erhaben
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 832, Z. 57
ist die organische, bis ins 17 jh. unverkümmerte form des part. praet. von erheben. damals aber begann, wie von heben gehoben, auch von erheben erhoben, etwa nach falscher analogie von weben gewoben, einzudringen. Schottel 587 und Bödiker Frisch 149 schwanken bereits zwischen gehoben und gehaben, die frühsten beispiele für gehoben, erhoben sollen unter erheben folgen. das ältere erhaben galt
1)
noch im 16 und bei einzelnen schriftstellern des 17 jh. als wahres participium: gott der hort meines heils müsse erhaben werden. 2 Sam. 22, 47; du hast deine augen erhaben wider den heiligen. 2 kön. 19, 22; und er ward danach erhaben fur allen heiden. 2 chron. 32, 23; sie sind eine kleine zeit erhaben und werden zunicht und unterdruckt. Hiob 24, 24; hab ich mich gefrewet, wenns meinem feinde ubel gieng und habe mich erhaben, das in unglück betretten hatte. 31, 29; und sein horn sol in meinem namen erhaben werden. ps. 89, 25; und du Capernaum, die du bist erhaben bis an den himel, du wirst bis in die helle hinunter gestoszen werden (goth. þu und himin ushauhida, dalaþ und halja galeiþis; ahd. ënonu ni arhevistu thih unzan himil, unzan in hella nidarstîgis). Matth. 11, 23; auf das wir auch mit zur herlichkeit erhaben werden. Röm. 8, 17; deswegen er in stolz erhaben war. Kirchhof wendunm. 215ᵃ;
das lamb wird erhaben an dem creuz
und aufgeopfert an dem holz.
Selneccer christl. psalmen. Leipz. 1587 s. 273;
o höchster, der du deinen thron,
allein zu herschen, hoch erhaben.
Weckherlin 49;
weil plötzlich gottes höchste macht
wirt ihr gebein, so sie mit pracht
erhaben, tod ausströcken.
174;
hat kniend er
erhaben sein gebet.
615;
als bei der schwellen er nun einen stein erhaben,
der sehr voll zifferpunct und zeichen war gegraben,
da funden sich gefäsz.
Werders Ar. 4, 38;
die beiden zeichen,
die von dem Hercule weit in das meer hinein,
den schiffern zum gemerk, erhaben worden sein.
6, 17;
o schäfer, wie hat doch der himmel dich erhaben.
Hoffmannswaldau getr. sch. s. 13.
vielleicht tauchen auch im 18 jh. einzelne beispiele auf.
2)
erhaben ist bis auf heute noch, unterschieden von erhoben, für die adjectivische bedeutung hoch, sublimis, altus, celsus, excelsus, ὑψηλός, μετέωρος behalten worden, vielmehr konnte es aus dieser geläufigen und hergebrachten nicht verdrängt werden. gerade so war altus ursprünglich part. von alere. denn der tag des herrn Zebaoth wird gehen uber alles hoffertiges und hohes und uber alles erhabens, das es genidriget werde. Es. 2, 12; auch uber alle hohe und erhabene cedern (vulg. cedros sublimes et erectas). 2, 13; uber alle hohe berge und uber alle erhabene hügel (vulg. super omnes montes excelsos et super omnes colles elevatos). 2, 14; sahe ich den herrn sitzen auf einem hohen und erhaben stuel (super solium excelsum et elevatum). 6, 1; der herr ist erhaben, denn er wonet in der höhe (magnificatus est dominus, quoniam habitavit in excelso). 33, 5; du machest dein lager auf einen hohen erhabenen berg (super montem excelsum et sublimem). 57, 7; denn also spricht der hohe und erhabene (excelsus et sublimis). 57, 15. wir nennen gott, ein königliches geschlecht, einen berg und thron, eine gestalt, einen gedanken erhaben, die sich über andere erheben, darüber erhoben sind:
erhabner gott, was reicht an deine grösze!
beginn eines kirchenlieds;
erhabner geist, du gabst mir, gabst mir alles.
Göthe 12, 170;
hat der begrabene
schon sich nach oben,
lebend erhabene
herlich erhoben.
12, 46;
es liebt die welt, das strahlende zu schwärzen
und das erhabne in den staub zu ziehn.
Schiller 84ᵇ;
thronend auf erhabnem sitz
schwingt Kronion seinen blitz.
10ᵇ;
der erhabene philosoph (Plato). Kant 2, 290; eine regelmäszige beziehung der erhabenen gegenden gegen die tiefen. 9, 20;
und willst du stets zufrieden sein,
so bilde dir erhaben (stolz) ein,
lust sei nicht lust und pein nicht pein.
Gellert 1, 182;
erhabne herkunft scheint ihr anstand zu verkünden.
Gotter 2, 50;
rachentflammter erhabener schmerz.
2, 85;
in diesen gegenden ist alles still, wie in erhabenen menschen. J. P. uns. loge vorr. s. 24; die erhabne gestalt. Hesp. 2, 116; Wilhelm verstand nun erst, warum das leichtfertige, in ihren ausdrücken erhabene mädchen den knaben der sonne verglichen hatte. Göthe 19, 85. Kant gibt folgende bestimmungen: erhaben nennen wir das, was schlechthin grosz ist, das ist, was über alle vergleichung grosz ist. 7, 96; diese erklärung kann auch so ausgedrückt werden, erhaben ist das, mit welchem in vergleichung alles andere klein ist. 7, 99; erhaben ist, was auch nur denken zu können ein vermögen des geistes beweist, das jeden maszstab der sinne übertrift. 7, 100; erhaben ist die natur in denjenigen ihrer erscheinungen, deren anschauung die idee ihrer unendlichkeit bei sich führt. 7, 105; erhaben ist das, was durch seinen widerstand gegen das interesse der sinne unmittelbar gefällt. 7, 120.
3)
erhaben, in der bedeutung von ergraben, getrieben, caelatus, sculptus:
geworht mit guoten bilden, mit golde wol erhaben.
Nib. 347, 3;
erhabne arbeit, erhabnes bildwerk; erhabne oder tribne arbeit machen, caelare. Maaler 111ᵃ; erhaben ding machen in gold; die kunst des erhabnen werks, des ausstechens, grabens; vil und mancherlei historien und geschichten mit erhabner arbeit auf ein trinkgeschirr, becher oder schalen machen, craterem caelare longo argumento. daselbst.
erhaben
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 832, Z. 54
setzt Maaler 111ᵃ, ohne umlaut, für erheben, efferre: zu einem heiligen erhaben, ascribere numinibus; erhabende, der erhebt, efferens.
Zitationshilfe
„erhaben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/erhaben>, abgerufen am 19.05.2019.

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