andacht f
Fundstelle: Lfg. 2 (1852), Bd. I (1854), Sp. 302, Z. 77
attentio, intentio, ahd. anadâht (Graff 5, 163), mhd. andâht (Ben. 1, 350), nnl. aandacht, samlung der gedanken auf einen gegenstand, inniges andenken: denn ir herz ist in heiszer andacht wie ein backofen. Hosea 7, 6; aber das sind mir die allerbesten gesellen, die sich für der schlacht ermanen und ermanen lassen durch die löbliche andacht irer bulschaft (vgl. deutsche mythol. 370). Luther 3, 329; die so solchen kranken dienen mit liebe, andacht und ernst. 3, 395; etliche haben hie ir andacht (denken sich), doch mit freiem gewissen, dasz Johannes evangelist und Maria Magdalena seien breutgam und braut gewest, dagegen mag ein ander seine, doch frei, andacht haben, es sei Simon. 8, 128ᵃ; unverhindert, ob er ohn das aus eigner andacht wollt sonst etwas lesen in gräkischen autorn. Luthers br. 5, 387;
der einen macht und pracht,
der andern not, anligen, angst, andacht.
Weckherlin 44;
er sahe mir (dem essenden) mit groszer andacht zu. Simpl. 1, 446; wir nahmen dessen erste schriften mit andacht in die hände. Göthe. anderemal nimmt Luther andacht im sinne von dünkel, eigendünkel (vgl. mhd. andûht. Ben. 1, 360ᵃ): das wir nichts anfahen von uns selbs, aus eigen gutdünken und andacht. 3, 267ᵇ; zu einem guten werk gehöret ein gewisser göttlicher beruf und nicht eigen andacht, welchs man heiszet eigen anschlege. 5, 302ᵃ; nu ist vormals oft beweiset, das müncherei on gottes befehl und wort, allein durch menschen andacht und gutdünkel aufkomen ist. 6, 24ᵃ; dazu wil gott unser werk und ampt haben, als von im selbs geschaffen, und nicht durch menschen fürwitz oder andacht, on not und ursachen ertichtet. 6, 26ᵃ; es will solche hohe sachen nicht mit unsern anschlägen noch andacht, sondern mit herzlichem gebet und geistlichem seufzen. br. 4, 218. Später wurde der begrif enger und auf fromme gedanken, devotion eingeschränkt: hie ist nit vil andaht. Behams Wien 58, 25; sein ru und andacht haben. H. Sachs II. 4, 69ᵇ; wenn dich ein andacht zbetten ankompt. Kirchhof wendunm. 256; witwens andacht, die wehret bisz sich einer aufnestelt. Fischart Garg. 73ᵃ; weinen zur andacht. 152ᵃ; auf vollen bauch steht wol ein volle andacht. 162ᵃ;
Fabri dem viel heiligen man
ein andacht kam zu baden an,
wolt baden da mit freuden.
Ambras. 163, 5;
die frömmste frau in unsrer stadt,
die stets den mund voll andacht hat.
Gellert 1, 63;
die andacht reiszt.
Wieland 22, 73. vgl. andachtsfaden;
aus dem umgange eines fürsten, der sich andachtswegen der regierung entschlagen. Schiller 899; die stimmung des gemüths zur empfänglichkeit gottergebener gesinnungen, andacht genannt. Kant 6, 353. Zumal wird unter andacht das gebet verstanden, seine andacht verrichten, solche gebete heiszen morgen- und abendandachten: sie können die frau muhme itzt nicht sprechen, sie hat ihre andacht und ich wollte nicht viel nehmen und sie stören ... aber die gute frau musz ja den ganzen tag beten, ich mag kommen, wenn ich will, so hat sie ihre andacht. Gellert 3, 135; den grünen donnerstag denke ich meine andacht zu haben (das abendmal zu nehmen). 6, 9. Die feiste andacht war dagegen im 16 jh. ein weltliches vergnügen: habt ihr nicht die feiszt andacht gemalet gesehen? Fischart Garg. 81ᵃ.
Zitationshilfe
„andacht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/andacht>, abgerufen am 24.03.2019.

Weitere Informationen …