ausgeben
Fundstelle: Lfg. 4 (1852), Bd. I (1854), Sp. 866, Z. 38
edere, promere, distribuere, von sich geben, herausgeben, austheilen, nnl. uitgeven.
1)
die tochter, das mädchen ausgeben, dare e manu, nuptui dare, ἐκδιδόναι, böhm. dceru wdáti, mhd. ûʒ geben. pass. Köpke 340, 27: es ist nicht sitte in unserm lande, dasz man die jüngste ausgebe vor der eltesten. 1 Mos. 29, 26, wie das volk sagt, grummet mache vor dem heu; grosze kinder, die sie fürter beraten und uszgeben hetten. Eulensp. c. 67;
der Kolman gab sein tochter aus.
Uhland 35;
ein solche magd wird geliebt, gefordert und darnebn
von guten leuten ausgegebn.
der herr beschert ihr einen frommen mann.
Ringwald laut. warh. 315;
demnach doctor Baudisz witwe eine tochter ausgab und ich von ihr zur hochzeit eingeladen worden. Schweinichen 3, 177; wann ein reicher mann eine tochter ausgab, so gab er ihr knecht und mägde mit. Schuppius 101; vor ungefehr einem vierteljahre gab die frau Gragern ihre jungfer tochter an einen peruquenmacher von Jena aus. unw. doct. 635; die tochter unsers herrn wird morgen ausgegeben. Wieland 22, 165.
2)
aber auch allgemein für leute herausgeben, ausliefern, aus der hand lassen: wär aber, ob ein herr hernach käm, des er (der ins land gezogne mann) gewesen wär, und in wolte vahen ... so sullent vier man oder sechs zu dem herrn schicken, die sullent in bitten, ob er in well ausgeben auf recht. will er in denn ausgeben auf recht u. s. w. weisth. 3, 652;
nehmt an der hand und bringt des Brises rosige tochter,
wenn er sie nicht ausgäbe, so möcht ich selber sie nehmen.
Voss Il. 1, 324.
3)
sachen ausgeben, austheilen, gutes oder böses: da er sold und gaben ausgegeben hatte mehr denn alle könige vor im. 1 Macc. 3, 30; brot ausgeben oder verkaufen. weisth. 3, 643; dem falken das luder ausgeben. weidw. 2, 6ᵃ; die hausfrau gibt aus, holt aus der speisekammer und vertheilt; karten beim spiel ausgeben;
die sprenze, die sprenze (sprinze, sperber)
die gab aus schöne krenze.
Uhland 41;
Fischart unter den spielen nennt nᵒ 163 eins stein ausgeben und sagt auch Garg. 149ᵃ: als Paris zwischen den drein frawen den apfel austheilt, daher noch der löblich brauch des stein ausgebens. es scheint hiernach der besten oder schönsten ein stein gegeben worden zu sein. dasz ihr gegenpart ohrfeigen ausgegeben habe. Schuppius 818. man sagt auch, bei wegbleibendem acc. der sache, mit dem schwert, mit dem stab, mit der hand ausgeben (ähnlich dem mhd. lieʒ dare gân mit eime meʒʒer, mit der baniere, mit dem rosse):
ich wil dir mit dem schwert ausgeben.
fastn. sp. 194, 27;
da gab mans (den segen) mit den kolben aus; da wurde mit beiden händen (schläge) ausgegeben; sie gab mit voller hand (brot, almosen) aus. auch bloszes ausgeben bedeutet den armen geben:
darumb du frommer christ ausgieb,
zeig den armen dein christlich lieb.
H. Sachs I, 64ᵃ;
frei miltiglich ausgeben.
I, 225ᵇ.
4)
ausgeben, auszer dem hause fertigen lassen: die wäsche, oder eine andere arbeit ausgeben.
5)
ein buch, werk ausgeben, herausgeben, durch den druck zum verkauf bringen, edere librum, vgl.ausgabe; die briefe sind noch nicht ausgegeben; die zeitung wird ausgegeben; wie wol ich etzliche kleine tractätlein wider den tichter des pasquills ausgegeben. Schuppius 623; aber die schrift darf noch nicht ausgegeben werden.
6)
geld ausgeben, expendere pecuniam, und wiederum mit wegbleibendem acc. blosz ausgeben: das dir furfelt auszugeben, das lasz geben aus der kamer des königs. Esra 7, 20; er gibt aus, immer aus und nimmt nichts ein; er gibt alles, sein ganz vermögen aus; ein geizhals will nichts ausgeben; die herren müssens einnehmen, wie sie es ausgeben, rufen sie hott, so gehts suder (schwuder, links). Lehmann 87;
wo es dann an ein rechnen gat,
vil me in unserm uszgen (ausgeben) stat,
den wir ingnommen wellent han.
trag. Joh. B 8.
