beste
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1659, Z. 31
optimus, goth. batista batistô batistô, ahd. peʒisto peʒistâ peʒistâ, ags. betsta, verkürzt besta. über einen nur mutmaszlichen positiv bat, ahd. paʒ sp. 1153, über den comp. batiza, peʒiro, besser sp. 1644, über die starke form best sp. 1650, in der folgenden verhandlung müssen aber beispiele aus beiden flexionen, der starken und schwachen, zugelassen werden.
1)
da schon die mhd. form beʒʒiste (Ben. 1, 95ᵇ), mit ausgeworfnem Z, zu beste wird, nhd. aber dem comp. besser kein superl. besseste zur seite steht, nur beste, so darf man nicht schreiben beszte, so wenig als wuszte, muszte für wuste, muste. ST hat hier überall seinen guten grund. gerade so schwindet im ags. besta, altn. bestr, beztr das T.
2)
der beste mann, der beste freund; einer der besten menschen unter der sonne; auch beklagend, der beste mann! ob er gefährlich verwundet ist, wissen wir nicht und wir wollen es nicht hoffen. Lessing 12, 134; wie soll man ihr nun helfen, der besten frau auf der welt! in der anrede bester! mein bester! meine beste! o beste! Göthe 12, 161; bester mann! 12, 182; ironisch, sie irren sich, mein bester!
3)
holet vom besten wein!;
lasz mir den besten becher weins
in purem golde reichen.
Göthe 1, 179;
wir wollen uns mit dem besten wein und salben füllen. weish. Sal. 2, 7; von dem besten gewächs; und ich würde sie mit dem besten weizen speisen. ps. 81, 17; das beste mehl, flos farinae; das grosze haus aber spündet er mit tennen holz und uberzogs mit dem besten golde. 2 chron. 3, 5; machte zweihundert schilde vom besten golde. 9, 15.
4)
hunger ist der beste koch; die luft ist die beste arznei; die zeit ist der beste trost; der frühling die beste zeit zum säen; beim besten ist der beste kauf.
5)
der erste beste, primus quisque; rufet den ersten besten von der strasze!; ehedem wol gab es einen vater, der seine tochter von der schande zu retten, ihr den ersten den besten stahl in das herz senkte. Lessing 2, 188; da musz sie sich dem ersten besten an den hals werfen. Göthe 11, 14; nun aber komme mir der erste beste hund aus der stadt. J. Paul flegelj. 1, 81; es geschieht beim ersten besten anlasz, dasz man ihm die wahrheit sagt; nnl. ik zal het den eersten den besten geven. es heiszt auch, der zweite beste, der beste darnach.
6)
mhd. der beste und der bœste:
er miste gern ir beider,
der bœsten und der besten.
Parz. 375, 6;
der bœste ist dir der beste
und der beste der bœste.
Iw. 144;
die besten noch die bœsten
kunde nieman trœsten.
klage 1858;
daʒ beste lân undʒ bœste tuon.
Helmbr. 518;
wofür roseng. 1100 niht der tiurste, nicht der bœste. beispiele aus urkunden gesammelt RA. 34. in den weisthümern immer: es soll wein geliefert werden nicht vom besten und nicht vom schlimmsten, ein guter trunk. der mensch gehört nicht zu den schlimmsten noch zu den besten; er ist keiner von den bösten, keiner von den besten; das böste wird gedacht, das beste wird geredet; thuͦnd das best und das böst, wie ir mögend, huc et illuc vos versate. Maaler 63ᵇ. vorsicht gebietet aber die häufig ö für e setzende schreibung des 16 jh., z. b. Schertlin schreibt br. s. 21: die Augsburger habend das böst bei mir gethon, meinend das beste.
7)
er steht in den besten jahren, in der mitte, der kraft des lebens; ein mann in seinen besten jahren. Göthe 24, 190;
eine fürstin starbe, noch in bester jugend,
war wie an dem stande fürstin auch an tugend.
Logau 3, 5, 76.
als ich im besten schlafe lag, mitten im schlafe; denn gleich als wenn die dornen, so noch in einander wachsen, und im besten saft sind, verbrennet werden, wie ganz dürr stro. Nahum 1, 10; als man im besten reden war, kam feuer aus; als er im besten zuge war, risz man ihm das glas vom munde; da sie im besten tanz war, muste sie fort;
und als der danz am besten war,
da erhub sich ein groszes schlagen.
