bär m
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1122, Z. 9
ursus, gen. bären (bei Luther aber noch geschrieben beer, beren und Petr. 30ᵇ bern, tadelhaft ist der gen. des bäres Lohenst. Arm. 1, 266, dat. dem bäre 2, 198, pl. die bäre 2, 748 und Lessing 1, 108. 109), ahd. përo gen. përin, mhd. bër gen. bërn, mnl. bere gen. beren, nnl. beer gen. beers, ags. bëra gen. bëran, engl. bear. die goth. form leider unbekannt, aus offenb. Joh. 13, 2 und mehreren stellen des a. t. würde sie erhellen, nach hd. weise würde sie baira, nach altn. bairns lauten, denn altn. gilt biörn, schw. dän. björn, analog dem örn für ari (oben sp. 5). auch ags. besteht ein dem earn = örn ähnliches beorn, aber mit der bedeutung von vir fortis, hinter welcher doch wol die von ursus liegt. In den urverwandten sprachen stoszen wir auf ein anderes, weit verbreitetes wort, dessen schon sp. 789 zu gedenken anlasz war, skr. ṛixa = iṛxa, gr. ἄρκτος = ἄρξος, ir. gal. art, welsch arth für arct, lat. ursus für urcsus, litt. lokis für olkis orkis, welchem ahd. elah, das auf ein anderes wildes thier angewandt wurde, begegnet. Wie nun aber pero, bero? pero, poro ist portator, lator (Graff 3, 155. 157) und stammt von përan ferre, altn. hat das einfache beri diesen sinn behalten. möchte man das lat. ferus vergleichen und gleichfalls von ferre leiten? man erhielte dann die einfache bedeutung eines wilden thieres. doch ferus fera scheint, dem ĕ zum trotz, richtiger das gr. φήρ für θήρ, θηρίον = goth. diuz, ahd. tior, nhd. thier, abliegend von ferre wie bëran und nie entfaltet aus diesem bëran sich sonst der begrif des wilden. Liesze nach der entstellten nd. form bare sich ein baren, brummen erweisen, so würde das dem ausdruck brummbär treffend begegnen; doch die alte sprache sagt brimmen, limmen, niemals bëren oder baren, höchstens die bärpfeife der orgel wäre unsicher heranzuziehen. In der thiersage stellt unser alterthum den bären als den könig dar und der altnordische, slavische, finnische, lappische volksglaube feiert ihn als ein höheres, heiliges wesen, dem menschlicher verstand und die stärke von zwölf männern einwohne. er heiszt waldkönig, goldfusz, süszfusz, honighand, honigtatze, honigesser, aber auch der grosze, der alte, der alte groszvater, den Lappen namentlich aija (avus). das leitet zu der freilich gewagten vermutung, dasz auch bär, pero vater bedeutet haben könne. das lat. parens = pariens geht auf den vater, parere = generare, procreare auf den vater, wie die mutter, bär gedacht als γονεύς, τοκεύς, der bärende, tragende, zeugende vater, wie, wenn er goth. bêrusjis, bêruseis geheiszen hätte? bêrusjôs sind dem Ulfilas parentes, γονεῖς, τοκεῖς, und bêruseis gewährt ein uraltes part. praet. act. geboren, erzeugt habend, qui peperit. dies goth. bêruseis, parens und ursus, scheint nun wirkliche bestätigung zu empfangen, die der grammatik und thierfabel gleich willkommen wäre, dadurch dasz die altn. sprache den bären auch noch bersi, gen. bersa nennt, das sicher zu bëra parere gehört und das S des goth. particips bêruseis bewahrte. zugleich begriffe sich, wie biörn auszer ursus auch vir ausdrücken, ja das ags. beorn nur vir, heros, ohne nebensinn des bären bedeuten kann, zahllose mannsnamen sind ahd. mit përo, altn. mit biörn, ags. mit beorn gebildet. bersi, assimiliert bessi gemahnt an die koseform betz = bär, vgl. altfranz. Patous; altn. kommt auch bâmsi, bângsi, ursus immer mit demselben S zum vorschein, ja wer kühn sein wollte, dürfte dasin ṛiks͑a, ἄρκσος, uresus ursus hinzunehmen und auf diesem ins dunkel der urzeit sich verlierenden wege berührung zwischen bêruseis, bersi und ursus, ἄρκτος ahnen, wenn auch bei ganz verschiednen wurzeln. unser bär läszt dies S fahren, wie das keltische art, d. h. bedient sich der praesensform. Dieses versuchs, in seinen ursprung zu dringen, war ein mit unserm alterthum und manchen auffassungen der vorzeit zusammenhängendes wort vollkommen werth. merkwürdig setzt die thierfabel dem fränkischen königthum des löwen ein deutsches, alemannisches oder sächsisches des bären entgegen und wahrscheinlich lange schon standen die rohen, ungeleckten, ungeschliffenen Deutschen in ihren wäldern dem verfeinerten leben der romanischen völker gegenüber; ruft doch noch im Nathan Daja dem tempelherrn, der sich selbst einen plumpen Schwab nennt, die worte nach:
so geh, du deutscher bär! so geh! — und doch
musz ich die spur des thieres nicht verlieren.
