bühne f
Fundstelle: Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 508, Z. 47
tabulatum, contignatio, pavimentum, gerüst, gebälk, erhöhung des bodens, decke, ahd. mangelnd, mhd. büne, bün, mit kurzem vocal, doch selten (Ben. 1, 277ᵃ), hauptsächlich bei Conrad von Würzburg, bairisch (Schm. 1, 179), sonst nur nnl. beun, nd. buhn, weder ags. noch nordisch; im 16 jh. oft fehlerhaft bin, bien geschrieben. wie dem begrif, scheint auch den buchstaben nach berührung mit boden und lat. fundus, franz. fond statt zu finden, ob auch mit unserm bahn?
1)
erhöhung des fuszbodens durch breter, auf die man tritt, um von den leuten gesehen zu werden, um sich zu zeigen, suggestum, scena, brücke 7 (sp. 415), brüge (sp. 422):
ich muoʒ in die büne.
Helmbr. 363,
ich musz aus meiner beschränkung hinaus, hervor, empor, gleichsam auf die bühne der welt; auf die bühne was auf die breter (sp. 376, 6); er hat die bühne betreten, ist auf die bühne gegangen; das stück kam nie auf die bühne, wurde nie auf die bühne gebracht, ist nicht für die bühne geschrieben; er muste von der bühne abtreten, die bühne verlassen; die Hamburger, die Berliner bühne, s.schaubühne, ↗breterbühne. ebenso steht der redner, der marktschreier, quacksalber auf einer bühne, spielleute, musikanten haben ihre bühne. des sales büne in Conrads troj. kr. 18491 scheint eine höhere stelle, wo sitze angebracht waren. in einem fastnachtspiel Ayrers 28ᵃ sagt der teufel von einem bauer:
den stolzen pengel kan ich gengn (laufen machen),
durch disz feur von der pin weck sprengn,
d. h. von seinem sitz in der stube oder auch von der scene. der missethäter musz die bühne, die blutbühne, richtbühne, das schaffot besteigen:
allda (auf dem markt) ward aufgemacht
ein gebrederte bün.
Soltau 427;
auf dieser bün erscheint das grause schlachtaltar
mit dem verfluchten beil.
Gryphius 1, 326.
auf einer bühne steht man am strom, um den wasserfall anzusehn: ich trat wieder auf die bühne an den sturz (Rheinfall). Göthe 43, 156. gärten, felsen haben ihre bühne: auf allen offenen stiegen, gewölben, gängen und bühnen. Göthe 39, 366;
euern vollgenusz
theilt auch hier die grüne
duftige gartenbühne.
Platen 167ᵃ.
ein engel zeigte einem entzückten die himmlische stadt: und was der estrich in der stat und diu büni und die siule, daʒ was alleʒ von dem allerschœnesten golde. Pfeiffers myst. 266, 24. in diesem sinn schlägt die natur, der frühling eine bühne auf, deren pracht den menschen vor augen steht: als ob die natur ihre herliche bühne aufgeschlagen und ausgeschmückt habe. Kant 7, 254;
niemals denken kann ichs mir,
dasz ein frühling wieder grüne,
wenn der winter auf der bühne
steht in seiner starren zier.
Rückert.
die dichter reden von des lebens bühne, von der kriegerischen bühne. Schiller 318ᵇ. 319ᵇ. 347ᵃ.
2)
das firmament, die wölbung über uns, gleich der des hauses, heiszt eine bühne, lacunar, laquear, ahd. himilezi, die blaue bühne: beten die (der astrologie ergebnen) nicht mon und stern und die blaw bün an? Fischart groszm. 10;
so lang als auf der himmelbühnen
wird stehn der mondenschein.
Opitz ps. s. 136;
die dunkle pracht der tiefen himmelsbühnen.
Brockes 2, 153;
an den sapphirnen himmelsbühnen.
4, 14;
zur sternenbühne.
derselbe bei Weichm. 1, 16. 21;
nun funkelt die bühne des himmels.
Kleist 2, 41;
wie man von einem himmels und sternenzelt, Otfried von einem sternen gerüste redet.
3)
bühne sind in der kirche die oberen gänge und galerien, borbühne (sp. 238), emporbühne, die orgel hat ihre bühne: auf der bühne vor der orgel steht ein armsessel. Lichtenberg 5, 262.
4)
das haus, das zimmer hat eine bühne, decke: ward er über sich sehen und uf die büni klopfen mit den henden. Steinhöwels Esop fab. 15 bei Wackernagel 1058, 19; borten ein loch oben durch die bünen und luogten was er thete. sch. und ernst cap. 24;
auch mit zechen bis um mitternacht
und trinken, das die büne kracht.
