flagge f
Fundstelle: Lfg. 8 (1860), Bd. III (1862), Sp. 1709, Z. 63
vexillum navale, nnl. vlag, pl. vlaggen, engl. flag, isl. flagg, schw. flagg, flagga, dän. flag n. ahd. alts. ags. fries. nicht verzeichnet, so viel anlasz dazu in den ags. gedichten war. mhd. vielleicht in einer bekannten stelle Walthers 124, 16:
als ich gedenke an manegen wünneclîchen tac,
die mir sint enpfallen gar als in daʒ mer ein flac,
wo man dem flac die lesart slac vorzieht. allerdings ist es häufig zu sagen 'ein slac in den bach, in daʒ waʒʒer', wenn ausgedrückt werden soll, dasz etwas schnell vergehe, verrinne, wie wenn der spiegel eines bachs durch einen ruthenschlag gestört seine glätte verloren hat, augenblicklich wieder hergestellt wird. doch ins wogende meer, vom hohen rand des schiffes schlägt keiner und der schlag wäre gar nicht wahrzunehmen, wie sollte er auch dahin entfallen? ein schönes bild ist aber die ins meer entfallende flagge, an der das schif nun vorüber rauscht. zu diesem mhd. flac, flacke stimmt auch die nhd. schreibung flacke des 17 jh. bei Stieler 492, Gryphius und Lohenstein, nur Fleming schreibt flagge neben flakke:
wird man nicht jenem gleich, der Thetis schaum durchstreift
und wider völker recht die freie flacke hindert,
und die durch brand und thal zustückten segel plündert?
Gryphius 1, 333;
der günstige nordost der bläst aus vollen bakken
die holen segel auf, er jagt die hohen flakken.
Fleming 101;
der flaggen hoher flug, der blitz der falkenetten,
der stücken donnerschlag, das jauchzen der trompetten.
203;
eilt, steckt die flaggen auf, rührt trummeln und trombetten,
gebt feuer alsobald aus euren falkenetten.
584;
laszt euch erschrecken nicht die jauchzenden trombetten,
der spiele vollen lerm, der flaggen hohen flug.
585;
der fromme norden jagt die ausgesteckten flaggen.
590;
der spiele lauter lerm, der flaggen rothes blut,
der hacken dunkler blitz, der stücken trübe glut.
591;
die helfte derselben führte römische adler, die andere cheruskische pferde in flacken. Lohenstein Arm. 2, 1051. 1, 338;
et is ok mennig stolte flagg an klipp und sand gebleven.
nd. gedicht in Lappenbergs Lauremberg s. 133;
drum flog ein schif herzu und liesz
die flagge stattlich wehen.
Hölty 33.
flacke würde sich einfach von flacken herleiten, wenn diesem verbum auszer der bedeutung flagrare auch die von volitare zustände, wie in flackern beide erscheinen. abweichend und auffallend ist 'lage' in Opitz Argenis 1, 428, wo man liest: an den spitzen der dreien mastbäume hiengen lagen von unterschiedenen farben, welche nach dem winde umbher flatterten. aus seinen gedichten erinnere ich mich keiner stelle. lage könnte sich zu flage verhalten wie lack zu flack (sp. 1705). heutzutage herscht entschieden die form flagge. es heiszt die flagge fliegen, wehen lassen, aufziehen, aufstecken, senken, streichen; unter deutscher flagge fahren, unter fremder, falscher flagge fahren. s.freudenflagge, ↗trauerflagge.
Zitationshilfe
„flagge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/flagge>, abgerufen am 13.11.2019.

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