blick m
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 113, Z. 49
fulgor, splendor. unter bleichen sp. 97 wurde ausgeführt, dasz das einfache ahd. plîchan pleih fulgere nicht mehr vorkommt, von ihm würde sich ein nomen plih, gen. pliches ableiten, das in einigen der bei Graff 3, 244 mitgetheilten belege vorkommt, die notkerschen hss. gewähren blig, blicches. mhd. kein blich (: ich, dich, sich), gen. bliches, nur blic (: schric, stric, z. b. Parz. 103, 28. troj. kr. 12177), gen. blickes (Ben. 1, 206. 207). da nun ahd. cch = mhd. ck aus ch nur bei folgendem i entspringt, ist ein verlorner ahd. nom. plicchi vorauszusetzen, dessen flexion der von hrucchi dorsum gleichstände. auf diesem weg läszt sich nhd. blick aus der wurzel bleichen fulgere leiten. s.blitz.
1)
die ahd. bedeutung fulgor, fulgur, fulmen, schnell schieszender lichtstrahl geht zunächst auf die naturerscheinung und ist auch mhd. sehr häufig, nhd. seltner. wir gebrauchen für fulgur nicht mehr das einfache blick, sondern das nahverwandte blitz, Luther häuft sie beide: deine pfeile fuhren mit glenzen dahin und deine sphere (l. spere) mit blicken des blitzes. Habac. 4, 11. doch heiszt es vom aufblickenden, aufblitzenden pulver noch blick: ein nachbar sah den blick vom pulver und hörte den schusz fallen. Göthe 16, 190. auch wird der aufgehenden, sinkenden, leuchtenden sonne blick beigelegt:
der sonne trübgedämpfter blick.
Göthe 9, 378;
erwachte nicht eher wieder als bis die sonne mit herlichem blick herauf stieg und die frühsten nebel bewältigte. 17, 142; das kind sah zum erstenmal in seinem leben die sonne aufgehen. sein erstaunen über den ersten feurigen blick, über die wachsende gewalt des lichts. 20, 150;
aus dem schleier bald hier bald dort mit glühenden blicken
strahlend über das feld die ahnungsvolle beleuchtung.
40, 316;
als die sonne den pulverthurm der wetterwolke über ihm mit ihren heiszen blicken entzündete und in tausend blitze und schläge zersprengte. J. Paul Tit. 1, 143. jeder anbrechende und vergehende schein und schimmer ist ein blick:
der morgenröthe blick.
Zachariä 1, 17;
der erste blick
des morgens wecket
auch unser glück.
Bürger 10ᵃ;
in einer hütte leicht gezimmert,
von der ein letzter blick des kleinen feuers schimmert.
Göthe 2, 148;
manchmal will wol ein freudiger blick des lebens wieder aufdämmern. 16, 116. vgl. sonnenblick.
2)
farben und metallen wird blick beigelegt: ein plick oder heller schein. Mathesius 65ᵇ; für diese unmerkliche steigerung des gelben und blauen ins rothe haben die Franzosen einen artigen ausdruck, indem sie sagen, die farbe habe einen 'oeil de rouge', welches wir durch einen röthlichen blick ausdrücken könnten. Göthe 52, 220; ein kleiner blick ins rothe gibt dem gelben gleich ein ander ansehen. 52, 314. zumal wird von den bergleuten dem silber ein blick zugeschrieben, wenn auf dem treibeherd in flusz gerathen es alles unreine ausgetrieben hat, auf der oberfläche starrt und einen schnell vorübergehenden schein oder schimmer zum zeichen seiner lauterkeit wirft. Henisch 418 hat blick silberkuchen, panis argenteus. man sagt, das silber ist abgequickt und steht still, das glühendrothe erz überläuft mit weiszen blumen, wie milch nach abgenommener haut weisz blickt. auch das silber zeigt bei der erhitzung farben. Göthe 52, 204. der blick wird abgekühlt und abgewogen: wenn nun der guardein den blick numeriert und ein prob daraus gehawen hat, so antwort man den gewegnen plick ins brennhaus. Mathesius 150ᵃ; so dann der blick in gegenwart des schichtmeisters zerschlagen und die stücke und schrötlein, so im zerschlagen abspringen, soll man fleiszig zusammen halten. Hertwig 89ᵇ; der bergmann bittet um edlen blick:
setzt er auch durch den alten mann
den schlegeleisenbohrer an,
in frischem feld und strecken,
bescher ihm einen edlen blick!
und
lasz endlich uns auch also leben,
dasz wir dem lautern silber gleich
viel schöne tugendblicke geben.
