denn
Fundstelle: Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 945, Z. 26
bei dann ist bemerkt dasz die unterscheidung beider formen erst in der mitte des 18ten jahrhunderts sich festgesetzt hat, auch noch in unserer zeit nicht überall streng durchgeführt wird. wie die vorragenden schriftsteller des 15ten, 16ten und 17ten jahrhunderts dann gebrauchen ist dort nachgewiesen, hier beispiele aus ihnen von denn. In der Theologia deutsch für tum. sich, was etwan hie ist und denne da, das ist nit an allen enden 60. bei Keisersberg für tum, aber thätest du eins und schribest es an einen brief uf ein zedel, so möchtest du es darnach nit leugnen, denn so wurdest du wol sehen ob ich dir antwurten künte Sünden des munds 9ᵃ. und ob ir euch also damit hetten verschuldet, das ir es denn beichtent 27ᵃ. und wann sie lang umbher sagen, so wenden denn sie den kopf dorthin umbhin und sagen also und also 29ᵃ. als denn groszen herren geschicht von den hofleckern die sie loben, 'auf mein eid, herr, ir haben im recht gethon', so. wänt er denn es sei also 31ᵇ. und gedenkt ein solicher guͦter mensch, so man dir solichs nachsagt und lügt uf dich, was wolte man denn thun, so es war wär 33ᵃ. für quam, nit anders den wie ein wolf der under die schaf kumpt 48ᵇ. für nisi, an denen ist zu verzweiflen das sie von sünden nit stont, got thü denn inen sunderlich gnad 48ᵇ. also sol der mund nimmer uf gon, es gieng den etwas grosz hernach 50ᵃ. verheisz nit du wellest oder mögest den es halten 65. für das unbestimmte also, er fragt in weiter ob es auch also ein feine lustige stat wer im himmelreich, als man denn davon sagt 24. du weist das ein person unrecht thuͦt. und du thuͦst eins und sagst es zu einem fründ, der selben person zuͦ irem vettern, öhem oder mümlein, wie es denn ist 26ᵇ. ist er denn vernünftig, so zücht er die pfeiff in den sack 28ᵇ. bei der frage, als in gott der herr fragt 'wa ist Abel dein bruͦder'. er antwurt 'ich weisz es nit, bin ich denn ein hüter meines bruͦders?' 25ᵇ. in den Fastnachtspielen für auszer dasz,
so het er freis gemüts genunk,
denn das er ein wenig zu leppisch ist
737, 2.
bei Luther, der niemals dann zuläszt, steht denn für nam enim so häufig, dasz beispiele nicht nöthig sind, für quam nur einige, meine sünde ist gröszer denn das sie mir vergeben werden müge 1 Mos. 4, 13. es möchten vielleicht fünf weniger denn funfzig gerechten drinnen sein 18, 28. wolan, wir wollen dich bas plagen denn jene 19, 9. und hatte Rahel lieber denn Lea 29, 30. häufig ehe denn prius quam. ebenso für nisi, z. b. solche zuversicht aber und frölich herz kan nirgend herkomen denn es wisse da im die sünden vergeben sein Luther 4, 419ᵇ. dazu hab ichs nicht gehöret denn heute 1 Mos. 21, 26. und wie wir dir nichts denn alles guts gethan haben 26, 29. ich las dich nicht, du segnest mich denn 32, 26. dis volk redet von nichts denn von bund Jesa. 8, 12. für tum, darumb heiszt gott ein nothelfer das er denn hilft, wenn alle ding verzweivelt und unmüglich sind Luther 3, 214. da widersage ich jetzt als denn, und denn als jetzt 3, 509ᵇ. wie sich Israel und Juda denn an Aegypten, denn an Syrien, denn an Babylon hängten 5, 509. wenn du denn wirst hören das rauschen oben auf den maulberbewmen einher gehen, so far eraus zum streit 1 Chron. 15, 15. und also werden denn alle die übrigen aus Juda, so in Egyptenland gezogen waren, das sie daselbs herbergten, erfaren, wes wort war worden sei, meines oder ires Jerem. 44, 28. só kommen denn die Römer und nehmen uns land und leute Joh. 11, 48. vergl. alsdenn. Bei Hans Sachs für nam, enim.
