ein
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 140, Z. 1
mit der praeposition in unmittelbar verwandte partikel, von dem ursprung beider kann jedoch ausführlich erst unter in geredet werden. hier nur folgendes. die goth. praeposition lautet in, das adv. inn, die altn. praep. î (= in), das adv. inn, ahd. wäre ein unterschied zwischen der praep. in und dem adv. în möglich, ist aber noch unbezeugt. das mhd. adv. schwankt zwischen in und în, jenachdem es auf bin hin sin oder auf mîn dîn sîn reimt. die praep. hat immer in, Lachmann hat auch Nib. 235, 4. 259, 4. 363, 4. 821, 4 dafür în angesetzt, nicht bewiesen. die schwankung aber gleicht der zwischen drin und drîn tribus, künegin und künegîn. Megenberg, der für î ei, für ei ai schreibt, gibt der partikel immer in, nie ein. nhd. behauptet die praep. in, das adv. ein, für die praep. ein wüste ich nur aus Riemers pol. colica s. 31 anzuführen: was er unterdes befohlen, das war nunmehr ein der hand; allein s. 243 liest man: in der hand geblieben und jenes scheint schlecht nach einhändigen gebildet. nd. und nl. steht für beide, praep. und adv., nur in. Jenes inn liesze sich mit in vereinbaren nach den zwischen brinnan und branjan, rinnan und irnan u. s. w. aufgewiesenen analogien (GDS. 854), noch eigentlicher entspräche der wechsel zwischen künegin, künegîn und küneginne (gramm. 2, 319. 320), der zugleich den verhalt von în aufklärte. auch mhd. und nhd. sind von der form inn die wörter innen, innig und innung übrig geblieben. Man hält zu in das gr. ἐν, zu ein aber εἰς, ἐς, dialectisch ἐνς, doch steht beiden gr. ausdrücken praepositionskraft zu, während unser ein blosz adverb ist. auch wohnt dem ἐν die vorstellung der ruhe, dem εἰς die der bewegung bei, welche unserer praep. in beide zustehn. gleichwol bleibt die höhere berührung aller dieser partikeln unleugbar. Nhd. ein findet sich stets in nahem bande mit andern wörtern,
1)
mit der partikel aus: ein und aus, vgl.aus und ein. th. 1, 819; weder ein noch aus, aus noch ein wissen, nescire quorsum eat, intro an foras; gleich dem jüngsten leidenschaftlichen menschen, der nicht wo ein noch aus weisz, rannt ich die gassen hin und wieder. Göthe 23, 134;
dann niemand weisz wo ein noch aus.
41, 57.
keinen bescheid wissen, in unruhe sein, sich nicht zu helfen wissen, aus der haut fahren mögen.
2)
mit andern partikeln, denen sich ein anfügt: darein und gekürzt drein, herein und umgedreht einher, hinein und gekürzt nein, worein. sie stehn sämtlich an ihrer stelle besonders abgehandelt.
3)
mit dem acc. sg. verschiedner substantive, namentlich jahr ein: und diese gebete florieren jahr aus, jahr ein bei ihr. Gellert 3, 145; jahr ein, jahr aus steckt er in tiefen schulden; ich plage mich jahr ein, jahr aus;
da wurden erst die söhne klug
und gruben nun jahr ein, jahr aus
des schatzes immer mehr heraus.
Bürger 77ᵃ.
himmel ein:
lasz mein schreien kräftig sein,
dasz es dringe himmel ein.
Opitz ...,
wie er sonst sagt himmel an, vgl. himmelwärts. feld ein: er kam mit ihm feld ein, quer feld ein;
vom nahen lärm empor gescheucht,
feld ein und aus, berg ab und an
gesprengt, verfolgt, doch unerreicht
ereilt das wild des angers plan.
Bürger 70ᵇ.
berg ein: der hase lief berg ein; wir steigen berg ein, wie sonst berg an, berg auf. wald ein: wir wenden uns wald ein;
den pilgrim, welchen du siehst auszer weges wallen
und irrig gehn wald ein.
Opitz ...
noch andere sind denkbar, boden ein, grund ein, land ein, thal ein, wofür Ulfilas dalaþ und sonst ze tal, wie ze bërge. oft heiszt es voller: ins feld hinein, in grund und boden hinein, bis in den himmel, bis in die wolken hinein.
4)
sehr häufig ist die überall trennbare zusammensetzung mit verbis, d. h. denen sich die partikel nur in indirecter rede praefigiert, in directer aber getrennt nachsetzt, z. b. eingehen, conj. dasz ich eingehe, part. eingehend, eingegangen, praes. ich gehe ein, imp. geh ein! oft ist dann noch neben dem ein die praep. in mit dem verbum ausgedrückt, z. b. in das baus eingehen, in die saiten eingreifen, der feind brach in die stadt ein, statt welcher pleonasmen dem latein entweder die praep. neben dem verbum, oder die zusammensetzung mit der partikel, wodurch die praep. unnöthig wird, genügt: ire in domum, ingredi domum.
5)
ganz untrennbar sind zusammensetzungen mit dem nomen: einband einbruch einbusze eindringling einfahrt einfall einflusz eingabe eingang eingusz einhalt einkehr einklang einkünfte einmärker einnahme einrede einsatz einsicht einschlag einschlusz einschnitt einsprache eintrag eintritt einwand eingeweide einwohner und die adjectiva: eindringlich eingedenk einheimisch einsichtig einstimmig. verschiedentlich haftet noch die organische form auf in: inbegrif (neben einbegreifen) inbrünstig inland inländisch inheimisch inmärker ingeweide inwohner inzicht u. a. m., wofür belegstellen im I erfolgen.
6)
nach dem was schon sp. 73 und 112 bemerkt wurde, mengen diese wortbildungen sich mit den von der einzahl herzuleitenden, z. b. einauge einbaum einback einander einäugig einfalt einfältig einhändig einheit einhellig einmütig einseitig eintägig eintönig u. a. m. mehrmals können beide formen dicht nebeneinander treten, z. b. einhändig unimanus und einhändigen tradere in manus; einartig unius generis und einarten ingignere; einback semel coctus, einbacken incoquere; einbändig unius copulae und einband involucrum; einzahl numerus singularis und einzählen numerando indere; ja zweifelhaft möchte scheinen, ob einstimmig unisonus nicht von einstimmen concinere, consonare herstamme. hier zeigt sich wieder berührung zwischen ein unus und ein, în, in (sp. 112). ahd. mhd. sondern sich ein und in (în). in einzelnen schriften Keisersbergs hat das zahlwort ein, die partikel yn, z. b. ynbildung, ynnemen. Frisius und Maaler bewahren ebenfalls das richtige gefühl für den unterschied beider wörter, indem sie die zahl ein, die partikel eyn, also einfalt, einhellig, aber eynbrocken, eynbrünstig schreiben. nur ist yn und eyn verwerflich und übel gewählt, um das mhd. în auszudrücken. Dasypodius umgekehrt unterscheidet eyner, eynäugig von eingang, eintrag; welche verwirrung! übrigens werden auch lat. composita mit in, das bald unsrer partikel, bald privativem un entspricht, mitunter zweideutig.
ein
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 112, Z. 30
goth. ains, ahd. mhd. ein, alts. ên, nnl. een, ags. ân, engl. one, altn. einn, schw. dän. en, lat. unus, altlat. oenus, oinus, franz. prov. un, port. um, it. sp. uno, ir. aon, welsch un, armor. unan, preusz. ains, lit. vienas, lett. veens, gr. εἷς für ἕνς, ἔνς (wie ἕτερος, ἑκάτερος für ἔτερος, ἐκάτερος) fem. μία, episch ἴος, ἴα. μία gemahnt an μόνος und ans alte ἁμος, ἀμος für εἷς, was οὐδαμός = οὐδείς bestärkt. die formen der übrigen urverwandten sprachen sind GDS. 239—41 angegeben und besprochen. zunächst liegt uns das lat. unus, dessen u sich zum ai in ains verhält wie das in communis zu gamains und auf oenus zurückgeht, wie punio und poena, munio und moenio zeigen. buchstäblich trift der goth. nom. sg. ains zum preuszischen, das in vienas, veens vorschlagende v gleicht der aussprache des engl. one. Bopp, welcher skr. êka aus verbindung des fragenden ka mit einem angenommnen pronominalstamm ê erwachsen läszt, führt unus und ains auf das skr. demonstrativum êna hin; es früge sich, was in dem wort ursprünglicher sei, der begrif der einzahl oder des pronomens? da die übrigen zahlen kaum aus pronominen hervorgehen, scheint rathsam auch 'ein' nicht daher zu leiten, eher umgekehrt pronomina aus ihm abflieszen zu lassen, denn seine berührung mit dem pronomen ist sichtbar genug. die wurzel schwindet aber im dunkel der vorzeit, beachtenswerth sind folgende analogien. zuerst zwischen den bildungen ains, jains, meins, þeins, seins, nhd. ein, jen, mein, dein, sein, unter welchen jains meisten anspruch auf skr. êna hätte. sodann berührt sich form und auch gehalt der partikeln ein, in, an, ohne, ahd. âno, goth. inuh, gr. ἐν εἰν ἐνί εἰς ἐς ἐνς ἄνευ ἀνά, einheit ist zugleich inheit, abgeschlossenheit; im gang der untersuchung soll noch mehr licht darauf fallen. Es scheint zwar empfindlicher übelstand, dasz die ahd. mhd. partikel în nhd. zu ein wurde und nun mit dem zahlwort ein verrinnt. goth. sind inn und ain geschieden, ahd. în und ein, und noch nd. treten in und en, schw. in und en, dän. ind und en sauber von einander ab, unser heutiges eingang und einfalt lauteten mhd. înganc, einvalt, weiteres davon unter der partikel ein. wäre jedoch die eben geäuszerte vermutung höheren zusammenhangs zwischen der partikel und dem zahlwort nicht leer, so könnte in dem fehler selbst ein nachgefühl uralter verwandtschaft wirken. Wir haben nun von bedeutung und gebrauch der einzahl selbst auszugehen und dann zu erwägen, welche adjectivische und pronominale vorstellungen aus ihr. entspringen. Gleich andern zahlwörtern und den meisten pronominen hat sie adjectivische natur, ist also biegbar, des geschlechts, numerus und der steigerung fähig. Der eigentliche begrif von ein erträgt nur den sg., keinen dl. noch pl., wie umgedreht die zweizahl dem dl. anheim fällt, alle übrigen zahlen den pl. fordern, also den sg. ausschlieszen. wol aber bildeten mit dem zahlwort ausgedrückte pronominalvorstellungen ehmals auch plurale, schon im ahd. einero gihuelîh, ags. ânra gehvilc, unusquisque tritt der gen. pl. voraus und mhd. war der pl. des unbestimmten artikels nicht selten im gebrauch. von andern pluralfällen im verfolg. Die heutige flexion von ein unterliegt der gramm. 4, 496 gestellten regel, nach welcher nom. sg. m. und n., gleich den possessiven, sobald substantiva zugesellt sind, alles kennzeichens entbehren, während das f. eine, meine, deine, seine sich behauptet. merkwürdig hat die Schweizersprache in solchem fall dem neutrum eis, den possessiven mis, dis, sis = eines, meines, deines, seines erhalten, was zum schw. ett, mitt, ditt, sitt, dän. et mit dit sit, also altn. eitt mitt þitt sitt stimmt; für unser ein kalb, mein kalb heiszt es noch eis chalb, mis chalb u. s. w. das könnte jene zwischen einzahl und possessiv wahrgenommne ähnlichkeit bestätigen helfen. allein und selbständig, ohne geleitendes nomen, darf sowol das zählende als pronominale ein die männliche und neutrale flexion einer und eins anwenden. Unsere gegenwärtige nhd. sprache scheut sich dagegen die flexion der obliquen casus zu beeinträchtigen und zu kürzen. mhd. wurde häufig eime für einem, eigentlich überrest des volleren eineme, ahd. einemo gesetzt und noch jüngere beispiele sind unter dem wort eime angeführt. nicht anders galt neben dem acc. m. einen auch mhd. ein und solche ein oder einn erscheinen bis ins 16 jh. häufig, Luther in der bibel festigte das ungekürzte einen. man müste aber dem sprachgebrauche Keisersbergs absehen, wie er zwischen eines und eins, einem und eim, einen und ein unterschied. Bei demselben Keisersberg fällt die hin und wieder dem pronominalen dat. sg. f. ertheilte, gleichsam schwache form einern auf, z. b. ob man eim mög zuͦ essen geben, dasz er muͦsz einern nachlaufen (ob man einem könne ein zaubermittel zu essen geben, dasz er einer frau nachlaufen müsse?) omeisz 43ᵇ; man spricht gewonlich, wenn einer an einern (an einer frau) hangt, wie ist der also blind, wie ist die also blind? weltl. lewe 55ᵃ; wenn einer von siben trachten nicht meer dan drei mundfoll von einern isset. s. d. m. 11ᵇ. der stellen inhalt gestattete eine zusammenziehung von 'einer iedern', woraus sich rn erklären würde, anzunehmen. man vergleiche die unter er beigebrachte, von Megenberg oft angewandte aber schwache flexion des substantivisch stehenden pronomens er und sie. Von der schwachen form der einzahl wird sonst unter B, 1 gehandelt und auch da ein früher üblicher wegfall der flexion besprochen werden. Das neutrum eins, mhd. eineʒ erfordert so vielfache bemerkungen, dasz es nöthig geschienen hat ihm seine eigne stelle im alphabet einzuräumen. auch einte für eine ist besonders aufgestellt. Von steigerung der zahlen wird gramm. 3, 634—46 gehandelt, altn. einn zeugt den superlativ einastr, schwed. enaste, dän. eneste, uns gilt nur adverbiales einst, und adjectivisch bilden wir erst, erste anomal; nicht unmöglich wäre aneinanderrühren der alten stämme von ein und erst, vgl. unter letzterm wort.
A)
grundzahl ein. sie hat den ton und mag mit dem acutus bezeichnet werden.
1)
wie in eilf = einlif geht uns auch in den reihen zwanzig bis neunzig die einheit voraus: éinundzwanzig, éinunddreiszig — éinundneunzig: bis an den éin und zwenzigsten tag des monden. 2 Mos. 12, 18; das sind éin und dreiszig könige. Jos. 12, 24. mhd. konnte noch gebogen werden:
eineʒ unt zueinzic jâre.
Diut. 3, 88;
ich hân einʒ und drîʒec tûsent man.
Karl 4406;
ich hân zwei und drîʒec tûsent man.
4606.
den hunderten und tausenden lassen wir eins nachfolgen: hundert und éins (101), tausend und éins (1001), tausend und éine nacht. ebenso dreiszig weniger éins (29), hundert weniger éins (99).
2)
überflüssiges ein steht, im förmlichen zählen, auch vor hundert und tausend, es klingt pedantisch, dasz wir z. b. das jahr 1141 aussprechen eintausend einhundert einundvierzig, wo tausend hundert einundvierzig hinreichte, wie franz. mille cent quarante un, denn nur das ein bei vierzig ist hier wesentlich; früher hätte man gesagt eilfhundert einundvierzig, wie noch heute achtzehnhundert achtundfunfzig. schon Luther 4 Mos. 2, 24 bietet ein hundert dar, unmittelbar voraus geht aber bloszes hundert. in andern fällen gilt einfaches hundert, tausend, die ja an sich schon den zur einheit gefaszten begrif einer menge bezeichnen; für hundert jahre alt, hundertmal, tausendmal wird nicht leicht jemand sagen einhundert jahre, einhundertmal, eintausendmal.
3)
bleibt der redende unsicher bis wohin die zahl von der einheit aufsteige, so fügt er dem ein die partikel 'oder' bei und läszt die höchste wahrscheinliche zahl folgen, z. b. ich bleibe éinen oder zehn tage aus will sagen: nicht über zehen, bestimmt aber die eintretende zwischenzahl nicht. ich zahle éinen oder drei gulden stellt dahin, läszt die wahl, ob einer, zwei oder drei gezahlt werden. mhd.
swer der sî sorgen vrî
bîte éin tac oder drî!
MSH. 3, 233ᵃ;
ieclîcher nam in die hant
éin spër oder zwei.
Mauritius 976;
nicht anders: zwô naht oder drî. Er. 1874. nhd. zwair daumeln lang oder dreir. Megenberg 332, 2; ain meil oder zwuo oder mêr oder minner. 103, 2; ein man der ein frawen hat, die im nit lieb ist, er hat sonst éin huͦren oder zwo. Keisersberg brösaml. 84ᵇ; ein vogel den man in ein keffi thuͦt, ist im zum ersten ungewon und schwer, er blitzt hinder und für und beiszt darein, wan er aber éin tag oder vier darin ist gewesen, so thuͦt er nime so wild. baum der seligkeit 34ᵈ; éin jar oder drü. schimpf u. ernst 1522 bl. 43; e. k. f. gn. wolle dem armen mann järlich éin gulden oder funfzehen zu geben gnädiglich verschaffen. Luthers br. 5, 302; bleibt er aber éinen oder zween tage. 2 Mos. 21, 21; éin morgen oder drei. Bocc. 2, 5ᵃ;
die alt mit im in die kammer schlich
und sperrt die thür hinter im zu,
die ganz nacht bisz an morgen fru
mit éinem gulden oder acht
fur und für ein geklengel macht,
als ob ir wer ein grosze sum.
H. Sachs II. 2, 106ᵃ;
da nimm für deinen guten willen
der beutel éinen oder zwei.
