boden m
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 210, Z. 2
fundus, gen. bodens, der organische pl. fordert boden, ahd. podamâ: drei boden, einen oben, den andern in der mitte, den dritten in der höhe. 1 Mos. 6, 16; bawet eine halle und tefelt beide boden mit cedern. 1 kön. 7, 7; allmälich ist der umlaut böden (wie fäden für faden) eingerissen, Göthe 29, 236 schreibt noch das richtige boden. die etymologie wurde schon unter bodem vorgetragen, hier handelt sichs darum, sie an den bedeutungen zu bestätigen.
1)
die urbedeutung fundere, gieszen, welche von alters auch in bieten opfern gelegen haben musz, zeigt sich in dem ausdruck zu boden gieszen, schütten: du solt seines bluts nemen und auf des altars hörner thun mit deinem finger, und alles ander blut an des altars boden schütten. 2 Mos. 29, 12; und sol alles blut gieszen an den boden des brandopfersaltars. 3 Mos. 4, 7. 18; und sprenge mit dem blut des sündopfers an die seite des altars und lasse das ubrige blut ausbluten an des altars boden, das ist das sündopfer. 3, 5, 9; und Mose nam des bluts und thets auf die hörner des altars umbher mit seinem finger und entsündigt das altar und gosz das blut an des altars boden und weihet in. 3, 8, 15; und opfert rothen wein und gosz an den boden des altars zum süszen geruch dem höhesten, der aller könig ist. Sir. 50, 17. in diesen opferschilderungen ist boden des altars (hebr. דוֹסיְ, LXX βάσις τοῦ θυσιαστηρίου) deutlich die guszstelle, wohin der gieszende gieszt und die dem versöhnten gott behagt. merkwürdig nennt die edda die gefäsze für den göttlichen bluthonig sôn und bođn, sühne und opfer, d. i. gusz, dieses bođn f. steht nahe zu botn m. zu bemerken ist, dasz wir gegossenes wachs, gegossenen talg, wenn sie erkalten, einen boden wachs, talg nennen, nnl. een boom vet, was.
2)
boden ist uns noch heute wesentlich der grund eines fasses, glases, bechers, sackes, beutels (welches nach 1, 1750 selbst aus bieten stammt), worin gegossen, geschüttet wird. es heiszt das glas, die kanne bis auf den boden trinken, dän. drikke ud til bunds, bis der trinker den boden sieht: sie hörent nit uf zu saufen, sie sehent dan der kanten (canthari) den boden. Keisersb. s. d. m. 5ᵃ; findst grund? sichst den herrgott am boden? Garg. 88ᵃ. es scheint dasz auf dem boden alter pokale ein heiliges bild eingegraben war, das den trinkenden, wenn er es anblickte, gleichsam segnen sollte:
dextra dei fundo paterae confixa stat imo.
Rudl. 5, 15,
confixa vielleicht für conficta. güsz den wein in deinen schlund, bis ein boden den andern sicht. parodie s. 148. etwas anders ist einen zu boden trinken (hernach 5, B, d). Ein gefäsz, ein sack, welchen der boden fehlt, sind unbrauchbar, die redensart dem fasz ist der boden aus bezeichnet heftig, mit gewalt ausbrechendes oder zu ende gegangnes:
dem sack fur doch der boden aus.
Murners narrenb. bei Scheible 665;
dan wie der most etwan dem fasz den boden ausstöszt, oder in eim fasz durcheinander girret (gährt), sprützet oben zu dem punten (spund) herausz. also auch ein trunkner mensch, der stöszt zu dem maul herausz und sagt alle heimliche ding, die er weisz. Keisersb. s. d. m. 73ᵃ; der letzte und ergste zorn des teufels wider Christum, damit er dem fasz den boden ausstöszt. Luther 4, 473ᵇ; ha, sagt sie, ihr habt gut sagen, were dem fasz der boden aus. Garg. 103ᵃ; endlich aber, da die worte fielen, dasz sich heute zu tage ein jeder bartscherer vom doctorhut wolte träumen lassen, wurde dem fasse der boden ausgestoszen. Felsenb. 2, 209. davon machte man noch andere anwendungen: dem schimpf ist der boden aus, der spasz geht zu ende, wird ernst:
iederman fur in sein haus,
dem schimpf dem ist der boden aus.
ring 9ᵃ, 41;
findt wirs verstecket in deim haus,
dir wirt dem schimpf der boden aus.
