blume f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 158, Z. 31
flos, ahd. bluama bei O. (Graff 3, 241); mhd. diu bluome. Trist. 290, 11. myst. 142, 32. 246, 29; mnl. bloeme, nnl. bloem; schw. blomma. gerade so wandelte sich das lat. flos, it. fiore, sp. flor, die sämtlich m. sind, in franz. fleur f. das nhd. f. gewährt schon Steinhöwel in einer nachher anzuführenden stelle, auch Dasypodius 76ᶜ stellt auf die bluͦm, bei Luther ist die blume entschieden.
1)
im eigentlichen sinn, die blume geht auf, öfnet und schlieszt sich, glänzt, duftet, welkt, fällt ab, vergeht; die blume wird gebrochen, gepflückt, geknickt, abgerissen, abgeschnitten, vorgesteckt, gestreut, in einen strausz oder kranz gewunden:
vil blumen zu krenzen und zu schmecken,
zum tisch streuen und auf zu stecken.
Ayrer 385ᵃ;
besteckens mit plumen. bienenk. 150ᵃ. der mensch gehet auf wie eine blume und fellet abe. Hiob 14, 2; der mensch ist in seinem leben wie gras, er blüet wie eine blume auf dem felde, wenn der wind darüber gehet, so ist sie nimer da. ps 103, 15; der thau tränkt, netzt, erquickt die schmachtende blume, läszt sich nieder auf die blume; die sonne färbt, versengt sie. eine zarte, schlanke, wunderbare, heilsame blume, eine giftige. der käfer sitzt in der blume, die biene trinkt, holt ihren meth in der blume, fliegt von blume zu blume; wie eine imme aus einerlei blume allein nicht ihren honig holet. bienenk. 6ᵇ.
die blumen von den beeten schauen uns
mit ihren kinderaugen freundlich an.
Göthe 9, 102.
2)
viele, schon alte zusammensetzungen, wie bienenblume, butterblume, fallblume, feldblume, gänseblume, gemsblume, glockenblume, grasblume, heublume, honigblume, kornblume, maiblume, mohnblume, osterblume, ringelblume, schlüsselblume, schneeblume, sonnenblume, waldblume, weinblume, wiesenblume, wucherblume, wunderblume zeugen von unsrer sprache armut an kräuternamen: die meisten sind allgemein und fast nichts sagend. fremde benennungen wie rose, lilie suchte man durch rosenblume, lilienblume (fleur de lis) zu verdeutlichen, jedesmal sind die einfachen wörter schöner als die zusammensetzung, z. b. das ahd. hringilo m. oder hringilâ f. anacyclus gefüger als ringelblume. die böse blume ist orobanche major, böser Heinrich, erbsenwürger.
3)
schöne und geliebte frauen werden blume angeredet, eine menge frauennamen sind bei den völkern von einzelnen blumen entnommen, unter deutschen jüdinnen ist der name Blümchen sehr üblich, das schönste mädchen im lande heiszt die blume des landes; ich bin eine blume zu Saron und eine rose im tal. hohelied 2, 1;
aber das schönste erlebt mein auge:
denn ich sehe die blume der tochter,
ehe die blume der mutter verblüht.
Schiller 499ᵇ;
der liebhaber flattert von einer blume zur andern;
du sprichst ja wie Hans Liederlich,
der begehrt jede liebe blum für sich.
Göthe 12, 134.
4)
blume neben einem gen. bezeichnet das schönste, feinste, zarteste: bluome aller manne. Tit. 2876; aller ritter bluome. Parz. 109, 11; ein bluome an mannes schœne. 39, 22; kühne knaben, ihr helft mir meines vaters tod rächen, ihr blumen des vaterlands! Klopstock 8, 223;
der königinnen jüngste
erscheint nun bald mit ihren todesopfern,
den blumen Israels!
9, 32;
selbst das volk, des blume
in Thermopylä blüht und sank!
9, 199;
fahre wol, du blume und zierde aller feenritter! Wieland 12, 268;
dieses beneid ich ihm unter allem,
dasz er heimführt die blume der frauen.
Schiller 500ᵃ;
braver Cid, du blume Spaniens!
Herders Cid 25.
5)
blume neben abstracten vorstellungen. die blume der jugend, ἄνθος ἥβης:
er was ein bluome der jugent.
a. Heinr. 60;
beim anblick einer so zahlreichen menge, deren geringster reiz die frischeste blume der jugend war. Wieland 2, 31; ein paar schwarze grosze augen und die blume der jugend ersetzten was ihrem gesicht abgieng. 20, 24; schon in der ersten blume der jugend von ihnen begeistert, versuchte es Sokrates sie in marmor zu bilden. 10, 96; damit er die entfernten blumen der jugend wieder erkenne. J. P. Hesp. 1, xxvii;
in der blume (blüte) des lebens.
Messias 4, 695;
wie ein lächeinder frühling verblüht, die blume des lebens
bald im hoffenden jünglinge stirbt, vor der reife der jahre,
also sind sie vorüber gegangen.
4, 1038;
auf den stilleren söller war der reichen bewohner
einziger sohn gestiegen. er war in der blume des lebens,
aber ein jüngling voll ernst.
15, 480;
wo sich die blume seines edlen lebens schlosz.
Gotter 1, 272;
die blume ist hinweg aus meinem leben,
und kalt und farblos seh ichs vor mir liegen.
Schiller 399ᵇ;
sein auge ruhte oft auf der stubenthür, ob nicht der tod in gestalt einer freude eintrete und die blume seines lebens mit einem liebesdruck gelinde niederlege. J. P. uns. loge 2, 102; kinder diese erquickenden, ofnen blumen der menschheit. Tit. 2, 64;
dasz namlich aller schönheit blum
nur auf Elisa noch bestehet.