da hielt man mich in ehr und acht,
denn ich bracht opferpfenning vil
1, 411ᵃ.
denn müssen wir erst spinnen lehren,
wie wirt das sein so gut zu lachen
1, 361ᵃ.
für quam,
viel mehr an dem gehorsam glegen
denn am opfer warhaftigklich
1, 13ᵃ.
oder zu spilen in dem bret
wär lieber mir denn das gebet
1, 18ᵃ.
der muter ich vil lieber bin
denn er
1, 19ᵈ.
die (liebe) erfrewt höher meinen mut
denn so ich hett des keisers gut
4. 3, 6ᵃ.
und solt keim andern beichten gar
denn unserm caplan hinderm altar
4. 3, 8ᶜ.
für nemlich,
Adam geh ausz, wie dir denn got
so streng sambt deinem weib gebot
1, 9ᵃ.
weils denn got also haben wil
1, 9ᶜ.
allda sie denn gebar on schaden
1, 114ᵇ.
da denn liegt unser leer weinfasz
4. 3, 2ᶜ.
bei fragen,
wo ist denn unser sun Cain?
1, 11ᶜ.
ei reicht ir denn an disem end
unserm hergot die linken hend?
1, 13ᵈ.
was heiszt denn die heilig gemein?
1, 16ᶜ.
kanst du denn keinen schimpf verstahn?
3. 3, 8ᵈ.
kan mir denn das kein mensch nit sagen?
5. 2, 37ᶜ.
für tum,
jetz reit er für, denn hinder sich
1, 191ᵈ.
mülwerk und schiffart müssen feiern.
läszt denn die kelt nach ausz genaden,
so thuͦn die wassergüsz grosz schaden
1, 374ᵈ.
ist er gleich reich, noch spart er immer,
denn heiszt man in ein filz und wimmer
1, 377ᵈ.
denn tritt das fünfte alter dar,
das selb regiert Sol der planet
1, 378ᵇ.
wolauf, so wöllen wir belägern
erstlichen die statt Gibeon.
wenn wir sie auszgeprennet hon,
denn ziech wir Israel entgegen
und thun sie auch ernider legen
mit unserm kriegsvolk stark und rund
3. 1, 29ᵇ.
denn schleuf ich in das leer weinfasz
4. 3, 3ᵇ.
ebenso gebraucht er nur alsdenn, z. b. 1, 22ᵃ. 39ᵈ. 51ᵇ. 386ᵃ. Logau schwankt zwischen beiden formen, hat aber für nisi nur denn, für nam ist es vorherschend.
billich, denn so hohe sinnen
müssen andern dank gewinnen
1, 2 (3).
da ich solte, kont ich leben,
da ich solte, kont ich sterben,
denn das ewig zu erwerben,
kont ich sterblich leichte geben
1, 9 (21).
keine straf ist auszgesetzet
auf des neides gift,
denn er ist zu aller zeit
selbsten voll gerechtigkeit,
dasz er meistens trift
und sich durch sich selbst verletzet
1, 13 (36).
wenn ein mensch mit gott gut steht,
der steht wol, wenns übel geht,
den er kan die höchsten gaben,
vater, bruder, tröster haben
1, 41 (56).
so mirs gehet wie ich wil,
wünsch ich leser nicht zu viel,
denn viel leser sind viel richter,
vielen aber taug kein tichter
2, 178 (1).
wie viel sind element? man sagt von vier auch zweien,
nein, fünfe, denn das gold wil auch sich drunter reien.
3, 141 (20).
für tunc,
seid morgen mann und frau, seid eltern übers jahr,
so habt ihr denn erlangt was zu erlangen war
1, 34 (23).
müsz euch doch alles arg zu lauterm wol geraten,
bisz dasz ihr kummt ins wol, das wol bleibt für und für,
und laszt denn hinter euch was heiszen kan wie ihr (kinder).
