bracht, pracht m. später f
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 283, Z. 38
fragor, clamor, tumultus, strepitus, fastus, luxus, splendor, ein wort das in schreibung, geschlecht und bedeutung schwankt. es stammt aus der wurzel brechen (vgl.wachen wacht, siechen sucht), wie fragor von frangere, welches frangere dazu noch an brangen, prangen mahnt, s. hernach unter 5. Schon das einfache altn. brak drückt aus fragor, strepitus, ebenso das alts. gebrac: burgliudeo gebrac, civium turba. Hel. 66, 19; das ahd. giprëh (Graff 3, 267), ags. gebrëc: gebreca hlûdast. cod. exon. 385, 6. weiter abgeleitet, aber gleichbedeutig sind alts. brahtm Hel. 128, 6. 146, 23; ags. breahtm, im cod. exon. oft begegnend. Der form bracht entspricht sowol ahd. praht (Graff 3, 269), fragor, strepitus, fremitus, als alts. braht: thar ist braht mikil. Hel. 138, 21; was thar braht mikil. 151, 4, lärm, geräusch. auch mhd. braht ist clamor, strepitus (Ben. 1, 243):
sî (die vögel) huoben aber ir süeʒen braht.
Iw. 682;
der kleinen vogel braht.
MS. 1, 192ᵃ;
dâ was von klage grôʒer braht.
Wigal. 5228;
sunder rede und sunder braht.
Trist. 313, 8;
âne schal und âne braht.
380, 13.
weiblich gesetzt findet sich das wort nur bei Jeroschin (Pfeiffer s. 134). Nhd. herscht noch im 16 jh. das m. vor, Luther wechselt mit beiden geschlechtern, später überwiegt das f. bedeutungen:
1)
die alte von lärm und geschrei:
meins mutes schal und praht.
fastn. sp. 1378;
welch machen grosz geschrei und bracht,
die lobt man ietz und hat ir acht.
Brant narr. 19, 53;
nicht lang darnach er das schwein hort
her gegen im mit groszem pracht
laufen.
Teuerdank 35, 43;
Tewrdank höret den lautern pracht.
36, 43;
schluͦgen sie von stund zuͦ samen
mit einem übergroszen pracht.
87, 37;
sie tratent auf dem pflaster,
hettent ein groszen bracht.
Soltau 305;
horch, wie im ror das vöglin lacht,
und treiben pracht.
Garg. 249ᵃ,
wo andere ausgaben bracht schreiben; und ist ein grosz ding umb si, ein groszer bracht. Keisersb. bilg. 96ᵃ.
2)
hieraus entfaltete sich leicht der sinn von fastus, pompa, groszsprecherei, aufwand, zumal in den redensarten bracht haben, führen, treiben, die fast noch ausdrücken lärm machen: auf ein zeit was einer, der füret groszen bracht und het das gut nicht darnach. sch. u. ernst cap. 68: groszen bracht het ein edelman mit seinem edlen gestein und ringen. cap. 220;
mit edlen gestein treibt mancher bracht,
seind doch nicht anders als man acht.
daselbst;
dasz zwei dest pas haben iren bracht.
fastn. sp. 286, 32;
er hat zun ziten ein solchen bracht.
833, 24;
hoffart wirt han allein den bracht.
1028, 12;
des adels pracht.
1295, 1;
so müssen wir es gar wol schmieren,
wöln wir den bracht für auszen füeren.
Murner schelmenz. 35ᵇ;
und haltend auch allein den bracht.
57;
gott wolt nit leiden sölchen pracht.