H. Sachs III. 1, 24ᵇ;
so ist hin hausrat, sambt dem haus,
und ist dem schimpf der boden aus.
III. 2, 74ᵃ;
erst ist dem schimpf der boden aus.
III. 3, 43ᵇ;
darmit der dieb schlich aus dem haus,
und war seim schimpf der boden aus.
IV. 3, 110ᶜ;
vgl.ausstoszen 2. mhd. hiesz es dafür ûʒ dem spil wesen. Spreng schlieszt seine Ilias mit der kühnen phrase:
darnach die Trojaner eben
hielten ein herliches wolleben
in Priami des königs haus,
stieszen der leich den boden aus.
(ὣς οἵ γ' ἀμφίεπον τάφον Ἕκτορος ἱπποδάμοιο).
ähnlich sagt man: es ist ein loch durch unsre freude, sie ist zu ende; jetzt ist dem himmel der boden aus, geht alles zu grunde. Schmeller 1, 156.
3)
auf den begrif boden, fundus, solum, terra gelangen könnte man durch die deutung eines von thau, regen und allen himmlischen gaben übergossenen grundes. natürlicher aber scheint es, die oberfläche der erde für die obere wölbung, rinde, decke, wölbung des groszen körpers zu nehmen und ihr, wie dem fasz einen doppelten boden, oberen und unteren beizumessen. den uns zugedrehten oberen boden betreten wir, er ist uns unten, unter uns; wir gehen, stehen an oder auf dem boden; das reicht vom himmel bis auf den boden. wer lange geschwebt, geflogen, geschwommen hat, der faszt endlich boden, tritt auf die feste erde, gewinnt boden; boden verlieren (schw. förlora botten) ist fallen; abstract, diese sache gewinnt boden, bestand, dauer, wachsthum; sie kann nicht boden fassen, nicht wurzeln, gedeihen. wir stehen auf deutschem boden, auf deutscher erde, auf des vaterlandes boden; das erste, was der aus dem schif steigende, in die heimat kehrende thut, ist den heiligen boden, die mütterliche erde zu küssen;
und nächst dem leben was erflehst du dir?
'des vaterlandes vielgeliebten boden'.
Göthe 9, 343.
vergib mir, theurer boden, heimsche erde.
Schiller 672ᵇ;
den boden küssen, baiser la terre ist aber auch nichts als zu boden fallen, stürzen: küsz den boden! Garg. 86ᵇ; so wöllen wir sie wie ehrliche stallbrüder zu ihrem schaden empfangen, dasz sie den boden küssen müssen und den tact schlagen mit den füszen. 255ᵇ. vgl. ins gras beiszen (1, 1399). den fusz auf den boden setzen.
4)
boden und grund können oft einander vertreten und erscheinen formelhaft verknüpft: das haus steht auf gutem grund und boden; alles ist zu grund und boden gestürzt; er taugt in grund und boden nichts; häuser, gründe und boden besitzen. Schuppius 697; welches doch der rechte grund und boden ist. bienenk. 16ᵃ; da ist sein grund und sein boden, seine rechte stelle. doch ist auch zwischen beiden ein unterschied empfindbar, so dasz grund mehr nach innen geht, boden die oberfläche bezeichnet. zwar sagen wir allgemein der erdboden wie die erde, gottes schöner erdboden; es sind männer, werth gottes boden zu betreten. Göthe 8, 261, wo boden nicht mit grund tauschen könnte; für meeresgrund gilt auch meeresboden (schw. hafvets botten, dän. havets bund). der boden des schifs, carina, aber auch der boden der schüssel, schale; der boden der geige; das klavier hat einen resonanzboden. boden kann für sich allein schif bedeuten (Schm. 1, 155). boden meint vorzugsweise den ackerboden: der boden trägt reichlich, ist mager oder fett (pingue solum), üppig, ausgesogen, dürr oder nasz, sandig, leimig, lettig, steinig, felsig, kalkig, kalkboden (schw. kalkbotten);
und schlägt der hagel die ernte nieder,
s andre jahr trägt der boden wieder.