1, 60 (44).
für ferner, deinde,
was dame sei und denn was dama, wird verspüret,
dasz jene hörner macht und diese hörner führet.
1, 21 (67).
was junge fraw und denn was jungfrau, wird erkant,
dasz dieses wort ist ganz und jenes ist getrant
1, 24 (83).
bei fragen,
was ist mir denn zu thun?
1, 5 (9).
hat die liebe feuers art
weil sie hitzt und brennt:
wie dasz ihrer flammen fahrt
sich thalein denn wendt?
1, 12 (32).
weil der Pallas jungferschaft
ist der keuschheit so verhaft:
dasz sie denn nun ihre pflicht
jetzt in deiner liebe bricht?
1, 15 (43).
lasz ich überreden mich
schweres ding dring unter sich?
wie dasz denn die steuerlasten
über uns noch immer rasten?
1, 35 (28).
für quam,
doch bedeut es nichts denn beute
1, 10 (25).
für nisi,
ein jeder ist monarch in seines hauses pfälen,
es sei denn, dasz sein weib sich neben ihn wil zehlen.
1, 71 (82).
Olearius zeigt öfter denn für tum, z. b.
das alter stand und glück verändern sinn und sitten,
man leidet denn nicht mehr was man zuvor gelitten.
Rosenth. 1, 44.
kein bogen der Kimier
wird dir denn nicht viel helfen mehr
3, 24.
Schuppius bei der frage, was soll ich denn meinem herrn referieren? 22. bei Günther sogar noch denn und wenn neben dann und wann,
und wenn man denn und wenn in fremde gleise tritt
664.
im gemeinen leben ist der unterschied nicht durchgedrungen, in Nord- und Mitteldeutschland gilt im volk nur denn und wenn, wie in Süddeutschland nur dann und wann. Wir haben jetzt die partikel nach durchgesetzter scheidung von dann zu betrachten.
1.
denn steht jetzt in der bedeutung von nam fest; s.dann 7ᵃ.
denn auch die götter rührt der schall
der angenehmen nachtigall
Gellert 1, 39.
ich diene gern mit meinen gaben,
denn ich behalte nichts für mich
1, 53.
nur zugehört, Sie werdens finden,
denn ich beweis es gleich mit gründen
1, 54.
doch merken Sie was ich jetzt sagen werde,
denn dieses ist es noch nicht ganz
1, 54.
denn war Monime schön, so war ihr herz zugleich
an unschuld wie ihr blick an geist und feuer reich
1, 113.
denn laszt ein weib schön wie Cytheren sein,
wenn sie die blattern hat, so nimmt sie nicht mehr ein.
1, 123.
und jedes folgt, sobald sie nur gebietet,
denn sie gebot mit zärtlichkeit
1, 127.
denn mädchen, wenn sie gleich das dorf erzogen hat,
sind wie die mädchen in der stadt
1, 143.
hasz mich, so viel du willst. doch wüszt ich gern weswegen:
denn nicht an deinem hasz, am grund ist mir gelegen.
Lessing 1, 10.
so weisz ich doch dasz ich am ende
des langen wegs dich zwanzigmal nicht fände.
denn öfters bist du nicht zu hause
und manchmal bist du's nicht für mich
1, 15.
es scheinet, dasz du, Paul, der einzge trunkne bist:
denn du willst nüchtern sein wo keiner nüchtern ist
1, 16.
ein schlechter dichter Bav? ein schlechter dichter? nein
denn der musz wenigstens ein guter reimer sein
1, 21.
verbergt die liebe nicht.   das laster mag sie hassen
denn das soll ewig sich nicht freun
1, 92.
es hatte jedes seine mängel:
denn niemand ist von allen leer
1, 105.