Lessing 2, 225.
(vgl.bärensprache). der bär brummt, du alter brummbär! frauen nennen ihren mann gern einen bär und sagen er brumme; der bär heiszt auch ein alter knasterbart, und knisternde zähne werden ihm beigelegt:
underdes gaf en goth eventur,
dat sei einen wilden beren grepen ungehur,
dei was ser vreith van geberen,
mit gnisterden tennen dede hei sei verferen.
Soester fehde s. 654.
weidmännisch wird ihm gleich dem menschen hand, finger und gang zugeschrieben, weil er sich aufbäumen, emporrichten und aufrecht gehen kann (von welchem erheben einige seinen namen ableiten, dies ist aber bern ferire, nicht bërn ferre): und zwen beren giengen ausz dem wald und zerissen XLI kinder. Keisersb. sünden des munds 38ᵇ nach 2 kön. 2, 24, wo Luther kamen setzt, vgl. Nib. 902, 2: dâ der bere gie. Wann der bär im moos liegt heiszt mitten im winter, er ruht dann faul in seiner höle, saugt an seinen tatzen, an den hungerpfoten:
als der ber sauget die clo.
fastn. sp. 1310.
Man sagt den bären fangen, stechen: in voller weis (in der trunkenheit) wollen sie alle den beren fangen und binden helfen (kühne that verrichten). Kirchhof disc. mil. 58; nun gedachte er den beren (den eingeschlichnen liebhaber) zu fangen und vernägelte die eine thür. wendunm. 296ᵇ;
mit arbeit sticht er keinen bern.
H. Sachs I, 522,
wenn ich im ob dem hals nit bin
so sticht er warlich keinen bern (ist er kein held).
III. 3, 68ᶜ;
mehr dann ein feiner kriegshelden haben, wann sie mit wein begossen, den beren allein stechen wollen, und es zu heisz gewagt, ihr leben oder gesundheit verloren. Kirchhof mil. disc. 92; man soll die bärenhaut nicht verkaufen, ehe der bär gestochen ist. Simrock 722. Henisch 233; du suchst den bären und stehst vor ihm. 723; es ist besser einen bären loslassen (unbesonnen sein) als einen bären anbinden (schulden machen). 724. so wurde das bären anbinden oben sp. 296 erklärt, und in diesem sinne heiszt es offenbar: so behelfe er sich nunmehro mit borgen und bände (für binde) einen bären nach dem andern an. ehe eines weibes 114; o die bären sollen ihn nicht beiszen, die er etwa hier angebunden hat. Lenz 1, 223; ich habe diese messe verschiedne bäre loszubinden (schulden zu bezahlen). Rabener 3, 359; die bären (schulden) abbezahlen. der arme mann im Tockenb. 189. anderemal aber, wenn ein persönlicher dativ daneben steht, bedeutet es was einem aufbinden, die unwahrheit melden, fallere, lügen weis machen (oben sp. 622): wer dir wol den bären angebunden haben mag? Wieland 8, 261; da wurden wir gewahr, dasz uns der wirt einen grausamen bären angebunden hatte. Jucundiss. 206, während sonst umgekehrt die gäste dem wirt bären anbinden. nicht anders in der oben sp. 296 falsch gedeuteten stelle: also dasz ich ihnen, wenn ich nur aufschneiden wollen, seltzame bären hätte anbinden können. Simpl. 1, 296 (298). nach beiden erklärungen (dem borgen und lügen) pflegen aber mehrere bären hinter einander angebunden zu werden. den bären treiben ist kuppeln, wahrscheinlich weil die bärentreiber gelegenheit hatten liederliche leute zu unterstützen (s. bärentreiber): im Calistus sagt Melibia zur Scelestina: ich will dich aber wol vergwisen, du schandloser, unerbarer sack, das dir von diser deiner botschaft kein andere belonung, dann du wol verdient hast, werden soll, ich will verschaffen, damit du gott mit deinem berentreiben nicht mehr erzürnest, das dir deine recht und du ab diser welt solt gethon werden. Wirsung K 4ᵃ; den bären treiben kundt. Bocc. 2, 75ᵇ;
das ich im treiben hilf den bern.