Göthe 26, 324;
in Geszlers reth. 56ᵃ stehen boden und bluͦmen (sp. 158) verbunden; doch heiszt für fundus es nur grundstück, nicht bodenstück. auch ist wiesengrund, moosgrund, waldgrund etwas anderes als wiesenboden (dän. engbund), moosboden (dän. mosebund), boden mehr die fläche, grund das land bezeichnend. in den böden = in den thälern, auf dem ebnen land. Gotthelf schuldenb. 111;
auf ebnem boden straucheln ist ein scherz.
Göthe 9, 336;
bleibe nicht am boden heften,
frisch gewagt und frisch hinaus.
23, 15;
Hilarie fuhr mildernd fort und so schien man nach und nach wieder einen heitern tag, einen freien boden zu gewinnen. 22, 92; auch auf dem boden mochte sie nicht verweilen. sie sprang in den kahn und ruderte sich bis mitten in den see. 17, 182; indem man, den homerischen göttern gleich, auf diesen geflügelten sohlen (schrittschuhn) über das zu boden gewordene meer hinschreite. 26, 336. weniger die oberfläche und mehr das innere bedeutet boden in folgenden stellen: handwerk hat einen goldnen boden; die kugel lauft in den boden. Haupt 3, 254; die käfer sind zwei jahr im boden (als larven). Gotthelf erz. 1, 257; dasz ich durch den boden hätte kriechen mögen. sagen 5, 50, durch die erde schliefen; das feuer brennt unter dem boden; denke nicht mich zu hindern, sonst must du in den boden, mein weg geht über dich hin. Göthe 8, 130. 42, 203; der alte herr ist unterm boden. Schiller 130ᵇ, liegt begraben, unter der erde, wie es Reinaert 465 von der henne heiszt:
nu lighet Coppe onder mouden.
bemerkenswerth: so still halten, dasz es der boden in meinem hause nicht gewar wird. Wirsung Cal. K 2ᵃ. es heiszt sowol deutscher boden als deutscher grund, und dies boden für territorium gleicht dem biet und gebiet: Urner boden. Wo das franz. fond abstract verwandt wird, sagen wir heute nur grund, nicht boden: im grunde hast du recht; der grund dieser sache musz besser erklärt werden; auch für grundsatz principium kann nicht gesetzt werden bodensatz. doch grundlos und bodenlos sind uns gleichviel, sinnlich oder abgezogen. die folgenden verbindungen mit verben zeigen mehrfach, dasz boden allmälich eingeschränkt wurde und grund sich verbreitete.
5)
überaus häufig verbinden sich verba mit 'zu boden', 'an den boden', völlig im sinne von nieder und hin.
A.
intransitiva.
