erwachsen
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1037, Z. 57
crescere, adolescere, aufwachsen, ahd. irwahsan, alts. âwahsan, mhd. erwahsen.
1)
von menschen und thieren:
ir sît erwahsen dâ mite.
Iw. 232,
ir wiszt es von jugend auf; nhd. da er nu erwachsen war, nam er ein weib. Tob. 1, 9; er solt alle erwachsene menner erwürgen. 2 Macc. 5, 24;
was? ein kind ohn allen glauben
erwachsen lassen?
Lessing 2, 303;
und so erwuchs ich still am stillen orte
in lebensglut den schatten beigesellt.
Schiller 498ᵃ;
gienge die unart so hin, wie sollte die jugend erwachsen?
Göthe 40, 11;
sie waren mit einander erwachsen. Tieck 4, 199; ein erwachsener mensch, ein erwachsenes mädchen; dies buch ist mehr für erwachsene als für kinder.
2)
von bäumen und pflanzen: er gehet frisch dran unter den bewmen im walde, das er cedern abhawe, und neme buchen und eichen, ja einen cedern, der gepflanzet und der vom regen erwachsen ist. Es. 44, 14; welches (senfkorn) das kleinest ist unter allem samen, wenn es aber erwechst, so ist es das gröszest unter dem kol, und wird eim bawm, das die vögel unter dem himel komen und wonen unter seinen zweigen. Matth. 13, 32; die erwachsnen bletter, pubera folia. Maaler 119ᵃ; und wenn erst diese prächtigen keime zur vollen reife erwachsen. Schiller 104ᵇ;
weil sein wipfel
also gen himmel erwuchs,
hub sich sein herz schwellend empor, dasz so hoch er
stünde!
Messias 20, 347;
erstlich erwachsen die bäum aus manigfaltiger zeugung.
Voss Virgils landbau 2, 9.
3)
bildlich: dann du ja wissen kanst was und wie fer ein quint von einander steht und die tön von einander erwachsen. Petr. 193ᵃ; zu lob, ehren und nutz gereicht und erwüchse. Kirchhof mil. disc. 265; es erwuchsen daraus grosze vortheile;
als solch begierd in im erwuchsen.
H. Sachs II. 4, 52ᵃ;
herrengunst hat keinen grund, denn es hat nicht immer grund
das woraus sie erst erwuchs, das worauf sie gerne stund.
Logau 3, 64, 38;
das herz begunte in ihm wieder zu erwachsen. pol. stockf. 143;
und wie sein zorn, sein stolz sieh höher spannte,
erwuchs (crebbe) auch stärk und muth in gleichem grad.
Gries Ar. 30, 56;
und bald erwuchs die versammlung.
Bürger 195ᵃ;
kindischer geberde
dich zu necken scheint sie dort,
dann den muth zur erde
schlägt sie mit erwachsnem wort.
Rückert ges. ged. 1, 300;
überall hörte man die übungen der jungen musik, die erwachsen vor die fürstenbraut treten sollte. J. P. Tit. 3, 80.
4)
besonders oft von entspringenden, hervorgehenden übeln und ungünstigen dingen: es erwächst uns noth, schade, verdrusz, leid; zuͦ dem ersten fragst du, was ist schlemmen? zuͦ dem andern, was schades erwachset daraus? Keisersberg s. d. m. 3ᵇ; schaden die erwachsen usz uberigem fressen und erwachset von der fülleri der tod der selen. 11ᵇ; durch das hinderreden erwachset dem menschen minderung seins lümden, das ist ein groszer schad. 27ᵃ; darumb kürzlich bitt ich euch zu hören, was unrats, schand und schaden daraus entstehen und erwachsen möge. Livius, Schöfferlin 52ᵇ; denn hohmut thut nimer gut und kan nichts denn arges draus erwachsen. Sirach 3, 30; der herzogin auch fast groszes leid davon erwachsen thet. Galmy 345; darumb lagen allenthalben in den häusern vil todter cörper, darvon vil böser geschmäck erwuchsen. Bocc. 1, 4ᵃ; aus diesem knaben wird noch grosz unheil auf der welt erwachsen. pers. rosenth. 7, 20; schädliche misbräuche erwuchsen daraus;
besser ists in sark begraben,
als den bauch zum fasse haben,
dorte wird man sünden los,
hier erwächst sie noch so grosz.
Logau 1, 89, 68;
hieraus erwuchs uns eine sonderbare verlegenheit. Göthe 31, 110; aus dem rechtsstreit sind grosze kosten erwachsen.
5)
auf, an einen erwachsen, gelangen: das alles und jedes sei von alter alwegen dermaszen gehalten worden und von iren voreltern uf sie komen und erwachsen. weisth. 1, 476; so hätte die regierung vielleicht auf sie erwachsen mögen. Philander 1, 535; nachdem üwer meinung an mich erwuchse. Al. Seitz s. 11. in etwas erwachsen, in, zu etwas ausarten, gedeihen: doch ist es heutzutage bereits leider so weit kommen und in eine sündliche, allgemeine gewohnheit erwachsen. Simpl. K. 168. man vgl. den übergang der bedeutung wachsen in die von werden, kommen.
6)
erwachsen, von getreide gebraucht, bedeutete ausgewachsen, verderbt:
denn wer da gibt geringes masz,
erwachsen, radig, staubig, nasz.
Ringwald l. warh. 321.
Zitationshilfe
„erwachsen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/erwachsen>, abgerufen am 20.08.2019.

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