H. Sachs I, 516;
von diser kirchweih ich gedenk
zu erobern ein gute schenk,
wann ich (die magd) hab zwischen beiden lieben
den beren je trewlich getrieben.
IV. 3, 3ᵈ;
ihr seidenstrickrin müst bei mir bleiben
und mir helfen den bern treiben,
die merlein (kundschaft) hin und wider tragen.
Ayrer 193ᵇ.
wir würden diese nur in schriften des 16. 17 jh. wiederkehrenden und verdunkelten, wahrscheinlich uralten redensarten besser verstehen, wäre die mhd. poesie weniger auf das welsche, mehr auf das einheimische gerichtet gewesen. Nib. 891 bindet Siegfried den bären an den sattel und läszt ihn hernach (898. 899) in die küche los, das war deutscher scherz und lust, gleich dem bärentanz. andere gebräuche kommen bei den zusammensetzungen in betracht. der bär greift die menschen nicht an, wehrt sich erst angegriffen und wird dann grausam und unbarmherzig; das erbarmen ist zu bären geflohen. Schiller 142. Manche pflanzen, wie nach dem wolf, hat das alterthum nach dem bären benannt und dabei mythische vorstellungen untergelegt.
baar
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1055, Z. 27
nudus, intectus, synonym mit nackt und blosz, ahd. par, mhd. bar, nnl. baar, ags. bar, engl. bare, altn. berr, schw. dän. bar. die heutige schreibung baar neben barfusz, barhaupt ist wie in heer und Hermann, hahn und Hanstein, doch setzen auch viele bar. leider geht uns die goth. form ab, sie würde vielleicht lauten basis, wozu der umlaut des altn. berr stimmt, oder basus, basvus, nach dem mhd. barwer brüste bei Frauenlob Ettm. s. 6 und irbarwen für irbaren im gedicht von dem gelouben 850. 1268. 1331. 2630. denn mit unserm bar in offenbar, lautbar u. s. w., mhd. bære, ahd. pâri, überhaupt mit der wurzel beran kann das baar nichts zu schaffen haben, auf S weisen auch sl. bos′′ nudus, litt. basas, lett. baśś, selbst die lappische sprache, welche P für B setzt, gewährt puodsus nudus. also verhält sich das R in baar, wie in beere, goth. basi, ja zwischen basi und jenem basis, basus wäre verwandtschaft möglich, wovon mehr unter beere gesagt werden soll. zwar schränkt der heutige sl. und litt. sprachgebrauch bosy und basas ein auf barfusz, nudipes, und bos′′ übersetzt Jes. 20, 5 ἀνυπόδητος, allein früher musz es allgemein nudus bedeutet haben, sonst sagte man nicht russ. na bosu nogu, auf bloszem fusz und hätte nicht gebildet bosonogii, böhm. bosonohy; entscheidend wird das lappische, nudus überhaupt ausdrückende wort. Baar bedeutet uns
1)
leibliche nacktheit und blösze. Cädmon läszt Adam und Eva im paradies sagen: vit hêr baru standađ, unvered vædo, wir beide stehn hier baar und unbekleidet; so könnte auch
schön wie ein baarer engel.