a)
zu boden gehen, perire, interire, schw. gaͦ i botten: darumb müssen sie zu boden gehen. Jer. 48, 36; das sie gar zu boden gehen. weish. Sal. 4, 19; Ninive wird bald zu boden gehen. Tob. 14, 6; vil grosze herren sind zu boden gangen. Sir. 11, 6; würde Marie lob sampt den heiligen zwei klöstern zu boden gehen. Luther 3, 33ᵇ; das damit gericht, urteil, gewalt und alle oberkeit zu boden gehet. 3, 45ᵃ; damit gott noch mehr erzürnet werde und lass uns zu boden gehen. 3, 147ᵇ; das gott wolle das jüdische volk nicht gar lassen zu boden gehen. 3, 237; ob es sich schon so ansehen leszt, als wolten alle ding zu boden gehen. 4, 75ᵃ; des teufels dienst hinfiel und zu boden gieng. 4, 177ᵇ; das sie mit zorn müssen ins teufels namen zu boden gehen. 5, 51ᵇ; und wenn gleich diese sach zu boden gieng, so sollen wir doch viel lieber mit Christo zu boden gehen, denn mit der höhesten gewalt auf erden stehen. 5, 7ᵃ; das königreich würde zu boden gehen. 8ᵃ; und zwar die welt allzumal stehet und bleibet allein umb dieses standes willen, sonst were sie lange zu boden gegangen. 5, 174ᵃ; du wilts nicht thun, dein nachbar auch nicht, also gehets denn zu boden, so viel an euch ist. 5, 175ᵃ; denn damit gehet der glaube und der ganze Christus zu boden. 6, 68ᵇ; das sie aufs höhest verdreuszt und wehe thut, das sie deste ehe zu boden gehen. 6, 186ᵇ; got liesz das reich zu boden gehen. 6, 346ᵇ; das auch ganze völker drüber zu drümmern und bodem gangen. Melanchth. im corp. doctr. chr. 970; ihr reich ist zu boden gangen, wie gehört ist. Frank weltb. 141ᵇ; darob geen oft vil zu boden und tragen gemeinklich die schlappen darvon. 185ᵃ; etliche so wir heut gefangen, sagen von den kaiserischen knechten, sie wöllen den fuchs nit beiszen, und sollen unverhollen reden, sie wöllen gern zu boden geen, das (wofern nur) die welschen auch mit inen erstochen werden. Schertlins br. 171; denn i. f. gn. wollten. i. f. gn. (sich) nichts nemen lassen, sondern eher zu boden gehen. Schweinichen 2, 111; der buler, spiler, saufer laszt auch nit nach, er gehe dann drob zu boden. spr. schöne weise reden 89ᵇ;
du junger rach, schweig von den dingen,
wilst du dich solichs understehen,
deinr hundert müssen zu boden gehn.
H. Sachs III. 2, 238ᵇ;
und solt er drob zu boden gehn.
Ringwald laut. warh. 16;
es seind zu bodem gangen reiche leut.
175;
in summa, sie seind rein und pur,
teilhaftig göttlicher natur,
und nimmer mehr zu bodem gehn.
tr. Eck. E 2ᵇ;
er musz zu bodem gehen. Neander syll. loc. 61; daher gehet es alles zu boden und wir fallen aus einem unglück in das ander. Fronsp. kriegsb. 3, 184ᵇ;
die Römer lassen den könig nicht ein,
sonder eh als zu boden gehn.
Ayrer 81ᵃ;
ich war gewaltig in der klemme und gieng darüber ganz zu boden. pers. baumg. 8, 13; wie viel männer, weiber, junggesellen und jungfern würden zu boden gehen. Weise kl. leute 103; zitterten ihre herzen und gingen mit murren wider gott zu boden. Butschky kanzl. 781; wenn sie nicht wolten zu grund und boden gehen. Schuppius 400;
wie die liljen leicht verblassen
und zu grund und boden gehen.
Soltau 520 (a. 1692).
diese so verbreitete ausdrucksweise hat sich im 18 jh. verloren, oder nur in dem gehäuften zu grund und boden gehen bewahrt, meistentheils aber heiszt es jetzt dafür zu grunde gehn, vergehn, untergehn. doch Gotthelf sagt: noch kein stücklein vieh sei ihnen in boden gegangen. Luther aber braucht einmal zu grund und boden gehn für im boden wurzel schlagen, haften: gottes werk sind rechtschaffen, gehen zu grund und boden, ist alles ernst und volkömlich ding. 4, 122ᵇ.
b)
zu boden fallen, sinken, stürzen, corruere, in terram, solum cadere, niederfallen, niedersinken, niederstürzen, schw. sjunka till botten: wie gehets zu, das deine gewaltigen zu boden fallen? Jer. 46, 15; und sollen alle- mauren zu boden fallen. Ez. 38, 20; wichen sie zurücke und fielen zu boden. Joh. 18, 6; und fiel herab uf den boden von dem vierden sumerhaus (söller). Keisersb. s. d. m. 74ᵇ aus apost. gesch. 20, 9; die kugel traf, er fiel zu boden; du hast nie ein pferd bestiegen und wirst gleich zu boden fallen; dasz ihm augenblicklich der athem stehen blieb und er als ein waschlappen zu boden fiel. Felsenb. 2, 366; der thurm konnte dem geschütz nicht länger widerstehn und fiel zu boden; sie sank ohnmächtig zu boden. auch abstract, alle meine entwürfe fallen zu boden. hier wird umgekehrt heute nicht gesagt zu grunde.
