte, gemähelt, im 15. jh.: wo eliche gemechelte mit urteil zu bett und tisch geschiden werden. Lucerner stadtr. § 20; ir recht gemähelt. der seele trost Augsb. 1478 159ᵇ (Fromm. 2, 434ᵇ), von creaturen überhaupt, also thiere eingeschlossen (s. 2, h, γ).
ε)
bemerkenswert auch mit abgestosznem ge-, wie das bei vielgebrauchten worten geschieht (s. unter gemach I, 3, b), mahel, westmd. im 14. jh.:
Lodewîge ir mahel (verlobter).
heil. Elis. 1213. 1231;
daʒ he ir ouch gefûgen kan
zu mahel einen gûden man.
1438 u. ö.
ebenso im 11. jh. mahela sponsa in der Leidener hs. des Williram 51, 17 S., gleichfalls westmd. ebenso mahelschaft für gemahelschaft, eheschlieszung, eheleben das. 1493 u. o., noch nhd. (s.mahlschaft), und festgeworden und vorherrschend mahlschatz (s. d.) für gemahlschatz (s. d.), im anschlusz an mahelen für gemahelen.
2)
das nhd. wort nach form und gebrauch.
a)
gemahl m. vom gatten, worauf jetzt der gewöhnliche gebrauch beschränkt ist (da für das f. gemahlin geprägt ist), gekürzt aus dem späteren mhd. starken gemahel m. (1, a), das doch auch im 16. jh. noch galt, wenigstens geschrieben: gesegne dich gott, mein herzliebster gemahel, meine aufenthaltung, mein kurzweil und schimpf. b. d. liebe 276ᵈ; als er (bruder Claus von der Flüe) das zum dickernmal von iro erfordert, wölchs der tugentsamen frommen eerenfrowen (d. h. ehefrau) gar ein uberlästig .. fürnemen was, zuͦ verlaszen iren frommen lieben gemahel. H. Salat 151; als ein gehorsame ihrem begerenden liebesten huswirt und gmahel. das.; dieweil ewer fürstliche gnaden (die markgräfin zu Brandenburg) sampt ihrem geliebten herrn und gemahel ... Christum auch mit trewen meinen. Selneccer christl. psalmen Lpz. 1587 vorr. bei Stieler 1211 der und das gemahl, conjux (das n. s. u. c) und so weiter im 18. 19. jh.: an der thüre empfieng Charlotte ihren gemahl. Göthe 17, 4. man fragt in gebildeten kreisen eine frau nach ihrem herrn gemahl (sie selbst spricht von ihrem mann), in höflicher haltung, s. vom rangwerte des wortes u. h. vgl. übrigens unter d und e von anderm gebrauch des masc.
b)
auch als fem. erscheint noch bis ins 17. jh. einfaches gemahl, d. h. das mhd. gemahele f. (1, a): nun zig der kayser sein gemachel ir ere. Augsb. chron. 1, 298, 14, wo aber auch das n. möglich ist, wie 323, 26 (vgl. c, γ); darumb er siner lieben gemahel sin fürnemen kund thet. Salat 150, vergl. noch Spreng nachher; nach seiner gemahle. Livius bei Rihel 3 (1598), noch mit voller endung; unser unschüldige gemahl, die königin Esther. Luther stücke in Esther 6, 9, dagegen 9, 3 Esther welche der könig zum gemalh genomen; der wunderliche traum von meiner abgeschiden lieben gemahel, Künigundt Sächsin. H. Sachs III, 1, 263 (11, 462 K.); bei seiner ehlichen gemahel hat mein vatter viel kinder erobert. Schaidenreiszer Odyss. 185ᵃ;
auch, wan sie ihrer gmahl wol trauten,
was dorfts, das sie vil dämm umbbauten?
Fischart gl. schiff 19,
von den Venedigern und dem meer, mit dem sie sich jährlich neu vermählten (v. 16 braut genannt, vgl. 3, c); Jupiter zur Juno:
dasselbig aber kan nicht sein (kann ich nicht erlauben),
bist du schon die gemahel mein.
Spreng Il. 18ᵇ;
mit freud sehe ich euch widerumb
sampt eurer gemahel hochgeborn.
Ayrer 1232, 14;
herzog Friederichs erste gemahl. Zinkgref ap. 35, 18;
das hyacinthne haus der schwester und gemahl
des groszen Jupiters thut auf den sternensahl.