H. Sachs I, 530ᵇ;
und als der tanz am besten war,
da giengen die lichter aus;
und als der tanz zum besten war, tanzte er mit dem könig zum haus hinaus und schlug ihm die thür vor der nasen zu. Simpl. 3, 187; und als nun Ulenspiegel auf dem seil sasz und sein dumlen am besten was, so schleich sein mutter heimlich hinden in das haus auf die bün und schneid das seil enzwei. Eulensp. cap. 3. alle diese beispiele drücken einen risz mitten in die freude, in die beste freude aus.
8)
ich handelte nach meinem besten wissen; nach ihrem besten ansehen zu des reiches nutz handeln. reichsabsch. von 1521 §. 12; das ist im besten sinne zu verstehen; so hab ichs auch in diesem buche zu machen mich besten vermögens bestrebt. Siegfr. von Lindenb. 4, 419.
9)
bekannt aus dem deutschen recht ist das beste haupt, optimum caput, mhd. daʒ beste houbet, daʒ beste nôʒ, daʒ beste vihes houbet (RA. 364), wofür auch vorkommt daʒ tiurste houbet, valentius caput, wie vorhin der tiurste und der beste. vorzugsweise wird aber unter dem besten vieh das pferd verstanden, wie bei Helbling 1, 389:
und lâʒ dir enpfolhen sîn
daʒ vihe aller beste,
daʒ dem iht gebreste,
swing im vuoter, mach eʒ rein,
streich im schône sîniu bein,
wint im ûf den hôhen schopf.
wo aber armut einzieht und schwelgerei in des mannes haus, geschieht es,
das die katz wird sein bestes viech.
H. Sachs I, 344ᶜ;
hat bei ihm täglich volle gäst,
derhalb sein katz wird bald das best
viech werden durch sein schlemmerei.
IV. 3, 87ᶜ;
wie vil gesind, so vil feind, da ist hund und katz das best vihe. Garg. 69ᵃ.
10)
im peinlichen recht begegnet die formel, man soll ihn an seinen besten hals hängen, unter dem volk heiszt es, ich will meinen besten hals daran setzen, wagen; das wird ihn seinen besten hals kosten; welche wort schon manchen unbestellten wildschützen seinen besten und einigen hals gekostet. Simpl. 1, 40. Unter den gliedern des leibs hiesz die rechte hand die bessere (sp. 1645), nicht die beste, die zunge aber das böste glied
daʒ wirste lit, daʒ ieman treit,
deist diu zunge, sô man seit.
Freid. 164, 3.
gangbarer ist heute: die alte lacht über ihren besten zahn, z. b. irrg. der liebe s. 22.
11)
das beste: vergisz das beste nicht! (deutsche myth. 923); mhd. des besten wart nie niht an ir vergeʒʒen. MS. 2, 121ᵃ: das beste ist was man in der hand hält; das beste ist, dasz sie ihn lieb hat; das beste bei der sache ist noch, dasz es nicht lange währt; das wäre noch das beste, wenn er sich fortschliche; das beste spart man aufs letzte; das beste kauft man am wolfeilsten; man soll von todten das beste reden;
das beste was du wissen kannst,
darfst du den buben doch nicht sagen.
Göthe 12, 92;
das beste vorweg nehmen, das best vorab ausnemen. weisth. 2, 263; laszt uns das beste davon denken, hoffen; ich halte, sehe es an für das beste; alles ist auf das beste, optime, maxime; wir belustigten uns auf das beste; die Holländer verschanzten und befestigten sich aufs beste sie konten. Olearius orient. insuln s. 150; ufs beste er konte. Harnisch 121; er aber stund und schuttelte sich, so best er mochte und als viel er konte. eselkönig 139; so best ich mag, wie ich immer kan. Hans Jacob Velr 1525 e 3; mhd. als er beste kunde z. b. Flore 5051; dienen als ich beste kan. frauendienst 3, 31. Zumal häufig ist die redensart das beste oder sein bestes thun (wie das möglichste, sein möglichstes): dan er hat gelobt und geschworen, dem meister das best ze thuͦn, in vor schaden warnen, seinen nutz schaffen und fürdern. Keisersb. s. d. m. 72ᵇ; so kom nu mit uns, so wollen wir das beste bei dir thun. 4 Mos. 10, 29; prüfest du was das beste zu thun sei (optimum factu). Röm. 2, 18; drumb will ich meins theils mein best thun, wie einer der allein pfeift. Garg. 209ᵃ; es ist wol war, dasz sie hierzu auch ir bestes thun. bienenk. 83ᵇ; wann wir zu bezalung unserer schulden unser äuszerstes und bestes gethan. 101ᵃ;
du hâst in dem garten dîn besteʒ wol getân.