c)
zu boden liegen, zu boden sein: der drache liegt todt zu boden; der sturm hat gewütet, die ganze saat liegt zu boden; es ist alles zu boden. Gotthelfs sagen 4, 5;
mut, freunde, mut! wir sind noch nicht zu boden!
Schiller 380ᵇ;
zu boden mit ihm! zu boden damit! nieder damit!; du machst so lange, bis ein hirngespinst daraus geworden ist, und dann — zu boden damit! Woldemar 159.
B.
transitiva.
a)
zu boden stoszen, stürzen, sternere, fundere, niederstoszen, umstoszen: der widder stiesz das lamm zu boden; beim haar fassen und zu boden stoszen; wil die wand umb werfen und wil sie zu boden stoszen. Ez. 13, 14; darumb wil ich dich zu boden stürzen. 28, 17; er stöszet zu boden den armen mit gewalt. ps. 10, 10; mit diesem text mögen wir zu boden stoszen allen freien willen. Luther 4, 488ᵇ; gottes reich und der seelen heil lassen untergehen und helfen zu boden stoszen. 5, 185ᵃ.
b)
zu boden werfen, strecken, drücken, prosternere, niederwerfen, niederstrecken, niederdrücken: du zerstörest seine reinigkeit und wirfest seinen stuel zu boden. ps. 89, 45; ich habe wie ein mechtiger die einwoner zu boden geworfen. Es. 10, 13; sie rangen, aber der kleine ringer warf den groszen zu boden; mit einer keule zu boden strecken; das unglück drückt mich zu boden;
ihr seht den schmerz, der mich zu boden drückt.
Schiller 620ᵇ.
c)
zu boden legen, fällen, schieszen, prosternere: dise statt hat Scipio zuͦletst under sich bracht und aller ding (omnino) zu boden gelegt und umbkert. Frank weltb. 15ᵃ;
der wein der spricht: dein grausamkeit
gar manche stadt zu boden leit.
wunderh. 4, 185;
und damit ist ihme auch zu boden verlegt, was er wider des Abrahams sohn und enkeln fürbracht hat. Ayrer proc. 1, 15; um den bogen, womit sie so viele lügen und menschen zu boden gelegt, sanft zurück zu spannen. J. P. Tit. 1, 108; alts. niderwerpan, fellian ti foldu. Hel. 82, 9; unsern lieben ehewirt und vattern uns unter den händen jämmerlich und unchristlich zu boden geschossen. (a. 1606). Reinhard Werth. ded. 2, 188;
so wiltu mich zu boden schieszen.
Ringwald tr. Eck. K 5ᵇ.
d)
zu boden trinken oder saufen, vino deponere:
wer hier am strengsten läuft,
den andern übereilt, zu gottes boden säuft,
der ist der beste mann. wir reiten in die schwemme
und baden mund und bauch.
Fleming 168.
e)
zu boden schlagen, heften, richten: schlugen des tags unter Israel zwei und zwenzig tausent zu boden. richt. 20, 21; warumb wiltu, das ich dich zu boden schlahe? 2 Sam. 2, 22; der feind verfolget meine seele und zuschlehet mein leben zu boden. ps. 143, 3; in grundsboden schlagen. Schiller 131ᵃ; die augen zu boden schlagen, niederschlagen; zu boden geschlagner blick; sie heftete das auge zu boden;
nun will niemand
antworten? jeder blick am boden, jedes
gesicht verhüllt. mein urtheil ist gesprochen.
