einzig adv
Fundstelle: Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 357, Z. 47
unice.
1)
häufig zur verstärkung von adjectiven:
ja wir kommen, wir begleiten
mit dem wolklang der gesänge
fröhlich im verlauf der zeiten
diesen einzig schönen tag.
Göthe 2, 35;
und von deinen einzig treuen lippen
langbewahrter liebe balsam koste.
2, 110;
um einen groszen, einzig klugen mann.
9, 135;
die musik ist einzig herlich. Bettine br. 2, 124.
2)
neben dem verbum: ich denke ich weisz es, was meiner tochter in ihren itzigen umständen einzig ziemet. Lessing 2, 181;
nimm dich in acht vor ihren schönen haaren,
vor diesem schmuck, mit dem sie einzig prangt.
Göthe 12, 215;
wie du lebest und bist, so trag ich
einzig im herzen,
theuerstes mädchen, dein bild.
Wilh. Ülzen im götting. musenalm. 1786. s. 127.
3)
häufung von einzig und allein:
sie redete den blöden schäfer an,
sie sagt ihm, dasz er unter allen
ihr einzig und allein gefallen.
Rost schäfererz. 22;
mond, du freund der reinsten triebe,
schleich dich in ihr kämmerlein,
sage ihr, dasz ich sie liebe,
dasz sie einzig und allein
mein vergnügen, meine freude,
meine lust, mein alles ist.
(aus dem lied guter mond du gehst so stille).
damit er nicht einzig und allein aus eben dem umstande abgesondert scheine, zu dessen beglaubigung sie ihn anwenden. Lessing 10, 69.
4)
zuweilen drückt einzig abstractes nur aus: er behauptete das einzig um recht zu haben; es geschah einzig deswegen, einzig dafür; seine wurzel ist einzig mit wenig faseln umbgeben. Tabernaemont. 749.
5)
auch fürs adv. gilt steigerung: einzigst geliebt. einen beleg des comp. liefert Göthe 44, 11: noch immer so kräftig gerührt von dem groszen, und o wonne, noch einziger, ausschlieszender gerührt von dem wahren, als ehemals.
einzig
Fundstelle: Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 356, Z. 8
unicus, eine unorganische und insofern unnöthige bildung, als bereits das sie ausdrückende wort einig vorhanden war; auch zeigt keine der verwandten mundarten etwas ähnliches, d. h. es gibt weder ein alts. êntig, nnl. eentig, noch ein ags. ântig, engl. onty, so wenig als ein ahd. einzîc. auch behauptete sich noch lange zeit einig in der bedeutung von unicus, wie sp. 207 dargelegt wurde. seitdem es aber zugleich den sinn von concors (sp. 208) und den geschwächten von aliquis (sp. 209. 210) annahm, begann für unicus die verstärkung einzig um sich zu greifen. vielleicht gieng ihr, wie oben gemutmaszt ist, einfaches einz voraus; wahrscheinlicher wurde sie, wie einzel (sp. 349), adverbialem einzen, einzigen, ahd. einazêm, mhd. einzigen, zeinzigen, beinzigen (mhd. wb. 1, 425ᵃ) abgesehen. adjectivisches einzic taucht auf bei Eckhart: wêre der wurf einzic. 165, 22 und möglich schon früher anderswo. auch setzt das etwas ältere einziclîch bereits einzic voraus, dessen ursprung also, gleich der schwachung von einic, über die nhd. zeit hinauf reicht. sahen wir doch vorhin auch einzel singulus den sinn von unicus empfangen und wiederum schwankt die bedeutung von einzig nach mehrern seiten. Luthers bibel verwendet nur einig, niemals einzig. beide wörter drücken beschränkung auf die einheit aus.
1)
einzig begleitet gern die possessiva, zumal bei persönlichen vorstellungen: mein einziger sohn, deine einzige tochter, sein einziges kind, unser einziger freund;
dasz könig Philipp seinen einzgen sohn
an seiner knechte schlechtesten verkaufte.
Schiller 244ᵇ;
lieb kind! mein artig herz! mein einzig wesen!
Göthe 2, 12.
um allen nachdruck auf einzig zu sammeln, unterbleibt auch das subst.: mein einziger! du bist doch mein einziges! sie blieb seine einzige;
ich war sein einziger, an dem er alles wandte.
Fleming 229,
wo man lesen möchte 'den', doch geben alle ausgaben 'dem'. sodann auszerhalb des personenverhältnisses: sein einziges verlangen ist zu sterben; mein einziges vergnügen ist geige zu spielen; das wiegen gefiel dem kleinen mägdelein dermaszen wol, dasz wir selbst unsere einzige freude daran sahen. Felsenb. 1, 235; dieser streich war also mein eintritt in eine solche lebensart, worüber der teufel in der hölle seine einzige freude haben mag. 2, 367.