Wieland 22, 169
zu nehmen sein für nacket, doch soll es nach 23, 321 ausdrücken manifestus, luculentus. Gewöhnlich wird die enthüllung einzelner theile des leibs gemeint, was die zusammensetzungen barhaupt, barfusz, barschenkel näher bezeichnen. der paro arm ist ahd. brachium exsertum, ein aus dem gewand hervorgestreckter, entblöszter; geirvörtur berar sind altn. papillae nudae. Laxd. saga s. 136; mhd. diu barn knie; arme und füeʒe wâren bar. Ben. wb. 1, 140ᵇ; sie wies ihre baaren zähne, bleckte die zähne;
mit iren schenklein get sie bar,
recht als sie waschen solte.
Uhland 57;
und flohe hinweg mit allem har,
da sasz der reuter kal und bar.
Waldis 1, 95;
sie rauft im aus die schwarzen har,
bisz im der kopf ward kal und bar.
3, 83;
ach, dasz doch, wie ich wünsch, mein herz euch bahr zu sehen (wäre)!
Weckherlin 746;
polsche pferde gehen baar, polsche leute gehn beschlagen.
Logau 2, 6, 13,
die pferde gehn ohne schuhe, hufeisen. houbetparî war ahd. calvitium, und kahl berührt sich oft mit baar.
das scheint doch wirklich sonnenklar,
ich geh mit zügen frei und bar,
mit freien, treuen blicken;
der hat eine maske vorgethan
Göthe 3, 161.
man sagt, das baare (wie sonst das nackte) leben:
erbötig, sollt es auch ums bare leben gehn,
das abenteuer zu bestehn.
Wieland 18, 99. (dem selbst nichts übrig blieb als dieses nackte leben. 23, 44).
2)
baar, auf die erde bezogen, kann dem zusammenhange nach meinen unbedeckt von wasser, schnee, gras, blumen. ahd. dar diu erda bar ist, dar ist sie oberôra demo waʒʒere. N. ps. 135, 6, aus dem wasser hervorgetreten. winters liegt die erde baar, wenn kein schnee auf sie gefallen ist (vgl.barfrost). mhd. nu ist diu heide worden bar. MS. 2, 50ᵇ. die bare heide bei Möser p. ph. 1, 246 meint aber, wie das nnl. barre hei, den raum, wo das auge nichts als heide erblickt, wie nnl. de bare zee, wo man nichts als wasser, kein land sieht.
3)
baar von schwert und waffen gesagt, bedeutet entblöszt: das baare, wie sonst das blosze, nackte schwert, das aus der scheide gezogne:
ir swert heten sie al bar,
diu siu an henden truogen.
En. 6611;
done heten sie dehein andern pfant,
niuwan daʒ îsen alsô bar.
Iw. 7222;
der ritter beleip bar. Krone 2874 ist gleichviel mit beleip blôʒ. 2888. 2904, ohne rüstung.
4)
das baare geld, die baare münze, pecunia praesens, numerata, man könnte wieder auslegen: aus dem beutel gezognes, aufgezähltes geld, offen auf dem bret liegendes; auch die blanken thaler, wie es sonst heiszt, sind die blankenden, blinkenden. baar geld lacht; baar geld kauft; baar geld kauft wolfeil; baar geld ist gute waare; baar geld ist die losung; wer baar geld gibt, hat macht zu dingen; baren solt geben. Keisersb. hell. lewe 66ᵃ; baare bezahlung steht entgegen dem borgen; auch blosz baar (ohne geld): 100 thaler in baar;
und aufschlag machen in all wahr,
auf porg vil thewrer wann umb par.
H. Sachs I, 333ᵇ;
und man gab das geld bar uber denen, die da erbeiten (ἔδωκαν τὸ ἀργύριον τὸ ἑτοιμασθὲν ἐπὶ χεῖρας, vulg. dabant in manum). 2 kön. 12, 11; der guͦt alt etti hett sein siben pfenning geholt, die waren im also bar (ausgezahlt) worden. Frey garteng. cap. 40; etliche werden bahr bezahlet. Kirchhof mil. disc. 213;
wa sie dafür gab gut par gelt.
Weckherlin 810;
kaum so viel kahle mark baares geldes, dasz man darvon schwefelhölzer in die küche kaufen kan. Gryphius 1, 820;
da hast du baare funfzig thaler,
nur unterlasse den gesang.
