feucht
Fundstelle: Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1577, Z. 59
humidus, in den goth. fragm. dazu kein anlasz, ahd. fûht, fiuhti, mhd. viuhte, ags. fûht oder fuht, engl. erloschen, mnl. nnl. vocht, mit weiterer ableitung schw. fuktig, dän. fugtig. wie humidus zu humus gehört und eine aus der erde aufsteigende feuchtigkeit bezeichnet, musz auch feucht zu der sp. 1367 für faul ermittelten wurzel fallen, dem dunst oder duft wird feuchte beigemessen und ahd. fûhtî ist glosse für odor (Graff 3, 446), so dasz sich feucht und putidus, putris begegnet.
si tuont dër flëdermiuse
gelîch, diu nahtes fliuget,
daʒ si dër glanz betriuget
an einem fûlen spâne,
daʒ si lëbt in dëm wâne,
daʒ von dëm holze fiuhte
ein wâreʒ lieht dâ liuhte.
tr. kr. 159.
hier stehen faul und feucht ganz gleichbedeutig. feucht liegende sachen dunsten, und man sagt feuchte dünste, faule dünste, feuchte, stinkende nebel, vgl. der alb feistet sp. 1466, weshalb fauchen, fäuken, fiuka sich mit feucht nahe berühren. volksm. 'die geschichte ist feucht', nicht rein, stinkt. wir verwenden aber auch feucht von dem reinen nasz.
1)
die erde ist feucht vom regen; kann auch die schilf aufwachsen, wo sie nicht feucht stehet? Hiob 8, 11; und wenn sie gleich ser feucht und am wasser stünden, werden sie doch ausgerottet, ehe es reif wird. Sir. 41, 16; das gras, der rasen sind feucht von thau; feuchte wiesen, feuchte abende;
aus dem bewegten wasser rauscht
ein feuchtes weib hervor.
Göthe 1, 185;
mein herz heiszt mich dich noch zu sehen und doch möchte ich nicht gerne in das feuchte. an fr. v. St. 2, 297; feuchtes holz, das noch nicht trocken ist; ein feuchter keller, eine feuchte wohnung, wand; sumpfvögel hausen an feuchten orten; erlen wachsen in feuchtem boden, feuchtem grunde.
2)
feuchte augen, feuchte blicke, nasse, thränende (1, 790. 2, 115): ihre augen wurden feucht, sind von thränen feucht;
aber nach Bacchus, dem weichen, dem träumenden, hebet Cythere
blicke süszer begier, selbst in dem marmor noch feucht.
Göthe 1, 274;
wieder steht mein aug im feuchten,
lange hat mirs nicht geregnet.
Rückert 348.
3)
feucht von wein, vino madens: aber Xantus was nun feucht (angetrunken) worden von dem wein. Steinhöwel Esop 14;
der schon ist worden feucht vom wein.
H. Sachs III. 1, 95ᵇ;
das haben habet ihr. löst aber euch aufs beste.
das ist die kaufmanschaft für eure feuchten gäste.
Fleming 51.
4)
feuchte lippen, feuchte küsse; feuchte hände; noch feucht hinter den ohren (unreif); die flügel des vogels sind noch vom thau der nacht feucht. feuchte wäsche, feuchte windeln, bettücher, strümpfe.
5)
feucht galt ehmals für vornehm, eingebildet, hochduftend: so sich einer selbs so feucht helt, dasz er sich allein ein liecht der welt und ja alles zu sein dunken laszt, spricht man 'ei lieber, man gelebt éines gottes, aber nit éines menschen, wer leuchtet ehe du warest?' Frank sprichw. 2, 5ᵇ = kluge weise reden 1565, 10ᵃ. 1570, 12ᵇ; er helt sich selbs feucht, meint er höre das gras wachsen, die flöhe husten. Frank 2, 13ᵃ; als der, welcher ein löenhaut umbhat, liesz sich feuchter gedunken als der in der schafhaut herein trat. Garg. 194ᵃ.
6)
'ein feuchtes geben' hiesz so schlagen, dasz blut flieszt: aber er gab ihm mit der geisel so ein feuchts umb die bein, dasz die knöpf darinnen stunden. Garg. 198ᵃ; da befand sich, dasz der Saurimars ein feuchts mit dem hebel auf den schettel (schädel) bekommen hett. 217ᵃ.
7)
einen feuchten tod, ein feuchtes grab finden, im wasser umkommen.
8)
feuchter natur, phlegmatisch.
9)
feucht ist weniger als nasz, der beginn des nassen. die chemiker nehmen verschiedne grade des feuchten und nassen an.
Zitationshilfe
„feucht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/feucht>, abgerufen am 25.08.2019.

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