ersaufen
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 950, Z. 41
aqua mergi, praet. ersof, part. ersoffen, ahd. arsûfan, mhd. ersûfen, in der flut umkommen, ertrinken.
1)
von lebenden geschöpfen: er ist ersoffen; da furen sie aus und furen in die herd sew, und sihe die ganze herd sew störzet sich mit einem sturm ins meer und ersoffen im wasser (vulg. mortui sunt in aquis, goth. gadauþnôdêdun in vatnam). Matth. 8, 32; und ersoffen im meer (vulg. et suffocati sunt in mari, goth. afhvapnôdêdun in marein). Marc. 5, 13. Luc. 8, 33; durch den glauben giengen sie durchs rote meer als durch trocken land, welches die Egypter auch versuchten und ersoffen. Ebr. 11, 29; ein geizhals musz auf dem meer ersaufen. pers. rosenth. 3, 22; hätte nicht viel gefehlet, dasz der knabe gar ersoffen wäre. Lokmans fab. 25;
gnug es einmal hat geregnet,
nit in rothem bad (im blut) ersauf.
Spee trutzn. 212;
ein Schweizer, dem die ehr und gnade ward
mit seiner kaiserlichen majestät
in éinem flusse zu ersaufen.
Lessing 2, 224;
im tiefsten wasser wünscht sie plötzlich zu ersaufen,
doch wer ist stark genug in seinen tod zu laufen?
Rost schäferg. 85;
der fürst, mit dem gefühle bald in seiner fett oder wassersucht zu ersaufen. J. P. Tit. 3, 100. gleich dem einfachen saufen meidet man heute, auszer im verächtlichen sinn, ersaufen von menschen und gebraucht ertrinken; doch schon das Baseler N. T. 1522 erklärt ersaufen durch ertrinken.
2)
von sachen, die im wasser verderben: denn der vorrat, den du bei dir hast, der kan verbrennen, ersaufen, gestolen oder von motten und würmern gefressen werden. Luther 4, 507ᵇ; wo die schif on gegenwehr von sich selbst zerspalten, erstoszen und ersaufen (untergehen). Fronsp. kriegsb. 3, 142ᵃ;
die Limmat, welche her entspringt
vom Märchberg, der Uri umringt,
und durchs Linthal für Glaris lauft
und in dem Obersee ersauft.
glückh. sch. 230;
und führt die quellen ab, dasz nicht das gras ersäuft.
Gellert 3, 403;
o du ausgeburt der hölle,
soll das ganze haus ersaufen?
seh ich über jede schwelle
doch schon wasserströme laufen.
Göthe 1, 239;
bergmännisch, die gruben ersaufen, füllen sich mit wasser; jene ersoffenen abgebauten tiefen. Göthe 56, 175; alte ersoffene gesenke. Humboldt gasarten 163; so entbinden sich eine grosze menge der gefährlichsten gasarten aus ersoffenen alten gesenken. 165; mancher gedanke wird in meiner tasse ersaufen. J. P. uns. loge 2, 64. man sagt dasz äcker, wiesen, saaten ersaufen, wenn wasser lange darauf steht; das rad in der müle ersäuft, wenn es in hohem wasser stehend sich nicht mehr drehen kann.
3)
das part. ersoffen wird bildlich gebraucht für untergegangen, verdorben, verkommen: denn beide, priester und propheten sind toll von starkem getrenke, sind in wein ersoffen und daumeln. Es. 28, 7; im guten ersoffen und on alle böse lüste. Luther 4, 12ᵃ; er sei so trunken, ja ersoffen in den lehren des bapstes gewesen. ...;
alter sprach, jugend, hör mir zu,
du bist in geiligkeit gar mütsam
ersuffen, frölich, unbehütsam.
H. Sachs I, 371ᵈ;
also geschicht auch manchem rohen bergmann, der in allem mutwil und lüsten diser welt ersoffen ist. Mathesius 1562, 198ᵇ; in solcher thorheit ersoffen. rockenph. 5, 21; in aberglauben ersoffen. 5, 34. 6, 52; in einbildung ersoffen;
es wäre glauben, lieben, hoffen
und alle herzensherlichkeit
im nassen jammer längst ersoffen
und alles leben hiesze leid,
wärst du nicht in der wassersnoth
des muthes sporn, der sorge tod.
Arndt ged. 319.
ersäufen
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 951, Z. 27
aqua mergere, praet. ersäufte, part. ersäuft, ahd. arsoufan, mhd. ersoufen.
1)
ich bin im tiefen wasser und die flut wil mich erseufen. ps. 69, 3; das mich die wasserflut nicht erseufe und die tiefe nicht verschlinge. 69, 16; und die wasser erseuften ire widersacher, das nicht éiner uberbleib. 106, 11; so erseufte uns wasser, ströme giengen uber unser sele. 124, 4; das auch viel wasser nicht mügen die liebe ausleschen noch die ströme sie erseufen. hohelied 8, 7; denn so du durch wasser gehest, wil ich bei dir sein, das dich die ströme nicht sollen erseufen. Es. 43, 2; wurden sie alle erseuft im meer. Judith 5, 11; und die tiefe übereilet sie und das wasser erseufet sie. 9, 7; dem were besser, das ein mülstein an seinen hals gehenget würde und erseuft würde im meer, da es am tiefsten ist (ahd. biderbi ist imo, daʒ ana sî hangan quirnstein in sînan hals inti sî forsenchit in tiufî sêwes). Matth. 18, 6; und die schlange schosz nach dem weibe aus irem munde ein wasser, wie ein strom, das er si erseufet. offenb. 12, 15; diese sinds, die mit irem blut das bapstum samt seinem gott dem teufel erseufen werden. Luther 3, 281; darumb liesz gott die sindflut kommen und erseufet die erste welt. Mathesius 82ᵃ; sie durchbohrten und ersäuften den nachen. Lohenstein Arm. 2, 1015;
flut, die nicht ersäuft, nur badet,
schimpf und scherz, der keinem schadet.
Logau 1, 222, 17;
ein räuschchen dann und wann, das die betrübte länge
der winternächte kürzt und jeden sorgenpack
ersäuft in Bacchus goldnen flüssen.
Kl. Schmidt poet. br. 100.
2)
bildlich, das kam auch daher, das grosze feine leute mein gewissen erseuften mit groszen fuddern vol vertröstung. Luther 3, 333ᵃ; in geist erseuft. 4, 12ᵃ; die vernunft unter erdichtungen und blendwerken ersäufen. Kant 2, 585; er (Miller in seinen romanen) ersäuft das gute, das ihm sein genius beschert, in einem strome von wäszrichten geschwätzen, die ihm die leidige nutzenstifterei eingibt. Voss br. 3, 1, 192;
elysiums freudengelage
ersäufen jegliches ach.
Schiller 8ᵇ;
dasz er gern die nacht im abendroth ersäuft hätte. J. P. flegelj. 1, 85.
Zitationshilfe
„ersaufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ersaufen>, abgerufen am 23.09.2019.

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