Berlin? ja ja, das sieht man bald
denn bei Berlin ist ja ein wald
1, 112.
du hättest auf den kern nur erstlich kommen sollen,
denn den, die schale nicht, hat Lydas loben wollen
1, 129.
aber bei dem allen, gnädigster herr (denn das gegründetste vorurtheil wieget auf der wage der gerechtigkeit so viel als nichts), bei dem allem wird man doch nicht umhin können, die schöne unglückliche darüber zu vernehmen 2, 182. ich erinnerte mich (denn wie hätte ich ihre kleinste bewegung vergessen können!) dasz unsere blicke sich mehr als einmal begegnet waren Wieland.
bald machte mich, die augen aufzuschlagen,
ein innrer trieb des herzens wieder kühn:
ich konnt es nur mit schnellen blicken wagen,
denn alles schien zu brennen und zu glühn
Göthe 1, 4.
willst du immer weiter schweifen?
sieh das gute liegt so nah.
lerne nur das glück ergreifen,
denn das glück ist immer da
1, 74.
kaum will mir die nacht noch frommen,
denn die träume selber kommen
nun in trauriger gestalt
1, 101.
denn alle balken und decken
sie sind schon lange verbrannt
und trepp und gang und capelle
in schutt und trümmer verwandt
1, 104.
lebet wol, nun eil ich und fürcht euch nicht zu beleidgen,
denn, ihr stolzen, ihr gebt Amorn doch immer den rang
1, 283.
ja, sogar der bessere selbst, gutmütig und bieder,
will mich anders: doch du, Muse, befiehlst mir allein.
denn du bist es allein, die noch mir die innere jugend
frisch erneuest und sie mir bis zu ende versprichst.
1, 330.
ihr führt ins leben uns hinein,
ihr laszt den armen schuldig werden,
dann überlaszt ihr ihn der pein,
denn alle schuld rächt sich auf erden
2, 122.
einmal beginnt Göthe ein gedicht mit denn, ohne eine beziehung auch nur anzudeuten, die doch wol vorhanden war, indem es eine zu den Geheimnissen gehörige strophe enthält; s. Göthes briefe an frau v. Stein 3, 97.
Denn was der mensch in seinen erdeschranken
von hohem glück mit götternamen nennt,
die harmonie der treue, die kein wanken,
der freundschaft, die nicht zweifelsorge kennt:
das licht das weisen nur zu einsamen gedanken,
das dichtern nur in schönen bildern brennt,
das hatt ich all in meinen besten stunden
in ihr entdeckt und es für mich gefunden
3, 49.
denn ach! mich trennt das meer von den geliebten
9, 3.
wir hoffen immer, und in allen dingen
ist besser hoffen als verzweifeln.   denn
wer kann das mögliche berechnen?
9, 191.
jede frau schlieszt die andre aus, ihrer natur nach: denn von jeder wird alles gefordert, was dem ganzen geschlecht zu leisten obliegt 17, 281. wir wenden uns zu Gretchen, die ich eben, als die volksmenge sich verlief, von Pylades und seiner schönen begleitet (denn diese drei schienen nun unzertrennlich zu sein), im getümmel erblickte 24, 295.
stimmet an die frohen lieder,
denn dem väterlichen herd
sind die schiffe zugekehrt,
und zur heimat geht es wieder
Schiller 53ᵃ.
freude soll jedes auge verklären,
denn die königin zieht ein
55ᵃ.
selig preis ich Polyxenen
in des herzens trunknem wahn,
denn den besten der Hellenen
hofft sie bräutlich zu umfahn
61ᵇ.
wir können ruhig die zerstorung schauen,
denn sturmfest steht der boden den wir bauen
451.
reine strenge wahrheit wird meine feder leiten: denn wenn diese blätter an die welt treten, bin ich nicht mehr 716ᵃ. daher sind alle absolut höchste grade des affects dem künstler sowol als dem dichter untersagt: denn alle unterdrücken die innerlich widerstrebende kraft 1127ᵇ. Lessing gebraucht es in dieser bedeutung substantivisch. ich sehe nicht, warum ein mensch mit seinen schlüssen zurückhaltender sein müsse als mit seinen empfindungen. der kunstrichter empfindet nicht blosz dasz ihm etwas nicht gefällt, sondern er fügt auch noch sein denn hinzu. dieses denn sollte ihn zum bessermachen verbinden? durch dieses denn müste er gerade des bessermachens überhoben sein können 11, 752.
