brunnendecke, deckel fm
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 435, Z. 49
dasselbe.
deckel m
Fundstelle: Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 885, Z. 80
operculum. im ahd. zeigt sich nur, doch selten dechesal (Graff 5, 104), auch im 15ten jh. decksal Ruth 3, 7 augsb. bibel. in einem alten vocab. o. j. decksel tegimen. niederd. dekkel, niederl. deksel, dän. däksel. im mhd. hat sich deckel noch nicht gefunden, man gebrauchte dafür ahd. hlit (Graff 4, 1115), mhd. lit (Krone 29426. Flore 1579), engl. lid; aber es kommt vor in dem Voc. theut. von 1482, deckel oder paten, patena e 7ᵃ, hernach ist es häufig. Frischlin 300 führt auch noch lid und deckel neben einander an.
1.
bedeckung eines gefäszes, behälters, er kann auch an dem gefäsz befestigt sein. deckel operculum Voc. incipiens teut. d 2. es bezeichnet auch den holen deckel, den man sonst stulpe, stürze nennt. und alles offen geräte, das kein deckel noch band hat ist unreine 4 Mos. 19, 15. leimen oder irden deckel, darunter etwas gebacken wird Dasypod. 313ᵇ. wann der unwillen (zwischen eheleuten) im hafen zu vil will sieden, brüteln und grollen, so hebt sie (die frau) den deckel ab, schafft ihm luft Garg. 70ᵇ. man legt dem kranken einen erwärmten deckel auf den leib,
lauf, magd, und mach den deckel warm
Froschmeus. G v.
ehe man sie (die gans) nun zum grabe trägt,
soll ir cörper werden gelegt
in einen zinnenen sarg fein,
der soll rund wie ein zirkel sein
und hohl, darein man sie denn steckt
und mit eim zinnen deckel deckt
Ganskönig C vᵇ.
den deckel vom hafn thun Reinhard vorr. brot unter einem irdin deckel gebacken panis testaceus Henisch 669. den deckel überlegen, mit einem deckel zudecken Maaler 89ᵃ. deckel auf ein silbern trinkgefäsz Henisch 667. über ein sprützen epistomium ders. hummeln die um mich wie umb einen fetten honighafen der keinen deckel hat, herumschwärmten Simpliciss. 2, 138. deckel eines kessels Steinbach 1, 238. deckel das licht auszulöschen. deckel an einer orgelpfeife, auf der zündpfanne.
die schöne (Pandora) freundlich trat hinzu,
zerbrach das göttersiegel, hub den deckel ab
Göthe 40, 379.
ich kratzte an dem deckel der bahre Schiller 136ᵃ.
der geht den gang zu ende und öffnet eine truh,
und nimmt daraus ein büchschen und schlägt den deckel zu.
Chamisso.
vergl.decke 2.
2.
technische bedeutungen. in der baukunst der obere theil am gesims der seule, am seulenstuhl, franz. corniche. der deckel oder knopf auf der seul epistylium Dasyp. 279ᵇ. 313ᵇ. deckel oder ein viereckete tafel oder platten die man oben auf die seul legt abacus Maaler 89. in der botanik ein runder körper, welcher die öffnung der büchse d. h. der frucht der laubmose verschlieszt und wenn der same reif ist, von selbst aufspringt Nemnich 2, 771. eine schuppe an der seite des kelchs von scutellaria ders. in der conchyliologie die platte schale oder klappe der austern und kammmuscheln, ferner ein kleines schalenartiges oder knorpelartiges stück das unter verschiedener gestalt die öffnung gewisser schnecken ganz oder zum theil schlieszt, endlich die vier kleinen unregelmäszigen und artikulierten stücke, welche die öffnung der meereichel (balanus) schlieszen ders. in der artillerie was die mündung der haubitzen und mörser bedeckt. bei den buchdruckern ein an der presse mit zwei deckelbändern befestigter länglicher viereckiger rahmen, womit der karren und das darauf liegende papier bei dem drucken bedeckt wird: der preszdeckel, franz. und engl. tympan; vergl. Täubel 2, 3. bei den ackerschmieden die oberste und unterste von den zu einer ackerrute zusammengelegten eisenstangen. bei den buchbindern die schale des eingebundenen buches. in den hüttenwerken das oberste brett der bälge. endlich heiszt es das blech auf der lünse oder dem achsnagel, welches das rad vor dem koth schützt, und das auch decklehne decklünse genannt wird.