Hagedorn 2, 68;
verheiszung, gegendienst, vielleicht was baarers noch.
Haller 113;
die tausend thaler musz ich baar und auf einem brete (haben). Gellert 3, 296; geben wir denn nicht unser baares geld dafür? Göthe 20, 145; es dauerte sie jeder baare pfennig, den sie aus der hand geben wollte. 22, 202. etwas für baares geld nehmen heiszt unbesonnen und ungeprüft lügen glauben, oder scherz für ernst halten: ungereimte meinungen und märchen, die für baares geld angenommen wurden. Wieland 19, 128; man glaubt leicht was man wünscht, Nicolai nahm in seiner unbefangenheit alles für baare münze. Fichte Nicol. leben s. 18. s.bargeld, ↗barschaft.
5)
baar für rein, lauter, ungefälscht: baare milch, blosze milch, nichts als milch; er soll schwarz brot essen und das baare wasser dazu trinken; sehen sie, das ist blanke, baare erfahrung. Bürger 179ᵇ, das liegt offen vor augen, ist lauter. Fischart sagt: dise haben gebeicht und gerewet (bereut) und ablasz bekommen, darumb werden sie also par (gereinigt) ins paradis fahren, wie die säns in sack. Garg. 207ᵃ. in den folgenden stellen ist mehr abstraction, doch liesze sich überall baar vertauschen mit offenbar oder lauter:
und was er andern nicht an baarer gunst erweist.
Hagedorn 1, 22;
sie halten dies vermutlich für baren eigensinn?
Wieland 5, 43;
und dazu kommt noch, dasz sie mirs für baare verachtung aufnehmen, wenn ich ihrer nicht gedenke. Wieland bei Merck 2, 140; baare, angeborne einfalt. Gotter 3, 302; das ist eine baare thorheit zu nennen. Göthe 2, 232; das ist baare hexerei. 11, 293; wenn sie nach entfernten und immer entferntern tropen haschen, so wird es baarer unsinn. 6, 105; diesen baaren unsinn der nachwelt zu empfehlen. 59, 292; das ist doch der baarste unsinn; ich schämte mich nur vorher, gleich meine reue so baar und offen zu zeigen. Tieck 11, 6.
6)
die mhd. sprache verwendet bar, wie blôʒ, häufig für ledig und frei, mit gen. der sache; er ist wîser sinne bar; si ist alles valsches bar; eʒ tuot sorgen bar; ougen saffes bar (Ben. wb. 1, 141ᵃ); der dâ wirt guotes bar. jüngling 430. nhd. erfolgt die fügung seltner:
und aller ehren bar wär ich geblieben,
hätt euer mut die schmach mir nicht vergaumt (abgewehrt).
Wieland 18, 50;
so seis. wer von ergebung spricht an Östreich,
soll rechtlos sein und aller ehren baar.
Schiller 530ᵃ;
da kommt der immer meine freude war,
der jetzt mich machet aller freuden baar.
Tieck 2, 142;
so waren wir alles französischen wesens auf einmal baar und ledig. Göthe 26, 71. statt des gen. mit der praep. an:
wehr-lehr-nährstand, jeder stand hat sein eigen ehr in sich,
nim w. l. und n. weg, lehrt der name solches dich:
nur der herstand, der bisher andrer stände henker war,
hat bei ständen keinen stand, ist an ehr und namen baar.
Logau 2, 8, 21.
7)
wie das baare geld ein bereites ist, setzt Keisersberg bar haben für bereit halten, in promptu habere: het ich auch also bar die geschrift wider ietlichs lasters anfechtung, ich bin aber nit gelert; ein unvernünftige antwurt, die hastu bar. post. 2, 83.
bär m
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1124, Z. 15
ein schwerer klotz zum einrammen, einrammeln der pfähle, rammklotz, stampfklotz, ungewisser abkunft, vielleicht von beren, schlagen. denn kaum zu denken ist an die thierfabel von dem bären, der seinen kopf in den spalt eines balkens steckt. auch böhm. beran.