Mariäkircher bergandachten nᵒ 537;
nun must du mir treu bestehen,
und dein herz wird dir geläutert
wie der blick durch silber gehen.
Tieck 1, 33.
vgl. blicksilber, goldblick, silberblick. auch von einem fluszspiegel, den man aus der ferne scheinen sieht, heiszt es blick.
3)
schön und oft verwendet unsere sprache blick vom licht und strahl des auges, das ja selbst das sehende, leuchtende ist (1, 789). das auge blickt, blitzt und leuchtet, bei heftigem stosz entfahren ihm funken: vom blick und fewerflammen der augen. es ist vielen menschen, das es ihnen erscheinet, als schwebete ihnen glanz, fewer und flammen für den augen, welches gemeine leute (das volk) das wetterleuchten der augen nennen, zu latein splendores nocturni. Bartisch augendienst 124; unsere augen schlichen diebisch ihm nach und zuckten zurück, wenn sein wetterleuchtender blick sie traf. Schiller 145ᵇ;
so hab ich dich nie gesehen. stolzer hebt
sich deine brust und deine blicke leuchten.
299ᵇ.
blick ist, wie augenblick, momentum:
die stunden schieszen fort.   ein jeder blick der spricht,
ergreif mich, weil ich bin!
Fleming 36 (38).
vgl. hernach 5. man sagte auch blick für das weisze in den augen. Henisch 418 vgl. blickauge. eine menge adjectiva dienen zur bestimmung:
a)
der erste und letzte blick, wie der aufgehenden und sinkenden sonne unter 1. der erste blick in die welt. die sterbenden eltern geben kindern den letzten blick, im letzten blick liegt die seele:
ψυχαὶ δ' ἐν ὀφθαλμοῖσι τῶν τελευτώντων.
Babr. 95, 35;
haben doch meine alten augen ihn noch einmal gesehen. Haupt 3, 294; ferne kinder reisen zum sterbeblick des vaters; dein freund ist allzugut, als dasz er seinem vater zulassen sollte, mit seinem letzten blick ihn vergeblich zu suchen. Joh. Müller an Bonstetten s. 263; jeder angstvolle blick, den der sterbende auf sie warf, brach ihr das herz ... wenn diese blicke um leben fleheten. Woldemar 103. man sagt, ersten blicks erkennen. Wieland 18, 302. 24, 207;
dem ersten blick ist sie gekannt und werth.
Göthe 9, 332;
sich meines ersten blicks ins unbegrenzte,
mit liebevollem antheil, zu erfreun.
9, 339.
b)
ein klarer, heller, heiterer blick:
auf ewig hast du mir den heitern blick
ins volle meer getrübt.
9, 339;
da er ihm durchaus, bei seinem klaren blick auf menschen, eine gewisse falschheit anzusehen glaubte. 23, 139; der feste, sichere, gesunde, freie, richtige, tiefe, höhere, scharfe blick: mit bewunderung bemerke ich an ihnen den tiefen und richtigen blick, mit dem sie dichtung und besonders dramatische dichtung beurtheilen. 19, 95; der freie und scharfe blick, den ihm die natur über alle kräfte, die im menschen nur wohnen, gegeben hatte. 20, 216; in absicht eines freieren betragens, einer bequemeren mittheilung, eines höheren blicks in die weltlichen dinge. 17, 288; mit stetem, scheidendem (entschiednen?) blicke haften. Woldemar 135.
c)
lachendes blicks sie an mich sach.
fastn. sp. 1297;
ein mädchen mit beredten blicken.