Fleming 65 (153 L.).
c)
ein neutr. erscheint (vgl. Lexer 1, 834)
α)
als zusammenfassende form für beide geschlechter, wie auch bei gatte (s. d. I, 4); so im 16. jh., sicher schon früher, es musz die ursprüngliche bed. des n. sein: aber uber die alle gehet die eheliche liebe, das ist ein brautliebe, die brennet wie das fewr und sucht nicht mehr denn das ehelich gemahel, die spricht, ich wil nicht das deine .. ich wil dich selbs haben. Luther 1, 170ᵃ, es sind mann und weib beide gedacht, wie auch das folgende zeigt: alle andere lieb suchet etwas anders denn den sie liebet, diese allein wil den geliebten eigen selb ganz haben; wenn eins (von geschiedenen ehegatten) nicht wolt sich mit dem andern versünen und schlechts abgesondert bleiben, und das ander künd nicht halten und müszt ein gemalh haben, was solt das selbe thun? ob sichs möcht verendern? antwort, ja on allen zweivel, denn weil im nicht geboten ist keusch zu leben .. und sein gemalh wil nicht zu im .. als were im sein gemalh gestorben u. s. w. 2, 304ᵇ; ein ehelich gemalh mag recht frum christen und das ander böse und falsch christen sein. 305ᵃ; wo aber der unchrist nicht leiden wolt, sein gemalh christen zu sein. das.
β)
aus dieser zweiseitigkeit erklärt sich, dasz das n. doch auch vom mann brauchbar war, z. b. im 15. jh.: sin gemuͤt wart erhebt, das er siner tochter ain gemachel funden hett in sinem hus. Appollonius von Tyrus 92, 26 Schröder (vergl. ainen z. 29). es ist weniger unglaublich, als das n. auch vom weibe ebenda 110, 7 (s. unter e).
γ)
vorzugsweis aber kam das n. vom weibe in gang: er ward auch prüchig an seim gemachel. deutsche chron. II, 368, 22; do dise ding alle volbracht wurden, fur er wider mit seinem nüwen gemahel gen Baldach. Steinhöwel Es. 92ᵇ; das Adam kein ehelich gemahel fand. Luther 1, 170ᵃ; ein ehelich gemahel musz eine fromme person sein. tischr. 306ᵃ; Joseph, du son David, fürchte dich nicht, Mariam dein gemalh zu dir zu nemen. Matth. 1, 20, vergl. 24 (var. weib, gr. γυναῖκα), eigentlich verlobte, vor dem beilager, s. 3, a; hab den eingang meines buͤchlins mit einem reichen herren angefangen, welchem sein gemahel mit tod abgangen. G. Wickram irr reitend bilger vorr. A 4ᵃ; es hat mein gnädiger herr seinem gemahel (der herzogin) zugelassen .. Galmy 280; keyser Heinrichen .. samt seim gemahl und jungen herrlin. Fischart bien. 119ᵃ; iedoch warnet er sein gemal .. das sie sich etwas enthielte. Garg. 82ᵃ; durch sein kluges gemahl, die Placidiam, beredet. Micrälius Pommern 1, 69;
und die allerjüngest sprach mich an,
ob ich sie wolt zum gemahl han.
Ayrer 1644, 33;
du hast dir ein gemahl erkoren,
so dir gemäsz in allem ist,
in der du dir recht ähnlich bist ..
Fleming 369 (L. 287);
sein gemal, ietz seine wittwe. Rompler 118; Theodosia, kayserliches gemahl. A. Gryph. 1, 6, im personenverz. zu Leo Arm.;
ich schenke dir, Hyperbolus ..
für dein gemahl Pitts groszen diamant.
Hagedorn 1, 116;
der mann .. wischt itzt hervor und eilt ihr nachzugehn,
da sein gemahl noch in dem pfuhle stecket.
2, 160;
so wird mit schluchzen mein gemahl
heraus dich brechen.
Gökingk 3, 180;
schnell tuschte mit winkendem haupte die mutter
still! das väterchen hält noch mittagsschlummer im lehnstuhl!
lasz mit kindlichem kuss dein junges gemahl ihn erwecken.
Voss der 70. geburtstag 195;
des alten fürsten ehliches gemahl.