Lessing 2, 330;
sahen wir ohngefähr éinen bauren oder zehen. Simpl. K. 94. Aus diesem ein tag oder drei, ein stück oder vier, ein thaler oder sechs hat nun die volkssprache mit gekürztem und einverleibtem oder gemacht ein tager drei, ein stücker vier, ein thalerer sechs, gleich als sei hier eine unerhörte flexion der substantive im spiel, womit sich auch Schmeller (mundarten Baierns s. 223) mühe gibt. ebenso ein ellener acht, ein wochener neun, ein stunder zwei, ein maszer sechs, ein pfunder neun, ein zentnerer fünf, ein löffeler vier u. s. w., was alles nicht unbeholfen lautet. fehlerhaft aber ist die ausdehnung dieser form auf offenbare plurale, wenn gesagt wird ein häuserer drei, ein kinderer vier, da sinnlos wäre auf die einzahl einen pl. folgen zu lassen und niemand sich ausdrücken könnte: ein häuser oder drei. es darf also nur heiszen ein hauser drei, kinder vier. die in der zeitschr. für d. mundarten 2, 253—57. 3, 128 gelieferten beispiele und erklärungsversuche sind hiernach zu beurtheilen. s. auch Schleichers Sonneberg s. 60 und Hildebrands volksl. s. 216.
4)
in éin und ein halbes pfund zählt das zweite ein nicht und ist leerer artikel, denn durch halb ist schon alles nöthige bezeichnet, pondus cum dimidio, une livre et demie. wird jedoch auf die frage, wie viel kostet das? geantwortet 'einen thaler', so entspränge zweifel, ob hier zählendes éinen oder der artikel einen gemeint sei, da im sg. thaler selbst die vorstellung der einheit liegt. die worte Matth. 10, 29 οὐχὶ δύο στρουθία ἀσσαρίου πωλεῖται; nonne duo passeres asse veneunt? goth. niu tvai sparvans assarjau bugjanda? ahd. enonu jâ coufit man zuênê sparon mit scazzû, überträgt Luther: kauft man nicht zwen sperlinge umb einen pfennig? wo sich éinen wieder für die zahl, oder einen für den artikel nehmen liesze, betonen entweder éinen pfènnig oder einen pfénnig. gleiche unsicherheit waltet über Göthes
zwei spatzen und ein schneider
die fielen von dem schusz.
2, 277,
im gegensatz zu den zwei spatzen wäre éin schneider zu rechtfertigen, aber auch ein schneider würde passen, den nachdruck auf die bedeutung dieses appellativs gelegt. für die stelle Luc. 12, 25, welcher ist unter euch, ob er schon darum sorget, der da künde eine elle lang seiner grösze ansetzen? genügte bloszes 'ellenlang', folglich auch eine élle lang, der text hat πῆχυν ἕνα, vulg. cubitum unum, goth. aleina aina.
5)
die zählende eigenschaft des ein wird gehoben durch das geleit anderer zahlen,
a)
mhd.
eʒ gelinget éime dicke an zwein.
Iw. 6619;
zwêne sint éines her.
6636;
was éiner weisz, erfahren tausend; aus zwein éins machen; mach eʒ auʒ zwain stucken flaisch áin stuck. Megenberg 387, 27; er fände zehen für éine im ort. Göthe 11, 6; die galgen müsten dichter stehen, man findet ja kaum aller zwei meilen éinen. Lessing 1, 305; der sol fünf ochsen für éinen ochsen wider geben und vier schaf für éin schaf. 2 Mos. 22, 1; was ist euch besser, das siebenzig menner uber euch herrn seien oder das éin man uber euch herr sei? richt. 9, 2; wiltu so wöllen wir drei hütten machen, dir éine, Mosi éine und Elias éine. Matth. 17, 4; fünf sind gefallen und éiner ist, und der ander ist noch nicht komen. offenb. 17, 10; so jemand mit der zungen redet, oder zween, oder aufs meiste drei, eins umbs ander, so lege es éiner aus. 1 Cor. 14, 27; mit éinem auge gibt er und mit sieben augen sihet er was er dafur kriege. Sir. 20, 14; und sahe abermal in meinem traum sieben ehern auf éinem halme wachsen. 1 Mos. 41, 22; zwo hosen éines tuchs; beide hat ganz die wirkung der zweizahl: es waren zwei weiber, éiner mutter töchter. Ez. 23, 2;
beide mir leibliche brüder von éiner mutter geboren,
schwächer als das schöne, den sinn mit bloszen dualen erreichende
αὐτοκασιγνήτω, τώ μοι μία γείνατο μήτηρ.
Il. 3, 238.
éiner von uns beiden (ugkara ains)
musz die zelle meiden.
Göthe 12, 66.
b)
von ein hängen die genitive anderer zahlen ab: éiner der sieben, éin der zwölfe, goth. ains þizê tvalibê; ahd. éin thero sibono. O. I. 4, 59; der zwelfer éiner. Megenberg 457, 19; éins der dreie. nicht anders wenn praepositionen den gen. vertreten: éiner von, unter den zwölfen. man vgl. C, 1 den zutritt anderer, namentlich pronominaler genitive.
c)
substantiva, die von adjectiven, zumal comparativen abhängen, haben die grundzahl bei sich: éines tages alt, éines daumen breit; ir solt aber ein solch lamb nemen, da kein feil an ist, ein menlin und éins jars alt. 2 Mos. 12, 5; um éinen tag früher, éines schrittes näher, éiner hand, um éine hand breiter; der tag wird heute um éinen, morgen um drei mückenathem kürzer. mhd. éines loches nâher. Parz. 161, 15; dicker éines dûmen. Walth. 17, 6. fällt aber das gewicht auf die substantivvorstellung, so mag auch ein zum artikel herabsinken.
6)
auch wörter der menge und vielheit stärken den begrif der einzahl: viele sind gefangen worden, éiner entrann; éiner blieb aus, alle übrigen kamen um; éinem soll es offenbar werden, die menge faszt es nicht; éiner ists der allerhöhest. Sir. 1, 8; wir sind alle éins manns söne. 1 Mos. 42, 11; ich sach alle werlt in áinem rock. Megenberg 4, 9; éiner von allen; éin für allemal;
éinen zu bereichern unter allen
muste diese götterwelt vergehn.
Schiller 22ᵃ;
aber ist éine im ganzen land,
die meiner trauten Gretel gleicht,
die meiner schwester das wasser reicht?
Göthe 12, 191;
du fiengst mit éinem heimlich an,
bald kommen ihrer mehre dran.
12, 197;
die welt ist jetzo voller narren
und darum bin ich éiner mit.
Günther 921,
einer von den weltnarren; es wäre ja auf éinen nicht angekommen, den wir mehr todt geschlagen hätten. Lessing 1, 304, nicht auf éinen mehr.
7)
noch mehr thun es verneinende und ausschlieszende partikeln: nicht éiner kann es sagen; ich konnte nicht éinen bissen essen; und hett nicht éinen menschen mögen finden, der in heim hett mögen laden. Keisersb. s. d. m. 33ᵇ; nicht éiner, nicht éin mann wurde gerettet; ich traue unter ihnen nicht éinem; er hatte nicht éinen, nur éinen feind; nicht mehr als éine behauptung; ich kann nicht mehr als an éinem orte zugleich sein. Lessing 1, 309; Esau sprach zu seinem vater, hastu denn nur éinen segen? 1 Mos. 27, 38; aufs höchste können sie nur von éiner (der töchter) vater sein. Lessing 2, 438; nur éiner nicht; weder du noch éiner war zugegen; doch éiner wäre zu nennen; auszer éinem, bis auf éinen. mhd.
wan éiner bin ich unbereit
dienstlicher triuwe.
Parz. 114, 8;
unde daʒ gebôt si mir
daʒ ich iuch gruozte von ir,
und iwer gesellen über al.
wan éinen, der ist ûʒ der zal.
Iw. 3116;
man hôrte niht wan éin geschrei.
7110.
nhd. ja freundlich musz er thun mit allen schäferinnen,
doch éine musz sein herz vor andern lieb gewinnen.
Gellert 3, 319;
ich wollte dasz dir auch nicht éine günstig bliebe!
3, 406;
gib mir nur noch éinen kus!
Günther 273;
süsze freundin, noch éinen, nur éinen kus noch gewähre
diesen lippen.
Göthe 1, 322;
unsichtbar wird éiner nur im himmel
und ein heiland wird am kreuz verehrt.
1, 244;
und in ihrem schmerz verlassen
war nur éine traurge brust.
Schiller 79ᵃ;
da gibts nur éin vergehn und verbrechen.
322ᵇ;
von diesen drei
religionen kann doch éine nur
die wahre sein.
Lessing 2, 274;
ich habe deinen vater Nathan, und
noch éinen, éinen noch hierher bestellt.
2, 353;
hier hat noch éiner mit zu sprechen.
2, 356.
die partikel mag aber auch wegbleiben und in gedanken ergänzt werden, statt 'nur éin wort' heiszt es blosz 'éin wort':
ach schäferin, éin wort!
Gellert 3, 306;
Nathan, auf éin wort, éin wort!
Lessing 2, 360;
ich musz eure freude durch éin wort unterbrechen. Göthe 18, 6; doch der spruch 'éin wort, éin mann!' ist anders zu fassen und vielleicht besser: ein wórt, ein mánn;
ein wort? ein mann.
Lessing 2, 308. 309.
schon mhd. bestehn solche zweifel des verständnisses, wenn es heiszt:
daʒ si mir éinen trahen dâ van
mit êren niemer mugen versagen.
Trist. 123, 38;
daʒ si Troje unz an den grunt
mit ir fiure brande,
noch in des rîches lande
lieʒ éine stütze niht bestân.
tr. kr. 363,
dürfte man auch den hauptton auf trahen und stütze legen mit vorausgehendem unbestimmtem artikel.
8)
ein drückt das eins gewordne, vereinte, verflieszende aus: éin leib und éin geist, éin glaube, éine taufe, éin gott und vater aller. Eph. 4, 4—6; darumb wird ein mann seinen vater und seine mutter verlassen und an seinem weibe hangen und sie werden éin fleisch sein. 1 Mos. 27, 38; mann und weib ist éin leib. Gellert 3, 261; wir sind éin leib und éine seele beständig gewesen. Lessing 2, 388; der ganze wald war éin räuber. Schm. 1, 64; alles war éin herz und éine liebe; wir waren éin ohr, lauschten alle aufmerksam; er war éine wunde, vulnere totus erat; es ist alles éin feuer, continens est flamma; in einer viertelstunde waren alle häuser éine flamme; alles war éin wasser, omnia pontus erat.
9)
hieran reiht sich das zu den praepositionen in, aus, zu und mit tretende ein: da antwortet alles volk mit éiner stim, una voce. 2 Mos. 24, 3; alle sprachen aus éinem munde; mit éinem worte. Gellert 3, 222. 4, 198; er kommt in éinem sprung, in éinem lauf, in éinem athem (1, 592), vgl.
auch nur um éines athems schwere.
Schiller 287ᵇ;
stärker mit bloszem gen.: éins laufens lauf! éins brennens brinn! er ist mit éinem auge, éinem blauen auge davon gekommen. in éinem, an éinem fort, an éinem stücke fort, uno lenore, continuo: Dionysius hatte seinem hofe ein fest gegeben, welches drei monate in éinem fort dauerte. Wieland 2, 265; er spielt, stänkert, pocht und kriecht, das geht in éinem fort. Göthe ...; es geht in éinem hin, wird auf dieselbe weise angesehn; es regnet in éinem zu.
10)
aus dem neutr. éin und den praep. in, über entspringen die adverbia in éin, in unum, mhd. en ein, über éin, eodem modo: ahd.
iʒ ist gifuagit al in éin sëlp sô helphantes bein.
O. I. 1, 16;
mhd. ir hende enphielen ûf ir knie,
in éin verklummen wâren sie.
Diut. 1, 413;
mehr belege im mhd. wb. 1, 417ᵇ; nhd. das sie alle in gemein und in éin den einigen leib Christi nemen. Luther 3, 73ᵇ;
nur die mode wil es haben, das die leute gar in éin
sich solln kleiden und geberden, oder gar nicht menschen sein.
Logau 3, 81, 36;
ein guter freund, ein reiner wein und dann ein klares glas,
die waren nechst in éin bei mir.
2, 37, 38;
sie kleiden sich über éin (masz), eodem modo vestiti sunt; sie denken, stimmen über éin, idem sentiunt. man schreibt aber heute überein und läszt den ton nieder auf ein. vgl. bei dem wort einander die ausdrücke mit ein, wider ein, unter ein.
B)
adjectivische vorstellungen.
1)
obgleich die zahl ein überall, wo sie nicht pronominal wird, adjectivische natur hat, gibt sich diese doch besonders zu erkennen, wenn der vortretende bestimmte artikel die schwache form nach sich zieht.
mhd. der éine man.
Parz. 425, 19.
im 15. 16 jh. pflegen Keisersberg und andere mehr auch nach dem artikel dem nom. und acc. unflectiertes ein zu geben: und der ein hett ein hanen abgenummen und gebraten. s. d. m. 19ᵇ; da warent zwo junkfrauwen. Macharius fragt sie was ir leben wer? da sprach die ein: wir zwo seind funfzehen jar beieinander gewesen und hat keine die ander nie betrübt mit einem wort. 42ᵇ. seit Luther ist aber die flexion wieder in ihr recht gesetzt: der éine ist nicht mehr vorhanden. 1 Mos. 42, 13; den éinen wider soltu nemen. 2 Mos. 29, 15; auf der éinen seiten der wonung. 36, 31; der éine mann rettete das vaterland; der éinen frau schönheit verdunkelte alle übrigen; der éine satz scheint unangreifbar; die éine stelle verstehe ich nicht; das éine ist noch zu sagen; von der éinen gewohnheit konnte sie sich nimmer los machen;
der éine winkel, der nach auszen zu
ist, wie du siehst, ein wenig offen.
Göthe 12, 73;
das éine wort wollte er nicht zurücknehmen;
dies wort, dies wort, dies éine wort
war heil mir und verderben.
A. W. Schlegel im musenalm. 58;
dieses éine ward mir wol vertrauet.
Göthe 1, 219.
2)
leicht aber tritt der sinn von unus über in den von solus, μόνος, οἶος und wird dann auch des pl. fähig; οἶος, οἴη kann dem ἴος, ἴα für εἷς, μία nicht fern liegen, steht darum auch dem unus und ains näher. Ulfilas verdeutscht Marc. 2, 26 οὓς οὐκ ἔξεστιν φαγεῖν εἰ μὴ τοῖς ἱερεῦσιν þanzei ni skuld ist matjan niba ainaim gudjam, gleich als stände μόνοις ἱερεῦσι, solis sacerdotibus. hier ist der übergang aus εἰ μή, jenem mhd. niwan, wan (A, 7) in das adjectivische solus deutlich. ustauh ins ana fairguni hauh sundrô ainans, ἀναφέρει αὐτοὺς εἰς ὄρος ὑψηλὸν κατ' ἰδίαν μόνους. Marc. 9, 2; ni þanaseiþs ainôhun gasêhvun alja Iêsu ainana, οὐκέτι οὐδένα εἶδον ἀλλὰ τὸν Ἰησοῦν μόνον. gothisch also immer in starker form ohne artikel. ahd. waltet schwaches eino (Graff 1, 309), mhd. eine vor, obzwar auch starkes ein für dieselbe bedeutung von solus begegnet:
wir zwei beliben eine.
Iw. 331;
als ab ich in einen sach.
703;
iu habt eʒ eine.
853;
daʒ er dar eine wolde komen.
914.
nicht selten tritt verstärkendes al hinzu:
er reit al ein gein wunders nôt.
Parz. 432, 30.
nhd. haben wir den gebrauch des einfachen worts in diesem sinn verloren und die zusammensetzung allein (1, 216), der sogar alle flexion entzogen wird, dafür eingeführt: ich bin allein, er blieb allein, ich fand ihn allein für mhd. ich bin eine, er beleip eine, ich vant in einen. desgleichen in den partikeln allein, nicht allein.
3)
noch weniger hat sich heute die andere dem mhd. eine beiwohnende bedeutung solitarius, einsam und verlassen erhalten, sie lag ebenfalls in dem gr. οἶος, wer allein ist, der steht hilflos, baar, gleichsam nackt und blosz, was unsere composita mutterallein und mutternackt (gramm. 2, 556. 572) beleuchtet. muotereine ist das aus dem mutterleib gekommne kind, nackt wie es geboren wurde, allein bei der mutter lag. muoter scheint der gen., denn dieser casus fügte sich zu eine wie zu expers:
alles mînes trôstes des bin ich eine bestân.
Nib. 2266, 4;
dô wart diu wilde feine
der vorhte blôʒ und eine.
tr. kr. 802,
aller furcht baar und ledig;
nu lange stât diu heide val
si hât der snê gemachet bluomen eine.
MS. 1, 78ᵃ. 99ᵇ;
den palas vint ir eine:
weder grôʒ noch kleine
vint ir niht daʒ dâ lëbe.
Parz. 561, 17,
ihr findet ihn öde, ohne ein lebendiges geschöpf. dies eine, ohne etwas, erinnert unmittelbar an die praep. âne, goth. inuh, gr. ἄνευ. altn. ân vera carere liesze sich durch mhd. eine wësen wiedergeben.
4)
abgeleitet von der zahl sind die adjectiva einig, mhd. einec, ahd. einago, goth. ainaha; einsam u. a. m.