Schwarzenb. 106, 2;
und wird iren pracht nidrigen mit den armen seiner hende. Es. 25, 11; und hast dich deine klugheit lassen betriegen in deinem pracht. Ez. 28, 17; was hilft uns nu der pracht? (vulg. quid nobis profuit superbia?) weish. Sal. 5, 8; so die oberkeit nur iren pracht imer gröszer machte. Luther 3, 115ᵇ; man müste ja den pracht einziehen und das ausgeben stopfen. das.; es sol der könig nicht viel pferde bei sich haben und ein groszen pracht füren. 3, 129; du denkest, wie du gnug habest und deinen pracht fürest. 5, 414ᵃ; deinen pracht und stolz auszufüren. 5, 417ᵃ; wenn wir ein solche definition setzten und sagten, das die kirche were ein solcher pracht, wie des bapsts wesen stehet, so möchten wir vielleicht nicht so gar ungnedige richter haben. Jonas bei Luther 6, 415ᵇ; die unterm schein der heiligkeit von gemeinen almosen in allem pracht und wollust leben. 6, 467ᵃ; und wenn es ihnen rechter ernst were, der kirche und den armen gewissen zu helfen und nicht vielmehr ihren pracht und geiz zu erhalten. Melanchth. im corp. doctr. 183; so ist auch ein groszer pracht alda. Hutten 5, 250; so er (der prediger) aber dem pracht diser welt widerstat, musz er von der welt verschupft, geschändt und verachtet, ja getödt werden. Zwingli 1, 85; man findt heimlich reiche leut, die in winkeln ein rüwig, fein, still leben haben, keinen pracht oder groszen brauch. kluge weise reden 65ᵇ; das sie ein bischof werden, auf das sie nachmals mit zwei oder dreihundert pferd daher können reiten und iren pracht aus den kirchengütern volstrecken. Höniger 268; dann von wegen des unmeszlichen brachts der tollen weiber müssen etliche männer verderben und ausz haus und hof gehn. Alberus ehbüchl. G 3ᵃ;
dein gute tag in solchem pracht.
Alberus fab. s. 29;
wir achten nichts auf deinen pracht.
33;
und fehrt daher mit stolzem pracht.
43ᵇ;
so fürend wir glich groszen bracht.
trag. Joh. 101;
nid, hasz, hoffart und groszen pracht.
Ruefs Heini 2850;
wollet euwerm verheiszen nachkommen und diesem stolzen Schotten seinen pracht zerknitschen. Galmy 129; was laszt ihr euch bewegen den hohen pracht der hohen schulen? Paracelsus 1, 563ᵃ; die hoches prachts reden. Melissus ps. D 8ᵇ; der pracht wird fast doll sein. Fischart groszm. 105; die groszen pracht mit ihrem gut treiben. wegkürzer 85; also fleucht und steubt aller pracht und ehr der welt dahin. Kirchhof wendunm. 375ᵇ; so man diesen bapst mit groszem pracht und reverenz in einer senften daher getragen. 372ᵃ; begraben ohn einigen pracht. 414ᵃ; und je herlicher der pracht ist, je mehr volks herzu lauft. 414ᵇ;
vermeidet pracht, gottslestrung, neid.
Ringwald tr. Eckh. F 1ᵃ;
mit unzucht, pracht und kartenspiel.
laut. warh. 36;
alsdan sol sich ihr spot und schimpf,
und falscher glimpf
mit ihrem pracht verkürzen.
Weckherlin 9;
hat keinen gröszern lust noch pracht,
dan wan er uns, dein volk, beschweret.
35;
so kom, o herr, die zungen, deren ton
gehöret wird voll pracht, schimpf und hohn
nach verdienst auszuscheiden.
44;
wie köstlich auch in spöttischer andacht
ihr euszerlicher pracht.
52;
worzu taug dieser pracht?
Opitz 1, 60;
dann Jupiter der hasset
der hohen zungen pracht.
1, 168;
des Crösi geld und gut, des Cäsars glück und pracht.
Fleming 34;
geh, Amphitrite, geh, und sag es deinem manne,
dasz er die strenge pracht der frechen wellen schilt.
474;
dein und meine feinde jauchzen! ihrer stolzen geister pracht
wird die grosze welt zu enge.
Gryphius 2, 419;
hier ist ihr eigner schmuck, hier ist ihr eigner pracht.