Schiller XIV, 51 (braut von Mess. 960).
d)
aber auch das masc. erscheint als zusammenfassende form, wie sonst das n., im 15. 16. jh.: er prediget .. wenn zwai haimlich anainander zu der ee nemen und swuͤr dernach das ain für das ander (schwöre die ehe ab) und man sie von einander ledig ertailt .. so sol das, darfür man gesworn hat, hinfür, dieweil sein erster gemahel lebt, nit mer zu der ee greifen. Nürnb. chron. 4, 554, 10, von mann oder weib zugleich (und neben dem m. doch das ain, das ander); wenn zwei eheleute sind, der eins christen, das ander unchristen ist .. ist doch des apostels raht, das er sich nicht von im scheide, so ferne sein unchristen gemalh leidet und zu frieden ist, das er christen sein mag. Luther 2, 304ᵇ; so der unchrist zu frieden ist und wil bei seinem christlichen gemalh bleiben, und vergönnet im alles zu thun, was eim christen gebürt. das.
e)
ja auch vom weibe einseitig das m., im 15. 16. und schon im 14. jh.: liebe frowe und lieber gemahel miner, ich habbe dich liep gehabet u. s. w. Nic. v. Basel bei C. Schmidt gottesfreunde 85 und noch einmal liebe frowe und lieber gemahel das.; als er aber sach sin wib tod ligen .. er .. schrai wainend mit luter stimm und sprach 'o aller liebster gemachel, des künges Archistrates tochter' u. s. w. Apoll. v. Tyrus 110, 7 Schröder; der kaiser ward durch die küngin, herzogin und andern beredt, die küngin, sinen gmachel, in der Ow uf der pfallenz zuͦ benechtigen und beschlafen (beilager zu halten). Oheim Reich. chron. 157, 23;
jugent sprach: alter, merke, ich
lieb mein gemahel stät und frumb,
so liebt er mich auch widerumb.
H. Sachs 1, 371ᵈ (4, 49 K.);
ein versprochner gemahel, conjux pacta. Maaler 431ᵈ, aus Frisius 939ᵃ; ich fraw Anna, herrn Jörgen zu N. elicher gemahel. Schmeller² 1, 1580;
der rheingraf Ottho wol beredt
hielt da ein schön oration,
wie der graf solt in ehren hon
sein lieben gmahl und sich erklären,
womit er sie nun wolt verehren.
Frischlin hohenzoll. hochzeit 58;
im schönen saal, da der jung graf
mit seim gmahl thet den ersten schlaf.
das.;
hingegen schwer ich (könig Egeus) wider euch (der Ädra),
dasz ich will nemen keinen gmahl ...
bisz uns die götter zusamen bringen.
Ayrer 1217, 25;
ach, liebster sohn, könd ich nur sehen
dich und den liebsten gemahl dein.
1232, 25.
es erklärt sich aus der zweiseitigkeit des m. unter d, wie das n. auch vom manne u. c, β aus der zweiseitigkeit des n., und ist eigentlich nicht anders als mhd. der geselle auch vom weibe, freundin, geliebte, ebenso genôʒ m., s. auchgefährte 4, gehülfe 2, c von frauen, alles von solcher begrifflicher zweiseitigkeit, wie auch der geliebte (sp. 3023 fehlend): alle andere liebe suchet etwas anders, denn den sie liebet, diese allein wil den geliebten selb ganz haben. Luther 1, 170ᵇ, von mann und weib zusammenfassend.
f)
der plur. heiszt nhd. gemahle, z. b.:
ewr ehling trew wirt nimmer mehr
vergessen, die ir habt verbracht
an ewrn gemaheln hoch geacht.
H. Sachs III, 2, 288ᵃ (13, 545 K.);
zweene könige mit ihren gemahlen. Olearius pers. ros. 7, 13; sie waren von ihren gemahlen in unziemlichen verdacht gezogen worden. Weise kl. leute 141;
gerne wünscht' ich euren töchtern
standesmäszige gemahle.