C)
übergänge ins pronomen. Aus der einzahl entfalten alle sprachen pronominalbegriffe, denn in der natur der sache beruht, dasz die lebendige vorstellung der einheit sich zu abstractionen des individuums schwäche, sei es im unveränderten worte selbst, sei es unter suffixen und praefixen; sehen wir doch die leibhaften wörter mann und homo gleichfalls pronomina werden und aus diesem man durfte die ältere sprache unmittelbar in andere pronomina übertreten. wechselsweise, in manigfalter abstufung, entsprieszen der grundzahl unter einflüssen der negation und anderer, vorzüglich fragender pronomina die vorstellungen ullus, aliquis, quispiam, quisquam, quidam, idem; ihren gipfel aber erreicht endlich die abschwächung in dem zum unbestimmten artikel gediehnen 'ein', das sich dadurch im ganzen umfang der sprache vervielfältigt. vorbereitungen auf diesen artikel waren längst schon bereits die goth. pronominalbildungen ainshun, niainshun (gramm. 3, 32), ainhvarjizuh (3, 38), ahd. einhuëdar, einhuëlîh, einerogihuelîh, hauptsächlich aber die bald verneinenden, bald wieder positiven dohein, nohhein, dihein, nehein, mhd. dehein, enhein, woraus unser kein, der gegensatz von ein entsprang. partikeln, die anderemal 'ein' hervorheben (A, 7) erscheinen hier als ursache seiner schwächung; das nachdrückliche ne homo, non homo, nimanna sank zum abstracten nemo und niemand herab, wie niemand dem jemand wird auch nullus = ne unulus dem ullus vorangegangen sein. auf ähnliche weise ist gr. εἷς in οὐδείς und εἷς ἕκαστος, ἁμός in οὐδαμός enthalten, wie die besondere betrachtung aller solcher pronominalbildungen ins licht zu setzen hat; hier reichte es hin auf den standpunct zu führen, von welchem aus die abschwächung des einfachen zahlworts angesehen werden musz.
1)
seine kraft beginnt sich zu mindern, sobald andere genitive als zahlen, namentlich sobald pronominale von ihm abhängen, auf welche dann das gewicht der vorstellung samt dem hauptton überziehen kann. alles was sich mit dem pronomen verbindet pflegt pronominale geltung anzunehmen. in solchen fällen bleibt auch goth. ains, lat. unus, gr. εἷς stehen und der ursprüngliche zahlbegrif mag sich bald heben bald senken. sinkt er, so nähert er sich dem von quidam, quisquam.
a)
unsere sprache liebt den genitiv vorausgehen zu lassen, in den meisten folgenden stellen geht er gr. lat. und goth. nach. ganz geläufig sind unser einer, euer einer, ihrer einer, betont únser eìner, eúer eìner, jemand von uns, von euch: siehe Adam ist worden als unser einer, ὡς εἷς ἐξ ἡμῶν. 1 Mos. 3, 22; ewer einer ist der teufel, goth. izvara ains, ἐξ ὑμῶν εἷς. Joh. 6, 7, hier haftet auf der zahl stärkerer nachdruck eúer éiner;
glaub unser einem, dieses ganze
ist nur für einen gott gemacht.
Göthe 12, 89.
mhd. ir einer:
wie dirre sluoc, wie jener stach,
ir einer wart erslagen.
Iw. 1037,
für dies ir einer, eorum aliquis können noch heute dichter ihr einer statt des in der prosa geltenden ihrer einer setzen, belege folgen unter ihr; nicht anders der einer für deren einer, eorum, quorum aliquis: welcher mensch ist unter euch, der hundert schafe hat, so er der éines verleuret, fraliusands ainamma þizê. Luc. 15, 4 mit unverkennbarem begrif der einheit; der (eorum) zeige mir doch einen. Iw. 1941; vellt dein muot auf der ainʒ. Megenberg 463, 28; ahd. dero sî einiu ist. N. Cap. 9. von dem neutr. eins bei solchen pronominalgenitiven näher unter eins. schwächer sind die genitive der possessiva neben substantiven: seiner jünger einer, ains þizê sipônjê is. Marc. 13, 1. Luc. 1, 1. Joh. 12, 4; da liesz gott der herr einen tiefen schlaf fallen auf den menschen und er entschlief und nam seiner rieben eine, μίαν τῶν πλευρῶν αὐτοῦ. 1 Mos. 2, 21;
doch man sagt
zugleich, dasz Saladin den tempelherrn
begnadigt, weil er seiner brüder einem,
den er besonders lieb gehabt, so ähnlich sehe.
Lessing 2, 201,
wo der relativsatz das einem schwerer macht. sehr oft auch nach bloszem substantiv: ahd. thërô gomonô ein. O. I. 3, 17; gomonô ein. II. 7, 5; mhd. der frouwen einiu. Wigal. 5515; nhd. und siehe da kam der obersten einer von der schule, ains þizê synagôgafadê. Marc. 5, 22; der jünglinge einer. 1 Sam. 25, 14; und es begab sich auf der tage einen, varþ þan in ainamma þizê dagê. Luc. 8, 22; trat er in der schiffe eins, in ain þizê skipê, εἰς ἓν τῶν πλοίων, vulg. in unam navem. 5, 3. man darf hier bald éin betonen, bald gelinderes ein, irgend ein annehmen. mhd.
der venster eineʒ offen was
gein dem boumgarten.
Parz. 553, 6;
nhd. Andreas der apostel ein.
Ringwald evang. M 4ᵃ;
es ist der ersten nonnen eine und ein ehrlich matron. Luthers br. 5, 290; der gröszten narren einer; die alte wolte davon schleichen, aber Theagenes erwüschet Arsace hand auch eine (eine der hände der Arsace, die rechte oder linke). buch der liebe 213, 3.
b)
folgt der gen. nach, so verbleibt dem ein mehr kraft: ahd. éiner mînero jungerôn. N. ps. 3, 1. mhd.
dô sprach éin der recken.
Nib. 1732, 1;
nhd. es ist besser, das éins deiner gelied verderbe, ains liþivê þeinaizê. Matth. 5, 29; éinen ewer brüder lasset bei mir. 1 Mos. 42, 33. schwächer ist: mache mich als einen deiner tagelöner, svê ainana asnjê þeinaizê. Luc. 15, 19.
c)
den gen. vertreten praepositionen mit gleicher wirkung auf das zahlwort: wer nu eines von diesen kleinesten geboten auflöset, goth. aina anabusnê þizô minnistônô. Matth. 5, 19; eine von den reben. Gellert 3, 417; einer von meinen freunden. 4, 148; eine von den schwärmerinnen. Lessing 2, 349; einer aus unsrer mitte; ich führe dich zu meinen töchtern, wähle dir eine unter ihnen.
2)
im gegensatz von ein und ander, unus alterum, alteri, unus alterve walten ursprünglich zahlbegriffe, unsere sprache pflegt ander, zuweilen auch ein mit dem bestimmten artikel in schwacher form zu setzen: ahd. ûʒer éinemo in daʒ ander. N. Cap. 25. mhd.
der dinge verkêret sich vil,
daʒ éin dem ándern schaden wil.
Iw. 6664;
Schîânatulander
ist daʒ éine, daʒ ánder ich.
Parz. 440, 19;
nhd. áinen ze der rehten seiten und den andern ze der tenken. Megenb. 80, 10; zwai waʒʒer, der áinʒ haiʒ ist und daʒ ander kalt. 103, 20; man brucht gemeinlich éins für das ander. Keisersberg s. d. m. 36ᵃ; nieman kan zweien herren dienen, entweder er wird éinen hassen und den ándern lieben, jabai fijaiþ ainana jah anþarana frijôþ. Matth. 6, 24; und sol drei boden haben, éinen unten, den ándern in der mitte, den drítten in der höhe. 1 Mos. 6, 16; funfzig schleuflin an iglichem teppich, das éiner den ándern zusamen fasse. 2 Mos. 26, 5; damit man die teppich zusamen hefte, éinen an den ándern. 26, 6; wenn er dazu schweigt von éinem tage zum ándern. 4 Mos. 30, 15; éine hiesz Arpa, die ánder Ruth. Ruth 1, 4;
bring éinr dem ándern ein starken trunk,
weins solt ir haben heint genunk.
H. Sachs I, 473ᵇ;
und die wellen flechten besser
éinen in den ándern stosz.
Fleming 363;
ich habe dieses band um Phyllis hals gesehen.
in wahrheit, Galathee, dies ist ein schlimmer streich,
allein du irrst dich wol, éins sieht dem ándern gleich.
Gellert 3, 383;
dieses ist die éine mühe, dieses ist die andere mühe. 3, 209; éinen um den ándern. 4, 141; der éine hat seine frau versäumet, der ándere hat sie brache liegen lassen. Lessing 2, 433;
du must ihm éins fürs ándre rechnen.
2, 355;
ja die blonde gleichet oft der braunen,
éine reizet eben wie die andern.
Göthe 1, 218;
éiner kommt nach dem ándern; ich sehe éinen tag verstreichen wie den ándern. man vergleiche den artikel einander, unus alium. Treten aber die conjunctionen 'und', 'oder' unmittelbar zwischen beide zahlwörter, so mindert sich leicht ihre bedeutung und wird pronominaler, dem lat. aliquis = alius quis vergleichbar: mhd.
einʒ undʒ ander muoʒ ich klagen.
Parz. 91, 9;
nhd. ein und der andre, einer oder der andere mag es wissen, d. i. irgend einer, irgend jemand, irgend wer; für eins und fürs andre besorge ich nichts, für keins von beiden; so fürchte ich doch, dasz sie eins und das andere (d. i. allerhand) von meiner frau geschenkt bekömmt. Gellert 3, 212; würde es ihnen vielleicht lieber gewesen sein, wenn meine frau sie beide hätte würfeln lassen, damit die meisten oder die wenigsten augen sie dem einen oder dem andern zur frau gegeben hätten. Lessing 2, 369; die frage scheint verfänglich, doch möchte sich ein und andres darauf erwiedern lassen. Göthe 10, 246; bald schlang sie sich zwischen den zacken groszer krystalle hindurch und brachte ein und den andern edelstein mit sich ans licht hervor. 15, 217, in welchem letzten beispiel auch die kürzung des einen in ein die geschwächte zahl anzeigt;
von meinem hof erkannt ich ein und andern.
41, 62;
wüste doch ein und andrer vielleicht im kreis hier zu sagen.
40, 178;
ich wette du hast nicht die absicht eins oder das andre zu vollenden. 18, 4. einigemal steht hier auch die starke form von ander.
3)
griechisch geht das fragende pronomen τίς, τί über in unbestimmtes τὶς, τὶ, ganz wie wir wer, was, irgend wer, irgend was, etwas verwenden. dies unbestimmte wer bleibt jedoch pronomen und kann nie adjectivisch einem subst. beigesellt werden, während das unbestimmte ein sowol pronominal als adjectivisch gilt; anders ausgedrückt, wer erscheint nur neben dem verbum, ein aber neben verbum und substantivum, es ist pronomen und adjectivum. ἄνθρωπός τις, γυνή τις läszt sich verdeutschen ein mann, eine frau, irgend ein mann, irgend eine frau, aber durch wer nur mit ausgelasznem subst. wer, irgend wer = einer, irgend einer, jemand. gothisch diente sums pronominal und adjectivisch, mannê sums oder manna sums übertrug ἄνθρωπός τις, qinônô suma oder qinô suma γυνή τις, dem sums konnte noch ains vorangehen: jah ains sums juggalauþs laistida afar imma, καὶ εἷς τις νεανίσκος ἠκολούθει αὐτῷ, vulg. adolescens autem quidam sequebatur eum. Marc. 14, 51, wo ains die rolle von εἷς, sums die von τὶς spielt. Luther hat: und es war ein jüngling, der folgte im nach. eine zeit lang galt noch ahd. sum und sumalîh, mhd. sum und sümelîch (Haupt 1, 579), bis es endlich erlosch und das unbestimmte ein volles übergewicht erlangte. engl. besteht noch some fort. Wir werden hernach sehen, dasz der das nomen geleitende unbestimmte artikel schon früher verbreitet war; seltner zeigt sich ahd. und auch noch mhd. das unbestimmte pronomen, von dem hier zu handeln ist. ahd. bidiu chad einer, ideo dixit aliquis. N. ps. 43, 25. wenn es mhd. heiszt:
im endet ie ze vuoʒ ein tac
daʒ einer in zwein gerîten mac.
Iw. 2134,
so hat dies einer neben zwein noch den nachdruck der zahl, obschon es auch irgend einer verstanden werden mag. fast alle mhd. auftauchenden beispiele stellen das pronomen dicht vor relativsätze:
ich bin einer, der nie halben tac
mit ganzen fröiden hât vertriben.
Walth. 42, 7;
genuoge, dens ir triwe jach,
kurn einen, der zem künege sprach.
Parz. 412, 12;
ich diende eim, der heiʒet got.
447, 25;
eineʒ, heiʒet sorge, volget im unz in sîn grap.
Neidh. 68, 35;
er und einer, nennet man den jungen Willeher.
74, 2;
eineʒ, heiʒet Karles tal.
kaiserchr. 14967.
in allen solchen fällen, könnte man sich denken, ist ein aus dem zusammenhang der rede leicht zu entnehmendes substantivum weggeblieben und eben darum dem zahlwort stellvertretende d. i. pronominale bedeutung zu theil geworden, im nom. aber ungekürzte flexion verblieben. einer will sagen so viel als ein mann, einen ist einen mann, eineʒ ist ein ding oder ein ort. einen senden kann auch ausdrücken einen boten senden oder was sich den umständen nach zu ergänzen eignet. der mhd. sprache war nur die ellipse noch nicht so geläufig und sie setzte lieber das nomen zu dem unbestimmten artikel statt diesen selbständiges pronomen werden zu lassen. noch bei meister Eckhart heiszt es: ein man der hâte ein igele. 171, 17; daʒ ein man was. 623, 14; einen menschen zeigete. 623, 15; nu möhte ein mensche sprechen. 685, 28. 686, 7; wo auch hätte können gesagt sein einer oder einen. waʒ mannes bistu? 624, 15 entspricht unserm heutigen was für einer, was für ein mann bist du? mhd. stand auch der bestimmte artikel:
wan swer den man erkennen sol,
dâ hœret langer wîle zuo.
Iw. 4192,
um einen recht kennen zu lernen, bedarf es langer zeit. dagegen bei Megenberg 352, 32 war ain man well oder müg = wohin einer wolle oder möge, wohin man wolle oder möge. Zahlreiche belege lassen keinen zweifel über die hochdeutsche verwendung dieses pronomens einer eine eines = aliquis aliqua aliquid seit dem 14. 15. 16 jh. und Adelung (lehrgeb. 1, 692) schwebt im irrthum, wenn er es für gemein oder niederdeutsch erklärt. wenne si ainem in sein siechen augen sehent. Megenberg 9, 29; wie im ainʒ in den ôrn pauk. 11, 17; der donr ist mangerlai, wann oft gillt er sam der ainem ain plâtern voller luftes auf dem haupt zerslüeg. 92, 31; si gelaubent auch wênik, wie ainr auʒwendik der stat auf dem veld verr hin dan möht ains turns höhen gemeʒʒen. 106, 17; daʒ ander pidem ist, daʒ diu erd schotelt snell, sam da ainr den andern mit den henden schütelt. 108, 14; wan si wegt ir zungen sô snell daʒ ainʒ dunket, si hab drei zungen und hat doch neur ain. 262, 7; gleicher weis tuont etleich läut, die sô snell sint mit irr urtail, daʒ si zehant ainʒ verurtailent. 274, 6; eʒ spricht auch Isidorus von derlai snuor ainer, daʒ si nie verlaidigt moht werden von dem feur. 278, 15. man sagt von einem, der hieʒ Gauterus. gesta Roman. ed. Keller cap. 58; einer kam von den sinnen. schimpf u. ernst 1550, 31 (1555, 189); einer kam zu einem philosopho. 117 (zu einem ph. kam einer. 151); einer hett gelobet zu s. Jacob zu gehen. 186 (gelobt u. verheiszen het einer. 254); einer ward krank, der het zu viel getrunken. 205 (krank war einer, der hett z. g. 274); einer der hielte haus mit einer metzen. 353; einer der het wider seinen herrn gethan. 367. die von Pfeiffer ausgezognen erzählungen im selentrost liefern keine solche eingänge mit 'einer'. ee das einer ein hand umbkert. Keisersberg weltl. lewe 55ᵇ; einer kan etwan vers in dem traum machen. omeis 36ᵈ; so einer ein auszug (eine ausflucht) suͦcht, wan man in straft, so er unrecht hat gethon. sünden des munds 2ᵇ; so sich einer selbs lobt. 2ᵇ; als man ir vil hie findet, da einer kum dreier pfening wert guͦts hat, der iszt me schleck dann mancher, der jars hundert gulden gelts hat zuͦ verzeren. 4ᵃ; das erst stück wider ordenung der vernunft ist, da einer fürkümpt die zit der noturft. 4ᵃ; hat einer ein heimliche krankheit, daʒ sol er entdecken, und so eins krank ist, so mag man im zuͦ essen geben, aber so einer stark ist, umb XXIII jar ist, und kein arbeit thuͦt, wan du das sichst, so ist es certitudo sufficiens, es sei dan das er ein heimlichen bresten an seinem leib hab und dir es sag, ein gesind sol es sagen. 6ᵇ; wenn einer foll bretzeln würt, foller kuͦchen, foller hering und des blunders, davon gond die dempf auf in das haubt. 8ᵇ; und betracht den schaden, die einem aus dem frasz ze handen got. 12ᵃ; einer bat einist Johannes ein einsiedel (Johannem eremitam), er solt got bitten für in, das im das feber abgieng. 17ᵇ; das ist ein gewis zeichen ewiger verdamnis, so es einem in sünden wol gat. 18ᵃ; es ist bös sein wider ein künig, dann er hat lange arm, reichet weit. anders ist es, da einer wider ein schlechten menschen ist. 18ᵃ; deshalben (im zerlegen des bratens) seind die Walhen fast subteile lüt und seind uber uns in dem, etwann waren wir uber sie und hetten uns geschampt, das wir eim ein lügin zuͦgesagt solten haben, aber ietzundan streichen wir den kutzen und seind éins leders. 19ᵇ; wenn du hörst das einer gott lestert. 19ᵇ; man hört gar bald wenn einer ein Schwab oder ein Beier ist. 19ᵇ; einer sasz einist in eim wirtshaus spilen und verlor was er hatte. 20ᵃ; aber da einer wol kan reden und ein schalk ist und unfrum. 20ᵃ; der da eim ein güldin nimpt wider seinen willen ist ein dieb. 22ᵃ; und eim nummen ein schwürlin entwust (wenn jemand nur ein kleiner schwur entwischt). 23ᵃ; so du weist, das einer geselschaft hat mit eim, der ein schalk ist. 26ᵇ; hinderred ... zuͦ dem ersten geschicht es usz guͦter meinung einem zuͦ lieb, es zuͦ underweisen. 26ᵃ; so einer dich lobet und understot dir schaden zuͦ ze fügen, oder wenn du ein wilt verfüren, als so du die frawen lobest, darumb das du sie verfellest. 32ᵃ; solich liebleller (schmeichler, die einem zu liebe reden) findet man zuͦ hof, dann die herren mögen einen nit hassen der sie lobet. 32ᵃ. an solchen stellen und zahllosen andern ersieht man recht, wie natürlich und ungezwungen die keisersbergische rede flieszt, das 'einer' ist ihm ganz geläufig, aber er läszt bald 'er', bald das unbestimmte 'es' darauf folgen, oder gebraucht gleich 'eins', wovon unter diesem wort die beispiele zu lesen sind. neben einer verwendet er auch noch das volle 'ein man' oder 'ein mensche', oder das blosze 'man', dem dann wieder 'einer' nachtritt: so man einen menschen lobet, der on das geneiget ist zuͦ hoffart, da gibt einer im ursach, das üppigkeit der hoffart in im ufgat. 32ᵃ; hier hätte umgekehrt stehen können: so einer einen lobet ... da gibt man im ursach; doch zuerst wird lieber bestimmt, hernach unbestimmt geredet. ieman, unser jemand, scheint Keisersberg nicht zu setzen oder müste es selten thun. Hier sind auch stellen aus Luthers bibel und aus späteren schriftstellern: denn wird einer seinen bruder aus seines vaters haus ergreifen. Es. 3, 6; zu der zeit wird die herlichkeit Jacob dünne sein ... denn sie wird sein, als wenn einer getreide einsamlete in der ernde. 17, 5; und ob einer entflöhe für dem geschrei des schreckens. 24, 18; es schmidet einer das eisen in der zangen. 44, 12; so du einen nacket sihest, so kleide in. 58, 7; als wenn man einen aus einem tiefen schlafe weckt. Sir. 22, 7; so einer stirbt und hat nicht kinder. Matth. 22, 24; da er noch redet, kam einer vom gesinde. Luc. 8, 49, wo gr. ἔρχεταί τις, in der vulg. nichts als venit; es sol auch einer nicht zween röcke haben. Luc. 9, 3, wo gr. und lat. gar kein pronomen gesetzt ist.