Schiller 302ᵃ;
nur deine augen reden grad in boden! Klinger 2, 26; deine augen sind zu boden gerichtet, geheftet. zu boden richten hiesz aber sonst auch, was heute zu grund richten, perdere: seine gesundheit war zu boden gerichtet; scherze und löfle nicht zu viel, denn solchenfalls wirstu deine eigene würdigkeit zu boden richten. pers. baumg. 7, 3; zu disen betrübten zeiten, da die armen unterthanen nicht nur erschöpft, sondern fast gar zu boden gerichtet sein. Butschky kanzl. 799.
f)
zu boden treten, stampfen, reiszen, niedertreten: das ros strampfet auf den boden und ist freidig mit kraft. Hiob 39, 24; die hufe der pferde stampften alles zu boden; so verfolge mein feind meine seele und ergreife sie, und trette mein leben zu boden. ps. 7, 6; du trittest seine krone zu boden; er risz ihn zu boden und überwältigte ihn; deine starken seulen wird er zu boden reiszen. Ez. 26, 11; eine zerfallne mauer zu boden reiszen. pers. rosenth. 7, 18;
tritt zu boden meiner busze früchte!
Bürger 100ᵃ;
g)
zu boden, in boden verderben, verstören, evertere, perdere: das die wilden capellen und feldkirchen würden zu boden verstöret. Luther 1, 306; dasz sie mit ganzem fleisz suchen, den christenglauben im boden zu verderben. Bocc. 1, 21ᵇ; er ist gefangen und so gar in boden verderbet, das im weder zu rathen noch zu helfen ist. Wirsung Cal. E 3ᵃ; verschleckt, verfriszt alles in den boden. Frey garteng. cap. 55. bei Gotthelf aber heiszt die sach zbode machen. erz. 1, 218, sie abthun, was doch auch ein niederthun ist.
6)
unmittelbar an diese letzten redensarten schlieszt sich ein adverbiales 'in den boden hinein nicht' für gar nicht oder zur verstärkung desselben:
gefalt mir gar im boden nit.
fastn. sp. 894, 14;
ob sie schon in den boden hinein nichts taugen. Simpl. 1, 244; hilft in boden gar nichts. Frey garteng. cap. 68; ein geiler garsthammel, welche (magd) im boden hinein nichts nütze. mägdelob 29; in grund und boden nichts nutzig; zbode schlecht. Gotthelf schuldenb. 64.
7)
so gewöhnlich es ist, den boden sich unten zu denken, liegt das doch nicht in seinem wesentlichen begrif, da auch in die höhe gegossen, geschüttet, gesprengt werden kann, und wie bereits gesagt wurde, das fasz unten und oben einen boden hat. in jedem hause sogar findet sich der boden oben, der keller unten, es wird auf den boden gestiegen:
hüpft ein kätzchen oben übern boden.
Göthe 2, 103;
die mäuse springen über der zimmerdecke auf dem boden herum; es geht auf dem boden und trappt nicht (der mondschein). dieser boden scheint ursprünglich immer ein schüttboden, fruchtboden, kornboden, malzboden granarium, heuboden, auf den frucht oder heu geschüttet, geladen ist, contignatio, tabulatum, wie die gleich zu eingang aus 1 Mos. 6, 16. 1 kön. 7, 7 angeführten stellen von übereinander getäfelten, mehrfachen boden reden. in solchem sinne heiszt es: meine boden sind mit frucht gefüllt; wie du das korn auf dem boden oder in dem sack sihest ligen. Luther 6, 256ᵃ; volle böden. Ant. Wall beide bill. 4. doch frühe schon, ohne alle vorstellung des schüttens, ist boden das oberste stockwerk, worin kisten und kasten aufgestellt, enge bodenräume, holzkammern u. s. w. angelegt werden; dann aber auch in tieferen stockwerke ansehnliche säle und zimmer, wo frei und ungehemmt aufgetreten werden musz, was sich wieder an die bedeutung von fuszboden, erdboden schlieszt: wollboden, tuchboden, fechtboden, tanzboden, und so auch kampfboden, tummelboden: kein staat durfte sich mit ihr auf den kampfboden (die arena) wagen. Schiller 788; ein tummelboden der leidenschaften.
Zitationshilfe
„boden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/boden>, abgerufen am 22.05.2019.

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