Herder Cid 56.
mhd. gemahel (für gemahele) und gemaheln, stark und schwach: derselben geschwistergit eeliche gemahel. Nürnb. polizeiordn. 77, eeliche gemacheln 86; vgl.gemehel, gemähel pl. u. 1, a.
g)
bemerkenswert ist noch ein mystischer gebrauch, in anwendung auf das innige verhältnis zwischen Christus und der seele (s. schon u. 1, a Suso), besonders in frauenklöstern ausgebildet, z. b.:
zuͦ den selben rainen sprichet Crist:
gemahel, du solt minnen mich,
wann du mir vor dem engel bist (an wert).
des brâht ich wol innen dich,
daʒ ich den tôt durch dich enpfie,
daʒ tet ich durch den engel nie (der es ja nicht braucht).
nonne von Engelthal 22, 12;
du pist mein kint (sagt Christus zur Adelheit), du pist mein swester, du pist mein gemahel. ich bin dein vater, ich han dich geschaffen, ich bin dein brueder, wan ich bin mensche worden, ich bin dein gemahel, wan ich han dich auʒ erwelt. offenb. der Adelh. Langmann 5, 25; das ich reden sull (brieflich) mit unsaubern mund mit der so gar rainen, mit der küschen, mit der die wol geleutert ist in dem minniglichen bluͤt ires gemacheln ... Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner 226; in dem spiegel mögen wir wol sehen, ob wir christen sein, dann christen reden gern von Christo, irem liebhaber, gespons und gemahel. S. Frank trunkenheit 289; man musz Christum der seelen gemalh höher halten denn den leiblichen gemalh. Luther 2, 305ᵃ. s. auch unter gemahlschaft.
h)
im werte oder rangwerte des wortes hat sich übrigens eine eigenthümliche verschiebung oder erhöhung vollzogen, entgegengesetzt dem gewöhnlichen gange in der entwickelung des klangwertes der worte, der durch abbrauchen herunterkommt zum gemeinen.
α)
wie es gegenwärtig einen höflichen oder höfischen klang und wert hat (s. u. a), so schon bei Adelung, wo es im hd. 'nur von verheiratheten personen vornehmen standes' gilt, aber 'bei der immer höher steigenden höflichkeit wird es im gesellschaftlichen leben nunmehr auch von solchen ehegatten gebraucht, von welchen man mit achtung zu sprechen ursache hat.' daher tadelt Lessing in einem trauerspiel von Schönaich, unter grober pöbelhafter sprache: ein gemahl hat eine frau .. und eine gemahlin hat einen mann. 5, 41. bei Gellert erzählt die Schwedische gräfin: also war herr R. mein gemahl, oder wenn ich nicht mehr standesmäszig reden soll, mein lieber mann. 4, 288 (223), vgl. vorher mein gemahl 255 (199) ff., mein erster gemahl 288. 291, nachher mein mann 293 (227) ff., d. h. ihr erster mann ist ein graf, der zweite ein nichtadeliger. ebenso bei Frisch 1, 634ᵃ 'jetzt braucht man gemahl nur von standespersonen', bei Rädlein 351ᵇ ist es 'ehegatte, eheherr, eheliebster vornehmer frauen', bei Ludwig 732 'ehegatte unter hohen standespersonen', als probe gibt er, aus höchsten kreisen, der könig, mein herzliebster gemahl, the King, my dear consort. s. auch unter gemahlin z. b. Lessing.
β)
das kann sich aber erst im 17. jh. so entwickelt haben, denn es erscheint vorher zwar auch schon in hohen und höchsten kreisen (s. u. 2, a Selneccer, unter 2, b Galmy, Fischart u. s. w.), aber ebenso gut in bürgerlichen, wie schon Frisch a. a. o. bemerkte, s. u. c, α Luther, unter a Salat, wo sich die sprache aus kleinbürgerlichen kreisen spiegelt in Mitteldeutschland und der Schweiz, wie in Luthers trauformel im traubüchlein, worauf Adelung verwies: Hans, wiltu Greten zum ehelichen gemahl haben? dicat ja. Greta, wiltu Hansen zum ehelichen gemahl haben? dicat ja. der kleine katech. Luthers her. von Harnack Stuttg. 1856 s. 19ᵃ. das wort war eben gemein für alle stände, gewiss auch bei den bauern, aus uralter zeit her, eig. mit einer besondern gemütlichen färbung, die eben über allen standesunterschied hinausgeht und sich gerade in hohen kreisen am längsten hielt (s. a. e).
γ)
daher ursprünglich auch von thieren (s. schon u. 1, c, δ), die als menschen behandelt werden in der fabel:
do diz diu træge krâ ersach,
ze ir gemaheln si dô sprach:
hœr mich, trûter buole mîn u. s. w.
Boner 49, 20.
in liebkosender form gemehelîn, gemächelein:
eʒn wart sô clein nie vogelîn,
eʒn sünge sîm gemehelîn.