macht auch einem die zeit oft kurz.
darauf wird auch oft einem heisz.
H. Sachs I, 473ᵇ;
bring einer eins dem andern rumb!
Uhland 589;
was soll eim ein todter mann? Fischart groszm. 61; so machts man auf die wehr und in die becher, die einen umbbringen. Garg. 88ᵃ; speit ein ban, es möcht einer han ein schiffelein gefürt. 89ᵃ; es schluckt sich besser als camelshaar und katzenhaar, das musz von eim schwieren und gieren. 89ᵃ; ja so saur und theur ist jetzt der wein, dasz man in eim musz spielen und singen ein. 90ᵃ; es durst einen wann ers ansicht. 91ᵃ; der macht kein kolocompasz, wie dünn knite und knoll, der eim im bauch roll. 91ᵃ;
dem will ich einen bringen,
der an der seiten sitzt,
wie kan ichs als erschlingen,
ich hab fürwar ein ritz.
93ᵇ;
was soll ein mann, der nicht mit eim raufen und saufen kan? ich haw eben so mär mit eim (s. oben sp. 13), als ich mit im sauf. 94ᵇ und häufig. beispiele aus dem 17. 18 jh.: einer fragte einen. zeitvertreiber s. 511; der junge muste im einen säbel nachtragen, der so schrecklich aussah, dasz einem von dem ersten anblicke hätte mögen der kopf vor die füsze fallen. Weise erzn. 194; so bald sich eines im hause klaget, so verbiete ich ihm das essen. Gellert 3, 225;
an einem, den man liebt, wird auch ein fehler schön.
3, 318;
man kann sich an einem, der nicht zuhört nicht besser rächen, als wenn man ohne aufhören plaudert. 4, 140; die ursache ist ja so menschlich als eine sein kann. 4, 168; es gibt eine gewisse art einem zu sagen, dasz man ihn liebt, welche bezaubernd ist. 4, 194; macht man das, was einem so einfällt? Lessing 1, 527; so was erinnert einen manchmal, woran man nicht gerne erinnert sein will. 1, 552; ein so unsinniges testament, als nimmermehr einer, der im tollhause an der kette stirbt, hätte machen können. 2, 482;
bei zeiten sich nach einem umgesehn,
der mit uns um die wette leben will,
kennst du noch keinen?
2, 353;
sie machen einem ja ganz bange, rief die sklavin. Wieland 3, 222; das einzige, was einen dabei in verwunderung setzt, ist. 8, 166; sie machen einem ja recht bange. 11, 215; darnach sich einer aufführt, darnach wird einem. Göthe 11, 18;
dieser glieder frohe pracht
harret einer in der stille. ...;
drinnen gefangen ist einer!
bleibet hauszen, folg ihm keiner!
12, 67;
'wie nennst du dich?' die frage scheint mir klein
für einen der das wort so sehr verachtet.
12, 70;
gleich hör ich einen auf dem gange.
'mir ists nicht möglich ihn zu sehn.'
der arme knabe wartet lange,
der darf nicht ungetröstet gehn.
12, 92;
da liegt schon einer todt!
12, 196;
redst du von einem, der da lebet?
Schiller 67ᵇ;
wie einen der rauhe kriegesbesen
fegt und schüttelt von ort zu ort.
321ᵃ;
da fragt niemand was einer glaubt.
322ᵇ;
zum exempel, da hack mir einer
von den fünf fingern, die ich hab,
hier an der rechten den kleinen ab.
327ᵃ.
Nach allen diesen beispielen wird sich nun der heutige gebrauch des pronomens und sein unterschied von andern ausdrücken ergeben. einer verhält sich zu irgend einer wie ein mann zu jemand, d. h. die beifügung von irgend usquam und je unquam verleiht noch eine allgemeinere, die unbestimmtheit steigernde ausdehnung auf raum und zeit. statt das thut einem wol, das macht einem heisz, das wird einem sauer läszt sich auch sagen das thut einem manne wol, macht einem manne heisz, nicht aber jemand oder irgend einem, irgend wem. märchen und erzählung beginnen: es war ein mann, könig, fischer, es war einer; da würde unschicklich sein mit jemand anzuheben. jemand ist hingegen an seiner stelle, wo das ungewisse hervor gehoben werden soll, namentlich nach conjunctionen: ich glaube nicht, dasz jemand gekommen ist; es fragt sich, ob jemand davon weisz; doch kann überall für jemand auch das blosze einer stehen. die partikel je pflegte sich in den positiven ausdruck, wie in den negativen einzudrängen, unserm niemand, mhd. niemen, ahd. nioman stand das einfachere goth. ni manna, ni mannahun zur seite, ohne zuthat von aiv. doch hat bei Luther das jemand für einer schon groszen umfang gewonnen, in stellen wo Keisersberg nur das letztere kennt. die rede ist am bestimmtesten, wenn nichts als man gesetzt ist (vorhin sp. 121), sie wird unbestimmt durch ein mann und noch unbestimmter durch jemand; nicht selten steht die wahl zwischen diesen ausdrücken frei, z. b. man ruft! einer ruft! jemand ruft!; ich höre rufen, einen rufen, jemand rufen. oft kann auch nach dem nur im nom. stehenden man in einen oder in das persönliche pronomen übergetreten werden: was man nicht weisz, macht einem nicht heisz; was ein mann (oder einer) nicht weisz, macht ihm nicht heisz. s. auch mensch und leute. Unser wer ist unbeholfner als das gr. τὶς und ich habe wen gesehn, ich habe es wem gesagt weit ungebräuchlicher als einen, einem; wir kommen ihm durch vorgesetztes irgend zu hilfe, und irgend wen, irgend wem erreicht den sinn von jemand. die ahd. sprache konnte einvoraus gehen lassen, die mhd. swer, swes, swem, swen von dem bloszen interrogativ unterscheiden und mit swer die bedeutung von wenn einer erreichen. das nähere ist unter dem worte wer zu erörtern. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die nähe positiver und negativer ausdrücke, seitdem die einfache negation gewichen war und nur als praefix neben nomen oder pronomen fortdauerte. mhd. dehein war bald irgend ein, bald kein, d. i. enhein, nehein, weil unbestimmte wie fragende rede die negation setzen oder auslassen. noch heute darf uns der gegensatz zwischen ein und kein mitunter schwinden und der spruch 'eins ist keins', 'einer ist keiner' sich so bestätigen. ein red ist kein red. Keisersb. omeisz 20ᵇ. die verse
ist keiner hier, der spricht zu mir?
Uhland 586;
ist keiner, der sich hinunter wagt?
Schiller 63ᵃ;
könnten auch bestimmt beginnen ist einer? y a-t-il quelqu'un?
sagt menschen, ists kein glück,
sein schicksal nicht zu wissen?
Gellert 1, 87,
ist es nicht ein glück? 3, 231 schreibt er: keine andere gefälligkeit habe ich ihm nicht erzeigt und der gute mann hat mich doch genöthigt diesen ring anzunehmen. eine andere gefälligkeit würde dasselbe ausdrücken, oder umgekehrt Göthes
trank nie einen tropfen mehr.
12, 143
auch heiszen dürfen nie keinen, wie
man sieht, dasz er an nichts keinen antheil nimmt.
12, 183.
Luther sagt: ja er war so schön als kein bawm im garten gottes. Ez. 31, 8, das ist mehr 'sonst keiner' als sonst einer.
bedenk, ich war dir so gewogen,
als keiner ist und werden kann.
Günther 315;
er hat
ihr einen vater aufgebunden, wird
er keinen bruder für sie finden?
Lessing 2, 356,
sichtbar führt hier die frage das kein herbei, es könnte ebenwol gefragt werden einen bruder? aber der fragende, unsicher, ob ihm bejahende oder verneinende antwort zu theil werde, fragt gern mit kein wo er ja erwartet. bekannt ist die formel des ungeduldig seine frage steigernden rauchlustigen: hat einer schwamm? hat keiner schwamm? hat einer keinen schwamm? hat keiner keinen schwamm? hat keiner keinen schwamm nicht? keiner wird zu fragendem nicht einer. mehr noch unter kein.
4)
vergleichendes so und wie gesellen sich zu einer im sinne von talis und qualis, der hauptton ruht dann jedesmal auf der conjunction, und só einer, talis ist unterschieden von so éiner, si quis.
a)
só einer war ich, talis fui; só einer will uns hier gesetze vorschreiben!; só einen suchen wir gerade; só einem gehorcht man gern; du must eine schöne nehmen, die reich ist und gut, só eine wird man nimmer satt. Göthe 11, 9;
denn, gute frau, erinnert euch
an eur verruchtes leben,
só einer wird im himmelreich
kein plätzchen eingegeben.
Bürger 49ᵃ.
Meistentheils folgt aber unmittelbar das nomen und ein wird zum bloszen artikel,
α)
vor dem substantiv: só ein kerl, só ein narr; só ein erfolg wurde erzielt; só eine menge kann ich nicht aufzeigen. Keisersberg setzt hier 'also ein': wa also ein gerumpel ist, das leg den selen nit zu (schreib den geistern nicht zu). omeisz 43ᵇ. später aber gilt 'so ein' und in Norddeutschland son kerl, sonne sache:
im glück ist dies mein grösztes glücke,
dasz só ein freund es mit genieszt.
Günther 172;
so wiszt einmal, ich bin verliebt
und zwar in só ein kind,
das mir erst lust zu leben gibt,
so schwer die zeiten sind.
313;
endlich geriethen sie in só eine spielhitze, dasz der fremde passagier alle sein vorräthiges geld verspielte. Leipz. avanturier 2, 35; dieser mann predigte auf só eine art wie Petrus und Paulus in ihren episteln. 2, 137;
gebt ihr für ihre ganzen tage
só einen tag als der?
Lessing 1, 90;
nun wahrlich só ein kerl kann weiber lüstern machen.
1, 115;
gewis, só eine jagd wär mir nicht lächerlich.
1, 124;
must ich der
gefahr, só einen vater zu verlieren
das arme mädchen opfern?
2, 340;
ich bin só ein thor nicht. 2, 457; só einen narren. 1, 373;
hältst du mich für só schwach, für só ein kind,
dasz solch ein fall mich gleich zerrütten könne?
Göthe 9, 196;
da find ich só ein kästchen wieder.
12, 148;
ach lieber gott! was só ein mann
nicht alles alles denken kann!
12, 169;
wo só ein köpfchen keinen ausgang sieht,
stellt es sich gleich das ende vor.
12, 176;
glauben sie, dasz só eine creatur einen character hat? 19, 198.
β)
vor dem adj. hat die conjunction den sinn von tam und das ein kann ihr sowol vorangehen als auch folgen. mhd. findet sich hier wieder alsô fürund nach dem ein:
ein alsô schœne hôchzît.
Iw. 35;
und mugt ein alsô biderben man
wol gwinnen, obes iu got gan.
1927;
ouch wundert mich ie mêre,
daʒ ein alsô vrumer man
sô starke missetuon kan.
4062;
diu iht versagen kunde
eim alsô süeʒen munde.
7900.
nhd. erscheint das so vor dem ein: wie lange wiltu solchs reden? und die rede deines mundes só einen stolzen mut haben? Hiob 8, 2; wo ist só ein mechtiger gott, als du gott bist? ps. 77, 14; aber wie kostlich sind fur mir gott deine gedanken? wie ist ir só ein grosze summe? 139, 17;
der schönen in den armen liegen,
wenn drauszen nord und regen pfeift,
macht só ein inniglich vergnügen,
desgleichen niemand recht begreift.
Günther 199;
só ein verliebter thor verpuft
euch sonne, mond und alle sterne
zum zeitvertreib dem liebchen in die luft.
Göthe 12, 147;
sist eine der gröszten himmelsgaben
só ein lieb ding im arm zu haben.
12, 152;
billig ist es, sagte er zu sich selbst, dasz só ein treflicher mann auch trefliche weiberseelen an sich ziehe. 20, 44. gewöhnlich stände nichts im wege, das ein auch nach dem so zu setzen: einen so stolzen mut, einen so mechtigen gott.
b)
schon Keisersberg und Luther ziehen dem so ein vor ein solcher. da aus letzterm belege allenthalben vor augen liegen, bringe ich ihrer aus ersterm: darumb wa zehen oder zwölf an einem tisch sitzen, wa ein solicher darunter ist, das hörst du gar bald. weltl. lewe 55ᵇ; wenn einer foll bretzelen würt, foller kuͦchen, foller hering und des blunders, davon gond die dempf auf in das haubt und würt die vernunft geirret und dunkel, das ein solicher mensch sie nit bruchen mag. s. d. m. 8ᵇ; aber ein mensch, der da zimlich isset, wenn er an dem morgen erwachet und abgetouwet hat, so begegnen im die ding so clar und lauter und in einer solicher feiner ordenung, das er ein ganzen tag sunst nicht finden möchte. 9ᵃ; aber da einer wol kan reden und ein schalk ist und unfrum, da ist schedlicher ding nicht auf erdreich, dan ein solicher. 20ᵃ; von einem solichen schreibt sanct Augustin. 22ᵃ; ein solichen lügner hasset iederman, und wen einer schon ein lügner ist, noch dennacht so hasset er die andern lügner, die seines leders seind. 25ᵃ. In den meisten fällen kann ein solcher, ein solches wechseln mit bloszem solcher, solches, ohne den unbestimmten artikel; seit dem 18 jh. (oder früher schon?) kommt auch mit nachgesetztem artikel das dem 'so ein' näher stehende 'solch ein' in brauch, vielleicht nach dem engl. such a, oder auch nach welch ein:
solch ein mädchen wünsch ich mir,
solch einen engel.
Lessing 1, 17;
wie ist der gedanke labend,
solch ein edler bleibt uns nah.
Göthe 1, 163;
o glücklich, wer von seinen gaben
solch einen vortheil ziehen kann.
12, 57;
o könntest du in meinem innern lesen,
wie wenig vater und sohn
solch eines ruhmes werth gewesen!
12, 58.
metrische rücksichten entscheiden, ob das ein vorausgehe oder folge:
ein solcher mann, ein groszer hofmann sein,
schlieszt das lob oder tadel ein?