2.
ebenso findet nach comparativen und comparativischen verneinungen, nach nichts, nichts anders jetzt blosz denn statt, aber es wird nicht von jedem gebraucht und dafür lieber als gesagt; vergl. dann 7ᵈ.
bleibender wird es (das denkmal) stehn
denn Memphis gräber
Klopstock 2, 56.
keine der nazionen hat feinere kritiker, gröszre
denn die Franzosen; doch eins führet sie tief in die irr.
7, 348.
nichts unbändiger doch denn die wut des leidigen magens
Voss Odyssee 7, 136.
nichts scheuseliger doch, nichts mehr schamlos denn ein weib ist,
das zu solcherlei thaten den mut im herzen gefasset.
11, 427.
den kopf von Konradin habe ich schon mehr denn zehn mal gezeichnet Tischbein in Merks briefs. 1, 410. er war um so erstaunter als er nichts weniger denn diese vorwürfe zu verdienen glaubte Göthe 18, 202. keins derselben bestand aus weniger denn zwanzig bedienten 24, 303. der mehr als abenteurer denn als gesandter erscheint ders., wo freilich als als nicht wol zulässig war. und hat ihr mehr denn auf eine weise genutzt ders. nichts denn willkürlich hingesudelte striche ders.
3.
auch nach bedingungen, bei nisi gilt denn; vergl.dann 7ᶜ. ich werde ihn nicht sehen, es sei denn dasz er hierher kommt.
'der regen hält noch immer an'
so klagt der arme bauersmann:
doch eher stimm ich nicht mit ein,
es regne denn in meinen wein
Lessing 1, 44.
es wäre denn
dasz er zum zweitenmal es retten sollte
2, 205.
ihn zu suchen war ihr so fremd: er entfernte sich niemals
weit, er sagt es ihr denn um zu verhüten die sorge
seiner liebenden mutter und ihre furcht vor dem unfall.
Göthe 40, 266.
4.
in der bedeutung von tunc herscht dann entschieden vor, zuweilen noch denn, das in der neusten zeit ganz verschwunden ist. bei Göthe noch in den früheren arbeiten, nachher hat er es zurückgewiesen. Lessing sagt dann, aber neben alsdann (2, 463) auch alsdenn (2, 366. 398. 5, 62. 7, 338), auch Gellert alsdenn (1785) 3, 163. vergl.dann 1. wenn daher ein laie an einen gelehrten schreiben will, denn denk ich — und wenn denn der gelehrte vor dem aien sich fürchtet, denn denk ich — Hermes Sophiens reise 1, 412.
denn bringt mich nach Tokai
Göckinck 1, 228.
was ist das? der eine hat eine hand, der andre nur ein bein. wenn sie denn erst zwo hände hätten und zwo bein, was wolltet ihr denn thun? Göthe 42, 103, in der ersten bearbeitung des Gottfried von Berlichingen, hernach ist dann gesetzt 8, 80. 42, 312. bei Klinger öfter, z. b. wenn Ihnen je der gesang der liebe geklungen hat, nur denn wissen Sie dasz — Theater 2, 131. für bald, bald, unsere schauspieler werden sich nie der vollkommenheit nähern, wenn man sie wie maitre Jacques zu allen verrichtungen braucht, und denn tragische, denn comische rollen von ihnen fordert Sturz 2, 170. vergl. 183.
5.
für zugleich, dabei, dazu, simul; vergl. dann 4. 5.
bring ein paar freunde mit, denn viele
das freilich leidet nicht mein wein:
und denn, so werden meiner stüle
nur grad ein halbes dutzend sein
Göckingk 1, 202.
du bist gerecht, denn auch bescheiden?
liebst mäszigkeit, denn auch geduld?
