fleck m. n
Fundstelle: Lfg. 8 (1860), Bd. III (1862), Sp. 1740, Z. 75
gen. fleckes, pl. flecke, mengt sich mit dem schwachen flecke und das genus schwankt, wie die belege ergeben. ahd. flëch, mhd. vlëc, mit ë nach den reimen und dem abgeleiteten flicken; war das wort schon gothisch, so müste es fliks oder flik gelautet haben. ein altn. flîk pannus ist weiblich und vielleicht besser flik zu schreiben, das ags. flicce perna, engl. flitch darf wol in die verwandtschaft gezogen werden.
1)
grundbedeutung scheint pannus, lacinia, lappe, fetze, mhd.
hie lac ein loc, dort ein flëc
dër hûben und dës hâres.
Helmbr. 1890;
mir hanget alleʒ noch an
ein vlëc der alten kürsen mîn.
Helbl. 9, 42,
bildlich, mir hängt noch ein fetze des alten gewandes an, der alten gewohnheit; man muoʒ ëʒ iu ze flëcken zersnîden, hie daʒ rôte in daʒ wîʒe u. s. w. Berthold 293. nhd. fleck oder stuck pecies, voc. 1482 h 8ᵃ; fleck, flick, lappe, immissura. Dasyp. 327ᵈ; fleck, immissura, frustum, fragmentum panni. Serranus synon. 70ᵇ; einen fleck aufsetzen auf den risz im kleid oder schuh, einen schuh flecken, beflecken = flicken; man bletzt nicht neue flecke auf alte juppen;
fur das loch ist zu clain mein fleck.
fastn. 701, 26;
als aber sein junker zu schreien anfieng, setzte er den fleck heszlich neben das loch (versah ers gewaltig). Simpl. vogelnest 1, 3; der schneider hat einen fleck vom tuch genommen. wegkürzer 9ᵇ; so du an den wind kommst, so weht er dir alle flecke von der haut. Gryphius 1, 766; so fern ein loth safran nicht völlig in die schachtel gienge, solle er den überrest nur der magd in den fleck (die schürze) schütten. Megerle närrinnen 72;
sein hochzeitrock ist zwar nicht nett,
hier gleiszt ein fleck, dort hängt ein lappen,
wie an den bunten bettlerkappen,
und an Menantes quodlibet.
Günther 1106;
kaum hatte noch des schneiders hand
dem affen ein erflickt gewand
von bunten flecken umgehangen.
Gellert 1, 262.
das mlat. pecies, petacium, pictacium besagt auch nichts anders als fleck, bletz, lappe. Diefenbach 418ᵃ. 433ᵇ. dieses fleck haben die Böhmen in gleicher bedeutung von uns entlehnt. Jungmann 1, 547ᵃ. vgl.badefleck, ↗brustfleck, ermelfleck, haubenfleck, hausfleck, spitzenfleck.
2)
aus dem schneiden der lappen folgt die vorstellung des aufschneidens, prahlens:
dér bringet einen schwank, der schneidet einen fleck,
den Polyphemus selbst nicht solte tragen weg,
dér saget neue mär, der bapst sei luthrisch worden.
Fleming 166;
der poet schneidet einen fleck daher, den Polyphemus kaum wegschleppete. reime dich s. 74; hieher gehören auch alle aufschneider, die von schlachten, reisen und frauengeneusze grosze flecke schneiden. complimentirbüchlein von 1654 im weimar. jb. 1, 323; sich einen fleck machen, grosz thun, sich etwas einbilden.
3)
der pl. flecke bezeichnet fetzen fleisch: fleck, kuttelfleck, abligumma (l. ablegumina) pluralis numeri, partes extorum. voc. 1482 h 7ᵇ (Diefenbach 3ᶜ);
hier um so bit ich uwer stüre,
würste, flecke, wampen zu dem füre.
Mone altd. schausp. 129, 691;
eh ich dich würg und erbeisz,
mit den zänen und zu flecken reisz.
H. Sachs V, 345ᵇ;
er schlang es auf bei groben flecken,
im blieb ein bein im hals bestecken.
Waldis 1, 6.
ebenso der böhm. pl. fleky, stücke von fleisch und eingeweide bei den fleischern und in der küche, wozu der lit. pl. blěkai gekröse stimmt, kein sg. blěkas wird angeführt.
4)
sehr häufig erhält fleck den sinn von ort, platz, stelle, wie man auch sagt ein stück, fetze landes, gerade so geht das finnische paikka (lacinia) über in die vorstellung von locus.
a)
dann die uberigen warent in der vorstat, welches ein hübscher fleck was und vil volks darinne. Aimon f 3ᵃ; lieszen einen groszen fleck alt kiefern holz verkaufen. Schweinichen 1, 338;
kein ort war ihr mehr angenehm,
kein fleck zur weide mehr bequem.
Rost schäfererz. 16. schäferged. 21;
ich kenne schon ein brav fleck davon (von Thüringen). Göthe bei Merk 1, 93; das schöne fleck, das gemeindegut war und das der gerichtshalter zum garten einzäunen lassen. Göthe 15, 28; kamen sie an ein eben fleck, so gieng es desto langsamer. 27, 32; die liebe gibt mir alles und wo die nicht ist, dresch ich stroh. das malerischte fleck geräth mir nicht, und ein ganz gemeines wird freundlich und lieblich. an fr. v. St. 1, 49; da stand dir ein fleck, der war doch nicht anders wie blau tuch, so besät mit veilchen. Falks Joh. v. d. ostsee 1, 166; wo ein schöner fleck ist, da schmeiszt der teufel ein kloster hin oder einen edelmann. Simrock 2503.
b)
der rechte oder unrechte fleck: das war nicht der rechte fleck; den rechten fleck rühren, treffen, rem acu tangere; der barbier konnte nicht auf den rechten fleck des aderlasses kommen; ich habe genug dran und finde dasz sie aufs rechte fleck gestochen haben. Wieland bei Merk 2, 77;
sie schweigt und gräbt getrost. ha ha, nun klingt es hol,
nun wird der rechte fleck bald kommen.