Geo. Wickrams Tobias B 6ᵇ,
wie es sonst heiszt, dasz die balken krachen; sie wer fürwar werd, dasz man sie an die bine (oben an die bühne) und balken schrieb, damit sie kein kälber noch geiszen ableckten. bienenk. 143ᵇ; der wirt bonenkönig, der macht jedesmal mit der krieden ein kreuz an die bün. 150ᵃ; und leckts kein kuh von der bienen. 186ᵇ; (ein getreues ehweib mag) vor leid auf der bienen sich ertrenken (d. i. aufhängen). Garg. 70ᵃ; dieser stauf (becher) hie mag die bin netzen. 87ᵃ; heftet in (den stuhl) an die bünen in der stuben. Kirchhof wendunm. 304ᵇ.
5)
bühne, der dachboden, söller, oberste raum des hauses, wie er unmittelbar unter den sparren oder latten des daches liegt, wo man mancherlei hausgerät und vorrat aufbewahrt; puni, solde, solarium. voc. 1482 aa 2ᵇ. Keisersberg wiederholt verschiedentlich, dasz zwiebeln keiner erde bedürfen, sondern auf der bühne ausschlagen, wo man sie aufgeschüttet hat (doch kann auch die scheune gemeint sein): die zübeln wachsen und kimen uf einer dürren bünen. irrig schaf 8ᵇ; eben als ein zwibel, der uf der büne leit, der keinet, und das man in nit darf (ohne dasz man braucht) ihn die erd stoszen und setzen. sünd. d. m. 63ᵇ. unter dieser bühne birgt sich der nach ihr benannte pfuscher (sp. 237).
6)
bühne, speicher, scheune, heuboden, kornboden, granarium, auch gerüst im keller für die fässer: die bonen soltu im newmon vor tag ausreiszen, und nachdem sie im thenn dürr sind worden, soll man sie eilend austreschen, ehe der mon zuͦnimpt und auf die bünen (in granarium) schütten, welche also ufgeschütt werden, die sind sicher vor den wiblen und andern würmen. Herrs Columella 16ᵇ; ich hab wol erfaren, dasz man bei groszen anlaufenden gewässern must den wein auf die höchsten bünen haspeln. Garg. 133ᵇ; die frucht des mandelbaums musz auf eine trockene bühne gebracht und oft umgerührt werden. Hohberg 1, 432ᵇ; bauernregel:
ists drei tag vor sanct Jacobs tag schön,
so wird gut korn geraten auf die bön.
pflanzenb. 72;
ists drei tag vor Jacobstag schön,
so wird gut frucht getragn auf die böhn,
sos aber dies tag regnen wird,
der acker wenig korn gebirt.
Hohberg 3, 1, 96ᵇ;
in allen winkeln auf der bün
wars ausgewachsen recht grasgrün.
Waldis 3, 94;
auf der bühne (dem heuboden) konnte man die tage genau abzählen, für die das futter noch ausreichte. Gotthelf schuldenb. 159. figürlich, Springinsfeld eine herbe hauptkrankheit überstund, also dasz ihm auch kein härlein heu auf der obern bühne übrig verbliebe. Simpl. 2, 75.
7)
bühne, bekleidung des ufers mit balken, bretern, oder auch zaungeflecht, vor welcher beim ablauf der flut die fische am strande liegen bleiben:
du bist doch nur für uns bemüht
mit deinen dämmen, deinen buhnen.
Göthe 41, 320,
wo dem reim auf Neptunen zu gefallen die nd. form ohne umlaut gesetzt wird. stackwerk bei uferbauten, vgl. brem. wb. 1, 163. das nnl. beun hat geradezu die bedeutung von vischkaar.
8)
bühne der schiffe, diele, getäfel, fori navium.
9)
bühne im bergbau, absatz im schacht, die fahrten desto sichrer anzuhaspeln, auch bretergerüst unter dem schacht.
10)
bühne in schmelzhütten, ansatz der schlacken auf dem vorderherd u. s. w.
11)
mhd. brauchte man büne bildlich für decke:
du bist vür sorge ein obedach
und vür trûren mir ein büne.
tr. kr. 18617;
hât über mich gespreitet
sîner ungenâden bün.
Otto bart 461.
12)
fast alle nhd. zusammensetzungen mit bühne beziehen sich auf die vorherschende bedeutung von schaubühne.
Zitationshilfe
„bühne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/b%C3%BChne>, abgerufen am 18.07.2019.

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