C
Fundstelle: Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 601, Z. 1
1)
Da wir, gleich den Griechen und Slaven, die tenuis des gutturallauts mit K ausdrücken, so ist dafür das aus dem lateinischen alphabet entnommene C ganz überflüssig, fehlt darum auch der gothischen und altnordischen schrift, die Slaven verwenden es für S, die Polen und Böhmen für Z. doppelung des K könnte, wie die des P und T durch PP, TT, ebenfalls durch KK bezeichnet werden, indessen hat sich CK bisher behauptet. unentbehrlich aber bleibt, solange wir für die kehlaspirata kein einfaches zeichen, wie die Gothen das gr. X, annehmen, C in CH. von beiden lautverbindungen CH und CK, so wie von SCH, TSCH näher an der gehörigen stelle.
2)
gröszeren umfang gewinnt das bei uns eingedrungne C dadurch, dasz es in vielen aus dem latein und den romanischen sprachen entliehenen wörtern haftet. zwar könnte es als tenuis auch hier durch K vertreten werden und Ulfilas schrieb auf griechische weise kaisar karkara akeit faskja, wie wir noch heute kaiser kerker keller kiste kirsche. ahd. nahmen solche wörter häufig ein CH an: cheisar, charchari, chafsa, chiricha. als aber die romanische aussprache des C sich verwandelte, nur vor a o u und vor liquiden rein blieb, vor den übrigen vocalen zischend ward, erschien dieser zischlaut nunmehr auch in den seitdem aufgenommenen wörtern, und wir sprechen zelle (neben jenem unmittelbar verwandten keller) zentner zimmet zirkel aus. die schreibung begann zwischen K und C vor a o u, so wie den liquiden, zwischen Z und C vor den dünnen vocalen lästig zu schwanken, man findet bald capitel consul classe crocus curios, bald kapitel konsul klasse krokus kurios, und ebenso celle ceremonie cimbel oder zelle zeremonie zimbel. jedoch läszt sich erkennen, dasz in althergebrachten oder sehr geläufigen wörtern und formen dem K und Z ein vorzug vor C gegeben wird, wir schreiben kammer kreuz bezirk, aber camerad crucifix circulieren. jedermann setzt heute kaffee kanone kanzel klar kloster krone, die meisten behalten aber canon canonisieren reclamieren u. a. m. unser schweben zwischen B und P berührte noch den laut selbst, während hier C und K völlig gleich ausgesprochen werden, ihre unterscheidung gewährt höchstens den vortheil, dasz K längst durchgedrungne, eingebürgerte, untilgbare fremdlinge anzeigt, C später eingeführte, unhäufigere, welche bei gröszerer acht auf die reinheit unserer sprache sich durch einheimische ausdrücke wol noch ersetzen lieszen. streng aber ist es damit nicht zu nehmen, sondern oft waltet stumpfe willkür.
3)
das wörterbuch kann nicht die unzahl aller mit C anlautenden ausländischen wörter sammeln wollen, woran auch gar nichts läge; es geht, wie in andern buchstaben darauf aus, auszer den bei uns fast zu fleisch und blut gewordnen und reich wuchernden, solche hervorzuheben, welche besondere bedeutungen entfaltet haben, oder in früheren jahrhunderten üblich waren, nachher wieder ausgestorben sind. ihre kenntnis wird, da sie häufig auch die ursprüngliche form abändern, für die sprache des 15. 16. 17 jh. nothwendig.
4)
auf die etymologie fremder wörter, deren wurzeln in unsre sprache nicht eingreifen, darf es wenig abgesehn sein.
5)
ein, gleichwol alter, fehler ist es in echtdeutschen wörtern C für K zu verwenden. vorzüglich geschieht das in eigennamen wie Carl, Conrad, Cunz, aber auch in städtenamen oft dunkler abkunft. doch Cöln aus colonia, Cassel Castell aus castellum wegen ihres alters haben sich längst ein K verdient. in alten drucken, z. b. der Keisersbergischen predigten findet man clage clein cleid craft u. a. m. für klage klein kleid kraft gesetzt, wie ähnliches auch ahd. mhd. vorkommt.
6)
überall musz K aufgeschlagen und nachgeleesen werden, weil es bei manchen wörtern ganz zweifelhaft oder gleichgültig ist, wie man schreiben wolle, z. b. canzel oder kanzel, capelle oder kapelle.
Zitationshilfe
„C“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/C>, abgerufen am 22.08.2019.

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