falk, falke m
Fundstelle: Lfg. 6 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1269, Z. 46
ahd. falcho, mhd. valke, nnl. valk, altn. falki, schw. dän. falk, engl. falcon, it. falcone, fr. faucon, sp. halcon, alle nach dem lat. falco. unser eigentlicher jagdvogel war der habich, habicht, welchem ir. seabhac, welsches hebog entsprechen und sowol falk als habicht bedeuten; doch gilt auch welsches gwalch, ags. vealhhafoc, das zu altn. valr, falco stimmend, ein zeugnis für die berührung der laute gw, f und v ist. schon frühe begegnet der mannsname Falacho (Förstemann 1, 397), der sich vielleicht anders deuten liesze (GDS. 631), doch aus dem ags. namen Vesterfalcna, sohn des Sæfugel (schwan) bestärkt wird. mit falco scheint das sl. sokol'', lit. sakalah, nach leichter umstellung und vertauschung des f mit s verwandt, ob auch skr. çakunas, çakuni, welchem auch lat. ciconia vergleichbar? den falken bezeichnet schon patrî d. i. vogel überhaupt. die alte etymologie falco von falx, sichel, wegen der krummen krallen (Diez 137), läszt sich immer noch hören.
1)
der falke streicht und schlägt, hürtet und stöszt, läszt seine scharfen, glänzenden augen schweifen, sitzt auf der stange, fällt in ein ander land, wird gezogen (gezähmt, zur jagd abgerichtet), geätzt, gelockt, in seine flügel wird gold, um seine füsze ein rieme gewunden: mhd.
Artus valke al mite streich,
dâ wol tûsent gense lâgen.
dâ wart ein michel gâgen.
mit hurte vloug er under sie,
dër valke, und sluog ir eine hie,
daʒ sim harte kûme enbrast.
Parz. 282, 12;
ëʒ troumde Kriemhilde in tugenden dër si pflac
wie si einen valken wilden züge manegen tac.
Nib. 13, 2;
ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete als ich in wolte hân
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
ër huop sich ûf vil hôhe und flouc in anderiu lant.
sît sach ich den valken schône fliegen,
ër fuorte an sînem fuoʒe sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende si zesamene die gërne geliebe wëllen sîn.
MSF. 8, 9;
ëʒ stuont ein frouwe alleine
und warte uber heide
unde warte ir liebe,
so gesach sie valken fliegen.
'sô wol dir, valke, daʒ du bist,
dû fliugest swar dir liep ist'.
37, 7;
dâ wæren valken veile
und ander schœne vëderspil.
Trist. 56, 6;
si lieʒ ir ougen umbe gân
als dër valke ûf dem aste.
277, 3;
jâ brinnent ime diu ougen sîn
rëhte in sîme houbet
alsô eime wilden falkelîn.
Morolt 2166;
nhd. so lasz dein augen umbher gehn,
gleichwie man thut vom falken sehn.
grobianus 233ᵃ;
der fürst ist hinder dir und jagt so hurtig nach,
als der geschwinde falk den tauben an der bach.
Gryphius 1, 55;
die augen, die vormals als die falken hier und dorthin geflogen, werden dunkel und vergläsen sich. Ettners hebamme 802; ich merkts aber gleich und habe wie ein falke achtung gegeben, dasz er mir dem mädchen nicht gar zu nahe kömmt. Weisze kom. opern 3, 182; da ich gewohnt war wie ein falke das gesinde zu beobachten. Göthe 40, 49, es heiszt sonst aufpassen wie eine dohle;
die waldungen leben,
und adler und falken und habichte schweben
und wiegen die flügel im blendenden strahl.
Schiller 9ᵃ.
man sagte 'den falken streichen' für schmeicheln:
und must den falken künnen streichen.
H. Sachs I, 257ᵇ. 542ᶜ. (ed. 1558) = 189ᵈ. 405ᵃ (1589);
er kont den falken gar wol streichen.
IV. 3, 7ᶜ. 73ᵃ (1578)
und öfter, kein schreibfehler für das gleich berechtigte 'den falben streichen', wie sonst auch 'den fuchsschwanz streichen'. s.falke 4.
2)
auffallend ein sprichwort:
hoc vulgus fatur, quod corpus falco vocatur. der leib heiszet falk.
Gartneri proverbialia dicteria (zuerst 1578) s. 25ᵃ. 119ᵃ
und daraus Henisch 979, 39; nnl. 't lijf heet valk. Gruter prov. belg. 1, 113 und danach: het lijf heet valk. Harrebomée 2, 30ᵇ mit der erklärung: dat wil zeggen, het leven is voor den mensch van de grootste waarde. lijf geldt hier voor leven. de valk is een edele vogel. ungefähr wie: der leib ist das hauptgut.
3)
ein grobes geschütz hiesz ehmals falk, falkaune, falkanet, vgl.falkonet. das vierd und letzt geschlecht des feldgeschütz ist ein falka und auf unser sprach falkanet genant, die scheuszet gewönlich 2 pfund blei. Fronsperg 1, 72ᵃ.
4)
falke wird, wie sonst falbe, pferden und ochsen zu namen gegeben. Frommann 6, 232. bekannt ist Falke Dietrichs ros.
Zitationshilfe
„falke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/falke>, abgerufen am 23.10.2019.

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