flasche f
Fundstelle: Lfg. 8 (1860), Bd. III (1862), Sp. 1725, Z. 38
lagena, ampulla,
ahd. flascâ (Graff 3, 774), mhd. vlasche, vlesche, nnl. vlesch, ags. flaxe, engl. flask, altn. schw. flaska, dän. flaske, mlat. flasca, flasco, flascus, it. fiasco, sp. frasco, fr. flacon, russ. fljaga, fljaschka, böhm. flaše, poln. flasza, flaszka, lit. pleszka, ungr. palaszk, palatzk, finn. lasku. man geht zurück auf ein gr. φλάσκη und φλάσκιον. woher rührt der umlaut im mhd. vlesche, nl. vlesch und noch lange im nhd. fläsch, wie im lit. pleszka? auch Alberus schreibt flesch vasculum, flesch wein; Luther aber flasche. es ist damit, wie in äsche, täsche neben asche, tasche (1, 578) und was wir eben sahen, in flärre neben flarre. Luthers br. 4, 553, wenn richtig gelesen wurde: und du thätest wol, das du mir herüber schicktest den ganzen keller voll meins weins und ein pfloschen deines biers, so oft du kannst. im inventar Elsen von Holzhusen a. 1410 liest man: item vi sz. umb ein czynen fleschen. item xvi sz. umb ii isern flesschen; bitten thet, das er im seines guͦten weiszen weines ein flaschen schicket. Steinhöwels dec. 384, 20, wo die ausg. 1580 2, 5ᵇ ein fläschen; da stund Abraham des morgens früe auf und nam brot und eine flassche mit wasser und legts Hagar auf ire schulder. 1 Mos. 21, 14; da nu das wasser in der flasschen aus war, warf sie den knaben unter einen baum. 21, 15; da gieng sie hin und füllet die flassche mit wasser und trenkt den knaben. 21, 19; mit einer flasschen weins. 1 Sam. 1, 24; einer tregt drei böcklin, der ander drei stück brots, der dritte ein flasschen mit wein. 10, 3. hier folgen noch mehr stellen, ältere und neuere.
ein flesche und ein legellîn
wart hinder in gebunden.
Hagens heldenb 2, 197;
mit dem tische das alles beschach,
was rates man daruf satzt
von spise und von silbergeschirre,
das lag alles gar irre
under dem tische in der eschen,
kopf, kannen und fleschen.
Dioclet. 3759;
du stinkender eimer, du kanige flasch!
fastn. 255, 12;
das man und frauen wol zu sammen fügen,
recht sam ein gürtel zu einer taschen
und eben als ein zapf für ein flaschen.
694, 22;
und usz der fläschen freudig sin,
mörtlich schwür duͦt man bi dem win.
Brant 87, 16;
sechs, achterlei wein was vorhanden,
da truͦg man auf mit fleschen, kanden.
Wickram pilger O 3 bl. 52;
nasse knaben und trunken fleschen (trunkenbolde)
mit bösem wasser seint geweschen.
Murner schelmenz. 34ᵃ;
wirst du grob machen dein schinden,
förcht ich, ich werd dich eins mals finden,
wie mein vater sein flaschen fand.
'die fand er hengen an der wand' (d. i. aufgehängt).
Sander trag. von Johannes dem täufer Q 7ᵇ;
das gelt aus der täschen,
den wein in die fläschen.
Garg. 50ᵃ;
habt ir auch je ein fläschen aufgeschraubet oder mit eim diterich erbrochen, so werd ir wol wissen was ir darinnen gefunden habt. 21ᵇ; ein poet soll auf einer seit am gürtel ein dintenhorn, auf der andern ein fläsch henken haben, das soll sein brevirbüchlein sein. 23ᵇ; klang der flaschen und kannen. 112ᵃ; im sommer trinken sie aus gekülten fläschen. 253ᵃ; es ist was anders in der fläschen, dessen ich gern bescheid und mich rechts erholen wolte. Philander 2, 784; dannenhero der säuerling, der an entfernte ausländische örter soll verführet werden, am allerlängsten dauret und in seiner güte verbleibet, wann er in die hierzu gerechtelte ausgewässerte flaschen bei reiner sonnenbestrahlung gefüllet wird. med. maulaffe 789;
lieber aus der flaschen
als aus der taschen;
die schäfer hatten schon die flöten weggethan,
und hiengen sich nunmehr die leeren flaschen an.
Rost schäferg. 92;
jetzt komm, ich will mit dir nach deinem wäldchen hinken,
vergisz die flasche nicht, ich werde wacker trinken.
140;
jetzt kollert sie die leere flasche.
144.
man sagt die flasche spülen, reinigen, füllen, leeren, öfnen, versiegeln, entsiegeln, stopfen, propfen, entpropfen, ausstechen, ihr den hals brechen:
der mann verstand die kunst, den flaschen die hälse zu brechen
und glaubt im übrigen gern, was mutter kirche glaubt.
die strafe blieb nicht aus. von übermäszigem zechen
erzeugte sich ein flusz an seinem vollmondshaupt.
Kl. Schmidt kom. dicht. 50;
habe ich denn nicht so manche flasche kapwein mit ihm ausgestochen? Lessing;
von nun an trink ich doppelt beszre flasche.
Göthe 41, 68.
in geschliffener flasche. Göthe. den wein auf flaschen ziehen, levare il vino a fiaschi. vgl.bierflasche, blechflasche, ↗brantweinflasche, dintenflasche, essichflasche, ölflasche, pulverflasche, weinflasche.
2)
die milchbrüste einer amme werden flaschen genannt:
darmit se (die jungfern) den bussem so konden utstafferen,
als went Karrenamme ere beiden flaschen weren.
Lauremberg 21, 106.
3)
metallarbeitern heiszt flasche der den formsand festhaltende rahmen.
4)
am flaschenzug ist flasche das gehäuse, worin sich die scheiben finden.
5)
am hals der schafe erzeugen sich bei ungesundem futter kröpfe, die man flaschen oder fläschchen, fläschel nennt.
6)
mhd. vlasche, beule, wunde, ohrfeige. Castelli 129:
er hieb ir eine vlaschen.
pass. K. 156, 60.
Zitationshilfe
„flasche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/flasche>, abgerufen am 26.06.2019.

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