7)
worte ausgeben, verba proferre, von sich geben: wo niemand zuhöret, da geb ich nicht aus das wort, sprach Salomon. Luther 1, 28ᵇ; auch blosz ausgeben, sagen, vorgeben:
da gab ainer aus.
fastn. sp. 758, 26;
die parole ausgeben; darumb das gott möge seine kraft und trost ausgeben und uns mitteilen, so zeucht er hin allen andern trost. Luther 1, 20ᵃ; schaden ausgeben, stiften:
hunde die an ketten liegen, menschen die nach willen leben,
sind bedenklich, beide pflegen leichtlich schaden auszugeben.
Logau 3, 3, 49,
vielleicht mit rücksicht auf den sprachgebrauch der jäger, nach welchem der hase sein glos (seine losung, excrementum) ausgibt (auswirft). weidwerkbuch 90ᵃ. anderwärts scheint aber ausgeben auch das bellen der hunde auszudrücken: nachdem sich nun des (in den dachsbau gekrochenen) hundes ausgeben in ein winseln verkehrte. Hohberg 2, 637ᵃ.
8)
allgemein ausgeben für geben, hingeben, producieren, im gegensatz zu empfangen, sich geben lassen: personen, die mehr empfänglicher als ausgebender natur mit reinem sinne einen ruhigen antheil an dingen zu nehmen bereit sind. Göthe 26, 210. was mein vermögen ausgeben (ertragen, austragen) kann. unw. doct. 5.
9)
sich ausgeben, dargeben, mittheilen: sich ganz ausgeben, sich von barem gelde entblöszen; ich habe immer ihro gnaden für einen ordentlichen und vorsichtigen mann gehalten, der sich niemals ganz ausgibt. Lessing 1, 514; von deutschen productionen war mir Olfried und Lisena eine höchst willkommene erscheinung. das einzige bedenken, was sich auch in der folge einigermaszen rechtfertigte, war, der junge mann möchte sich in solchen (so) umfang zu früh ausgegeben haben. Göthe 32, 176.
10)
von sich oder von einem andern ausgeben, aussagen, behaupten:
o lieben nachbawren schweiget still
und gebt die ding nit von mir ausz.
H. Sachs III. 3, 58ᵈ;
so man von ihr gibt rümlich aus,
das auf iren (ihr) das haus bestand.
Fischart ehz. 49;
damit unterdrücken und dämpfen,
was er von ihr ausgeben hab.
Ayrer 269ᵇ;
man gibt zwar von dir (dem tode) aus, du seist von schlechtem bein.
von Schönborn bei Gryphius 2, 32;
du must von dir selbsten mehr nicht ausgeben, als es in der that ist, damit du nicht roth von scham werdest. pers. baumg. 5, 11. ungewöhnlich ist auf einen ausgeben: dasz auf ihne ausgegeben worden, er hätte die gewonheit, beides mit der zung und krummen fingern spazieren zu gehen. Simplic. 2, 312.
11)
für etwas ausgeben, darstellen als: Ulenspiegel gab sich usz für ein schreinerknecht. Eulensp. c. 62; ich geb mich aber nicht für den aus, der erfarne und trewe schmelzer will arbeiten leren Mathesius 147ᵇ; wie immer sie sich für die erste unserer besseren poesie erfinder fälschlich ausgeben. Weckherlin vorr. zu den weltl. ged.; kam ein cavallier zu mir, der gab sich für einen baron und obristen aus. Schuppius 253; ich will nur erwehnen, dasz mich einige leute vor schön ausgeben wolten. Felsenb. 3, 147; dieser gibt sich keineswegs dafür aus, die möglichkeit der dinge zu erklären. Schiller 1169; in wahren geschichten, warf Anselm dazwischen, wofür sich diese doch ausgibt, kommt dergleichen nicht vor. Tieck ges. nov. 9, 175; da er am ende recht behielt und ich nicht gern für boshaft ausgegeben werden wollte, so liesz ich auch diese abhandlung liegen. 9, 6.
12)
intransitiv, ergibig sein, ertragen: das mehl gibt gut aus, gibt vieles brot; das getraide gibt wenig aus; die schuldenmasse wird dreiszig vom hundert ausgeben; so kommt doch eins zum andern und es gibt am ende etwas aus. weidmännisch, das horn gibt gut aus, erschallt laut; der hund gibt aus, bellt. vlg. 7. es hält nicht schwer accusative zu ergänzen. vgl.ausgibig.
Zitationshilfe
„ausgeben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ausgeben>, abgerufen am 17.10.2019.

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