beruf m
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1530, Z. 18
fama, vocatio, impulsio, munus.
1)
fama, ruf: solchs aberglaubiges wesen ist zu unsern zeiten aufgehaben und abgeschaft worden, aber die capell ist nichts destoweniger in ihrem beruf blieben. Ann. Privatus daemonolatria p. 147; es sein diese beer in groszen beruf kommen. Tabernaem. 1362; und bringen diesen newen abgott in solchen beruf, dasz die ganze wendische nation ihme jährlichen tribut zusandte. Micrälius 2, 167;
vor jahren der beruf allhie war,
dasz man hielt auf der ganzen erd
allein für gut unsere pferd.
Ayrer fastn. sp. 1ᵃ;
Protesilaus musz mit seinem tode fliehen,
des Peleus brudern sohn, der könig in Hyant,
und der vor beiden ihm den gröszten ruhm errant,
verdorren an beruf.
Scultetus bei Lessing 8, 278;
weil ich nunmehr allbereit im beruf, dasz ich wacker spendiere. pers. rosenth. 7, 6; eine jungfer musz mühe haben ihre ehre und keuschheit in gutem beruf zu erhalten. Weise überfl. ged. 2, 127; einer rühmte sich, als wär er wegen seines losen mauls allenthalben in beruf. erzn. 421; nun war zwar der gasthof vor diesem in gar gutem beruf gewesen. maulaffe 84. heute gilt in diesem sinn nur ruf, nicht beruf, der gegensatz ist aber verruf.
2)
vocatio, officium, studium, impulsio, amt, bestimmung: bleibe in gottes wort und übe dich drinnen und beharre in deinem beruf. Sir. 11, 21; vertraue du gott und bleibe in deinem beruf. 11, 23; sehet an, lieben brüder, euren beruf. 1 Cor. 1, 26; das ir erkennen möget welches da sei die hofnung eures berufs (goth. vêns laþônais). Eph. 1, 18; so ermahne nun euch, das ir wandelt, wie sichs gebürt, eurem beruf, darinnen ir berufen seid (gaggan þizôs laþônais, þizaiei laþôdai sijuþ). 4, 1; éin leib und éin geist, wie ir auch berufen seid auf einerlei hofnung eures berufs (in aina vên laþônais izvaraizôs). 4, 4; das unser gott euch würdig mache des berufs (vairþans briggai þizôs laþônais). 2 Thess. 1, 11; thut desto mer fleisz euren beruf und erwehlung fest zu machen. 2 Petr. 1, 10; die ir berufen seid durch den himlischen beruf. Ebr. 3, 1; sie wolten seinen beruf, welchem er nicht widerstehen könde, anzeigen. Luther 3, 32; ist der wille und beruf Christi deines heilands. 3, 422; ich hab ewer schrift empfangen, darinnen ir mich fraget, ob ir sollet den beruf (ruf) zum predigamt gen N. annemen. 5, 485ᵇ; und den beruf oder rechte weihe und ordiniern zum pfarramt widerumb der kirchen zusprechen und einreumen. 6, 103ᵇ;
auszerm beruf nach narung trachten
ist anders nichts denn gott verachten.
Kirchhof wendunm. 177ᵇ;
der ist reich und von gott geehrt,
welchen sein hand und beruf ernehrt.
daselbst;
hab ich mit steter trew
für dir ... meinen beruf verwaltet.
Weckherlin 280;
also ist einer in seinem beruf ein guter baum. Lehmann 68; beide wider ihren beruf in die liebe verwickelt wurden. maulaffe 1; sie war nicht blöde, auf beruf der gäste sich vor den tisch zu stellen. 73;
als man dir den beruf zur neuen würde bringt.
Canitz 60;
die liebe zur kunst ist von jugend auf meine gröszte neigung gewesen, und ohnerachtet mich erziehung und umstände in ein ganz entferntes gleis geführet hatten, so meldete sich dennoch allezeit mein innerster beruf. Winkelmann 3, xiii;
als Phryne mit der kleinen hand
noch um der mutter busen spielte,
nichts als den keimenden verstand
und den beruf der sinnen fühlte.
Hagedorn 3, 91;
wie kurz war
überwinder, dein lauf von deinem beruf zu dem himmel
bis in den himmel.
Klopstock Mess. 13, 782
(ausg. 1760; 1780: deiner berufung zum himmel);
und dies sei fortan ihr beruf,
wozu der meister sie erschuf!
Schiller 80ᵃ;
das königreich ist dein beruf.
300ᵇ;
unser süszester beruf
ist das glück der liebe.
Gotter 1, 72;
der vater Noahn den beruf,
der sorgen gegengift zu brauen,
und mir den trieb verlieh, mein nestchen auch zu bauen.
1, 416;
sich einen beruf (ein amt) wählen. 3, 15;
an jenem tag, da mich der fürstenbote
zur königswahl beschied, und ich erbangend
abwehrte den erhabenen beruf.
Uhlands Ludwig 145;
im namen dessen, der sich selbst erschuf
von ewigkeit in schaffendem beruf.
Göthe 3, 81;
er hatte keinen beruf (trieb) ihr zu folgen, vielmehr hatte ihr betragen einen neuen widerwillen in ihm erregt. 18, 213; hierauf gründet sich die befugnis und der beruf alle ereignisse der natur mechanisch zu erklären. Kant 7, 294; seine frau prügelte er niemals, als wenn er in sich einen beruf von allen seiten, wie er es nannte, dazu spürte. Lichtenberg 3, 43; das ist gar nicht meines berufs, amts.
Zitationshilfe
„beruf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/beruf>, abgerufen am 21.05.2019.

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