ausschneiden
Fundstelle: Lfg. 4 (1852), Bd. I (1854), Sp. 958, Z. 14
exsecare, exscindere, ahd. arsnîdan, ûʒarsnîdan (Graff 6, 841), nnl. uitsnijden.
1)
einem die zunge ausschneiden:
man solte dem ältesten die zunge ausschneiden und hende und füsze abhauen.
2 Macc. 7, 4;
ein geschwür ausschneiden.
2)
einem die hoden, die nieren ausschneiden, oder mit wegbleibendem acc. blosz einem ausschneiden, ihn verschneiden, entmannen:
secht, ob ir im mugt selbs auszschneiden.
fastn. sp. 255, 31;
dem sol man sein beide niern auszsneiden.
309, 25;
wan mir ist noch nit auszgeschniten.
702, 10;
und haben im ander frauen ausgesniten.
771, 7;
heiszen mich ein nollpruder ein follen,
und droen mir denn auszzuschneiden.
H. Sachs II. 4, 4ᶜ;
ich wolt, im wer geschnitten ausz.
IV. 3, 40ᶜ.
hat Franciscus von Sickingen den bischof von Trier gekriegt, verhergt, den pfaffen (dat. pl.) auszgeschnitten und den geistlichen vil plag angelegt. Frank chron. 224ᵇ; dem ferkel ausschneiden. Witzenb. 105; nimb des obgenanten schmeers und mach ein einschlag daraus, lasz dem gaul wol ausschneiden bis auf das leben. Seuter 336; die nur ihren lust haben, den leuten auszuschneiden und häuser nider zu reiszen. Garg. 149ᵇ; der den legaten ausschnitt und sie ir eigen geschirr zu essen zwang. 234ᵇ; die den leuten ausschneiden. 235ᵃ;
Saturnus schniet dem Coelo aus und warf es in das meer,
vom schaum, der aus dem wurf entstand, da wuchs die Venus her.
Logau 3, 9, 74.
man scheint auch gesagt zu haben einen ausschneiden, wie das part. ausgeschnitten voraussetzt: Sardanapal, der einen ausgeschnittenen verheiratet. Lohenst. Arm. 1, 201.
3)
dem baum die äste ausschneiden;
so wil ich hoflich aus der weiden
die korb zeunen und ausschneiden.
fastn. sp. 556, 12,
wo besser zeinen stände. dann auch einen baum ausschneiden: der zu einem thier oder menschen zierlich ausgeschnittene gartenbaum. J. Paul biogr. bel. 1, 51. s. ausschneiten.
4)
das hemd oder kleid, den kragen ausschneiden, vornen weit offen lassen. die Limburger chronik erzählt §. 46: die frauen trugen weite ausgeschnittene hembde, also dasz man inen die brust beinahe halb sahe (vgl. Altswert s. 50); sie geht weit, tief ausgeschnitten; aber unserm sönlin macht man das hembd ausgeschnitten. Garg. 113ᵃ, wie man noch heute die kinderhemder ausschneidet, um die haut an der luft abzuhärten.
5)
blumen, thiere, gesichter mit der schere in papier ausschneiden; sie kann aufs zierlichste ausschneiden.
6)
einen raum ausschneiden:
flächen, die einen raum in der breite eines winkels ausschneiden.
Kant 8, 277.
7)
tuch, zeug ausschneiden, ellenweis abschneiden und verkaufen. auch der becker schneidet brot aus, wenn er es in stücken verkauft.
Zitationshilfe
„ausschneiden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ausschneiden>, abgerufen am 26.06.2019.

Weitere Informationen …