Gellert 1, 210;
dasz die autoren selbst doch auch nicht immer den rechten fleck zu treffen wusten. Göthe 24, 171; drei dinge, fieng er an, sind bei einem gebäude zu beachten, dasz es am rechten fleck stehe u. s. w. 17, 96; freilich kannte ich ihn schon längst als einen guten kopf, versehen mit allerlei feinen kenntnissen, dem auch das herz nicht am unrechten flecke säsze. Bürger 243ᵃ.
c)
der schwarze fleck in der scheibe:
Tartaglia! mein seel! ins schwarze fleck
geschossen. 'mitten hinein, so wahr ich lebe'.
Schiller 591ᵃ
wo man auch verstehen kann macula, wie mhd.
ër nam alberîna staba,
sneid in die rinte iewâ abe,
lie dar ane suarze vlecche,
ettewâ wîʒe plekchen.
Diut. 3, 80.
der faule fleck, die faule stelle: das gehirn des dieners fieng am faulen flecke des herschaftlichen kopfes, wie ein apfel am andern fäulnis auf. J. P. komet. 2, 140. der einzige fleck: siehe schlange, das war der einzige fleck der vergebung. Schiller 211ᵇ.
d)
der alte fleck: der baum steht immer noch auf dem alten fleck;
wenn mir der kopf am alten flecke steht.
Göthe 11, 133;
wir blieben auf dem flecke halten, bis dasz sie vorüber waren. 30, 293; einer der zweikämpfer blieb auf dem flecke; er war immer der erste auf dem fleck; er kommt wieder auf den fleck, von dem er ausgieng. Hebel schatzk. 3.
e)
vom flecke kommen, gehn, rücken, weichen, sich rühren, regen, loco movere, promovere: vom flecke zum zwecke; so wie marsch commandieret wird, müssen die reiter den pferden die spornen alle auf einmal geben, damit sie zugleich vom flecke kommen. oeuvres de Fréd. le gr. 30, 104; man hat oft ein paar tausend meilen gemacht, wenn sie geschworen hätten, dasz wir nicht vom flecke gekommen wären. Wieland 11, 260;
eh wirst du nicht von diesem flecke kommen,
bevor ich nicht den ursprung deiner flucht vernommen.
Rost schäferged. 40;
gib nur den schöps heraus, eh geh ich nicht vom flecke.
111;
so geh nur vom flecke. sehe nur nach, am ende liegt sie gar im bette. Göthe 11, 106; nie ist mirs so leicht (im tanzen) vom flecke gegangen. 16, 32; so läszt die zugluft die wolken nicht vorbei, sondern kämpft mit ihnen und dem winde der sie trägt, hält sie auf und macht ihnen wol stundenlang den weg streitig. diesem kampf sahen wir oft zu ... und wenn wir eine stunde gegangen waren, konnten sie noch kaum vom fleck. 16, 274; so haben sie den vater, der nicht vom flecke gewollt, vor sich her getrieben. 16, 292; die gegenstände rückten nicht vom flecke. 24, 100; durch ihn kamen wir diesmal vom flecke. 30, 133; daher sich denn die da droben eben so wenig vom flecke rühren sollen. 38, 272; autorität ist hauptsächlich ursache, dasz die menschheit nicht vom flecke kommt. 50, 133; da nichts recht vom flecke wollte, habe ich indessen geordnet. Göthe an Knebel 81.
f)
einem auf den fleck, auf eine gewisse stelle helfen: übrigens hab ich etwa ein halb dutzend märchen und geschichten im sinne, die ich als den zweiten theil der unterhaltungen meiner ausgewanderten bearbeiten, dem ganzen noch auf ein gewisses fleck helfen und es alsdann in der folge meiner schriften herausgeben werde. Göthe an Schiller 417.
g)
von einem flecke, von einem punct, einer stelle aus: wie in jedem menschen spuren übrig bleiben, wenn er bei groszen handlungen gegenwärtig gewesen ist, wie er sich von diesem einen flecke gleichsam gröszer fühlt. Göthe 16, 269.
5)
zuweilen steht fleck pl. flecke für das schwache flecke pl. flecken in der bedeutung von macula, naevus, labes:
ich bin der perle gleich, die flecke hat bekommen,
und von der krone weg an schlechte hälse musz.
pol. stockf. 356;
her von der ostsee bis gen Sinas
ocean herschet ein edler jüngling,
der hat des namens flecke vertilgt.
Klopstock 7, 46;
noch seid ihr sicher, noch ists nicht so weit
mit ihm (dem mantel). ihr seht, er ist so ziemlich noch
im stande. nur der eine zipfel da
hat einen garstgen fleck. er ist versengt,
und das bekam er als ich eure tochter
durchs feuer trug. 'es ist doch sonderbar,
dasz so ein böser fleck, dasz so ein brandmahl
dem mann ein beszres zeugnis redet, als
sein eigner mund. ich möcht ihn küssen gleich
den flecken!'
Lessing 2, 247,
wo zuletzt in den schwachen acc. eingelenkt wird.
Zitationshilfe
„fleck“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/fleck>, abgerufen am 20.10.2019.

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