überlang adverbiell
Fundstelle: Lfg. 3 (1921), Bd. XI,II (1936), Sp. 362, Z. 64
zusammenrückung aus präp. über und acc. lang, mit dem wortton auf letzter silbe (Schmidt-Petersen 10ᵇ). nebenformen: überlangs (z. b. Zimmer. chron.; E. Alberus, vgl. auch Crecelius 2, 832; Schemionek 41; Frischbier 2, 418ᵇ; Schmidt westerwäld. idiot. (1800) 276; Stürenburg 163ᵇ); überlangest (Hennenberger); überlangst (Paracelsus; Nigrinus); überlängs (Frischbier a. a. o.); überlängst (D. v. d. Werder; J. Walther; Schweinichen); in der Schweiz auch überlangen (F. Platter), überlangem (Staub-Tobler 1, 58).
1)
local: a) der länge nach Frischbier a. a. o.; Schmidt westerw. idiot. a. a. o.; b) mnd. für 'in größerer entfernung', belege bei Schiller-Lübben 3, 266.
2)
temporal, nach vor- und rückwärts gerechnet: 'nach langer zeit' und 'vor langer zeit'.
a)
nach langer zeit. mhd. und mnd., vgl. mhd. wb. 1, 930ᵇ; Schiller-Lübben a. a. o.;
'he heitet', sprac sî, 'Ê',
end dar nâ 'nê' over lanc,
alsô sî die minne dwanc,
ê sî volle sprâke 'as'
Eneit 1531 Behaghel;
to erden werden wir
wann? dusser averlang, der ander schir
Husemann spruchsammlung (1575) 122 Weinkauff;
mit hynderred und lyegen grosz
gibt er gar manchem einen stosz,
der das erst uberlang entpfindt
Brant narrenschiff 7, 7 Zarncke 10ᵇ.
erweitert und abgeschwächt: darauf, dann, später. doch hat Constantins uberlang disse gschrift dem synod zugesant Hedio chron. Germ. (1530) 154ᵃ; Theophilus ... kam überlang in Hispaniam, von dannen er ein wib überlangen gon Basel bracht, sagt, were sein eefrauw Felix Platter tageb. 253; der gute fromme keyser ... rüffte umbsonst die Behmen und Polen umb hülffe an, ... uberlang entschüldigte sich der könig zu Polen gegen dem keyser Rätel chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 201; so unter dem gürtel ein roter reiff entspringt, demnach gelbe bläterlein, demnach uberlangst hernach fallen löcher ein im selbigen reif Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 600. mit negation für bald, kurz darauf:
dô wart bî ime niht über lanc
ein türlîn ûf getân
Iwein 1150;
nicht überlang darnach es gschach,
das man von ferr herkomen sach
ein wetter
Teuerdank 173;
dasz er nicht uberlangst darnach gestorben mit unleidtlichem schmertzen Nigrinus von zäuberern u. hexen (1592) 76.
b)
vor langer zeit, dann abgeschwächt: vor einiger zeit, vor kurzem, olim. pridem Schiller-Lübben a. a. o.; Schöpper syn. diijᶜ; Steinbach 1, 970; Strodtmann Osnabr. 151.
c)
iterativ: α) von zeit zu zeit, bisweilen Lexer handwb. 2, 1818; Schiller-Lübben a. a. o.; noch in maa. lebendig, z. b. Stürenburg a. a. o.; Schmeller (in d. bedeutung 'selten') 1, 1488; spötter, so ausz gewonheit etliche zu allen predigten gehen, ettliche je zu allen zeiten uberlang eine predig hören C. Faber sabbathsteuffel in theatr. diabol. 2, 303ᵇ; doch möcht einem auch solcher vortheil, wann er überlangs ein mal gebraucht wurde, zu gut gehalten werden Alberus fabeln 4 neudr. β) der reihe nach:
wurd ich der minn nicht von dir sat,
ich näm ander zwölf an der stat,
die mich minnen überlank
in dem stro und auf der pank
fastnachtsp. 400, 19.
überlang adj. u. adv
Fundstelle: Lfg. 3 (1921), Bd. XI,II (1936), Sp. 363, Z. 57
zu lang, und einfach steigernd für sehr lang: stralongo Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1173ᵇ. zeer lang deutsch-holl. wb. (1787) 466ᶜ; Adelung 4, 760.
1)
local. überlange posaunen Göthe I 49, 262 Weim.; sein überlanger hagerer begleiter Eichendorff (1864) 2, 414; sumpfvögel mit überlangen beinen Schopenhauer 3, 245 Grisebach;
nach dem das thier war ungestümb,
rumoret im land umb und ümb
mit seynem uberlangen schwantz
H. Sachs 3, 467 Keller.
in weiterer verwendung: ein überlanger brief Jean Paul 55—58, 111 Hempel; ein überlanges wort Jahn 1, 221; das passional ist ein überlanges gedicht J. Grimm kl. schr. 7, 328. als term. der meistersänger: überlanger ton gemerkbüchlein d. Hans Sachs 48 neudr.; Puschmann meisterges. 27 neudr.; Straszburger studien 3, 195.
2)
temporal: in überlanger zyt Steinhöwel de claris mulieribus 32; mein in diesen landen so überlanges verwarten Butschky hd. kanzelley 93; überlange rede Göthe IV 16, 39 Weim.; überlanges stillschweigen J. v. Müller (1810 ff.) 16, 360; auf einem überlangen spatziergange Bismarck briefe an s. braut 179;
nicht lang mehr wird sie währen,
die überlange friedenszeit!
Freiligrath ges. dicht. 2, 194.
prädicativ: das ist zelesen mit unmütiger geberd als ob es in überlang bedunckte Terenz deutsch (1499) 66ᵇ; es war eben der längste tag, der ihm überlang zu werden drohte Göthe I 24, 150 Weim. adv. überlange, überlang: im unbehagen die tafelzeit überlang verschoben zu sehen Göthe I 24, 172 Weim.; die ... quälerey hatte überlange gedauert F. H. Jacobi werke (1812) 5, 221;
glück, bretspiel, weibergunst, rauch, mond und sonnenschein
mag alles überlang nicht wol beständig seyn
Rachel satyr. ged. 21 neudr.
Zitationshilfe
„überlang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/%C3%BCberlang>, abgerufen am 15.10.2019.

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