2)
ohne possessivum bezeichnet es
a)
das éine, alleinige: 'auch nicht viere?' (schafe) fragte der wolf weiter und der schäfer schüttelte den kopf. 'drei, zwei?' nicht ein einziges, fiel endlich der bescheid. Lessing 1, 160; alle einwohner, bis auf einen einzigen, kamen an der pest um; die orangen, die ich bei seite gebracht hatte, die nun die einzigen noch übrigen waren. Göthe 16, 33;
ein einzig wib, zu der ich hoft,
setzt mir ein bad zu dick und oft.
Murner geuchm. Basel 1519 b 3ᵇ (Scheible s. 902);
es sol ein ieder gouch festeklich glouben, sobald in ein frouw nur ansehe, lach, oder ein einzig guͦt wort gibt, das si im von herzen holt si. e 1ᵃ (Scheible s. 918);
der mahler nimmt sein bild, und sagt kein einzig wort.
Gellert 1, 110;
ein einzig mittel ist auf erden.
1, 108;
ein einzig wort enthält mein ganzes glück.
Göthe 9, 343;
das einzige ob, worauf ich sehe. Lessing 1, 217; er grif die gemeinde an wie einen einzigen mann. Pestalozzi 2, 289;
das ganze grosze Griechenland hat jetzt
die augen auf mich einzige gerichtet.
Schiller 231ᵇ;
ihr erster blick erspart ihm schon die wahl,
das herz entscheidt, ein einzigs lächeln ziehet,
noch eh er sich besinnen kann,
und fesselt ihn an ihren busen an.
Wieland urth. des Paris 528.
b)
das vorragende, übermächtige, allein vermögende, unvergleichliche:
du verehrtest noch mehr die werthen reste des bildens
einziger künstler, die stets ich in der werkstatt besucht.
Göthe 1, 277;
nichts vorenthalten, was ihm von den sonderbaren gesängen und bekenntnissen des einzigen wesens bekannt geworden sei. 20, 170; von diesem einzigen gemüth. 20, 169;
ergrif das herz mit einziger gewalt.
9, 69;
ich grüsze dich, du einzige phiole.
12, 42;
sie wollten frei und einzig (allein gebietend) sein.
Schiller 307ᵇ;
ist denn die krone ein so einzig gut?
456ᵇ.
c)
das besondere, eigenthümliche, unbeschreibliche: er hat eine einzige art; sie sprach das mit einer einzigen miene; ach der liebe, der einzige klang, wenn die absätzchen auf den boden aufschlagen! Göthe 19, 170. eine muschel, helix perversa, heiszt auch 'die einzige'. nein, das ist doch einzig (sonderbar)!
3)
veraltete bedeutungen sind
a)
die von allein, einsam, abgesondert:
kalt und einzig ligen.
Murner geuchmatt n 4ᵇ;
da sagt der herr, es ist nicht guͦt,
das der mensch einzig wohnen thuͦt.
Wickram irr. bilg. 12;
ein kloster, welches einzig im feld lage. rollwagen 50.
b)
die von einig, aliquis, etlich: dis sind die fürnembsten stück von einzigen dingen für gemeine leut zu brauchen. Albertus magn. weibergeheimnüs. Frankf. 1569 p. 151; weil er die geschlichte tafel meiner seelen ganz lär und ohn einzige zuvor hinein gedruckte bildnussen gefunden. Simpl. K. 61 nach ADGK; als einzige seines regiments auf fütterung gewest. 94, wiederum ADGK; gleichwie neben dem spielplatz auch einzige schacherer und juden zu stehen pflegen. 287, nach ADG;
ich darf mich gar nicht kehren
an einzig ungemach.
P. Gerhard 27, 8.
4)
einzig wird durch den superlativ noch erhöht: dasz das menschengebild am vorzüglichsten und einzigsten das gleichnis der gottheit an sich trägt. Göthe 17, 293; die ersten und einzigsten nachrichten der urgeschichte. 24, 204; gute nacht, engel. einzigstes, einzigstes mädchen, und ich kenne ihrer viele. an Auguste Stolberg 8. eine andere erhöhung des worts s.eineinzig.
5)
wie vorhin gesagt, verwandte die frühere sprache den dat. pl. einzigen neben den praep. ze undzu adverbialbegriffen und zeinzigen, beinzigen drückte aus singulatim. davon ist noch ein überrest bei Murner, wenn es in der geuchmatt f 2ᵇ (bei Scheible s. 927) heiszt: so oft ich uf ein gulden kum, lasz ich ein ring machen an ein ketten, denn wo ich das nit thette, so ging mir das golt zuͦ einzigem usz den henden.
Zitationshilfe
„einzig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/einzig>, abgerufen am 20.10.2019.

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