Kolm. meist. 3, 29;
die selbe (die turteltaube) pricht ir trewe nicht
nimmer an ir gemächelein.
Vintler 5938.
noch neuerdings, in alterthümelnder haltung (nach engl. consort):
die nachtigall mit neuen federn singt,
die turtel klagt ihr sehnen dem gemahl.
Freiligrath sämmtl. werke New-York 1858 3, 77.
3)
ursprung und ursprüngliche bedeutung.
a)
es gehört zusammen mit ahd. gimahalian und einfach mahalian, mahilen, despondere Graff 2, 651 fg., unterschieden von mahalôn (mâlôn) causas agere, postulare, interpellare, contendere das.; nach dem mhd. gemahelen neben der umlautsform (s. b) kann aber der unterschied nicht durchgeführt gewesen sein, musz auch ein gimahalôn despondere bestanden haben. es ist eigentlich das zusammenkommen in oder auf dem mahal, concio, curia, forum und alles was daselbst gehandelt und ausgemacht wird, das auch selber kurz mahal hiesz, pactio, foedus (s.mahl). ein solches mahal, pactio, foedus war auch das zusammensprechen zweier verlobten, da es auf der verhandlung zweier sippen beruhte und zugleich als eine art bündnis beider behandelt wurde (was jetzt noch bei bauern und fürsten in deutlichen spuren zu erkennen ist), die wichtige handlung gieng ursprünglich vermutlich auf der mahlstätte eines oder beider geschlechter vor sich, als eine zugleich heilige handlung unter mitwirkung der priester und götter. es war aber nicht die volle 'vermählung' im heutigen sinne, sondern die verlobung, die zusage der ehe (vergl. übrigens geloben 2, b). so von Maria und ihrer empfängnis durch den heiligen geist vor dem beilager mit ihrem gemahl: mit thiu was gimahalit thes heilantes muoter Maria Josebe (dat.), êr thiu zisamane quâmîn, cum esset desponsata .. antequam convenirent. Tatian 5, 7.
b)
das zeitwort hielt sich als ausdruck des lebens bis in die nhd. zeit herein (allmälich durch das verstärkte vermählen verdrängt, das zugleich in die höheren lebenskreise zurücktrat), z. b. mit einem güldin ring gemählet. Steinh. Bocc. 2, 204ᵇ, s. unter mählen, wo die meisten belege, gemehelt, aus dem 15. jahrh., zugleich für gemehlen in anspruch zu nehmen wären. mhd. gemahelen und gemehelen, mahelen und mehelen, s. Lexer 1, 834. 2010, auch im 15. jh. noch beide, gemechlen despondere Dief. n. gl. 131ᵇ, und beide formen nah beisammen: in der stat Antiochia regniret Antiochus .. dem gemächelt was ain tochter Antipatris. Apoll. v. Tyrus 91, 3 Schröder; und e ich gemachelt bin (deine gemahlin wurde). 92, 7; vergl. bei Dief. 176ᶜ neben einander vermahelen (15. jahrh.) und vermehelen (16. jahrh.) despondere auch im 16. jahrh. mählen (s. d.) und noch in Kärnten maheln, vermaheln, verloben und vermählen Lexer 185. dasz es aber eigentlich die verlobung ist, auch von der hochzeit, dem beilager ausdrücklich unterschieden, zeigen z. b. Augsburger hochzeitordnungen im 13. jh., die den dabei eingerissenen luxus bekämpfen: die râtgeben hânt abgenomen (abgeschafft) die gewonhait, swenn ain man ain hausfrawen genam, daʒ er die gemahelt sunderlich auf ainen tack (das gemahelen als besondrer festtag behandelt) und daʒ diu gemahelschaft vil kostut .. und hânt gesetzt .. swelhs nahts ain man hôchzait haben wil, daʒ er des selben âbends sein hausfrawen gemäheln sol und nit ê. Augsb. stadtb. 241 (wieder gemaheln und gemäheln wechselnd); auch gemählenen daneben: die râtgeben sint ze râte worden .. das ain êlich man sîn hausfrawen und sîn braut gesehen sol des tages sô er si gemählenen wil und sol si auch niht gemählenen wan des âbendes sô er hôhzît mit ir haben wil. 242, wo auszer hochzeit und verlobung auch die brautschau (auch gesiht genannt das., vergl. 257 sîn gemachel sehen) auf ein und denselben tag verlegt wird, um verschwendung abzuschneiden.