Logau 2, 3, 57;
wann ich der welt und ihrem pracht hette dienen wollen. Zinkgr. 8, 4. 8;
du forderst keinen pracht der köstlichen banketen.
Caniz 269;
das allen stolzen pracht
der erde nichtig hält.
Wernike 105;
Homer erzählte gleich mit groszem wörterpracht,
was sie darauf gestickt.
Wieland 10, 217;
fliehen lasz uns vor dem pracht.
Gökingk 1, 44.
das m. reicht also in einzelnen beispielen tief ins 18 jh., doch schwankte schon Luther ins f. über: versenke ire pracht ins verborgen. Hiob 40, 8; wil ich heimsuchen die frucht des hochmütigen königes und die pracht seiner hoffertigen augen. Es. 10, 12; deine pracht (vulg. superbia tua) ist herunter in die helle gefaren. 14, 11; auf das er schwechte alle pracht der lustigen stad. 23, 9; wie grosz meinstu denn, das du seiest mit deiner pracht und herlichkeit? Ez. 31, 18; denn die pracht (vulg. superbia) des Jordans ist verstöret. Zach. 11, 3; und würden die braut holen mit groszer pracht. 1 Macc. 9, 37. so auch andere:
nein, solche pracht wil nicht der Römer haupte zimen.
Gryphius 194;
ich selbsten seine pracht (sein stolz).
Logau 2, 3, 59;
wo werde ich aber meinen federbusch und haarlock verkaufen können? er sprach, umb der freundschaft willen euers vaters will ich euch das geld wieder geben, zahlte mir hierauf 18 groschen, und damit übergab ich ihm meine pracht (meinen schmuck, staat, worauf ich stolz war). unw. doct. 368. man sagt: pracht führen, treiben, zeigen,. sehen lassen, aufwand und luxus; an diesem hofe herscht viele pracht, er hat sich der pracht ergeben.
3)
dieser zweiten, meistens in dem übeln sinn von pomp und hoffart geltenden bedeutung schlieszt sich endlich die heutige gute und edle an, pracht ist uns glanz, leuchten, splendor, magnificentia, wir sagen die pracht der aufgehenden, untergehenden sonne, die stille pracht des mondes am himmel, die pracht der wiese, der blumen, der farben, des frühlings. das er sehen liesze den köstlichen pracht seiner maiestät. Esther 1, 4; wenn du aus den elfenbeinen pallasten daher trittest in deiner schönen pracht. ps. 45, 9; ich wil reden von deiner herlichen schönen pracht und von deinen wundern. 145, 5; die ehrliche pracht deines königreichs. 145, 12; Babel, das schönest unter den königreichen, die herliche pracht der Chaldeer. Es. 13, 19; wil ich dich zur pracht ewiglich machen und zur freude fur und fur. 60, 15; sahe das herliche wesen Simonis und den pracht mit golde und silber (vulg. claritatem in auro et argento). 1 Macc. 15, 32;
wie herlich in der welt ist deines namens pracht.
Weckherlin 25;
die thier durch ihre forcht erklären,
wie diese stim voll pracht und kraft.
129;
verwundernd sich ab solchem wunder,
dasz ganz von blei ein hagel kom
mit solchem pracht, macht, kraft und dunder.
346;
voll pracht ist er, den stolz zu dämpfen,
voll güt ist er gleich nach dem streit.
442;
der glieder holder pracht.
Haller 75;
und auf diese jugendfülle,
dieser glieder frohe pracht.
Göthe 3, 41;
zeigt, das ist eine pracht von einem becher!
Schiller 352ᵇ;
schleicht sie zum garten. doch ist für des morgens pracht
ihr schmachtend auge noch zu trübe.