Weckherlin 340;
ha, dann blick und lechz ich mit entzücken
jede blume deiner schönheit an.
Bürger 99ᵃ;
die weichen blumen der freude. J. P. Hesp. 1, 128; alle seine heutigen blumen der freude hatten ihre wurzeln in tiefen thränen. 3, 52; eine blume, die blume der freude. 3, 182. 190; die blumen seines geistes. Hesp. 1, 252; die fernsten blumen der phantasie thaten sich auf. Tit. 3, 21; die blumen der poesie. Hesp. 2, 28; blumen der rede, floskeln; durch die blume sprechen, etwas verblümt sagen; sich zu dem erheben, was die blume aller geschichtlichen forschung ist. Göthe 37, 94; nun kommt die blume von dem unternehmen. Tieck 1, 356.
6)
blume, jungfrauschaft, magetuom. Catull 62, 46 virgo:
cum castum amisit polluto corpore florem,
nec pueris jucunda manet nec cara puellis.
mhd. ich brach der rôsen niht und hât ir doch gewalt.
MS. 1, 2ᵇ;
swer sô bî einer megede lac
und ir den bluomen abe genam.
Trist. 318, 9;
hâst den pluomen nu verlorn.
ring 43ᵇ, 3.
nhd. den ersten bluͦmen hinnemmen, praeflorare; umb den bluͦmen kommen, verfält und entmägtet (entjungfert) werden. Maaler 72ᵈ; ein guͦt tochter, die kam zu dem richter und klagte ein gelerten gesellen umb die blumen an, er hett sie verfellt und not bezwungen. sch. u. ernst cap. 128 (1522 cap. 15 klagt ein jungen gesellen umb den bluͦmen an, er het sie verfelt und notzwungen); da antwort ihr der richter, hettestu auch also geschrien, da dir der gesell den kummer anthuen und die blumen wolte nemmen. das. (1522: hettestu auch also geschruwen, da dir der gesel den kummer wolt anthuͦn und dich zwingen seinen willen zuͦ thuͦn und den bluͦmen nemen); und in meiner kammer die erst blum der göttlichen ehe mit ihr abbrechen solt. Bocc. 2, 199 (im Ulmer druck 365ᵇ und in meiner kamern die ersten bluͦmen der göttlichen e mit ir abbrechen solt); sie habe ihm einmal ihre blume gewidmet und diese solle auch kein anderer brechen. pol. stockf. 275; wo Adelheid
um die blume
der unschuld sich liesz bethören.
Gökingk 3, 136.
vgl.kränzchen, ↗kränzlein. blume ist auch die menstruation: blumstellen, sanguinis profluvium inhibere. Garg. 77ᵇ;
die da besudelt ist durch ihrer blume flusz.
Opitz 3, 32;
wofür Ettner immer die amaranthen sagt.
7)
blume des weins, der edelste, feinste wein, ἄνθος οἴνου, flos vini, le bouquet, arom des weins, der wein hat blume, ist aromatisch;
noch indenk jener nacht,
da wir in lauter lust und wonne fast versunken,
die blum des besten weins aus gold und einhorn trunken.
Gryphius 2, 58.
8)
blume des mehls, flos farinae; blume der hefe, oberhefe; den schaum des aufwallenden indigos nennen die färber blume; blume heiszt das nierenfett der thiere, das feine schmalzfett des geflügels. vgl.blühend 4.
9)
blume des feuers, flos ignis, ahd. des fiures pluomo. N. M. Cap. 163;
flammai flore coorto.
Lucr. 1, 900,
vgl.blühen 9 von der kohle.
10)
blume des aussatzes, des geschwürs, kopf des geschwürs, wo es aufbricht, vgl.blühen 7:
umb sie liegen grosz spitalblumen.
H. Sachs III. 3, 14.
blume des nagels, der weisze fleck auf dem nagel.
11)
blume der wolle, der geschlossene, edelste stapelbau hochfeiner wolle, gr. οἰὸς ἄωτον. Il. 13, 599. 716. Od. 1, 443. ebenso λίνοιο ἄωτον, blume, duft der leinwand. Il. 9, 661. blume heiszt auch ein schöner glanz der zeuge.
12)
bergmännisch, blume, blase, die der blick des silbers setzt: das silber geht in blumen, es wird bald blicken. man erwäge die verwandtschaft der wörter blühen und blasen. die weisze blume ist der weisze, natürliche vitriol.
13)
weidmännisch, blume der schwanz des hasen, des roth und damwilds; dann die weisze schwanzspitze beim hund, wolf und fuchs, mit der, wie mit einer blüte, der leib endet. birkfuchs heiszt ein fuchs mit weiszer, brandfuchs einer mit schwarzer blume: die rothen füchse haben weisze blumen an spitzen ihrer schwänze, die brandfüchse aber schwarze. Becher 63.
14)
blume, der weisze fleck auf des rindes und pferdes stirn, vgl.bläslein, ↗blasse, ↗blässe, blumi.
15)
blume heiszt auch was sonst der blum, ertrag des feldes: die geruget werden, sullen entpfallen sein der selber erbschaft mit der blomen. weisth. 2, 296; den sal man des abts vogtei verkünden und darnach die blum darauf. 2, 297.
blüme f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 160, Z. 49
atramentum sutorium candidum tenue, die blüme. Georg Agricola de re metallica. Basil. 1657 p. 703ᵇ.
Zitationshilfe
„blume“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/blume>, abgerufen am 14.10.2019.

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