Lessing 1, 81;
also stund der hofnarr vor dem tische und machte einen lustigen blick nach dem andern. Weise erzn. 225; wenn man alle diejenigen verurtheilen wollte, welche etwa einen freundlichen blick vergelten, oder sich eine versuchung zuziehen, so würde man sehr ungerecht gegen uns sein. Möser 9, 123; mit dem süszesten blick ihn faszte. Woldemar 1, 80.
d)
ein trockner, nasser blick, wie trocknes, nasses auge:
jetzo fand sie am ufer den sitzenden. nimmer von thränen
war ihm trocken der blick, sein süszes leben verweint er.
Voss Od. 5, 151;
sahst mir nach mit nassem blick.
Göthe 1, 77;
deines nassen blickes flehen.
Gotter 1, 13;
ein starrer, schwärmerischer, träumerischer, verlangender, fragender, trunkner, irrer, scheuer, angstvoller, frecher, dreister:
dann werd ich stehen, werde starres blicks
geschwollne segel ferner, immer ferner,
und glück und hofnung weichend schwinden sehen.
Göthe 9, 352;
mich ihres trunknen blicks ins unbegrenzte
mit unbegrenzter liebe zu erfreun.
9, 323;
werd keines guten blicks gewahr.
Ringwald tr. Eck. K 8ᵃ;
gib in böser blick wol vier.
Scheit grob. E 1;
es gibt blicke, es wären ihrer neun genug zum tode. Simrock 1136; böser blick, böses auge, obliquus oculus. (mythol. 1053); mit verstolenem blick, furtivis oculis. Felsenb. 1, 122; ein heimlicher, diebischer blick; mit gesenktem blick; mit eingekehrtem blick. Woldemar 115.
4)
verba.
a)
geben: er gab der herzogin manchen freundlichen und liebreichen blick. Galmy 161;
soll der himmel geben blick (schauen)
auf so manches schelmenstück?
Logau 2, 7, 54;
sie gibt ihm drauf noch einen blick,
und kehrt nach ihrer flur zurück.
Gellert 1, 81;
wie mancher liesz sichs nicht gelüsten,
dasz er ihr blicke gab.
Lessing 1, 55;
indem er mir besonders einen bedeutenden blick gab. Schiller 724.
b)
thun: er that noch einen blick in die gegend; gehet es dermaszen geschwind vor sich, dasz man nicht einmal einen blick zurücke thun darf. Weise kl. leute 269; einen blick in Teutschland thun. Hahn 4, 186; thu noch einen blick in das buch.
c)
werfen: seine blicke weit werfen; er wirft einen blick durch das menschengeschlecht. Schiller 704; wenn jene einen heitern, ja seligen blick über die irdischen dinge warf. Göthe 26, 327.
d)
wenden, richten, abwenden, abkehren, heften: er wandte, heftete den blick an, auf den boden; jeder blick am boden. Schiller 302ᵃ.
e)
heben, senken; blicke fallen, fliegen, schieszen, schweifen lassen; den blick weiden, pascere oculos:
jetzt da, jetzt dort die irren blicke weidend.
Schiller 238ᵃ;
hemmen, zurückhalten, fliehen, einhalten, fesseln, schärfen:
o Chloe, halte deinen blick
von diesem schalke ja zurück!
Lessing 1, 15;
Theseus selbst
schärft deinen blick, da er ihn schlieszen will.
Schiller 610ᵃ.
f)
blicke wechseln, tauschen: sie wechselten blicke unter einander. mhd.
dô wehselten si dicke
die friuntlichen blicke.
Er. 1490.
g)
auch intransitiv, der blick fliegt, schweift, schwärmt:
voreilig schwärmte nicht mein blick umher.
Göthe 9, 345;
nur in der blauen trübe
verliert sich fern der blick.
1, 126.
da schossen blicke!