roseng. 1488;
das werk sie treiben an, ein jeder thut das best.
Weckherlin 253;
leute, halt den dieb, thut euer bestes, dasz ihr ihn bekommt! pers. baumg. 4, 17; wir dragoner haben neben den cürassieren das beste gethan. Simpl. 2, 77; weil man mit jedem zufrieden war, der sein bestes that, wie sies nannten, so that niemand sein bestes. Wieland 19, 265; und thut ihr bestes. 19, 271; ich wette, dasz ich am ende das beste bei der sache thun musz. Gotter 3, 25; wollte gott er verdient es und thäte das beste. Göthe 8, 61. nnl. zijn best doen, ik zal mijn beste doen. auch sein bestes (wie sein längstes) leben, seine beste (längste) zeit verlebt haben:
denn kömpt es aus, so gnad ihm gott,
sein bestes hie gelebt er hat (d. i. musz er sterben).
Hayneccius Hansoframea 2, 1.
nnl. hij liep al zijn best (cucurrit quam potuit maxime); een ieder roeit zijn best, ein jeder bewegt sich, rudert so wol er kann. das gemeine beste, bonum publicum; das hätte ich ums besten willen gethan. Schweinichen 1, 124; das beste des staats, utilitas publica;
warum? weil an Europas groszem besten
ihm mehr liegt als an ein paar hufen landes
die Östreich mehr hat oder weniger.
Schiller 336ᵃ.
das beste, der ausgesetzte erste preis (Schm. 1, 215), τὸ ἄριστον und ἀριστεῖον, woher ἀριστεύειν, der erste, beste sein:
hab gmeint bei allen meinen sinnen,
ich wölt alhie das best gewinnen.
Haupt 3, 245;
aber heute wil ich
den meisterschusz thun und das beste mir
im ganzen umkreis des gebirgs gewinnen.
Schiller 545ᵃ.
12)
hier ist nicht viel zum besten, sieht es arm und dürftig aus, ist wenig ausgestellt, aufgestellt; nnl. daar is niet veel ten beste; da war viel zum besten, da gieng es hoch her; er gab alles, was er hatte, zum besten, bewirtete so gut er konnte;
was wirst du auf der welt als creuz und ach erleben?
weil du bald anfangs must dein blut zum besten geben.
Gryphius 2, 457;
es sei noch eine flasche wein zum besten gegeben!; bei der kaiserkrönung wurde ein gebratner ochs zum besten gegeben; er gab den leuten zehn thaler zum besten; ich gebe die bemerkung zum besten (stelle sie auf, gleichsam auf den tisch). Göthe an Schiller 824;
o ja, wers naschen liebt,
der merkt sich ohne wink, wos was zum besten gibt.
7, 104;
sehr gefällig ist es, dasz der dichter mit dem besten humor, sowol in eigner als dritter person, sich öfters zum besten gibt (preis gibt, her gibt). 33, 180. Wie es heiszt, sich etwas zu gute thun, sich ein gütchen thun, in essen und trinken, scheint auch dies zum besten ursprünglich auf speise und trank zu beziehen (vgl. ἄριστον prandium), hernach aber weiter ausdehnbar. schw. ist taga till bästa essen, ge till bästa zu essen geben. den Dänen ist have noget til bedste, lägge sig noget til bedste, etwas in überflusz haben, sich zurück legen. wir sagen, das dient, gereicht mir zum besten, zum vortheil, und zum besten geben wäre eigentlich ad communem utilitatem conferre, und auf ähnliche weise meint Schiller 933: zwar möchte meine krone, wenn sie meine armee und mich auch selbst verlöre, noch eine schanze zum besten (en reserve) haben. zum besten haben hiesz im 17 jh. entweder auftragen oder davon tragen, nichts zum besten haben, omnium inopem esse:
das arme land erschrak für diesen neuen gästen,
halb furchtsam und halb froh. es hatte nichts zum besten
an allem mangel reich. so nahmet ihr verlieb.
