felleisen n
Fundstelle: Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1498, Z. 50
mantica, mantelsack, mit einer eisenstange verschloszne ledertasche und darum felleisen genannt? man schrieb aber auch fellis, felles, felleis, was sich gleich dem nnl. valies aus fr. valise, it. valigia, mlat. valisia, hippopera, herleiten liesze und in felleisen verdeutlicht wurde, denn kaum gehen umgekehrt die romanischen wörter aufs deutsche felleisen zurück (Diez s. 365). die Böhmen bildeten filec. die älteste form felenz erscheint in einem weisthum von 1462 (2, 450): die sollent ime stellen ein bonden (bunten) ochsen, das er ime sein fellentz drüege oder watsack, wobei man sich des den riesen Gargantua tragenden urthiers ellendeis und felledeis (sp. 411) erinnert; noch nam er die truhen und felis, die die menner trugen und stalt die für sich. und wiewol die Römer sich manlich werten, wurden die truhen und felis herdan gerissen und kamen die feind in die wagenburg. Livius, Schöfferlin 148ᵃ;
wie theten wir so geschwind erhaschn
sein felles und die satteltaschn.
G. Mauricius com. von dem schulwesen. Leipz. 1606 F 8;
als er durch den fichtenwald bei Ravenna wandernd ein stark vellis voll derjenigen groszen fliegen, wie sie derselbige wald zeicht (zeucht), eingeladen und mit sich in sein heimath getragen hat. Messerschmid spital unheilsamer narren u. närrinnen. Straszb. 1618 s. 162; in der dieb land musz man das velleis vorn aufm pferd führen. Lehmann 83; zu geschweigen, dasz ich das felleisen hinter dem sattel hatte. Gryphius 1, 845; so hat ein jeder aus seinem fellis ein paar stuck herausgezogen und ihn noch in selbiger stund von fusz auf ganz nagelneu mundieret. fr. Simpl. 1, 10; da kamen ire zween mit fellisern und flenthen wol beladen. 1, 13; wilt mit uns gehen und etwa unterweilen ein fellis tragen? 1, 13; zween wandersgesellen, die wurfen die beutel oder fellis von den achseln auf den boden. 1, 69; er wäre ein thor, wolte er sein velleis oder wandersack mit wind ausfüllen. Scriver seelensch. 1, 460; nahmen unsere leute die kuffer und felleisen weg. Jucundiss. 144; unser jung trug mir meinen fellis nach. er wollte mir mein fellis ein wenig tragen. ich schlosz mein fellis auf. leben eines posaunenbläsers ans licht gestellt von einem zinkenpfeifer. Freiberg 1729 s. 158. 159. 181; dasz er sein felleisen schulden halber in Bremen sitzen lassen. Fr. Müller 1, 278. felleisen ist auch schelte auf eine freche dirne. s.brieffelleisen, ↗postfelleisen.
Zitationshilfe
„felleisen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/felleisen>, abgerufen am 18.09.2019.

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