5)
im blick heiszt raptim, im flug, auf einmal: mhd. in éinem blicke. Rol. 151, 6; nhd.
wirt alls vereinet in éim blick.
fastn. sp. 1263;
es ist ümm éinen blick,
so fällt (erlegt) uns ein pistol, ein degen oder stück.
Fleming 113;
wein und zorn verblendeten mich, doch sah ich den weiszen
nacken, die herliche brust, die du bedecktest, im blick.
Göthe 1, 309.
vgl. im augenblick 1, 802 und im blitz, blitzschnell. 'einen blick' bedeutet nur etwas, ähnlich dem einen tropfen, 'nicht éinen blick' nicht das geringste, nicht einen tropfen: und wer éinen blick von diesem herzleid und göttlichen gericht gefühlt hat. Melanchth. im corp. doct. chr. 528;
der mit den augen dieser erdn
nicht kan ein blick gesehen werdn.
Ringwald tr. Eckh. C 7ᵃ;
und nicht ein blick leszt von sich kommn,
was es hat einmal.
laut. warh. 206;
o blinder menschen sinn, du achtest gott so klein,
und kanst doch ohne gott nicht einen blick nur sein.
Logau 1, 4, 65;
wo es gottes liebe meint, wie es christenliebe meint,
wundert mich, dasz einen blick über uns die sonne scheint.
3, 7, 10,
in welcher letzten stelle es ganz sinnlich genommen werden kann. blick für blick, glanz auf glanz, schein auf schein. die Ilm spricht:
sonne mich im jubelsaale,
spiegle bilder blick für blick.
Göthe 4, 70.
6)
blick und schein war im altdeutschen recht der offenbare, augenscheinliche beweis, das was an sich selbst blickt und scheint, die evidenz, was keiner andern beweismittel bedarf, zumal im peinlichen fall, der vor die augen des richters gebrachte leib des erschlagnen, oder das leibstück, die davon abgenommene hand, vgl. Haltaus 172 und rechtsalterth. 879, der blickende schein. man sagte: blick und schein sehen, vernehmen, z. b. in einer urk. von 1469 in Useners heiml. ger. s. 214. aber auch: zum bereiten blick ausfündig machen, klar erweisen. Reinhards werth. ber. s. 302.
7)
mhd. verband sich ze blicke mit verben:
swer mit einem vederspil
gern geringe vâhen wil,
dem zeigt man vil dicke
den vogel ze blicke.
krone 8082;
maneger dienet wan ze blicke.
jüngling 191;
swâ ze blicke dient ein jüngelinc,
der gebe mir einen pfenninc.
201,
d. h. ein augendiener ist;
vorhte mit triuwen dienet wol,
swes herze ist aber untriuwe vol,
der dient ze blicke durch sîn genieʒen
und kan sîn dienst mit worte ûʒ gieʒen,
vil mêre dan mit getriuwen werken.
Renn. 18090.
nhd. auf den schein.
8)
blick kann, wie anblick und alle ähnlichen, sowol intransitiv das blickende, scheinende, als transitiv das angeblickte, erblickte ausdrücken: mhd.
manec man sach leiden blic, triste spectaculum.
Haupt 4, 223;
nhd. ich hab ihn gesehen!
wie ist mir geschehen?
o himmlischer blick!
Göthe 1, 41,
entweder meinen den gethanen blick oder den gewonnenen, wie es heiszt, von diesem berge gewinnt man weiten blick; der hafen und das binnenwasser geben einen groszen heitern blick, die offenbare see ist noch nicht zu sehn. Zelter an Göthe 354. ein beschränkter blick meint die enge aussicht oder das schwache gesicht: krämer, deren blick auf ihren laden beschränkt war. denkschr. des freih. vom Stein 233.
blick m
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 116, Z. 83
cyprinus alburnus, was bleie, bleihe: ein blick ist ein junger fürnen, hat rothe äugelein, derohalben er ein rothäuglein genant wird. Hohberg 3, 307ᵇ. s. blicklein.
Zitationshilfe
„blick“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/blick>, abgerufen am 21.08.2019.

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