bar n
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1121, Z. 79
par, franz. paire, heute paar geschrieben: ein bar ochsen; es musz ein jeder ein bar narrenschuch vertreten, vertritt er nicht mehr. Henisch 186; die pest belangend lehrt ein genfischer apostel, es sei nichts bessers darfür, dann ein gut new bar schuch, und dieselben von dannen gebraucht, bisz sie brechen. Garg. 202ᵇ; stechen den feinden wie den hünlin die gurgel ab, und fertigen sie also in ein bar stunden hinweg. 206ᵇ. für ein paar sagte man leicht zwei paar:
zwei bar schwarz leuchtend augen clar.
fastn. sp. 1297.
bar n
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1121, Z. 37
bezeichnete den meistersängern eine bestimmte art gesanges, über dessen beschaffenheit und ursprung wir noch keine genügende auskunft haben. H. Sachs V. 3, 413ᵈ, als er am schlusz seiner laufbahn über seine dichterische thätigkeit rechenschaft ablegt, gedenkt vor allem seiner in 53 jahren verfaszten meistergesänge
darin vil schriftlicher bar warn
aus alt und newem testament,
hernach 414ᵇ
in einer summa diser bar
der meistergesang aller war
eben gleich zwei und vierzig hundert.
nach dem Dresdner meistergesangbuch nᵒ 5 scheint bar oder par (wie sonst hort) ein groszer aus verschiednen tönen zusammengesetzter gesang (vgl. s. 166—176. 463. 802 dieser handschrift.) in einem älteren gedichte Regenbogens MSH. 3, 350ᵃ
ich lob ein meistersinger schôn,
der mir antwurt in disem dôn
ein guot barlin oder zwei ûʒ sînes herzen grunde.
in dem Colmarer liederbuch steht verzeichnet ein ander parthen und ein ander par (mus. für altd. lit. 2, 197), in einem liede (das. 225)
das sint XII barant töne.
'vil schoner, guter, maisterlicher gedicht par' heiszt es fastn. sp. 1270 und 'das gesilbent par' 1271, also deutlich n., der mangel des umlauts in barlîn weist auf bârlîn, folglich bâr; am nächsten zu liegen scheint das beim orgelspiel erhaltne baren, schnarren, gelinde und leise tönen, wovon auch die barpfeife, bärpfeife ein brummendes schnarrwerk den namen hat, man vergleiche fries. bere clamor, baria clamare und was sonst unter baren zusammengestellt ist. erwägt man nun dasz eine andere meistersängerische gesangsart von schallen schall hiesz, im vocab. a. 1482 pardawe (s.bardauz), schallmei und parda nebeneinander gestellt ist und bei Isidor barto genus organi vorkommt (Ducange 1, 609ᵇ); so erklärt sich bar mit der nebenform barthen von selbst. barto, obgleich an βάρβιτον und bariton (βαρύτονος) mahnend, kann andern ursprung haben und es ist keine verwegenheit, des baritus oder barditus bei Tacitus hier zu gedenken, wenn auch der keltische name bard für dichter nichts damit zu schaffen hat, das fractum murmur objectis ad os scutis aber zum altn. barđi clypeus (von berja pulsare) stimmen dürfte.
bär m
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1124, Z. 22
im festungsbau ein starkgemauerter querdamm mit scharfem rücken, franz. batardeau, soll aus einem mlat. berum stammen. Frisch 62ᶜ.
bar ein nicht für sich, nur in verbindung mit einem vorausgehenden subst. oder verbum auftretendes adj.