Lessing 1, 102.
vor dem ein bleibt aber solch immer unflectiert. man pflegt heute solch einer dem so einer, solch ein dem so ein bei folgendem subst. vorzuziehen und nur bei folgendem adj. so neben solch zu verwenden. doch sollte es auch in jenem fall zugelassen bleiben.
c)
noch seltner erscheint die analoge verbindung der partikel wie mit ein, engl. how a, man hätte zumal in frage und ausruf nach ihr zu suchen: wíe einer bin ich denn? qualem me esse putas?; wíe eine grosze mühe du dir doch gibst! quantam operam; es ist nicht zu sagen, mit wíe einer innigen liebe sie an ihm hieng, quam tenero amore; zu meinem haus wünsche ich mir auch den garten, aber wíe einen?; o wíe ein groszer sprung! o wíe ein kühler trunk!; ei ei, wíe eine grosze nas ist das! zeitvertreiber s. 58; ei, wíe ein kleines näsel ist mir das! s. 59; ach wíe ein schöner federbusch! Simpl. K. 440;
o wie ein fröhlichs wesen!
Uhland 601.
bemerkenswerth sind stellen Keisersbergs, wo zwischen wie und ein andere wörter treten: da kam er zuͦ einem misthaufen, er legt sich darauf und bleib da ligen. da es tag ward, er leinet sich uf, da kam einer und sach in und sprach zuͦ im 'sich zunftmeister, ligen ir da?' er antwurt 'o wíe bin ich ein zunftmeister!' s. d. m. 9ᵇ; wíe wer aber das ein ding, da einer foll ist und da in erst hungert? 10ᵃ.
d)
statt wíe ein pflegen wir 'welch ein', analog dem solch ein, oder 'was für ein' zu setzen, in den letztangezognen stellen würde stehen: was für ein zunftmeister bin ich! was für eine sache wäre das?; was sie für einen finden. omeis 40ᵈ. Luther schreibt: wenn dieser ein prophet were, so wüste er, wer und welch ein weib das ist, die in anrüret, τίς καὶ ποταπὴ ἡ γυνή. Luc. 7, 39; was für eine tochter? Lessing 1, 373; was für ein spitziges kinn! 1, 379;
o was ist dein vater für
ein mann!
Lessing 2, 346;
was bin ich denn für eine?
Bürger 49ᵃ.
und wie neben solch ein bloszes solch, darf auch neben welch ein bloszes welch stattfinden:
welch schauspiel! aber ach! ein schauspiel nur!
Göthe 12, 33;
welch ein gefühl must du, o groszer mann,
bei der verehrung dieser menge haben!
12, 57.
in den windungen der rede kann só ein den sinn von wíe ein empfangen: in só einem schlechten zustande auch die gekleksten decorationen waren, .... so konnt er sich doch der empfindung nicht erwehren, dasz er die glücklichsten augenblicke seines lebens in der nähe eines ähnlichen trödelkrams gefunden hatte. Göthe 18, 170.
5)
endlich gewinnt ein, gleich dem gr. εἷς μία ἕν und ἴος ἴα ἴον zuweilen den sinn von idem eadem idem, weil der eine zugleich derselbe, der nemliche ist. ahd. beispiele hat Graff 1, 310. mhd.
die troume sint pêde éin.
Diut. 3, 99;
sîn rede und ir lachen
was gezilt mit éinen sachen.
Parz. 152, 25.
nhd. ist éin ding. Keisersb. s. d. m. 14ᵃ, dieselbe sache; warum solt ich ewr beider beraubt werden éinen tag? vulg. cur utroque orbabor filio in uno die? 1 Mos. 27, 58;
es klopfet ja der tod mit éinem bein
an die palläst und wolkenhohe schlösser
und armer leut sorglose hüttelein.
Weckherlin 387,
wo eodem das aequo pede ausdrückt;
werther freund, du immer éiner, hast nur immer dis ermessen.
Logau 3, 85, 48;
éines schickt sich nicht für alle.
Göthe 1, 72;
éin herz und éine seele; wir wohnen beide unter éinem dache;
und ihr herz ward entzückt zum hellen gesang: wir gläuben
all an éinen gott!
Voss Luise 1, 363.
diese pronominalbedeutung flieszt unmittelbar aus der einheit und gewöhnlich steht auch 'ein und derselbe', unus idemque verbunden.
D)
unbestimmter artikel. Da seinem begriffe nach das pronomen überhaupt die stelle des nomens vertritt, hätte es eigentlich neben dem nomen nicht zu erscheinen. geschieht dies dennoch, so soll dadurch die vorstellung des nomens näher bestimmt und verstärkt werden. die kraft des nomens ist aber nicht allein in seinem begrif, sondern auch in seiner gestalt enthalten und das von auszen beigesellte pronomen wird auf beides gerichtet sein, die flexion und zugleich den sinn des nomens hervorzuheben. Die einführung des artikels musz in mächtigem, unhemmbarem trieb der neueren sprache gegründet sein, denn wir begegnen ihm in deutscher wie in romanischer zunge fast zu der nemlichen zeit, so dasz gegenseitig herüber und hinüber auf seinen festwurzelnden gebrauch eingewirkt worden sein mag. doch ins slavische und litauische ist er nicht gedrungen. Alle alten sprachen bedurften noch keines artikels, es war ihnen nichts daran gelegen das, was er ausdrücken soll zu bezeichnen und ihre pronomina sparten sie für lebendigere fälle auf. dasz ἀλέκτωρ ἐφώνησε, gallus cantavit, hana hrukida soviel aussagen als 'der hahn krähte' unterliegt keinem zweifel; ob sie auch bedeuten können 'ein hahn krähte' kam nicht in betracht, denn wie das männliche geschlecht aus der gestalt des nominativs folgte ja die einheit aus dem gebrauchten singularis und gesetzte pluralformen würden den begrif der mehrheit bezeichnet haben. Nachdem aber das demonstrativum sich als geleiter und stütze des nomens geltend, allmälich unentbehrlich machte, mochte es zugleich der bedeutung etwas von seiner natur mittheilen. in 'der hahn' lag, genauer zugesehn, nicht nur gallus, sondern ille gallus, der vorstellung war noch leise ein räumlicher, jenen ausdrücken der älteren sprache abgehender bezug hinzugetreten, wie wir die bestimmtheit durch eine partikel 'der hahn da' zu steigern pflegen. so überflüssig ein solches 'da' meistentheils scheint, muste die vorzeit auch des demonstrativs vor dem nomen entraten können. Den gegensatz zu dieser aufgenommnen bestimmung des nomens hätte nun freilich das unarticulierte nomen bilden dürfen und bildet ihn oft. allein die sprache gieng weiter und bediente sich der schon für pronominalbegriffe dienenden einzahl ausdrücklich, um sie als unbestimmten artikel jenem bestimmenden an die seite zu stellen, dem 'der hahn' trat jetzt 'ein hahn' gegenüber, gleichsam der abstraction des demonstrativums auch die der einzahl. Beide artikel entsprangen nicht gleichzeitig auf einmal, vielmehr dem unbestimmten war der bestimmte lange vorausgegangen, jener ist eben erst durch diesen bedingt. ihr gesetz läszt sich im allgemeinen so ausdrücken: der unbestimmte steht, wenn ein nomen in die rede eingeführt und zuerst erwähnt wird, der bestimmte, wenn es als bekannt vorauszusetzen ist oder seiner wiederholentliche meldung geschieht. damit eine demonstration eintreten könne, musz der gegenstand, auf welchen sie geht, bereits vorliegen, er wird aber als neu und bestimmbar deutlich durch die einzahl hervorgehoben. die stellung des nomens ohne artikel scheint für sinnliche begriffe angemessen, der unbestimmte artikel für allgemeine und abstracte, der bestimmte für concrete. Es ist nicht in abrede zu stellen, dasz durch diese doppelte articulation die neueren sprachen practisch an klarheit gewonnen und ihre geschwächte oder verlorene flexion theilweise ersetzt haben, so dasz sie nimmer wieder darauf verzichten könnten; der alten sprache wohnte frischeres bewustsein der formen bei, die ihnen leicht mittel an hand gaben bündig, wenn auch minder scharf auszudrücken, was wir heute umschreiben. überhaupt jedoch hat der unbestimmte artikel viel geringern umfang als der bestimmte, schon deshalb weil er nur auf den sg. geht. am deutlichsten aber vergegenwärtigt man sich vortheile und nachtheile beider artikel bei entgegenhaltung des prosaischen und poetischen stils. im gedicht wird der unbestimmte artikel sehr zurück treten und dem unarticulierten ausdruck weichen, in der prosa musz es willkommen sein, die artikel bald fahren lassen, bald setzen zu können. man sehe wie Pindar oder Horaz und wie Caesar und Livius auf deutsch gegeben werden. Die gothische sprache zeigt, gleich der griechischen, schon vielfache anwendungen des bestimmten, sie zeigt noch keinen einzigen entschiednen fall des unbestimmten artikels, dessen späterer ursprung daraus folgt. wenn wir Matth. 8, 19 lesen: jah duatgaggands ains bôkareis, so bleibt hier Ulfilas völlig im gleise des gr. εἷς γραμματεύς und lat. unus scriba, welche den einzelnen aus dem haufen hervortretenden schriftgelehrten ausheben, wie auch alle nachherigen verdeutschungen an dieser einzahl festhalten, ahd. im Tatian: ein buochari gieng thô zuo, ags. þâ geneálæhte him ân bôcere, northumbr. and tôcvom ân uđvutta; während uns Luthers und es trat zu im ein schriftgelehrter den eindruck des bloszen artikels gewährt. ains, ein und ân stehen hier wie sonst sums, sumêr, sum oder wie ains sums, εἷς δέ τις Marc. 14, 47. Ebensowenig zeigen die ältesten ahd. ags. und altn. denkmäler den unbestimmten artikel und erst allmälich taucht er in den späteren auf. ahd. erscheint er nicht bei Kero, nicht im Isidor und Tatian, ein bedeutet ihnen nur unus als wirkliche einzahl, oder solus und quidam, man könnte sagen, weil sie allzugenau ihren lat. texten folgen. heiszt es Matth. 5, 19 einaʒ fon thên minniston giboton; 5, 30 ein thînero lido; 6, 27 eina elina, so wird, wie im gr. und lat. text, die wirkliche einzahl ausgedrückt. siu gibirit sun, pariet filium Matth. 1, 26, sie wird einen sohn gebären; thiorna in rêve habêt, virgo in utero habebit, 1, 22, eine jungfrau wird schwanger sein; truhtines engil, angelus domini. 1, 24, des herren engel; stëmna ruofentes, vox clamantis, 3, 3, eine stimme eines predigers; giwâti von hariron olbentôno, vestimentum de pilis camelorum, 3, 4, ein kleid von camelhaaren. bei Otfried und Notker hingegen sind die fälle des unbestimmten artikels unverkennbar, obschon noch minder durchgreifend als bei den mhd. dichtern. hier folgen beispiele aus Otfried: ein man IV. 17, 31. einan man III. 20, 1. ein ediles man IV, 35, 1. ein wîb I. 16, 1. II. 14, 13. III. 10, 1. eina huarrûn III. 17, 8. ein kuning III. 2, 3. eines kuninges I. 4, 1. ein sculdheiʒo III. 5, 5. ein êwarto I. 4, 2. ubar einan lantsê III. 6. 5. ein burg I. 11, 23. zi eineru burg II. 14, 5. in einan garton IV. 16, 1. ubar einan klingon IV. 16, 2. zi einemo gisâʒe II. 14, 6. einan saban IV. 11, 13. eina geislûn II. 11, 9. ein gifuari II. 14, 43. ein githingi IV. 8, 4. einaʒ wuntar III. 23, 3. Notker aber verdeutscht adstitisse mihi supra verticem visa est mulier, wâr sah ih ein wîb stân obe mir. Boeth. 5; at si quem profanum nobis blanditiae vestrae detraherent, aber infuortînt ir mir einen vreden mit iwermo zarte. 8; Paulinum consularem virum, Paulinum einen gerislichen ze consule. 20; ne Albinum consularem virum, nio Albinum einen samo hêren man. 20; majestatis crimen, eines mannes houbetsculde. 25 u. s. w. er erklärt: abacus ist ein descriptio, daʒ chît ein bilde an einemo brete alde an einero pagina, ganz schon in heutiger weise. Für die abhandlung des nhd. unbestimmten artikels stehn belege auf allen blättern, zuerst soll dargelegt werden, wie er vor substantiven erscheint, dann wie vor adjectiven und pronominen.
1)
der unbestimmte artikel beginnt, der bestimmte folgt: eine stimme erschallt, die stimme verhallt; ein vogel singt, ich höre den vogel singen; ein tag wird anbrechen, an dem ich sterbe, der tag meines todes bricht an; ein könig herschte im land, der könig hört auf zu herschen.
est unus locus Homburh dictus.
lat. ged. 337;
einan kuning weiʒ ih, heiʒet ër Hludwîg.
ther kuning reit kuono, sang lioth frôno;
in dagon eines kuninges was ein êwarto.
O. I. 4, 1. 2;
ein mære wil ich iu niuwen,
daʒ seit von grôʒen triuwen.
Parz. 4, 9;
ein rîter, der gelêret was
unde ëʒ an den buochen las.
Iw. 21;
ein vater sînem kinde rief.
Lohengr. 1, 1;
ein künec was ze Troie.
tr. kr. 325;
ein herre in Parmenie was
Trist. 8, 5;
ëʒ saʒ ze Frankrîche
ein herre biderbe und guot.
guote fr. 21;
ein buoch lît ze Arle.
1.
nhd. es war ein könig in Thule,
gar treu bis an das grab,
dem sterbend seine bule
einen goldnen becher gab;
es war einmal ein könig, der könig hatte sieben söhne; eine witwe, die hatte zwei töchter. dieser artikel kommt dem unter C sp. 118 vorgetragnen pronomen sehr nahe und ist deutlich aus ihm entsprungen. der lebendige zahlbegrif schwächte sich in den von irgend ein, gr. τὶς, lat. quidam, ags. sum. Apulejus sagt: erant in quadam civitate rex et regina, ihm genügt die unbestimmtheit von civitas und ist erlassen, sie auch vor rex und regina auszudrücken. wie wir sagen müssen: in einem reich war ein könig und eine königin. ags. erscheinen sum cyning und ân cyning gleichbedeutig und auch engl. können noch some king und a king einander vertreten. Ruodlieb 1, 1 hebt an mit quidam vir. was nun hier den eingängen des märchens oder des liedes entnommen wurde, läszt sich leicht auf alle gedichte und das anheben jeder rede anwenden, nur dasz es oft schwer fällt zwischen leiserem artikel und etwas stärkerem irgend ein zu unterscheiden, z. b. in Göthes gedicht auf Schiller:
wenn einen menschen die natur erhoben,
ist es kein wunder dasz ihm viel gelingt.
2)
die vorstellung von ein und irgend ein liegt an sich schon in dem sg. des subst. selbst und ihr äuszerer zusatz kann nur gelinden, unerheblichen nachdruck geben, wie aus völlig parallelen pluralen offenbar wird, welchen kein artikel vorzutreten braucht. es heiszt: stimmen erschallen, die stimmen verhallen; könige herschen in diesem land, der könig folgt seinem vater; geschichten will ich euch erzählen, die sollt ihr gerne hören; bücher liegen zu Arles, die liesz der könig niederschreiben. so wenig solche plurale eines beigefügten 'viele' oder 'mehrere' bedürfen, hat auch das latein und jede andere des unbestimmten artikels entratende sprache nöthig vor dem sg. die leblose einzahl auszudrücken, auszer wo der sinn begehrt, dasz die unbestimmtheit durch vorgeschobnes quidam erhöht werde. wir sagen: ein dieb ist furchtsam, ein löwe ist stark, aber: diebe sind furchtsam, löwen stark; einen knecht zu strafen oder knechte zu strafen ist erlaubt. zwei singulare hintereinander kommen wieder einem pluralis gleich und bedürfen des artikels nicht, der den einfachen sg. begleitet, wir sagen er nahm einen schild, hingegen er nahm schild und sper; er hatte ein haus, aber er hatte haus und garten, obschon auch gesagt werden dürfte ein haus und einen garten;
ein häuschen und ein gärtchen vor der stadt.
Göthe 12, 162;
ein priester und ein gott ist hier zugegen.
Schiller 442ᵇ.
3)
bei substantiven, die den sinnlichen begrif einer ungeschiednen masse enthalten, ist der unbestimmte artikel unzulässig, eben weil in ihnen nichts einzeln auftritt und nur von einem theil ihres ganzen die rede sein kann, weshalb sie die ältere sprache häufig in den genitiv setzte, der dem heutigen partitivartikel des französischen entspricht. es sind namentlich die vorstellungen der elemente und stoffe, die in der regel kein ein vor sich dulden: wasser trinken, feuer schlagen, luft schöpfen, erde graben, auftragen, brunnen in den mund gieszen, wind machen, zug machen, geräusch machen; regen strömt, schnee fällt; nebel steigt; gras mähen, korn schneiden, heu machen; silber schmelzen, gold verarbeiten, eisen schmieden, eisen ist schwer; wachs bleichen, in wachs drücken, mit öl salben, tränken, mit honig bestreichen; blut lassen, milch trinken, fleisch kochen, brot essen, bier brauen, wein keltern; tuch scheren, leder gerben und alle ähnlichen. hier wird eben so wenig der französische unbestimmte artikel verwendet, sondern der partitive boire de l'eau, battre du feu u. s. w., während es auch mhd. hiesz waʒʒers trinken, brôtes eʒʒen, nemlich etwas, einen theil der ungetrennt gedachten masse. sobald man ihn aber sich gesondert denkt, mag der unbestimmte artikel eintreten: ein glas wasser trinken, einen bissen brot essen, ein stück leder gerben, einen rauch aufgehn lassen, eine flamme hervorbringen, ein feuer geht auf, es ist ein schnee gefallen; besonders der salat von zartheit und geschmack wie eine milch. Göthe 28, 128. in solchem sinn steht denn auch mhd. ein waʒʒer trinken, mit einem brunnen twahen, sich ûf ein gras legen, wofür belege gramm. 4, 441 gesammelt sind.
ein leider man ist swærer bî
guoten wîben dan ein blî.