3.
bildlich in verschiedenen beziehungen. Luther gebraucht es häufig wie deckmantel für verhüllung, vorwand, schutz, gewöhnlich in bösem sinn, es sind alles deckel deines blutdürstigen mutwillens 3, 144. das irer giftigen lesterlichen verfürischen lere solte deckel und schutz gehalten werden 3, 368. ich weisz fast wol das die pfaffen und münch solchen deckel irer greuwel suchen, und wöllen auf die christenheit schieben, was sie verwarloset haben 5, 145ᵇ. den deckel musz es haben 5, 336. was sind mir das für christen die so meucheln und schewen sich irer lere frei bekant zu sein und verkeufen sie unter frembden schein und deckel 6, 106ᵃ. und da sie meineten ihre sünden solten verborgen und unter einem blinden deckel vergessen sein, wurden sie aber grausamlich zerstrewet und durch gespenster erschreckt Weisheit 17, 3. denn das ist der wille gottes das ir mit wolthun verstopfet die unwissenheit der törichten menschen: als die freien und nicht als hättet ir die freiheit zum deckel der bosheit, sondern als die knechte gottes 1 Petr. 2, 16. doch auch in gutem sinn, Gregorius spricht der deckel des munds ist meisterschaft und zucht. aber welches maul nit gedeckt ist mit dem deckel des schweigens, das wirt unrein geachtet Keisersb. Sünden des munds 75ᵇ. welches er heiszet das reich dem vater überantworten, das ist, uns und seine ganze christenheit offenbärlich darstellen für dem vater in die ewige klarheit und herrlichkeit, das er selbst regiere on alle deckel. doch nichts desteweniger wird Christus in seiner herschaft und majestet bleiben Luther 6, 243. deckel praetextus, nomen absque re Henisch 667. Dasypodius, Maaler, Frisch und Steinbach führen es in dieser bedeutung nicht an, doch Stieler 284 für velamen, simulatio, auch erscheint es zuweilen in dem 17ten und 18ten jahrh. und musz der theure name gottes ihrer schalkheit deckel sein Schuppius 144. 641. ein deckel ihrer räuberei 362. es wird auch manchmal etwas propheceiet, da der heilige name nur zum deckel gebraucht wird Chr. Weise Jephtha 5, 7. bei A. Gryphius spricht die religion
ach richter, der durchsieht auch die verdeckten nieren,
wie lange sol ich nicht der schalkheit deckel sein?
wie lange läszt durch mich der pöbel sich verführen?
321.
ach gott, der theure namen dein
musz ihrer schalkheit deckel sein
Chr. Weise Erznarren 310.
eine vornehme dame will zum deckel ihrer liebeshändel mit einem grafen einen schlechten einfältigen menschen heiraten Lichtenberg 4, 207. leben Sie wohl und suchen Sie sich andere deckel für Ihre unsaubern töpfe aus Gutzkow Ritter v. geist 5, 473. im gemeinen leben wird verächtlich deckel für hut gebraucht, er kommt immer mit dem deckel auf dem kopf in die stube; in den Maingegenden nennt man den hut den die juden am sabbath tragen schabbesdeckel. vergl. diebsdeckel, schalksdeckel.
4.
sprichwörter.
es ist kein deckel so gering,
er schickt sich etwan auf ein ding.
Waldis Esopus 147ᵇ.
ein glesner hafen schon
thut auch ein schönen deckel han
Eyering 2, 829.
kein so schlimmer hafen, man findet einen deckel darauf Henisch 668.
es findet ohne dich der topf wol seinen deckel.
Kotzebue dramat. spiele 1, 329.
gottes name ist vieler schalkheit deckel Henisch. man findet kein so schönen topf, man findet als ein schönen deckel ders. auf ein hölzern geschirr gehört ein hölzern deckel 669. oder, wie Lehmann es ausdrückt, zum silbernen becher gehört ein silberner deckel 167.
5.
zusammensetzungen, augendeckel. brunnend. diebsd. faszd. kiemend. pappend. pastetend. sargd. schalksd. schandd. spritzend.
Zitationshilfe
„deckel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/deckel>, abgerufen am 22.09.2019.

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