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1120, Z. 60
das goth. mangelt, ahd. pâri, mhd. bære, nnl. baar lautet, und von bären, mhd. bërn herrührt, wie das lat. fer oder ferus, gr. φόρος von ferre, φέρειν, was Ben. 1, 147ᵃ ohne grund leugnet, denn fruchtbar ist doch fructifer, καρποφόρος, mhd. tôtbære mortifer, mortiferus, θανατηφόρος. mannbar drückt aus nubilis, viripotens, quae virum fert, man hätte auch virifera bilden können. oft aber weichen die bedeutungen aus und bar läszt sich capax, aptus erklären, zumal in den erst später entsprungnen zusammensetzungen mit dem verbum: eszbar, trinkbar, aptus ad edendum, bibendum, edulis, potabilis. Beachtenswerth ist die schon mhd. anhebende verkürzung des bære in ber: dankbar Bon. 22, 43. 47, 125; unahtber Berth. 75. 114; liupper bei Neidh. für liutbære; für valbære, dem fall, mortuarium unterworfen, setzt eine urk. von 1444 im cod. zaringobad. nᵒ 389 falber; kampher wunden sind kampfbare (Haltaus 1065). bekannt sind aus noch jüngerer zeit die semperfreien = sendbaren, sendpflichtigen und die schamperlieder, unzüchtigen, schandbaren gesänge; unterm volk hört man heutiges tages: der weg ist gangber, mit dankbrem herzen, kospre f. kostbare geschenke. chosperi stei, chappe hat Hebel s. 270. 294 und lustberkeit 262; dankperkeit fastn. sp. 1369. Melissus ps. K 8ᵇ setzt scheinbar, gestattet sich aber H 4ᵇ für scheinbarem
mit scheinbrem schmuk.
solchen wechsel zwischen baar und gekürztem bre, bren wissen sich niederländische dichter besser zu nutze zu machen:
en gy, o grijzen, die met vroeg besneeuwde hairen
de woeste drift bezuurt der onbedwingbre jaren.
Bilderdijk ziekte der gel. 1, 54;
Homer, onsterflijk licht van ongelijkbren gloed.
1, 72;
helaas! wat gruwbre reeks van onafzienbre kwalen
vertoont zich.
1, 85 u. s. w.
Auch im latein scheinen die häufigen wortbildungen auf bris, bra, brum wie celebris funebris, latebra, cerebrum entsprungen und verschoben aus feris fera ferum, mit ausgestosznem vocal: funebris funus ferens, lugubris luctum inducens, cerebrum quod in capite fertur, was man dann auch auf den nom. celeber, october, november erstreckte. wir sähen also in pario, fero und diesem bris die vollständige reihe PFB, wenn man nicht lieber das bris als älteste form ansetzen und ordnen will BPF. Die üblichsten nhd. adj. auf bar sind: achtbar brauchbar dankbar dienstbar ehrbar fruchtbar furchtbar jagdbar kampfbar kostbar lohnbar mannbar schandbar schöffenbar sichtbar streitbar wandelbar wunderbar. mit dem verbum können sie leichter neu gebildet werden: brennbar denkbar dehnbar deutbar eszbar fahrbar haltbar kennbar lernbar lesbar genieszbar schmelzbar sühnbar tragbar theilbar trinkbar wohnbar, besonders wenn un vorausgeht: unabsehbar unbelohnbar unbezwingbar unausdenkbar unannehmbar. in offenbar, ahd. ofanpâri, mhd. offenbære ist das erste wort part. praet. und enthält eben die bedeutung von manifestus, detectus. in tragbar erscheinen tragen und bären nebeneinander und bar = pâri war an sich schon ferendus oder portabilis.
bär m
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1124, Z. 10
aper, gen. bärs. Hohberg 2, 305ᵃ. 307ᵃ, dem vorausgehenden völlig unverwandt, ahd. pêr, mhd. bêr (Ben. 1, 104ᵇ), ags. bâr, engl. boar. würde goth. bair gelautet haben, wie das langob. sonorpahir, sonorpaiz bestätigt. gesch. der deutschen sprache s. 695. s. beier.
bar
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1120, Z. 51
ablaut von bären, mhd. bërn, ahd. përan, goth. bairan; ob aber ein beleg für das einfache bar noch in das gebiet der nhd. sprache fällt? bären = ferre wurde durch tragen ganz verdrängt und nur gebären = parere dauert fort, das letzte bar tulit mag im 14. 15 jh. gesprochen worden sein, gebar peperit blieb geläufig, z. b. gelag und gebar. Bocc. 1, 290ᵇ d. i. lag nieder und brachte zur welt. auch das lat. fert ist bringt; parit bringt zur welt. s.bären.
bär m
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1124, Z. 20
im bergwerk aftern oder abgänge bei trocken gepochten koboldausschlägen. s.bärenschlamm.
bar
Fundstelle: Lfg. 5 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1120, Z. 59
nudus, s.baar.
Zitationshilfe
„bär“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/b%C3%A4r>, abgerufen am 18.07.2019.

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