c)
so erweist sich gemahel, urspr. gimahalo und gimahala, als subst. verb. einfachster bildung zu gimahalian, gimahalôn; ward doch auch der ring, mit dem das bündnis äuszerlich gefestigt wurde, einfach mit dem vieldeutigen mahal benannt: mahel, arra. Schm.² 1, 1580, auch deutlicher verbal gemahelpfant arra Dief. 50ᵇ, aber auch im 16. jh. noch einfach gemahel, von den alten Deutschen: ein messer, alspiesz, mit dem gab man im die braut an die hand, und sie schenket herwider dem breutigam auch ein wehr, das war damals ir haustreuw, verfertigung, gemächt, heiratgut, morgengab, krenz, gemahel, ring, schenk. Avent. 32ᵇ (vgl. doch gemahlring). gemahl von mann und weib aber gehört eigentlich in die brautzeit, bei, vor und nach der verlobung, und wenn es auf die ehezeit mit übernommen wurde (ehlicher gemahl, schon mhd., s. 2, b), so geschah das, weil die zärtlichkeit des brautstandes damit im ehestand fortgeführt wurde, am längsten in den höchsten ständen, wo diesz guter ton und stil geworden sein mochte, den man gerade vor den leuten fortführte, wie in dem eheliebster im 17. 18. jh., s. z. b. Rädlein u. 2, h a. e., auch herzliebster gemahl das. bei Ludwig, im munde einer königin, aus dem 16. jh. u. 2, a, also deutlich bei hofe fortgeführt. vergl. u. 1, b mhd. gemahel für schätzchen, liebchen wie für die braut.
gemähl, gemählde
Fundstelle: Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3156, Z. 5
s.gemäl, ↗gemälde.
gemahl n
Fundstelle: Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3155, Z. 52
verstärktes mahl, als freistätte für den verfolgten, im kinderspiel erhalten, beim haschen und verwandten spielen, in Schlesien gemâle, „der bezeichnete ort, an dem bei fangspielen die zu fangenden sicher sind, sie schlagen dabei dreimal an und rufen angeschlagen!“ Weinhold 59ᵇ. auch norddeutsch findet sich dafür freigemahl, sonst freimahl, z. b. meklenburgisch, gewöhnlich einfach mahl, z. b. in Königsberg, Hamburg, Bremen (Brem. wb. 3, 118), auch im binnenlande, wie in Dessau, im nördlichen Böhmen, im nordöstlichen Thüringen, im Odenwalde (ich bin beim mahle! ruft das kind), in Iserlohn, während sonst der offenbar uralte ausdruck im binnenlande durch sehr verschiedene andere, meist deutlich jüngere, zum theil seltsame ersetzt oder mit vertreten ist, z. b. in Leipzig, bei Berlin u. a. lat. pax m. (friede), sächs., thür., hess. gunst (eig. nachsicht), osterl. ruhe, thür. ruhaus, auch laube f. (erlaubnis, wie gunst), im Odenwalde belaub n., in Greifswald tik! verlöft! (mit anschlagen), schweiz. bü̂t n., verbü̂t u. ähnl., in Hanau verbieten n., in Hersfeld gottlauf, ostfries. und nl. honk, in St. Gallen stadt paramissi (St. Gallen land bü̂tus), in Posen mente, bei Zeitz friôle f., friône, im Voigtlande unser, in der Oberlausitz lustig u. s. w., es verlohnte sich der mühe, weiter zu sammeln (vergl. unter kascheln). dem mahl aber darf man höchstes alter zutrauen, es stammt aus dem alten rechtsleben, ist eigentlich die mahlstatt, gerichtsstätte, zu der ein verfolger floh, um da vor der hand friede und sicherheit zu finden (vgl. unter geleite 4, e, δ, auch geleitssäule), was von den kindern im spiel nachgemacht wurde (daher auch pax, friede). gerade das einfache mahl für mahelstatt, was schon mhd. die herschende form war, schon ahd. mahalstat, zur auffrischung des alternden begriffes (vgl. unter gemahl m. 3, a), ist überaus alterthümlich, wahrscheinlich auch gemahl.
Zitationshilfe
„gemahl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/gemahl>, abgerufen am 15.10.2019.

Weitere Informationen …