benebeln
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1467, Z. 1
nebula tegere, nebulam inducere, nnl. benevelen.
1)
im eigentlichen sinn: das gebirge, der grund ist benebelt;
jetzt seh ich Drachenfels stolz in die lüfte gehen,
jetzt seh ich Wolkenburg allzeit benebelt stehen.
Hanmann anm. zu Opitz 198;
benebelt haupt.
Brockes 1, 133;
dasz die truppen auf den benebelten (im nebel stehenden) hofkaplan feuer zu geben anfiengen. J. Paul Hesp. 1, 14; die blumen der poesie gleichen andern blumen, die im gedämpften, benebelten sonnenlicht am besten wachsen. 2, 28; das zimmer benebelte gleichsam ein lichterdampf. 4, 86.
2)
figürlich, trüben, es soll auch diese seine notdurft kein betlerplunder sein, um den glanz seiner tugenden zu beneblen oder dunkel zu machen. Brandts bericht von Taubmann 16;
Cardenio, wofern disz ein benebelt scherz,
so spielt er nur zu viel mit leuten von gewissen.
Gryphius 1, 241;
Cardenio, so ists, schwermütige gedanken
benebeln die vernunft.
1, 242;
einen klaren spiegel mit dem athem benebeln. Butschky Patm. 897; ein mit irrthümern benebelter glaube. 207; allerhand unglücksdämpfe benebeln ihnen herz und augen. 719; meine begierden können meine vernunft dergestalt benebeln, dasz ich zu der zeit, wann sie am unbändigsten sind, nichts erkennen kann. Liscov 728; die augen benebelt von der süszen trunkenheit der glücklichen liebe. Wieland 2, 81;
er wähnt, ihn täusche sein halb benebelter blick.
4, 196;
über mir schwebt nacht und finsternis und benebelt alle meine sinne. Fr. Müller 2, 139; wie die gelehrte welt durch das newtonische spectrum benebelt gewesen. Göthe 54, 171; um sein herz als dampfkugel in ihres zu schieszen und damit diese stille sinnende heiterkeit zu benebeln? J. Paul Hesp. 1, 114. zumal heiszt benebelt betrunken, sich benebeln sich betrinken: anderer leute wein auf bouteillen ziehen und sich dabei ein biszchen benebeln, dasz man glaubt, er gehöre ihnen. so etwas thun die meisten deutschen schriftsteller. Lichtenberg 1, 309.
Zitationshilfe
„benebeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/benebeln>, abgerufen am 18.09.2019.

Weitere Informationen …