Gotter 1, 15;
die bäume blühen, dasz es eine pracht ist; das grunete und trieb, dasz es eine helle pracht war. Gotthelf schuldenb. 72. vor viele wörter wird pracht gesetzt, um einen hohen grad von glanz und schönheit zu bezeichnen: ein prachtkind, ein prachtpferd, prachtband, prachtbau, ein prachtsal, wovon beispiele unter P folgen sollen. Kant sagt: obgleich die ganze pracht der vernunftbehauptungen nur in verbindung mit dem empirischen hervorleuchten kann. Kant 2, 370; wenn die naturbeschreibung in der ganzen pracht eines groszen systems erscheint. 10, 71.
4)
was die pluralform angeht, so kommt sie selten vor. fürs männliche pracht wäre zu gewarten prächte, wie schaft schäfte, ast äste, verdacht verdächte. vom weiblichen hat man gebildet prachten:
gemäszige trachten,
vermiedene prachten.
Logau 1, 10, 69;
alles, alles überall
in der welt ist wie ein schall:
dann all ihre prachten
sind, wie wir sie achten.
2, 8, 30;
faltet aus die frischen prachten (:machten)
ihr des grünen thals juwelen,
holde blumen, euren flor!
Göthe 13, 242.
auf éinmal ist er da und ganz im stillen
erhebt er sich zu allen seinen prachten (: verachten).
das tagebuch (ungedruckt) stanze 20.
die analogie ist nach tracht, schlacht, wacht, welche doch mhd. trahte slahte wahte lauten und den pl. dem sg. gleich haben.
5)
die erste bedeutung, fragor, ist gut, die zweite, fastus, übel, die dritte, splendor, wieder gut. dem ersten braht entspricht brechen, dem zweiten brangen, dem dritten scheint nahe mhd. brëhen leuchten, und doch ist gezeigt worden, wie aus dem schall und lärm hoffart und stolz, aus dem stolz glanz hervor giengen. verba des schallens und leuchtens mischen sich sonst auch. brangen musz sich buchstäblich mit brechen berühren; wäre es zugleich verwandt mit bringen, so führt dessen praet. brahta, brachte geradezu auf unser bracht, wovon mehr noch unterbrangen undbringen. mhd. brehen aber reicht an das adj. berht lucidus, das sich in breht (ags. beorht in engl. bright) umdreht, wie ahd. peraht, zumal in zusammengesetzten namen praht wird, Haduperaht und Hadupraht, ags. breahtm tauscht mit bearhtm. ein bair. lautbräht, schweiz. lutbrächt (Schm. 1, 250. Stald. 1, 212) drückt laut, offenbar, rotbräht rothleuchtend aus. es erscheint also ein tiefer verband der wörter beren, bringen, brehen, brechen, prahlen, berht und braht, von dem hier nicht erschöpfend gehandelt werden kann.
6)
was steht unserm bracht in altn. dialect zur seite? da er überall TT für HT zeigt (âtta, mâttr, nâttr = acht, macht, nacht), wäre auch brâttr anzusetzen, das nicht vorkommt. denn brattr arduus, acclivis, schw. brant scheint das ags. brant, bront, und unverwandt. später haben die Schweden ihr prakt magnificentia, die Dänen pragt, auch die Niederländer pracht aus unserm pracht entlehnt. mnl. begegnet nichts davon.
brächt n
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 286, Z. 44
clamor, vociferatio, für gebrächt, mhd. gebrehte (Ben. 1, 243ᵇ), den umlaut rechtfertigt erst die ableitung, doch schon Boner 76, 40 verwendet ein männliches brecht (: recht), wobei wieder das adj. brecht für bercht eingewirkt haben kann. Maalers unterscheidung 319ᶜ zwischen pracht m. fastus und prächt n. grosz geschrei scheint willkürlich.
bracht f
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 283, Z. 34
proscissio, cessatio, was brache: wann das feld heur tregt, so ligt es bisz jar in der bracht, feiret oder tregt gar wenig, der boden muͦsz geruͦhen, man muͦsz in nit erschöpfen. Petr. 53ᵃ.
Zitationshilfe
„bracht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/bracht>, abgerufen am 14.10.2019.

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