dichterei f
Fundstelle: Lfg. 5 (1857), Bd. II (1860), Sp. 1065, Z. 57
ausübung der dichtkunst und die dichtung selbst. man hat auch wol geringschätzung beider damit ausgedrückt. Luther gebraucht es noch in der alten bedeutung von erdichtung. 1. gar nichts zur sachen dient und vergebliche dichterei ist Luthers Briefe 3, 362. 5, 122. ich will meiner tichterei ursach anzeigen, damit jedermann greife ob ichs recht ertichtet habe, oder ob der meuchler recht sage Luther 5, 304ᵇ. 2. noch unglückseliger achtet sich Irenian, dasz er unwürdig eurer schönsten dichtereien inhalt worden S. v. Birken Margenis 50. dichterei als gleichbedeutend mit dichtung führt Stieler 297 an. da vor der reinen dichterei die deutsche sprache noch in den hülsen der unvollkommenheit lag Chr. Knittel Poetische sinnenfrüchte (Colberg 1677) vorr. und s. 5.
und aller dichterei auf ewig abzusagen
Canitz.
dasz meine dichterei dem reim noch dienstbar ist.
Hagedorn 1, 85.
drum send ich dir die zeilen
die meine dichterei zu deiner lust entwarf
2, 96.
da das licht der philosophie die heiligen schatten der dichterei vertrieben Herder 2, 28. ich lege jetzt einige meiner dichtereien wieder bei ders. in Mercks briefs. 1, 18. in der that ist der fortschritt, welchen unsere sprache und dichterei gemacht hat, ein riesenschritt Wieland 26, 314. ihm habe ich sie (die jugend) zur dichterei gemacht Klinger 5, 158. nun erfuhr ich was eigentlich wahre dichterei sein und sagen will 9, 16. nur halbe menschen taugen nichts, nur ihnen gelingt nichts. bei mir würde ein wenig dichterei den weltmann verderben, bei dir etwas vom weltmann den dichter 9, 69. ihr (staatsmänner) möchtet gern aller dichterei ein ende machen 9, 109. wenn die wahre dichterei ein beweis von höherer moralität in dem menschen ist, so ist es die veredelte liebe zwischen den geschlechtern auch. aber ist nicht auch die liebe dichterei? 11, 119. 151. Göthe und Schiller gebrauchen das wort nicht, aber Platen hat es wieder aufgenommen,
immer war ich hold den dichtern und der holden dichterei.
283.
Zitationshilfe
„dichterei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/dichterei>, abgerufen am 13.11.2019.

Weitere Informationen …