Gellert.
Er. und daran seht Ihr, dasz alle ausnahmen vom allgemeinen gewissen, alle diese moralischen idiotismen, über die man so viel lärm macht, und sie schelmstreiche nennt, gar nichts heiszen wollen, und dasz es überhaupt nur darauf ankommt, wer den rechten blick hat. Ich. den euern bewundre ich. Er. und denn das elend! die stimme des gewissens und der ehre ist sehr schwach, wenn die eingeweide schreien Göthe 36, 52.
6.
für mithin, also. die innerhalb des satzes stehende partikel bezeichnet hier eine folgerung, deren grund manchmal nur vorausgesetzt oder nur im allgemeinen angedeutet wird. eigentlich sollte hier dann gelten, da die bedeutung von tum im hintergrund liegt. so denn, ihr mörder, bald setzet euch auf den wagen Ettner Unwürd. doctor 658. Lessing schwankt noch zwischen denn und dann. vergl.dann 7ᵇ. wenn es denn keinen echten obersten grundsatz der sittlichkeit gibt Kant 4, 29.
so fahrt denn fort noch alt zu singen,
und singt euch um die ewigkeit
Gellert 1, 40.
wolan, vernichte denn durch deinen unverstand
die sorgfalt die ich angewandt
ders.
Mar. und wenn es denn wäre! Prinz. wenn es denn wäre? also ist es? Lessing 2, 159. Odoardo. sie dieser trauung wegen zu beruhigen, musz ich sie sprechen, gnädiger herr, musz ich sie sprechen. Prinz. so kommen Sie denn 2, 185.
den (ring) er denn auch einem jeden
die fromme schwachheit hatte zu versprechen
2, 277.
eh ich einmal weisz
was für ein Staufen euer vater denn
gewesen ist
2, 287.
gute nacht denn!
Lenz 1, 251.
es ist ein lieblingswort von Göthe, der dieses vermittelnde denn auszerordentlich oft einschiebt; bei der schwebenden, manchmal fast verschwindenden bedeutung ist eine reihe von beispielen nötig.
und wenn ich sie denn fassen darf
im luftgen deutschen tanz
1, 19.
ihr (lieder) sanget nur von meiner lieben;
nun spricht sie meiner treue hohn.
ihr wart ins wasser eingeschrieben:
so flieszt denn auch mit ihm davon
1, 68.
eine welt zwar bist du, o Rom: doch ohne die liebe
wäre die welt nicht die welt, wäre denn Rom auch nicht Rom
1, 259.
raubt die liebste denn gleich mir einige stunden des tages,
gibt sie stunden der nacht mir zur entschädigung hin.
1, 265.
weise denn sei das gespräch.   uns lehret weisheit am ende
das jahrhundert; wen hat das geschick nicht geprüft?
1, 332.
nun schon wieder
den erathmenden schritt
mühsam den berg hinauf.
auf denn, nicht träge denn!
strebend und hoffend hinan!
2, 68.
ich lasz es gehn,
und musz denn eben diesen vorwurf tragen
9, 175.
ihr seid ein fratz! so halt denn still!
13, 80.
