anhängen
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 367, Z. 75
affigere, appendĕre, mit dem praet. anhängte, part. angehängt. schlug seine feinde im hindern und henget inen ein ewige schande an. ps. 78, 66; gnade und trew werden dich nicht lassen, henge sie an deinen hals und schreibe sie in die tafel deines herzen. spr. Sal. 3, 3; da mus iederman sich anhengen, lestern und verfolgen. Luther 5, 54ᵇ; an mich mus sich der teufel hengen. das.; es werden inen auch besonder befelch vertrauwt und angehengt. Fronsp. kriegsb. 1, 3ᵃ; wird er weder klüger noch närrischer, ob ihm ein ander einen verächtlichen titul auf solche weise anhängt. Weise erzn. 43; ich hasse sie und hänge ihnen eins mit vergnügen an. Claudius 7, 126; der lustspieldichter ist gleichsam nur ein hämischer controleur, der auf die fehler seiner mitbürger ein wachsames auge hat und froh zu sein scheint, wenn er ihnen eins anhängen kann. Göthe 18, 149; ein paar fürsten beschreiben wir als wahre väter des vaterlandes, damit man uns desto eher glaubt, wenn wir einigen andern etwas anhängen. 19, 112; sich den ganzen corso hinab zankte, jedem etwas anhängte. 29, 238; keine kutsche fährt ungestraft vorbei, ohne dasz ihr nicht wenigstens einige masken etwas anhängen. 29, 254;
jedem hängt er was an und jeder fürchtet den schaden.
40, 188;
ich gieng über Paris, um da durch den englischen gesandten den faden leise anzuhängen, der in London ziehen sollte. Klinger 9, 226; unter solchen leuten leben, unter solchen leuten mit gefühl zu leben, das sich anhängen möchte. Klingers th. 4, 252; um eure zubereitungen vergeblich zu machen und euch einen schimpf anzuhängen. Tieck 12, 229; die lüge, die die familie seiner herrlichkeit anhängen sollte. J. Paul Hesp. 1, 17. so noch in manchen redensarten: den mantel anhängen (an die wand, an den haken); der katze die schelle anhängen; einem ein blech, einen flecken (wie in den vorhergehenden stellen: etwas, eins) anhängen; einem eine krankheit anhängen, ihn damit anstecken; er hat ihm die krätze angehängt; dem buch urkunden anhängen; das siegel anhängen (an die urkunde); den kranz anhängen (an das haupt, an die thür). sich anhängen hat die bedeutung jenes intransitiven anhangen: die klette hängt sich an den rock an; der brei hängt sich an den topf, in dem topf an; das pech hängt sich an die hand an; sie hängt sich an den menschen an, lebt mit ihm vertraut, mit dem bei anhang und anhangen gewiesenen nebensinn; man sagte, in einem hafen anhängen, wie anlegen, entweder sich anhängen oder das schif, den nachen. Spätere schriftsteller setzen nun auch oft anhängen für anhangen: höhere geister sehen die zarten spinneweben einer that vielleicht an die entlegensten grenzen der zukunft und vergangenheit anhängen. Schiller 144; ein regent, der weise genug ist, der tugend aus interesse anzuhängen. Klinger 5, 151; wir, die wir ihm treu anhängen. 6, 34; der schmutzige zug aller dieser thorheiten, die uns anhängen. 11, 31; der begrif der ursache deutet keine den dingen, sondern nur der erfahrung anhängende bedingung an. Kant 3, 231. vgl.anhenken.
anhangen
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 367, Z. 25
adhaerere, praet. anhieng, part. angehangen, nnl. aanhangen, sollte, wie schon bei abhangen gesagt wurde, als intransitives neutrum dem transitiven anhängen zur seite stehn; davon weicht aber schon die frühere sprache, geschweige die heutige ab, indem sie nach reim und gewohnheit anhangen auch transitiv, noch öfter anhängen intransitiv verwendet. hier beispiele des richtigen gebrauchs: bis das der helt kome, und demselben werden die völker anhangen. 1 Mos. 49, 10; ein iglicher unter den kindern Israel sol anhangen an dem erbe des stamms seines vaters. 4 Mos. 36, 7; aber ir, die ir dem herrn ewrem gott anhienget. 5 Mos. 4, 4; aber der aussatz Naeman wird dir anhangen. 2 kön. 5, 27; er hieng dem herrn an und weich nicht hinden von im abe. 18, 16; oder wird einem (herrn) anhangen und den andern verachten. Matth. 6, 24; darumb wird der mensch seinen vatter und mutter verlassen und wird seinem weibe anhangen. Marc. 10, 7; das ein teglich anhangen sei des fluchs. Luther 3, 314ᵇ; darumb (um den tempel) haben die pfaffen ringsumb ihr anhangende heuser und palläst. Frank weltb. 188ᵇ. Wider die regel aber stoszen: und sie hiengen sich an den Baal Peor. ps. 106, 28; dein herz aber hieng sich an die weiber. Sir. 47, 21; du hiengest deiner ehre einen schandflecken an. daselbst; er siehet, wie er ihm ein kleblebichen (klebläppchen) anhanget. pers. rosenth. 4, 1; dasz ich dessen fabeln hier mit anhange. Lokman einleitung;
ach was soll der mensch verlangen?
ist es besser ruhig bleiben?
klammernd fest sich anzuhangen?
Göthe 1, 72.
was mit und an dir liebte, litt,
hat sich wo anders angehangen ....
Doch braucht schon Ulfilas gerade sein hahan haihah transitiv und unterscheidet von ihm ein intransitives hahan, hahaida. die mischung beider formen scheint zumal durch die zweite und dritte person des praes. sg. veranlaszt zu sein, welche für hangen und hängen gleichlauten (mehr noch unter dem einfachen hangen, hängen), und man kann z. b. aus folgender stelle:
es hängt uns noch von Adam an,
dasz man so übel kiesen kan.
Gryphius 2, 223,
nicht ersehen, ob dazu der inf. lautete anhangen oder anhängen. Luther schreibt ohne umlaut: meine seele hanget dir an. ps. 63, 9; aber Fischart Garg. 187ᵃ der misbrauch ist aller guter bräuch rost, der sich stets anhengt. Wie bei dem subst. anhang zeigt sich auch an dem verbum die bedeutung des auszerehlichen beiliegens: er (Catilina) het lang zeit an im hangen Fulviam, ein verleympte frawen. Dietr. von Plieningen; jedermann wol wuste, dasz sie an dem alten herrn commenthür hieng. Albertini Guszman de Alfarache. anhangende pestilenz heiszt in Gemeiners Regensb. chron. 4, 404 ad a. 1520 eine anhaltende, schwer über dem land hangende.
Zitationshilfe
„anhängen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/anh%C3%A4ngen>, abgerufen am 22.05.2019.

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