ehrenmann m
Fundstelle: Lfg. 1 (1859), Bd. III (1862), Sp. 62, Z. 76
vir bonus, probus, honestus, biedermann, könnte, da es der früheren sprache abzugehn scheint, im ahd. heriman, mhd. hereman gesucht werden, das nicht àllein den krieger, sondern den freien mann überhaupt bezeichnete (R. A. 292. 293), ja selbst irman, irmin käme in betracht, und hariman wäre schon im höchsten alterthum mögliche verderbnis aus irman, armin, wie hêreandi aus êrênti (vorhin sp. 58). die untersuchung gehört aber anderswohin; dasz auch die spätere sprache solchen lautstörungen geneigt blieb, sahen wir in ehrenhold. allerdings bedürfte ehrenmann dieses deuteversuchs nicht, denn es folgt von selbst aus der vorstellung eines ehrenhaften, ehrenwerthen mannes, dem alle ehre zusteht, und kaum würde zweifel daran sein, fände sich ahd. man êrôno (wie comman adales) oder mhd. man der êren. die ältesten belege für ehrenmann stammen aus der Schweiz:
eer sig gott vorusz und in ewigkeit,
der mich erst versehen hat
mit eim sölchen eerenman.
fastn. sp. 890, 4;
nit lang darnach zugen Züricher und fünf ort wider einander, do es den ouch übel ergieng, dan es kam do mancher redlich eerenman umb, under andren ouch der Zwingli. Plater 77; hette ich üch gfolget, so wer ich ein eerenman worden, nit weisz ich schier, wie ich bin. 83; auf ein zeit war ein edelman, ein eerenman. Pauli sch. u. ernst 1522 cap. 6. 1555 cap. 356; sicher mangelt das wort nicht bei Keisersberg, Luther scheint es aber nicht zu brauchen. Maaler 97ᵈ erklärt eerenmann, der ein eerenampt hat. Adelung bildete sich ein, das wort gelte nur scherzweise, wie im leichencarmen bei Hagedorn 3, 114:
seht, seht auf unsern ehrenmann,
den wir so schön begraben;
wer sonst kein beispiel haben kann,
wird es an diesem haben,
als ob nicht auch lateinisch vir bonus ironisch stehen könnte. neuere schriftsteller verwenden ehrenmann sowol in eigentlichem sinn als ironisch:
der ist kein tapfrer, kein ehrenmann,
der den gebieter läszt verachten.
Schiller 491ᵃ;
alle sind wir ehrenmänner,
alle trinken wir!
Voss 4, 251;
mein vater war ein dunkler ehrenmann,
der über die natur und ihre heilgen kreise
in redlichkeit, jedoch auf seine weise
mit grillenhafter mühe sann.
Göthe 12, 58;
was hat unser ehrenmann denn nur gethan? 59, 266; ehrenmänner und wackre rittersleute. Fr. Müller 3, 38. s.ehrenleute, ↗ehrenmensch.
Zitationshilfe
„ehrenmann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ehrenmann>, abgerufen am 22.05.2019.

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