er (der knabe) freute sich einige zeit herzlich, bis ihm der schimpf, den ihm der stärkere angethan, wieder einfiel, da er denn von neuem zu heulen und zu drohen anfieng 18, 224. der stallmeister wollte Friedrichs herkunft und seine geschichte wissen, da er denn ein märchen erzählte 18, 226. es kann kein geheimnis bleiben, die verwirrung ist nicht zu vermeiden. also denn geheimnis gegen geheimnis: überraschung gegen überraschung 20, 188. nur ein knöchelchen des kleinen fingers an der rechten hand habe gefehlt, welches denn die mutter nachher noch sorgfältig aufgesucht und gefunden, das denn auch noch zur gedächtnis unter andern reliquien in der kirche aufgehoben werde 20, 274. nur zu gewissen zeiten des jahrs läszt man die zöglinge, den stufen ihrer bildung gemäsz, dort eintreten, um sie historisch und sinnlich zu belehren, da sie denn genugsamen eindruck mit wegnehmen, um bei ausübung ihrer pflicht eine zeit lang daran zu zehren 22, 11. wie es denn überhaupt so leicht nicht ist, einen alten verworrenen zustand zu entwickeln und die vielen verschränkten fäden auf einen knaul zu winden 22, 105. hier nun fand sich Odoard bewogen, nach und nach von den angelegenheiten seines geistes und herzens fragmentarische rechenschaft zu geben, deshalb denn auch von diesem gespräche uns freilich nur unvollständige und unbefriedigende kenntnis zugekommen 23, 131. weil ich sie (meine dichtung) nicht ganz aufgeben wollte, so liesz ich aus meinem ersten manuscript nach wenigen veränderungen eine saubere abschrift durch unsern schreibenden anfertigen, die ich denn meinem vater überreichte 24, 169. ich bewohnte nun wieder mein mansardzimmer, in welchem die gespenster der vielen gemälde mir zuweilen vorschwebten, die ich denn durch arbeiten und studien zu verscheuchen suchte 24, 182. wir musten striche machen und sie zusammensetzen, woraus denn augen und nasen, lippen und ohren, ja zuletzt ganze gesichter und köpfe entstehen sollten 24, 182. er beobachtete dabei nicht allein die gröszte reinlichkeit im umrisz, sondern ahmte auch die schraffirung des kupferstichs aufs genauste nach, mit einer leichten hand, nur allzuleise, da er denn, weil er die härte vermeiden wollte, keine haltung in seine blätter brachte 24, 182. manchen ähnlichen auftrag erhielt ich denn auch, um bei den malern bestellte bilder zu betreiben 24, 242. wir fürchteten (er) möchte jenen act wiederholen, da wäre es denn um uns alle geschehen gewesen 24, 254. die gewöhnliche gesellschaft war beisammen und jedes hatte etwas zu erzählen, zu sagen, zu bemerken: wie denn dem einen diesz, dem andern jenes am meisten aufgefallen war 24, 295. es sollen kaiserliche commissarii ernannt, ein tag ausgesetzt werden, wo die sache denn verglichen werden mag 42, 55. im Götz von Berlichingen, in der ersten bearbeitung steht noch dann 8, 45. Weislingen. erlaubt mir zugleich diese hand zu fassen (er nimmt Mariens hand) und den besitz des edelsten fräuleins. Götz. darf ich 'ja' für euch sagen? Maria. wenn ihr es mit mir sagt. Götz. deine blicke sind beweis genug. ja denn, Weislingen, gebt euch die hände, und so sprech ich amen 8, 44. 42, 56. weil die idylle durchaus einen pathetischen gang hat und also das leidenschaftliche bis gegen das ende gesteigert werden muste, da sie denn durch die abschiedsverleugnung des dichters wieder ins leidliche und heitere zurückgeführt wird Göthe an Schiller 170. wie wäre es, Sie versparten Ihre absicht bis auf Meyers zurückkunft, da wir denn in jedem sinne etwas gutes erwarten können 186. ich freue mich Sie bald wiederzusehen, wie ich denn von unsrer wechselwirkung noch folgen hoffe, die wir jetzt gar nicht ahnen 208. sie ist als hofsängerin angenommen und wird in den opern manchmal singen, wodurch denn unsere bühne ein ganz neues leben erhält 265. und so sind wir, wie denn auch Wolf sich zu zeigen bemüht, unsern gegenwärtigen Homer den Alexandrinern schuldig, das denn freilich diesen gedichten ein ganz anderes ansehen gibt 293. Göthe verbindet es auch gerne mit doch, es ist unter euch allen, die ihr denn doch nur naturalisten und pfuscher seid, keiner, der nicht mehr oder weniger hoffnung von sich gäbe 19, 125. und mir fuhr wie ein blitz durch die seele dasz die vettern denn doch, ob sie gleich gegen mich alle rechtlichkeit beobachtet, sich in so böse händel konnten eingelassen haben 24, 335. und da hätten wir denn doch eine sonderbare epoche unter sonderbaren aspecten geschlossen Göthe an Schiller 167. ich hoffe dasz die Kopenhagener und alle gebildete anwohner der Ostsee aus unsern Xenien ein neues argument für die wirkliche und unwiderlegliche existenz des teufels nehmen werden, wodurch wir ihnen denn doch einen sehr wesentlichen dienst geleistet haben 240.