Fleming 82 (84),
es war dürftig, hatte nicht viel aufzutragen, ihr wart mit schlechter bewirtung doch zufrieden. hingegen,
unsre magen sind wie gräber, drein wir manchen leib begraben,
was ists wunder, dasz von todten wir den tod zum besten haben.
Logau 3, 9, 14,
davon tragen; ich war ganz nasz und hatte noch zum bästen (den gewinn), dasz mich eine bauersfrau ins haus aufgenommen und mich vor dem ofen von der nässe befreiet. Jucundiss. 211.
13)
heute aber ist einen zum besten, ihn zum narren, zum ausgesteckten spottziel haben, aufziehen, necken. diese bedeutung findet sich noch nicht bei Stieler, Steinbach, Frisch, angemerkt ist sie aus Ettners hebamme 196: ich sehe aus allen, dasz mich monsieur Rente heute zum besten haben will, ich will lieber schweigen, und wahrscheinlich begegnet sie in diesen büchern öfter noch. im 18 jh. kommt sie häufiger auf, bei Adelung heiszt sie in der ersten ausg. niedrig, welche bezeichnung in der zweiten getilgt ist:
(erklär), du habst der diener treue nur erproben,
den Schweden blosz zum besten haben wollen.
Schiller 365ᵇ;
ich lobe mir den heitern mann
am meisten unter meinen gästen:
wer sich nicht selbst zum besten haben kann,
der ist gewis nicht von den besten.
Göthe 2, 298;
ihr habt mich doch nicht zum besten? 17, 22; ich habe sie schön angeführt, ich habe sie zum besten gehabt, wie sie es verdienen. 18, 156; junge officiere hatten die acteure zum besten. 18, 262; sie hat sie zum besten gehabt. Lenz 1, 224. nachgeahmt im dän. have een til bedste. offenbar flieszt dies zum besten haben, preis geben aus dem zum besten geben unter 12.
14)
die hand gottes ist zum besten uber allen die in suchen. Esra 8, 22; wir wissen aber, das denen die gott lieben, alle ding zum besten dienen. Röm. 8, 28; dein rath gereicht mir zum besten; wie es ihnen zum besten mundet. bienenk. 80ᵇ; wuste alles zum besten zu kehren und zu wenden. Göthe 19, 13; habe ich aber meine musze, auch so schon, nicht zum besten angewandt, was thut das? Lessing 10, 118; ja und mit der und der jungfer ists auch nicht zum besten bestellt. Lenz 1, 264; der kranke befindet sich heute nicht zum besten; das geheimnis der alten war nicht zum besten bei ihm verwahrt. Göthe 20, 107.
15)
wiewol du das nit in der meinung gethon hettest, sunder in guter meinung und in dem allerbesten, so wirt es todsünd. Keisersb. s. d. m. 36ᵇ; liesz also die frage im besten anstehen und beruhen. buch der liebe 5, 1; etwas im besten aufnemmen, animo meliore ferre. Maaler 63ᵇ; offenbare einem könige nicht alsbald eines andern tücke und nücke, du seist denn versichert, dasz es der könig im besten aufnimpt. pers. rosenth. 8, 36;
die bhalt von mir zu einer schenk,
darbei im besten mein gedenk.
H. Sachs III. 2, 53ᵈ;
ich bitte meiner nur
im besten bei ihm eingedenk zu sein.
Lessing 2, 304;
wie lebhaft nahm sie sich vor seiner auch bei Marianen im besten zu gedenken. Göthe 18, 4. vgl. bestens.
16)
wie auf besser (sp. 1645) kann auch auf am besten das part. praet. folgen: am besten geschwiegen und langsam geredt (zu schweigen und l. zu reden). Weise kl. leute 314.
Zitationshilfe
„beste“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/beste>, abgerufen am 24.08.2019.

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