erblässen
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 729, Z. 39
pallidum reddere:
du sprichst, wenns übel geht 'ach solte michs erblässen?'
wenns wol, 'ach solte michs denn machen drüm vermessen?'
Fleming 276;
hier ist der, der dich so sucht
und noch nirgends hat gefunden,
bis er selbst verloren sich.
der so ist erbläst auf dich (gestorben nach dir),
kann genieszen dieser stunden
seines suchens süszen frucht.
346.
erblassen
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 728, Z. 64
pallescere, dasz dies verbum ahd. und mhd. unmöglich ist, folgt aus der abwesenheit des adj.
1)
erbleichen, drei stellen aus der bibel sind schon 2, 72 ausgehoben; welche nicht also erblaszt ihrer sünde halben, wie ich einzeles heilgichen erblassen und zittern musz. Luther 5, 42ᵇ;
die götter selbst waren erblaszt.
Fuchs mückenkrieg 1, 31;
die mutter ist erblaszt, ergeuszt ein meer voll thränen,
sie klaget den verlust.
Tscherning 41;
selber die engel
sehn ihr reineres licht wie in abenddämmrung erblassen.
Messias 8, 422;
wie schlummernd
lag er, erblaszte zu schimmer, ihm däuchts er stürbe noch einmal.
16, 548;
dasz du ja
vor ihm recht sehr erröthest, liebes mädchen!
'vor wem? erröthen?' kleine heuchlerin,
nun so erblasse lieber.
Lessing 2, 353;
die natur erblasset,
rings um mich wirds nacht.
Gotter 1, 235;
sobald vom horizont entflohn
der sonne strahlen heut erblassen.
3, 436;
eine stunde, Luise, wo zwischen mein herz und dich eine fremde gestalt sich warf, wo meine liebe vor meinem gewissen erblaszte. Schiller 192ᵇ; ich weisz es am besten, wie meine werke gegen meine entwürfe erblassen. Leisewitz Jul. v. Tar. 4, 4; sein inneres erblaszte vor da stehenden schmutzseelen. J. P. uns. loge 1, 30; vor furcht erblassen; die lippen erblaszten ihm.
2)
erbleichend sterben: er ist erblaszt; der erblaszte leichnam;
die der nahe tod umfasset
haben freilich oft verkündet, was sich fand, wenn sie erblasset.
Gryphius 1, 57;
must andern alles überlassen,
wenn du wirst in dem tod erblassen.
Rompler 39;
endlich schlosse er auf und sahe das schöne angesicht erblaszt wie ein weiszes tuch. pol. stockf. 180; Castrette kam und bewiese dem erblaszten die letzte ehre und netzte sein angesicht mit thränen. daselbst;
grausame, die mein unglück will,
für dich musz ich noch heut erblassen.
Hagedorn 3, 33;
und ohne furcht möcht ich für sie erblassen.
3, 77;
sein letzter wunsch, wenn er erblaszt.
Gotter 1, 228;
lasz mich auf den stufen deines altars erblassen! 3, 28; ein verwandter unsers erblaszten glashändlers. Lichtenberg 3, 26, wie man sagt verblichen.
3)
sich erblassen, gleichfalls pallescere:
eh ich dich, mein kind, will lassen,
musz der himmel fallen ein,
und die sternlein sich erblassen
und der mond verfinstert sein.
Erk liederhort 271.
Zitationshilfe
„erblässen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/erbl%C3%A4ssen>, abgerufen am 19.08.2019.

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