alles, als
Fundstelle: Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 229, Z. 66
gen. sg., diente im 16. 17 jh. zur bildung von schelten und flüchen, wie schon bei aller und allers ausgeführt wurde:
das dich bocks marter, alls narrn, schend!
spil wie man die narren beschweren sol 1558. E 2;
das dich botz seich, als narren, schend!
das. E 4;
das dich bocks leber, alles narren, schend!
das. E 5;
das dich botz erdrich schend, als alten wolfs!
Freys garteng. 140;
das dich botz tausent sack foll enten schend, als unflats!
Montanus garteng. 9ᵇ;
ei das dich botz hur schend, als Lienlins!
das. 14;
das dich botz tausent uber und uber schend, alles böswichts!
das. 41;
ei das dich botz füdloch schend, alles böswichts!
das. 41;
ei so sauf in tausent teufel namen, als böswichts!
das. 53ᵇ;
as dich der rit schend, als burens!
Karsthans (1520) aa 3 (in H. Kurz Murner s. 166);
das dir got den ritten geb, als bawren!
flugschrift hie kompt ein beuerlein. +o. j. u. o (um 1520) 2ᵇ;
schweig tausent teufel namen, als anmechtigen beüerleins!
das. 3ᵇ;
o Peter, das dich potz tunder sacra leiden schend, als Peterskopfs!
gespr. zw. Peter und dem landsknecht Bᵇ;
das dich all plagen und herzritt,
als lidenlosen leckers, schütt!
Ruefs Adam 2318;
das dichs kalt wee und der herzritt,
als lidenlosen leckers, schütt!
3951;
das dich der ritt, als keiben, schütt!
4217;
das dichs kalt wee und der ritt,
als keiben apostützlers, schütt!
4287;
das dich sant Kürin und der ritt,
als richen keiben luren, schütt!
5026;
dich schütt der ritt, als mungentrüssel(s)!
5667;
das dich der ritt, als gulis, schütt!
5750;
ich schlach dich, das zur erden falst,
als lidenlosen öden wib(s)!
5753;
das dich der ritt, als puren, schüt!
Ruefs Tell s. 77;
das dich der ritt, als kätzers, schütt!
Ruefs leiden Christi E 4ᵇ;
das dich sant Watla und der ritt,
als kätzers und als keiben, schütt!
das. F 2;
das dich der ritt,
als luren und als keiben, schütt!
das. L 3;
das dich die trüs, als klappermans, schütt!
L 6ᵇ;
du tropf, du magst noch gar wol zien,
das dich der tod, als kutzn, müsz flien!
Manuels trunken rott A 7ᵇ;
der donder dich, als keiben, schüsz!
D 8ᵇ;
das dichs herzleid, als mans, ankum!
E 4;
das dich der donder schiesz, als keiben!
H 3ᵇ;
der tod dich schend, als fulen wins!
H 4;
das dich der ritt schütt, als mostfinken!
H 5;
das dich als unglück schend, als balgs!
H 6ᵇ;
das dichs kalt wee ankum, als filz!
K 3;
der satler flucht ihm (einem edelmanne, den er für einen bauer ansah) und sprach: das dich der rit schüt, alles buren! wie sein ir so hoffertig.
Paulis schimpf und ernst. Straszb. 1522. bl. 81ᵃ;
das dich der ritt, als unflats, schütt!
Barbali 1526. Bb 6;
das dichs helsch fhür anzünd, als balgs!
das.
hei das dich gott, als kuchisüdels, straf!
das. Cc 3;
das dich der ritt, als gouchen, schütt!
parabel vom verlornen sun. Basel 1537. F 2;
ietz kanst dich wider schicken in,
der ritt, als gouchs! du bist voll win.
Job. Zürich o. j. (um 1545—50) F 3;
das dichs herzeleid, als hirten, schend!
wie hast uns unser glück verwent,
läszt Valentin Boltz in der ölung Davidis. Basel 1554 G 8 einen philister zu David sagen;
das dich bocks marter, alls narren, schend!
spil wie man die narren beschweren sol. o. o. 1554. E 2;
das dich botz seich, als narren, schend!
das. E 4;
das dich bocks leber, alles narren schend!
das. E 5;
du ghörst nit (bist taub), als dilltappen!