Freid. 101, 22;
meint eine bleimasse im einzelnen, es könnte auch gesagt sein danne blî, als blei, wie wir uns heute ausdrücken.
und ein frisch gesalzenes fleisch befand sich im troge.
Göthe 40, 50,
d. i. ein stück fleisch. etliche zerstachen die hostie, es flosz alsbald ein blut in groszer menge herfür. Micrälius 3, 435, d. i. blutstropfen. wir essen eine milch. Gellert 3, 407, eine schale milch. einen kaffe kochen. in Ulrichs frauendienst 342, 5 liest man selbst:
an eine sunn mîn lîp dô saʒ,
des vrostes mîn ich gar vergaʒ,
nicht sowol an die sonne, nach unsrer art zu sprechen, als an einen sonnigen platz. auf oberdeutsch pflegt es zu heiszen: ich bitt um ein wasser, ich will ein bier trinken, ein wachs darauf streichen, mit absehen von der masse und dem gedanken an den theil, dies ein bier trinken hält die mitte zwischen bier trinken und bieres trinken, boire de la bière; so schwankt der ausdruck um bibere cerevisiam wieder zu geben, und was wird damit erreicht? nichts das der lat. rede zusammenhang nicht ohne weiteres besagt hätte.
jetz hätt ich eben gleich ein durst.
H. Sachs I, 466ᵈ,
durst und hunger sind sinnliche vorstellungen, die der abstraction nahe stehn, und wie wir hunger, durst, lust, furcht, sorge haben ohne artikel setzen, heiszt es auch franz. avoir faim, soif, envie, peur, soin, und kein partitivartikel findet hier statt.
4)
bei vergleichungen pflegen wir stofartigen substantiven gleichfalls den artikel zu versagen: er ist kalt wie eis; sie glühte wie feuer; schwarz wie kohle, weisz wie schnee, weiszer als schnee; roth wie blut, röther als blut; hart wie eisen, schwer wie blei, härter als eisen, schwerer als blei; wie blei liegt der schlaf in uns. Schiller 134ᵃ; hart wie holz; sanft anzufühlen wie sammet; süsz wie honig, gelb wie wachs. doch läszt sich hören: weisz wie ein schnee, gleichsam wie ein gefallener, kalt wie ein eis, wie ein stück eis. mhd. swarz als ein kol;
wîʒ, lûter sam ein îs.
En. 236, 31;
wîʒ alsam ein snê.
Trist. 12815;
wîʒer danne ein snê.
15829;
wart rôt sam ein bluot.
Kchr. 2820;
süeʒ als ein mëte.
Pantal. 264;
die heiden man hie vallen sach
vor den christen als ein snîe.
Turl. Wh. 23ᵇ.
wo aber einzelne gegenstände, thiere, pflanzen in vergleich kommen, versteht es sich, dasz der artikel stehn musz: furchtsam wie ein hase, scheu wie ein reh; er brüllte wie ein löwe, schlich leise wie ein fuchs; röther als eine rose; schlank wie eine gerte. mhd.
wil er wenken als ein eichorn.
Parz. 651, 13;
liehter var gar unverkrenket,
als ein âmeiʒe gelenket.
806, 26;
swankel als ein rîs.
806, 17;
vînt als einem wolfe.
Ben. 421.
doch nachdrücklicher stand auch der bestimmte artikel:
die zebriche ich sam daʒ huon.
Rol. 115, 16;
semfte sam daʒ lamp.
142, 10;
schilte hiwen si sam den swam.
218, 32;
eʒ ist niht krump alsô der boge.
Parz. 805, 14;
grüene alsô der klê.
Ben. 399;
da solche gegenstände als allgemein bekannt vorauszusetzen sind. auch heute wäre noch zu sagen gestattet: er schlich davon wie der fuchs, gleichsam wie der wolbekannte Reinhart; er hinkt wie der teufel, worunter wir uns ein bestimmtes wesen vorstellen; er lief wie der wind; es stinkt hier wie die pest u. a. m. Für eine menge von andern vergleichungen wird man immer den unbestimmten artikel gebraucht finden: sich drehen wie eine windmüle, knarren wie ein rad;
aufgeblasen wie ein schlauch.
H. Sachs I. 417ᵇ;
greifen wir nicht, wie ein mülwerk, flink
in einander auf wort und wink?
Schiller 327ᵇ;
ihr sprecht
wie ein friedländischer reitersknecht.
323ᵃ;
steht stumm und starr wie eine bildseule. 142ᵃ. es wäre unnöthig beispiele zu häufen. Auch diese gleichnisse können die unter 2 mitgetheilte wahrnehmung bestätigen, dasz der sg. mit und der pl. ohne ein auf gleichem fusz stehen, denn es heiszt: sie blüht wie eine rose und sie blühen wie rosen; wehre dich wie ein mann und wehret euch wie männer!
5)
ich verzeichne hier noch andere fälle, die weiter zu beobachten und zu vermehren für unsere articulation lehrreich sein wird. wir sagen heute eine zur frau, zum weib, einen zum mann nehmen, mit bestimmtem artikel; mhd. mit unbestimmtem, zeiner, zeime:
stüend ëʒ noch an mîner wal,
sô næm ich die schœnen zeiner vrouwen.
Ben. 398;
der deheiner günde ich baʒ
mîner lieben muoter zeiner snüere.
403;
heute: zur schwiegertochter. ahd. fure eina chenun neheina mêr gewinnet. N. ps. 44, 9; und ohne artikel: zi hîun er mo quënun las. O. I. 4, 2.
Herbrand komm, die jungfrau empfach,
die gib ich dir zu einem weib.
Ayrer 238ᵇ.
wol aber hat das unpersönliche ehe stets den bestimmten: und ich nam sie zur ehe. Ez. 23, 4; und sollen keine witwe zur ehe nemen. 44, 22; lege dich zu deines bruders weib und nim sie zur ehe. 1 Mos. 38, 8; zu der ee gekauft und genomen hat. RA. 421;
das ein iglich man ze rehter ê
solde koufen siben wîbe
ze sînes einen lîbe.
Morolf 1241;
der herre hatte zuo der ê
ein tugenthafte frouwen.
Diut. 1, 346.
es ist eine frage und es ist die frage unterscheiden sich wie quaestio proponenda und proposita; das ist keine frage, non est proponendum; das ist nicht die frage, id non agitur; da erhub sich eine frage unter den jüngern. Joh. 3, 25; weil es aber ein frage ist von der lere und von den worten. apostelg. 18, 15;
to be or nor to be, that is the question.
sein oder nicht sein, das ist hier die frage.
schwed. att vara eller icke vara, det är fraͦgan.
mhd. ohne allen artikel:
nu ist vrâge, wes ich tumber gër.
Ben. 316.
vgl.nu het ich gërne vrâge. Iw. 6305. unser ein mittel finden braucht den artikel, das franz. trouver moyen läszt ihn aus. wir sagen einen eid leisten, wenn er angeboten, den eid leisten, wenn er gefordert wird, franz. heiszt es prêter serment. ebenso steht das franz. prendre exemple, sans dire mot unserm ein beispiel nehmen, ohne ein wort zu sagen gegenüber. statt des heutigen es ist winter, es wird sommer, es ist tag, nacht, zog man mhd. das geleit des artikels vor:
ëʒ ist ein winder.
Ben. 426;
ëʒ was in eime meien.
Gudr. 1571, 3;
sîd ër in herebergônten ze einemo mânode furereisôn ne lâʒe. N. Cap. 16. in dieser construction pflegt sich häufig der pl. des artikels einzufinden, s. hernach unter 13. wir setzen aber: einen winter, einen winter lang, ein jahr, ein jahr lang warten; eine zeit lang, eine zeit her und ähnliches. mhd.
der liehte tac wart ir ein naht.
Iw. 1326;
ër lâʒe die naht ein tac sîn.
2136;
in den adverbien unterscheidet sich winters, sommers, frühlings (doch niemand sagt herbstes), von eines winters, sommers, frühlings, herbstes; tags, nachts, morgens, abends von eines tags, nachts, morgens, abends, der unbestimmte artikel klingt hier bestimmter als das bare subst., sichtbar ist er dann noch mehr als artikel und bedeutet quodam die, quadam nocte u. s. w. eins morgens. Parz. 446, 6; ûf ein zît, tempore quodam. myst. 2, 625, 32. Ebenso verhält es sich oft, wenn ein zu abstracten wörtern tritt. einem freude, kummer, herzeleid machen redet allgemein, das hinzugefügte ein meint den bestimmten fall. wir sagen einem mut machen, mut einsprechen, aber ein herz, zumal bei zutretendem adj. einen neuen mut, ein frisches herz machen: sprach dem Eurialo einen mut zu. pol. colica 25; jemanden einen neuen mut machen. Hahn 2, 10. Sonst schlieszen die abstracta liebe, güte, tugend, reue und ähnliche, wenn ihnen kein adj. vorhergeht, das ein aus oder gestatten es nur für den bestimmenden einzelnen fall: genade erweisen ist gnädig sein, eine genade erweisen meint die besondere. man sagt es ist noch eine gerechtigkeit, gleichsam die rächende hand einer persönlich gedachten; es ist noch eine gerechtigkeit in der welt. Lessing 2, 481, noch irgend eine, irgendwo eine, folglich mit stärkerem ausdruck als dem des gewöhnlichen artikels.
6)
nach der partikel nie pflegt mhd. das ein vor dem subst. zu unterbleiben:
nie keiser wart sô rîche, der wolde haben wîp,
im zæme wol ze minne der rîchen küneginne lîp.
Nib. 50, 3;
ich wæn nie ingesinde grœʒer milte ie gepflac.
42, 4;
daʒ was berihtet alsô wol
als ein bette beste sol,
daʒ nie künec beʒʒer gwan.
Iw. 1215;
daʒ ich nie schœner kint gesach.
316;
daʒ nie keiser baʒ gestreit.
Walth. 15, 35;
sô weiʒ ich von wârheit danne,
daʒ nie manne
an liebe baʒ geschach.
110, 11;
nie kristenman gesach sô jæmerlîche schar.
124, 23;
daʒ ich nie wîp mit rede verlôs.
MS. 1, 66ᵃ;
nie ritter wart so tiure.
Otto bart 622;
nie man des wilden waldes vorst
ân akes mac gehouwen.
tr. kr. 118;
ob nie man lëpte mêr denn ich.
188;
nie man sô rëhte wîse wart.
356;
und nicht anders fehlt auch den romanischen sprachen der unbestimmte artikel in derselben lage nach ja und jamais, es heiszt ja rois, ja chevaliers und noch heute jamais roi, jamais chevalier ne fut; jamais homme n'a tant fait; jamais abeille ne m'a piqué. engl. no king, no man, aber not a king, not a man. ein spanisches beispiel:
nunca fuera cavallero de damas tan bien servido,
como fuera Lanzarote, quando de Bretaña vino.
nhd. aber tritt das schleppende ein dazwischen: nie stritt ein kaiser glücklicher, nie ward ein ritter so theuer, nie wurde ein ritter von frauen so wol bedient, nie that ein mann soviel, nie hat mich eine biene gestochen. nur die gefestigte zusammensetzung niemand liesz kein ein in ihre mitte. ausnahmsweise unterdrückt wol auch ein dichter den artikel nach nie im verse. kein und dehein findet sich gewöhnlich schon mhd. nach dem nie beibehalten:
wer roufet mich dâ nie kein hâr
gewuohs inne an mîner hant.
Parz. 1, 26;
daʒ er nie keinen valsch geriet.
tr. kr. 683;
obgleich man es entfernt denken könnte. im vers
si enlihen nie éinen slac.
Iw. 7217
liegt auf einen der stärkere nachdruck des zahlworts. nie kein begegnet oft bei Luther: mit newen stricken, damit nie keine erbeit geschehen ist. richt. 16, 11; es ist nie kein schermesser auf mein heubt komen. 16, 17; ah das ich were umbkomen und mich nie kein auge gesehen hette! Hiob 10, 18; habt ir auch je mangel gehabt? sie sprachen, nie keinen. Luc. 22, 35. dies kein behauptet ganz den sinn von ein.
7)
nach sein, werden oder andern wörtern auf welche der nominativ folgt, kann der artikel ausfallen: er ist könig, wird könig geboren, herscht als könig; sie ist jungfrau, als jungfrau gestorben; sie ist seit gestern braut, er ist jetzt bräutigam; er ist noch kind, das kind ist waise; braut stehn, gevatter stehn (2, 331), wache stehn; zeuge sein; als edelmann geboren, als bettler gestorben; er soll bürgermeister werden, pfarrer geworden sein; er war lange zeit mitglied des raths; sie ist schauspielerin; er ist liebhaber von tobak. dagegen zieht man vor in andern fällen das ein beizusetzen: er ist ein mann, ein redner, ein gelehrter, ein freund des hauses, ein schäfer, ein gärtner, ein schuhmacher; du bist ein bote des friedens, ein kind des todes.
musz! derwisch! derwisch musz?
kein mensch musz müssen, und ein derwisch müste?
Lessing 2, 207;
du bist edelmann, geistlicher! scheint dringlicher, mahnender gesprochen, es fällt stärkeres gewicht auf den gehalt des wortes als wenn ihn der beigefügte artikel verallgemeinert: du bist ein edelmann, ein geistlicher. treten zwei substantiva nebeneinander, so wird der artikel absorbiert: er ist hirte und nachtwächter im dorf; Hans Sachs war schuhmacher und dichter.
8)
fast wie vor jenem edelmann beurtheile man den stehenden oder fehlenden artikel vor volksnamen. es heiszt sowol er ist Engländer, Spanier, Franzose, Jude als er ist ein Engländer u. s. w., französisch läszt sich nur sagen il est Anglais, Français, ohne un, wogegen stehen musz c'est un Français, Anglais, wie nach unserm es ist nothwendig ein Franzose, Engländer, eben weil durch ce und es die vorstellung etwas unpersönliches und allgemeines annimmt. die gewöhnliche nachdrucklose bezeichnung hat immer ich bin ein Hesse, Sachse, Schwab, doch im pl. wir sind Hessen, Sachsen. auch Lessing pflegt überall den artikel vorausgehen zu lassen:
ein Jude wie ein Jude.
2, 270;
dasz Recha eine Christin ist.
294;
dasz sie eine Christin geboren sei.
295;
wer ist sie? eine Christin, die
in meiner kindheit mich gepflegt.
348;
sei keinem Juden, keinem Muselmann
zum trotz ein Christ.
313;
ihr, das weisz ich, seid ein Wallon,
ihr ein Welscher, man hörts am ton.
Schiller 327ᵇ.
oblique casus fordern den artikel wesentlich:
war einer Deutschen nur vermählt.
Lessing 2, 359;
sie nennen sich eine Britin! Schiller 190ᵃ. mhd. beispiele sind unhäufig:
der (gêr) von eime Hiunen zuo im dar ûf geschoʒʒen wart.
Nib. 1954, 3;
er was genant Hartman
und was ein Ouwære.
Iw. 29;
und ist ein Liuhtenburgonois.
Heinr. Trist. 74;
sît ir ein Bêheim oder ein Wint.
Helmbr. 776.
9)
persönliche eigennamen haben oft den bestimmten artikel neben sich, wovon 2, 998—1003 gehandelt wurde, seltner den unbestimmten. ein paar mhd. beispiele liefert Neidhart:
mir schadet Engelbolt
und der meier Mangolt
und ouch ein Durnkart.
Ben. 391.
Durnkart ist Durinchart, könnte also noch einen bezug enthalten auf Thüringen und dem bloszen Durinc nahe kommen, neben welchem volksnamen das ein begreiflich erschiene. die andere stelle lautet:
dar umbe wil si aber
ein Engelmâr vertrîben.
442,
mit verachtendem nebensinn, dieser Engelmâr war vorher schon im lied und in andern verschiedentlich genannt. erhöhenden hat es bei meister Rumelant MSH. 3, 55ᵃ:
wær ich in künsten wîse, alsô Plato was,
ein Aristotiles unde ein meister Ipocras,
Galênus unde ein Socrates, die wîsen.
die darauf folgenden namen stehn unarticuliert. Vor nhd. eigennamen hat ein die bedeutung von talis, herabsetzend oder auch erhebend: dasz unser junge nicht etwa zum duckmäuser wird, zu so einem Weislingen. Göthe 42, 258, vgl.so ein sp. 124;
läuft eine fürstin Eboli gefahr,
umsonst und unerhört zu seufzen?
Schiller 261ᵃ;
o wie viel mehr ist mir zu glauben dann
erlaubt, dasz eine Eboli verleumdet?
280ᵇ;
zu einem Nero und Busiris wirft
er ihren namen.
279ᵃ;
wo der nebenbuhier Gustavs einen Thurn
und einen Arnheim vor sich fand?
342ᵇ;
mir konnt es wenig helfen meines glücks
mich über einen Arnheim zu bedienen.
ebenda.
erhöhend: so lange ein Lottchen in der welt ist, werden ihre liebeserklärungen nicht viel zu bedeuten haben. Gellert 3, 52;
auch mir hat einst von einem Carl geträumt,
dems feurig durch die wangen lief, wenn man
von freiheit sprach.
Schiller 279ᵃ;
der freundschaft arme flamme
füllt eines Posa herz nicht aus,
das schlug der ganzen menschheit
305ᵃ;
das kann ein Lessing nicht geschrieben, ein Göthe nicht gedichtet haben, doch ist vorzuziehen ohne artikel Lessing, Göthe. noch weniger empfiehlt sich der oberdeutsche gebrauch, ohne allen nachdruck bei jeder nennung zu sagen: ein Lessing, ein Göthe, ein Schiller und edler klingt der blosze eigenname, wie ihn Luther überall setzt: Saul hat tausend, David zehntausend erschlagen. von beiden fällen des artikels unterscheidet sich das stärkere ein im sinne irgend ein, ein gewisser: ich habe einen NN, des namens NN gekannt;
ich habe selbst
wol einen Staufen ehedem gekannt,
der Conrad hiesz.