7.
bei fragen ist die beziehung auf einen grund noch allgemeiner, und die partikel dient nur um die dringlichkeit der frage zu bezeichnen. auch hier war dann besser, da es auf tum hinweist. besonders häufig wendet es Lessing an, Göthe viel sparsamer. was soll ich denn meinem herrn referieren? Schuppius 22.
(der seidenwurm) sieht dieser spinne lange zu
und fragt zuletzt 'was webst du denn'?
Gellert 1, 93.
'verdient', ruft ein pedant, 'mein fleisz denn keinen dank?'
das.
was hat er denn für eine müh?
1, 100.
so ist sie denn allein das kind,
das schön ist ohn es sein zu wollen?
1, 110.
ich warf dem Mison vor dasz ihn so viele hassen.
'je nun, wen lieb ich denn?' sprach Mison ganz gelassen.
Lessing 1, 13.
ich sasz dir lang und oft.    warum denn, meister Steffen?
1, 14.
nun, frommer mann, wenn das auch wäre,
was kostet dich denn deine zähre?
1, 25.
er macht damit, trotz einem komschen werke
voll ungeborgter stärke,
den dümmsten witzling in der welt
den je ein schauplatz vorgestellt,
unnachzuahmend lächerlich.
und wen denn? welche frage! sich!
1, 32.
noch zauderst du? 'ich weisz'. was denn? 'ein vogelnest'.
1, 106.
was verdarb er denn auch? 2, 162. aber warum denn eben verachtung? 2, 165. nun, worüber lach ich denn gleich, Marinelli? 2, 166. beschäftiget? womit denn? 2, 167. was kostet Ihnen denn eine lüge? 2, 168. wer ist sie denn, diese braut? 2, 168.
Derwisch. das lockt euch nicht?   so schreibet unsrer freundschaft
nur gleich den scheidebrief.   denn wirklich hab
ich sehr auf euch gerechnet.
Nathan. wahrlich? wie
denn so? wie so denn?
2, 209.
Klosterbr. ziemte mirs?
und frommte mirs?
Tempelh. wem ziemt und frommt es denn
dasz er so neubegierig ist? wem denn?
2, 215.
wer sagt denn das? ei freilich
musz niemand die vernunft die gott ihm gab,
zu brauchen unterlassen, wo sie hin
gehört.   gehört sie aber überall
denn hin? o nein
2, 300.
was ist
es denn, worüber unsern rath für itzt
der herr verlangt?
2, 300.
Göthe hat früher oft die andere form gebraucht (s.dann 7ᶜ), späterhin aber der durchgedrungenen unterscheidung sich gefügt. in der älteren bearbeitung des Götz steht noch aber musz dann der vater ausreiten, wenns so gefährlich ist? 8, 20. dagegen in der letzten ist es mit denn vertauscht 42, 257. ebenso heiszt es gleich hernach, wol musz er, lieber Carl. 'warum denn?' in der zweiten bearbeitung steht auch noch was hättst du ihm dann erzählt? 42, 25. anderwärts was soll ich denn lernen, wenns beliebt?
was wir denn sollen
sag uns in diesen tagen
2, 249.
im gemeinen leben gehst du auch hin? was dénn? freilich, gewis, das versteht sich Schmeller 1, 375.
Zitationshilfe
„denn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/denn>, abgerufen am 17.10.2019.

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