beschönen
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1590, Z. 10
speciosum reddere, ornare, colorare. das goth. skaunjan wäre eine sache schön, wie haunjan hön machen, ahd. scônan und hônan, mhd. schœnen und hœnen, wir sagen heute verschönen und verhöhnen, erheben und erniedrigen. ahd. piscônan ist unverzeichnet, mhd. beschœnen häufig:
nieman mac beschœnen.
Freid. 162, 22;
gefüeges mannes dœnen,
daʒ sol man beschœnen.
Walth. 104, 4;
waʒ sol diu rede beschœnet?
106, 6;
seht, von ir schœne wæren wol drîʒec lant beschœnet.
MS. 1, 184ᵇ;
mit sælden was beschœnet.
Lanz. 8761;
ir lob ist wol beschœnet.
Silv. 1435;
durch des willen er in dô
vil gar beschœnet hæte.
1866;
swer aber sich in der bîhte beschœnet,
den tiufel er krœnet, sich selben er hœnet.
Renn. 20480;
sô beschœne dich niht (in der beichte). Grieshaber 2, 72. der sinn ist immer bald verschönern, bald etwas rein oder weisz brennen, schön darzustellen suchen, rechtfertigen, d. h. seine häszlichkeit verdecken. Ebenso nhd., beschonen oder verben, colorare; beschonter oder geverbter coloratus. voc. theut. 1482 d 3ᵇ;
doch darf sich keiner mit dem andern beschönen.
fastn. sp. 649, 12;
und wolt solchs mit dem evangelio beschönen. Luther 3, 120; ir werdet das ergernis nicht so können vertunkeln noch beschönen. 3, 528ᵇ; Adam wil sich beschönen. 4, 24ᵃ; was der gröszte grewel ist, musz allezeit gottes name beschönen. 4, 45ᵃ; und sich also beschönen, ich bin ein gebrechlich mensch. 6, 297ᵃ; das sie ir irrthum beschönen. tischr. 8ᵃ. 66ᵃ. 67ᵇ; wiewol sie es jetzt beschönen und bementelen wölln. 239ᵇ. 250ᵇ. 286ᵇ; ich hab die juden von der ketzerei ganz und gar beschönet und verantwurt. Reuchlin augensp. 35ᵃ;
und hilft nit mer die wort beschönen.
Murners schelmenz. 109, 14;
auch magstu dann beschönen dich.
Scheit grob. Q 2ᵃ;
das erfindet und beschönet sich an allen weltweisen, frummen und gelerten. Frank parad. 36ᵃ; deshalb si unsere concilia mit disen apostolischen nicht mügen beschönen. chron. 318ᵃ; ir thuͦn mit etwas erbarem ansehen beschönen. Hed. com. 63; durch eine ausrede beschönen. Witzenb. 3, 177; hastu etwas, darmit du mein zoren beschuldigen und deine fräfle durstigkait und boshaftig fürnemen beschönen mügest? Wirsung Cal. L 1ᵃ; und dich seines fürgebens beschönest. Petr. 12ᵇ; welcher (fisch) mit nachbeschriebenen farben beschönet (ausgezeichnet) ist. Forer 10ᵇ; welcher siehet ein hurenkind, das da wöll ein hurenkind ohn widerred sein, das sich selbst nicht beschöne? Paracelsus 2, 323ᶜ; ob du schon auf meine wort dich ausreden und beschönen kanst. Kirchhof wendunm. 51ᵃ; dasz man sich beschönen und geübten frevel klein machen wolte. mil. disc. 60; und alle die ihr mord und lügen vertheidingen, beschönen oder fortbringen helfen. Mathesius 93ᵇ; gemeldte creuzherren wolten aber dise thätlichkeit mit einem schein des rechten belegen und beschönen. Micrälius 2, 292; mit falschheit und arglist beschönet. bienenk. 231ᵃ;
ihre sünd ... beschönen.
Ringwald evang. Hh 5ᵇ;
du hast
mit eines andern volks, mir unbekanten, cron
gleichfalls mein haupt beschönet.
Weckh. 72;
die najaden gleicher weis,
welche mit kunstreichem fleisz
ihre krause haar beschönet.
346;
die liebe ... beschönt was greulich ist.
Opitz 1, 59;
hier war der tugend feld,
das ort, von dem sich liesz der erdenkreisz beschönen.
2, 271;
wird dies mit wolthun noch beschönet,
heiszt das nicht recht und gott verhöhnet?
Gryphius 1, 270;
die ausgeschmückten wort und fälschliches beschönen
das hatte hier nicht statt.
Logau 3, zug. 56;
als er einen bestrafte und derselbe sich damit beschönen wolte. Zinkgr. apophth. 1, 203; in zweifelhaften begebnüssen wäre es freilich eine klugheit seinen schlechten zustand so viel möglich zu beschönen. Lohenst. Arm. 1, 754; so hätte sich eine solche grausame that bei den barbarischen heiden noch etlichermaszen beschönen lassen. Simpl. 3, 369; der eifer beschönt sich mit gründen des lichts, absonderlich wenn man die fehler anderer berügt und sich daran fromm macht. Öttinger sittenlehre Salomo 1758 s. 483;
beschönen und verstecken.
Brockes 1, 10;
und da du für ihn flehst, beschönst du den verrath?
J. E. Schlegel 1, 226;
wenn der zauber der farb auch
hier und da verzeichnung beschönt.
Klopstock 2, 126;
Sal. was hätt ein weiberkopf erdacht, das er
nicht zu beschönen wüste! Sittah. zu beschönen!
Lessing 2, 270;
verdient die kunst, die euern stolz beschönt,
dasz ihr die thiere höhnt?
Wieland 31, 176;
lasz ab, beschöne nicht die gewalt, womit du ein wehrloses weib zu zwingen denkst. Göthe 57, 87 (s. beschönigen);
ich soll die that beschönen, sie bedecken.
9, 307;
dies beschönt er nun.
A. W. Schlegel im Heinr. IV th. 1, act 5, sc. 2.
heute wird in prosa für exornare verschönen, verschönern, für excusare beschönigen vorgezogen.
beschonen
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1590, Z. 5
sinere esse immunem, intactum, verschonen: demnach ist mein ehrendienstliches bitten, dasz mein haus mit den bürden und zulagen und allen andern unplichten beschonet und ubersehen werden muge. a. 1627. baltische stud. 15, 118.
Zitationshilfe
„beschönen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/besch%C3%B6nen>, abgerufen am 18.09.2019.

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