Lessing 2, 287.
10)
für den unbestimmten artikel vor dem vocativ des bloszen substantivums stehen nur einige mhd. beispiele zu gebot.
genâde, ein frouwe Minne, sprich!
MS. 2, 54ᵃ;
genâde, ein küniginne!
Walther 118, 29,
wie der dichter seine geliebte anredet, vielleicht lassen sich noch andere belege dieser formel hinzufügen.
willekomen, Gunther, ein helt ûʒ Burgondelant!
Nib. 2299, 3.
neben subst. und adj. werden die fälle häufiger sein, man sehe hernach unter 15. 16 die fälle des voranstehenden oder folgenden adj., nhd. stellen bieten sich kaum dar:
Jesu Christ, des vaters glanz,
ein liecht der armen heiden! gib.
Ringwald evang. C 2ᵃ.
hier sei angemerkt, dasz in der kanzleisprache ausdrücke wie obrigkeit, rath, amt, gericht, und die fremden magistrat, senat statt des bestimmten den unbestimmten artikel pflegen anzunehmen, vorzüglich wenn ihnen noch adjectiva vorausgehen: ein rath, ein weiser, hochweiser, hochlöblicher rath, eine hohe obrigkeit, eine hohe landesregierung:
gott grüsz mir ein erbern weisen rat,
ein erbern rat nicht alleine,
darzuͦ ein ganze gemeine.
Uhland 10.
an ein eidgnoschaft.
442;
lob und dank mag er sagen
einr ganzen eidgnoschaft.
Körners hist. volksl. 86;
das heiszet uns ein rhat dir klagen.
H. Sachs 5, 254ᵇ;
was hat ein rhat beschlieszen than?
ein rhat der hat geurteilt blosz u. s. w.
275ᵃ.
davon liesze sich auch der vocativ bilden: ein rath! ein amt! s. unter 15. gleich jenem 'eine hohe obrigkeit' scheint auch Göthe zu setzen 'eine christliche gemeinde'. 56, 224. an Kestner 37.
11)
überall geht der hochdeutsche artikel dem subst. voran, kann nie hinter ihm folgen. beispiele des nachgesetzten artikels sind nur in der altn., insgemein zu suffixen geneigten sprache anzutreffen. seitdem ihre prosa dem artikel sich bequemte, durfte sowol einn mađr, ein kona als mađr einn, kona ein gesagt werden, ganz wie im latein quidam vir und vir quidam zulässig ist. Sœm. 170. 183 steht z. b. mađr ein, 170 at firđi einom, 200 einn dag. schwed. und dän. darf man nicht weiter danach suchen, da sich die nachgesetzte einzahl mit dem suffix des bestimmten artikels mischen würde. in Otfrieds stelle IV. 24, 21: wir eigun kuning einan, anderan niheinan steht die einzahl, nicht der artikel. desgleichen II. 4, 98. wenn aber Opitz 1, 156 sagt: bei meiner guten freunde einem, ist dies wieder kein artikel, sondern irgend einem, quodam.
12)
es fragt sich nach ein vor dem substantivisch stehenden infinitiv.
a)
die wirkliche einzahl drückt wahre einheit oder handlung aus: es ist éin thun; es geht in éinem laufen hin; alle äpfel fielen in éinem schütteln nieder; éin steigen und der gipfel war erklommen.
b)
der artikel begleitet die vorstellung von beginn und continuität des zustands, der handlung: mhd.
darzuo was mir ein trûren leit.
Parz. 337, 15;
des begunde ein trûren rüeren
Parzivâl durch triuwe.
821, 22;
dô gieng ëʒ an ein rêren.
Eckenliet 110;
ald ëʒ gât an ein stërben.
137;
daʒ se ein stërben niht vermeit.
Parz. 128, 22;
ëʒ muoʒ nu an ein scheiden gên.
331, 2;
hie huop sich ein strîten.
Iw. 1020;
ein brâten und ein sieden
huop sich in dem gevilde.
tr. kr. 16212;
sich huop dâ michel ringen
unde ein brëhten unde ein toben.
16409.
nhd. herr Müller gieng im scherze
ein wetten mit mir ein.
Opitz 2, 46;
das war ein toben, war ein wüthen.
Göthe 1, 211;
nun gieng es an ein rufen, laufen; an ein scheiden und abschied nehmen; das war ein schreien, ein toben, ein lärmen; das war ein flüstern, zischeln; nun giengs an ein erzählen, an ein fragen, an ein plaudern, an ein küssen; es gieng dahero an ein erzehlen. Pierot 2, 294; ich komme, wenn es an ein tanzen, an ein spielen geht; er blieb nicht aus, wenn ein saufen anhub. mit vorangestelltem adj.: gieng es an ein gewaltiges nöthigen. Felsenburg 1, 124. in oberdeutscher volkssprache auch: das war ein treibens, tobens, springens. es läszt sich dazu auch der bestimmte artikel denken, doch ist der unbestimmte hier ganz an seiner stelle. ahd. würden oft gerundia entsprechen.
c)
vor andern infinitiven verhält sich der artikel wie vor den übrigen substantiven: ein leben, ein essen, ein trinken, ein andenken u. s. w.
13)
sp. 112 wurde davon ausgegangen, dasz seiner natur nach dem zahlwort der pluralis gebreche. wo es aber in die bedeutung von quidam ausschlägt und fast artikelhaft wird, kann er ihm allerdings zustehen, wie ahd. und mhd. beispiele lehren.
las ih iu in alawâr in einên buachon, ih weiʒ wâr.
O. I. 1, 87;
uaptun thâr thie liuti einô brûtlouftî.
II. 8, 3;
ouh zalta in thiu sîn guatî bî einô brûtlouftî.
IV. 6, 15;
was iʒ ouh giwisso fora einên ôstorôn sô.
III. 6, 13;
iʒ ward êr iu, âna wân, zi einên gihugtin gidân.
15, 9;
thaʒ dëta ih bî einên ruachon.
IV. 1, 33;
sô ër thô zi einên duron quam.
18, 5;
thër engel bî einên lîbon sprah thô sâr zên wîbon.
V. 4, 36;
ër was offeno mit tribus pueris in camino ignis (trin chinden in demo ovene des fûris) unde tougeno mit Machabeis (einên wîgmannin). N. ps. 36, 28, d. i. gewissen kriegern. mhd.
eine liute, hieʒen Hêbrêî.
kaiserchr. 11225;
einiu liute, heiʒent Arimaspi.
Diemer 366, 24;
Littouwen eine sint genant.
livl. chr. 325;
zu einen zîten daʒ geschach.
En. (Müll.) 1020;
in einen zîten eʒ geschach.
Flore 147;
ëʒ was in einen zîten, dô vrou Helche erstarp.
Nib. 1083, 1;
ze einen sunewenden.
32, 4;
zeinen pfingesten.
Iw. 33;
zeinen stunden.
3361;
zeinen pfinxten daʒ geschach.
Parz. 281, 18;
zeinen zîten dô ich hie für sie fuor.
460, 4;
dô muose in misselingen
von einen alten schulden.
klage 114;
daʒ wart zeinen êrn getân
froun Cunnewârn der künegîn.
Parz. 336, 28;
sîn rede und ir lachen
was gezilt mit einen sachen.
152, 35;
wan daʒ ich mich einer dinge
sêre bî in beiden scham.
MS. 2, 146ᵇ;
in einen listigen siten.
Nib. 670, 4.
nhd. anwendungen kommen nicht mehr vor, denn zu wörtern, die nur im pl. begegnen, wie eltern, leute, ostern, fügen wir niemals eine.
13b)
bisweilen unterbleibt nach dem artikel das subst., als bekannt vorausgesetzt oder mit euphemismus. beispiele werden unter eins vorgetragen, fälle der auslassung nach artikel und adjectiv folgen gleich unter 14. dem acc. einen bloszen, weiten, braven, gescheiden entspricht der acc. einen lassen, einen fahren, gehen, streichen lassen, emittere crepitum:
das ich zurisz hosen und schuch
und den kopf voller beulen stiesz,
auch oftmals einen faren liesz.
froschmeuseler m 3ᵃ (1, 14).
einen senden, entsenden kann heiszen einen boten, oder auch einen pfeil, wir sandten ihm darauf wieder eine, nemlich kugel. ich hab ihm einen (schlag) versetzt, eine (ohrfeige) gestochen.
14)
unbestimmter artikel vor adjectiven. steht er vor dem bloszen adj., so ist nach dem zusammenhang das subst. leicht hinzuzudenken: ein armer, ein blinder (mann); einan altan, kûmigan. O. III. 4, 5; was wünschest du dir? eine weisze, eine rothe (rose, blume); ein ganzes, halbes (glas); er bekam einen braven, einen tüchtigen (schlag); einen weiten (sprung) geben (sich aus dem staub machen); einen bloszen schlagen oder legen; einen gescheiden (streich) machen und ähnliche ellipsen mehr. Bemerkenswerth ist das, meistens mit voller flexion, substantivisch gesetzte neutrum: er fordert ein weniges, ein vieles; ich wollte zwar ein vieles zu ihrer defension anführen, allein wer weisz ob mit meiner treuherzigkeit dank zu verdienen sei. Felsenburg vorrede; es mangelt noch ein beträchtliches, ansehnliches; fehlt nur ein unbedeutendes; er hatte ein erkleckliches, unglaubliches zu zahlen; verliebte ich mich nicht ein kleines in ihre absonderliche eigenschaften. Jucundissimus 212; es geschah ein groszes; es macht ein ganzes aus; es liesze sich noch ein mehreres beibringen; das ist ein anderes; so findet man mehrere stellen, welche auf ein talkartiges hindeuten ... an den ablösungen läszt sich ein glänzendes, festes beobachten, das man für nephritisch ansprechen möchte. Göthe 51, 12; ein rhombisch tafelartiges. 51, 49. hier dürfte für ein oft auch etwas gesetzt werden.
15)
schon in der älteren sprache erscheinen hin und wieder adj. und subst. zusammen nach dem ein. ein armaʒ wîb. O. II. 14, 84; samo sô iʒ ein ruclih toum wâre, velut fumidae caligationis incredibilis haberetur aura. N. Cap. 19; doch unterbleibt auch der artikel, z. b. ûfan hôhaʒ kërzstal. O. II. 17, 18. viel häufiger mhd.
ein wîʒer prunno pî Rôme
springit vili scône.
merigarto 126;
ëʒ wuohs in Burgonden ein schœne magedîn.
Nib. 2, 1;
Kriemhilt was si geheiʒen und was ein schœne wîp.
2, 3;
rëhte alsam ein schellec hase.
Parz. 1, 19;
wie stæte ist ein dünneʒ îs?
3, 8;
dâ füere ein langeʒ mære mite.
3, 27;
daʒ ist ein fremdiu zëche.
5, 21;
ir was sîn kraft ein ganzeʒ her.
131, 20;
ër mac gotes rîter gërner wësen
dann ein betrogener klôsterman.
Greg. 1363.
aufmerksamkeit verdienen die fälle des vocativs:
sinc, ein guldîn huon! ich gibe dir weiʒe.
Neidhart 40, 1;
ein elbische ungehiure!
sprach si, dû sîst verwâʒen.
GA. 3, 75;
trœst, ein süeʒe minne, mich,
sît ich hëlfe suoche an dich!
MS. 1, 198ᵇ;
ach genâde, ein sælic wîp,
ach genâde, ein küneginne!
ach genâde, ein süeʒe frowe mîn,
ach genâde, ein süeʒer lîp!
1, 201ᵃ;
daʒ bedenke, ein schœneʒ wîp!
2, 183ᵇ;
lache, ein rôsevarwer munt!
1, 10ᵇ;
ich sach iuch ein âbenttückelîn begân,
ein tumber gouch! daʒ ist noch ungerochen.
1, 81ᵃ. MF. 309
(wo das ein weggeworfen wird).
nu swîget, eine hübsche maget!
Uhland 127.
nicht selten nimmt aber auch der artikel die mitte zwischen adj. und subst. ein:
ouwê wie süeʒe ein arebeit!
Walth. 119, 24;
getriwe und ellenhaft ein man
was Keie.
Parz. 296, 22;
sô wær er küen ein man.
Nib. 1993, 3 C;
sô rëhte süeʒen einen leich.
Trist. 13325;
wol zebliuwen ein man.
Brit. 12449;
offenbar ein vîent.
MS. 2, 228;
noch mehr belege wurden gramm. 4, 417 gesammelt. sichtbar gleicht diese construction der englischen good a man, great a land oder der schwedischen und dänischen. gramm. 4, 435. heutzutage gehn wir ihrer verlustig. doch vgl. manch ein, solch ein unter 21. nhd. überall: ein alter mann, ein volles masz, ein schwerer traum, ein gutes herz, ein ganzes heer; eines zarten kindes, eines schnellen laufes; einem vollen glase, einem rothen tuche; einen guten abend, eine kleine geduld, eine schöne frau;
zu nacht trieb mich die fantasei
in ein schwere melancholei.
H. Sachs I, 417ᵇ;
kluge schönheit, nimm die busze
eines armen sünders an.
Günther 934;
für was drein geht und nicht drein geht
ein prächtig wort zu diensten steht.
Göthe 12, 96;
es erben sich gesetz und rechte
wie eine ewge krankheit fort.
12, 97;
doch zu verjüngen gibts auch ein natürlich mittel,
allein es steht in einem andern buch
und ist ein wunderlich capitel.
12, 120;
mein vater hinterliesz ein hübsch vermögen.
12, 162;
ihr habt ein schön geläute, meister hirt.
Schiller 517ᵃ;
ein unvernünftges vieh.
daselbst;
ein schweres ungewitter ist
im anzug.
517ᵇ.
beispiele des vocativs mangeln, sie müsten sich denn noch in den anreden: ein hochlöbliches amt! ein hochweiser rath! finden. schweizerisch steht für ein noch eis, es d. i. eins: es artigs chindli, es liebes chindli, vgl. oben sp. 113. Zu bemerken ist weiter, dasz unsre heutige prosa wie den bestimmten so auch den unbestimmten artikel von dem dazu gehörigen adjectiv und substantiv durch andere zwischeneintretende wörter zu trennen vermag. es heiszt: ein uns allen theurer freund kehrte gestern zurück; das ist eine noch von vielen umständen abhängige voraussetzung; so war das benehmen eines an herz und geist armen menschen. zumal bei participien: ein den gerechtesten ansprüchen widerstand leistender gegner; eine den wünschen aller leute genau entsprechende wahl; ein von jedem einwohner der stadt heisz ersehnter tag; ein mit ausgesuchten blumen geschmücktes beet; er lagerte sich an einer dem nahen berg entsprudelnden quelle; in einer unaufhörlich bewegten zeit. der schrift eines anatomen entnehme ich folgende schilderung: die brustdrüse war in eine rundliche, mehr als kindeskopf grosze, sehr bewegliche, flachknotige masse verwandelt, über welche eine nicht mehr in falten legbare, bläulich gefärbte haut verlief. fügungen, die früher unmöglich gewesen wären, wie sie es noch den meisten übrigen sprachen sind, heute aber uns gar nicht mehr auffallen.
16)
das adj. bekommt die hinterstelle: ahd.
ein man fruatêr.
O. II. 12, 1;
ein man altêr.
I. 15, 1.
mhd. der hât in sîner zësewen hant
ein swërt parʒ (bares, bloszes).
Diemer 74, 29;
ëʒ moht ein hërze trûrigeʒ freude lêren.
Gudr. 1309, 4;
ûf einen bërc hôhen.
fundgr. 154, 37;
an eine wise lange.
MS. 2, 55ᵇ;
eine tohter guote (bonam).
Mar. 158, 26;
eine stimme grimme.
Wigal. 2042;
und wiederum auch im vocativ:
nu wache, ein ritter hôchgemuot!
MS. 1, 90ᵇ.
wie schon mhd. das adj. seltner nachtritt als vorangeht, werden sich für jenes nhd. wenig stellen darbieten. ein geistliches lied beginnt:
ich weisz mir ein blümlein hübsch und fein;
und Luther singt
von einer jungfrau rein und zart;
auch Platen setzt einigemal das adj. nach, immer ohne flexion. wenn wir sagen eine mark fein, ein gulden rheinisch, eine mark lübisch, so ist hier das wirkliche zahlwort, nicht der artikel gemeint.
17)
mehrere adjective nebeneinander: mhd.
ein edeliu schœne frowe.
Walth. 46, 10;
ein stark küener man.
klage 202;
ein grâ wîse man.
Parz. 127, 21;
ein strenge scharpf gerich.
330, 10;
ein reine sælec wîp.
MS. 1, 84ᵃ.
nachgesetzt:
ein messe schœne unde lanc.
Amis 1464.
das subst. in die mitte genommen:
ein grâwer priester alt.
Parz. 435, 26;
ein snëller helt guot.
Nib. 2210, 2;
ein trüebeʒ wolken unde dic.
a. Heinr. 155;
ein ragendeʒ hâr ruoʒvar.
Iw. 433;
alsam ein grîsiu tûbe grâ.
tr. kr. 10739;
ein schœniu frouwe guot.
Ben. 390;
ein ziere wâfen breit.
Nib. 896, 1,
wo die flexion dem ersten adj. bleibt, dem zweiten entgeht. diesen günstigen wortstellungen lassen sich keine nhd. an die seite setzen:
auf einem klar, glaslautern stram.
