auftreten
Fundstelle: Lfg. 4 (1852), Bd. I (1854), Sp. 764, Z. 3
pedem figere, nnl. optreden,
1)
intransitiv auftreten, vortreten, vor der welt erscheinen: und alle seine söne und töchter traten auf, das sie in trösten. 1 Mos. 37, 35; ir seid aufgetreten an ewr veter stat. 4 Mos. 32, 14; es sol kein einzeler zeuge wider iemand auftretten. 5 Mos. 19, 15; wenn ein freveler zeuge wider iemand auftrit. 19, 16; es tretten frevel zeugen auf. ps. 35, 11; aber der herr ist aufgetretten die völker zu richten. Es. 3, 13; und die zween ältesten traten auf, mitten unter dem volk. Sus. 34; die königin von Ninive wird auftretten am jüngsten gerichte. Matth. 12, 42; aber am letzten tage des festes trat Jesus auf und rief (goth. stôþ Jêsus). Joh. 7, 37; und in den tagen trat auf Petrus unter die jünger. apost. gesch. 1, 15; da trat Petrus auf mit den eilfen. 2, 14; was für propheten hernach aufgetreten sein. Mathesius 74ᵃ; wenn ich auftrete, zittert ein herzogthum. Schiller 187ᵇ; als ich zum erstenmal vor dem publicum als schriftsteller auftrat. Gökingk 1 vorr. 1; die fürsten, die in diesem werk auftreten. Klinger 3, 125; wenn man die argumente der vernunft gegeneinander auftreten läszt. Kant 2, 400; die erden der nacht (die planeten) traten schon auf. J. Paul Hesp. 4, 49. Man pflegt die art und weise des auftretens durch die adv. still oder laut, derb oder leise, stark, fest, hart oder gelind, behutsam u. a. m. zu bezeichnen: wer das falsche vertheidigen will, hat alle ursache leise aufzutreten und sich zu einer feinen lebensart zu bekennen. wer das recht auf seiner seite fühlt, musz derb auftreten, ein höfliches recht will gar nichts heiszen. Göthe 56, 150; dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen. 19, 167; er tritt hoch auf, brüstet sich;
sein fusz tritt grimmig auf, dasz die allee erzittert.
Zachariä;
gleich auftreten heiszt die füsze gleich heben und setzen zumal von pferden; die schönheit des gewebes hängt vom gleichen auftreten des webegeschirres ab, vom gleichen schlag der lade. Göthe 23, 65. mit etwas auftreten, etwas anbringen, vorbringen: die leute sind mit einer klage gegen ihren amtmann aufgetreten. Im auftreten liegt ursprünglich emportreten, der auftretende redner oder schauspieler besteigt kanzel oder bühne und der zeuge musz vor gericht treten, aufsteigen. am deutlichsten wird dies empor beim auftreten zum galgen:
und da der hübsche schreiber
die erste sprossen auftrat,
er sprach, ir siben landsherren,
gebt mir eins wortes macht!
Uhland 229,
doch läszt es sich hier auch nehmen als treten auf die erste sprosse wie es heiszt: ich kann nicht auftreten, auf die füsze treten. Es heiszt aber auch: mir sind die füsze aufgetreten, angeschwollen; der leib tritt ihm schon auf, schwillt ihm.
2)
transitiv, calcando frangere, aperire: eine nusz, die thür auftreten, das pferd tritt den fuszboden auf.
Zitationshilfe
„auftreten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/auftreten>, abgerufen am 23.05.2019.

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