H. Sachs I, 497ᶜ;
ich kenn dein nit, geh hin, als narrn!
H. Sachs II. 2, 27ᵈ;
confitebatur sacerdoti somnolento et veternoso puer rusticus, et illo obdormiente stabat aliquantisper attonitus et cogitabundus. ibi subito expergiscitur sacerdos et puerum adoritur: perge, inquit, et dicas, quid commiseris amplius. puer admodum perterritus: das dich d'unholden reuten, als pfaffen, wie hast mich erschreckt! Nic. Frischlini facetiae 1600. 6ᵇ; ei das dich potz marter schende, alles tropfen! Dilbaums dialogus zweier landsknechte. 1605. B 1;
ich biet dir trutz, als losen narrn.
Fritzel Fingerhut 1628 B 1;
find ich dich hie, als losn tropf,
du schlimmer loser mauskopf!
das. B 8ᵇ;
ei hab dir die drüs, als narren!
Ayrer 43ᵈ;
gott geb dir die pestlenz, als narren!
59ᵇ;
dir gebürt nit so vil, als narrn!
159ᵇ.
Von diesen für die geschichte der fluchformel lehrreichen belegen erreicht noch kein einziger das jahr 1650; sie mögen auch in der zweiten hälfte des 17 jh. spurweise auftauchen, nachher sind sie ganz verschwunden. dasz bei als nicht an die partikel zu denken ist, zeigt die verschiedentlich ausgedrückte volle form alles, und die analogie des gerade so verwandten aller und allers, dies alles hat aber jederzeit einen gen. sg. männlicher oder neutraler substantive neben sich, deren s nur dem reim zu gefallen einigemal ausfällt, deren begrif aber etwas herabsetzendes und scheltendes einschlieszt. dem David wird zugerufen 'als hirten!', dem beichtvater 'als pfaffen!', dem landmann 'als bauern!' das will sagen: du elender hirtenbub! du armer pfaffe! du grober bauer! den gen. des subst. wie des zugesetzten adj. kann nur ein ausgelassenes, mitverstandnes wort erklären, was schon oben unter aller angenommen wurde, ungefähr wie auch die gen. aller hand, aller lei zwar andern subst. vortreten, zuweilen allein stehn können. alles hirten! soll sagen: du alles hirten bild, schein, exempel; nur befremdet, dasz ein solches subst. nie wirklich gesetzt vorkommt, was der schelte an kraft nichts benehmen könnte. Nicht übersehn werden dürfen die beiden aus H. Sachs beigebrachten als in fällen, wo er sonst allers schreibt. die zahlreichen flüche und schelten mhd. gedichte liefern aber noch nicht die geringste spur solcher constructionen mit alles und aller.
alles
Fundstelle: Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 229, Z. 53
mhd. alleʒ (Ben. 1, 20ᵇ) adverbialer accusativ, in der bedeutung von immer, erscheint noch im 17 jh., doch zu einsilbigem alls gekürzt:
sie aber kalt und hart als eine seule bleibet,
und ihn mit ihrer härt alls wieder von ihr treibet.
Werders Ariost 1, 49.
wer alls wil fechten und gar nichts leiden
hat sein schwert nimmer in der scheiden.
froschm. 1. 2, 6. J 7ᵇ;
rote corallen um den hals,
ein leibgürtel vergüldet als.
das. C 7ᵃ,
in der letzten stelle meint es ganz, überall, per totum. noch heute: er geht alles (als) im bloszen kopfe. s.allesfort undals.
alles
Fundstelle: Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 229, Z. 46
steht substantivisch neben possessiven im sinne von vermögen, habe, gut und höchstem gut (verschieden von dem substantivisch gesetzten all = universum): du bist mein alles; es ist dein alles (alles was du hast); der knabe ist dein alles (dein liebstes gut); unser alles steht nun auf dem spiel;
mein alles hängt an meiner worte kraft.
Schiller 427;
sie setzen ihr alles auf dein einzig haupt.
369.
Zitationshilfe
„alles“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/alles>, abgerufen am 22.09.2019.

Weitere Informationen …