H. Sachs I, 417ᵇ;
wir pflegen heute zu sagen: ein grauer, alter priester, eine greise, graue taube, eine schöne gute frau; nachgesetzt: ein priester grau und alt, eine taube greis und grau.
18)
beiderlei artikel zusammen: mhd.
ein daʒ schœnste gras.
Iw. 334;
einen den liebesten man.
1315;
einen den küenisten man.
Bit. 7746
ein der schœnest man.
Wigal. 995;
ein der tiurste man.
3721;
ein diu hœhste tugent.
MS. 2, 175ᵇ;
ein daʒ beste wort.
2, 142ᵇ;
ër hieʒ werben eine die besten von den rîchen.
Gudr. 8, 3;
ein die allerschœnste frouwe.
Altswert 22, 26.
nhd. erloschen, wir müssen adj. und subst. in den gen. pl. oder mit der praeposition setzen: eine der schönsten frauen, eine von den schönsten frauen, einer der schönsten männer, eins der besten worte u. s. w.
19)
unbestimmter artikel und possessivum: mhd.
Owisburg ist nâ imi geheiʒan,
die stifte ein sîn stiefsun.
Anne 483;
er sach einen sînen mâc gevallen in daʒ bluot.
Nib. 1953, 2;
daz sande im ein sîn friundin.
Parz. 12, 11;
dô solt ouch dâ bereite sîn
zer mësse ein sîn kappelân.
37, 7;
ein dîn fürste Turkentâls.
128, 8;
den (denen) kumt ein mîn gast ze hûs.
143, 24;
ich fuor dâ hër durch ein sîn lant.
328, 18;
daʒ ein sîn hëlfære
in ir lande wœre.
665, 27;
sus seite jëner Tristande,
ein sîn lantman wære dâ.
Trist. 100, 14;
ich gæbe ê doch ze wâre
ein mîn lit von mîner hant.
370, 29;
ër und ein sîn dienestman.
Wigal. 220, 31;
ër fuorte ein sîne tohter.
Flore 428;
mir half ein iuwer lantman.
g. frau 1225;
sô sprichet ein sîn nâhgebûr.
MF. 29, 23;
dâ von sprach meister Ovidius
in einem sînem buoche alsus.
Renn. 11449;
uns schrîbet meister Virgilius
in einem sînem buoche alsus.
17334;
(in) einer sîner houbetstat.
tr. kr. 44121.
nhd. beispiele zeigen sich noch hin und wieder: und ist dieses practiciert worden durch einen seinen fürnehmsten rath. Melanchthon 9, 859; in einem ihrem wundöl. Würtz pract. 52; da aber herzog Boleslaf diesen Suentipolk als einen seinen unterthanen achtete. Micrälius 2, 227. doch auch diese gefüge ausdrucksweise geben wir jetzt mit dem gen. pl. einer seiner stiefsöhne, eine seiner freundinnen, wiewol ungenau, da der sg. und das poss. nicht nothwendig auf mehrere schlieszen lassen. Fleming s. 415 dichtete 'auf eines seiner besten freunde geburtstag', aber in etwas verschiednem sinn gestattet er sich auch s. 414 zu sagen 'auf eines seinen namenstag', hier wird sein auf den besungnen, dort auf den besingenden bezüglich.
20)
ein vor zahlen bei namhaftmachung oder bestimmung einer grösze und vielheit: das kann leicht noch ein drei oder vier jahre dauern; es musz noch ein vierzehen tage anstehen; es mag leicht ein zehen thaler mehr kosten, ein fünf thaler weniger eintragen; wir wollen immer noch ein acht tage damit warten; der kurfürst zu Sachsen hat für sein land und leute an zwenzig juristen genug, dargegen musz er wol ein achtzehenhundert pfarherrn haben. Luthers tischreden 1, 14; da hab ich ein vierzig rechte Appenzeller ochsen zusammengekauft. Göthe 11, 11; ein achtelscentner dieses schwerspaths habe ich aufgepackt. 27, 175; dieser redegebrauch mahnt an den sp. 114 erörterten und es scheint beinahe gleichviel zu sagen ein jahr oder drei warten und ein drei jahre warten. dort aber zählt das ein, hier ist es bloszer artikel, dort folgt hinter dem ein das subst., hier folgt die zahl, dort ist das oder unentbehrlich, hier kann es auch fehlen. man pflegt auch dem mehr und minder den artikel vorausgehn zu lassen: es ist ein mehr von zwanzig gegen zwölf, ein minder von fünf gegen sieben. sagen liesze sich vielleicht, dasz durch das ein ausgedrückt werde ungefähre annäherung an die gemeinte zahl oder erreichung derselben: es soll noch ein acht tage damit anstehen; es kommt auf ein zehen thaler nicht an, d. h. ungefähr acht tage, auf ungefähr zehen thaler, nicht darüber hinaus; er musz nun wol ein neunzehen bis zwanzig jahre alt sein, d. i. gegen neunzehn oder zwanzig; wärest du doch ein zwei stunden früher gekommen. Adelung schreibt hier 'eine', was als pl. zu fassen wäre und dem 'einige' nahe stünde (s. einig 7), doch ist wenigstens der heutige sprachgebrauch entschieden für 'ein': ein eimer zwanzig wein. Schiller 131ᵃ;
gute freunde ziehen fort
wol ein hundert meilen.
Göthe 1, 135;
das reich ist, trotz ein vierzig landfrieden, noch immer eine mördergrube. 8, 39; doch kann ich heimlich ein zwanzig reiter zu euch stoszen lassen. 8, 86; laszt ein funfzig ausrücken bis an die müle. 8, 94;
und klapperte sie (die thür) ein hundert jahr,
ich riegelte sie nicht zu.
47, 84.
21)
näher in betracht kommt die verknüpfung des ein mit andern pronominen. es ist sehr üblich zu setzen 'ein jeder' statt des bloszen, ganz dasselbe aussagenden jeder, 'eines jeden' statt jedes, 'einem jeden' statt jedem, 'einen jeden' statt jeden und wir sehen im gen. und dat. die schwache flexion davon abhängen, denn im nom. jeder steckt das ursprüngliche -er von iegeweder, nicht die starke form. auf diesen unorganischen, mhd. noch unbekannten sprachgebrauch mag das lat. unusquisque einflusz gehabt haben, in welchem aber unus das lebhafte pronomen, kein lebloser artikel ist; vielleicht trug auch ein fehlerhaftes franz. 'un chacun' für chacun, in dessen schlusz bereits un enthalten ist, zur verbreitung unseres ein jeder bei. schon Luther schreibt: also treiben sie gewalt mit eins jedem hause und eins jedem erbe. Micha 2, 2, wo er doch jedem auf hause und erbe zieht, nicht auf eins; Matth. 25, 15 dagegen: einem jedern nach seinem vermögen. späterhin hat der ausdruck feste wurzel: ein jedweder von euch. Opitz geistl. lieder s. 251;
so liesz ihn an dem flusz
ein ieder, samt dem kus.
Fleming 403;
ein ieder traue seinem sinne,
wer Amor sei, und wie und was.
515;
lieb haben (steht) eim jedern frei.
lust. gesellsch. 1657 s. 49;
ein jeder, der dies wunder liest,
zieh sich daraus die gute lehre.
Gellert 1, 61;
ein jeder, der mich kennt,
spricht: welcher sonderling!
Lessing 1, 45;
ich freute mich bei einem jeden schritte
der neuen blume die voll tropfen hieng.
Göthe 1, 3.
weit öfter begegnet freilich bei diesem dichter das ungefesselte jeder:
doch ist es jedem eingeboren.
12, 60;
das ist der ewige gesang,
der jedem an die ohren klingt,
den, unser ganzes leben lang,
uns heiser jede stunde singt.
12, 80;
dem volke hier wird jeder tag ein fest,
mit wenig witz und viel behagen
dreht jeder sich im engen zirkeltanz
wie junge katzen mit dem schwanz.
107.
wenig wörter sind in unserer sprache, der form und dem gebrauch nach, so mishandelt worden wie das wort jeder. Gleiche construction widerfuhr, doch schon früher, durch vorgeschobnen artikel den pronominen jedermann und jeglicher:
mhd. eim iegelîchen man.
Iw. 2491;
nu jach des ein iegelîch man.
3371.
nhd. also sol man thun einem jederman, der seins bruders haus nicht erbawen wil. 5 Mos. 25, 9; er gab den weinberg den hütern, das ein iglicher fur seine früchte brechte tausent silberlinge. hohelied 8, 11; und der mensch gab einem iglichen vieh seinen namen. 1 Mos. 2, 20; und alles was auf erden kreucht, das gieng aus dem kasten, ein iglichs zu seines gleichen. 8, 19 und zahllose mal. ein jedermann. Opitz geistl. lieder s. 96. auch Keisersberg omeis 11ᵃ: ein groszmütige seel, die mag under einer ieglicher hut verborgen sein, gotgeb wie die hut ist, sie sei weisz oder schwarz, doch unarticuliert 12ᶜ: da ward Antonio fürbracht ein besessener mensch, der was gebunden, wann er iedermann fressen wolt und ball wie ein hund; und so in viel andern stellen. die nl. bibel hat ebenfalls: gaf enen iegelicken vee zijnen naem; gink ut der arken, een iegelic tot zijns ghelijken u. s. w. Ebenso schleppend, obgleich selten, tritt dieser artikel vor mancher: ein mancher fauler tagdiebe würde nicht gern einmal ein bein aufgehebt haben. Simpl. K. 720;
doch dasz ein mancher sich noch mehrers unterwind.
733;
beidemal in später zugesetzten stellen. es scheint schwäbisch, weil auch Mörike dichtet:
da ward vieles gelacht und gekost, da schlang sich ein mancher
arm um einen geschmeidigen leib und rauscht es von küssen.
idylle vom Bodensee s. 43.
besser klingt mit dem ein dazwischen manch ein arm, manch ein liebliches kind; engl. many a man. s. unter 15. das allgemein gangbare ein solcher, solch ein scheint dem franz. un tel abgesehn: ein solcher mann wurde noch nicht geboren; solch ein fund ist unbezahlbar; einen solchen freund hast du noch nicht gehabt; einem solchen abenteuer bist du nicht begegnet; ein sollich schwarz omeiszlein. Keisersb. omeis 14ᵃ; wisset ir nicht, das ein solcher man, wie ich bin, erraten künde? 1 Mos. 44, 15; ir solt aber ein solch lamb nemen, da kein feil an ist. 2 Mos. 12, 5; wer ein solchs macht oder einem andern davon gibt, der sol von seinem volk ausgerottet werden. 30, 33; und ob ein solch as fiel auf samen den man geseet hat, so ist er doch rein. 3, 11, 37. das solch ohne artikel überwiegt aber bei Luther. in denselben stellen findet sich nl. een sulk man, een sulk lam, een sulke, een sulk aes. solch ein mann, solch ein glück entspricht wieder dem engl. such a man, such a fortune. gleichviel mit ein solich ist ein semlich omeiszlein, ein semlicher mensch. Keisersberg omeis 15ᵃ. welch ein glück, welch ein unglück! qualis. ein so groszer mann! umstellbar in so ein groszer mann!
herr doctor, das ist schön von euch,
dasz ihr uns heute nicht verschmäht,
und unter dieses volksgedräng,
als ein so hochgelahrter, geht.
Göthe 12, 55;
so ein bramarbas und eisenfresser.
Schiller 325ᵇ.
was für ein, ausrufend oder fragend, kann die stelle von welch ein vertreten, wie schon sp. 125 gesagt ist,
was wird es für ein trünklein sein?
H. Sachs I, 466ᵈ;
der schöne lange mensch! was für ein fein gesicht,
und was für augen hat er nicht!
Gellert 1, 199;
die gräfin? was für eine gräfin? Lessing 2, 162;
eh ich einmal weisz,
was für ein Staufen euer vater denn
gewesen ist!
2, 287;
was für ein landsmann bist du jäger?
Schiller 327ᵇ;
was ist das für ein lärmen,
als wenn die bienen schwärmen?
heiszt es aber blosz so einer, solch einer, welch einer, was für einer, ohne substantivum, so ist einer mehr als artikel, das vollere pronomen. Noch andere pronominalbegriffe, indem sie substantivisch werden, selbst adverbia und phrasen nehmen den unbestimmten artikel an: ein etwas, ein unaussprechliches etwas nahm mich ein; ein etwas. Brockes 2, 70; ein grün verwirrtes etwas. 2, 294; ein ich weisz nicht was 1, 101 nach dem franz. un je ne sais quoi;
ein unaussprechlich süsz ich weisz nicht was.
Brockes 2, 39;
ein angenehm ich weisz nicht was.
5, 63;
und lasz ihm von den charitinnen
ihr reitzend ein ich weisz nicht was
in alle wort und mienen rinnen,
denn schönheit ohne dies ist glas.
Günther 238;
wenn man ein das ist wahr gesagt.
Brockes 2, 294.
ich habe es ein paar mal wiederholt; ein drei, viermal sagen müssen; ein etlich mahl beklagt. Ringwald laut. warh. 65; ein etlich mundvoll. 66.
22)
endlich sei hier noch der kürzung des unbestimmten artikels gedacht. wie das engl. one als artikel die gestalt a annimmt, war es natürlich dasz auch unser im artikel seines tons verlustige ein weiteren verdünnungen unterlag. so macht die bairische volksprache aus ain, aines, ainer, ainem, ainen unbetontes en oder e, es, er, em, en, worüber Schmellers mundarten §. 769 nachzusehen sind, den schweizerischen brauch gibt Stalder landesspr. s. 89. 90. 91 an, zu Bern hört man ne maa, ne dochter, nes chind für ein mann, eine tochter, ein kind. die mhd. dichter gestatten keinerlei kürzung des ein, im vorigen jh. hat Klopstock sie einzuführen gesucht und selbst in feierlicher ode nes, ner, nem, nen für eines, einer, einem, einen gebraucht:
und so machten sie ihn zunem gott.
2, 156;
ich wär die schuldige, folgt ich,
gleich ner sklavin, ihr nach.
7, 5;
denkt euch den kupferstich von einem gemählde, der ähnlich
wäre ner gallischen dolmetschung aus dem dichter Achäas.
7, 320;
macht ihr im staat die vernunft zuner göttin, so helfe der arzt euch,
wenn er dies schwere vermag, wieder zu der vernunft.
7, 324;
auch in der gelehrtenrepublik und in den grdmmatischen gesprächen liest man einigemal ne für eine. in zunem gott, zuner göttin scheint er das geringfügige durch die kürzung auszudrücken. doch folgten Klopstocks beispiele kaum andere, selbst Voss und Bürger nicht.
die stellen klug, wo sie zur weide gehn,
ne vorhut aus.
Schiller 517ᵃ.
der niederdeutschen volksprache sind diese n, ne, nes, ner, nem ganz geläufig, s. son, ↗sonne sp. 124 und noch stärker ist die gänzliche weglassung des ein in mal für einmal (s. dieses wort). ähnlich ist das neapol. na vota für una volta, etwas anderes aber die kürzung des eineme in eime (sp. 113) und die des bestimmten artikels in am, zum, beim, im für an dem, zu dem, bei dem, in dem, gerade diese althergebrachte verengung scheint der des ein hinderlich, obschon sich zum und beim von zunem, beinem unterschieden, unterm, hinterm von unternem, hinternem.
ein, so
Fundstelle: Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 299, Z. 75
talis? taliter? sp. 123. 124 wurde so ein, so einer, nd. son in dieser bedeutung aufgeführt, die östreichische volksprache hat ein so, ein so ein und, weil a, an für ein steht, aso, die bairische aiso und näselnd aeso, aenso (Schm. 3, 182. 183), die schweizerische eso, aso (Tobler 172ᵇ), auch die thüringische, fränkische esó, gleichsam verstärktes so, taliter Schmeller findet den ausdruck schwer zu deuten und führt ihn auf also zurück, wogegen doch jenes aenso und die folgenden formen streiten: ein so ein geistlicher herr, wie ich bin, wird noch um ein zwairing glaubn vermeritirn. Schwabe tintenfasz s. 54; aber itze weis ich ihm dfeign, weil er ein so ist. s. 75. freilich erscheint es daneben auch für taliter: ich hab die frau hebamm um rath gfragt, weil mir nur seit dem erchtag, wie ich bin vom kindtaufsstritzl haim kumen, als woselbst die gehrtist junfer auch präsent gwesn, ein so ist. s. 56; dies nit mit der zumpft (zunft) halten wölln und nur ein so in der stille haimlich ins handwerk pfuschen, wie die pönhasn. s. 67; die sich ein so vermaschkerirt habn, dasz mer gmaint, sei einer mit gueten starken wadeln versechn. s. 103. es läszt sich nicht bezweifeln, dasz man es hier für also nahm, wie auch das persönliche ein so ausgelegt werden könnte ein solcher, ein also beschaffener. Schmeller 183 bringt 'ain sölch ainer' bei, was jenem 'ein so ein' ganz nahe tritt. das engl. such ist nicht nur talis, sondern auch taliter, tali modo.
ein n
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 139, Z. 72
res unica, ens, natura, wesen: den trôst gotes in die sêle drücken, daʒ si komen müge in ir einigeʒ ein. Eckhart 396, 37;
kein mensch mir helfen mag auf erden,
nur du allein, du bist mein einiges ein.
Ambraser lb. s. 270;
ein recht verdrieszlich greises ein.
Brockes 2, 430;
ein solches lust und wechselloses ein.
3, 672;
ieder für sein einzigs ein.
4, 98;
ich halte dich, mein einig ein.
G. Arnold geistl. liebesfunken 1698. 209.
Zitationshilfe
„ein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ein>, abgerufen am 16.09.2019.

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