fusel f
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 962, Z. 51
1) eine weibliche person die bei aller geschäftigkeit nichts ausrichtet. 2) ein altes weib. in beiden bedeutungen, die auf ableitung von fuseln führen, kommt das wort bairisch vor. Schmeller 1, 571. S. unten das erste fuseln 1) und 4).
fusel m
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 961, Z. 75
1)
geringer brantwein, gemeiner brantwein. früher, ehe man allgemeiner brantwein aus kartoffeln brannte, wird mit fusel nur der geringe oder gemeine kornbrantwein bezeichnet, und so geben den begrif noch Adelung, Campe und selbst der spätere Heinsius. dagegen hat Heyse, wie auch schon im jahre 1793 Voigtel in seinem versuch eines hochd. handwörterbuches, gröstentheils einem auszuge aus Adelung, richtiger die umfassendere erklärung schlechter brantwein. aufgekommen scheint das wort in der ersten hälfte des 18. jahrhundert und Richey 67 führt es aus der hamburgischen mundart an. der erste, der es in das deutsche wörterbuch aufnahm, war Adelung, und dies geschah 1775. er gibt dabei an, dasz es in dem gemeinen leben Ober- und Niedersachsens üblich sei, aber es kommt auch im westfälischen (Strodtmann 63. 356ᵃ), im pommerschen und rügischen (s. Dähnert 139), in Ostpreuszen (Hennig 77), livländ. und estländ. (Hupel 71) so wie in andern gegenden vor. was seinen ursprung betrift, so scheint es eine unter dem volke aufgekommene benennung, ein eigentliches volkswort, vielleicht abgeleitet von fuseln, in so fern dieses übereilt und schlecht arbeiten bedeutet, wozu auch Schmeller 1, 571 fusel gehören lassen möchte. die eigentliche bedeutung würde hiernach schlecht bereiteter brantwein sein. an ableitung von straszburg. fûs, rausch (Arnold pfingstmontag 120. 191), zu denken, ist schon darum nicht zulässig, weil dieses wort nd. nicht vorkommt. entlehnt wurde fusel ins neuniederl., wo man, da man u durch oe bezeichnen musz, foezel schreibt. die älteste schriftstelle, überhaupt der älteste beleg für das wort ist: jedoch der secundant war ein ehrlicher kerl und hielt sein wort, hergegen gieng mir Bambo, der eine gar zu starke dosin von couragewasser oder fusel zu sich genommen haben mochte, gantz desperat zu leibe. Felsenburg 3, 458. später kommt es mehr vor:
weil um diese stunde
der kriegsmann seine streu verläszt,
und als ein treuer brantweinkunde
das letzte geld für fusel fliegen läszt.
H. L. Wagner confiskable erzähl. 15;
plumps wirft ihn der fusel zu boden und singt ihm das schlummerlied. Heinr. Voss an Jean Paul 63; ein rittergutsbesitzer handelt ohne befleckung seines wappens mit schweinen und fusel. J. Paul Nepomukkirche 130. livl. und estl. wird noch im besondern schlecht zubereiteter deutscher brantwein fusel genannt (Hupel a. a. o.), ein zeichen, dasz dieses wort aus Deutschland nach den russischen Ostseeprovinzen mit dem geringhaltigen brantwein einwanderte. in der chemie versteht man unter fusel das während geistiger gährung nebenbei sich bildende flüchtige erzeugnis, wovon der durch jene hervorgebrachte weingeist einen beigeruch und beigeschmack erhält.
2)
schlechte sorten von allerlei dingen. pommerisch und rügisch, s. Dähnert a. a. o.
3)
bair. auch schlechter tabak. wol nach bair. tabak trinken, ihn rauchen. Schmeller 1, 571. 422. 493.
fusel m
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 962, Z. 47
eine fase, ein lumpe. aachenisch und kölnisch, s. Müller u. Weitz 61. livländ. fuseln, flusern, ausgezupfte faden von seidenzeug, welche zu seidenwatte verarbeitet werden. Gutzeit 1, 302ᵇ.
Zitationshilfe
„fusel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/fusel>, abgerufen am 20.10.2019.

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