besitz m
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1624, Z. 76
possessio, gebildet wie sitz, ansitz, aufsitz, beisitz, vorsitz. allein die ahd. mhd. sprache kennen nur piseʒ, beseʒ (vgl. auch mhd. sâʒe), die älteren nhd. denkmäler nur besesz (sp. 1618), bei Luther scheint es einzig 5 Mos. 33, 23 eingeschlichen für besitzung; bei Dasypodius, Maaler, Henisch, selbst bei Stieler ist noch kein besitz, erst Frisch 2, 281 und Steinbach 2, 584 führen es auf, die juristen bedienen sich seiner kaum vor dem 18 jh., im 17 behalten sie fast immer das lat. possession oder possess bei. auch entspricht dem lat. ausdruck das alte besesz genauer, da es vom part. praet. besessen, wie possessio von possessus gebildet ist, hingegen besitz von besitzen, welchem besitz ein lat. possidio, nach analogie von obsidio, gliche, was aber nicht vorkommt. besesz bezeichnet also eigentlich das inne haben, besitz das einnehmen, und der rechtsvorstellung wie dem sinn von seszhaft schlieszt sich jenes genauer an; nachdem das wort besesz erlosch, trat besitz völlig in dessen bedeutung. der unter besitzgerechtigkeit gegebne beleg nöthigt gleichwol besitz, als rechtswort, schon in die mitte des 17 jh. (1648) zu verlegen. auch nnl. heiszt es bezit, nicht bezet (welchem nicht anzusehn wäre, ob es vom part. bezeten oder vom inf. bezetten stammte); man weisz nicht, ob der nhd. sprachgebrauch dabei auf den nnl. wirkte, oder umgekehrt. Wir sagen heute im besitz sein, im langjährigen, unvordenklichen, ruhigen, ungestörten besitz sein und bleiben; sich im besitz befinden; den besitz erwerben, übertragen; in den besitz, aus dem besitz setzen; in den besitz, zum besitz gelangen; in den besitz treten, den besitz antreten; den besitz, oder blosz besitz ergreifen, auflassen; den besitz verlieren. diese ausdrücke gehn auf leibliche und unleibliche gegenstände: er ist im besitz vieler kenntnisse und erfahrungen. im besitz sein, mit nachfolgendem, abhängigem infinitiv, drückt aus berechtigt sein, sich das recht, die freiheit nehmen: ich bin in dem besitze einige gesetze darzulegen. Kant 8, 173; der sängerin .. die zwar schon im besitz zu gefallen war. Wieland 19, 267; so setzte er sich stillschweigend in den besitz, den übrigen ihre rollen zuzutheilen und seinen willen zu dem ihrigen zu machen. Schiller 1012;
die jugendliche glut,
die selbstischen besitz verzehrend hascht.
Göthe 9, 310;
dasz ich dieser brust,
die sehnsuchtsvoll sich in das leere drängt,
den schmerzlichsten besitz entgegen drücke.
9, 321.
denn oft steht besitz für besitzthum: das ist ein schöner, herlicher, geistiger besitz.
Zitationshilfe
„besitz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/besitz>, abgerufen am 17.10.2019.

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